Erwartungen treffen auf realen BDSM

Darf Sub Wünsche und Bedürfnisse äußern? Oder widerspricht das in sich schon der Rolle als Sub? Muss man als Sub also willen- und wunschlos sein? Oder zumindest den Willen und die Wünsche nicht äußern, sondern sich komplett dem dominanten Part unterwerfen?

„Aber wenn ich dir meine Wünsche und Fantasien sage, bin ich da nicht so eine Wunschzettelsub?“. Diese und ähnlich spannende Fragen habe ich in letzter Zeit diskutiert. Sie haben mich zum nachdenken angeregt und ich habe dabei wieder einmal viel gelernt.

Wenn man Sub ist, dann sucht man dominante Führung, Abgabe von Kontrolle, nicht entscheiden müssen. Das liegt in der Natur der Sache. Und ja, da scheint es vielleicht gerade als Anfängerin oder Anfänger widersinnig, wenn man nach Wünschen und Fantasien gefragt wird. Schließlich will man ja brav und gehorsam sein. Man will nicht vorgeben was passieren soll. Das soll ja gerade der dominante Part tun. Und gibt es da nicht dieses schlimme Wort „Wunschzettelsub“? Das möchte man ja nun auf gar keinen Fall sein. Denn das ist offenbar das Schlimmste überhaupt.

Nun gut, räumen wir mal mit ein paar Mythen auf. Ich habe es schon gelegentlich gesagt und sage es wieder: der Begriff Wunschzettelsub ist für mich ein Kampfbegriff. Wer ihn verwendet, will damit in den allermeisten Fällen bezwecken, dass jemand seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse aufgibt und hinten anstellt. Ich halte das für grundfalsch und benutze diesen Begriff nie.

Wer jemanden als Wunschzettelsub bezeichnet, der scheut die Auseinandersetzung mit dem Gegenüber und will das Gegenüber zum Schweigen bringen. Werdet ihr so bezeichnet, dann würde ich an eurer Stelle ganz scharf nachdenken, ob euer Gegenüber eure Aufmerksamkeit, Zuwendung und Zeit wert ist.

Jetzt fragt ihr vielleicht „Ok, aber ich will doch, dass Dom bestimmt. Ist Wünsche äußern dann nicht doch falsch in einer Dom/Sub-Beziehung?“

Nein, finde ich überhaupt nicht. In der Kennenlernphase muss Dom ja überhaupt erst einmal wissen und herausfinden, was Sub mag und was nicht. Klar kann man das per „Trial and Error“ machen oder Dom raten lassen. Einfacher ist es aber, wenn man sagt worauf man steht. Das spart viel Zeit und Nerven und man umgeht viele potentielle Fettnäpfchen.

Vor allem aber liegt in der ganzen Thematik ein grundlegender Denkfehler vor. Ja, Sub möchte, dass Dom entscheidet. Am besten vielleicht von Anfang an. Aber Wünsche zu äußern und Bedürfnisse zu benennen ist ja nicht das Selbe, wie Wünsche und Bedürfnisse nach blieben und nach eigener Ansage erfüllt zu bekommen.

Wenn ich als Dom genau weiß was die Wünsche und Bedürfnisse sind, dann kann ich doch um ein vielfaches besser damit spielen. Ich kann die Erfüllung für Gehorsam in Aussicht stellen. Ich kann die Erfüllung verweigern, wenn ich nicht zufrieden bin. Ich kann die Erfüllung eines Wunsches andeuten und mit der Erwartung spielen, um ihn dann doch nicht zu erfüllen und so weiter.

Dom bestimmt was passiert. Eben auch ob Wünsche erfüllt werden. Dazu muss Dom diese aber kennen und kann so viel effektiver und zum Lustgewinn beider Seite damit spielen. Kennt Dom die Wünsche und Bedürfnisse nicht, ist ihm oder ihr ein sehr spannendes und vielseitiges Instrument genommen.

Daher plädiere ich immer dafür, dass Sub Fantasien, Wünsche und Bedürfnisse vollkommen offen kommuniziert. Meiner Sub gegenüber verlange und erwarte ich das. In der Kennenlernphase genauso wie auch später. Erst wenn ich weiß, worauf Sub heute besonders Lust hat kann ich doch damit spielen und es verwenden. So haben beide etwas davon.

Was wäre vor allem die Alternative? Einen Wunsch nach einer sexuellen Praktik, einer bestimmten Szene oder einer Fantasie immer nur für sich behalten? In der stillen Hoffnung, dass Dom irgendwann von alleine darauf kommt? Und passiert das nicht, dann still und leise frustriert sein, weil dass, was man gerne hätte eben nie passiert? Das kann ja nicht Sinn der Sache sein.

Noch einmal muss ich in diesem Zusammenhang auf meine Bild des Rahmens zurückkommen, in dem wir BDSM leben. Dom und Sub vereinbaren einen Rahmen von Dingen, die zwischen ihnen gewollt und ok sind. Alle gewünschten und erlaubten Praktiken, Fantasien und Szenarien liegen innerhalb des Rahmens. Alles unerwünschte und verbotene außerhalb. Innerhalb des Rahmens hat Dom komplette Verfügungsgewalt. Was außerhalb liegt, ist eben außerhalb und damit außen vor was die Dom/Sub-Beziehung angeht.

Je reichhaltiger dieser Rahmen gefüllt ist, desto mehr Spielraum hat Dom. Desto weniger vorhersehbar ist, was passieren wird. Desto spannender und reizvoller wird das gemeinsame Spiel. Wenn innerhalb dieses Rahmens auch die Wünsche und Bedürfnisse von Sub bekannt sind, dann verbessert und vertieft das nur das gemeinsame BDSM-Erlebnis.

Wenn euch also andere oder eure innere Stimme sagen, dass es als Sub falsch ist Wünsche zu haben und zu äußern, dann hört nicht auf sie. Sie haben unrecht. Offene Kommunikation über Wünsche und Bedürfnisse ist Teil einer gesunden BDSM-Beziehung. Dass am Ende aber nur der dominante Part über die Erfüllung bestimmt eben auch. Und das ist beides gut so.

Warnzeichen für Doms

Neulich habe ich mich in einem Artikel mit Warnzeichen für Subs beschäftigt. Woran man als Sub erkennen kann, dass man es womöglich mit einem Dom zu tun hat, von dem man lieber die Finger lassen sollte. Oder bei dem zumindest Vorsicht geboten ist. Diese Art Warnzeichen gibt es aber auch umgekehrt. Also woran erkennt ein Dom, dass er es mit einer oder einem Sub zu tun, bei der oder dem Vorsicht geboten ist?

Oft wird diese Perspektive vernachlässigt und sie birgt aus meiner Sicht auch ein wenig weniger Gefahren, denn meist ist doch Dom „am Ruder“ und riskiert seltener die eigenen Gesundheit. Die Gefahren der emotionalen Verletzungen sind allerdings auf beiden Seiten gleich und niemand möchte natürlich enttäuscht oder verletzt werden. Daher sind manche Warnzeichen eben doch wichtig und man sollte auf sie achten.

Wichtig ist mir dennoch, dass Verhalten wie ich es beschreibe kein Fehler ist. Es mag Doms geben, die genau das suchen. Niemand ist falsch, so lange er oder sie dem anderen nicht schadet.

„Ich gehöre für immer dir“ – In der Euphorie die Neigung endlich ausleben zu können und endlich jemanden dafür gefunden zu haben, werden oft schnell große Versprechungen gemacht. Ich musste selber schmerzhaft lernen, dass man diesen Beteuerungen nicht zu schnell glauben sollte. Oft genug ebbt die Euphorie im Alltag ab, Probleme treten auf und die großen Worte sind schnell vergessen. Also Vorsicht, Verletzungsgefahr!

Braucht ständige Anleitung BDSM ist eine wunderbare Sache und D/s erst recht. Es ist schön, wenn Sub Führung sucht und Dom sie gerne gibt. Wenn es aber ausartet, dass Führung nicht nur gewollt, sondern gebraucht wird um überhaupt durch den Alltag zu kommen, dann wird es schnell kompliziert. Und vor allem auch sehr unsexy. Wenn Sub für jeden Atemzug eine Anweisung braucht, dann mag das für den Anfang ganz spannend scheinen. Auf mittlere und vor allem lange Sicht kann es aber auch sehr anstrengend werden. In dem Fall gilt es sich in Acht zu nehmen was man sich wünscht, es könnte auf Dauer zu viel sein.

Fordert ein – Es gibt Typen von Subs, männlich wie weiblich, für die ist ein Dom eher Wunscherfüller oder Erfüllungsgehilfe oder wie auch immer man es nennen mag. Wenn Sub also zwar eigentlich geführt werden will, dann aber immer klar zu verstehen gibt „jetzt mach bitte das mit mir“, dann ist Vorsicht geboten. Nichts gegen Wünsche und dagegen sie auch zu äußern. Aber zu BDSM gehört eben auch, sich auszuliefern und zu unterwerfen. Dabei gleichzeitig den Ton anzugeben geht nur schlecht.

Ist „tabulos“ oder behauptet es – Niemand ist tabulos. Wer von sich behauptet „alles mitzumachen“ lügt oder hat irgendein Problem. Tabus mangels Erfahrungen nicht einschätzen oder benennen zu können ist damit allerdings natürlich nicht gemeint. Das kann gerade bei Anfängern immer vorkommen. Aber wenn jemand beim Kennenlernen allen Ernstes behauptet völlig tabulos zu sein, dann ist schon einmal grundsätzlich Vorsicht geboten.

Verschweigt Probleme – Richtig gefährlich kann es werden, wenn Sub von vornherein bekannte oder frisch auftretende Probleme verschweigt. Sei es aus Sorge „schwierig“ zu sein oder um zu Gefallen, in dem Sub viel aushält. Dabei können Grenzen überschritten werden und Schäden entstehen, die nicht mehr wieder gutzumachen sind. Körperliche, aber vor allem auch mentale oder seelische. Wenn Sub beispielsweise auf Rapegames steht, aber frühere Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt verschweigt, dann ist die Katastrophe vorprogrammiert. Oder Sub überspielt Schmerz, will nicht als „zu weich“ erscheinen und hält so mehr aus, als eigentlich gut gewesen wäre. Die Probleme folgen unweigerlich und können eine Spielbeziehung zerstören. Hier rate ich wie immer zu ganz offener Kommunikation.

Hält sich nicht an Absprachen – Eigentlich gilt dieser Punkt für jeden zwischenmenschliche Beziehung. Es wird schwierig, wenn das Gegenüber sich nicht an Absprachen hält und wenn möglich sollte man dann Abstand nehmen. Im BDSM gibt es aber eben noch einmal ganz andere Absprachen. Dinge, die man vereinbart und die eingehalten werden sollen. Regeln, der Rahmen den man miteinander vereinbart, wie man die Kommunikation gestaltet usw. Wer sich Sub daran immer und immer wieder nicht hält, dann ist auch das für mich immer ein Warnzeichen.

Hin und her – „Ich will, nein doch nicht, doch, nein doch nicht, oder vielleicht doch?“. Man kann Sub nicht überreden. Man sollte es auch gar nicht versuchen. Es bringt nichts. Wer nicht mit Überzeugung dabei ist, sollte eben erst klar kommen. Besser kann ich es nicht sagen. Damit sind wiederum nicht die Umstände gemeint. Umstände kann man manchmal nicht ändern und muss damit arbeiten. Aber die Überzeugung sollte da sein. Sonst wird es auch hier sehr schnell schwierig.

Wie schon neulich bei meinem Artikel über Warnzeichen bei Subs hätten es auch mehr als sieben werden können. Nun sind es sieben für beide Seiten. Vielleicht ist das ja auch eine ganz gute Symmetrie. Vollständig sind beide Aufzählungen sicher nicht. Hoffentlich dienen beide Artikel als Denkanstoß. Vielleicht können sie BDSM-Freunden auf beiden Seiten helfen potentielle Probleme frühzeitig zu erkennen um diese entweder anzusprechen oder im schlimmsten Fall die Notbremse zu ziehen.

Auch zu diesem Artikel gibt es ein Pendant bei den KollegInnen von Deviance.

Meine goldenen BDSM-Grundsätze

Ich befasse mich schon lange mit BDSM. Praktisch und theoretisch. Dabei habe ich viel über mich und meine Vorlieben gelernt. Ich habe sie oft hinterfragt, neu sortiert und kommuniziert. Im Laufe der letzten Monate habe ich mir überlegt, ob ich daraus mal eine Aufstellung machen sollte. Eigentlich für mich. Aber am Ende natürlich auch für jeden anderen und jede andere, den es oder die es interessiert.

Am Ende geht es in diesem Artikel vielleicht auch um eine Art Essenz vieler anderer Artikel. Wer diese gelesen hat wird hier vermutlich wenig überraschendes finden. Vielleicht ist es aber gerade in dieser komprimierten Form doch noch einmal spannend.

Was sind also nun die Grundsätze? Fangen wir mal an.

  1. Kommunikation / Absprachen
    Ein Großteil von BDSM ist Kommunikation. Kommunikation bevor man anfängt, also in der Kennenlernphase. Man tastet sich heran und nähert sich einander. Findet heraus, welche Erwartungen und Wünsche das Gegenüber hat und ob man sich in der Hinsicht verstehen könnte.
    Aber auch wenn man BDSM miteinander auslebt, bleibt es immer viel Kommunikation. Verbale und Nonverbale. Denn wenn ich eine Sub schlage oder erniedrige, dann achte ich auf ihre Reaktion. Auch das ist Kommunikation. Kommunikation ist also der Schlüssel für alles. Wenn die nicht harmoniert, dann kann es auch nichts werden. Wenn jemand auf Kommunikation keine Lust hat, dann kann es auch nichts werden. Kommunikation ist zentral.
  2. Rahmen
    Ich habe über den Rahmen in dem wie BDSM leben bereits einen ganzen Artikel geschrieben. Daher halte ich es hier etwas knapper. Wenn man BDSM miteinander auslebt, dann gibt es keine festen Regeln, was dazu gehört und was nicht. Das vereinbart man ganz individuell. Ob BDSM nur beim Sex oder auch im Alltag stattfindet. Ob man ihn für sich oder mit anderen lebt. Welche Praktiken dazu gehören. Welche Worte verwendet werden dürfen und welche nicht. Wer etwas davon mitbekommen darf und wer nicht usw. Für all das gibt es Absprachen. Man vereinbart es und erstellt sich so einen Rahmen der Dinge, die ok sind. Diese Dinge liegen metaphorisch innerhalb des Rahmens. Die anderen Dinge, die nicht ok sind, die liegen außerhalb. Aber da kann es auch in beide Richtungen Bewegung geben. Dinge können hinzu kommen oder weg fallen. Je größer der Rahmen, je mehr er enthält, desto größer der Spielraum den ich habe. Desto größer sozusagen der Werkzeugkasten aus dem ich mich als Dom bedienen kann, weil ich weiß, es ist vereinbart, dass diese Dinge unter uns ok sind. Daher sind diese Übereinstimmungen gut und so wichtig.
  3. Ernsthaftigkeit
    Hier hadere ich selber mit dem Begriff. Eigentlich sagt er nur aus, dass BDSM für mich keine Sache ist, die alle paar Wochen oder Monate mal als Spielerei betrieben wird um die ansonsten etwas langweilig gewordene Beziehung oder nur den Sex aufzupeppen. BDSM ist für mich mehr. Zugegebenermaßen erschließt sich das mittlerweile für die meisten die ich kennenlerne aber auch schon alleine daraus, dass ich mir die Mühe mache einen Blog über das Thema zu schreiben.
  4. Spieltrieb
    Auch hier mangels eines besseren Begriffs eben dieser: Spieltrieb. Damit meine ich, dass es mir sehr wichtig ist den Spaß am Ausprobieren und an der Erforschung der eigenen Vorlieben nicht zu verlieren. Festgefahren in den eigenen Vorlieben und Gewohnheiten zu sein führt schnell zu Frust und auch dazu, dass man sich neuen Menschen und auch neuen Praktiken nicht öffnen kann. Das finde ich extrem schade und ist nicht, was ich mir unter meinem BDSM vorstelle. Ich probiere gerne neues aus, hinterfrage Dinge die „man eben so macht“ und möchte diesen Spieltrieb in meinem BDSM auch in meinem Gegenüber wieder finden.
  5. Offenheit und kein Leistungsdruck
    Ohne Offenheit geht es sowieso nicht. Das sollte jedem klar sein. Aber hier meine ich einen speziellen Punkt. Ich meine die Offenheit und Ehrlichkeit auch mal zu sagen: „Ich kann nicht“ oder „Ich will nicht“. Denn wer als Sub denkt alles aushalten zu müssen, wird unweigerlich fallen. Mutmaßlich in ein tiefes Loch. Dinge die gestern oder vorgestern möglich waren, müssen heute nicht auch möglich sein. Das kommt vor und ist normal. Dann muss man ganz ehrlich mit sich sein und überlegen in wie weit es einem gut tut, sie dennoch auszuhalten. Ich als Dom kann nicht Gedanken lesen. So sehr ich es versuche. Ich bin auf Signale oder eben auf klare Aussagen angewiesen. Nur so haben am Ende beide etwas davon.
  6. Fantasien offen äußern
    A propos Gedanken lesen: ich kann es wirklich nicht. Daher müssen Wünsche und Fantasien auch offen angesprochen werden. Wie soll ich sonst wissen, was im tiefsten Inneren der sexuellen Wünsche so schlummert? Mein Spieltrieb und meine Fantasien sind sehr ausgeprägt. Zur Erfüllung von Wünschen und Bedürfnissen gibt es nur einen sinnvollen Weg: sie ansprechen. Denn echte Gedankenleser sind einfach extrem selten.
  7. D/s mit Anleihen
    Ja, ich lebe D/s. In Varianten und mit diversen Anleihen aus anderen Bereichen. Aber am Ende ist D/s die Überschrift, die am besten zu dem passt, was ich mag. Das heißt auch, dass in meiner Neigung Machtgefälle, Erziehung, Regeln, Strafen und in meinem speziellen Fall Erniedrigung eine große Rolle spielen. Auch da spielt wieder das Thema von eben herein: Ernsthaftigkeit. Ich strafe nicht, weil ich gerade Lust dazu habe. Ich mache aus Lust das, wozu ich Lust habe. Wenn ich aber strafe, dann aus einem Grund und dann muss die Strafe auch wirksam sein. Ebenso verhält es sich mit Regeln. Die sind nicht zum Spaß da und um sie zu ignorieren, wenn man keine Lust auf sie hat. So verstehe ich D/s.
  8. Gemeinsame Entwicklung
    Mein Ideal ist die gemeinsame Entwicklung im vereinbarten BDSM-Rahmen. Sich gemeinsam an neue Themen heran trauen, sich kontinuierlich weiter entwickeln und miteinander wachsen. BDSM ist nicht statisch. Für mich sind ständige Wiederholungen ein und desselben Fetisch, tagein, tagaus nichts. Dazu bin ich viel zu neugierig auf das, was ich noch nicht kenne.

Nun sind es am Ende acht Grundsätze geworden. Ich hatte mal an „Zehn BDSM-Gebote“ gedacht. Aber Gebote klang mir sowieso zu sehr nach Vorgabe und Bestimmung. Hier geht es ja nicht darum jemandem zu sagen was ihm oder ihr an BDSM wichtig ist. Das ist ganz individuell und vielleicht auch so privat wie selten in diesem Blog. Aber vielleicht hilft es euch ja dennoch weiter und gibt ein paar Denkanstöße.

Schädlicher Druck im BDSM

Unter Druck entstehen ja bekanntlich Diamanten. Druck mag also toll sein, wenn man ein Haufen Kohlenstoff unter der Erde ist. Aber im BDSM ist Druck meist kontraproduktiv. Druck etwas zu erreichen. Druck etwas zu tun. Druck zu sein, wie ein anderer es möchte. Druck „Leistung“ abzuliefern. All das sind Dinge, um die es im BDSM nicht gehen sollte. Oft genug geht es aber eben doch darum und das ist ein Problem.

Als kurze Abschweifung möchte ich sagen, dass bei sexuellen Themen grundsätzlich nie Druck im Spiel sein sollte. Weder selbst auferlegter, noch von außen kommender. Ob und wie oft eine Frau kommt. Wie oft ein Mann kann oder ob er nicht kann, ist kein Maßstab der eine Rolle spielen sollte. Wenn die Frau kommt, dann kommt sie. Wenn der Schwanz steht, dann steht er. Wenn nicht, dann nicht. Davon sollte kein Seelenheil abhängen. Aber das nur nebenbei.

Im BDSM gibt es oft Druck. Einmal äußeren Druck und auch den Druck, den wir uns selber machen. Einige Beispiele sind der Druck zu funktionieren, obwohl es einem nicht gut geht. Der Druck Dinge mitzumachen, obwohl man nicht dazu bereit ist. Der Druck mehr oder besser zu sein, als man vermeintlich ist. Das ist extrem ungesund. Vor allem aber ist es auch völlig unnötig um zufrieden und glücklich BDSM auszuleben.

Fangen wir mit etwas offensichtlichem, weil zählbarem, an. Wie viele Schläge hält eine Sub oder ein Sub aus? Wieso sollte das wichtig sein? Zuerst einmal ist so etwas hochgradig abhängig von der Tagesform. Mal spürt man den Schmerz stärker, mal wenig stark. Daher ist ein Vergleich mit letzter Woche oder letztem Monat mindestens fragwürdig. Ein Vergleich mit dem was andere aushalten ist noch unsinniger. Vor allem aber: was soll er bringen?

Wird man in irgendeiner Form eine „bessere Sub“ oder ein „besserer Sub“ wenn man mehr Schläge aushält als jemand anderes? Ganz sicher nicht. Wem sollen solche Vergleiche etwas bringen? Niemandem.

Was sie aber mit Sicherheit bringen ist Druck. Der Druck vielleicht mehr auszuhalten ehe man sagt, dass es genug ist. Der Druck das Safeword doch noch nicht zu verwenden. Noch etwas mehr durchzuhalten. Ich persönlich halte das für ungesund. Denn so über seine Grenzen zu gehen kann gefährlich sein. Daher sollte man sich gut überlegen aus welcher Motivation und aus welchem Grund man solche Grenzen überschreitet. Nur um irgendeine am Ende beliebige Zahl zu übertreffen scheint mir das völlig sinnlos.

Ein anderer Aspekt ist, sich selber oder durch andere unter Druck setzen lassen Dinge zu tun, zu denen man nicht bereit ist. Sei es mit BDSM in die Öffentlichkeit zu treten. Sei es eine sexuelle Praktik auszuüben, zu der man nicht bereit ist. Oder sei es, andere in die bisher als Paar gelebte Beziehung einzubeziehen. Ob der Druck von einem selber oder vom Partner kommt ist dabei egal. Statt ihm nachzugeben, sollte man das Gespräch suchen und die Bedenken ansprechen.

Ja, im BDSM kann es sehr reizvoll sein über Grenzen zu gehen. Ich bin der Letzte, der das nicht versteht. Aber wenn man das tut, dann mit Bedacht und aus den richtigen Gründen. Nicht, weil man dazu gedrängt wird.

Neulich ging es in einem meiner Artikel um Warnzeichen für Subs, bei denen sie die Finger von einem Dom lassen sollten. Ein ganz deutliches Warnzeichen wäre auch, wenn Dom immer wieder mit Druck den eigenen Willen durchsetzt und Sub das Gefühl hat ständig Dinge zu tun, die sie oder er nicht will.

Ja, es geht im BDSM oft darum den Willen durchzusetzen und zu bestimmen bzw. dass über einen bestimmt wird. Aber der Wille des devoten Parts ist nicht egal. Beim besten Willen nicht. Und ihn mit Druck zu überwinden oder auszuschalten ist immer problematisch.

Fragt euch doch selber einmal, wo ihr in eurem BDSM ungesunden Druck verspürt. Druck, den ihr euch selber macht oder Druck, den ihr von außen spürt. Oft ist man sich dessen gar nicht so bewusst. Manchmal kann man ganz gut mit dem Druck leben, aber es hilft dennoch sich seiner bewusst zu sein. Und manchmal ist es vielleicht nötig etwas zu ändern, anzusprechen wo man ungesunden Druck spürt. Denn BDSM sollte nichts sein, dass unter Druck passiert.

Warnzeichen für Subs

Wie oft habe ich in Gesprächen mit weiblichen Subs schon Sätze gehört wie „da hätte es mir eigentlich schon klar sein sollen“ oder „eigentlich hätten da die Alarmglocken läuten sollen“. Was sind denn aber nun echte Warnzeichen bei denen man als Sub noch einmal überdenken sollte, ob man es hier mit einem vertrauenswürdigen und verlässlichen Dom zu tun hat?

Ein schwieriges Thema, denn nicht alle Menschen verhalten sich so, dass es miteinander absolut vergleichbar wäre. Auch nicht alle empfinden ähnliches Verhalten als unangenehm oder gar verletzend. Aber einige Verhaltensweisen sind dann doch so, dass man absolut nur davor warnen kann.

Dabei ist wichtig zu erwähnen, dass ein „Fehlverhalten“ eines Doms für sich genommen vielleicht noch kein Problem sein mag. Aber es kann ein Zeichen dafür sein, dass danach noch andere Probleme folgen. Nach dem Motto „wenn er mich an der Stelle schon nicht ernst nimmt, wie wird es dann erst später sein“. Daher sollte man Probleme frühzeitig ansprechen und gegebenenfalls lieber früher als zu spät die Reißleine ziehen.

Hier nun also die Dinge, die ich Subs als Warnzeichen an die Hand gebe. Wenn euch solches Verhalten begegnet, dann haltet kurz inne in dem was ihr gerade tut und hört mindestens noch einmal ganz genau in euch rein.

Stellt keine Fragen – Ein guter Dom wird immer viele Fragen stellen. Und zwar nicht, ob ihr rasiert seid, anal benutzbar oder ob ihr euch als Kennzeichnung seinen Namen auf den Venushügel tätowieren lasst. Viel mehr wird es am Anfang darum gehen, was euch an BDSM reizt. Was eure Bedürfnisse sind. Was euch kickt, euch Angst macht, wie eure Fantasien aussehen, was ihr erleben wollte und was ihr auch keinen Fall erleben wollt. Wenn einen Dom das alles nicht interessiert, dann ist Vorsicht angebracht. Manche Doms leiden unter der „Berufskrankheit“ zu glauben, sowieso schon alles zu wissen.
Ich habe aber auch schon von dem Exemplare gehört, die Dinge sagen wie „ist mir egal, ich mache mit dir sowieso was ich will“. Wenn euch so einer begegnet, dann rennt. Und zwar schnell.

Bespricht keine Rahmenbedingungen – Der Rahmen ist im BDSM extrem wichtig. Sind Eingriffe in den Alltag gewollt oder tabu? Dürfen Verwandte und bekannte etwas mitbekommen? Findet BDSM nur im Bett und in Sessions statt oder geht es darüber hinaus? All das sind Fragen, die ganz individuell zu beantworten sind. Die einen wollen es so, die anderen so. Gerade deswegen ist es so wichtig diesen Rahmen zu besprechen. Und das auf Augenhöhe. Wer da nicht aus seiner Dom-Rolle kann und Gespräche auf Augenhöhe zulassen kann, wer solche Gespräche nicht will, bei dem ist Vorsicht geboten. Das sollte ein Warnzeichen sein und von dem sollte man eher die Finger lassen.

Verweigert Treffen – Wie sage ich es? Er verlangt von euch Bilder und Videos, will sich aber auch nach Wochen und Monaten nicht treffen? Großer Fake-Alarm.

Will Covern unterbinden – Vertrauen ist im BDSM extrem wichtig. Selbstverständlich. Man begibt sich als Sub in die Hände eines anderen und muss sicher sein, dass einem nichts geschieht. Daher ist der Aufbau von Vertrauen schon einmal an sich ein Faktor den man beachten muss. Wenn ihr nicht das Gefühl habt vertrauen zu können, dann lieber gar nicht weiter gehen. Aber auch wenn man vertraut, ist Vorsicht angebracht. Und da ist Covern ein wichtiger Punkt. Bei einem ersten Treffen ist es gut sich covern zu lassen. Also jemand anderem zu sagen, wo man ist und mit wem man sich trifft. Dem Dom mitzuteilen, dass man sich covern lässt, ist ebenfalls sinnvoll. Sollte er etwas dagegen haben, dann Achtung. Auch das ist ein Warnzeichen.

Will kein Safeword benutzen – Ein Safeword ist, gerade am Anfang besonders wichtig. Es dient der Sub dazu im Notfall STOP zu sagen. Aber es dient euch zur Steuerung der Intensität. Manchmal ist es auch ganz simpel eine Hilfe im Kopf, dass man weiß „wenn es mir zu weit geht, dann kann ich es anhalten“. Will ein Dom partout kein Safeword verwenden, selbst wenn ihr danach fragt, dann zieht lieber gleich einen Schlussstrich, als noch weiter zu gehen. Kein Safeword zu wollen, ist ein echtes Warnzeichen. Auch hier gibt es übrigens die Spaßvögel die Dinge sagen wie „Wofür? Das ist doch hier kein Spiel. Wenn Du eine Sub bist, dann gehorchst Du einfach und zickst nicht rum.“. Mein Rat hier: nachdem ihr aufgehört habt zu lachen, beendet den Kontakt.

Beachtet eure Tabus nicht – Jeder hat Tabus im BDSM, Dinge die er oder sie nicht mögen, die sie nicht reizen, die sie schlicht ablehnen. Diese Tabus bespricht man üblicherweise irgendwann. Diese Tabus zu achten ist eine Selbstverständlichkeit. Aber die Achtung der Tabus sagt auch, dass der Dom euren Willen achtet und daher auch euch als Person. Wenn ein Dom wissentlich und willentlich über Tabus hinweggeht und sich einfach nur nimmt wonach ihm ist, dann ist das schon kein Warnzeichen mehr. Da kann es dann schon in Richtung von Nötigung und Straftaten gehen. Das darf man sich nie und zu keiner Zeit gefallen lassen.

Will unterbinden, dass ihr euch informiert – Im Netz gibt es viele Informationsquellen zu BDSM. Daneben gibt es Stammtische, Bücher etc. Ein Dom, der euch erklären will, dass ihr nur auf ihn und seine Ansichten hören sollt und nicht mit anderen reden, euch anderweitig informieren sollt, der ist auch mit Vorsicht zu genießen. Wenn ein Dom nicht will, dass ihr euch entfaltet, Neues entdeckt, euch informiert, dann ist das für mich ein ganz deutliches Warnzeichen.

Fängt euch nicht auf – BDSM ist oft eine Achterbahnfahrt. Emotional kann da sehr sehr viel passieren und da muss es selbstverständlich sein, dass euch ein Dom auch auffängt und Aftercare anbietet. Sich als erkundigt wie es euch geht, ob alles ok, euch Zeit geben runter zu kommen. Wer euch sofort rauswirft nachdem er seinen Spaß hatte und euch dann mit den Gedanken und Fragen alleine lässt, auch vor dem kann man nur warnen.

Ohne eine bestimmte Gewichtung waren das meine Warnzeichen für Subs und solche, die es werden wollen. Am Ende sind es nun sieben geworden. Es hätten sicher auch noch mehr sein können. Einen Anspruch auf Vollständigkeit gibt es hier sicher nicht.

Inspiration mich näher mit dem Thema zu beschäftigen war übrigens dieser Artikel bei den KollegInnen von Deviance.

Zum Abschluss ist mir eines noch wichtig. Manches in diesem Artikel mag Dinge berühren, die ihr als Verhalten vielleicht mögt. Kein Safeword zu haben kann reizvoll sein. Ohne Aftercare rausgesetzt zu werden und sich so benutzt zu fühlen kann auch etwas sein, dass man als Kick mag. Das ist auch völlig ok. Wenn ihr diese Dinge aber tut, dann nur sehr bewusst und mit dem Wissen um die Gefahr. Vor allem aber mutmaßlich nicht als Anfänger und nicht mit jemandem, der er noch nicht oder nicht gut kennt. Da liegt der große Unterschied.

Angst vor dem nächsten Schritt

Der Einstieg in die Welt des BDSM kann schon beängstigend sein. Dabei meine ich gar nicht den Prozess, es sich selber einzugestehen darauf zu stehen. Auch nicht den Weg überhaupt zu BDSM zu finden. Nein, ich meine den konkreten Einstieg, es dann auch live auszuleben.

Denn nach den oben erwähnten Schritten ist dieser Schritt ja dann eigentlich die logische Konsequenz: die Checkliste abhaken und sich jemanden suchen, mit dem man das auch live ausleben kann.

Aber genau an diesem Schritt verharren viele. Manche sogar Jahre lang. Aber woran liegt das?

Lassen wir mal die außer Acht, die sich bewusst entscheiden den Schritt nicht zu gehen und die BDSM nicht ausleben wollen oder bei denen die Lebensumstände entgegenstehen.

Der Schritt in diese komplett neue Welt kann einem Angst machen. Es kann sich anfühlen als laufe man blind in einen Raum, ohne zu wissen wer oder was in dem Raum ist. Manche finden das aufregend, andere sind von der Vorstellung geradezu gelähmt.

Aber solche Situationen haben wir oft im Leben. Wenn man einen neuen Job antritt, weiß man nicht was einen erwartet. Wenn man Kinder bekommt, hat man auch nur eine grobe Vorstellung, was auf einen zukommt. Selbst eine neue Beziehung ist immer ein Abenteuer und man weiß nie genau, wie sie sich entwickeln wird.

Woher also die spezielle Scheu davor, sich in die Situation zu begeben BDSM auch auszuleben?

In einigen Gesprächen habe ich als Begründung gehört, man lese ja so viele schlimme Dinge. Geschichten, die anderen Frauen passiert seien. Wahre Horrorgeschichten, was alles ganz furchtbar schief laufen kann.

In manchen Foren, wo sich Frauen untereinander austauschen, scheint es nur von solchen Geschichten zu wimmeln.

Ich will das nicht kleinreden. Es gibt diese schlechten Erfahrungen natürlich. Vielleicht gibt es sie auch gar nicht mal so selten. Ich bezweifle aber, dass es sie so häufig gibt, wie man manchmal den Eindruck bekommen kann.

Mit Berichten über schlechten Erfahrungen im BDSM verhält es sich ähnlich, wie mit schlechten Kritiken von Restaurants. Wenn man in einem Restaurant gut gegessen hat, dann setzt man sich selten hin und schreibt eine Kritik darüber, wie fantastisch das Carpaccio war oder wie lecker das Risotto.

War das Carpaccio aber schlecht und der Reis bei Risotto nicht durch, war dann der Wein noch korkig, dann ist die Chance, dass man sich hinsetzt und seinem Ärger Luft macht schon deutlich größer. Ich habe mal den Satz gehört „Wer irgendwo schlecht gegessen hat, der wird es zehn anderen erzählen. Wenn er wo gut gegessen hat, dann erzählt er es vielleicht einem oder zwei.“. Ich denke, dass fasst es ganz gut zusammen.

Schlechte Erfahrungen werden wesentlich häufiger kommuniziert und weitergetragen als gute.

Mit diesen Ausführungen meine ich beim besten Willen nicht, dass es keine Gefahren gibt. Die gibt es. Niemand sollte leichtsinnig werden und zu große Risiken eingehen. Benutzt euren gesunden Menschenverstand. Seid euch sicher was ihr wollt. Hört auf euer Bauchgefühl, ob das Gegenüber der Richtige ist. Ergreift alles an Sicherheitsmaßnahmen, die ihr für notwendig haltet, damit ihr euch gut fühlt.

In den in der Einleitung verlinkten Artikeln steht einiges darüber, was ihr beachten, tun oder nicht tun solltet. Ich rate beim besten Willen nicht zu überstürzten Schnellschüssen.

Aber, lasst euch auch nicht von der Angst regieren eine schlechte Erfahrung zu machen. Auf BDSM zu verzichten aus Angst vor einer schlechten Erfahrung ist ungefähr so sinnvoll, wie nicht mehr Essen zu gehen, weil das Essen schlecht sein könnte.

Oder anders gesagt: habt Respekt vor dem Schritt in die Realität, aber keine Angst. Verhaltet euch vernünftig, hört etwas mehr auf euren Verstand und auf euren Bauch und etwas weniger auf Horrorgeschichten von anderen.

Lustlisten statt Tabulisten

In den Hollywood-Western der 20er bis 40er Jahre trugen die Helden meistens weiße Hüte, die Schurken dagegen schwarze Hüte. Daher stammt der heute noch gebräuchliche Begriff der „white hats“, mit denen man unter Hackern zum Beispiel die bezeichnet, die auf Sicherheitslücken hinweisen statt sie auszunutzen.

Was das mit diesem Artikel zu tun hat? Ehrlich gesagt nicht viel. Aber ich liebe unnützes Wissen und wollte euch, meine Leser damit erfreuen.

Na gut, es hat doch etwas mit dem Artikel zu tun. Denn die Begriffe Whitelist und Blacklist haben eine ähnliche Bedeutung. Auf die Sache mit den Hüten bin ich nur bei der Recherche zu den Begriffen gestoßen.

Das Thema des Artikels ist also die berühmte Tabuliste und was ist eine Tabuliste anderes als eine Blacklist?

Kurz zur Geschichte der Schwarzen Listen oder Blacklists. Es gibt sie, seit es die Menschheit gibt. Schon bei den Römern standen unerwünschte Personen und/oder politische Gegner auf Schwarzen Listen. In der McCarthy-Ära wurden Schwarze Listen von Menschen geführt, die man in der Filmindustrie nicht engagieren durfte.

Unerwünschte Anbieter in der Wirtschaft oder unerwünschte Verhaltensweisen. Zu allem kann man Blacklists führen. Da sind wir dann beim Kern. Im BDSM führt man auch eine Blacklist. Nämlich die, auf der die Praktiken stehen, die man ablehnt, nicht mag und daher nicht ausüben möchte.

Im BDSM heißt diese Liste oft Tabuliste oder schlicht „die Tabus„. Wer noch nicht nach kurzem Austausch nach seinen „Tabus“ gefragt wurde, der hat vermutlich noch nie versucht online jemanden für BDSM kennen zu lernen.

Auf der einen Seite ist es verständlich so etwas wissen zu wollen. Auf der anderen Seite führt es einen im Kennenlernen genaugenommen keinen Schritt weiter. Denn meist stehen auf der Tabuliste die selben Dinge. Meist einige extremere Praktiken. Und was hilft es einem, wenn man weiß das Gegenüber lehnt diese speziellen Extreme ab?

Daher hier eine Top 5 der vermutlich meist genannten Punkte aus Tabulisten weltweit:

  • alles was illegal ist
  • alles was in die Toilette gehört
  • bleibende Schäden
  • Blut
  • Filme mit Till Schweiger

Die Daten sind rein subjektiv und daher weigere ich mich dafür Garantien zu übernehmen. Bis auf den letzten Punkt. Der ist nicht verhandelbar.

Aber im Ernst. Was hilft es einem das abzufragen? Meiner Erfahrung nach stehen auf solchen Listen in 95% der Fälle die selben Dinge. Man gewinnt also nichts. Außer man steht explizit auf Spiele mit Blut oder Natursekt, dann weiß man jetzt Bescheid. Aber auch da wäre es zielführender das Thema direkt anzusprechen.

Ich gebe zu, in sehr seltenen Fällen kann die Frage auch sehr erhellend sein. Als ich sie selber vor Jahren mal Zeit gestellt habe bekam ich als Antwort tabu seien „Küssen und Schwanz blasen“. Das sind seltene Fälle in denen mir die Frage geholfen hat.

Aber im Allgemeinen bringt die Frage eben wenig Erkenntnis. Wenn man jemanden bekochen will fragt man ja auch mal kurz ab, was derjenige oder diejenige nicht mag oder ob es Allergien gibt. Aber dann konzentriert man sich doch eher darauf, was das Gegenüber besonders mag.

Daher sollte man lieber von der anderen Seite heran gehen. Statt sich über Tabus eine Blacklist von Dingen zu erarbeiten die unerwünscht sind, sollte man sich gemeinsam eine Liste von Dingen erarbeiten die erwünscht und gewollt sind. Eine Whitelist. Eine Lustliste sozusagen.

Das dauert länger und macht mehr Mühe, macht aber am Ende auch viel mehr Spaß. Denn statt über abtörnende Dinge spricht man ja über Dinge die beide anmachen.

Aus meiner Sicht werden Tabus überbewertet. Nicht, weil man sie nicht achten sollte. Im Gegenteil. Sie sind wichtig um Grenzen zu ziehen. Aber nicht mehr. Sie sagen nichts darüber aus, wie der BDSM mit der Person sein wird. Oder sein könnte. Sie sagen nichts darüber aus, ob die Chemie stimmt.

Beim Kennenlernen also lieber auf die Gemeinsamkeiten und die gemeinsamen Vorlieben konzentrieren, statt nach dem zu fragen, was man auf keinen Fall will.

Noch mehr gilt dass, wenn einer der beiden die sich kennen lernen wenig Erfahrung hat. Woher soll man etwas über seine Tabus wissen, wenn man wenig bis nichts ausprobiert hat? Dann ist die Frage wirklich nutzlos.

Also, probiert es mal mit einer gemeinsamen Lustliste, statt einer Tabuliste. Einen Versuch ist es wert.

Auch Extreme sind ok

In einem früheren Artikel habe ich mich schon damit befasst, dass in der Fantasie eigentlich alles erlaubt ist. Heute geht es quasi noch einen Schritt weiter. Denn hier soll es um Praktiken gehen, die im allgemeinen als extrem angesehen werden. Dinge, die über das „Übliche“ hinaus gehen.

Nun ist es schwierig im BDSM das „Übliche“ oder „normal“ zu definieren. Aber sagen wir mal, den Arsch versohlen, fesseln, knebeln, mit Wachs behandeln, hinknien, Füße küssen etc. würden vermutlich von den wenigsten als extrem betrachtet werden. Sie gehören sozusagen zum anerkannten BDSM-Kanon.

Andere Spielarten wie zum Beispiel DaddyDom und LittleGirl oder Vorführungen werden von manchen als extrem, von anderen aber als ganz normaler Bestandteil ihres BDSM betrachtet.

Im BDSM gibt es für extreme Praktiken den Begriff des Edgeplay. „Edge“ steht hier für die Kante oder Rand. Man geht hier also bildlich gesprochen an Grenzen. Was darunter fällt ist wie gesagt individuell. Es hilft aber den Begriff zu kennen um sich zu orientieren. Edgeplay ist im allgemeinen übrigens RACK und nicht SSC.

Jetzt aber mal konkret. Worum geht es?

Fangen wir mit dem sogenannten Rapeplay an. Und zwar nicht mit dem zwischen zwei Partnern, die sich gut kennen und mal nur so tun. Hier ist dann doch meist die etwas „realistischere“ Variante gemeint. Klar. Keine Frau will wirklich vergewaltigt werden. Aber Fantasien in denen Aspekte davon oder ganz Szenarien enthalten sind, sind ausgesprochen verbereitet.

Ist es ok so etwas zu wollen und zu genießen? Na klar. So lange niemand zu Schaden kommt. Wie man es hier mit der Sicherheit hält und ob es überhaupt möglich ist, so eine Fantasie „sicher“ zu erfüllen ist natürlich ein Problem. Ein Safeword kann ich mir auch hier vorstellen. Für manche dürfte dass aber wiederum den ganzen Kick daran kaputt machen.

Wie erwähnt sind wir hier weit jenseits von SSC und eindeutig im Bereich RACK. Also kurz gesagt, sich des Risikos bewusst.

Eine weitere extreme Fantasie die ebenfalls natürlich besonders vom Kontrollverlust lebt und auch nicht selten mit dem Rapeplay verknüpft wird ist eine Entführung. Also irgendwo geschnappt und mitgenommen zu werden. Keine Wahl zu haben. Das Ungewisse und auch die Angst sind hier mit Sicherheit der Kick.

Neulich habe ich in einem Forum erst eine Annonce gelesen wo eine junge Frau recht detailliert jemanden für ein solches Szenario gesucht hat. Ich finde es großartig, wenn man so zu seinen Fantasien stehen kann. Noch besser, wenn man selber aktiv wird sie umzusetzen. Ich fange nicht nach jedem Beispiel die selbe Diskussion an. Ja, natürlich sehr gefährlich. Dennoch ok, wenn man sich selber des Risikos bewusst ist und niemand Schaden  nimmt. Risiken abwägen und auf sich aufpassen muss am Ende jeder selber.

Weiterhin gibt es sehr ausgefeilte Fantasien und Wünsche nach Gefangenschaft. In eine Art Zelle eingesperrt zu sein. Vielleicht auf unbestimmte Zeit. Komplett ausgeliefert dem Wohlwollen und den Launen dessen, der einen gefangen hält. Raus geholt werden für Aufgaben, Strafen oder Erniedrigungen und dann wieder weggesperrt werden. Immer wieder.

Von dieser Variante weiß ich zumindest, dass es sie in der professionellen Form bei Dominas gelegentlich gibt. Es ist eine extrem aufwändige Fantasie, die man nicht so ohne weiteres umsetzen kann. Aber wenn, dann entwickelt sie ganz sicher einen ganz besonderen Sog.

Weiterhin gibt es Fantasien des kompletten Kontrollverlustes in dem man nicht mehr bei Bewusstsein ist. Sprich, durch Betäubung keinerlei Einfluss mehr auf dass zu haben was passiert. Vor allem aber auch, nicht zu wissen was passiert ist.

Ich habe mal mit einer Frau gesprochen die das mit ihrem Spielpartner gemacht und sich von ihm dabei hat filmen lassen. Sie fand es einen unfassbaren Kick hinterher zu beobachten, was passiert ist und zu wissen, dass sie es einfach nicht mitbekommen hat und vollkommen ausgeliefert war.

Warum schreibe ich dass alles nun und zähle diese Praktiken auf, die manche sicher erschrecken, die nicht ungefährlich sind und die andere vielleicht auf Ideen bringen?

Ich schreibe es um denen die Angst zu nehmen, die solche Wünsche haben und denken damit alleine zu sein. Dass seid ihr nicht. Es ist völlig ok solche Fantasien zu haben oder solche Dinge auszuleben.

Ihr müsst vor der Umsetzung nur sehr sorgfältig auf ein paar Ding achten und nicht blind in etwas hinein stolpern. Macht euch bewusst was ihr wollt und was euch daran kickt. Überlegt euch, was ihr davon machen könnt und wollt. Überlegt, was ihr euch erwartet und was ihr auf keinen Fall wollt.

Achtet auf eure Sicherheit, geht keine verrückten Risiken ein. Zieht Grenzen zu Dingen die ihr nicht wollt. Oder bleibt einfach nur bei der Fantasie und lebt es nicht aus. Aber schämt euch auch nicht für eure Fantasien.

Oben habe ich geschrieben, was von manchen als extrem und von anderen als ganz normal zu ihrem BDSM gehörig betrachtet wird. Das Lustige ist nun, dieser Artikel ist natürlich rein subjektiv. Er ist aus meiner Warte geschrieben und zeigt daher Dinge, die für MICH eher extrem sind. Vielleicht sind sie für manche da draußen ganz normal. Es ist eben nicht so einfach mit den Definitionen von „normal“ und „extrem“.

Dominant ist nicht gleich Dom

Neulich erzählte mir eine Frau „Er sagte er sei dominant und diese ganzen Begriffe und Regeln würden ihn nicht interessieren. Er würde sich nehmen was er wolle und ich solle einfach spuren.“.

Wenn beide dass so wollen, dann sollen sie es so machen und glücklich werden. Viele da draußen sind dominant. Noch viel mehr halten sich für oder geben sich dominant. Aber mit BDSM und der Rolle des Dom oder der Domina hat das nichts zu tun.

Wie wir alle wissen sind Dom oder Domina etc. keine geschützten Begriffe. Jeder kann sich so nennen. Von dieser Freiheit machen auch viele Gebrauch und nennen sich so, obwohl sie wenig oder keine Ahnung haben.

Andere, wie im Eingangsbeispiel, wollen mit den Begriffen nichts am Hut haben. Auch gut.

Meine Warnung geht nur an die Menschen, die sich in die Hände solcher Leute begeben. Nur weil jemand sich selber für dominant hält, ist er oder sie kein Dom oder keine Domina. Zu dieser Rolle gehört mehr als jemand anderen mies zu behandeln, zu benutzen und dann weg zu schicken.

Wer in die dominante Position im Rahmen von BDSM schlüpft, sollte wissen, dass dazu mehr gehört als nur zu tun was man will und sonst keine Rücksichten zu nehmen.

Es gehören Verantwortung und Aftercare dazu. Es gehören Absprachen und Einhaltung von Grenzen, Tabus und des vereinbarten Rahmens dazu. Es gehört dazu, dass man zumindest darüber spricht ob man Sicherheitsmaßnahmen wie ein Safeword nutzen möchte. Überhaupt gehört viel Kommunikation dazu.

Das ist natürlich unbequem für die, die einfach nur ihren Spaß und sonst ihre Ruhe haben wollen. Die einfach nur die schnelle Nummer suchen und ansonsten von dem ganzen Kram nichts wissen wollen. Klar, denn dem Spaß steht Verantwortung natürlich im Weg.

Das Gegenüber einfach nur zur Befriedigung der eigenen Lust zu benutzen und dann ohne Rücksicht auf dessen Gefühle weg schicken oder fallen lassen, kann im BDSM-Kontext im Einzelfall mal vorkommen. Es darf aber nicht zur Regel werden. Denn der devote Part begibt sich in die Hände des dominanten Parts und darf erwarten aufgefangen zu werden.

Bewusst und willentlich den Anderen in seinem Gefühlschaos alleine lassen, absichtlich und gefühllos den anderen in Tränen aufgelöst quasi weg werfen ist kein BDSM. Das ist im besten Fall Gleichgültigkeit und im schlimmsten Fall Missbrauch.

Wer es sich leicht macht und sagt „ach, diese Begriffe und Regeln sind mit egal, ich bin einfach dominant“, der soll das tun. Wer sich aber auf so jemanden einlässt, der muss wissen, zwischen den Zeilen bedeutet so eine Aussage oft „ich will einfach nur machen worauf ich Lust habe und dafür keine Verantwortung übernehmen“.

Nicht jeder der solche Aussagen macht muss es böse meinen. Vielleicht ist es auch einfach eine Scheu sich tiefer mit BDSM zu beschäftigen. Aber oft stecken hinter solchen Aussagen leider Arschlöcher, die eben nur den Spaß und nicht die Verpflichtungen wollen.

Damit sollen natürlich nicht alle heilig gesprochen werden die sich Dom oder Domina nennen. Auch da gibt es schwarze Schafe. Aber bei Menschen die so offen sagen was sie ablehnen, muss jeder Mensch wissen woran er oder sie ist.

Denn ein Mensch, der BDSM ernst nimmt, der wird euch zumindest anbieten ein Safeword zu verwenden. Der wird es nicht ablehnen, wenn ihr euch covern lassen wollt. Der wird sich an den Rahmen halten den ihr miteinander vereinbart habt. Der wird euch nicht gleichgültig raus werfen wenn ihr emotional aufgelöst seid.

Ein solcher Mensch wird euch auch Mitspracherecht geben und nicht verlangen, dass ihr einfach nur spurt und sonst den Mund haltet. Leider ist es ein immer noch weit verbreiteter Irrtum, dass devote Menschen einfach alles mitmachen müssen ohne selber etwas zu sagen zu haben.

Im konkreten BDSM-Kontext hat natürlich der dominante Part das Sagen. Aber auch da gibt das Safeword dem devoten Part eine kleine Steuerungsmöglichkeit.

Außerhalb des BDSM-Kontextes aber muss es Möglichkeiten geben sich zu äußern. Da muss es die Gelegenheit geben Wünsche und Bedenken anzubringen. Wer das abbügelt mit „Du musst spuren“, vor dem solltet ihr schnell und weit weg laufen.

„Fifty Shades of Grey“

fiftySeit kurzem befasse ich mich hier in meinem Blog auch mit Filmen die BDSM behandeln. Den Anfang bildete da vor einiger Zeit „Secretary“, der  quasi schon ein Klassiker im BDSM-Bereich ist.

Wenn es aber um BDSM-Filme geht, dann kommt man natürlich an einem Thema nicht vorbei: „Fifty Shades of Grey„. Also habe ich mir die Filme erstmals angeschaut um mir darüber eine Meinung zu bilden.

Und Achtung, ab hier kann es SPOILER geben.

Ich weiß darum, dass diese Filme Menschen viel bedeuten. Sie haben (zusammen mit den zugrunde liegenden Büchern) vielen Menschen den Weg zu BDSM geebnet und das ist mit Sicherheit ein Verdienst. Positiv ist ebenfalls, dass sie das Thema aus der Schmuddelecke geholt haben. Ich bin überzeugt, dass es vielen Leuten heute leichter fällt  sich selber, Freunden oder Familie gegenüber einzugestehen worauf sie stehen. Schließlich kann es ja nicht ganz so „krank“ sein, wenn es darüber Hollywood-Filme gibt, oder?

Diese Verdienste sind unbestritten und ich will sie nicht schmälern. Dennoch habe ich meine Probleme mit den Filmen. Und ich erkläre auch gerne welche.

In Filmen muss es nicht realistisch zugehen. Da sind Mafiabosse die Helden oder Trickbetrüger. Da werden Rachegelüste gelebt und Tiere können sprechen. Warum also darf es kein Erwachsenenmärchen geben, in dem sich ein Milliardär eine Studentin sucht um sie zu seinem Vergnügen „auszubilden“?

Natürlich darf es das geben. Wem es gefällt, der soll es sich anschauen und es genießen. Über Geschmack lässt sich nicht streiten.

Meine Kritik richtet sich aber gegen die Darstellung von BDSM. Denn wäre „Fifty Shades of Grey“ die kleine Fan-Fiction in der Nische, die es zu Beginn war, dann wären die Maßstäbe andere. So aber öffnet es BDSM einem Millionenpublikum. Einem Publikum, dass sich ein Bild zu diesem Thema macht anhand der Filme.

Schließlich ist BDSM völlig in Ordnung und etwas, dass viele Menschen mit viel Freude und Genuss betreiben, ohne dabei einem einzelnen Individuum zu schaden.

Und von diesem Genuss und diesem Vergnügen sehe ich in diesem Film leider so gut wie nichts. Es gibt ein paar wenige Szenen der Ekstase. Aber das sind größtenteils die Sexszenen. Und in denen geht es in vielen Filmen leidenschaftlich zu.

Stattdessen sehen wir, wie Christian Grey zu Beginn ständig versucht Anastasia Steele dazu zu bringen einen dubiosen Vertrag zu unterzeichnen. Nicht, weil sie das will. Nicht, weil es ihr einen Kick gibt, sich irgendwie vertraglich an ihn zu binden um ihre Lust zu steigern. Sie selber hat darauf zu Beginn überhaupt keine Lust. Aber er drängt ihr unverlangt seine Neigung auf. Das fand ich persönlich zumindest etwas unangenehm.

Natürlich darf auch das Klischee der verrückten Ex-Sub nicht fehlen, die aber auch Monate nach der Trennung sofort gehorsam auf die Knie geht und die Waffe fallen lässt, als Grey es ihr befiehlt.

Dass Grey zeitweilig versucht Anastasia von Freunden und Familie zu isolieren und wirklich ständig versucht sie von sich finanziell abhängig zu machen ist ein weiterer Kritikpunkt in dem BDSM in den Filmen einfach sehr ungesund dargestellt wird.

Der Punkt, der mich aber wirklich wütend gemacht hat ist die Figur des Christian Grey und seine Geschichte, die seine Neigung erklären soll.

Denn natürlich hat er nicht einfach Spaß an BDSM. Natürlich genießt er nicht einfach eine sexuelle Neigung die er Anastasia gegenüber etwas unbeholfen und mindestens auch etwas fragwürdig rüber bringt.

Nein. Christian Grey wurde als Kind von seiner Mutter verlassen und sucht nun Frauen, die äußerlich seiner Mutter ähneln, um diese zu bestrafen. Über die Psychologie dahinter will ich jetzt gar nicht reden. Aber das ist eben die Moral der 50er Jahre. Wer eine abweichende Sexualität hat, der muss krank sein oder hatte eine schwere Kindheit. Vor allem aber muss er davon geheilt werden. Und so wirken die Reaktionen von Anastasia im Laufe der Filme auch immer mehr wie der Versuch einer Therapie.

Dass er als Teenager auch noch von einer älteren Frau verführt wurde die ihn in BDSM einweihte und ihn zu ihrem Sklaven machte ist dann nur noch das I-Tüpfelchen. Denn dadurch wird BDSM nur noch weiter als eigentlich ablehnenswert gebrandmarkt.

In einer Szene fragt Anastasia Grey unter Tränen „Why do you want to punish me? Why do you want to hurt me?“. Also „Warum willst Du mich bestrafen? Warum willst Du mir weh tun?“.

Worauf Grey kurze Zeit später sagt „Because I’m fifty shades of fucked up, Anastasia.“. Also sehr frei „Weil ich total verkorkst bin“.

Mir sagt dieser Dialog, dass weder sie noch er BDSM genießen. Das mag an anderen Stellen der Handlung anders sein. Aber am Ende empfinden es beide nicht als Lust und Freude. Das wird die ganze Zeit mindestens als Subtext transportiert.

Der Protagonist der Bücher und Filme ist ein Opfer von Misshandlung und Vernachlässigung, dass Probleme mit emotionaler und körperlicher Nähe hat und für den BDSM ein Ventil ist, sich an seinen früheren Peinigern zu rächen. Und nun kommt Anastasia und wir können Hoffnung haben, dass sie ihn von seinen Dämonen und BDSM befreit.

Mit lustvollem BDSM hat das leider kaum etwas zu tun. Es ist Therapie. Es ist in Teilen sogar Gewalt. Nämlich in den Szenen, in denen er sie aus Rache schlägt und bewusst dazu bringt, dass sie das Spiel abbricht. Das hat dann aus meiner Sicht gar nichts mehr mit BDSM zu tun.

Wie gesagt darf man solche Geschichten erzählen. Niemand ist gezwungen in seinen erfundenen Geschichten Beziehungsformen so darzustellen, dass sie realistisch sind. Aber wenn man eine Subkultur mit einem Werk ins Licht der Öffentlichkeit bringt, dann sind solche üblen Verzerrungen schlicht schade und enttäuschend.

Natürlich gibt es auch in den drei Filmen ein paar schöne Darstellungen von BDSM. Die Innigkeit von Anastasia und Grey, nachdem er sie aufgefangen hat ist schön dargestellt. Auch ein paar wenige Anklänge an  D/s sind enthalten, die mir gut gefallen haben. Aber im Großen und Ganzen leisten die Filme denen einen Bärendienst, die BDSM als eine Neigung unter anderen dargestellt sehen möchten.

In diesem Sinn: danke für gar nichts liebe E.L. James.

Faszination Kennzeichnungen

Freundschaftsarmbänder, Eheringe, Band-Shirts, Partnerlook, Fußballtrikots. Zusammengehörigkeit zu zeigen ist etwas, dass in der Natur des Menschen tief verankert ist. Wir fühlen uns gut aufgehoben, wenn wir zu einer Gruppe gehören und demonstrieren das dann auch gerne. Wobei „Gruppe“ in einer Ehe mit dem dazugehörigen Ehering ein großes Wort ist. Aber ihr versteht schon was ich meine.

Diese Zusammengehörigkeit hat zwei Auswirkungen: Nach außen gerichtet sagt sie „Wir gehören zusammen. Wir teilen etwas miteinander“. Aber auch nach innen gerichtet sagt sie dem Mitmenschen oder Partner „Wir gehören zusammen. Ich gehöre zu dir. Du gehörst zu mir.„.

Und natürlich findet diese menschliche Neigung zu Zeichen und Zusammengehörigkeit auch ihre Entsprechung im BDSM.

Zum einen gibt es Erkennungszeichen mit denen man sich nach außen als jemand zu erkennen geben kann, der BDSM zugeneigt ist. Beispielsweise ist der „Ring der O“ so ein Zeichen oder auch die Triskele. Sieht man jemanden eines von beidem oder beides tragen, dann ist das ein guter Hinweis darauf, es mit einem oder einer Gleichgesinnten zu tun zu haben. Wobei die Triskele als Schmuck natürlich auch sonst gerne Verwendung findet.

Diese Zeichen dienen oft dazu, sich anderen versteckt zu erkennen zu geben. Weniger häufig hat das Tragen einen sexuellen Aspekt.

Im Gegensatz dazu gibt es andere Arten der Kennzeichnung, die weniger subtil sind.

Grob gesagt gibt es drei verschiedene Spielarten: Kurzfristige, leicht zu entfernende und dauerhafte Kennzeichnungen.

Kurzfristige Kennzeichnungen können mit Lippenstift, Edding, Klebetattoos oder anderen abwaschbaren Mitteln angebrachte Beschriftungen sein. Sie besagen für den Moment „Du gehörst mir„, sind aber leicht zu entfernen.

Weiterhin fallen mir als leicht zu entfernende Kennzeichnungen, der oben erwähnte „Ring der O“ ein. Aber auch andere Ringe, Halsbänder oder Piercings. Hier besonders beliebt natürlich das Intimpiercing, da sie dort angebracht natürlich die deutliche Botschaft „MEINS“ senden können.

Ein ebenfalls nicht zu unterschätzendes Kennzeichen ist bei männlichen Subs der Keuschheitsgürtel. Er erfüllt den ganz praktischen, aber eben auch den übertragenen Zweck Besitz anzuzeigen.

Dauerhafte und nicht mehr (so einfach) zu entfernende Kennzeichnungen sind Tätowierungen und Brandings. Bei einigen sind auch Halsbänder beliebt, die man nur mit bestimmten Schlüsseln entfernen kann. Diesen hat dann natürlich der dominante Part in Besitz.

Unter den genannten Kennzeichnungen kann man zwei weitere Unterteilungen machen: Die nach außen sichtbaren und die nach außen unsichtbaren Kennzeichnungen.

Eine Tätowierung kann so angebracht sein, dass sie zumindest im Sommer viele sehen können oder so, dass sie gerade mal der Arzt zu sehen bekommt. Auch Halsbänder können zwar sichtbar, aber subtil oder auch sehr eindeutig sein. Es kommt immer darauf an, was man wem damit vermitteln will.

Genau das ist der Punkt: Die Art der Kennzeichnung macht den Unterschied. Wie oben erwähnt ist es nämlich auch im BDSM so, dass sie nach außen und nach innen wirken und unterschiedliches Aussagen haben. Ein Halsband oder ein Ring können nach außen sagen „Wir gehören zusammen. Wir sind ein Paar.“. Im Innenverhältnis sagen sie aber oft „Du gehörst mir.“, was im BDSM-Kontext etwas ganz anderes besagt, als im Vanilla-Kontext.

Wer ein Halsband annimmt und trägt und es vielleicht sogar nach außen zeigt, der geht damit eine Verpflichtung ein. Genauso wie die Person, die das Halsband gibt. Es bedeutet Zusammengehörigkeit und im Metakonsens des BDSM auch ein „Ich gehöre dir“ oder „Du gehörst mir“.

Ebenso verhält es sich natürlich mit den anderen Zeichen. Ich persönlich mache da keinen Unterschied, ob es sich um leicht zu entfernende oder dauerhafte Kennzeichen handelt. Es zählt der Gedanke dahinter und die Beteiligten sollten sich dieses Gedankens vorher bewusst sein.

Genauso wie Spuren von Schlägen können aber auch kurzfristige Kennzeichnungen einen großen Reiz haben. Eine Beschriftung mit Edding oder ein Klebetattoo kann ein großer sexueller Kick sein. Etwas, dass man mitnimmt und noch stunden- oder tagelang genießt, ohne aber damit gleich eine tiefe Verpflichtung eingegangen zu sein. Außerdem kann so etwas als Vorstufe dienen, um zu sehen, wie es sich anfühlt so ein Zeichen zu tragen.

Wie ihr seht gibt es viele Abstufungen und Varianten was Kennzeichnungen angeht. Für viele sind sie ein großer Reiz und manche von ihnen sind im BDSM vergleichbar mit Ehe- oder Verlobungsringen unter Vanillas.

Bevor ihr aber zu dauerhaften Kennzeichnungen greift, seid euch verdammt sicher. Tattoos beispielsweise wieder los zu werden kann teuer und schmerzhaft sein und ständig an intimer Stelle den Namen eines oder einer Verflossenen zu haben, will ja auch niemand.

Mit Kennzeichnungen zu spielen ist extrem reizvoll. Es vermittelt beiden Seiten ein Gefühl von Zusammengehörigkeit und eben auch dieses Gefühl von „Dein Arsch gehört mir„. Greift nicht gleich zum Extrem, sondern tastet euch heran. Vor allem aber, seid auch sicher, dass ihr beide das gleichermaßen ernst nehmt. So vermeidet ihr Enttäuschungen.

„Aua ist kein Safeword“

Ein alter Gag in BDSM-Kreisen lautet „Aua ist kein Safeword.“. Tatsächlich steckt darin aber sehr viel Wahrheit.

Aber zuerst einmal: was ist ein Safeword? Ein Safeword ist eine Sicherheitsmaßnahme im BDSM. Es ist ein Wort, dass der devote Part benutzen kann um das Machtgefälle zu durchbrechen und zu signalisieren, dass er die Situation beenden möchte. Im Idealfall benutzt man dazu ein Wort, dass in der Situation völlig fremd und fehl am Platz wirkt. Eben, damit es sofort ausfällt.

Und damit kommen wir zurück zum Gag im ersten Absatz. In einer BDSM-Situation ist „Aua“ natürlich etwas dass vorkommen kann. Und „Aua“ soll es ja teilweise machen. Daher ist „Aua“ ein ungeeignetes oder eben gar kein Safeword. Viele verwenden dagegen das Wort „Mayday“ oder etwas völlig fremdes, dass in einer BDSM-Situation unpassend ist und nicht gesagt wird. Das kann alles sein „Kürbis“ oder „Apotheke“ oder was ihr wollt.

Wichtig ist bei der Wahl des Safewords nur, dass es euch im entsprechenden Moment auch einfällt. Und dass es leicht auszusprechen ist. „Rhododendron“ oder „Xylophon“ sind also eher unpraktisch.

Warum aber braucht man ein Safeword? Nun, es kann in jeder BDSM-Session eine Situation entstehen, in der sich der devote Part unwohl fühlt und die Situation beenden möchte. Diese Möglichkeit muss der devote Part IMMER haben, wenn er das möchte. Das ist der Konsens im BDSM. Der devote Part gibt die Macht zeitweilig ab, ist aber natürlich nicht völlig rechtlos. Auch diese Formen gibt es zwar, darum soll es hier aber heute nicht gehen.

Übrigens ist es auch sehr wichtig festzuhalten, dass das Nutzen eines Safewords keine Schande ist. Weder der dominanten noch der devote Part müssen etwas falsch gemacht haben wenn das Safeword zum Einsatz kommt. Keine der beiden Seiten sollte den Einsatz des Safewords als Problem oder gar als Niederlage sehen. Allerdings sollte man, wenn es eingesetzt wurde darüber reden. Klären, was los war, damit beide aus der Situation lernen können.

Was ist aber, wenn der devote Part in der Session nicht reden kann? Sei es wegen eines Knebels oder weil der Mund zugehalten wird? Für diese Fälle sollte man ein Klopfzeichen ausmachen. Auch in dieser Situation muss für den devoten Part eine Möglichkeit bestehen auszusteigen.

Damit das auch gesagt wurde: wer als dominanter Part weiter macht obwohl der devote Part es mit Safeword beenden wollte, der begeht Missbrauch. Nicht mehr und nicht weniger.

Ich habe es oben schon erwähnt. Es gibt auch die BDSM-Spiele, in denen beide absichtlich auf ein Safeword verzichten. Warum? Beispielsweise, weil sie Grenzen ausloten wollen und der devote Part die Erfahrung sucht absolut und vollkommen in den Händen des anderen zu sein.

Das kann man machen. Aber das ist absolut nichts für Anfänger. Wer auf Safewords oder andere Sicherheitsmaßnahmen komplett verzichtet, der verlässt den Boden von SSC und begibt sich in den Bereich von RACK. Das kann man machen. Aber man sollte genau wissen was man tut.

Ebenfalls zu beachten ist natürlich auch, dass es Spiele gibt, die man nicht abbrechen kann. Die, wenn man sie einmal angefangen hat, einfach ausgehalten werden müssen. Solche Spiele nennt man Tunnelspiele. Ich habe mich neulich in einem Artikel damit beschäftigt.

Kommen wir aber noch zu einer Variante, die ich persönlich bevorzuge. Der sogenannte Ampelcode. So lange alles im grünen Bereich ist, gibt es keinen Grund etwas einzuwenden. Kommt der devote Part aber in die Situation, dass etwas zu heftig wird, zu schmerzhaft oder sonst irgendwie zu schwer, dann sagt er „Orange“. Wie wenn eine Ampel auf Orange springt. Für den dominanten Part ist dass das Signal etwas langsamer zu machen oder nicht fester zuzuschlagen. Die Session kann aber weiter laufen.

Kommt es aber so weit, dass der devote Part wirklich abbrechen möchte, dann kann er das Stopsignal setzen und „Rot“ sagen. Damit signalisiert der devote Part dem dominanten Part „Ich will, dass das sofort aufhört.“ Wie eben auch bei der Benutzung des Safewords.

Für mich persönlich ist das angenehmer. Denn es bietet mehr Möglichkeiten der Steuerung. Für mich und für die Sub. Aber das ist natürlich reine Geschmackssache. Jeder entscheidet sich da für die Methode, mit der man sich am wohlsten fühlt.

Abschließend sei noch einmal gesagt: als Sub auf ein Safeword zu bestehen ist völlig ok. Gerade als Anfänger wäre es sogar unvernünftig darauf zu verzichten.

Das Safeword dann auch zu benutzen ist keine Schande. Und es muss auch nicht das Ende der Session bedeuten. Man muss danach nur vernünftig miteinander reden, sehen wo das Problem lag und dann, je nachdem was beide wollen, weiter machen oder sich doch lieber auf ein andermal vertagen.

Und wie gesagt, ein Safeword zu missachten ist kein Kavaliersdelikt. Wer das tut, der missbraucht mindestens seine Macht oder begeht sogar eine Straftat.