Augenöffner Insex

Kürzlich wurde ich gefragt, ob es etwas gibt, dass mein BDSM und meine Verständnis davon beeinflusst hat. Eine sehr gute Frage wie ich fand und eine, die ich mir gelegentlich früher auch schon gestellt habe. Sicher war es, als ich das Buch „Die Geschichte der O“ in die Hände bekam. Damals Anfang der 90er etwa war das für mich ein Augenöffner.

Aber neulich sah ich einen alten Porno und mir fiel ein, wie wegweisend damals eine bestimmte Seite für mich war. Eine Seite, die meine Sicht auf BDSM und mein Wissen darüber ganz sicher beeinflusst hat. Irgendwann um 1998 herum schätze ich. Das Internet war aufgekommen, ich war schon sehr früh dabei und stieß, hungrig nach BDSM und ein paar anregenden Ideen auf Insex.com.

Diese Seite hat mir tatsächlich für vieles die Augen geöffnet und mir Dinge gezeigt, die ich bis dahin noch nie gesehen hatte. Vielleicht sogar Dinge, die ich seitdem nie wieder gesehen habe.

Insex.com existiert heute nicht mehr. Gegründet wurde sie 1997 in New York von Brent Scott (bekannt als pd), einem ehemaligen Professor der Carnegie Mellon University. Die Seite zeigte sowohl Livestreams als auch Videos die sich ausschließlich um BDSM drehten.

Was man sah, waren echte BDSM-Szenen in denen die Frauen so gut wie immer in der passiven Rolle waren. Und es gab alle denkbaren Spielarten zu sehen: Seil- und Metall-Bondage, Schläge mit verschiedenen Utensilien, Spiele mit Nadeln, Untersuchungen, Breathplay, Knebelungen, Erniedrigung, Verhöre, Petplay, Fucking Machines, Einläufe, Natursektspiele, Wasserfolter und Kreuzigungen. Nicht zu vergessen der Magic Wand, den ich dort zum ersten Mal sah. Und diese Liste ist sehr wahrscheinlich nicht vollständig.

Was sie aber besonders machte war nicht, dass es dort BDSM zu sehen gab. Auch damals schon herrschte an Porno im Internet kein Mangel. Was neu war und die Seite so populär machte: was man sah war echt. Zumindest wirkte es auf mich so und auch rückblickend wirft der Seite niemand vor, die Action sei irgendwie gefaked. Im Gegenteil.

Man sah, besonders in den Livestreams, dass das was passierte real war. Die Models oder Darstellerinnen trugen Spuren davon, die man live entstehen sah. Man sah auch oft in den folgenden Aufnahmen noch Spuren der letzten „Show“.

Übrigens konnten während dieser Livestreams die Mitglieder der Seite per Chat Vorschläge machen, was mit den Models als nächstes gemacht werden sollte. Darauf reagierten wiederum die Macher und eben auch die Darstellerinnen. Das machte alles noch realer und hob es ab vom gestellten Porno.

Das ganze hatte also nichts zu tun, mit den gestellten Videos, die man sonst damals sehen konnte, in denen ein paar Pornodarsteller BDSM simulierten. Die Darsteller hier, durchliefen das alles wirklich. Und oftmals waren es keine professionellen Pornodarstellerinnen, da diese die Spuren scheuten. Denn die hätten beim nächsten Dreh gestört.

So waren die Darstellerinnen entweder Frauen aus der Szene, die noch nie vor der Kamera standen und sich extra bei Insex beworben hatten, oder spezielle Darstellerinnen, die selber den Lebensstil lebten. Manche bewarben sich auch aus Abenteuerlust um dass, was sie in den Videos sahen einfach mal zu erleben.

Besonders wichtig waren auch immer die Interviews. Heute kennen wir sie, aber ich habe sie meiner Erinnerung nach dort zum ersten Mal gesehen. Vor und nach den Aufnahmen saßen die Frauen vor der Kamera und wurden aus dem Off befragt. Sie wurden nach Vorlieben, Limits und Erfahrungen befragt und beispielweise über Safewords aufgeklärt.

Die einen mag das gestört haben. Aber für mich war es damals toll zu sehen, wie diese Frauen vor der „Action“ befragt und hinterher meist mit glänzenden Augen und einem seligen Lächeln da saßen, völlig zerzaust, aber zufrieden.

Es gibt heute viele Nachfolger und die Macher und Darstellerinnen der Seite sind zum Teil auch noch aktiv. Heute bekannte Seiten wie kink.com mit ihren Rubriken wie „Sex and Submission“, „Public Disgrace“ oder „The Training of O“ wurden zwar ähnlich früh gegründet, haben sich aber doch so einiges bei den Pionieren abgeschaut.

Das ist für mich aber alles nicht so wichtig. Ich bin kein Historiker in Sachen Internet-Pornographie und schon gar kein Moralwächter.

Aber für mich ganz persönlich war Insex ein Augenöffner.

Einmal, weil ich ziemlich realen BDSM in einer Vielfalt zu sehen bekam wie nie zuvor. Dann, weil trotz aller Härte der Darstellungen für mich völlig klar wurde, dass hier Menschen agierten, die genossen was sie taten. Und drittens wurde mein Kopfkino befeuert mit Themen, die mich heute noch umtreiben.

Beispielsweise kauften die Betreiber der Seite irgendwann ein Areal, dass in der Folge „die Farm“ genannt wurde. Hier waren dann Szenen im Freien möglich oder in einer Scheune, die heute noch mein Kopfkino beschäftigen.

Wenn ich heute die im Internet noch verfügbaren Filme anschaue, dann haben sie längst nicht mehr diese Wirkung auf mich. Es war eben der Moment in meiner Entwicklung, der genau zu dieser Seite passte. Und so hat sie mich eben damals stark beeinflusst.

Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass das Ende der Seite nicht ganz freiwillig war. Der christliche Fundamentalist John Ashcroft war unter Bush Justizminister und empörte sich moralisch über die Praktiken die bei Insex gezeigt wurden. Er beauftragte das FBI zu ermitteln, diese wandten sich für Informationen an die Banken die mit Insex zusammen arbeiteten, die aus Angst vor Problemen die Zusammenarbeit aufkündigten.

Insex gab bald auf und machte dicht. pd betreibt heute Seiten wie hardtied.com und infernalrestraints.com, die aber (mutmaßlich aus Sorge vor der Politik) wesentlich sanfter sind als alles, was es bei Insex gab. Beispielsweise gibt es auf diesen Seiten und bei kink.com heute keine NS-Spiele mehr. Aus Sorgen, die Hüter der Moral in den USA wieder gegen sich aufzubringen.

Heute ist BDSM im Netz nicht mehr so frei wie damals. Zumindest nicht der kommerzielle Teil. Aber insex.com hat seine Spuren hinterlassen.


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Was stimmt mit mir nicht?

Dies wird ein etwas anderer Artikel. Sagt nicht, dass ich euch nicht gewarnt habe. Manche Dinge können scheinbar nicht oft genug und nicht klar genug gesagt werden. Daher hier mal komprimiert:

„Ich möchte nackt in einen Käfig gesperrt und dort gehalten werden. Was stimmt mit mir nicht?“
Mit dir ist alles in Ordnung. Dieser Wunsch oder diese Fantasie ist in Ordnung.

„Ich möchte als kleines Mädchen behandelt werden um dass dich ein dominanter Mann kümmert. Was stimmt mit mir nicht?“
Mit dir ist alles in Ordnung. Dieser Wunsch oder diese Fantasie ist in Ordnung.

„Ich möchte als Möbelstück dienen. Was stimmt mit mir nicht?“
Mit dir ist alles in Ordnung. Dieser Wunsch oder diese Fantasie ist in Ordnung.

„Ich möchte von mir Fremden gefickt werden. Was stimmt mit mir nicht?“
Mit dir ist alles in Ordnung. Dieser Wunsch oder diese Fantasie ist in Ordnung.

„Ich möchte geschlagen werden, bis ich überall blaue Flecken habe. Was stimmt mit mir nicht?“
Mit dir ist alles in Ordnung. Dieser Wunsch oder diese Fantasie ist in Ordnung.

„Ich möchte so erniedrigt werden, dass es mir unangenehm ist es zuzugeben. Was stimmt mit mir nicht?“
Mit dir ist alles in Ordnung. Dieser Wunsch oder diese Fantasie ist in Ordnung.

„Ich möchte Vergewaltigungsspiele erleben. Was stimmt mit mir nicht?“
Mit dir ist alles in Ordnung. Dieser Wunsch oder diese Fantasie ist in Ordnung.

„Ich möchte als Hund/Katze behandelt und erzogen werden. Was stimmt mit mir nicht?“
Mit dir ist alles in Ordnung. Dieser Wunsch oder diese Fantasie ist in Ordnung.

„Ich möchte angepinkelt oder angespuckt werden. Was stimmt mit mir nicht?“
Mit dir ist alles in Ordnung. Dieser Wunsch oder diese Fantasie ist in Ordnung.

„Ich möchte geohrfeigt werden. Was stimmt mit mir nicht?“
Mit dir ist alles in Ordnung. Dieser Wunsch oder diese Fantasie ist in Ordnung.

„Ich möchte in Ketten in einem dunklen Keller eingesperrt werden. Was stimmt mit mir nicht?“
Mit dir ist alles in Ordnung. Dieser Wunsch oder diese Fantasie ist in Ordnung.

„Ich möchte, dass man mir im Alltag Regeln gibt und mir vorschreibt was ich darf und was nicht. Was stimmt mit mir nicht?“
Mit dir ist alles in Ordnung. Dieser Wunsch oder diese Fantasie ist in Ordnung.

„Ich möchte sehr harten Sex, bei dem man keine Rücksicht auf mich nimmt. Was stimmt mit mir nicht?“
Mit dir ist alles in Ordnung. Dieser Wunsch oder diese Fantasie ist in Ordnung.

„Ich möchte ein Entführungsszenario durchleben und dabei gerne unsanft im Kofferraum eines Autos landen. Was stimmt mit mir nicht?“
Mit dir ist alles in Ordnung. Dieser Wunsch oder diese Fantasie ist in Ordnung.

„Ich möchte keusch gehalten werden und dabei zusehen müssen, wie mein Partner/meine Partnerin Sex mit anderen hat. Was stimmt mit mir nicht?“
Mit dir ist alles in Ordnung. Dieser Wunsch oder diese Fantasie ist in Ordnung.

„Ich möchte, dass man mir Angst macht, weil es mich erregt. Was stimmt mit mir nicht?“
Mit dir ist alles in Ordnung. Dieser Wunsch oder diese Fantasie ist in Ordnung.

„Ich möchte, dass man mir Nadeln in den Intimbereich steckt. Was stimmt mit mir nicht?“
Mit dir ist alles in Ordnung. Dieser Wunsch oder diese Fantasie ist in Ordnung.

„Ich möchte ein ein Pferd oder Pony sein und gerne vor eine Kutsche gespannt werden. Was stimmt mit mir nicht?“
Mit dir ist alles in Ordnung. Dieser Wunsch oder diese Fantasie ist in Ordnung.

„Ich möchte, dass mein Partner/meine Partnerin über meine Sexualität bestimmt. Was stimmt mit mir nicht?“
Mit dir ist alles in Ordnung. Dieser Wunsch oder diese Fantasie ist in Ordnung.

„Ich möchte regungslos gefesselt hängen und vollkommen ausgeliefert sein. Was stimmt mit mir nicht?“
Mit dir ist alles in Ordnung. Dieser Wunsch oder diese Fantasie ist in Ordnung.

„Ich möchte spüren, wie sich eine Melkmaschine an meinen Brüsten festsaugt. Was stimmt mit mir nicht?“
Mit dir ist alles in Ordnung. Dieser Wunsch oder diese Fantasie ist in Ordnung.

Um es zum Abschluss noch einmal klar zu sagen: so lange ihr niemandem schadet, alle beteiligten freiwillig mitmachen und im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte sind, ist alles erlaubt und alles ok. Es gibt keinen Grund für Scham oder Schuldgefühle. Macht euch nicht unnötig verrückt. Es. Ist. Ok.


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Immer extremer

Gerade zuletzt wurde ich immer wieder mit bangem Blick gefragt „…aber wird man dann nicht mit der Zeit immer extremer?“ und darin schwingt die Sorge mit, dass man irgendwann als eine Art „nymphomane, nimmersatte und dauergeile Schlampe“ endet, wenn man sich auf BDSM einlässt. Aber ich kann euch beruhigen: es ist nur zum Teil so. Denn eine Schlampe wird man dadurch nicht. Aber Spaß beiseite.

Zuerst ein paar Gedanken zum Wort „extrem„. Was ist denn im BDSM extrem? Was für den einen an Grenzen geht, ist für die andere harmlos und umgekehrt. Wenn ich Ohrfeigen gebe, dann ist das für manche extrem. Es geht für sie an ihre Grenzen oder darüber hinaus. Aber an die eigenen Grenzen zu gehen ist nicht per se extrem. Es ist ganz individuell eine Erfahrung im persönlichen Grenzbereich. Ich persönlich finde für mich alles was mit Nadeln zu tun hat eine Grenze. Ich könnte einer Sub nicht irgendwo Nadeln rein stecken. Ein Mensch mit medizinischer Vorerfahrung lächelt milde bei diesem „Extrem“.

Manche Dinge sind auch einfach Präferenzen. So essen einige Menschen gerne scharf und können Habanero-Chilis pur essen. Wieder andere zucken schon bei ein wenig Tabasco zusammen und sagen „das ist zu scharf“. Erstere sind deswegen nicht extrem. Sie haben einfach einen anderen Geschmack.

Dennoch verstehe ich die Sorge und sie ist nicht völlig unberechtigt. Aber wie bei den meisten Sorgen und Ängsten scheint das Problem größer, als es am Ende ist. Und auch wenn ich nicht wie ein Typ wirken will, der Lebenshilfe-Bücher verkauft und auf der Bühne „Tschakka“ schreit, dieses „Problem“ ist aus meiner Sicht eher eine Chance.

Klar kann man es so sehen, dass man erst mit leichten und „harmlosen“ Praktiken anfängt und dann immer mehr und härtere Praktiken will. Aber vor allem anderen: das ist nicht so. Es ist kein Automatismus, der nie aufhört und sich wie eine Spirale immer weiter dreht. Wenn dem so wäre, dann müsste ich nach mittlerweile über 25 Jahren Erfahrung bei Dingen angekommen sein die… ähm, ich weiß auch nicht. Aber bei sehr schlimmen. Zumindest in den Augen derer, die diese Befürchtungen hegen.

Ja, es ist sehr wahrscheinlich, dass Du nach den ersten Klapsen mehr willst. Willst Du nicht mehr, dann ist BDSM vielleicht nicht dein Ding. Zumindest sind es wohl Klapse dann nicht. Auch das ist ok. Aber vor der furchtbaren Spirale der Extreme musste Du dich dann nicht sorgen. Und wenn drei Schläge mit einer Gerte eine härtere Variante von drei Schlägen mit der Hand sind, dann stimmt die Befürchtung vielleicht.

Aber übertragen wir diese Befürchtung doch einmal auf andere Lebensbereiche.

Der Mensch, der gerne Habanero isst, wird sich an die Schärfe vielleicht irgendwann gewöhnen und etwas schärferes essen wollen. Vielleicht aber auch nicht. Und wenn, dann entscheidet er es.

Oder wenn jemand sich etwas kochen möchte und sich die Zutaten anschaut, befürchtet er dann, dass, wenn er jetzt anfängt zu kochen, sich die Spirale immer extremer drehen wird und er irgendwann bei Molekular-Schaum an Anis-Tropfen oder bei Beef Wellington landet? Und wird dieser Mensch daher dann lieber verhungern und nicht anfangen zu kochen?

Oder wird eine Musikerin nach dem Spielen der Tonleiter lieber aufhören zu spielen, weil sie befürchtet, dass die Spirale immer extremer wird und sie am Ende ein Klavierkonzert oder ein Geigensolo wird spielen können?

Und werden diese Menschen lieber verzichten, aus Sorge wohin das führen kann? Ich hoffe doch nicht.

Ich möchte die Sorge aber natürlich ernst nehmen. Denn ein wahrer Kern steckt ja doch drin. Es ist nur eben nichts, dem man hilflos und wie ein Passagier ausgeliefert ist.

Vorausgesetzt, dass ihr Gefallen am Geschehen findet, werden auf die ersten Schläge vermutlich härtere folgen. Es werden auch mehr folgen. Je nach Vorliebe auch viele mehr und viel härtere. Ja, es tritt auch eine Art Gewöhnung ein. Aber ganz sicher nicht bis zu einem Punkt, dass ihr euch halb tot schlagen lasst. Ganz sicher nicht bis zu einem Punkt, an dem ihr euch nicht wieder erkennt und nicht mehr in den Spiegel schauen könnt.

Vorausgesetzt, dass ihr Gefallen am Geschehen findet, werden auf die ersten Erniedrigungen andere folgen. Schlimmere. Das kann schon sein. Und ja, das Wort Hure oder das Wort Fotze nutzen sich auch ab, wenn man sie immer und immer wieder hört. Also kann es hier auch Steigerungen geben. Aber nur, wenn ihr es wollt.

Vorausgesetzt, dass ihr Gefallen am Geschehen findet, werden zum Beispiel auf erste, leichte Schläge dann mehr und härtere Schläge folgen. Aber sicher nur, wenn ihr neugierig auf mehr seid und mehr erfahren und erfühlen wollt. Auch hier wird es sich kaum so weit steigern, dass ihr euch nicht mehr als ihr selber fühlt.

Der Kern ist eigentlich, dass ihr in der Hand habt, wie weit ihr gehen wollt und ob ihr weiter gehen wollt als ihr schon gegangen seid. Kein Dom der den Namen verdient, wird euch zu etwas bringen, dass ihr nicht wollt. Und wenn ihr es wollt und genießt, wo ist dann das Problem?

Erwartungen treffen auf realen BDSM

Darf Sub Wünsche und Bedürfnisse äußern? Oder widerspricht das in sich schon der Rolle als Sub? Muss man als Sub also willen- und wunschlos sein? Oder zumindest den Willen und die Wünsche nicht äußern, sondern sich komplett dem dominanten Part unterwerfen?

„Aber wenn ich dir meine Wünsche und Fantasien sage, bin ich da nicht so eine Wunschzettelsub?“. Diese und ähnlich spannende Fragen habe ich in letzter Zeit diskutiert. Sie haben mich zum nachdenken angeregt und ich habe dabei wieder einmal viel gelernt.

Wenn man Sub ist, dann sucht man dominante Führung, Abgabe von Kontrolle, nicht entscheiden müssen. Das liegt in der Natur der Sache. Und ja, da scheint es vielleicht gerade als Anfängerin oder Anfänger widersinnig, wenn man nach Wünschen und Fantasien gefragt wird. Schließlich will man ja brav und gehorsam sein. Man will nicht vorgeben was passieren soll. Das soll ja gerade der dominante Part tun. Und gibt es da nicht dieses schlimme Wort „Wunschzettelsub“? Das möchte man ja nun auf gar keinen Fall sein. Denn das ist offenbar das Schlimmste überhaupt.

Nun gut, räumen wir mal mit ein paar Mythen auf. Ich habe es schon gelegentlich gesagt und sage es wieder: der Begriff Wunschzettelsub ist für mich ein Kampfbegriff. Wer ihn verwendet, will damit in den allermeisten Fällen bezwecken, dass jemand seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse aufgibt und hinten anstellt. Ich halte das für grundfalsch und benutze diesen Begriff nie.

Wer jemanden als Wunschzettelsub bezeichnet, der scheut die Auseinandersetzung mit dem Gegenüber und will das Gegenüber zum Schweigen bringen. Werdet ihr so bezeichnet, dann würde ich an eurer Stelle ganz scharf nachdenken, ob euer Gegenüber eure Aufmerksamkeit, Zuwendung und Zeit wert ist.

Jetzt fragt ihr vielleicht „Ok, aber ich will doch, dass Dom bestimmt. Ist Wünsche äußern dann nicht doch falsch in einer Dom/Sub-Beziehung?“

Nein, finde ich überhaupt nicht. In der Kennenlernphase muss Dom ja überhaupt erst einmal wissen und herausfinden, was Sub mag und was nicht. Klar kann man das per „Trial and Error“ machen oder Dom raten lassen. Einfacher ist es aber, wenn man sagt worauf man steht. Das spart viel Zeit und Nerven und man umgeht viele potentielle Fettnäpfchen.

Vor allem aber liegt in der ganzen Thematik ein grundlegender Denkfehler vor. Ja, Sub möchte, dass Dom entscheidet. Am besten vielleicht von Anfang an. Aber Wünsche zu äußern und Bedürfnisse zu benennen ist ja nicht das Selbe, wie Wünsche und Bedürfnisse nach blieben und nach eigener Ansage erfüllt zu bekommen.

Wenn ich als Dom genau weiß was die Wünsche und Bedürfnisse sind, dann kann ich doch um ein vielfaches besser damit spielen. Ich kann die Erfüllung für Gehorsam in Aussicht stellen. Ich kann die Erfüllung verweigern, wenn ich nicht zufrieden bin. Ich kann die Erfüllung eines Wunsches andeuten und mit der Erwartung spielen, um ihn dann doch nicht zu erfüllen und so weiter.

Dom bestimmt was passiert. Eben auch ob Wünsche erfüllt werden. Dazu muss Dom diese aber kennen und kann so viel effektiver und zum Lustgewinn beider Seite damit spielen. Kennt Dom die Wünsche und Bedürfnisse nicht, ist ihm oder ihr ein sehr spannendes und vielseitiges Instrument genommen.

Daher plädiere ich immer dafür, dass Sub Fantasien, Wünsche und Bedürfnisse vollkommen offen kommuniziert. Meiner Sub gegenüber verlange und erwarte ich das. In der Kennenlernphase genauso wie auch später. Erst wenn ich weiß, worauf Sub heute besonders Lust hat kann ich doch damit spielen und es verwenden. So haben beide etwas davon.

Was wäre vor allem die Alternative? Einen Wunsch nach einer sexuellen Praktik, einer bestimmten Szene oder einer Fantasie immer nur für sich behalten? In der stillen Hoffnung, dass Dom irgendwann von alleine darauf kommt? Und passiert das nicht, dann still und leise frustriert sein, weil dass, was man gerne hätte eben nie passiert? Das kann ja nicht Sinn der Sache sein.

Noch einmal muss ich in diesem Zusammenhang auf meine Bild des Rahmens zurückkommen, in dem wir BDSM leben. Dom und Sub vereinbaren einen Rahmen von Dingen, die zwischen ihnen gewollt und ok sind. Alle gewünschten und erlaubten Praktiken, Fantasien und Szenarien liegen innerhalb des Rahmens. Alles unerwünschte und verbotene außerhalb. Innerhalb des Rahmens hat Dom komplette Verfügungsgewalt. Was außerhalb liegt, ist eben außerhalb und damit außen vor was die Dom/Sub-Beziehung angeht.

Je reichhaltiger dieser Rahmen gefüllt ist, desto mehr Spielraum hat Dom. Desto weniger vorhersehbar ist, was passieren wird. Desto spannender und reizvoller wird das gemeinsame Spiel. Wenn innerhalb dieses Rahmens auch die Wünsche und Bedürfnisse von Sub bekannt sind, dann verbessert und vertieft das nur das gemeinsame BDSM-Erlebnis.

Wenn euch also andere oder eure innere Stimme sagen, dass es als Sub falsch ist Wünsche zu haben und zu äußern, dann hört nicht auf sie. Sie haben unrecht. Offene Kommunikation über Wünsche und Bedürfnisse ist Teil einer gesunden BDSM-Beziehung. Dass am Ende aber nur der dominante Part über die Erfüllung bestimmt eben auch. Und das ist beides gut so.

Haltung statt vieler Regeln

Einer der häufigsten Fehler den Anfänger im BDSM, speziell im D/s machen ist, von Anfang an mit sehr vielen Regeln einzusteigen. Natürlich ist das sehr verlockend. Man hat endlich das passende Gegenstück gefunden und möchte nun alles umsetzen. Am besten alles auf einmal. Vor dieser Falle sind dabei beide Seiten nicht gefeit. Egal ob Sub oder Dom, man möchte am liebsten alles und das sofort.

Aber Regeln sind ein zweischneidiges Schwert. Sie aufzustellen geht schnell. Sie einzuhalten oder von der dominanten Seite aus durchzusetzen bzw. zu kontrollieren, ist wesentlich schwieriger und vor allem zeitaufwändiger. Und diese Kontrolle oder Nachverfolgung ist zentral.

„Du darfst draußen nur diese Art Kleidung tragen und in der Wohnung nur diese“
„Du musst bevor Du jenes tust immer vorher um Erlaubnis frage.“
„Du darfst online nie dieses tun.“
Das kann man alles so regulieren und noch ein Dutzend weiterer detaillierter Regeln aufstellen, wenn beide das mögen. Aber es schränkt ganz extrem ein und ist kleinteilig.

Außerdem muss Dom die Regeln wie gesagt nachverfolgen und kontrollieren. Denn buchstäblich nichts ist für Sub frustrierender als festzustellen, dass sie oder er sich seit Wochen an eine aufgestellte Regel hält, die Dom schon lange vergessen hat. Aber auch für Dom ist es frustrierend, wenn aufgestellte und idealerweise gemeinsam vereinbarte Regeln immer und immer wieder nicht eingehalten werden. Da kommt dann eben nach Tagen oder Wochen schnell Frust auf. Dann lieber gar keine Regeln.

Kurz gesagt: Regeln sind eine Verpflichtung für beide Seiten. Dessen sollte man sich immer bewusst sein und sie daher gezielt und überlegt einsetzen.

Daher konnte ich noch nie nachvollziehen wieso manche Leute denken, dass ihr D/s besonders erfüllend sei, je mehr Regeln es gibt. Wem es gefällt, gerne. Aber mein Weg ist das nicht. Sicher kann man, wie oben am Beispiel gezeigt, fünfzehn Regeln aufstellen um zu klären was Sub alles zu befolgen hat. Am Ende steht man aber womöglich mit einem bis ins Detail verfassten Buch in der Form des BGB da. Dieses Gesetzbuch geht bis Paragraph 2385 und alles ist bis ins letzte Detail rechtsicher definiert. Meine Vorstellung von BDSM ist das nicht.

Einfacher wird es aus meiner Sicht, wenn man eine grundlegende Haltung vermittelt. Eine Erwartung an das Verhalten und die Stellung zueinander in der Beziehung (egal ob feste oder Spielebeziehung). Ein Grundtenor oder eben eine Haltung klärt vieles, dass dann nicht durch die fünfzehn sehr konkreten Regeln geklärt werden muss.

Einfache Sätze können hier viel transportieren. Beispielsweise, „Sub hat Dom gegenüber Demut zu zeigen und Gehorsam zu sein“. Demut definiert der Duden als „Einsicht in die Notwendigkeit und im Willen zum Hinnehmen der Gegebenheiten begründete Ergebenheit“. Ja, so habe ich auch geschaut. Jedenfalls lese ich daraus „Einsicht in die begründete Ergebenheit„. Und das definiert doch schon sehr viel.

Gehorsam müssen wir an dieser Stelle nicht noch extra definieren. Das sollte sich von selber erklären.

Ergänzt man das noch mit dem Satz „Sub hat stets für das Wohlergehen und Wohlbefinden von Dom zu sorgen“, ist schon sehr viel abgedeckt finde ich und haben noch keine einzige konkrete Regel aufgestellt.

Ich plädiere hier ganz sicher nicht dafür, dass es keine Regeln im D/s geben sollte. Die muss es geben, sonst wäre es am Ende wohl kein D/s. Aber man soll sich nicht verzetteln und sich der Verpflichtungen die Regeln bedeuten auch bewusst sein.

Wer sich dessen bewusst ist und sagt „Für uns ist es aber toll, wenn wir den Tagesablauf mit vielen Regeln strukturieren“, dann nur zu. Aber damit eine Regel einfach nur aufzustellen ist es eben nicht getan. Da steckt wesentlich mehr dahinter.

Am Ende ist es eine Frage der konkreten Vorlieben und des Geschmacks. Aber für mich gilt: wenn Sub oder Dom den ganzen Tag nur damit beschäftigt sind zu überlegen welche Regel nun wieder einzuhalten sind oder welche Regeln kontrolliert werden müssen, dann bleibt irgendwann der Spaß und die Lust auf der Strecke. Und das wäre ja schlecht.

Also Vorsicht bei der Begeisterung für viele Regeln. Überlegt euch vorher, was euch wichtig ist und was ihr umsetzen bzw. bewältigen könnt. Fangt langsam an und steigert euch wenn ihr mögt. Und denkt daran, dass ihr die einmal aufgestellten Regeln auch noch nach Wochen und Monaten handhaben müsst.

Warnzeichen für Doms

Neulich habe ich mich in einem Artikel mit Warnzeichen für Subs beschäftigt. Woran man als Sub erkennen kann, dass man es womöglich mit einem Dom zu tun hat, von dem man lieber die Finger lassen sollte. Oder bei dem zumindest Vorsicht geboten ist. Diese Art Warnzeichen gibt es aber auch umgekehrt. Also woran erkennt ein Dom, dass er es mit einer oder einem Sub zu tun, bei der oder dem Vorsicht geboten ist?

Oft wird diese Perspektive vernachlässigt und sie birgt aus meiner Sicht auch ein wenig weniger Gefahren, denn meist ist doch Dom „am Ruder“ und riskiert seltener die eigenen Gesundheit. Die Gefahren der emotionalen Verletzungen sind allerdings auf beiden Seiten gleich und niemand möchte natürlich enttäuscht oder verletzt werden. Daher sind manche Warnzeichen eben doch wichtig und man sollte auf sie achten.

Wichtig ist mir dennoch, dass Verhalten wie ich es beschreibe kein Fehler ist. Es mag Doms geben, die genau das suchen. Niemand ist falsch, so lange er oder sie dem anderen nicht schadet.

„Ich gehöre für immer dir“ – In der Euphorie die Neigung endlich ausleben zu können und endlich jemanden dafür gefunden zu haben, werden oft schnell große Versprechungen gemacht. Ich musste selber schmerzhaft lernen, dass man diesen Beteuerungen nicht zu schnell glauben sollte. Oft genug ebbt die Euphorie im Alltag ab, Probleme treten auf und die großen Worte sind schnell vergessen. Also Vorsicht, Verletzungsgefahr!

Braucht ständige Anleitung BDSM ist eine wunderbare Sache und D/s erst recht. Es ist schön, wenn Sub Führung sucht und Dom sie gerne gibt. Wenn es aber ausartet, dass Führung nicht nur gewollt, sondern gebraucht wird um überhaupt durch den Alltag zu kommen, dann wird es schnell kompliziert. Und vor allem auch sehr unsexy. Wenn Sub für jeden Atemzug eine Anweisung braucht, dann mag das für den Anfang ganz spannend scheinen. Auf mittlere und vor allem lange Sicht kann es aber auch sehr anstrengend werden. In dem Fall gilt es sich in Acht zu nehmen was man sich wünscht, es könnte auf Dauer zu viel sein.

Fordert ein – Es gibt Typen von Subs, männlich wie weiblich, für die ist ein Dom eher Wunscherfüller oder Erfüllungsgehilfe oder wie auch immer man es nennen mag. Wenn Sub also zwar eigentlich geführt werden will, dann aber immer klar zu verstehen gibt „jetzt mach bitte das mit mir“, dann ist Vorsicht geboten. Nichts gegen Wünsche und dagegen sie auch zu äußern. Aber zu BDSM gehört eben auch, sich auszuliefern und zu unterwerfen. Dabei gleichzeitig den Ton anzugeben geht nur schlecht.

Ist „tabulos“ oder behauptet es – Niemand ist tabulos. Wer von sich behauptet „alles mitzumachen“ lügt oder hat irgendein Problem. Tabus mangels Erfahrungen nicht einschätzen oder benennen zu können ist damit allerdings natürlich nicht gemeint. Das kann gerade bei Anfängern immer vorkommen. Aber wenn jemand beim Kennenlernen allen Ernstes behauptet völlig tabulos zu sein, dann ist schon einmal grundsätzlich Vorsicht geboten.

Verschweigt Probleme – Richtig gefährlich kann es werden, wenn Sub von vornherein bekannte oder frisch auftretende Probleme verschweigt. Sei es aus Sorge „schwierig“ zu sein oder um zu Gefallen, in dem Sub viel aushält. Dabei können Grenzen überschritten werden und Schäden entstehen, die nicht mehr wieder gutzumachen sind. Körperliche, aber vor allem auch mentale oder seelische. Wenn Sub beispielsweise auf Rapegames steht, aber frühere Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt verschweigt, dann ist die Katastrophe vorprogrammiert. Oder Sub überspielt Schmerz, will nicht als „zu weich“ erscheinen und hält so mehr aus, als eigentlich gut gewesen wäre. Die Probleme folgen unweigerlich und können eine Spielbeziehung zerstören. Hier rate ich wie immer zu ganz offener Kommunikation.

Hält sich nicht an Absprachen – Eigentlich gilt dieser Punkt für jeden zwischenmenschliche Beziehung. Es wird schwierig, wenn das Gegenüber sich nicht an Absprachen hält und wenn möglich sollte man dann Abstand nehmen. Im BDSM gibt es aber eben noch einmal ganz andere Absprachen. Dinge, die man vereinbart und die eingehalten werden sollen. Regeln, der Rahmen den man miteinander vereinbart, wie man die Kommunikation gestaltet usw. Wer sich Sub daran immer und immer wieder nicht hält, dann ist auch das für mich immer ein Warnzeichen.

Hin und her – „Ich will, nein doch nicht, doch, nein doch nicht, oder vielleicht doch?“. Man kann Sub nicht überreden. Man sollte es auch gar nicht versuchen. Es bringt nichts. Wer nicht mit Überzeugung dabei ist, sollte eben erst klar kommen. Besser kann ich es nicht sagen. Damit sind wiederum nicht die Umstände gemeint. Umstände kann man manchmal nicht ändern und muss damit arbeiten. Aber die Überzeugung sollte da sein. Sonst wird es auch hier sehr schnell schwierig.

Wie schon neulich bei meinem Artikel über Warnzeichen bei Subs hätten es auch mehr als sieben werden können. Nun sind es sieben für beide Seiten. Vielleicht ist das ja auch eine ganz gute Symmetrie. Vollständig sind beide Aufzählungen sicher nicht. Hoffentlich dienen beide Artikel als Denkanstoß. Vielleicht können sie BDSM-Freunden auf beiden Seiten helfen potentielle Probleme frühzeitig zu erkennen um diese entweder anzusprechen oder im schlimmsten Fall die Notbremse zu ziehen.

Auch zu diesem Artikel gibt es ein Pendant bei den KollegInnen von Deviance.

Schädlicher Druck im BDSM

Unter Druck entstehen ja bekanntlich Diamanten. Druck mag also toll sein, wenn man ein Haufen Kohlenstoff unter der Erde ist. Aber im BDSM ist Druck meist kontraproduktiv. Druck etwas zu erreichen. Druck etwas zu tun. Druck zu sein, wie ein anderer es möchte. Druck „Leistung“ abzuliefern. All das sind Dinge, um die es im BDSM nicht gehen sollte. Oft genug geht es aber eben doch darum und das ist ein Problem.

Als kurze Abschweifung möchte ich sagen, dass bei sexuellen Themen grundsätzlich nie Druck im Spiel sein sollte. Weder selbst auferlegter, noch von außen kommender. Ob und wie oft eine Frau kommt. Wie oft ein Mann kann oder ob er nicht kann, ist kein Maßstab der eine Rolle spielen sollte. Wenn die Frau kommt, dann kommt sie. Wenn der Schwanz steht, dann steht er. Wenn nicht, dann nicht. Davon sollte kein Seelenheil abhängen. Aber das nur nebenbei.

Im BDSM gibt es oft Druck. Einmal äußeren Druck und auch den Druck, den wir uns selber machen. Einige Beispiele sind der Druck zu funktionieren, obwohl es einem nicht gut geht. Der Druck Dinge mitzumachen, obwohl man nicht dazu bereit ist. Der Druck mehr oder besser zu sein, als man vermeintlich ist. Das ist extrem ungesund. Vor allem aber ist es auch völlig unnötig um zufrieden und glücklich BDSM auszuleben.

Fangen wir mit etwas offensichtlichem, weil zählbarem, an. Wie viele Schläge hält eine Sub oder ein Sub aus? Wieso sollte das wichtig sein? Zuerst einmal ist so etwas hochgradig abhängig von der Tagesform. Mal spürt man den Schmerz stärker, mal wenig stark. Daher ist ein Vergleich mit letzter Woche oder letztem Monat mindestens fragwürdig. Ein Vergleich mit dem was andere aushalten ist noch unsinniger. Vor allem aber: was soll er bringen?

Wird man in irgendeiner Form eine „bessere Sub“ oder ein „besserer Sub“ wenn man mehr Schläge aushält als jemand anderes? Ganz sicher nicht. Wem sollen solche Vergleiche etwas bringen? Niemandem.

Was sie aber mit Sicherheit bringen ist Druck. Der Druck vielleicht mehr auszuhalten ehe man sagt, dass es genug ist. Der Druck das Safeword doch noch nicht zu verwenden. Noch etwas mehr durchzuhalten. Ich persönlich halte das für ungesund. Denn so über seine Grenzen zu gehen kann gefährlich sein. Daher sollte man sich gut überlegen aus welcher Motivation und aus welchem Grund man solche Grenzen überschreitet. Nur um irgendeine am Ende beliebige Zahl zu übertreffen scheint mir das völlig sinnlos.

Ein anderer Aspekt ist, sich selber oder durch andere unter Druck setzen lassen Dinge zu tun, zu denen man nicht bereit ist. Sei es mit BDSM in die Öffentlichkeit zu treten. Sei es eine sexuelle Praktik auszuüben, zu der man nicht bereit ist. Oder sei es, andere in die bisher als Paar gelebte Beziehung einzubeziehen. Ob der Druck von einem selber oder vom Partner kommt ist dabei egal. Statt ihm nachzugeben, sollte man das Gespräch suchen und die Bedenken ansprechen.

Ja, im BDSM kann es sehr reizvoll sein über Grenzen zu gehen. Ich bin der Letzte, der das nicht versteht. Aber wenn man das tut, dann mit Bedacht und aus den richtigen Gründen. Nicht, weil man dazu gedrängt wird.

Neulich ging es in einem meiner Artikel um Warnzeichen für Subs, bei denen sie die Finger von einem Dom lassen sollten. Ein ganz deutliches Warnzeichen wäre auch, wenn Dom immer wieder mit Druck den eigenen Willen durchsetzt und Sub das Gefühl hat ständig Dinge zu tun, die sie oder er nicht will.

Ja, es geht im BDSM oft darum den Willen durchzusetzen und zu bestimmen bzw. dass über einen bestimmt wird. Aber der Wille des devoten Parts ist nicht egal. Beim besten Willen nicht. Und ihn mit Druck zu überwinden oder auszuschalten ist immer problematisch.

Fragt euch doch selber einmal, wo ihr in eurem BDSM ungesunden Druck verspürt. Druck, den ihr euch selber macht oder Druck, den ihr von außen spürt. Oft ist man sich dessen gar nicht so bewusst. Manchmal kann man ganz gut mit dem Druck leben, aber es hilft dennoch sich seiner bewusst zu sein. Und manchmal ist es vielleicht nötig etwas zu ändern, anzusprechen wo man ungesunden Druck spürt. Denn BDSM sollte nichts sein, dass unter Druck passiert.

Warnzeichen für Subs

Wie oft habe ich in Gesprächen mit weiblichen Subs schon Sätze gehört wie „da hätte es mir eigentlich schon klar sein sollen“ oder „eigentlich hätten da die Alarmglocken läuten sollen“. Was sind denn aber nun echte Warnzeichen bei denen man als Sub noch einmal überdenken sollte, ob man es hier mit einem vertrauenswürdigen und verlässlichen Dom zu tun hat?

Ein schwieriges Thema, denn nicht alle Menschen verhalten sich so, dass es miteinander absolut vergleichbar wäre. Auch nicht alle empfinden ähnliches Verhalten als unangenehm oder gar verletzend. Aber einige Verhaltensweisen sind dann doch so, dass man absolut nur davor warnen kann.

Dabei ist wichtig zu erwähnen, dass ein „Fehlverhalten“ eines Doms für sich genommen vielleicht noch kein Problem sein mag. Aber es kann ein Zeichen dafür sein, dass danach noch andere Probleme folgen. Nach dem Motto „wenn er mich an der Stelle schon nicht ernst nimmt, wie wird es dann erst später sein“. Daher sollte man Probleme frühzeitig ansprechen und gegebenenfalls lieber früher als zu spät die Reißleine ziehen.

Hier nun also die Dinge, die ich Subs als Warnzeichen an die Hand gebe. Wenn euch solches Verhalten begegnet, dann haltet kurz inne in dem was ihr gerade tut und hört mindestens noch einmal ganz genau in euch rein.

Stellt keine Fragen – Ein guter Dom wird immer viele Fragen stellen. Und zwar nicht, ob ihr rasiert seid, anal benutzbar oder ob ihr euch als Kennzeichnung seinen Namen auf den Venushügel tätowieren lasst. Viel mehr wird es am Anfang darum gehen, was euch an BDSM reizt. Was eure Bedürfnisse sind. Was euch kickt, euch Angst macht, wie eure Fantasien aussehen, was ihr erleben wollte und was ihr auch keinen Fall erleben wollt. Wenn einen Dom das alles nicht interessiert, dann ist Vorsicht angebracht. Manche Doms leiden unter der „Berufskrankheit“ zu glauben, sowieso schon alles zu wissen.
Ich habe aber auch schon von dem Exemplare gehört, die Dinge sagen wie „ist mir egal, ich mache mit dir sowieso was ich will“. Wenn euch so einer begegnet, dann rennt. Und zwar schnell.

Bespricht keine Rahmenbedingungen – Der Rahmen ist im BDSM extrem wichtig. Sind Eingriffe in den Alltag gewollt oder tabu? Dürfen Verwandte und bekannte etwas mitbekommen? Findet BDSM nur im Bett und in Sessions statt oder geht es darüber hinaus? All das sind Fragen, die ganz individuell zu beantworten sind. Die einen wollen es so, die anderen so. Gerade deswegen ist es so wichtig diesen Rahmen zu besprechen. Und das auf Augenhöhe. Wer da nicht aus seiner Dom-Rolle kann und Gespräche auf Augenhöhe zulassen kann, wer solche Gespräche nicht will, bei dem ist Vorsicht geboten. Das sollte ein Warnzeichen sein und von dem sollte man eher die Finger lassen.

Verweigert Treffen – Wie sage ich es? Er verlangt von euch Bilder und Videos, will sich aber auch nach Wochen und Monaten nicht treffen? Großer Fake-Alarm.

Will Covern unterbinden – Vertrauen ist im BDSM extrem wichtig. Selbstverständlich. Man begibt sich als Sub in die Hände eines anderen und muss sicher sein, dass einem nichts geschieht. Daher ist der Aufbau von Vertrauen schon einmal an sich ein Faktor den man beachten muss. Wenn ihr nicht das Gefühl habt vertrauen zu können, dann lieber gar nicht weiter gehen. Aber auch wenn man vertraut, ist Vorsicht angebracht. Und da ist Covern ein wichtiger Punkt. Bei einem ersten Treffen ist es gut sich covern zu lassen. Also jemand anderem zu sagen, wo man ist und mit wem man sich trifft. Dem Dom mitzuteilen, dass man sich covern lässt, ist ebenfalls sinnvoll. Sollte er etwas dagegen haben, dann Achtung. Auch das ist ein Warnzeichen.

Will kein Safeword benutzen – Ein Safeword ist, gerade am Anfang besonders wichtig. Es dient der Sub dazu im Notfall STOP zu sagen. Aber es dient euch zur Steuerung der Intensität. Manchmal ist es auch ganz simpel eine Hilfe im Kopf, dass man weiß „wenn es mir zu weit geht, dann kann ich es anhalten“. Will ein Dom partout kein Safeword verwenden, selbst wenn ihr danach fragt, dann zieht lieber gleich einen Schlussstrich, als noch weiter zu gehen. Kein Safeword zu wollen, ist ein echtes Warnzeichen. Auch hier gibt es übrigens die Spaßvögel die Dinge sagen wie „Wofür? Das ist doch hier kein Spiel. Wenn Du eine Sub bist, dann gehorchst Du einfach und zickst nicht rum.“. Mein Rat hier: nachdem ihr aufgehört habt zu lachen, beendet den Kontakt.

Beachtet eure Tabus nicht – Jeder hat Tabus im BDSM, Dinge die er oder sie nicht mögen, die sie nicht reizen, die sie schlicht ablehnen. Diese Tabus bespricht man üblicherweise irgendwann. Diese Tabus zu achten ist eine Selbstverständlichkeit. Aber die Achtung der Tabus sagt auch, dass der Dom euren Willen achtet und daher auch euch als Person. Wenn ein Dom wissentlich und willentlich über Tabus hinweggeht und sich einfach nur nimmt wonach ihm ist, dann ist das schon kein Warnzeichen mehr. Da kann es dann schon in Richtung von Nötigung und Straftaten gehen. Das darf man sich nie und zu keiner Zeit gefallen lassen.

Will unterbinden, dass ihr euch informiert – Im Netz gibt es viele Informationsquellen zu BDSM. Daneben gibt es Stammtische, Bücher etc. Ein Dom, der euch erklären will, dass ihr nur auf ihn und seine Ansichten hören sollt und nicht mit anderen reden, euch anderweitig informieren sollt, der ist auch mit Vorsicht zu genießen. Wenn ein Dom nicht will, dass ihr euch entfaltet, Neues entdeckt, euch informiert, dann ist das für mich ein ganz deutliches Warnzeichen.

Fängt euch nicht auf – BDSM ist oft eine Achterbahnfahrt. Emotional kann da sehr sehr viel passieren und da muss es selbstverständlich sein, dass euch ein Dom auch auffängt und Aftercare anbietet. Sich als erkundigt wie es euch geht, ob alles ok, euch Zeit geben runter zu kommen. Wer euch sofort rauswirft nachdem er seinen Spaß hatte und euch dann mit den Gedanken und Fragen alleine lässt, auch vor dem kann man nur warnen.

Ohne eine bestimmte Gewichtung waren das meine Warnzeichen für Subs und solche, die es werden wollen. Am Ende sind es nun sieben geworden. Es hätten sicher auch noch mehr sein können. Einen Anspruch auf Vollständigkeit gibt es hier sicher nicht.

Inspiration mich näher mit dem Thema zu beschäftigen war übrigens dieser Artikel bei den KollegInnen von Deviance.

Zum Abschluss ist mir eines noch wichtig. Manches in diesem Artikel mag Dinge berühren, die ihr als Verhalten vielleicht mögt. Kein Safeword zu haben kann reizvoll sein. Ohne Aftercare rausgesetzt zu werden und sich so benutzt zu fühlen kann auch etwas sein, dass man als Kick mag. Das ist auch völlig ok. Wenn ihr diese Dinge aber tut, dann nur sehr bewusst und mit dem Wissen um die Gefahr. Vor allem aber mutmaßlich nicht als Anfänger und nicht mit jemandem, der er noch nicht oder nicht gut kennt. Da liegt der große Unterschied.

Angst vor dem nächsten Schritt

Der Einstieg in die Welt des BDSM kann schon beängstigend sein. Dabei meine ich gar nicht den Prozess, es sich selber einzugestehen darauf zu stehen. Auch nicht den Weg überhaupt zu BDSM zu finden. Nein, ich meine den konkreten Einstieg, es dann auch live auszuleben.

Denn nach den oben erwähnten Schritten ist dieser Schritt ja dann eigentlich die logische Konsequenz: die Checkliste abhaken und sich jemanden suchen, mit dem man das auch live ausleben kann.

Aber genau an diesem Schritt verharren viele. Manche sogar Jahre lang. Aber woran liegt das?

Lassen wir mal die außer Acht, die sich bewusst entscheiden den Schritt nicht zu gehen und die BDSM nicht ausleben wollen oder bei denen die Lebensumstände entgegenstehen.

Der Schritt in diese komplett neue Welt kann einem Angst machen. Es kann sich anfühlen als laufe man blind in einen Raum, ohne zu wissen wer oder was in dem Raum ist. Manche finden das aufregend, andere sind von der Vorstellung geradezu gelähmt.

Aber solche Situationen haben wir oft im Leben. Wenn man einen neuen Job antritt, weiß man nicht was einen erwartet. Wenn man Kinder bekommt, hat man auch nur eine grobe Vorstellung, was auf einen zukommt. Selbst eine neue Beziehung ist immer ein Abenteuer und man weiß nie genau, wie sie sich entwickeln wird.

Woher also die spezielle Scheu davor, sich in die Situation zu begeben BDSM auch auszuleben?

In einigen Gesprächen habe ich als Begründung gehört, man lese ja so viele schlimme Dinge. Geschichten, die anderen Frauen passiert seien. Wahre Horrorgeschichten, was alles ganz furchtbar schief laufen kann.

In manchen Foren, wo sich Frauen untereinander austauschen, scheint es nur von solchen Geschichten zu wimmeln.

Ich will das nicht kleinreden. Es gibt diese schlechten Erfahrungen natürlich. Vielleicht gibt es sie auch gar nicht mal so selten. Ich bezweifle aber, dass es sie so häufig gibt, wie man manchmal den Eindruck bekommen kann.

Mit Berichten über schlechten Erfahrungen im BDSM verhält es sich ähnlich, wie mit schlechten Kritiken von Restaurants. Wenn man in einem Restaurant gut gegessen hat, dann setzt man sich selten hin und schreibt eine Kritik darüber, wie fantastisch das Carpaccio war oder wie lecker das Risotto.

War das Carpaccio aber schlecht und der Reis bei Risotto nicht durch, war dann der Wein noch korkig, dann ist die Chance, dass man sich hinsetzt und seinem Ärger Luft macht schon deutlich größer. Ich habe mal den Satz gehört „Wer irgendwo schlecht gegessen hat, der wird es zehn anderen erzählen. Wenn er wo gut gegessen hat, dann erzählt er es vielleicht einem oder zwei.“. Ich denke, dass fasst es ganz gut zusammen.

Schlechte Erfahrungen werden wesentlich häufiger kommuniziert und weitergetragen als gute.

Mit diesen Ausführungen meine ich beim besten Willen nicht, dass es keine Gefahren gibt. Die gibt es. Niemand sollte leichtsinnig werden und zu große Risiken eingehen. Benutzt euren gesunden Menschenverstand. Seid euch sicher was ihr wollt. Hört auf euer Bauchgefühl, ob das Gegenüber der Richtige ist. Ergreift alles an Sicherheitsmaßnahmen, die ihr für notwendig haltet, damit ihr euch gut fühlt.

In den in der Einleitung verlinkten Artikeln steht einiges darüber, was ihr beachten, tun oder nicht tun solltet. Ich rate beim besten Willen nicht zu überstürzten Schnellschüssen.

Aber, lasst euch auch nicht von der Angst regieren eine schlechte Erfahrung zu machen. Auf BDSM zu verzichten aus Angst vor einer schlechten Erfahrung ist ungefähr so sinnvoll, wie nicht mehr Essen zu gehen, weil das Essen schlecht sein könnte.

Oder anders gesagt: habt Respekt vor dem Schritt in die Realität, aber keine Angst. Verhaltet euch vernünftig, hört etwas mehr auf euren Verstand und auf euren Bauch und etwas weniger auf Horrorgeschichten von anderen.

Lustlisten statt Tabulisten

In den Hollywood-Western der 20er bis 40er Jahre trugen die Helden meistens weiße Hüte, die Schurken dagegen schwarze Hüte. Daher stammt der heute noch gebräuchliche Begriff der „white hats“, mit denen man unter Hackern zum Beispiel die bezeichnet, die auf Sicherheitslücken hinweisen statt sie auszunutzen.

Was das mit diesem Artikel zu tun hat? Ehrlich gesagt nicht viel. Aber ich liebe unnützes Wissen und wollte euch, meine Leser damit erfreuen.

Na gut, es hat doch etwas mit dem Artikel zu tun. Denn die Begriffe Whitelist und Blacklist haben eine ähnliche Bedeutung. Auf die Sache mit den Hüten bin ich nur bei der Recherche zu den Begriffen gestoßen.

Das Thema des Artikels ist also die berühmte Tabuliste und was ist eine Tabuliste anderes als eine Blacklist?

Kurz zur Geschichte der Schwarzen Listen oder Blacklists. Es gibt sie, seit es die Menschheit gibt. Schon bei den Römern standen unerwünschte Personen und/oder politische Gegner auf Schwarzen Listen. In der McCarthy-Ära wurden Schwarze Listen von Menschen geführt, die man in der Filmindustrie nicht engagieren durfte.

Unerwünschte Anbieter in der Wirtschaft oder unerwünschte Verhaltensweisen. Zu allem kann man Blacklists führen. Da sind wir dann beim Kern. Im BDSM führt man auch eine Blacklist. Nämlich die, auf der die Praktiken stehen, die man ablehnt, nicht mag und daher nicht ausüben möchte.

Im BDSM heißt diese Liste oft Tabuliste oder schlicht „die Tabus„. Wer noch nicht nach kurzem Austausch nach seinen „Tabus“ gefragt wurde, der hat vermutlich noch nie versucht online jemanden für BDSM kennen zu lernen.

Auf der einen Seite ist es verständlich so etwas wissen zu wollen. Auf der anderen Seite führt es einen im Kennenlernen genaugenommen keinen Schritt weiter. Denn meist stehen auf der Tabuliste die selben Dinge. Meist einige extremere Praktiken. Und was hilft es einem, wenn man weiß das Gegenüber lehnt diese speziellen Extreme ab?

Daher hier eine Top 5 der vermutlich meist genannten Punkte aus Tabulisten weltweit:

  • alles was illegal ist
  • alles was in die Toilette gehört
  • bleibende Schäden
  • Blut
  • Filme mit Till Schweiger

Die Daten sind rein subjektiv und daher weigere ich mich dafür Garantien zu übernehmen. Bis auf den letzten Punkt. Der ist nicht verhandelbar.

Aber im Ernst. Was hilft es einem das abzufragen? Meiner Erfahrung nach stehen auf solchen Listen in 95% der Fälle die selben Dinge. Man gewinnt also nichts. Außer man steht explizit auf Spiele mit Blut oder Natursekt, dann weiß man jetzt Bescheid. Aber auch da wäre es zielführender das Thema direkt anzusprechen.

Ich gebe zu, in sehr seltenen Fällen kann die Frage auch sehr erhellend sein. Als ich sie selber vor Jahren mal Zeit gestellt habe bekam ich als Antwort tabu seien „Küssen und Schwanz blasen“. Das sind seltene Fälle in denen mir die Frage geholfen hat.

Aber im Allgemeinen bringt die Frage eben wenig Erkenntnis. Wenn man jemanden bekochen will fragt man ja auch mal kurz ab, was derjenige oder diejenige nicht mag oder ob es Allergien gibt. Aber dann konzentriert man sich doch eher darauf, was das Gegenüber besonders mag.

Daher sollte man lieber von der anderen Seite heran gehen. Statt sich über Tabus eine Blacklist von Dingen zu erarbeiten die unerwünscht sind, sollte man sich gemeinsam eine Liste von Dingen erarbeiten die erwünscht und gewollt sind. Eine Whitelist. Eine Lustliste sozusagen.

Das dauert länger und macht mehr Mühe, macht aber am Ende auch viel mehr Spaß. Denn statt über abtörnende Dinge spricht man ja über Dinge die beide anmachen.

Aus meiner Sicht werden Tabus überbewertet. Nicht, weil man sie nicht achten sollte. Im Gegenteil. Sie sind wichtig um Grenzen zu ziehen. Aber nicht mehr. Sie sagen nichts darüber aus, wie der BDSM mit der Person sein wird. Oder sein könnte. Sie sagen nichts darüber aus, ob die Chemie stimmt.

Beim Kennenlernen also lieber auf die Gemeinsamkeiten und die gemeinsamen Vorlieben konzentrieren, statt nach dem zu fragen, was man auf keinen Fall will.

Noch mehr gilt dass, wenn einer der beiden die sich kennen lernen wenig Erfahrung hat. Woher soll man etwas über seine Tabus wissen, wenn man wenig bis nichts ausprobiert hat? Dann ist die Frage wirklich nutzlos.

Also, probiert es mal mit einer gemeinsamen Lustliste, statt einer Tabuliste. Einen Versuch ist es wert.

Auch Extreme sind ok

In einem früheren Artikel habe ich mich schon damit befasst, dass in der Fantasie eigentlich alles erlaubt ist. Heute geht es quasi noch einen Schritt weiter. Denn hier soll es um Praktiken gehen, die im allgemeinen als extrem angesehen werden. Dinge, die über das „Übliche“ hinaus gehen.

Nun ist es schwierig im BDSM das „Übliche“ oder „normal“ zu definieren. Aber sagen wir mal, den Arsch versohlen, fesseln, knebeln, mit Wachs behandeln, hinknien, Füße küssen etc. würden vermutlich von den wenigsten als extrem betrachtet werden. Sie gehören sozusagen zum anerkannten BDSM-Kanon.

Andere Spielarten wie zum Beispiel DaddyDom und LittleGirl oder Vorführungen werden von manchen als extrem, von anderen aber als ganz normaler Bestandteil ihres BDSM betrachtet.

Im BDSM gibt es für extreme Praktiken den Begriff des Edgeplay. „Edge“ steht hier für die Kante oder Rand. Man geht hier also bildlich gesprochen an Grenzen. Was darunter fällt ist wie gesagt individuell. Es hilft aber den Begriff zu kennen um sich zu orientieren. Edgeplay ist im allgemeinen übrigens RACK und nicht SSC.

Jetzt aber mal konkret. Worum geht es?

Fangen wir mit dem sogenannten Rapeplay an. Und zwar nicht mit dem zwischen zwei Partnern, die sich gut kennen und mal nur so tun. Hier ist dann doch meist die etwas „realistischere“ Variante gemeint. Klar. Keine Frau will wirklich vergewaltigt werden. Aber Fantasien in denen Aspekte davon oder ganz Szenarien enthalten sind, sind ausgesprochen verbereitet.

Ist es ok so etwas zu wollen und zu genießen? Na klar. So lange niemand zu Schaden kommt. Wie man es hier mit der Sicherheit hält und ob es überhaupt möglich ist, so eine Fantasie „sicher“ zu erfüllen ist natürlich ein Problem. Ein Safeword kann ich mir auch hier vorstellen. Für manche dürfte dass aber wiederum den ganzen Kick daran kaputt machen.

Wie erwähnt sind wir hier weit jenseits von SSC und eindeutig im Bereich RACK. Also kurz gesagt, sich des Risikos bewusst.

Eine weitere extreme Fantasie die ebenfalls natürlich besonders vom Kontrollverlust lebt und auch nicht selten mit dem Rapeplay verknüpft wird ist eine Entführung. Also irgendwo geschnappt und mitgenommen zu werden. Keine Wahl zu haben. Das Ungewisse und auch die Angst sind hier mit Sicherheit der Kick.

Neulich habe ich in einem Forum erst eine Annonce gelesen wo eine junge Frau recht detailliert jemanden für ein solches Szenario gesucht hat. Ich finde es großartig, wenn man so zu seinen Fantasien stehen kann. Noch besser, wenn man selber aktiv wird sie umzusetzen. Ich fange nicht nach jedem Beispiel die selbe Diskussion an. Ja, natürlich sehr gefährlich. Dennoch ok, wenn man sich selber des Risikos bewusst ist und niemand Schaden  nimmt. Risiken abwägen und auf sich aufpassen muss am Ende jeder selber.

Weiterhin gibt es sehr ausgefeilte Fantasien und Wünsche nach Gefangenschaft. In eine Art Zelle eingesperrt zu sein. Vielleicht auf unbestimmte Zeit. Komplett ausgeliefert dem Wohlwollen und den Launen dessen, der einen gefangen hält. Raus geholt werden für Aufgaben, Strafen oder Erniedrigungen und dann wieder weggesperrt werden. Immer wieder.

Von dieser Variante weiß ich zumindest, dass es sie in der professionellen Form bei Dominas gelegentlich gibt. Es ist eine extrem aufwändige Fantasie, die man nicht so ohne weiteres umsetzen kann. Aber wenn, dann entwickelt sie ganz sicher einen ganz besonderen Sog.

Weiterhin gibt es Fantasien des kompletten Kontrollverlustes in dem man nicht mehr bei Bewusstsein ist. Sprich, durch Betäubung keinerlei Einfluss mehr auf dass zu haben was passiert. Vor allem aber auch, nicht zu wissen was passiert ist.

Ich habe mal mit einer Frau gesprochen die das mit ihrem Spielpartner gemacht und sich von ihm dabei hat filmen lassen. Sie fand es einen unfassbaren Kick hinterher zu beobachten, was passiert ist und zu wissen, dass sie es einfach nicht mitbekommen hat und vollkommen ausgeliefert war.

Warum schreibe ich dass alles nun und zähle diese Praktiken auf, die manche sicher erschrecken, die nicht ungefährlich sind und die andere vielleicht auf Ideen bringen?

Ich schreibe es um denen die Angst zu nehmen, die solche Wünsche haben und denken damit alleine zu sein. Dass seid ihr nicht. Es ist völlig ok solche Fantasien zu haben oder solche Dinge auszuleben.

Ihr müsst vor der Umsetzung nur sehr sorgfältig auf ein paar Ding achten und nicht blind in etwas hinein stolpern. Macht euch bewusst was ihr wollt und was euch daran kickt. Überlegt euch, was ihr davon machen könnt und wollt. Überlegt, was ihr euch erwartet und was ihr auf keinen Fall wollt.

Achtet auf eure Sicherheit, geht keine verrückten Risiken ein. Zieht Grenzen zu Dingen die ihr nicht wollt. Oder bleibt einfach nur bei der Fantasie und lebt es nicht aus. Aber schämt euch auch nicht für eure Fantasien.

Oben habe ich geschrieben, was von manchen als extrem und von anderen als ganz normal zu ihrem BDSM gehörig betrachtet wird. Das Lustige ist nun, dieser Artikel ist natürlich rein subjektiv. Er ist aus meiner Warte geschrieben und zeigt daher Dinge, die für MICH eher extrem sind. Vielleicht sind sie für manche da draußen ganz normal. Es ist eben nicht so einfach mit den Definitionen von „normal“ und „extrem“.

„SM Richter“

sm-richter-coverAuch wenn der Titel ein wenig danach klingt, es handelt sich hier nicht um einen Porno. Wer harte BDSM-Action in Großaufnahmen erwartet, der ist hier falsch.

Das heißt aber nicht, dass es in diesem Film soft zugeht. Im Gegenteil geht es sogar um sehr heftige Praktiken, die aber eben trotz der „ab 18„-Kennzeichnung nicht im Detail gezeigt werden.

Koen Allegaerdts (Gene Bervoets) und Magda De Herdt (Veerle Dobbelaere) sind seit 15 Jahren verheiratet. Er ist Richter, sie ist seit kurzem arbeitslos. Die Ehe steckt in einer Krise. Sexuell scheint Magda das Interesse verloren zu haben, außerdem ist sie in eine schwere Depression verfallen. Als sie Koen sagt, sie sollten sich besser scheiden lassen antwortet Koen, dass er sie nicht verlieren und alles tun will um die Ehe zu retten. Da traut sie sich endlich, sich zu offenbaren und gesteht ihm, dass sie seit Jahrzehnten SM-Fantasien von Schmerz und ausgeliefert sein hat.

Zögernd, da es nicht seiner Neigung entspricht, aber seiner Frau zuliebe, begeben beide sich in die Welt von BDSM. Über mehrere Jahre leben sie BDSM aus, entwickeln sich von Anfängern zu Experten und ihre Ehe blüht dadurch wieder auf. Irgendwann aber, wird es in Justizkreisen bekannt, was der Richter in seinem Privatleben tut. Der Justiz fallen privat gedrehte Videos in die Hände und Koen Allegaerdts wird wegen Zuhälterei und tätlichen Angriffs angeklagt. Denn dass eine Frau so etwas wollen könnte, können sich die Ermittler nicht vorstellen. Sie glauben es ihr selbst dann nicht, als sie es ihnen persönlich bestätigt.

Der Film hat mich gepackt und begeistert. Das kann ich wirklich sagen. Noch in keinem Film der BDSM thematisiert, habe ich eine so realistische Darstellung des Einstiegs in BDSM gesehen. Sie will unbedingt, er tut es ihr zuliebe. Anfangs geht einiges schief und sie gehen gemeinsam in einen Club um von erfahreneren BDSMern zu lernen. Das alles ist im besten Sinn unspektakulär und ohne falsche Scham oder Moral dargestellt, dass ich nur Beifall klatschen kann.

Da ihre Vorliebe eindeutig auf der masochistischen Seite liegt und er die Techniken lernt, die sie will und braucht, funktioniert es zwischen den beiden wieder wunderbar und sie haben in der Folge auch wieder Sex. So werden auch seine Bedürfnisse gestillt.

Wie weit ihr Bedürfnis nach Schmerz geht, erfahren wir Zuschauer erst im Laufe der Gerichtsverhandlung, als Themen wie Nadelspiele, Branding und vernähen der Schamlippen zur Sprache kommen.

Einmal musste ich sogar lachen, als ein überforderter Koen zu Beginn seinen Freund fragt „Was ist das extremste was deine Frau je von dir wollte?“ und der antwortet: „Einen neuen BMW.“.

Aber abgesehen davon erzählt der Film eine tolle Geschichte eines Mannes, der für seine Frau eine Sexpraktik erlernt, die nicht seiner Neigung entspricht. Wie mehrfach geschrieben bin ich überzeigt, dass das im D/s-Bereich nicht wirklich möglich ist. Hier geht es aber tatsächlich um den SM-Bereich und diese Techniken eignet er sich offenbar sehr gut an.

Vor allem geht es aber in diesem Film natürlich darum, dass ein Mann angeklagt und verurteilt wird, weil er privat BDSM praktiziert. Erschreckenderweise basiert der Film dabei auch noch auf einer wahren Begebenheit. 1997 musste sich der Richter Koen Aurosseau vor Gericht verantworten und wurde schuldig gesprochen. Wie auch im Film wurde seine Frau nicht angeklagt. Sie wurde als Opfer gesehen. Der Schuldspruch erfolgte, obwohl seine Frau aussagte, dass alles auf ihr Verlangen hin geschehen war.

Ergänzend muss man erklären, dass der Fall genau in die Zeit fällt, in der in Belgien geradezu eine Hysterie wegen des Falles Marc Dutroux herrschte. Dutroux hatte mehrere Kinder gefangen gehalten, missbraucht und ermordet. Es gab Gerüchte über Verbindungen bis in Justiz und Politik. Bewiesen wurde dass nie. Diese Stimmung damals hatte sicher Einfluss darauf, wie ein Ehepaar gesehen wurde, dass extremere SM-Praktiken ausgeübt hat.

Es bleibt zu hoffen, dass wir heute weiter sind. Im Film wird an einer Stelle die Frage gestellt wieso wir Homosexualität heute als Neigung akzeptieren, BDSM als Neigung aber nicht im selben Maße öffentlich akzeptiert ist. Eine Frage, die es zu beantworten gilt.

Ich kann den Film nur absolut empfehlen. Er ist bei verschiedenen Diensten als Stream verfügbar und kann als DVD gekauft werden.

Er lohnt sich sowohl als Blick in eine BDSM-Beziehung als auch als Drama um eine Familie und eine fehlgeleitete Justiz. Der Film zeigt Haltung und ist nie voyeuristisch. Dennoch regt er die Fantasie an und zeigt trotz der extremen Praktiken eine gesunde BDSM-Beziehung die beide glücklich macht. Dass alleine wird ja schon viel zu selten gezeigt.