Warnzeichen für Doms

Neulich habe ich mich in einem Artikel mit Warnzeichen für Subs beschäftigt. Woran man als Sub erkennen kann, dass man es womöglich mit einem Dom zu tun hat, von dem man lieber die Finger lassen sollte. Oder bei dem zumindest Vorsicht geboten ist. Diese Art Warnzeichen gibt es aber auch umgekehrt. Also woran erkennt ein Dom, dass er es mit einer oder einem Sub zu tun, bei der oder dem Vorsicht geboten ist?

Oft wird diese Perspektive vernachlässigt und sie birgt aus meiner Sicht auch ein wenig weniger Gefahren, denn meist ist doch Dom „am Ruder“ und riskiert seltener die eigenen Gesundheit. Die Gefahren der emotionalen Verletzungen sind allerdings auf beiden Seiten gleich und niemand möchte natürlich enttäuscht oder verletzt werden. Daher sind manche Warnzeichen eben doch wichtig und man sollte auf sie achten.

Wichtig ist mir dennoch, dass Verhalten wie ich es beschreibe kein Fehler ist. Es mag Doms geben, die genau das suchen. Niemand ist falsch, so lange er oder sie dem anderen nicht schadet.

„Ich gehöre für immer dir“ – In der Euphorie die Neigung endlich ausleben zu können und endlich jemanden dafür gefunden zu haben, werden oft schnell große Versprechungen gemacht. Ich musste selber schmerzhaft lernen, dass man diesen Beteuerungen nicht zu schnell glauben sollte. Oft genug ebbt die Euphorie im Alltag ab, Probleme treten auf und die großen Worte sind schnell vergessen. Also Vorsicht, Verletzungsgefahr!

Braucht ständige Anleitung BDSM ist eine wunderbare Sache und D/s erst recht. Es ist schön, wenn Sub Führung sucht und Dom sie gerne gibt. Wenn es aber ausartet, dass Führung nicht nur gewollt, sondern gebraucht wird um überhaupt durch den Alltag zu kommen, dann wird es schnell kompliziert. Und vor allem auch sehr unsexy. Wenn Sub für jeden Atemzug eine Anweisung braucht, dann mag das für den Anfang ganz spannend scheinen. Auf mittlere und vor allem lange Sicht kann es aber auch sehr anstrengend werden. In dem Fall gilt es sich in Acht zu nehmen was man sich wünscht, es könnte auf Dauer zu viel sein.

Fordert ein – Es gibt Typen von Subs, männlich wie weiblich, für die ist ein Dom eher Wunscherfüller oder Erfüllungsgehilfe oder wie auch immer man es nennen mag. Wenn Sub also zwar eigentlich geführt werden will, dann aber immer klar zu verstehen gibt „jetzt mach bitte das mit mir“, dann ist Vorsicht geboten. Nichts gegen Wünsche und dagegen sie auch zu äußern. Aber zu BDSM gehört eben auch, sich auszuliefern und zu unterwerfen. Dabei gleichzeitig den Ton anzugeben geht nur schlecht.

Ist „tabulos“ oder behauptet es – Niemand ist tabulos. Wer von sich behauptet „alles mitzumachen“ lügt oder hat irgendein Problem. Tabus mangels Erfahrungen nicht einschätzen oder benennen zu können ist damit allerdings natürlich nicht gemeint. Das kann gerade bei Anfängern immer vorkommen. Aber wenn jemand beim Kennenlernen allen Ernstes behauptet völlig tabulos zu sein, dann ist schon einmal grundsätzlich Vorsicht geboten.

Verschweigt Probleme – Richtig gefährlich kann es werden, wenn Sub von vornherein bekannte oder frisch auftretende Probleme verschweigt. Sei es aus Sorge „schwierig“ zu sein oder um zu Gefallen, in dem Sub viel aushält. Dabei können Grenzen überschritten werden und Schäden entstehen, die nicht mehr wieder gutzumachen sind. Körperliche, aber vor allem auch mentale oder seelische. Wenn Sub beispielsweise auf Rapegames steht, aber frühere Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt verschweigt, dann ist die Katastrophe vorprogrammiert. Oder Sub überspielt Schmerz, will nicht als „zu weich“ erscheinen und hält so mehr aus, als eigentlich gut gewesen wäre. Die Probleme folgen unweigerlich und können eine Spielbeziehung zerstören. Hier rate ich wie immer zu ganz offener Kommunikation.

Hält sich nicht an Absprachen – Eigentlich gilt dieser Punkt für jeden zwischenmenschliche Beziehung. Es wird schwierig, wenn das Gegenüber sich nicht an Absprachen hält und wenn möglich sollte man dann Abstand nehmen. Im BDSM gibt es aber eben noch einmal ganz andere Absprachen. Dinge, die man vereinbart und die eingehalten werden sollen. Regeln, der Rahmen den man miteinander vereinbart, wie man die Kommunikation gestaltet usw. Wer sich Sub daran immer und immer wieder nicht hält, dann ist auch das für mich immer ein Warnzeichen.

Hin und her – „Ich will, nein doch nicht, doch, nein doch nicht, oder vielleicht doch?“. Man kann Sub nicht überreden. Man sollte es auch gar nicht versuchen. Es bringt nichts. Wer nicht mit Überzeugung dabei ist, sollte eben erst klar kommen. Besser kann ich es nicht sagen. Damit sind wiederum nicht die Umstände gemeint. Umstände kann man manchmal nicht ändern und muss damit arbeiten. Aber die Überzeugung sollte da sein. Sonst wird es auch hier sehr schnell schwierig.

Wie schon neulich bei meinem Artikel über Warnzeichen bei Subs hätten es auch mehr als sieben werden können. Nun sind es sieben für beide Seiten. Vielleicht ist das ja auch eine ganz gute Symmetrie. Vollständig sind beide Aufzählungen sicher nicht. Hoffentlich dienen beide Artikel als Denkanstoß. Vielleicht können sie BDSM-Freunden auf beiden Seiten helfen potentielle Probleme frühzeitig zu erkennen um diese entweder anzusprechen oder im schlimmsten Fall die Notbremse zu ziehen.

Auch zu diesem Artikel gibt es ein Pendant bei den KollegInnen von Deviance.

Nur nicht aus der Rolle fallen?

Im BDSM gibt es ja vermeintlich nur zwei Rollen. Oben und unten. Theoretisch mag das stimmen. Aber wie immer im Leben ist es natürlich komplizierter als. Zuerst einmal gibt es ja die verschiedenen Spielarten von BDSM aus denen sich auch diese Abkürzung ableitet. Also Bondage & DisciplineDominance & SubmissionSadism & Masochism. Innerhalb dieser gibt es dann wieder unterschiedliche Rollen und natürlich unterschiedliche Vorlieben.

Das klingt vielleicht kompliziert, ist es aber nicht. Im Grunde ist es wie überall im Leben. Jeder hat seine Vorlieben und Stärken. Die einen kochen lieber, sind aber handwerklich mies. Andere haben den grünen Daumen, lassen aber Wasser anbrennen. Wieder andere lassen einen Computer abstürzen nur wenn sie den Raum betreten, können aber aus einem Wollknäuel und einer Nadel eine Abendgarderobe zaubern. Viele haben aber eben auch verschiedene Talente oder Vorlieben in sich vereint und da kommen wir zum Thema.

In früheren Artikeln bin ich ja bereits auf verschiedene Rollen eingegangen. Beispielsweise die Rolle Sub oder Daddydom bzw. Little. Daher hier ein paar andere Begriffe und Rollenbeschreibungen, die in meinem Blog bisher noch nicht in der Form besprochen wurden.

Da gäbe es zum Beispiel die Rolle Degradee oder Degrader. In dieser Spielart liebt es der eine Part zu erniedrigen, der andere Part wird durch Erniedrigung erregt. Perfekt ist es, wenn zwei zusammenfinden, die genau das so wollen. Daher sind auch die Begriffe so praktisch. Man kann damit klar kommunizieren was einen anmacht und worauf man steht.

Ein weiteres Beispiel wäre Brat oder das Gegenstück Brat-Tamer. Eine oder ein Brat liebt es aufsässig zu sein, frech, herausfordernd und irgendwie „ungehorsam“. Aber immer mit dem Ziel vom Partner dann eben gebändigt zu werden. Wer sich als Brat sieht möchte jedenfalls niedergerungen und dazu gebracht werden „brav“ zu sein. Der Reiz liegt hier oftmals darin die Überlegenheit des Partners körperlich zu spüren zu bekommen.

Wiederum ein anderes Thema wären Rope-Bottom und Rigger. Hier handelt es sich Begriffe aus dem Bondage, in dem im zugegebenermaßen Laie bin. Aber der Rigger fesselt hier grob gesagt und der Partner oder die Partnerin werden gefesselt.

Eine völlig andere Konstellation wären Cuckold/Cuckquean auf der einen und Hotwife und Bull. In dieser Spielart und in der heterosexuellen Variante würde es ein männlicher Cuckold genießen, dass seine dominante Partnerin (Hotwife) Sex mit einem anderen (oft als Bull bezeichneten) Mann hat. Hier geht es auch vornehmlich um Dominanz und Erniedrigung die für alle Beteiligten erregend sind.

So spannend diese Beispiele sein mögen fragt ihr euch aber vielleicht dennoch: Worauf will er hinaus? Gute Frage.

Im BDSM ist es wie im Leben. Wir sollten uns nicht auf eine Rolle festlegen lassen und in dieser verharren, wo wir doch gerne auch mal anders wären. Wer sich also als Brat sieht, der darf auch einfach mal brav und anlehnungsbedürftig sein. Anders herum darf eine sonst „brave“ Sub oder ein sonst „braver“ Sub auch mal rebellisch sein, ohne dass dadurch die ganze Konstellation der Beziehung in Frage zu stellen.

Wer auf Erniedrigung steht kann auch Tage haben, an denen Erniedrigung einfach alles nur noch schlimmer macht. Auch das ist völlig ok.

Vor allem aber darf, um bei den Beispielen oben zu bleiben, eine oder ein Degradee auch ein Rigger sein. Ein Dom oder eine Domme darf sich auch mal dominieren lassen, ein oder eine Sub dominieren. Ob den Partner oder jemand anderen ist dann wieder eine Sache der Absprachen.

Es gibt so viele Rollen im BDSM und es ist auch nicht falsch sich damit auszukennen. Es hilft um sich zu orientiere, um manchmal auf neue Ideen zu kommen und vor allem, um in etwa jemanden zu finden der etwas ähnliches will. Aber diese Rollen machen uns nicht aus. Lasst euch nicht auf etwas festlegen, dass nur einen Teil von euch und eurer Neigung ausmacht. Lasst euch vor allem nicht einengen. Seid wild, seid mutig und lasst eurem Spieltrieb freien Lauf.

Vor allem aber findet jemanden, der das zusammen mit euch als Chance versteht. Der euch nicht auf etwas festnagelt und zu etwas verpflichtet, dass nur einen Teil eurer Persönlichkeit ausmacht.

Niemand will 24 Stunden am Tag nur der oder die mit dem grünen Daumen sein. Genauso ist niemand 24 Stunden am Tag nur Rigger oder Degradee. Es gibt Phasen neben dem BDSM. Aber auch innerhalb des BDSM gibt es Phasen in denen man mal nicht der Definition der Rolle entspricht. Das ist dann kein Fehler, kein Versagen oder Problem. Es ist einfach menschlich. Oder im besten Fall wie gesagt eine Chance.

Schädlicher Druck im BDSM

Unter Druck entstehen ja bekanntlich Diamanten. Druck mag also toll sein, wenn man ein Haufen Kohlenstoff unter der Erde ist. Aber im BDSM ist Druck meist kontraproduktiv. Druck etwas zu erreichen. Druck etwas zu tun. Druck zu sein, wie ein anderer es möchte. Druck „Leistung“ abzuliefern. All das sind Dinge, um die es im BDSM nicht gehen sollte. Oft genug geht es aber eben doch darum und das ist ein Problem.

Als kurze Abschweifung möchte ich sagen, dass bei sexuellen Themen grundsätzlich nie Druck im Spiel sein sollte. Weder selbst auferlegter, noch von außen kommender. Ob und wie oft eine Frau kommt. Wie oft ein Mann kann oder ob er nicht kann, ist kein Maßstab der eine Rolle spielen sollte. Wenn die Frau kommt, dann kommt sie. Wenn der Schwanz steht, dann steht er. Wenn nicht, dann nicht. Davon sollte kein Seelenheil abhängen. Aber das nur nebenbei.

Im BDSM gibt es oft Druck. Einmal äußeren Druck und auch den Druck, den wir uns selber machen. Einige Beispiele sind der Druck zu funktionieren, obwohl es einem nicht gut geht. Der Druck Dinge mitzumachen, obwohl man nicht dazu bereit ist. Der Druck mehr oder besser zu sein, als man vermeintlich ist. Das ist extrem ungesund. Vor allem aber ist es auch völlig unnötig um zufrieden und glücklich BDSM auszuleben.

Fangen wir mit etwas offensichtlichem, weil zählbarem, an. Wie viele Schläge hält eine Sub oder ein Sub aus? Wieso sollte das wichtig sein? Zuerst einmal ist so etwas hochgradig abhängig von der Tagesform. Mal spürt man den Schmerz stärker, mal wenig stark. Daher ist ein Vergleich mit letzter Woche oder letztem Monat mindestens fragwürdig. Ein Vergleich mit dem was andere aushalten ist noch unsinniger. Vor allem aber: was soll er bringen?

Wird man in irgendeiner Form eine „bessere Sub“ oder ein „besserer Sub“ wenn man mehr Schläge aushält als jemand anderes? Ganz sicher nicht. Wem sollen solche Vergleiche etwas bringen? Niemandem.

Was sie aber mit Sicherheit bringen ist Druck. Der Druck vielleicht mehr auszuhalten ehe man sagt, dass es genug ist. Der Druck das Safeword doch noch nicht zu verwenden. Noch etwas mehr durchzuhalten. Ich persönlich halte das für ungesund. Denn so über seine Grenzen zu gehen kann gefährlich sein. Daher sollte man sich gut überlegen aus welcher Motivation und aus welchem Grund man solche Grenzen überschreitet. Nur um irgendeine am Ende beliebige Zahl zu übertreffen scheint mir das völlig sinnlos.

Ein anderer Aspekt ist, sich selber oder durch andere unter Druck setzen lassen Dinge zu tun, zu denen man nicht bereit ist. Sei es mit BDSM in die Öffentlichkeit zu treten. Sei es eine sexuelle Praktik auszuüben, zu der man nicht bereit ist. Oder sei es, andere in die bisher als Paar gelebte Beziehung einzubeziehen. Ob der Druck von einem selber oder vom Partner kommt ist dabei egal. Statt ihm nachzugeben, sollte man das Gespräch suchen und die Bedenken ansprechen.

Ja, im BDSM kann es sehr reizvoll sein über Grenzen zu gehen. Ich bin der Letzte, der das nicht versteht. Aber wenn man das tut, dann mit Bedacht und aus den richtigen Gründen. Nicht, weil man dazu gedrängt wird.

Neulich ging es in einem meiner Artikel um Warnzeichen für Subs, bei denen sie die Finger von einem Dom lassen sollten. Ein ganz deutliches Warnzeichen wäre auch, wenn Dom immer wieder mit Druck den eigenen Willen durchsetzt und Sub das Gefühl hat ständig Dinge zu tun, die sie oder er nicht will.

Ja, es geht im BDSM oft darum den Willen durchzusetzen und zu bestimmen bzw. dass über einen bestimmt wird. Aber der Wille des devoten Parts ist nicht egal. Beim besten Willen nicht. Und ihn mit Druck zu überwinden oder auszuschalten ist immer problematisch.

Fragt euch doch selber einmal, wo ihr in eurem BDSM ungesunden Druck verspürt. Druck, den ihr euch selber macht oder Druck, den ihr von außen spürt. Oft ist man sich dessen gar nicht so bewusst. Manchmal kann man ganz gut mit dem Druck leben, aber es hilft dennoch sich seiner bewusst zu sein. Und manchmal ist es vielleicht nötig etwas zu ändern, anzusprechen wo man ungesunden Druck spürt. Denn BDSM sollte nichts sein, dass unter Druck passiert.

Warnzeichen für Subs

Wie oft habe ich in Gesprächen mit weiblichen Subs schon Sätze gehört wie „da hätte es mir eigentlich schon klar sein sollen“ oder „eigentlich hätten da die Alarmglocken läuten sollen“. Was sind denn aber nun echte Warnzeichen bei denen man als Sub noch einmal überdenken sollte, ob man es hier mit einem vertrauenswürdigen und verlässlichen Dom zu tun hat?

Ein schwieriges Thema, denn nicht alle Menschen verhalten sich so, dass es miteinander absolut vergleichbar wäre. Auch nicht alle empfinden ähnliches Verhalten als unangenehm oder gar verletzend. Aber einige Verhaltensweisen sind dann doch so, dass man absolut nur davor warnen kann.

Dabei ist wichtig zu erwähnen, dass ein „Fehlverhalten“ eines Doms für sich genommen vielleicht noch kein Problem sein mag. Aber es kann ein Zeichen dafür sein, dass danach noch andere Probleme folgen. Nach dem Motto „wenn er mich an der Stelle schon nicht ernst nimmt, wie wird es dann erst später sein“. Daher sollte man Probleme frühzeitig ansprechen und gegebenenfalls lieber früher als zu spät die Reißleine ziehen.

Hier nun also die Dinge, die ich Subs als Warnzeichen an die Hand gebe. Wenn euch solches Verhalten begegnet, dann haltet kurz inne in dem was ihr gerade tut und hört mindestens noch einmal ganz genau in euch rein.

Stellt keine Fragen – Ein guter Dom wird immer viele Fragen stellen. Und zwar nicht, ob ihr rasiert seid, anal benutzbar oder ob ihr euch als Kennzeichnung seinen Namen auf den Venushügel tätowieren lasst. Viel mehr wird es am Anfang darum gehen, was euch an BDSM reizt. Was eure Bedürfnisse sind. Was euch kickt, euch Angst macht, wie eure Fantasien aussehen, was ihr erleben wollte und was ihr auch keinen Fall erleben wollt. Wenn einen Dom das alles nicht interessiert, dann ist Vorsicht angebracht. Manche Doms leiden unter der „Berufskrankheit“ zu glauben, sowieso schon alles zu wissen.
Ich habe aber auch schon von dem Exemplare gehört, die Dinge sagen wie „ist mir egal, ich mache mit dir sowieso was ich will“. Wenn euch so einer begegnet, dann rennt. Und zwar schnell.

Bespricht keine Rahmenbedingungen – Der Rahmen ist im BDSM extrem wichtig. Sind Eingriffe in den Alltag gewollt oder tabu? Dürfen Verwandte und bekannte etwas mitbekommen? Findet BDSM nur im Bett und in Sessions statt oder geht es darüber hinaus? All das sind Fragen, die ganz individuell zu beantworten sind. Die einen wollen es so, die anderen so. Gerade deswegen ist es so wichtig diesen Rahmen zu besprechen. Und das auf Augenhöhe. Wer da nicht aus seiner Dom-Rolle kann und Gespräche auf Augenhöhe zulassen kann, wer solche Gespräche nicht will, bei dem ist Vorsicht geboten. Das sollte ein Warnzeichen sein und von dem sollte man eher die Finger lassen.

Verweigert Treffen – Wie sage ich es? Er verlangt von euch Bilder und Videos, will sich aber auch nach Wochen und Monaten nicht treffen? Großer Fake-Alarm.

Will Covern unterbinden – Vertrauen ist im BDSM extrem wichtig. Selbstverständlich. Man begibt sich als Sub in die Hände eines anderen und muss sicher sein, dass einem nichts geschieht. Daher ist der Aufbau von Vertrauen schon einmal an sich ein Faktor den man beachten muss. Wenn ihr nicht das Gefühl habt vertrauen zu können, dann lieber gar nicht weiter gehen. Aber auch wenn man vertraut, ist Vorsicht angebracht. Und da ist Covern ein wichtiger Punkt. Bei einem ersten Treffen ist es gut sich covern zu lassen. Also jemand anderem zu sagen, wo man ist und mit wem man sich trifft. Dem Dom mitzuteilen, dass man sich covern lässt, ist ebenfalls sinnvoll. Sollte er etwas dagegen haben, dann Achtung. Auch das ist ein Warnzeichen.

Will kein Safeword benutzen – Ein Safeword ist, gerade am Anfang besonders wichtig. Es dient der Sub dazu im Notfall STOP zu sagen. Aber es dient euch zur Steuerung der Intensität. Manchmal ist es auch ganz simpel eine Hilfe im Kopf, dass man weiß „wenn es mir zu weit geht, dann kann ich es anhalten“. Will ein Dom partout kein Safeword verwenden, selbst wenn ihr danach fragt, dann zieht lieber gleich einen Schlussstrich, als noch weiter zu gehen. Kein Safeword zu wollen, ist ein echtes Warnzeichen. Auch hier gibt es übrigens die Spaßvögel die Dinge sagen wie „Wofür? Das ist doch hier kein Spiel. Wenn Du eine Sub bist, dann gehorchst Du einfach und zickst nicht rum.“. Mein Rat hier: nachdem ihr aufgehört habt zu lachen, beendet den Kontakt.

Beachtet eure Tabus nicht – Jeder hat Tabus im BDSM, Dinge die er oder sie nicht mögen, die sie nicht reizen, die sie schlicht ablehnen. Diese Tabus bespricht man üblicherweise irgendwann. Diese Tabus zu achten ist eine Selbstverständlichkeit. Aber die Achtung der Tabus sagt auch, dass der Dom euren Willen achtet und daher auch euch als Person. Wenn ein Dom wissentlich und willentlich über Tabus hinweggeht und sich einfach nur nimmt wonach ihm ist, dann ist das schon kein Warnzeichen mehr. Da kann es dann schon in Richtung von Nötigung und Straftaten gehen. Das darf man sich nie und zu keiner Zeit gefallen lassen.

Will unterbinden, dass ihr euch informiert – Im Netz gibt es viele Informationsquellen zu BDSM. Daneben gibt es Stammtische, Bücher etc. Ein Dom, der euch erklären will, dass ihr nur auf ihn und seine Ansichten hören sollt und nicht mit anderen reden, euch anderweitig informieren sollt, der ist auch mit Vorsicht zu genießen. Wenn ein Dom nicht will, dass ihr euch entfaltet, Neues entdeckt, euch informiert, dann ist das für mich ein ganz deutliches Warnzeichen.

Fängt euch nicht auf – BDSM ist oft eine Achterbahnfahrt. Emotional kann da sehr sehr viel passieren und da muss es selbstverständlich sein, dass euch ein Dom auch auffängt und Aftercare anbietet. Sich als erkundigt wie es euch geht, ob alles ok, euch Zeit geben runter zu kommen. Wer euch sofort rauswirft nachdem er seinen Spaß hatte und euch dann mit den Gedanken und Fragen alleine lässt, auch vor dem kann man nur warnen.

Ohne eine bestimmte Gewichtung waren das meine Warnzeichen für Subs und solche, die es werden wollen. Am Ende sind es nun sieben geworden. Es hätten sicher auch noch mehr sein können. Einen Anspruch auf Vollständigkeit gibt es hier sicher nicht.

Inspiration mich näher mit dem Thema zu beschäftigen war übrigens dieser Artikel bei den KollegInnen von Deviance.

Zum Abschluss ist mir eines noch wichtig. Manches in diesem Artikel mag Dinge berühren, die ihr als Verhalten vielleicht mögt. Kein Safeword zu haben kann reizvoll sein. Ohne Aftercare rausgesetzt zu werden und sich so benutzt zu fühlen kann auch etwas sein, dass man als Kick mag. Das ist auch völlig ok. Wenn ihr diese Dinge aber tut, dann nur sehr bewusst und mit dem Wissen um die Gefahr. Vor allem aber mutmaßlich nicht als Anfänger und nicht mit jemandem, der er noch nicht oder nicht gut kennt. Da liegt der große Unterschied.

Angst vor dem nächsten Schritt

Der Einstieg in die Welt des BDSM kann schon beängstigend sein. Dabei meine ich gar nicht den Prozess, es sich selber einzugestehen darauf zu stehen. Auch nicht den Weg überhaupt zu BDSM zu finden. Nein, ich meine den konkreten Einstieg, es dann auch live auszuleben.

Denn nach den oben erwähnten Schritten ist dieser Schritt ja dann eigentlich die logische Konsequenz: die Checkliste abhaken und sich jemanden suchen, mit dem man das auch live ausleben kann.

Aber genau an diesem Schritt verharren viele. Manche sogar Jahre lang. Aber woran liegt das?

Lassen wir mal die außer Acht, die sich bewusst entscheiden den Schritt nicht zu gehen und die BDSM nicht ausleben wollen oder bei denen die Lebensumstände entgegenstehen.

Der Schritt in diese komplett neue Welt kann einem Angst machen. Es kann sich anfühlen als laufe man blind in einen Raum, ohne zu wissen wer oder was in dem Raum ist. Manche finden das aufregend, andere sind von der Vorstellung geradezu gelähmt.

Aber solche Situationen haben wir oft im Leben. Wenn man einen neuen Job antritt, weiß man nicht was einen erwartet. Wenn man Kinder bekommt, hat man auch nur eine grobe Vorstellung, was auf einen zukommt. Selbst eine neue Beziehung ist immer ein Abenteuer und man weiß nie genau, wie sie sich entwickeln wird.

Woher also die spezielle Scheu davor, sich in die Situation zu begeben BDSM auch auszuleben?

In einigen Gesprächen habe ich als Begründung gehört, man lese ja so viele schlimme Dinge. Geschichten, die anderen Frauen passiert seien. Wahre Horrorgeschichten, was alles ganz furchtbar schief laufen kann.

In manchen Foren, wo sich Frauen untereinander austauschen, scheint es nur von solchen Geschichten zu wimmeln.

Ich will das nicht kleinreden. Es gibt diese schlechten Erfahrungen natürlich. Vielleicht gibt es sie auch gar nicht mal so selten. Ich bezweifle aber, dass es sie so häufig gibt, wie man manchmal den Eindruck bekommen kann.

Mit Berichten über schlechten Erfahrungen im BDSM verhält es sich ähnlich, wie mit schlechten Kritiken von Restaurants. Wenn man in einem Restaurant gut gegessen hat, dann setzt man sich selten hin und schreibt eine Kritik darüber, wie fantastisch das Carpaccio war oder wie lecker das Risotto.

War das Carpaccio aber schlecht und der Reis bei Risotto nicht durch, war dann der Wein noch korkig, dann ist die Chance, dass man sich hinsetzt und seinem Ärger Luft macht schon deutlich größer. Ich habe mal den Satz gehört „Wer irgendwo schlecht gegessen hat, der wird es zehn anderen erzählen. Wenn er wo gut gegessen hat, dann erzählt er es vielleicht einem oder zwei.“. Ich denke, dass fasst es ganz gut zusammen.

Schlechte Erfahrungen werden wesentlich häufiger kommuniziert und weitergetragen als gute.

Mit diesen Ausführungen meine ich beim besten Willen nicht, dass es keine Gefahren gibt. Die gibt es. Niemand sollte leichtsinnig werden und zu große Risiken eingehen. Benutzt euren gesunden Menschenverstand. Seid euch sicher was ihr wollt. Hört auf euer Bauchgefühl, ob das Gegenüber der Richtige ist. Ergreift alles an Sicherheitsmaßnahmen, die ihr für notwendig haltet, damit ihr euch gut fühlt.

In den in der Einleitung verlinkten Artikeln steht einiges darüber, was ihr beachten, tun oder nicht tun solltet. Ich rate beim besten Willen nicht zu überstürzten Schnellschüssen.

Aber, lasst euch auch nicht von der Angst regieren eine schlechte Erfahrung zu machen. Auf BDSM zu verzichten aus Angst vor einer schlechten Erfahrung ist ungefähr so sinnvoll, wie nicht mehr Essen zu gehen, weil das Essen schlecht sein könnte.

Oder anders gesagt: habt Respekt vor dem Schritt in die Realität, aber keine Angst. Verhaltet euch vernünftig, hört etwas mehr auf euren Verstand und auf euren Bauch und etwas weniger auf Horrorgeschichten von anderen.

Auch Extreme sind ok

In einem früheren Artikel habe ich mich schon damit befasst, dass in der Fantasie eigentlich alles erlaubt ist. Heute geht es quasi noch einen Schritt weiter. Denn hier soll es um Praktiken gehen, die im allgemeinen als extrem angesehen werden. Dinge, die über das „Übliche“ hinaus gehen.

Nun ist es schwierig im BDSM das „Übliche“ oder „normal“ zu definieren. Aber sagen wir mal, den Arsch versohlen, fesseln, knebeln, mit Wachs behandeln, hinknien, Füße küssen etc. würden vermutlich von den wenigsten als extrem betrachtet werden. Sie gehören sozusagen zum anerkannten BDSM-Kanon.

Andere Spielarten wie zum Beispiel DaddyDom und LittleGirl oder Vorführungen werden von manchen als extrem, von anderen aber als ganz normaler Bestandteil ihres BDSM betrachtet.

Im BDSM gibt es für extreme Praktiken den Begriff des Edgeplay. „Edge“ steht hier für die Kante oder Rand. Man geht hier also bildlich gesprochen an Grenzen. Was darunter fällt ist wie gesagt individuell. Es hilft aber den Begriff zu kennen um sich zu orientieren. Edgeplay ist im allgemeinen übrigens RACK und nicht SSC.

Jetzt aber mal konkret. Worum geht es?

Fangen wir mit dem sogenannten Rapeplay an. Und zwar nicht mit dem zwischen zwei Partnern, die sich gut kennen und mal nur so tun. Hier ist dann doch meist die etwas „realistischere“ Variante gemeint. Klar. Keine Frau will wirklich vergewaltigt werden. Aber Fantasien in denen Aspekte davon oder ganz Szenarien enthalten sind, sind ausgesprochen verbereitet.

Ist es ok so etwas zu wollen und zu genießen? Na klar. So lange niemand zu Schaden kommt. Wie man es hier mit der Sicherheit hält und ob es überhaupt möglich ist, so eine Fantasie „sicher“ zu erfüllen ist natürlich ein Problem. Ein Safeword kann ich mir auch hier vorstellen. Für manche dürfte dass aber wiederum den ganzen Kick daran kaputt machen.

Wie erwähnt sind wir hier weit jenseits von SSC und eindeutig im Bereich RACK. Also kurz gesagt, sich des Risikos bewusst.

Eine weitere extreme Fantasie die ebenfalls natürlich besonders vom Kontrollverlust lebt und auch nicht selten mit dem Rapeplay verknüpft wird ist eine Entführung. Also irgendwo geschnappt und mitgenommen zu werden. Keine Wahl zu haben. Das Ungewisse und auch die Angst sind hier mit Sicherheit der Kick.

Neulich habe ich in einem Forum erst eine Annonce gelesen wo eine junge Frau recht detailliert jemanden für ein solches Szenario gesucht hat. Ich finde es großartig, wenn man so zu seinen Fantasien stehen kann. Noch besser, wenn man selber aktiv wird sie umzusetzen. Ich fange nicht nach jedem Beispiel die selbe Diskussion an. Ja, natürlich sehr gefährlich. Dennoch ok, wenn man sich selber des Risikos bewusst ist und niemand Schaden  nimmt. Risiken abwägen und auf sich aufpassen muss am Ende jeder selber.

Weiterhin gibt es sehr ausgefeilte Fantasien und Wünsche nach Gefangenschaft. In eine Art Zelle eingesperrt zu sein. Vielleicht auf unbestimmte Zeit. Komplett ausgeliefert dem Wohlwollen und den Launen dessen, der einen gefangen hält. Raus geholt werden für Aufgaben, Strafen oder Erniedrigungen und dann wieder weggesperrt werden. Immer wieder.

Von dieser Variante weiß ich zumindest, dass es sie in der professionellen Form bei Dominas gelegentlich gibt. Es ist eine extrem aufwändige Fantasie, die man nicht so ohne weiteres umsetzen kann. Aber wenn, dann entwickelt sie ganz sicher einen ganz besonderen Sog.

Weiterhin gibt es Fantasien des kompletten Kontrollverlustes in dem man nicht mehr bei Bewusstsein ist. Sprich, durch Betäubung keinerlei Einfluss mehr auf dass zu haben was passiert. Vor allem aber auch, nicht zu wissen was passiert ist.

Ich habe mal mit einer Frau gesprochen die das mit ihrem Spielpartner gemacht und sich von ihm dabei hat filmen lassen. Sie fand es einen unfassbaren Kick hinterher zu beobachten, was passiert ist und zu wissen, dass sie es einfach nicht mitbekommen hat und vollkommen ausgeliefert war.

Warum schreibe ich dass alles nun und zähle diese Praktiken auf, die manche sicher erschrecken, die nicht ungefährlich sind und die andere vielleicht auf Ideen bringen?

Ich schreibe es um denen die Angst zu nehmen, die solche Wünsche haben und denken damit alleine zu sein. Dass seid ihr nicht. Es ist völlig ok solche Fantasien zu haben oder solche Dinge auszuleben.

Ihr müsst vor der Umsetzung nur sehr sorgfältig auf ein paar Ding achten und nicht blind in etwas hinein stolpern. Macht euch bewusst was ihr wollt und was euch daran kickt. Überlegt euch, was ihr davon machen könnt und wollt. Überlegt, was ihr euch erwartet und was ihr auf keinen Fall wollt.

Achtet auf eure Sicherheit, geht keine verrückten Risiken ein. Zieht Grenzen zu Dingen die ihr nicht wollt. Oder bleibt einfach nur bei der Fantasie und lebt es nicht aus. Aber schämt euch auch nicht für eure Fantasien.

Oben habe ich geschrieben, was von manchen als extrem und von anderen als ganz normal zu ihrem BDSM gehörig betrachtet wird. Das Lustige ist nun, dieser Artikel ist natürlich rein subjektiv. Er ist aus meiner Warte geschrieben und zeigt daher Dinge, die für MICH eher extrem sind. Vielleicht sind sie für manche da draußen ganz normal. Es ist eben nicht so einfach mit den Definitionen von „normal“ und „extrem“.

Kontaktabbruch oder auch Ghosting

„But you didn’t have to cut me off
Make out like it never happened and that we were nothing
And I don’t even need your love
But you treat me like a stranger and that feels so rough“

„Somebody That I Used to Know“ von Gotye

Heute geht es mir um ein Thema, dass wenig bis nichts mit BDSM, aber dafür viel mit Beziehungen zu tun hat. Vor allem mit ihrem Ende.

Ich spreche hier nicht davon, dass man einen Chat auf einem Flirtportal beendet oder nach zwei Dates feststellt, dass es irgendwie doch nicht passt. Ich meine Beziehungen, in denen man über Monate oder Jahre zusammen war und dann ein Part mit dem anderen kein Wort mehr redet. Ihn oder sie komplett aus ihrem oder seinem Leben entfernt und nie wieder Kontakt zulässt.

Es wird nicht mehr ans Telefon gegangen, Kontakte in Messengern werden gesperrt, Nachrichten nicht mehr beantwortet.

Diese miese Form der Trennung nennt sich Ghosting. Ein Begriff der erst in den letzten Jahren aufgekommen ist und bedeuten soll, dass man vom ehemaligen Partner wie ein Geist behandelt wird, durch den man hindurch sieht. Es kommt einem so vor, als habe man sich die ganze Beziehung nur eingebildet.

Alleine an der Tatsache, dass es dafür einen eigenen Begriff gibt, sieht man schon: selten scheint dieses Verhalten nicht zu sein.

Es mag Gründe geben, den Kontakt völlig abzubrechen. Gewalt in der Beziehung ist so ein Grund. Keinen Kontakt zu einem gewalttätigen Partner mehr haben zu wollen ist eine völlig gesunde Reaktion.

Hilflosigkeit, Angst aber auch Feigheit sind Gründe den Kontakt abzubrechen. Es liegt aber in der Natur der Sache, dass derjenige, zu dem der Kontakt abgebrochen wird die genauen Gründe nie erfährt. Denn es gibt ja keine Kommunikation, keinen Kontakt mehr.

In der Regel wird Ghosting so definiert, dass es ohne Ankündigung passiert. Andere definieren es so, dass nach einem Abschiedswort der Kontakt abgebrochen wird. In jedem Fall bedeutet es aber, dass ab einem Punkt X zwischen zwei Menschen die sich geliebt haben von einer Partei ausgehend keinerlei Kontakt mehr stattfindet.

Es ist aus meiner Sicht ein Akt der Gewalt. Wo vor kurzem noch Liebe, Hoffnung und Träume waren, wird verbrannte Erde hinterlassen ohne zu erklären. Es werden emotionale Wunden geschlagen von denen ich aus Erfahrung sagen kann, dass sie auch nach Jahrzehnten nie ganz verheilen.

Wer sich so aus einer Beziehung zurück zieht, der tut dem anderen Gewalt an. Darüber sollte man sich klar sein.

Die Journalistin Tina Soliman hat ein Buch über das Thema veröffentlicht und beschreibt die Auswirkungen in einem Interview wie folgt: „Der Neurologe und Psychologe Michael Linden von der Charité spricht von einer ‚posttraumatischen Verbitterungsstörung‚. Das ist eine reaktive psychische Störung infolge des Erlebens von Ungerechtigkeit, Herabwürdigung oder Vertrauensbruch, gekennzeichnet durch nagende Verbitterungsgefühle, Aggressionsfantasien, schlechte Stimmung, Rückzug aus Sozialbeziehungen und Einengung des Lebens. Die Geghosteten trauen sich nicht mehr in Beziehungen. Solche Erfahrungen prägen sich tief in unsere DNA ein.“

Gerade heute ist es leicht sich zurück zu ziehen und den Kontakt abzubrechen. Im Gegensatz zu früher hat man den Partner oft nicht bei der Arbeit oder im Freundeskreis gefunden. Oft ist er weit weg, man hat sich über das im Internet getroffen und lieben gelernt. Die Distanz erleichtert es dann, den früher geliebten Menschen aus dem eigenen Leben zu streichen.

Aber wie oben erwähnt, reißt man dabei tiefe Wunden.

Es kommt oft noch dazu, dass man den anderen ja durchaus in sozialen Medien noch agieren sieht. Er oder sie ist also keinesfalls im Amazonasgebiet verschollen oder bei einer Expedition zum Mond gestrandet. Nein. Er oder sie agiert und lebt sich aus, ghostet einen aber eben. Das macht es noch brutaler.

Daher halte ich es auch bei diesem Thema so, wie ich es bei allen Themen halte: seid offen und ehrlich miteinander. Kommuniziert mit den Menschen. Redet und schreibt miteinander. Erklärt eure Gefühle und Beweggründe. Auch in der Trennung.

Und wenn es euch nicht zum Zeitpunkt der Trennung möglich ist die Umstände zu erklären, dann gebt dem Menschen irgendwann später eine Erklärung. Eine Erklärung, die womöglich Wunden heilen kann. Denn die Fragen im Kopf bleiben auch nach Monaten und Jahren.

„SM Richter“

sm-richter-coverAuch wenn der Titel ein wenig danach klingt, es handelt sich hier nicht um einen Porno. Wer harte BDSM-Action in Großaufnahmen erwartet, der ist hier falsch.

Das heißt aber nicht, dass es in diesem Film soft zugeht. Im Gegenteil geht es sogar um sehr heftige Praktiken, die aber eben trotz der „ab 18„-Kennzeichnung nicht im Detail gezeigt werden.

Koen Allegaerdts (Gene Bervoets) und Magda De Herdt (Veerle Dobbelaere) sind seit 15 Jahren verheiratet. Er ist Richter, sie ist seit kurzem arbeitslos. Die Ehe steckt in einer Krise. Sexuell scheint Magda das Interesse verloren zu haben, außerdem ist sie in eine schwere Depression verfallen. Als sie Koen sagt, sie sollten sich besser scheiden lassen antwortet Koen, dass er sie nicht verlieren und alles tun will um die Ehe zu retten. Da traut sie sich endlich, sich zu offenbaren und gesteht ihm, dass sie seit Jahrzehnten SM-Fantasien von Schmerz und ausgeliefert sein hat.

Zögernd, da es nicht seiner Neigung entspricht, aber seiner Frau zuliebe, begeben beide sich in die Welt von BDSM. Über mehrere Jahre leben sie BDSM aus, entwickeln sich von Anfängern zu Experten und ihre Ehe blüht dadurch wieder auf. Irgendwann aber, wird es in Justizkreisen bekannt, was der Richter in seinem Privatleben tut. Der Justiz fallen privat gedrehte Videos in die Hände und Koen Allegaerdts wird wegen Zuhälterei und tätlichen Angriffs angeklagt. Denn dass eine Frau so etwas wollen könnte, können sich die Ermittler nicht vorstellen. Sie glauben es ihr selbst dann nicht, als sie es ihnen persönlich bestätigt.

Der Film hat mich gepackt und begeistert. Das kann ich wirklich sagen. Noch in keinem Film der BDSM thematisiert, habe ich eine so realistische Darstellung des Einstiegs in BDSM gesehen. Sie will unbedingt, er tut es ihr zuliebe. Anfangs geht einiges schief und sie gehen gemeinsam in einen Club um von erfahreneren BDSMern zu lernen. Das alles ist im besten Sinn unspektakulär und ohne falsche Scham oder Moral dargestellt, dass ich nur Beifall klatschen kann.

Da ihre Vorliebe eindeutig auf der masochistischen Seite liegt und er die Techniken lernt, die sie will und braucht, funktioniert es zwischen den beiden wieder wunderbar und sie haben in der Folge auch wieder Sex. So werden auch seine Bedürfnisse gestillt.

Wie weit ihr Bedürfnis nach Schmerz geht, erfahren wir Zuschauer erst im Laufe der Gerichtsverhandlung, als Themen wie Nadelspiele, Branding und vernähen der Schamlippen zur Sprache kommen.

Einmal musste ich sogar lachen, als ein überforderter Koen zu Beginn seinen Freund fragt „Was ist das extremste was deine Frau je von dir wollte?“ und der antwortet: „Einen neuen BMW.“.

Aber abgesehen davon erzählt der Film eine tolle Geschichte eines Mannes, der für seine Frau eine Sexpraktik erlernt, die nicht seiner Neigung entspricht. Wie mehrfach geschrieben bin ich überzeigt, dass das im D/s-Bereich nicht wirklich möglich ist. Hier geht es aber tatsächlich um den SM-Bereich und diese Techniken eignet er sich offenbar sehr gut an.

Vor allem geht es aber in diesem Film natürlich darum, dass ein Mann angeklagt und verurteilt wird, weil er privat BDSM praktiziert. Erschreckenderweise basiert der Film dabei auch noch auf einer wahren Begebenheit. 1997 musste sich der Richter Koen Aurosseau vor Gericht verantworten und wurde schuldig gesprochen. Wie auch im Film wurde seine Frau nicht angeklagt. Sie wurde als Opfer gesehen. Der Schuldspruch erfolgte, obwohl seine Frau aussagte, dass alles auf ihr Verlangen hin geschehen war.

Ergänzend muss man erklären, dass der Fall genau in die Zeit fällt, in der in Belgien geradezu eine Hysterie wegen des Falles Marc Dutroux herrschte. Dutroux hatte mehrere Kinder gefangen gehalten, missbraucht und ermordet. Es gab Gerüchte über Verbindungen bis in Justiz und Politik. Bewiesen wurde dass nie. Diese Stimmung damals hatte sicher Einfluss darauf, wie ein Ehepaar gesehen wurde, dass extremere SM-Praktiken ausgeübt hat.

Es bleibt zu hoffen, dass wir heute weiter sind. Im Film wird an einer Stelle die Frage gestellt wieso wir Homosexualität heute als Neigung akzeptieren, BDSM als Neigung aber nicht im selben Maße öffentlich akzeptiert ist. Eine Frage, die es zu beantworten gilt.

Ich kann den Film nur absolut empfehlen. Er ist bei verschiedenen Diensten als Stream verfügbar und kann als DVD gekauft werden.

Er lohnt sich sowohl als Blick in eine BDSM-Beziehung als auch als Drama um eine Familie und eine fehlgeleitete Justiz. Der Film zeigt Haltung und ist nie voyeuristisch. Dennoch regt er die Fantasie an und zeigt trotz der extremen Praktiken eine gesunde BDSM-Beziehung die beide glücklich macht. Dass alleine wird ja schon viel zu selten gezeigt.

Warum sollte sich eine Frau unterwerfen wollen?

Eine mir sehr wichtige Frau sagt einmal zu mir „seit ich dich kenne weiß ich es“. Das hat mich sehr berührt. Tut es noch. Aber dass Sie es weiß, hilft mir nicht die Frage zu beantworten.

Warum also will sich eine emanzipierte Frau in einer aufgeklärten, westlichen Gesellschaft einem Mann unterwerfen? Ist das nicht total widersinnig? Irgendwie verrückt? Nein, natürlich nicht.

Ich bin kein Psychologe, aber eigentlich liegt die Antwort schon in der Frage. Frauen tragen ganz selbstverständlich viel Verantwortung. Im Gegensatz zu früheren Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten sind sie meist berufstätig. Wenn sie Familie haben, dann erwartet die Gesellschaft von ihnen natürlich die perfekte Mutter und Ehefrau zu sein. Wie beim jonglieren müssen alle Bälle in der Luft gehalten werden und wehe, es fällt mal einer runter.

Natürlich müssen sie dabei auch immer perfekt aussehen, dafür Sport machen und am besten sieht alles ganz mühelos aus.

Kommen wir noch einmal auf die Frage zurück: warum sollten es Frauen da reizvoll finden sich in einem Lebensbereich fallen zu lassen und die Kontrolle jemandem zu überlassen, der weiß was er tut und dem sie vertrauen?

Nein, ich komme auch nicht drauf.

Spaß beiseite. Einfach mal die Kontrolle abgeben in einem Leben, in dem man sonst ständig am rudern, machen und tun ist, ist einfach sehr befreiend. Man kann sich treiben und Dinge mit sich geschehen lassen. Hat man den richtigen Partner dafür, ist es sogar ganz ohne Risiko. Denn Grenzen werden geachtet. Bedürfnisse werden erfüllt.

Warum machen dass dann nicht alle Frauen so? Nun, es kommt eben ganz auf die Neigung an. Jeder Mensch hat andere Bedürfnisse und Wünsche. Sich dominieren zu lassen, egal in welcher Form ist eben nicht jederfraus Sache. Und es soll ja jede Frau das machen, was sie mag und ihr gut tut.

Warum tun es aber nicht alle Frauen, die es gerne tun würden? Da liegt das Problem. Es ist nicht ganz so einfach sich einzugestehen, dass man gerne dominiert und „fremdbestimmt“ sein möchte. Wenn auch nur in einem gewissen Rahmen. Schließlich lernen Mädchen und Frauen in unserer Gesellschaft selbständig zu sein und sich nicht abhängig zu machen.

Da ist es nicht ganz so leicht dem inneren Drang nachzugeben, sich einem Partner zu unterwerfen. Da kommen Fragen auf. Zweifel. Scham.

Wie kann es mir gefallen, dass mir gesagt wird was ich tun soll? Wie kann ich es erregend finden, wenn mir Aufgaben, Regeln oder Verbote gegeben werden? Auch da lautet die Antwort: es kann einfach sehr befreiend sein mal die Zügel aus der Hand zu geben. Sich fallen zu lassen.

Wenn ihr also entsprechende Fantasien hat, dann spricht nichts dagegen sich einem dominanten Partner zu unterwerfen. Wer hätte das Recht dass zu verurteilen? So lange ihr keinem schadet, wen geht es etwas an?

Abgesehen von allem anderen ist es ja gerade Emanzipation, dass Frauen tun können was ihnen gefällt und gut tut. So wie es Männer seit Jahrhunderten für sich in Anspruch nehmen. Wenn ihr also diese besondere Freiheit der Unterwerfung genießen wollt, dann seid emanzipiert und tut dass, was euch gut tut.

Neben allen sexuellen Aspekten kann es eben sehr befreiend sein in einem kontrollierten Rahmen die Kontrolle abzugeben. Wie weit das geht, wie tief ihr da gehen wollt, wo ihr Grenzen ziehen wollt. Dass ist alles ganz individuell.

Wundern wir uns also nicht, wieso ausgerechnet in unserer aufgeklärten Gesellschaft scheinbar so viele Frauen die Lust an der Unterwerfung entdecken. Es ist einfach eine Reaktion auf die Anforderungen und Ansprüche, die der Alltag an Frauen stellt.

Nichts daran ist irgendwie verwerflich oder abzulehnen. Wer dieses Bedürfnis in sich entdeckt, der darf dem nachgehen und auch nachgeben. Wer es nicht hat muss auch nicht denken, dass etwas schief läuft. Achtet einfach auf dass, was ihr euch wünscht. Wägt ab und fühlt euch nicht schuldig dem auch einfach mal nachzugeben.

Niemand hat das Recht einer Frau zu sagen, was ihr im Bett, in den eigenen vier Wänden oder in der Beziehung zu gefallen hat und was nicht. Darüber sind wir zum Glück in unserer Gesellschaft hinaus. Oder sollten es sein.

Also meine Damen: nur Mut und unterwerft euch, wenn es auch glücklich macht.

Dominant ist nicht gleich Dom

Neulich erzählte mir eine Frau „Er sagte er sei dominant und diese ganzen Begriffe und Regeln würden ihn nicht interessieren. Er würde sich nehmen was er wolle und ich solle einfach spuren.“.

Wenn beide dass so wollen, dann sollen sie es so machen und glücklich werden. Viele da draußen sind dominant. Noch viel mehr halten sich für oder geben sich dominant. Aber mit BDSM und der Rolle des Dom oder der Domina hat das nichts zu tun.

Wie wir alle wissen sind Dom oder Domina etc. keine geschützten Begriffe. Jeder kann sich so nennen. Von dieser Freiheit machen auch viele Gebrauch und nennen sich so, obwohl sie wenig oder keine Ahnung haben.

Andere, wie im Eingangsbeispiel, wollen mit den Begriffen nichts am Hut haben. Auch gut.

Meine Warnung geht nur an die Menschen, die sich in die Hände solcher Leute begeben. Nur weil jemand sich selber für dominant hält, ist er oder sie kein Dom oder keine Domina. Zu dieser Rolle gehört mehr als jemand anderen mies zu behandeln, zu benutzen und dann weg zu schicken.

Wer in die dominante Position im Rahmen von BDSM schlüpft, sollte wissen, dass dazu mehr gehört als nur zu tun was man will und sonst keine Rücksichten zu nehmen.

Es gehören Verantwortung und Aftercare dazu. Es gehören Absprachen und Einhaltung von Grenzen, Tabus und des vereinbarten Rahmens dazu. Es gehört dazu, dass man zumindest darüber spricht ob man Sicherheitsmaßnahmen wie ein Safeword nutzen möchte. Überhaupt gehört viel Kommunikation dazu.

Das ist natürlich unbequem für die, die einfach nur ihren Spaß und sonst ihre Ruhe haben wollen. Die einfach nur die schnelle Nummer suchen und ansonsten von dem ganzen Kram nichts wissen wollen. Klar, denn dem Spaß steht Verantwortung natürlich im Weg.

Das Gegenüber einfach nur zur Befriedigung der eigenen Lust zu benutzen und dann ohne Rücksicht auf dessen Gefühle weg schicken oder fallen lassen, kann im BDSM-Kontext im Einzelfall mal vorkommen. Es darf aber nicht zur Regel werden. Denn der devote Part begibt sich in die Hände des dominanten Parts und darf erwarten aufgefangen zu werden.

Bewusst und willentlich den Anderen in seinem Gefühlschaos alleine lassen, absichtlich und gefühllos den anderen in Tränen aufgelöst quasi weg werfen ist kein BDSM. Das ist im besten Fall Gleichgültigkeit und im schlimmsten Fall Missbrauch.

Wer es sich leicht macht und sagt „ach, diese Begriffe und Regeln sind mit egal, ich bin einfach dominant“, der soll das tun. Wer sich aber auf so jemanden einlässt, der muss wissen, zwischen den Zeilen bedeutet so eine Aussage oft „ich will einfach nur machen worauf ich Lust habe und dafür keine Verantwortung übernehmen“.

Nicht jeder der solche Aussagen macht muss es böse meinen. Vielleicht ist es auch einfach eine Scheu sich tiefer mit BDSM zu beschäftigen. Aber oft stecken hinter solchen Aussagen leider Arschlöcher, die eben nur den Spaß und nicht die Verpflichtungen wollen.

Damit sollen natürlich nicht alle heilig gesprochen werden die sich Dom oder Domina nennen. Auch da gibt es schwarze Schafe. Aber bei Menschen die so offen sagen was sie ablehnen, muss jeder Mensch wissen woran er oder sie ist.

Denn ein Mensch, der BDSM ernst nimmt, der wird euch zumindest anbieten ein Safeword zu verwenden. Der wird es nicht ablehnen, wenn ihr euch covern lassen wollt. Der wird sich an den Rahmen halten den ihr miteinander vereinbart habt. Der wird euch nicht gleichgültig raus werfen wenn ihr emotional aufgelöst seid.

Ein solcher Mensch wird euch auch Mitspracherecht geben und nicht verlangen, dass ihr einfach nur spurt und sonst den Mund haltet. Leider ist es ein immer noch weit verbreiteter Irrtum, dass devote Menschen einfach alles mitmachen müssen ohne selber etwas zu sagen zu haben.

Im konkreten BDSM-Kontext hat natürlich der dominante Part das Sagen. Aber auch da gibt das Safeword dem devoten Part eine kleine Steuerungsmöglichkeit.

Außerhalb des BDSM-Kontextes aber muss es Möglichkeiten geben sich zu äußern. Da muss es die Gelegenheit geben Wünsche und Bedenken anzubringen. Wer das abbügelt mit „Du musst spuren“, vor dem solltet ihr schnell und weit weg laufen.

Wie gestaltet man eine Session?

Gehen wir mal davon aus ihr habt euch gefunden. Ihr habt die Checkliste abgehakt, die Sub hat einen guten Dom gefunden oder umgekehrt. Ihr habt auch schon euren gemeinsamen Rahmen abgesteckt von dem was ok und gewollt und von dem was nicht gewollt ist. Aber was dann?

Irgendwann kommt der Moment eine ersten Session oder BDSM-Handlung oder wie ihr es nennen wollte. Manchmal ganz spontan, oft aber nicht. Oft ist es verabredet und geplant. Beide haben lange Zeit vorher darüber nachzudenken.

Aber während der devote Part da naturgemäß eher abwarten kann oder muss, obliegt es dem dominanten Part das Ganze in irgendeiner Form zu planen. Das ist der Punkt an dem alle Dominanten irgendwann stehen. Da beschäftigen einen Fragen wie: „Wie gestalte ich das Ganze nun?“ und „Was ist, wenn mir mal nichts einfällt?“.

Was man in diesem Moment braucht sind Fantasie, Spieltrieb, den vereinbarten Rahmen und sein Handwerkszeug. Darunter würde ich in dem Moment alles verstehen, was man an Seilen, Ketten, Schlagwerkzeugen etc. verwenden will und kann.

Ich persönlich visualisiere dann in einem ersten Schritt das Treffen. Sprich, ich stelle mir vor was passiert. Wo treffen wir uns? Kenne ich die Location? Was weiß ich darüber? Komme ich zuerst an oder ist sie zuerst dort? Welche Gegebenheiten finde ich dort vor?

Einmal hatte ich ein Hotelzimmer gebucht, wusste aber nicht, dass das Hotel verspiegelte Fenster haben würde, durch die man von außen ungesehen über die ganze Stadt schauen konnte. Sobald ich das gesehen hatte war klar, dass ich meine Sub nackt am Fenster würde platzieren müssen. Solche Situationen muss man natürlich spontan mit nehmen.

Dann überlege ich, was von meinem Handwerkszeug ich vermutlich benutzen werde. Was davon ist am Anfang sinnvoll, was erst später, weil es vielleicht etwas Vorlauf braucht. Beispielsweise Schlagwerkzeuge die erst zum Einsatz kommen, wenn beide schon etwas aufgewärmt sind.

Dabei habe ich natürlich auch immer Blick was vereinbart war. Was kickt sie besonders? Welchen Schwerpunkt möchte ich setzen? Oder haben wir etwas vereinbart, dass vorkommen soll? Und ganz wichtig, welche Stimmung will ich insgesamt erzeugen? Als Dom setzt ihr in dieser Situation den Ton. Wollt ihr besonders streng sein, eher nachgiebig? Was ist in der aktuellen Stimmung zwischen euch der richtige Ton?

Aus all diesen Informationen entsteht im Kopf ein ungefährer Plan. „Situation Eins, Ort X, ich fange an mit… Situation Zwei, Ort Y, weiter mit…“.

Wenn ihr nicht ein ganz konkretes Szenario plant, vielleicht ein Rollenspiel oder so, dann macht das Ganze nicht zu konkret. Lasst euch selber Freiheiten und Spielräume. Das fällt natürlich umso leichter, je öfter man das schon gemacht hat. Am Anfang hält man sich vielleicht einfach zu sehr an dem fest, was man sich vorher überlegt hat.

So reift ein grober Ablauf im Kopf: „Erst hier diese Aktion, dann rüber nach da, dann die Gerte…“. Mehr hat man eigentlich nicht. Mit dem oben erwähnten Spieltrieb und der Lust am Ganzen fällt euch der Rest dann schon ein wenn es so weit ist.

Nun aber zum vermutlich wichtigsten Tipp von allen. Seid immer bereit all dass oder einzelne Punkte davon über Bord zu werfen. Ohne zögern. Zack, gestorben.

Wenn ihr merkt, es passt gerade etwas nicht, dann nicht krampfhaft daran hängen und denken „aber jetzt solle es doch so weiter gehen“. Nein. Weg damit und etwas anderes machen. Oder auch wenn ihr spontan auf etwas Lust habt dass gar nicht geplant war, warum nicht? Auch wenn das alles andere was ihr euch überlegt hattet über den Haufen wirft. So what?

Bei niemandem auf der Welt verläuft jede Session so, wie sie vorher überlegt oder geplant war. Das ist normal und ist sogar Teil des Spaßes. Vor allem: macht nicht den Fehler in der Situation irgendetwas nachzuhängen, dass vermeintlich „nicht geklappt hat“. So lange ihr im Flow seid ist alles gut. Euer Gegenüber weiß ja im Zweifelsfall gar nicht was „eigentlich geplant“ war. Also locker bleiben und weiter genießen, sonst macht ihr es euch nur selber kaputt.

Klammert euch also nicht an euren Plan. Tut euch selber den Gefallen und seid bereit ihn spontan zu ändern und fallen zu lassen. Das ermöglicht euch und eurem Gegenüber unendlich mehr Freiheit und Lockerheit. lasst euch außerdem gesagt sein, dass sich aus diesen spontanen Planänderungen oder Umwegen oft die besten und aufregendsten Situationen entwickeln.

Kurz gesagt, plant so viel wie nötig, aber auch nicht zu viel. Lasst euch innerhalb dessen was ihr gemeinsam vereinbart habt von eurer Fantasie und eurem Spieltrieb leiten. Überlegt vorher, was ihr an Gegebenheiten vorfindet. Seid aber auch bereit alles über den Haufen zu werfen, wenn die Situation es verlangt oder sinnvoll erscheinen lässt. Ansonsten: genießt es so gut ihr könnt.

Faszination Kennzeichnungen

Freundschaftsarmbänder, Eheringe, Band-Shirts, Partnerlook, Fußballtrikots. Zusammengehörigkeit zu zeigen ist etwas, dass in der Natur des Menschen tief verankert ist. Wir fühlen uns gut aufgehoben, wenn wir zu einer Gruppe gehören und demonstrieren das dann auch gerne. Wobei „Gruppe“ in einer Ehe mit dem dazugehörigen Ehering ein großes Wort ist. Aber ihr versteht schon was ich meine.

Diese Zusammengehörigkeit hat zwei Auswirkungen: Nach außen gerichtet sagt sie „Wir gehören zusammen. Wir teilen etwas miteinander“. Aber auch nach innen gerichtet sagt sie dem Mitmenschen oder Partner „Wir gehören zusammen. Ich gehöre zu dir. Du gehörst zu mir.„.

Und natürlich findet diese menschliche Neigung zu Zeichen und Zusammengehörigkeit auch ihre Entsprechung im BDSM.

Zum einen gibt es Erkennungszeichen mit denen man sich nach außen als jemand zu erkennen geben kann, der BDSM zugeneigt ist. Beispielsweise ist der „Ring der O“ so ein Zeichen oder auch die Triskele. Sieht man jemanden eines von beidem oder beides tragen, dann ist das ein guter Hinweis darauf, es mit einem oder einer Gleichgesinnten zu tun zu haben. Wobei die Triskele als Schmuck natürlich auch sonst gerne Verwendung findet.

Diese Zeichen dienen oft dazu, sich anderen versteckt zu erkennen zu geben. Weniger häufig hat das Tragen einen sexuellen Aspekt.

Im Gegensatz dazu gibt es andere Arten der Kennzeichnung, die weniger subtil sind.

Grob gesagt gibt es drei verschiedene Spielarten: Kurzfristige, leicht zu entfernende und dauerhafte Kennzeichnungen.

Kurzfristige Kennzeichnungen können mit Lippenstift, Edding, Klebetattoos oder anderen abwaschbaren Mitteln angebrachte Beschriftungen sein. Sie besagen für den Moment „Du gehörst mir„, sind aber leicht zu entfernen.

Weiterhin fallen mir als leicht zu entfernende Kennzeichnungen, der oben erwähnte „Ring der O“ ein. Aber auch andere Ringe, Halsbänder oder Piercings. Hier besonders beliebt natürlich das Intimpiercing, da sie dort angebracht natürlich die deutliche Botschaft „MEINS“ senden können.

Ein ebenfalls nicht zu unterschätzendes Kennzeichen ist bei männlichen Subs der Keuschheitsgürtel. Er erfüllt den ganz praktischen, aber eben auch den übertragenen Zweck Besitz anzuzeigen.

Dauerhafte und nicht mehr (so einfach) zu entfernende Kennzeichnungen sind Tätowierungen und Brandings. Bei einigen sind auch Halsbänder beliebt, die man nur mit bestimmten Schlüsseln entfernen kann. Diesen hat dann natürlich der dominante Part in Besitz.

Unter den genannten Kennzeichnungen kann man zwei weitere Unterteilungen machen: Die nach außen sichtbaren und die nach außen unsichtbaren Kennzeichnungen.

Eine Tätowierung kann so angebracht sein, dass sie zumindest im Sommer viele sehen können oder so, dass sie gerade mal der Arzt zu sehen bekommt. Auch Halsbänder können zwar sichtbar, aber subtil oder auch sehr eindeutig sein. Es kommt immer darauf an, was man wem damit vermitteln will.

Genau das ist der Punkt: Die Art der Kennzeichnung macht den Unterschied. Wie oben erwähnt ist es nämlich auch im BDSM so, dass sie nach außen und nach innen wirken und unterschiedliches Aussagen haben. Ein Halsband oder ein Ring können nach außen sagen „Wir gehören zusammen. Wir sind ein Paar.“. Im Innenverhältnis sagen sie aber oft „Du gehörst mir.“, was im BDSM-Kontext etwas ganz anderes besagt, als im Vanilla-Kontext.

Wer ein Halsband annimmt und trägt und es vielleicht sogar nach außen zeigt, der geht damit eine Verpflichtung ein. Genauso wie die Person, die das Halsband gibt. Es bedeutet Zusammengehörigkeit und im Metakonsens des BDSM auch ein „Ich gehöre dir“ oder „Du gehörst mir“.

Ebenso verhält es sich natürlich mit den anderen Zeichen. Ich persönlich mache da keinen Unterschied, ob es sich um leicht zu entfernende oder dauerhafte Kennzeichen handelt. Es zählt der Gedanke dahinter und die Beteiligten sollten sich dieses Gedankens vorher bewusst sein.

Genauso wie Spuren von Schlägen können aber auch kurzfristige Kennzeichnungen einen großen Reiz haben. Eine Beschriftung mit Edding oder ein Klebetattoo kann ein großer sexueller Kick sein. Etwas, dass man mitnimmt und noch stunden- oder tagelang genießt, ohne aber damit gleich eine tiefe Verpflichtung eingegangen zu sein. Außerdem kann so etwas als Vorstufe dienen, um zu sehen, wie es sich anfühlt so ein Zeichen zu tragen.

Wie ihr seht gibt es viele Abstufungen und Varianten was Kennzeichnungen angeht. Für viele sind sie ein großer Reiz und manche von ihnen sind im BDSM vergleichbar mit Ehe- oder Verlobungsringen unter Vanillas.

Bevor ihr aber zu dauerhaften Kennzeichnungen greift, seid euch verdammt sicher. Tattoos beispielsweise wieder los zu werden kann teuer und schmerzhaft sein und ständig an intimer Stelle den Namen eines oder einer Verflossenen zu haben, will ja auch niemand.

Mit Kennzeichnungen zu spielen ist extrem reizvoll. Es vermittelt beiden Seiten ein Gefühl von Zusammengehörigkeit und eben auch dieses Gefühl von „Dein Arsch gehört mir„. Greift nicht gleich zum Extrem, sondern tastet euch heran. Vor allem aber, seid auch sicher, dass ihr beide das gleichermaßen ernst nehmt. So vermeidet ihr Enttäuschungen.