Erziehung – Eine Spielart polarisiert

Im BDSM gibt es unzählige Spielarten, Utensilien, Sammelbegriffe und das macht es gelegentlich auch unübersichtlich. Niemand muss aber alles kennen und wissen. Im Gegenteil lernt man immer dazu.

Manche dieser Begriffe und Spielarten sind dabei polarisierender als andere. „Fesseln“ zum Beispiel ist etwas, auf dass sich ganz grundsätzlich viele einigen können. Auch so ganz allgemein „Schlagen“ finden viele gut. Respektive natürlich „gefesselt werden“ oder „geschlagen werden“.

Andere Begriffe und Spielarten machen die einen an, die anderen reagieren eher gleichgültig. Ob jemand gerne Fetischklamotten aus Latex oder Leder trägt, macht andere selten aggressiv oder wird gar vehement abgelehnt.

Dann gibt es aber Themen, bei denen gehen die Meinungen stark auseinander. Es gibt Befürworter, aber oft umso vehementere Gegner. Begriffe oder Spielarten, die polarisieren. DD&LG ist sicher eines davon. 24/7 ist ein anderes, dass oft für kontroverse Diskussionen sorgt. TPE (Total Power Exchange) wäre wohl ein weiteres.

Aber ein kleines und unscheinbares Wort sorgt ebenfalls für heftige Reaktionen, wenn Dom es einer Sub gegenüber (und hier kann ich nur aus der männlichen Dom-Sicht schreiben, denn anders herum kenne ich das Phänomen nicht) erwähnt. Das Wort Erziehung oder gelegentlich auch die Abwandlung Ausbildung.

Eigentlich ein kleines Wort, dass nicht so sehr viel Emotionen auslösen sollte. Aber bei Worten kommt es ja sehr auf dem Kontext an, wie man wunderbar am Wort „feucht“ sehen kann. Ob im selben Satz das Wort „Wand“ oder das Wort „Pussy“ vorkommt, macht hier einen entscheidenden Unterschied. Kontext eben.

So ist es auch mit dem Wort Erziehung. Geht es um ein Pädagogikstudium oder fällt es auf einem Spielplatz, dann ist die Bedeutung entscheidend anders, als wenn es im BDSM-Kontext fällt.

Vor Jahren hätte ich nicht vermutet, dass es so ist. Aber der Begriff der Erziehung ist bei devoten Frauen meiner Erfahrung nach etwas, dass auf große Begeisterung und genau den persönlichen Kink treffen kann. Er kann aber auch vehemente Ablehnung hervorrufen wie „Das haben meine Eltern schob ganz gut erledigt.“ oder „Ich bin doch kein Kind mehr.“ oder „Dann kauf dir doch einen Hund.“.

Viele Menschen scheinen den Begriff mit der Kindheit zu verbinden und das ist verständlich, denn so wird er wohl auch mehrheitlich verwendet und verstanden. Aber der Duden spricht auch einfach von „zu einem bestimmten Verhalten anleiten“. Und das wäre auch meine Definition von Erziehung im BDSM-Kontext. Denn nichts anderes passiert ja oft in Dom-Sub-Beziehungen. Es wird gemeinsam erwünschtes Verhalten definiert und dann dazu „angeleitet“.

Kinder werden heute meist weniger autoritär erzogen als früher. Hier geben Eltern oft ein gutes Beispiel und leiten die Kinder an dem zu folgen. Ganz so anti-autoritär geht es im BDSM nicht. Hier wird natürlich gewollt, dass Regeln aufgestellt und diese auch mit Strafen durchgesetzt werden. Auch hier gibt es also keine Parallele zur Kindererziehung.

Es ist nicht schwer zu erkennen, dass ich den Begriff der Erziehung im BDSM-Kontext mag. Es geht mir in einer festen (Spiel-)Beziehung immer darum zu einem „bestimmten Verhalten anzuleiten“. Ich möchte, dass meine Sub Dinge in unserem Dom-Sub-Verhältnis und in unserem Zusammensein auf eine Art tut, die ich mag und einfordere. Immer im Consent natürlich, aber dennoch nach meinen Vorstellungen. Und das setze ich dann auch durch.

Darüber hinaus geht es mir aber darum nicht nur zu fordern, sondern auch zu fördern. So kann es auf Wunsch und nach Absprache ebenso anregend wie hilfreich sein, wenn Dom Sub mit Verboten, Regeln oder Geboten unterstützt. Beispielsweise kann es die Selbstdisziplin im Bezug auf Süßigkeiten enorm stärken, wenn Dom klare Regeln vorgibt wann oder wie viele davon erlaubt sind. Oder bis wann welche Aufgaben erledigt sein sollen, die Sub erledigen möchte, aber dann doch immer wieder hinaus schiebt.

Erziehung im BDSM muss man nicht mögen oder praktizieren. Jeder und jede wie sie oder er mag. Aber unter der Maßgabe, dass es eben „nur“ darum geht ein gewünschtes Verhalten zu fördern und dazu anzuleiten und unter der Maßgabe, dass es zum Wohle und zur Förderung von Sub dient, ist es für mich etwas Positives.

Der Begriff lässt uns nur eben an die Zeiten denken, als die Eltern gesagt haben „Um acht bist du aber zuhause“ oder „Nein, Du darfst Malte-Torben nicht zum spielen treffen“. Das hat aber im Normalfall nichts mit dem zu tun, wie Erziehung im BDSM-Kontext aussieht.

Also in Zukunft vielleicht weniger Angst vor dem „bösen“ Wort Erziehung haben und sich ein wenig damit beschäftigen, was es in der Praxis bedeuten würde und ob es nicht doch zum Gegenseitigen Lustgewinn ein Teil des eigenen BDSM sein kann.


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Erwartungen treffen auf realen BDSM

Darf Sub Wünsche und Bedürfnisse äußern? Oder widerspricht das in sich schon der Rolle als Sub? Muss man als Sub also willen- und wunschlos sein? Oder zumindest den Willen und die Wünsche nicht äußern, sondern sich komplett dem dominanten Part unterwerfen?

„Aber wenn ich dir meine Wünsche und Fantasien sage, bin ich da nicht so eine Wunschzettelsub?“. Diese und ähnlich spannende Fragen habe ich in letzter Zeit diskutiert. Sie haben mich zum nachdenken angeregt und ich habe dabei wieder einmal viel gelernt.

Wenn man Sub ist, dann sucht man dominante Führung, Abgabe von Kontrolle, nicht entscheiden müssen. Das liegt in der Natur der Sache. Und ja, da scheint es vielleicht gerade als Anfängerin oder Anfänger widersinnig, wenn man nach Wünschen und Fantasien gefragt wird. Schließlich will man ja brav und gehorsam sein. Man will nicht vorgeben was passieren soll. Das soll ja gerade der dominante Part tun. Und gibt es da nicht dieses schlimme Wort „Wunschzettelsub“? Das möchte man ja nun auf gar keinen Fall sein. Denn das ist offenbar das Schlimmste überhaupt.

Nun gut, räumen wir mal mit ein paar Mythen auf. Ich habe es schon gelegentlich gesagt und sage es wieder: der Begriff Wunschzettelsub ist für mich ein Kampfbegriff. Wer ihn verwendet, will damit in den allermeisten Fällen bezwecken, dass jemand seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse aufgibt und hinten anstellt. Ich halte das für grundfalsch und benutze diesen Begriff nie.

Wer jemanden als Wunschzettelsub bezeichnet, der scheut die Auseinandersetzung mit dem Gegenüber und will das Gegenüber zum Schweigen bringen. Werdet ihr so bezeichnet, dann würde ich an eurer Stelle ganz scharf nachdenken, ob euer Gegenüber eure Aufmerksamkeit, Zuwendung und Zeit wert ist.

Jetzt fragt ihr vielleicht „Ok, aber ich will doch, dass Dom bestimmt. Ist Wünsche äußern dann nicht doch falsch in einer Dom/Sub-Beziehung?“

Nein, finde ich überhaupt nicht. In der Kennenlernphase muss Dom ja überhaupt erst einmal wissen und herausfinden, was Sub mag und was nicht. Klar kann man das per „Trial and Error“ machen oder Dom raten lassen. Einfacher ist es aber, wenn man sagt worauf man steht. Das spart viel Zeit und Nerven und man umgeht viele potentielle Fettnäpfchen.

Vor allem aber liegt in der ganzen Thematik ein grundlegender Denkfehler vor. Ja, Sub möchte, dass Dom entscheidet. Am besten vielleicht von Anfang an. Aber Wünsche zu äußern und Bedürfnisse zu benennen ist ja nicht das Selbe, wie Wünsche und Bedürfnisse nach blieben und nach eigener Ansage erfüllt zu bekommen.

Wenn ich als Dom genau weiß was die Wünsche und Bedürfnisse sind, dann kann ich doch um ein vielfaches besser damit spielen. Ich kann die Erfüllung für Gehorsam in Aussicht stellen. Ich kann die Erfüllung verweigern, wenn ich nicht zufrieden bin. Ich kann die Erfüllung eines Wunsches andeuten und mit der Erwartung spielen, um ihn dann doch nicht zu erfüllen und so weiter.

Dom bestimmt was passiert. Eben auch ob Wünsche erfüllt werden. Dazu muss Dom diese aber kennen und kann so viel effektiver und zum Lustgewinn beider Seite damit spielen. Kennt Dom die Wünsche und Bedürfnisse nicht, ist ihm oder ihr ein sehr spannendes und vielseitiges Instrument genommen.

Daher plädiere ich immer dafür, dass Sub Fantasien, Wünsche und Bedürfnisse vollkommen offen kommuniziert. Meiner Sub gegenüber verlange und erwarte ich das. In der Kennenlernphase genauso wie auch später. Erst wenn ich weiß, worauf Sub heute besonders Lust hat kann ich doch damit spielen und es verwenden. So haben beide etwas davon.

Was wäre vor allem die Alternative? Einen Wunsch nach einer sexuellen Praktik, einer bestimmten Szene oder einer Fantasie immer nur für sich behalten? In der stillen Hoffnung, dass Dom irgendwann von alleine darauf kommt? Und passiert das nicht, dann still und leise frustriert sein, weil dass, was man gerne hätte eben nie passiert? Das kann ja nicht Sinn der Sache sein.

Noch einmal muss ich in diesem Zusammenhang auf meine Bild des Rahmens zurückkommen, in dem wir BDSM leben. Dom und Sub vereinbaren einen Rahmen von Dingen, die zwischen ihnen gewollt und ok sind. Alle gewünschten und erlaubten Praktiken, Fantasien und Szenarien liegen innerhalb des Rahmens. Alles unerwünschte und verbotene außerhalb. Innerhalb des Rahmens hat Dom komplette Verfügungsgewalt. Was außerhalb liegt, ist eben außerhalb und damit außen vor was die Dom/Sub-Beziehung angeht.

Je reichhaltiger dieser Rahmen gefüllt ist, desto mehr Spielraum hat Dom. Desto weniger vorhersehbar ist, was passieren wird. Desto spannender und reizvoller wird das gemeinsame Spiel. Wenn innerhalb dieses Rahmens auch die Wünsche und Bedürfnisse von Sub bekannt sind, dann verbessert und vertieft das nur das gemeinsame BDSM-Erlebnis.

Wenn euch also andere oder eure innere Stimme sagen, dass es als Sub falsch ist Wünsche zu haben und zu äußern, dann hört nicht auf sie. Sie haben unrecht. Offene Kommunikation über Wünsche und Bedürfnisse ist Teil einer gesunden BDSM-Beziehung. Dass am Ende aber nur der dominante Part über die Erfüllung bestimmt eben auch. Und das ist beides gut so.

Reiz Keuschhaltung

Keuschhaltung ist für viele im BDSM ein zentraler Bestandteil. Warum das so ist, ist nicht schwer zu erraten, bringt aber auch oft unerwartete Probleme mit sich.

Vermutlich ist der Begriff selbsterklärend. Dennoch kurz zur Bedeutung: Keuschhaltung bedeutet, dass der dominante Part dem devoten Part jeden Orgasmus verbietet. Einzige Ausnahme: Der dominante Part hat ihn vorher genehmigt – dies gilt ausdrücklich auch außerhalb von Session oder bei Vanilla-Sex.

Bei Paaren aus devoten Männern und dominanten Frauen ist diese Praktik vielleicht noch populärer als bei Paaren mit devoten Frauen und dominanten Männern. Aber da ich persönlich mit männlicher Keuschhaltung keine Erfahrung habe, weder aktiv noch passiv, soll es hier vor allem um die Konstellation gehen, in der eine weibliche Sub keusch gehalten wird.

Zu Beginn habe ich geschrieben, es sei nicht schwer zu erraten, warum Keuschhaltung für viele so ein zentraler Punkt ist. Dennoch lohnt es sich, einen Blick auf die verschiedenen Aspekte des Reizes dieser Praktik zu werfen. Der Orgasmus ist einfach so ziemlich das Intimste, was wir Menschen haben. Wir lernen ihn zumeist in der Pubertät kennen und mittels Selbstbefriedigung erforschen wir so sehr früh unsere Sexualität.

Dass ein anderer uns da rein redet, ist selten und alleine schon deswegen ungewohnt. Zumal man einem anderen die Kontrolle darüber gibt und selbst jede Kontrolle abgibt, ist eine Erfahrung, die es vermutlich nur im BDSM gibt (ja, ich weiß, das Zölibat. aber da hat ja kein „anderer“ die Kontrolle).

Selbstverständlich ist es ausgesprochen exklusiv, wenn man die Kontrolle über diese ganz persönliche und private Sache abgibt. Noch intimer wird es, wenn das Verbot womöglich sogar noch umfasst, dass man sich im Intimbereich gar nicht mehr selber anfassen darf.

Der Reiz ist also der Eingriff in die eigene Sexualität und diese abhängig vom Wohlwollen seines Gegenübers/Partners zu machen. Ein weiterer Reiz ist aber auch die durch Enthaltsamkeit steigende Libido. Sprich, wer nicht darf, der will irgendwann umso dringender. Das kann den Anreiz noch erhöhen und zu einer neuen Form von Bindung führen. Das mag bei devoten Männern stärker sein als bei devoten Frauen. Aber auch dort bleibt Keuschhaltung keinesfalls ohne Wirkung.

Ein zusätzlicher und besonderer Unterschied zwischen weiblicher und männlicher Keuschhaltung ist, dass sie bei einer weiblichen Sub fast immer nur über ein Verbot stattfinden muss, während man bei Männern relativ einfach mit mechanischen Mitteln, wie einem Peniskäfig jede Erektion unterdrücken oder schmerzhaft machen kann. Dies ist bei Frauen nicht ohne weiteres möglich: Keuschheitsgürtel für Frauen, die wirklich funktionieren, sind extrem aufwändig und folglich kostspielig und weiterhin so unbequem, dass sie kaum auf Dauer tragbar sind.

Aber wie mir eine mir bekannte Sub sagte, die die Erfahrung mit einem solchen Keuschheitsgürtel gemacht hat, ist die Erfahrung ganz besonders. Sie schrieb mir: „Aber ich bin extrem froh darüber diese Erfahrung gemacht zu haben. Ich muss zugeben, dass es wirklich noch einmal ein Riesenunterschied ist, ob man die Keuschhaltung ’nur‘ über den Kopf macht bzw. ’nur‘ mit Verboten, oder ob der Sklave oder die Sklavin eben tatsächlich das pure Metall auf der Haut spürt und in jeder Sekunde spürt, dass der Körper nicht mehr ihr gehört oder ihm, dass die Lust nicht mehr ihr oder ihm gehört, sondern dem Herrn oder der Herrin.“.

Über den Reiz und auch die gewünschte oder erwartete Wirkung habe ich nun einiges geschrieben. Allerdings birgt die Keuschhaltung auch einige „Gefahren“, derer man sich bewusst sein sollte. Es ist nämlich keinesfalls so, dass die Lust einfach immer weiter steigt und man es dann irgendwann mit einer bedürftigen, ständig bereiten und willigen Sub zu tun hat.

Meine Erfahrung mit Keuschhaltung besagt, dass auch darauf die Reaktionen völlig individuell sind. Keuschhaltung und die damit gesteuerte Lust funktionieren nicht wie ein Motor, den man bei Bedarf startet und wieder aus macht.

Bei Keuschhaltung auf Distanz habe ich ganze verschiedene Reaktionen erlebt. Beispielsweise die, dass die wenigen Zeitfenster im Alltag neben Haushalt und Kindern, in denen Selbstbefriedigung möglich wäre, dann noch verkleinert werden, weil man um Erlaubnis fragen muss. Das erhöht den Stress und senkt damit die Lust. Reaktion ist, dass die Kontrolle als reine Belastung wahrgenommen wird.

Eine andere Reaktion war, dass die Sub das Gefühl hatte nicht lästig fallen zu wollen in dem sie fragte und daher überhaupt nicht fragte. Oder eben auch die Variante, dass der Kopf einfach sagt, „wenn ich sowieso nicht kommen darf, dann habe ich auch einfach keine Lust mehr“ und sich die Libido komplett runter fährt.

Keine dieser Reaktionen ist gewollt. Weder vom Dom noch von der Sub. Ehe man also in eine dieser Fallen tappt, sollte man miteinander reden und sich Lösungen überlegen. Gibt es Auswege, die die Keuschhaltung dennoch spannend halten? Oder gibt es vielleicht Alternativen?

Eine Alternative ist das schlichte Gegenteil der Keuschhaltung: der Orgasmuszwang. Die Sub wird dabei verpflichtet, sich in bestimmter Häufigkeit zu befriedigen. Ob sie will oder nicht. Der Effekt, nämlich der Kontrollverlust über die eigene Sexualität und Befriedigung ist ähnlich, man umgeht so aber einige der erwähnten „Gefahren“.

Welche Variante man wählt, welche als besonders reizvoll empfunden wird, ist vollkommen individuell. Probiert es einfach aus. Habt aber die möglichen Probleme im Kopf. Weder Dom noch Sub sollten erschrecken, wenn es zu einer der genannten, ungewollten Reaktionen kommt. Einfach darüber reden und kreativ reagieren.

Verschiedene Führungsstile

Nein, hier soll es nicht um die Unterschiede zwischen Doms, Tops, Pet-Owner oder von mir aus DaddyDoms gehen. Welche Spielart von BDSM man bevorzugt ist etwas, dass ich schon in mehreren Artikeln behandelt habe.

Viel mehr geht es hier um den Stil, wie man eine D/s-Beziehung gestaltet. Auch da gibt es viele verschiedene Geschmäcker und Vorlieben.

Wie man als Dom eine Sub führt ist so individuell wie die Menschen eben individuell sind. Wie bei sehr vielem im Bereiche BDSM gibt es da kein „Richtig“ und kein „Falsch“ was den Stil angeht.

Beispielweise gibt es Varianten mit sehr flachem Gefälle. Der Dom ist eher liebevoll, aber bestimmt. Es ist ein fürsorglicherer Stil, der oft auch viel Ausbildung beinhalten kann. Also der Sub Dinge beizubringen, zu erklären und zu zeigen. Es kann in dieser Variante zum Beispiel auch sein, dass die Strafen bei Verfehlungen auch in Richtung Verbote gehen. Die Schläge an Bestrafungen wie es sie vor Jahrzehnten in der Schule gab erinnern.

Es wäre übrigens ein Irrtum anzunehmen, dass ein flacheres Gefälle und ein sanfterer Umgang ein Freibrief sind. Im Gegenteil ist vor allem auch in diesem Stil Konsequenz von entscheidender Bedeutung. Werden Fehler gemacht, dann muss auch hier oder hier besonders, Strafe erfolgen.

Eine andere Variante ist vielleicht ein Stil mit sehr steilem Gefälle. Die Sub siezt den Dom. Sie darf ihn vielleicht nicht anschauen und wird ruppig behandelt. Ist vielleicht nur Nutzobjekt für den Dom. Strafen sind hier vielleicht eher härter. Mehr auf Schmerz ausgelegt und weniger auf Korrektur und Erziehung.

Weitere Varianten können sein, dass die Sub aus Gründen der Erniedrigung als wenig wertvoll behandelt wird. Als jemand, der seinen Wert als Sub noch beweisen muss und bis dahin ein Nichts ist. Ein Nichts, dass auch so behandelt wird.

Manche leben solche oder andere Varianten in dauerhaften, manche in Spielbeziehungen. Außerdem gibt es hunderte Mischformen aus den oben genannten und die genannten Beispiele stehen auch nur exemplarisch für viele andere Möglichkeiten.

Innerhalb dieser Varianten gibt es dann wiederum die Möglichkeit dieses steile oder weniger steile Gefälle dauerhaft, also quasi 24/7 beizubehalten oder durch Phasen aus Augenhöhe aufzubrechen.

Was ich sagen will ist, die Welt ist bunt und so sind es auch die Stile in denen man eine D/s-Konstellation ausleben möchte.

Ich persönlich habe es immer genossen da vielfältig zu sein, ich kann mich in verschiedene Stile einfinden und konnte sie über die Jahre mit verschiedenen Subs mal so und mal so leben. Für mich bedeutet diese Vielfalt Abwechslung und es ermöglicht mir auf die speziellen Bedürfnisse und Wünsche einer Sub einzugehen. Aber andere haben vielleicht den ihnen eigenen Stil und wollen nur den leben. Auch das ist ok.

Begegnet euch also jemand, mit dessen Stil ihr nicht klar kommt, dann ist das kein Beinbruch. Dann passt es nur zwischen euch vermutlich nicht.

Wenn ihr als Sub sanfte und liebevolle Führung möchtet, der Dom mit dem ihr Kontakt habt oder mit dem ihr euch sogar trefft aber eher ruppig ist, dann ist weder an euch, noch an ihm etwas falsch. Ihr harmoniert nur einfach nicht miteinander.

Dom ist nicht gleich Dom und Sub ist nicht gleich Sub. Frage zehn Subs, wie sie sich BDSM vorstellen und Du bekommst mindestens acht oder neun verschiedene Varianten zu hören. Das ist ja auch das schöne an BDSM.

Außerdem eröffnet diese Vielfalt einem ja auch Möglichkeiten Neues zu erforschen und zu entdecken. Sich mal so und mal so auszuleben. Das erfordert dann natürlich Fantasie, Einfühlungsvermögen und Spielfreude. Allerdings sind das für mich persönlich sowieso drei zentral wichtige Eigenschaften im BDSM.

Wollt ihr als Sub es ruppig und hart, dann ist das ok. Wollt ihr eher liebevolle Führung und Geborgenheit? Dann ist auch das ok. Auch dafür gibt es genügend Doms, die gerne so führen.

Wichtig wie immer nur, dass ihr euch bewusst seid, was ihr eigentlich mögen oder brauchen könntet. Welcher Stil passt zu euch? Diese Frage müssen sich Doms und Subs gleichermaßen stellen. Wie so oft ergibt sich die Antwort daraus oft aus den Fantasien die man im Kopf hat.

Welcher Stil ist nun der „richtige“ Stil? Ich hoffe es ist klar geworden, dass es da kein „Richtig“ und kein „Falsch“ gibt. Richtig ist, was für alle Beteiligten passt. Aber immer am wichtigsten: lasst euch von niemandem einreden, dass an dem wie ihr behandelt werden möchtet etwas falsch ist. BDSM bedeutet nie, dass man seine Meinung und Wünsche komplett über Bord wirft.

Dominant ist nicht gleich Dom

Neulich erzählte mir eine Frau „Er sagte er sei dominant und diese ganzen Begriffe und Regeln würden ihn nicht interessieren. Er würde sich nehmen was er wolle und ich solle einfach spuren.“.

Wenn beide dass so wollen, dann sollen sie es so machen und glücklich werden. Viele da draußen sind dominant. Noch viel mehr halten sich für oder geben sich dominant. Aber mit BDSM und der Rolle des Dom oder der Domina hat das nichts zu tun.

Wie wir alle wissen sind Dom oder Domina etc. keine geschützten Begriffe. Jeder kann sich so nennen. Von dieser Freiheit machen auch viele Gebrauch und nennen sich so, obwohl sie wenig oder keine Ahnung haben.

Andere, wie im Eingangsbeispiel, wollen mit den Begriffen nichts am Hut haben. Auch gut.

Meine Warnung geht nur an die Menschen, die sich in die Hände solcher Leute begeben. Nur weil jemand sich selber für dominant hält, ist er oder sie kein Dom oder keine Domina. Zu dieser Rolle gehört mehr als jemand anderen mies zu behandeln, zu benutzen und dann weg zu schicken.

Wer in die dominante Position im Rahmen von BDSM schlüpft, sollte wissen, dass dazu mehr gehört als nur zu tun was man will und sonst keine Rücksichten zu nehmen.

Es gehören Verantwortung und Aftercare dazu. Es gehören Absprachen und Einhaltung von Grenzen, Tabus und des vereinbarten Rahmens dazu. Es gehört dazu, dass man zumindest darüber spricht ob man Sicherheitsmaßnahmen wie ein Safeword nutzen möchte. Überhaupt gehört viel Kommunikation dazu.

Das ist natürlich unbequem für die, die einfach nur ihren Spaß und sonst ihre Ruhe haben wollen. Die einfach nur die schnelle Nummer suchen und ansonsten von dem ganzen Kram nichts wissen wollen. Klar, denn dem Spaß steht Verantwortung natürlich im Weg.

Das Gegenüber einfach nur zur Befriedigung der eigenen Lust zu benutzen und dann ohne Rücksicht auf dessen Gefühle weg schicken oder fallen lassen, kann im BDSM-Kontext im Einzelfall mal vorkommen. Es darf aber nicht zur Regel werden. Denn der devote Part begibt sich in die Hände des dominanten Parts und darf erwarten aufgefangen zu werden.

Bewusst und willentlich den Anderen in seinem Gefühlschaos alleine lassen, absichtlich und gefühllos den anderen in Tränen aufgelöst quasi weg werfen ist kein BDSM. Das ist im besten Fall Gleichgültigkeit und im schlimmsten Fall Missbrauch.

Wer es sich leicht macht und sagt „ach, diese Begriffe und Regeln sind mit egal, ich bin einfach dominant“, der soll das tun. Wer sich aber auf so jemanden einlässt, der muss wissen, zwischen den Zeilen bedeutet so eine Aussage oft „ich will einfach nur machen worauf ich Lust habe und dafür keine Verantwortung übernehmen“.

Nicht jeder der solche Aussagen macht muss es böse meinen. Vielleicht ist es auch einfach eine Scheu sich tiefer mit BDSM zu beschäftigen. Aber oft stecken hinter solchen Aussagen leider Arschlöcher, die eben nur den Spaß und nicht die Verpflichtungen wollen.

Damit sollen natürlich nicht alle heilig gesprochen werden die sich Dom oder Domina nennen. Auch da gibt es schwarze Schafe. Aber bei Menschen die so offen sagen was sie ablehnen, muss jeder Mensch wissen woran er oder sie ist.

Denn ein Mensch, der BDSM ernst nimmt, der wird euch zumindest anbieten ein Safeword zu verwenden. Der wird es nicht ablehnen, wenn ihr euch covern lassen wollt. Der wird sich an den Rahmen halten den ihr miteinander vereinbart habt. Der wird euch nicht gleichgültig raus werfen wenn ihr emotional aufgelöst seid.

Ein solcher Mensch wird euch auch Mitspracherecht geben und nicht verlangen, dass ihr einfach nur spurt und sonst den Mund haltet. Leider ist es ein immer noch weit verbreiteter Irrtum, dass devote Menschen einfach alles mitmachen müssen ohne selber etwas zu sagen zu haben.

Im konkreten BDSM-Kontext hat natürlich der dominante Part das Sagen. Aber auch da gibt das Safeword dem devoten Part eine kleine Steuerungsmöglichkeit.

Außerhalb des BDSM-Kontextes aber muss es Möglichkeiten geben sich zu äußern. Da muss es die Gelegenheit geben Wünsche und Bedenken anzubringen. Wer das abbügelt mit „Du musst spuren“, vor dem solltet ihr schnell und weit weg laufen.

Je mehr Regeln, desto besser?

Eine der spannendsten Fragen bei Neulingen im BDSM ist immer die nach den Regeln. Welche Regeln stelle ich auf? Wie setze ich sie durch? Was mache ich, wenn sie gebrochen werden?

Gerade wer neu auf dem Gebiet ist und sich bisher vielleicht nur in der Fantasie mit BDSM beschäftigt hat, kann da oft nicht genug bekommen. Doms tendieren dann dazu den Alltag von Sub mit Regeln bis ins Detail zu bestimmen. Ebenso wie Subs gerne noch die ein oder andere Regel einfordern. Einfach um endlich zu spüren wie es ist, wenn man diese äußere Macht und den Kontrollverlust erlebt, die bisher nur in der Fantasie existierten.

Aber ist es sinnvoll so viele Regeln wie nur möglich aufzustellen? Am Anfang klingt das sehr verlockend:

  • nach dem Aufstehen direkt per Messenger melden
  • nie Hosen tragen
  • nie Unterhosen tragen
  • keine Röcke die übers Knie gehen
  • jedes Mal um Erlaubnis fragen, ob man auf die Toilette gehen darf
  • fragen, ob man sich befriedigen darf
  • fragen, was man essen darf
  • tagsüber verschiedene Aufgaben erledigen
  • jedes Outfit per Bild absegnen lassen
  • fragen, ob man nach der Arbeit mit Kollegen etwas trinken gehen darf
  • jedes Getränk genehmigen lassen
  • sich vor dem Schlafengehen abmelden usw.

Es ist schnell ersichtlich: So etwas wird schnell zur Hauptbeschäftigung. Beruf, Kinder, Freunde oder Hobbys kann man da gleich ganz vergessen. Und das gilt sowohl für Dom als auch Sub. Denn aufgestellt sind Regeln schnell. Wer aber nicht fast ebenso schnell für Frust bei Sub sorgen will, muss diese Regeln auch durchsetzen und verfolgen.

Da genügt es also nicht zu sagen „Du machst ab jetzt immer das und das“. Denn wenn Sub sich wochenlang an eine Regel hält und dann merkt, dass Dom sie vergessen hat oder sich nicht dafür interessiert, dann ist der Frust groß. Mit Recht.

Machen mehr Regeln also wirklich auch mehr Spaß? Meiner Erfahrung nach nicht. Wie gesagt, artet es schnell in Stress aus, wenn man in wirklich jeder Lebenssituation überlegen muss „Wie war das? Was darf ich?“. Oder eben von Dom-Seite „Was hatte ich noch verboten?“.

Da gehen die Leichtigkeit und der Spaß an der Sache schnell verloren und gerade am Anfang ist der ja das A und O. Denn wer neu einsteigt und merkt, dass das alles keinen Spaß macht und nur anstrengend ist, der hört auch schnell wieder auf. Da ist es im BDSM wie mit dem Fitnessstudio oder dem Joggen. Genau wie dort gilt, auch beim BDSM langsam anfangen und dann steigern.

Überhaupt spricht für mich bei sehr vielen Regeln viel für Flexibilität.

Mein liebstes Beispiel sind da immer die Kleidungsvorschriften: Wer einer Frau vorgibt, dass sie ab sofort nie wieder Hosen tragen darf, sondern nur noch Röcke oder Kleider. Und in Verbindung damit aber auch nie wieder Unterhosen… Wie soll ich sagen? Der übersieht da einfach die Realität zu Gunsten des Kopfkinos. Mindestens einmal im Monat wird das sehr unschön. So ein Tampon oder eine Binde muss ja irgendwie halten.

Davon abgesehen gibt es Gelegenheiten, wo „unten ohne“ unpassend ist. Es gibt Wetterverhältnisse bei dem diese Regel die Gesundheit gefährdet und es gibt einfach auch Momente in denen Frau sich einfach so mal weniger Luftigkeit wünscht.

Jetzt soll es im D/s nicht immer nur um Wünsche gehen und Dinge sollen auch mal schwer fallen, aber ihr versteht was ich meine.

Solche Regeln kann man spannend finden. Man kann sie sich aber auch betrachten und überlegen „Für welche Fälle wird so eine Regel wirklich relevant?“. Klar, als Dom greift man dann gerne mal unter den Rock. Aber muss Sub sich deswegen sieben Tage der Woche danach richte und das sogar, wenn man sich gar nicht so häufig sieht?

Ich halte es immer so, dass ich im Bedarfsfall sage was sie tragen oder nicht tragen soll. Dafür braucht es keine Regel, die im Zweifelsfall eben sehr viel mehr Mühe macht, als sie am Ende an Freude wert ist.

Natürlich kann das jeder handhaben wie er und sie will. Was ich sagen will ist, dass der Umstand und der Aufwand den eine solche Regel bedeutet auch immer dem Ertrag an Freude und Lustgewinn der Beteiligten irgendwie entsprechen muss. Blöd gesagt, bei Wind und Wetter, auch während der Periode und das ganze Jahr kein Höschen tragen, damit Dom drei oder auch zehnmal unter den Rock greifen kann und dort keines vorfindet… Das finde ich überzogen.

Da bin ich wie gesagt lieber flexibel. Andere mögen das aber anders sehen. Das ist jedem selbst überlassen.

Meine Meinung zum Thema Regeln ist aber „Weniger ist mehr“ und ich war erfreut bei einer Umfrage neulich bei Twitter zu sehen, dass es in dieser Filterblase viele ähnlich sehen:

Bedenkt bei Regeln einfach, dass sie auch eingehalten und durchgesetzt werden müssen. Und da vermutlich keiner von uns Vollzeit Dom oder Sub ist, darf das nicht ausarten. So heiß ihr auch darauf seid all diese tollen Dinge endlich auszuprobieren: Lasst euch Zeit und steigert euch langsam. Probiert euch aus, was funktioniert für euch, was klang in der Fantasie besser? Seid auch nicht zu stolz eine Regel wieder zu kassieren, wenn sie nicht funktioniert.

Es ist übrigens oft keine dumme Idee Regeln aufzuschreiben, damit man sie nachlesen kann. Sowohl für Dom, als auch für Sub. Das hilft den Überblick zu bewahren.

Was ist eigentlich 24/7?

Das Stichwort 24/7 ist im BDSM ja fast ein Mythos und ein Kampfbegriff. Für die einen ein absolutes Muss, unter dem BDSM quasi nur Spielerei ist. Für die anderen Horror, bei dem spätestens jeder Spaß aufhört.

Wie so oft im BDSM gibt es aber keine feststehende Definition des Begriffs, nach der sich dann alle richten können. Und so ist es nicht einfach, festzustellen, was denn 24/7 bedeutet. Der Begriff an sich ist eine Abkürzung dafür, dass etwas über 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche andauert.

Im Bezug auf BDSM kann das aber ja nicht bedeuten, dass man so etwas wie eine Session 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche durchzieht. Jeder muss auch mal aus dem Haus, arbeiten, Freunde treffen etc. Jegliche sexuelle Interaktion muss auch mal pausieren und hinter anderen Dingen das Alltags zurückstehen.

Für mich steht 24/7 für zwei Dinge im BDSM. Das Verlassen des rein sexuellen Bereichs und die erweiterte Abgabe von Selbstbestimmung des devoten Parts.

24/7 bedeutet nicht, jeden Tag nackt durch die Stadt zu laufen. Es bedeutet auch nicht, dass der devote Part nicht mehr Luft holen oder auf die Toilette gehen darf, ohne um Erlaubnis zu fragen. Es bedeutet nicht einmal, dass es jeden Tag verzwickte Aufgaben und Regeln gibt, die den Tagesablauf bestimmen.

24/7 bedeutet etwas anderes. Es ist eine Geisteshaltung. Aus meiner Sicht ist 24/7 nicht der Fakt, dass der dominante Part alles und jedes Detail des Lebens kontrolliert und bestimmt. Es ist die ständige Bereitschaft des devoten Parts Eingriffe in die Selbstbestimmung zuzulassen. Und die Bereitschaft des dominanten Parts, auch aktiv einzugreifen.

Wie in meinem Artikel über den Rahmen, in dem wir BDSM leben beschrieben, sollte immer festgelegt sein, wie weit der Eingriff des dominanten Parts gehen kann und wo die Grenzen sind.

Hat man diesen Rahmen festgelegt und ist sich darin einig, dass diese Eingriffe auch ohne Ankündigung im Alltag stattfinden können und sollen, hat man 24/7. Auch dann, wenn man explizit die Zeiten bei der Arbeit ausgeschlossen hat. Auch dann, wenn man andere Dinge, wie Beziehungen zu Freunden, ausgeschlossen hat.

Wie weit man dabei geht ist dann nur begrenzt durch die Lebensumstände und das, was beide wollen. Sollen die Eingriffe sehr weit gehen und sehr tief sein, oder nur wenige Bereiche betreffen? Das wird durch den oben erwähnten Rahmen definiert.

24/7 hat also nichts mit ständiger und dauerhafter Abhängigkeit vom Partner zu tun. Nichts mit Verträgen, die nicht mehr zu lösen sind. Und nichts mit der völligen Aufgabe von Selbstbestimmung.

Auch diese Formen gibt es im BDSM. Sie werden dann aber unter anderen Begriffen zusammengefasst. Dazu gerne mal TPE (Total Power Exchange) oder CIS (Completely Irrevocable Submission) googeln.

24/7 ist nichts, wovor man Angst haben muss. Denn es lässt sich sehr skalieren und dosieren. Wenn man es mit einem vernünftigen Gegenüber zu tun hat (und nur dann sollte man solche tiefgreifenden Dinge angehen), dann kann das sehr spannend sein. Und man kann es im Kleinen ausprobieren und testen, wie gut man zurecht kommt. Und wie weit es Freude macht.

Es gibt also keinen Grund, sofort schreiend davon zu laufen, wenn der Begriff 24/7 beim Kennenlernen irgendwann fällt. Nichts, was dahinter steht, ist per se schlimm und gefährlich.

Wie bei allem im BDSM muss man sich einfach dessen bewusst sein, was man tut. Und man muss vorher ausführlich darüber kommunizieren, was man will und was man auf keinen Fall will. Bei klarer Definition dieser Punkte kann 24/7 eine spannende Bereicherung sein.

Dann ist auch 24/7 kein Mythos mehr und kein Kampfbegriff. Sondern es ist eine weitere Praktik im BDSM und eine Möglichkeit auszuloten, wie weit man gehen will. Wie weit man sich auf diese Form der Sexualität und auf einen Partner einlassen will.

Sicher ist aber auch, 24/7 ist nichts, womit man anfängt. Es ist etwas für Leute, die wissen, worauf sie sich einlassen. Und für Leute, die ihre Grenzen formulieren und setzen können. Denn wenn man das nicht tut, dann drohen eben doch Übergriffe, die man so nicht wollte.

Klassische Gebote und Verbote

„Welche Anweisungen oder Regeln soll ich denn meiner Sub geben?“ lautete die Frage, die mich über Tellonym erreichte.

Puh, was soll ich sagen? Kurz eigentlich nur: das, was dir und euch Spaß macht und worauf ihr Lust habt. Tobt euch aus, seid kreativ und findet heraus, was euch kickt. Erforscht und formt euer eigenes BDSM.

ABER, die Frage hat mich dann doch zum nachdenken gebracht. Und ja, es gibt sie natürlich: die Klassiker im BDSM. Regeln, die sich lange bewährt haben, die beliebt sind und gerne benutzt werden.

Also warum nicht mal versuchen, einen kleinen Überblick zu geben? Die All-Time-Favorites sozusagen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit natürlich.

Für die, die sich fragen „Wieso überhaupt Regeln?“, verweise ich auf meinen Artikel „Regeln sind wichtig„. Dort habe ich zu diesem Thema einiges erklärt.

Wie in besagtem Artikel angesprochen ist ein Klassiker natürlich alles, was mit Kleidungsvorschriften zu tun hat. Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Keine Slips tragen, keine BHs tragen, nur Netzstrümpfe, nur Slips bestimmter Farbe oder Materialien tragen, nur Hose, nur Röcke, nur Kleider etc. Denkt euch aus, was ihr mögt und was euch gefällt. Und dann formuliert daraus eine Regel. Zu beachten ist hier nur das, was für alle diese Regeln gilt. Sie müssen umsetzbar sein und sie müssen durchgesetzt werden. Denn sonst entsteht schnell Frust.

Eine weitere Regel kann sein, dass Sub Dom nicht ansprechen und/oder überhaupt nur nach Erlaubnis reden darf. Das kann eine wunderbare Form der Reglementierung sein. Es kann dazu dienen ein normales Zusammensein besonders prickelnd zu machen. Allerdings ist hier natürlich Vorsicht geboten. Erstens macht es naturgemäß die Kommunikation schwer bis unmöglich. Das muss man beachten und wollen. Und je nach Persönlichkeit kann es sehr einschüchtern. Wer von sich aus nicht sehr kommunikativ ist, der wird dadurch womöglich endgültig verstummen.

Ähnliches kann man natürlich auch mit einer Variante umsetzen. Sub darf dann Dom nicht direkt anschauen, muss den Blick gesenkt halten. Auch das kann man, wie gesagt, machen. Auch das ist natürlich belastend für die zwischenmenschliche Beziehung und muss dosiert eingesetzt werden.

Sehr beliebt ist auch die Regel, dass Sub sich für Züchtigungen bedanken muss. Als Erniedrigung kann das sehr wirkungsvoll sein. Je nachdem wie hart die Strafe empfunden wurde, wird es noch schlimmer, wenn man sich dafür auch noch bedanken muss.

Besonders spannend wird es natürlich bei der Kontrolle der Sexualität. Wenn Dom diese übernimmt, dann kann die Regel oder besser das Verbot sich zu befriedigen genau richtig sein. Wie bei allen Regeln ist hier natürlich die Möglichkeit Fehlverhalten mit Strafe zu ahnden vorhanden und vielleicht verlockend. Aber wie bei allen Regeln sollte man aufpassen und der Versuchung nicht nachgeben. Regeln sollten ernst gemeint sein und nicht als Vorwand dienen.

Ebenfalls sexuell sind Regeln, die beispielsweise trainieren sollen. Ein Klassiker ist dabei das Training mit einem Plug. Der kann nach genauen Vorgaben regelmäßig tagsüber und im Alltag getragen werden. Ebenso sind bei weiblichen Subs auch Liebeskugeln möglich. Beides kann zur Stimulation und zum Training der Muskulatur verwendet werden. Plugs können da eben benutzt werden um zu dehnen und so anal besser zugänglich zu sein.

Auch die Anrede kann in Regeln gegossen und so genutzt werden um den Umgang miteinander zu regeln. Sowohl Titel wie Herrin, Herr, Master, Mistress oder auch Daddy sind denkbar. Aber auch die Variante, den dominanten Part zu siezen, ist beliebt. Das müssen allerdings auch beide wollen, denn für viele fühlt sich das merkwürdig an.

Wie erwähnt kann das nur ein kleiner Einblick sein und wie ebenfalls erwähnt: seid kreativ. Überlegt euch selber, was für euch passt und was euch gefällt. Wer nicht so gerne selber kreativ ist, der kann sich natürlich hier bedienen. Wobei ich davon nichts erfunden habe. Vieles wird schon seit vielen Jahren abgeschaut. Beispielsweise auch aus Büchern, wie zum Beispiel „Die Geschichte der O„. Auch das ist ok. Niemand muss sich schämen, weil er etwas nachmacht, das irgendwo aufgeschrieben ist. Allerdings sollte man eben auch nichts kritiklos nachmachen. Es muss eben auch zu einem selber, zum Partner und zur Situation passen.

Um auf das konkrete Beispiel des oben erwähnten Romans einzugehen, kann man ja auch nicht erwarten, als Sub in einem Schloss gefangen gehalten und benutzt zu werden, wenn der Partner in einer Zwei-Zimmer-Wohnung lebt. Alles muss eben zu denen passen, die es leben. Wenn das der Fall ist, dann wird es schon gut gehen. Und wenn sich herausstellt, dass es nicht so passt, dann kann man gemeinsam die Regeln ändern. Das kann einem keiner verbieten.

Strafe muss sein

Für viele Außenstehende besteht ja BDSM hauptsächlich aus Lack, Leder und Peitsche. Und die Peitsche ist natürlich dazu da den Arsch zu versohlen. Das wiederum wird gleichgesetzt mit Bestrafung.

Das ist natürlich ein Missverständnis. Was ist, wenn Sub es mag dass man ihr den Arsch (oder andere Körperteile) versohlt? Kann etwas eine Strafe sein, dass Sub eigentlich genießt? Nein, natürlich nicht.

Denn wenn ich von Strafen rede, dann meine ich wirkliche Strafen. Strafen, die Fehlverhalten sanktionieren. Schläge auf den Arsch, wenn sie eigentlich gewollt werden, sind da dann das falsche Mittel. Daher ist für mich auch nur weniges schlimmer als ein bewusster Regelverstoß, gefolgt vom neckischen Blick mit der Aussage „Da war ich aber böse. Werde ich jetzt bestraft?“. Ganz furchtbar. Entweder wir entscheiden uns für BDSM und einen gewissen Metakonsens oder nicht.

Sicher gibt es lockerere Varianten und Situationen. Aber wenn Regeln aufgestellt werden, dann müssen die gelten und eben auch konsequent durchgesetzt werden. Und dazu gehören dann Strafen. Wenn ihr oder Sub Lust haben den Arsch zu versohlen oder versohlt zu bekommen, dann macht das. Und wie oben erwähnt, können Strafen nichts sein, was Spaß macht.

Wenn Sub keine Konsequenzen aus Fehlverhalten spürt, warum soll sie sich dann an Regeln halten?
Und wenn die Konsequenzen Spaß machen, warum soll sie sich dann an Regeln halten?

Wie dann gestraft wird, das hängt völlig von den Umständen und den Vorlieben ab. Wenn ihr BDSM nur sexuell lebt, dann kann es ein Verbot des Orgasmus sein oder ähnliches. Wenn ihr D/s lebt und das auf den Alltag ausdehnt, dann kann es auch ein Verbot sein am Wochenende auszugehen, Nachtisch zu essen oder im Bett zu schlafen. Auch gezielte Erniedrigungen können Strafen sein.

Aus meiner Sicht gibt es ein paar klare Grundsätze was Strafen betrifft:

  • Strafen müssen weh tun und das wie dargelegt nicht zwingend im körperlichen Sinn.
  • Strafen müssen angemessen sein. Also keine überzogenen Strafen für kleine Vergehen.
  • Es muss immer klar sein, wofür bestraft wird.
  • Strafen sollten zeitnah erfolgen. Auf keinen Fall Wochen nach dem eigentlichen Fehlverhalten.
  • Bestraft werden kann nur für Regeln, die auch vorher klar waren. Spontan Regeln aufzustellen gegen die dann eben verstoßen wurde ist ein NoGo.
  • Das Fehlverhalten muss mit der Strafe abgegolten sein. Tage oder gar Wochen später noch einmal vorhalten „damals hast Du…“ geht gar nicht.

Wenn man sich an diese Grundsätze hält, dann wissen beide woran sie sind. Und das ist für diese Art von BDSM einfach unerlässlich.

Und wie eigentlich bei allem was BDSM betrifft hilft es, wenn man kreativ ist. Seid also kreativ bei den Strafen. Denkt euch etwas aus, dass Sub überrascht. Weniges ist so langweilig wie das Wissen „Wenn ich das mache, dann wird er das machen.“
In dem Zusammenhang finde ich Strafkataloge ganz besonders schlimm. Ja, es hilft natürlich Klarheit zu schaffen wenn man weiß was einem droht. Aber es ist auch so unglaublich langweilig. Oder nicht?

Noch etwas, dass aus meiner Sicht ganz schlimm ist, sind Strafpunkte für Fehlverhalten. Sind wir hier in Flensburg bei den Verkehrssündern? Dieses Vergehen gibt so und so viel Punkte und wenn genügend Punkte zusammen sind, dann setzt es diese Strafe? Ich muss bei so etwas immer an die Frage an der Supermarkt denken: „Sammeln sie Punkte?“. Manche Sub sicher ja. Ich finde diese Form ganz schlimm und verwende sie nie. Aber wenn es euch Spaß macht oder hilft… Jeder wie er mag. 😉

Thema Konsequenz

Kommen wir zu einem zweiten Punkt aus dem unten genannten Tweet:

Thema Konsequenz. Wie hängt Konsequenz mit BDSM zusammen?

Wir alle geben einer Sub gerne Regeln vor oder stellen ihr Aufgaben. Und Sub wird immer gerne die Regeln ihres Herrn befolgen und seine Aufgaben erfüllen. Wir mögen es der Sub Regeln zu setzen und es liegt in der Natur einer Sub, dass sie Regeln und Grenzen gesetzt bekommen möchte.

Aber weniges in der Beziehung zwischen Dom und Sub ist so destruktiv, wie wenn man Regeln aufstellt und diese dann nicht durchsetzt. Oder wenn man eine Aufgabe gibt und sich dann nicht dafür interessiert, ob und wie sie umgesetzt wurde. Sub muss sich dann zurückgesetzt fühlen. Denn sie hat im Zweifelsfall Mühe auf sich genommen um eine Aufgabe zu erfüllen. Oder es ist ihr sehr schwer gefallen, sich an eine Regel zu halten. Wenn sie dann bemerkt, dass es dem Dom egal ist. Wenn sie merkt, er kontrolliert es nicht oder fragt nach, dann wird sie enttäuscht sein. Beim ersten Mal wird sie es vielleicht noch verzeihen. Aber irgendwann verliert sie zu Recht des Respekt. Denn der Dom schätzt ihre Unterwerfung nicht, wie er es sollte.

Und warum sollte sie dann noch weiter gehorchen und sich an die Regeln halten? Wenn wir auf dem Heimweg mit dem Auto wissen, dass auf einer Straße nur 50 km/h erlaubt sind, wir wissen aber auch, dass dort nie kontrolliert wird und auch nie andere Leute unterwegs sind, halten wir uns vielleicht anfänglich an die Regel. Irgendwann aber vermutlich nicht mehr.

Sicher gibt es immer Situationen in denen uns das Leben dazwischen kommt und man eine Aufgabe vergisst. Das passiert Sub und auch Dom. Aber das ist nicht gemeint.

Haben wir also Aufgaben gestellt oder Regeln vorgegeben, dann müssen wir konsequent sein. Dann müssen die Regeln durchgesetzt und Aufgaben auch mal abgefragt werden. Wobei es aus meiner Sicht bei Aufgaben immer auch so sein kann, dass man von deren Erfüllung ausgeht. Eine Sub muss nicht immer kontrolliert werden wie ein Kind. Aber in der Regel wird sie die Aufmerksamkeit genießen wenn der Herr prüft ob sie alles erfüllt hat. Das ist meine Erfahrung.

Hat sich die Sub nicht an eine Regel gehalten, dann bedeutet konsequent sein, dass sie bestraft werden muss. Auch hier nicht, weil es dem Dom Spaß macht. Das kann es natürlich auch. Aber in dem Fall ist es nötig, um den Metakonsens der Beziehung aufrecht zu erhalten.
Das ist die Konsequenz die ich meine.

Wer als Dom nicht die Konsequenz und auch Disziplin aufbringt seine Sub auch zu kontrollieren, der wird ein Problem bekommen.

Stellt als Doms also keine Regeln auf, die ihr nicht bereit seid auch durchzusetzen. Gebt keine Aufgaben deren Erfüllung euch egal ist. Damit schadet ihr euch ganz schnell selber. Eine Regel verpflichtet nicht nur die Sub, sie verpflichtet auch den Dom sie durchzusetzen.

Noch einmal: wenn Sub das Gefühl bekommt, es ist egal ob sie tut was der Dom sagt, dann wird sie es irgendwann vielleicht einfach nicht mehr tun. Und das dann mit Recht. Also heißt es für den Dom im Umgang mit der Sub: konsequent sein.