Das richtige Timing für das erste Treffen

Nicht selten hören wir auf die Frage „Wo habt ihr euch kennengelernt?“ die Antwort „Ganz klassisch im Internet.“. So lustig der Begriff „klassisch“ in dem Zusammenhang ist, es ist wahr. Sehr viele Leute daten heute über das Netz. Sei es über Dating-Apps oder Singlebörsen, über Erotikportale oder Social Media. Je nachdem welcher Statistik Glauben geschenkt wird, ist Online-Dating auf Platz 1 oder auf Platz 2 bei der Frage „Wo lernen sich die meisten Paare heute kennen?“.

Online-Dating hat zweifelsohne viele Vorteile, bietet aber auch manchen Fallstrick und stellt uns vor ganz andere Fragen als es die damals gab, als sich potenzielle Partner auf Partys, durch Freunde oder im Club kennengelernt haben.

Eine davon ist: wann ist der richtige Moment für das erste reale Treffen?

Dabei gibt es, wie so oft, verschiedene Vorgehensweisen. Die Einen schwören darauf, sich nach zwei oder drei kurzen Nachrichten direkt „auf einen Kaffee“ zu treffen. Andere bevorzugen es monatelang zu schreiben und zu telefonieren, ehe man sich trifft. Zwischen diesen beiden Extremen gibt es wiederum endlos viele Schattierungen.

Hier gibt es kein „richtig“ oder „falsch“. Verschiedene Vorgehen, passen zu verschiedenen Typen von Menschen und zu verschiedenen „Zielen“, die mit dem Dating verfolgt werden und selbstverständlich sollten beide einem Date erst dann zustimmen, wenn sie auch beide bereit dazu sind.

Menschen, denen es vorrangig auf Körpersprache, Aussehen, Geruch etc. ankommt, können schlicht am Telefon keine Schlüsse ziehen, ob das Gegenüber ihnen zusagt.

Menschen, denen es wiederum auf Übereinstimmungen in Fantasien, Vorlieben und Interessen ankommt, fahren womöglich besser mit entspannten Gesprächen aus dem sicheren Wohnzimmer oder Schlafzimmer heraus, als mit einer Unterhaltung in der meist etwas nervösen Atmosphäre eines ersten Dates an einem womöglich öffentlichen Ort.

Menschen, die einfach schnell etwas erleben wollen, werden anders vorgehen, als Menschen, die etwas Langfristiges suchen.

Da muss jede und jeder selber wissen, was für sie oder ihn passend und zielführend ist.

Warum ein „zu schnelles“ Treffen ein Problem sein kann, wurde schon oft beschrieben. Wie oft hört man Geschichten, in denen Leute sich zu einem Date getroffen und nach fünf Minuten herausgefunden haben, dass sie sich die Mühe hätten sparen können. Ein kurzes Telefonat hätte genügt, um zu merken, dass es nicht passt.

Bei einem sehr schnellen ersten Treffen wissen beide schlicht sehr wenig über das Gegenüber. Wichtige Fragen wurden vielleicht noch gar nicht angesprochen. Es war keine Zeit für Gespräche über Punkte, die dann aber schnell zentral werden.

So offensichtlich die Probleme mit einem „zu schnellen“ Treffen sind, sind die naturgemäß im besten Fall auch schnell erledigt und abgehakt. Es gab ein schnelles Treffen, eine schnelle Enttäuschung und beide ziehen weiter.

Problematischer, weil langwieriger ist es ist, wenn das erste reale Treffen sich lange verzögert oder beide bewusste lange abwarten wollen.

Eine der Gefahren dabei, die ich nicht unerwähnt lassen möchte, ist natürlich die von Fakes. Wenn sich ein Gesprächspartner partout nie treffen will, womöglich immer wieder sexuelle Gespräche und/oder Bilder einfordert, dann kann es sein, dass dahinter nur der Wunsch nach genau dem steht und gar kein Treffen gewollt ist. Darauf müssen wir alle online immer wieder gefasst sein.

Hier gilt es, sich zu schützen. Es gibt von Videotelefonie über Bildbeweise genügend Möglichkeiten Fakes zu entlarven und wer den Verdacht hat, sollte nicht zögern, sein Gegenüber damit zu konfrontieren.

Aber nicht selten verzögert sich ein Date eben auch, obwohl beide durchaus gewillt sind sich zu treffen. Manchmal liegt der nächstmögliche Termin Wochen in der Zukunft. Was dann?

Mir ist das schon hin und wieder passiert. Ein Kennenlernen ließ sich super an. Es hat direkt gefunkt. Die Gespräche waren toll, wir kamen von einem Thema zum anderen, wir flirteten, es wurde heißer. Aber in dem Moment, als es konkret werden sollte und wir uns treffen wollten, traten Probleme auf. Es ging einfach nicht zeitnah. Bereits vereinbarte Termine mussten verschoben oder abgesagt werden.

Wir gerieten in einen Strudel aus Sehnsucht, Bedauern, Frust und aufgestauter Lust. Die Themen, was wir gerne beim Treffen gemacht hätten, wie heiß es hätte sein können und wann wir uns nun stattdessen treffen könnten, wurden ausgiebig besprochen.

Im besten Fall folgte dann ein schnelles erstes Treffen. Im schlechten Fall eben nicht. Der Frust stieg und irgendwann war die Luft raus. Einfach so und ungewollt. Alles, was telefonisch und schriftlich besprochen und gemacht werden konnte, war gemacht. Ob zu dem Zeitpunkt ein Treffen noch sinnvoll gewesen wäre? Wer weiß. Der Moment war verpasst, der Zauber verflogen. Es war vorbei.

Jetzt können sich einige auf den Standpunkt stellen: wenn es das Richtige gewesen wäre, dann hätte es geklappt und auf diese Zeit überdauert. Ich glaube das nicht. Ich glaube, dass auch im Dating und Beziehungen viel auf den richtigen Moment, das Timing ankommt.

Menschen können noch so gut zusammenpassen, sich noch so sehr lieben, es kommt auch auf den Zeitpunkt an, an dem sie sich begegnen. Ist eine oder einer nicht frei im Kopf, frisch getrennt, im Job zu sehr gefordert etc., dann klappt es oft einfach nicht.

So ist es auch beim Dating. Es gibt ein Zeitfenster, dass sich beim Kennenlernen öffnet und irgendwann schließt es sich wieder. Ohne dass die Beteiligten das wollen. Beeinflussen kann man es sicher und es hilft, wenn die Betroffenen über die Tatsache dieses Zeitfensters Bescheid wissen. Dann kann da einiges dosiert werden. Aber es lässt sich auch nicht beliebig lange offen halten und wenn es zu ist, dann geht es selten wieder auf.

Achtet also darauf, wann ihr auch zum ersten Date trefft. Sucht euer eigenes Tempo und gleicht es mit dem Gegenüber ab. Seid euch aber auch bewusst, dass das Zeitfenster da ist und nicht ewig offen bleibt.

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