„How To Build a Sex Room“

Diese neue Netflix-Serie hat in der letzten Zeit einiges Aufsehen erregt. Sogar die große „New York Times“ hat über die Sendung geschrieben. Ich habe sie fast in einem Rutsch durchgesehen und muss sagen, ich hatte meinen Spaß. Aber erst einmal: worum geht es eigentlich?

Es handelt sich bei „How To Build a Sex Room“ um eine Reality-TV-Sendung. Melanie Rose, die offenbar früher Schauspielerin war und nun seit vielen Jahren Häuser und Wohnungen einrichtet, kam irgendwann durch einen Kunden auf die Idee, sogenannte Sex-Räume einzurichten. Wie es scheint, tut sie das mit so viel Leidenschaft und Erfolg, dass sie nach eignen Angaben seit 20 Jahren nichts anderes tut.

Rose tut allerdings noch viel mehr. Denn in den einzelnen Folgen gibt sie ihren Kunden Tipps und Anregungen für deren Sexleben. Sie führt sie in Dominastudios und Sexshops, um sie auf neue Ideen zu bringen oder manchmal auch um herauszufinden, was sexuell gesehen gar nicht ihr Fall ist. Denn der Sex-Raum soll ganz individuell auf die Menschen angepasst sein, die ihn später nutzen sollen. Nichts kommt hier von der Stange. Alles ist individuell überlegt und gestaltet.

Was mir zuallererst auffiel, egal wie ich mir eine Frau vorgestellt hatte, die für Leute Sex-Räume einrichtet: so eher nicht. Melanie Rose wirkt eher wie eine freundliche Großmutter und dadurch auch eher, als würde sie eine Backsendung moderieren. Natürlich ist das ein Klischee. Aber wir alle haben ja Klischees im Kopf und gerade, dass sie wirkt, wie sie wirkt, macht meiner Meinung nach einen großen Teil des Charmes der Sendung aus.

Wäre sie eine 1,80 m große und vollbusige Blondine oder ein muskulöser und braungebrannter Mann, dann wäre es eine ganz andere und sicher nicht so herzerwärmende Sendung. Denn Melanie Rose ist ohne Zweifel das Herz und die Seele der ganzen Show.

Das hier ist aber immer noch ein Blog über BDSM. Was hat die Sendung also mit BDSM zu tun, fragt ihr?

Natürlich geht es nicht vorrangig um BDSM. Aber und das ist ein großes Aber: hier werden sämtliche Sexpraktiken, an denen erwachsene Menschen freiwillig teilnehmen, positiv und vorurteilsfrei dargestellt bzw. beschrieben.

Er lässt sich gerne von ihr anal penetrieren? Melanie ist absolut fein damit.

Sie mag „Watersport„, womit Spiele mit Urin gemeint sind? Melanie hat kein Problem damit.

Hier ist eine Poly-Familie mit sieben Erwachsenen, die wechselweise Sex haben? Melanie freut sich und macht auch diese Gruppe glücklich.

Er schaut gerne zu? Kein Problem.

Ein schwules Paar, ein lesbisches Paar, non-binär, verschiedene Ethnien und Hautfarben? Alles cool. Es sind alles Menschen und Melanie findet deren Kinks und erschafft für sie die perfekten Sexräume.

Ich kann gar nicht genug betonen, wie gut es mir gefällt, dass hier sämtliche Bedürfnisse, Kinks, Wünsche und Neigungen als gerechtfertigt und als nichts, wofür man sich schämen muss, dargestellt werden. Ich habe die ganze Zeit selig gelächelt und gedacht „Es könnte so einfach sein“.

Verstärkt wird diese Wirkung noch dadurch, dass die Paare völlig unterschiedlich sind. Hier leben auch Menschen Kinks aus, die nach außen eben NICHT danach aussehen. Die Kinder haben und deren Schmutzwäsche überall herumliegt. Hier haben Menschen kinky Neigungen, die auf einer Farm leben oder aussehen wie Buchhalterinnen oder Banker. Leute, die eben nicht wie Fetisch-Liebhaber aussehen, haben kinky Sex. Aber auch die, die eben doch so aussehen. Das fand ich alles ganz wunderbar.

Wollt ihr mit einem Partner ins Gespräch über kinky Sex kommen? Schaut euch ein paar Folgen von „How To Build a Sex Room“ an. Sucht ihr Anregungen für eure eigenen „Spielzimmer“? Schaut euch „How To Build a Sex Room“ an. Seid ihr wie ich und es verschafft euch ein gutes Gefühl, wenn Menschen offen, mit Freude und ohne Vorurteile über Sex reden: schaut euch unbedingt „How To Build a Sex Room“ an.

Ja, natürlich gibt es auch etwas zu kritisieren. Bei aller Offenheit und Diversität scheint es in dieser Welt keine Menschen zu geben, die sich keinen eigenen Raum nur für ihren Sex leisten können. Armut oder zumindest Geldknappheit scheint nicht zu existieren. Aber hey, niemand hat gesagt, dass es sich hier um eine Sozialstudie handelt und am Ende können wir alle etwas Positives aus dieser Sendung ziehen.

Kann man BDSM lernen?

Kurse in denen Menschen BDSM lernen können sollen, gibt es in allen möglichen Schattierungen, Geschmacksrichtungen und – sagen wir – Graden der Seriosität. Was ist davon zu halten? Ist es möglich einen Partner der oder die die eigene Vorliebe für BDSM nicht teilt in ein Wochenendseminar zu schicken und den oder die perfekt Sub oder Dom zurück zu bekommen?

Wir ahnen es: so einfach ist es nicht.

Damit wir uns nicht falsch verstehen. Es gibt dort draußen ganz wunderbare Kurse von engagierten Menschen, in denen beispielsweise unterrichtet wird, wie Fesselungen funktionieren oder wie man zuschlägt ohne das Gegenüber zu verletzen. Es gibt auch Kurse die Menschen mehr Vielfalt, neue Ideen oder neuen Input für ihre Neigung vermitteln wollen.

Bei der Recherche zu diesem Artikel habe ich auch ein Event gefunden in dem in einer Art Schulevent den Anwesenden Aufgaben gestellt werden. In dem bei Nichterfüllung Strafen drohen und am Ende ein Zeugnis ausgestellt wird. Ich sage mal so: viel Spaß bei so etwas. Aber hier hat sicher niemand den Anspruch Menschen BDSM beizubringen, die damit gar nichts anfangen können, für das persönliche Kopfkino kann so ein Szenario aber durchaus spannend sein.

Aber werden wir etwas ernsthafter. BDSM ist eine sexuelle Neigung. Wer darauf steht, steht darauf und wer nicht, nicht. Sicher gibt es unterschiedliche Vorlieben. Es gibt unterschiedliche Intensitäten. Manche Menschen richten ihr ganzes Leben danach aus, dass sie ihre BDSM-Neigung nach eigenen Vorstellung leben können. Andere finden Nischen, Lücken im Alltag, in die sie es integrieren können. Aber alle haben ein Bedürfnis nach BDSM und genießen das Ausleben dieser Spielart aus sich heraus.

Ich vergleiche zur Verdeutlichung BDSM gerne mit der sexuellen Neigung zum eigenen Geschlecht. Sei es Bi- oder Homosexualität. Und wenn wir in Diskussionen BDSM mit Homosexualität ersetzen, dann wird die Absurdität des Arguments oft wunderbar klar.

Würde man einem Menschen, der erkannt hat sich zum eigenen Geschlecht sexuell hingezogen zu fühlen, sagen „Das bildest Du dir nur ein!“ oder „Wegen dem bisschen Sex stellst Du unsere Ehe in Frage?“ oder „Das ist ja total krank!“?

Ok, fairerweise muss ich zugeben: viele würden das vermutlich. Aber es lässt sich doch relativ leicht erkennen, wie absurd die Argumente sind. Wenn ich als Mann merke, ich will lieber Sex mit Männern, dann sage ich mir doch nicht „Ich gewöhne mir das ab“. Wenn Frauen mich einfach viel weniger oder gar nicht erregen, Männer aber schon, dann will ich die Sexualität leben die mich erfüllt und sie mir nicht abgewöhnen.

BDSM ist also eine sexuelle Neigung und sie geht nicht weg. Es ist nicht möglich sie auszuschwitzen oder zu ignorieren. Ok, ist es schon. Aber dann ist das mit Leid und mit großem Verzicht verbunden. Wie lange der individuelle Mensch sich diese Unterdrückung der eigenen Bedürfnisse antun möchte, bleibt jedem oder jeder selber überlassen.

Kann man nun aber eine sexuelle Neigung lernen?

Benutzen wir den selben Trick. Du Leser, ja Du in dem T-Shirt. Stell dir doch mal vor deine Frau würde sagen: ich habe da einen Kurs, da lernst Du wie Du gerne Sex mit Männern hast. Klingt das a) verlockend und/oder b) nach etwas wo Du denkst „Klar, nach dem Seminar liebe ich Sex mit Männern, obwohl ich bisher nie den Wunsch danach hatte“?

Eher nicht. BDSM ist nichts, was man lernen kann. BDSM ist auch nichts, dass man sich angewöhnen oder abgewöhnen kann. BDSM ist in einem angelegt, wie andere sexuelle Vorlieben und Neigungen auch.

Was die Sache noch etwas komplizierter macht ist, dass es für ein Gegenüber einen großen Unterschied macht, ob der Mensch mit dem man BDSM auslebt dass aus eigenen Antrieb macht und es genießt oder es macht um dem Partner einen Gefallen zu tun. Dazwischen liegen Welten.

Um es ganz platt zu sagen: ein Schlag auf den Arsch, weil der oder die Schlagende selber unbändige Lust dazu hat und es ihn oder sie unglaublich erregt auf diesen Arsch zu schlagen ist eine Sache. Ein Schlag auf den Arsch, weil er oder sie darum gebeten wurde und dem Partner einen Gefallen tun möchte, ist eine völlig andere Sache. Beide Schläge haben in etwa so viel miteinander zu tun wie eine Portion Dosenravioli mit einem Menü im Sternerestaurant. Beides ist Nahrung. Da hören die Gemeinsamkeiten aber schon auf.

Kann man also BDSM lernen? Techniken sind erlernbar, ja. Dafür gibt es wunderbare Seminare, auch in eurer Nähe. Man kann lernen wie man eine Session aufbaut, jemanden fesselt oder von mir aus auch dominanter aufzutreten. Nichts davon kann einem aber „beibringen“ BDSM zu mögen und zu wollen. Das ist in einem oder eben nicht. Seltene Ausnahmen bestätigen hier höchstens die Regel.

Miteinander über Fantasien reden

Nicht jeder Mensch hat das Glück gleich mit dem ersten, zweiten oder vielleicht dritten Versuch die Art von Sexualität zu finden, die dieses „Wow“-Gefühl auslöst, von dem immer so viele reden. Manchmal ist das ein langer Weg. Für manche dauert es Jahre, bis sie sich selber darüber klar geworden sind was sie reizt, kickt und anmacht. Das ist nicht schlimm. Manches hat mit Erziehung oder natürlichen Hemmungen zu tun. Anderes ist einfach Glück – oder Pech, je nach Blickwinkel.

Ich werde nie die Geschichte der Frau vergessen, die mir erzählte, dass sie etwa 20 Jahre Sex hatte, der sie nie wirklich befriedigt hat. Ja, sie hat mitgemacht wenn es „erwartet“ oder „eingefordert“ wurde. Richtig geil war es aber nie. Sie dachte von sich, sie sei „frigide“, möge Sex eben einfach nicht. Alternativen zu der von ihre gelebten Sexualität waren ihr nicht bekannt, die Idee nach einer anderen Form von Sexualität zu recherchieren, kam ihr nie wirklich. Sie dachte ja, Sex sei einfach nicht so ihr Ding. Aus der stillen Hoffnung, mit anderen Männern würde es anders oder besser sein, hatte sie gelegentlich kurze Affären und One-Night-Stands. Aber irgendetwas fehlte immer. Jahrelang.

Dann, während eines dieser One-Night-Stands und ohne, dass das vorher unter den beiden Thema gewesen wäre, klatschte ihr der Mann kräftig auf den Arsch. Nach einer Schrecksekunde brachen von jetzt auf gleich alle Dämme. Sie war nicht mehr zu halten und kam bei diesem ONS wie nie zuvor beim Sex mit einem anderen Menschen. Der Typ war kein BDSMler, es war ein Impuls aus der Lust heraus gewesen. Aber bei ihr hatte es etwas ausgelöst, dass alles veränderte. Die Frau fing an sich zu informieren und nach wenigen weiteren „Versuchen“ war klar, sie hatte ihren Weg gefunden.

Sie war nie „frigide“ gewesen, hatte durchaus große Lust und große Spaß an Sex. Sie hatte früher nur eben nie den Sex gefunden und gehabt, der zu ihr passte.

Nach dieser ersten und wichtigsten Erkenntnis folgen dann die Schritte, während dessen es gilt sich klar darüber zu werden, worauf man genau steht und dann muss das passende Gegenüber gefunden werden. Beides braucht für gewöhnlich seine Zeit und den ein oder anderen „Fehlversuch“.

Hat man jemanden gefunden, folgt die nächste spannende Phase und die dauert meiner Erfahrung nach vom Kennenlernen durch die ganze Beziehung hindurch an. Der Austausch darüber, was dem jeweils anderen gefällt, sie oder ihn anmacht, was die Fantasien und Wünsche sind.

Wieso das so lange dauern bzw. anhalten soll? Weil sich Fantasien entwickeln und verändern, Neue entdeckt werden oder Menschen manchmal auch erst mit der Zeit den Mut fassen, bestimmte Wünsche und Fantasien zu offenbaren.

Nicht gleich all die Dinge offenlegen zu können oder zu wollen, die man vielleicht noch nie jemandem erzählt hat, ist dabei übrigens nicht schlimm. Manchmal braucht es Zeit und vor allem viel Vertrauen so etwas zu erzählen.

In dieser Situation gelten zwei wichtige Regeln:

  1. Offen und wertschätzend bleiben. Auch wenn die Fantasie nicht euer Ding ist. Wer mit „Du spinnst ja“, „Igitt“, „Wie kann einem so was gefallen“ oder ähnlichen Antworten reagiert kann sich sicher sein, dass das Gegenüber nie wieder offen über Fantasien und Wünsche reden wird.
  2. Kopfkino ist keine To-do-Liste. Wer Fantasien äußert, will damit in den seltensten Fällen sagen „Mach das jetzt sofort mit mir“ und auch nicht „Ich will, dass Du das in Zukunft unaufgefordert/unabgesprochen mit mir machst.“.

Warum aber ist es so wichtig sich über Fantasien und Wünsche auszutauschen? Nun, weil man zu Anfang so feststellen kann, ob man auf dem weiten Feld des BDSM überhaupt genügend Übereinstimmungen miteinander hat, damit der BDSM für beide erfüllend werden könnte.

Ist man bereits ein Paar, dann vertieft es meiner Erfahrung nach die Bindung zueinander. Vor allem ist es aber natürlich der einzige sinnvolle Weg, wie man der Erfüllung der Fantasien näher kommt. Oder, wenn das gar nicht der Wunsch ist, dann hilft es sehr zusammen mit der Partnerperson neue Ideen zu entwickeln, was beiden gefallen könnte. So kann man gemeinsam neue Wege gehen und auch das wiederum stärkt die Beziehung und die Bindung.

Sagen wir Sub hat seit Jahren Fantasien darüber, nackt in einen Käfig gesperrt zu werden. Nie hatte Sub den Mut das jemandem zu offenbaren. Endlich bringt sie oder er den Mut auf und Dom reagiert wertschätzend, verständnisvoll und findet es sogar selber auch ein bisschen geil. Vor allem findet Dom aber geil, wie heiß Sub darauf zu sein scheint. Beide sind glücklich, denn Sub konnte sich offenbaren und hat Verständnis erfahren. Dom freut sich im besten Fall über das entgegengebrachte Vertrauen. Vor allem aber haben beide eine neue gemeinsame Fantasie gefunden, die sie teilen können.

Jetzt ist es aber oft gar nicht so leicht, aus dem Nichts heraus den anderen mit Fantasien zu konfrontieren. Wie fängt man das an? Wie kommt man auf das Thema? Überhaupt, sich Auge in Auge zu gestehen „Du, also, so ein Käfig…“. Das fällt nicht jedem leicht. Außerdem ist es ja oft so, dass man selber erst durch äußere Einflüsse überhaupt auf Ideen kommt.

Oft hilft da ein kleiner Umweg. Sei es, man schaut einen Porno zusammen, gibt dem anderen eine Geschichte mit dem Hinweis „diese Szene fand ich ziemlich heiß“. Vielleicht genau das, was einen selber inspiriert hatte.

Ich selber folge auf Twitter verschiedenen Accounts die anregende bis sehr eindeutige Bilder und Filmchen posten. Meiner Erfahrung nach kann es da ziemlich hilfreich sein, sich gegenseitig diese Tweets zu schicken. Das kann ein spannendes Spiel sein um sich gegenseitig Fantasien zu zeigen, sich Anregungen zu geben und ins Gespräch zu kommen über Dinge, die man nicht so leicht direkt ausgesprochen hätte.

Eine typische Rückfrage von mir wäre dann oft „was macht dich daran an“ oder „was gefällt dir daran“. Denn ein weiterer typischer Stolperstein ist, wenn man einfach annimmt man wisse, was das Gegenüber an einer Szene reizt. Auf dem Bild könnte zum Beispiel eine Blondine mit großen Brüsten zu sehen sein, die gerade einem Mann den Schwanz bläst, während ein zweiter Mann in einem Sessel sitzt und zusieht.

Klar kann das bedeuten der Absender steht auf nackte Blondinen mit großen Brüsten und die Empfängerin denkt „Toll, ich bin weder blond, noch habe ich solche Titten, was will der Typ überhaupt von mir?“. Es kann aber sehr wohl sein, dass die Idee hinter dem Versand des Bildes nichts mit Haarfarbe oder Körbchengröße zu tun hatte, sondern heißen sollte „Wie heiß das wäre, wenn ich mal so zusehen könnte wie Du einem anderen einen bläst.“.

Tauscht euch also über eure Fantasien aus, bleibt dabei offen und wertschätzend. Zieht keine voreiligen Schlüsse, sondern fragt nach, was eurem Gegenüber daran gefällt und traut euch, gemeinsam Fantasien weiter zu entwickeln. Für mich sind das Grundpfeiler einer guten und erfüllenden BDSM-Beziehung.

Alle sind pervers

Wenn wir in der Kantine oder im Lehrerzimmer sitzen oder uns im Großraumbüro umschauen, wenn wir bei Familienfeiern oder im Sportverein unterwegs sind, können wir den Kollegen, Bekannten oder Freunden immer nur vor den Kopf schauen und nicht hinein. Das ist sicher auch gut so. Schon gar nicht können wir im Normalfall unter die Kleidung schauen. Noch besser ist, die anderen können es bei uns auch nicht.

Sonst hättest Du vielleicht gesehen, dass Klaus aus der Buchhaltung heute unter der Anzughose eine Netzstrumpfhose trägt und nichts drunter.

Oder Du hättest Elif die Gemeinschaftskunde unterrichtet angesehen, dass sie ihrem Freund heute morgen zum Abschied einen Plug in den Hintern geschoben hat, den dieser nun den ganzen Tag tragen wird.

Aber so etwas ist von außen eben nicht erkennbar. Wäre auch blöd, nehme ich an. So aufgeschlossen und tolerant ist unsere Gesellschaft nun auch nicht, dass wir solche Details mit jedem öffentlich teilen können und/oder wollen. Wenn ich ehrlich bin, dann finde ich das auch gut so. Manche Dinge dürfen und sollten privat bleiben können.

Sonst hättest Du der jungen Frau in der Bahn heute morgen angesehen, dass sie am letzten Wochenende in einem Swingerclub Sex mit 8 oder 10 anderen Swingern hatte. So genau wusste sie das selber nicht mehr.

Und Du wüsstest, dass der schüchterne junge Mustafa aus dem Nachbarhaus heimlich in den 5 Jahre älteren Michael verliebt ist.

So etwas sehen wir aber nicht. Wir sehen den Menschen von außen nicht an wie sie sexuell drauf sind. Vielleicht würde es manches leichter machen, wenn es so wäre. Wer weiß? Aber es ist nun mal so, dass der am harmlosesten erscheinende Mensch beim Sex ganz wild ist und der total verrückt und extrovertiert auftretende Mensch ganz zahm. Man sieht es von außen nicht.

Sonst wüsstest Du, dass die nette Arzthelferin bei deinem Hausarzt im Joy gezielt nach Männern mit Schwänzen von mindestens 30 Zentimetern sucht, mit denen sie dann zusammen mit ihrem Mann Sex hat.

Oder dass der Arzt dessen Praxis sie managt nur kommen kann, wenn er und seine Frau dabei beide möglichst hohe Pumps tragen.

Das alles wissen wir aber nicht. Wir sehen es den Leuten nicht an und in vielen Fällen sollten wir dafür dankbar sein.

Sonst wüsstest Du auch, dass die nette Nachbarin aus dem Dritten seit 15 Jahren gar Sex hatte und auch nichts vermisst.

Oder dass sich der unfreundliche Polizist von der Kontrolle gestern von seiner Frau abends gerne anal mit einem Umschnalldildo ficken lässt.

All das wissen wir nicht und ich wette, nach all diesen Beispielen seid ihr Leser auch froh, dass ihr es nicht wisst. Wer will das alles über seine Mitmenschen schon so genau wissen? Das wäre fast wie in dem Film mit Mel Gibson, in dem er die Gedanken aller Frauen um sich herum hören kann. Dort war diese Fähigkeit auch nur für eine sehr kurze Zeit praktisch und angenehm.

Warum aber rede erwähne ich das alles nun in so epischer Breite? Weil die Tatsache, dass wir das alles über unsere Umwelt und unsere Mitmenschen nicht wissen, manchmal dafür sorgt, dass wir denken „Alle anderen sind normal und nur ich habe so abgefahrene Gedanken und Fantasien. Was stimmt mit mir nicht?„.

Alles stimmt mit dir. Du bist eben nicht alleine. Du denkst es nur weil Du eben nicht weißt, dass Katrin von der Arbeit sich gerne mal auf dem Pferdehof, wo sie eine Reitbeteiligung hat, nackt vor eine der Kutschen spannen lassen würde. Oder dass Cousin Denis sich zum masturbieren Videos anschaut, in denen Frauen mit nackten Füßen Lebensmittel zertreten.

Nur, weil wir den anderen nicht ansehen worauf sie stehen und was sie anmacht, heißt das nicht, alle anderen seien „normal“ und nur wir sind die „Perversen“. Abgesehen davon ist man ja laut Matthias Grimme erst pervers, wenn man niemanden mehr findet der mitmacht, sind wir fast alle auf irgendeine Art und Weise „pervers“.

Es gib also keinen Grund sich verrückt zu machen, nur weil da ständig diese Fantasien sind. Sei es geschlagen zu werden oder selber zu schlagen. Gefesselt zu werden oder selber zu fesseln. Erniedrigt zu werden oder selber zu erniedrigen. Da draußen gibt es viele, die das auch wollen. Und viele, die wiederum noch ganz andere Dinge wollen.

Die Gedanken „nur ich habe so verrückte Fantasien“ und „was stimmt mit mir nicht“ sollten also gestrichen und ganz aktiv verdrängt werden. Denn sie sind Quatsch.

„Das erzähle ich dir lieber nicht“

Wenn ich eine Frau kennenlerne und wenn wir beide die Absicht haben, dass es zu einer BDSM-Beziehung irgendeiner Art kommen soll, dann stelle ich immer sehr viele Fragen. Fragen über ihre Erfahrungen, Vorlieben, Fantasien, Wünsche, Abneigungen und Dinge, mit denen sie sich unwohl fühlen würde.

Dabei begegnen mir zuverlässig immer wieder zwei unterschiedliche Reaktionen:

  • „Wow, noch nie wollte ein Mann so viel darüber wissen, was ich will und was mir gefällt.“ und/oder
  • „Das verrate ich dir doch nicht, dann kannst du mich ja genau dort packen.“

Beide Sätze sind spannend und vielsagend, wie ich finde.

Fangen wir einmal mit der ersten Reaktion an. Offenbar gibt es solche Menschen. Menschen die sagen: „Mir scheißegal was dir gefällt, was Du willst oder wie es dir geht. Ich ziehe mein Ding durch. Dafür bin ich doch Dom, damit ich beim Sex keine Rücksicht auf meine Mitmenschen nehmen muss.“.

Wie ihr euch denken könnt: aus meiner Sicht sind solche Menschen nicht dominant im Sinne von BDSM, sondern vor allem Arschlöcher.

Denn wer einfach nur egoistisch die eigene Nummer durchziehen will, soll sich ein passendes Sextoy suchen oder einen der womöglich existierenden Menschen, den genau dieses Verhalten kickt. Dann soll das in Ordnung sein.

Aber ansonsten besteht BDSM wie jeder Sex aus Geben und Nehmen und aus dem Zusammenspiel der Wünsche, Bedürfnisse, Vorlieben und Neigungen aller Beteiligten.

Mein Anspruch beim BDSM ist es also, dass auch meine Partnerin ihren Spaß hat und auf ihre Kosten kommt. Vor allem aber möchte ich im Vorfeld herausfinden, ob wir uns in der nötigen Weise ergänzen. Ob es so passt, dass ein „Mehr“ überhaupt in Frage kommt. Dazu frage ich viel und gebe im Gespräch auch viel preis. Ich erzähle von mir und meinen Erfahrungen. Ich stelle und beantworte viele Fragen. Nur so geht es, finde ich. Sich zu öffnen ist aus meiner Sicht für beide absolut notwendig.

Noch dazu ist es ja in der Folge umso hilfreicher für beide und das angedachte gemeinsame Spiel, wenn ich genau weiß was ihr gefällt und was nicht. Da spielt die zweite oben erwähnte Antwort hinein. Je genauer ich weiß, welche Vorlieben und Abneigungen es gibt, desto gezielter kann ich damit spielen. Desto besser kann ich den Kopf ficken und mit Dingen aufheizen von denen ich weiß, dass sie gut ankommen und wenn nötig auch mal bestrafen mit Dingen, von denen ich weiß, dass die Frau sie nicht mag. Desto besser kann ich ihr geben was sie will oder es ihr auch verweigern. Ganz so, wie es mir gefällt. Und das ist ja im Metakonsens der Kern des gemeinsamen Spiels.

Das wiederum ist also genau in beiderseitigem Interesse. Als Dom steuere und lenke ich die Situation und meine Sub. Dafür muss ich aber möglichst genau wissen, wie sie tickt und worauf sie wie reagiert. Je besser ich darüber Bescheid weiß, desto besser gelingt mir die gewollte Führung. Desto besser gelingt es mir eine Situation herzustellen, in der sie sich fallen lassen und in meine Hände begeben kann. Immer in dem Wissen, dass ich ihre Grenzen und Wünsche kenne, und damit in diesem Rahmen nach meinem Belieben spiele.

Dabei verstehe ich schon, dass es ungewohnt und irgendwie gegen jede Intuition ist, jemandem beispielsweise zu verraten, wie man am besten erniedrigt oder bestraft werden kann. Letztlich ist es aber gewollt, Gemeinsamkeiten bei Wünschen und Neigungen zu finden, um diese im besten Fall miteinander auszuleben.

Darum geht es schließlich. BDSM, für die betreffende Person „richtig“ ausgelebt, geht tiefer als Vanilla-Sex. So habe ich es über die Jahre von sehr vielen gehört, die davor viele Jahre Sex ohne BDSM-Bezug hatten. Das ist nicht verwunderlich, denn diesen Menschen hatte vorher oft etwas in ihrem Sexleben gefehlt.

Was BDSM aber tatsächlich vom Vanilla-Sex abhebt, ist eben genau das worum es hier geht. Im Schnitt mehr Kommunikation. Mehr aktive Beschäftigung mit den eigenen Bedürfnissen und Wünschen. Mehr Offenheit mit dem, was man will und braucht. Im Schnitt, wie gesagt.

Das macht aber eben auch in jeder Hinsicht verletzlicher. Sich offenbaren und Dinge preisgeben, die man vielleicht noch nie laut ausgesprochen hat, macht verletzlich und es braucht Vertrauen. Aber nur so besteht die Chance, diese Dinge auch zu erleben und diese ersehnten Gefühle zu fühlen.

Für mich ist das aber der beste und eigentlich einzige Weg, sich näher zu kommen und zu finden wonach wir suchen. Umso erstaunlicher die oben erwähnte Antwort „Wow, noch nie wollte ein Mann so viel darüber wissen, was ich will und was mir gefällt.“.

Schlimm genug. Ich weigere mich zu glauben, dass da draußen nur dominante Menschen herum laufen, die zur oben erwähnten Arschloch-Kategorie gehören. Das wäre fast schon tragisch. Umso wichtiger dann aber dieser Artikel. Und auch das sei noch gesagt: es ist ok, wenn ihr einen BDSM-Partner wollt, der euch rücksichtlos und ohne Beachtung eurer Klagen behandelt. Aber auch das habt ihr dann vermutlich oder hoffentlich vorher so kommuniziert und abgesprochen.

Am Ende bleibt aber die noch interessantere Frage die wir uns alle stellen sollten: wieso scheint es für viele Frauen da draußen eine so gänzlich neue und seltene Erfahrung zu sein, nach ihren Wünschen und sexuellen Bedürfnissen gefragt zu werden? Fragen so wenige potentielle Sexpartner danach? Woran liegt das? Antworten die, die gefragt werden nicht oder nicht ehrlich, weil sie es nicht gewohnt sind? Ich weiß es nicht, wäre aber neugierig dem nachzugehen.

Ich bleibe bei meinem Mantra: redet miteinander. Kommunikation ist der Schlüssel zu gutem und gesundem BDSM (übrigens auch zu gutem Vanilla-Sex). Versucht offen zu sein, auch beim Kennenlernen. Auch wenn es schwer fällt. Hört zu und seid aufmerksam. Beide Seiten. Dann seid ihr schon auf einem guten Weg.


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Wie überleben führungslose Subs?

Ein dunkles Geheimnis und ein Problem im BDSM über das viel zu wenig gesprochen wird, ist die hohe Zahl an Todesfällen von vornehmlich weiblichen Subs, die sterben, weil kein Dom ihnen Vorschriften macht.

Wie viele Subs mussten schon sinnlos von uns gehen, weil sie schlicht vergessen haben zu atmen, weil kein Dom neben ihnen stand und nützliche Vorgaben machte wie „einatmen, ausatmen“?

Speziell devote Frauen sind bekanntermaßen ohne Anleitung und Führung nicht überlebensfähig. Es droht mindestens Verwahrlosung, wenn nicht Schlimmeres.

Daher sind männliche Angebote wie „Unterwirf dich mir jetzt sofort. Zieh dich aus, knie dich vor deinen Rechner und danke mir, dass Du mir dienen darfst!“ oder „Du darfst meine willenlose Sub sein. Komm am Wochenende zu mir und ich bilde dich zu meiner perfekten Sexsklavin aus“ genaugenommen uneigennützige Versuche, um die ansonsten dem Untergang geweihte Subs zu retten.

So sollten diese Angebote auch gewürdigt werden.

Keinesfalls stecken dahinter eigennützige Interessen der Doms. Der wohltätige Dom spendet seine Aufmerksamkeit, opfert seine Zeit und kann dafür wohl wenigstens Dankbarkeit und bedingungslose Unterwerfung verlangen. Einer muss den Job mit der Führung ja machen. Da soll das Weibsvolk doch dankbar sein. Oder wollen sie etwa eigenständig ein- und ausatmen? Und wo kämen wir da hin?

Na eben.

Kopfkino ist keine To-do-Liste

Ich würde annehmen, dass bei jedem Menschen Sexualität im Allgemeinen und BDSM im speziellen im Kopf angefangen hat, ehe es „zur Sache ging“. Es entstehen Vorstellungen und Fantasien, Bilder und ganze Geschichten. Das so genannte Kopfkino kommt in Gang. Bei manchen sehr intensiv, bei anderen eher rudimentär. Aber es spielt sich eben zuerst einmal viel im Kopf ab.

Fantasien und Kopfkino finde ich ausgesprochen wichtig. Wer anfängt sich mit BDSM zu beschäftigen, Filme schaut, Clips im Netz, Bücher liest oder einfach die Fantasie schweifen lässt merkt schnell, was einen Kick auslöst und was einen eher kalt lässt. Das ist gut. Das gibt einem Hinweise, in welche Richtung es mit der eigenen Sexualität und den eigenen Bedürfnissen geht.

Ich selber habe in Zeiten vor dem Internet die eine oder andere Runde durch die „Ab 18“-Abteilungen in Videotheken gedreht. Für die Jüngeren unter euch, das war wie YouPorn, nur dass man in einen Laden gehen, eine unförmige Kassette ausleihen und zuhause feststellen musste, dass der Inhalt für den man bezahlt hatte Mist war.

Damals habe ich mal einen Porno ausgeliehen, in dem sich zwei junge Frauen in Dessous nacheinander gefesselt haben. Dabei blieben sie in Dessous, zogen sich also nicht aus. Als die eine die anderen dann gefesselt hatte, begann sie diese mit Federn zu kitzeln. Das wars. Das war der Porno. Ich muss zugeben, mir gab und gibt das nichts. Aber hey, wem es gefällt.

Mein Kopfkino wurde da von anderen Szenen angeheizt. Frauen die ausgeliefert waren, gehorsam Anweisungen befolgten, benutzt und erniedrigt wurden heizten da viel eher meine Fantasie an.

Aus dem was ich damals gesehen habe, wurde mein Kopfkino gespeist und entwickelte sich. So habe ich mit der Zeit herausgefunden, was mich reizt und was eben nicht. Die Kombination Dessous, Federn und kitzeln habe ich jedenfalls nicht weiter verfolgt.

Wie früher ja bereits erwähnt, ist aus meiner Sicht in der Fantasie sowieso alles erlaubt. Kopfkino darf wild, gewalttätig, unrealistisch und überhaupt alles sein, was dem oder der Kopfkinobetreibenden gefällt. Was dann real passiert ist eine ganz andere Frage. Dazu fand ich diesen Tweet perfekt:

In der Fantasie gibt es einfach keine Risiken. Kein Risiko verletzt zu werden. Psychisch oder physisch. Auch kein Risiko, dass es einem am Ende doch nicht so gut gefällt. Kein Risiko plötzlich Panik zu bekommen, am Ende unbefriedigt zu bleiben oder sich schlicht mies zu fühlen. Kopfkino ist immer irgendwie geil und frei von Problemen.

Daher ist es immer wichtig sich damit zu beschäftigen was vielleicht nur in der Theorie geil ist und was auch in der Umsetzung gewollt und heiß ist. Denn das darf und muss sich sogar fast unterscheiden. Daher der Tweet mit dem Schrebergarten. In der Fantasie sind wir unverletzlich und dauergeil. Das darf so sein, ist aber auch der Grund, warum Fantasien gerne heftiger sind als das was wir real wollen. Wir riskieren in der Fantasie nichts. Sich dieses Unterschieds klar zu sein ist ganz wichtig. Keine Scham nötig. Aber der Unterschied zwischen Kopfkino/Fantasie und dem Wunsch nach realem Erleben ist extrem wichtig.

Vor allem auch im Austausch mit potentiellen neuen oder bestehenden Partnerpersonen. Es ist ganz besonders reizvoll, sich mal zusammenzusetzen oder zusammen im Bett zu liegen und gegenseitig das eine oder andere aus dem Kopfkino zu teilen. Vermutlich gibt es dann Überraschungen auf beiden Seiten.

Aber niemals, ich wiederhole: NIEMALS darf Kopfkino als direkte oder indirekte Aufforderung nach Umsetzung verstanden werden.

Wer nach längerer Überwindung bereit ist, dem Gegenüber den Wunsch nach Spielen mit Natursekt zu gestehen, möchte nicht ohne weitere Rücksprache bei nächster Gelegenheit angepinkelt werden.

Wer dem Gegenüber das Kopfkino eines Gangbangs offenbart, möchte nicht ungefragt plötzlich mit 12 erwartungsvollen Kerlen konfrontiert werden.

Wer im Kopfkino eine Fantasie hegt, in der es um öffentliche Erniedrigung geht, möchte nicht ohne Absprache auf dem Marktplatz angespuckt und bloßgestellt werden.

Kopfkino und Fantasien zu teilen ist ein großer Vertrauensbeweis. Etwas, dass man schätzen und für dass man sich dankbar zeigen sollte. Kopfkino zu teilen ist auch ein großer Schritt in die Richtung der Erfüllung von Bedürfnissen und Fantasien. Aber alle Beteiligten sollten und müssen sich darüber klar sein, dass Kopfkino erst einmal nur Kopfkino ist.

Manches davon zeigt in eine bestimmte Richtung. Die Fantasie mit dem Gangbang kann – muss aber nicht – in ein Erlebnis mit einem oder mehreren Sexpartner münden. Die Fantasie mit der öffentlichen Erniedrigung kann – muss aber nicht – in Erniedrigungsspiele münden.

Kopfkino ist ein Fingerzeig in die Richtung in der Kinks liegen könnten. Diesen Fingerzeigen kann man folgen und dann für sich oder mit Partner herausfinden, was einen am Ziel erwartet. Vielleicht eine Fantasie die umgesetzt werden will. Vielleicht auch etwas, dass nur als „Anheizer“ genutzt werden sollte. Vielleicht auch etwas, dass für immer Kopfkino bleiben soll und wird.

Das alles ist ok. Aber traut euch euer Kopfkino immer mal wieder mit neuen Ideen zu füttern, traut euch den passenden Menschen einen Einblick in das Programm eures Kopfkinos zu geben und wenn ihr die Glücklichen seid, denen Einblick gewährt wurde, dann zeigt euch würdig und nehmt diese Geste des Vertrauens nicht als Freifahrtschein direkt loszulegen. So ist es nicht gemeint.


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Edgeplay hat nichts mit Handyempfang zu tun

Wer die Redewendung „mit dem Feuer spielen“ googelt findet rasch die Definition „vorsätzlich mit der Gefahr spielen, sich absichtlich einem Risiko aussetzen“. Das trifft es sehr genau. Edgeplay ist ein Überbegriff für Spielarten, bei denen vorsätzlich mit der Gefahr gespielt und sich einem Risiko ausgesetzt wird.

Es geht um BDSM-Praktiken und -Spielarten, bei denen bewusst das Risiko eingegangen wird, dass auch mal etwas schief geht, dass es Verletzungen oder längerfristige ungewollte Folgen geben kann. Wichtig dabei ist, man geht das Risiko dennoch ein. Es ist nicht das Ziel der Spielarten, dass es zu Verletzungen kommt. Es kann aber eben passieren und dessen müssen sich alle Beteiligten bewusst sein.

Aber ist, wer sich absichtlich einem Risiko aussetzt noch im Bereich SSC (Safe, Sane und Consensual) unterwegs? Nein. Daher fallen Praktiken, die unter Edgeplay laufen auch unter RACK (Risk-aware consensual kink). Wenn ihr mehr über diese Abkürzungen erfahren wollte, dann solltet ihr den verlinkten Artikel lesen, denn hier soll es heute um etwas anderes gehen.

Jetzt fragt ihr euch vielleicht „Äh, welcher vernünftige Mensch will denn bitte so was?“. Naja, die einen binden sich ein Gummiseil um den Körper und lassen sich von Brücken oder Felsklippen fallen, die anderen springen aus 3000 Metern Höhe aus Flugzeugen und wieder andere essen einen Fisch der sie, falsch zubereitet, töten könnte. Jeder hat eben so seinen Adrenalinkick und bei diesen Beispielen geht es noch nicht einmal um Sex. Dass bei diesem Thema mit rationalen Erklärungen oft wenig zu gewinnen ist, sollte sich als Erkenntnis mittlerweile durchgesetzt haben. Hoffe ich.

Es ist also einfach der Kick oder der Kink oder beides. In der englischen Sprache gibt es dafür den wunderbare Ausdruck „whatever floats your boat“. Eine entsprechende deutsche Redewendung die mir gefiele kenne ich nicht. Aber am ehesten passt vielleicht das altmodische „Jeder soll nach seiner Façon selig werden.“.

Jetzt höre ich euch aber fragen „Welche Praktiken und Spielarten sind denn nun Edgeplay“? Ihr wollte Beispiele. Also gut.

Rapeplay, also wenn die Beteiligten so tun, als würde Sex gegen den Willen einer beteiligten Person stattfinden. Wie alle Spielarten die unter den Begriff Consensual Non-Consent (CNC) oder Metakonsens fallen, geht es auch hier in Grenzbereiche des BDSM. Sowohl psychisch als auch physisch muss hier genauestens aufgepasst werden.

Atemkontrolle oder Breathplay, also wenn die Atmung erschwert und kurzzeitig ganz unterbunden wird, ist ebenso ein Beispiel wie Wachsspiele oder auch Angstspiele und Erniedrigung.

Bei Atemkontrolle kann es psychisch ebenso zu unkalkulierbaren Folgen kommen wie bei Angstspielen oder Erniedrigung. Hier müssen sich die Beteiligten der Gefahr immer bewusst sein. Ebenso nicht zu unterschätzen sind natürlich mögliche körperliche Folgen bei Atemkontrolle. Ebenso kann es bei Wachsspielen zu bösen Verbrennungen kommen.

Ganz bewusst beschreibe ich jetzt hier nicht im Detail wie diese Praktiken ablaufen, was zu beachten ist und was passieren kann. Möglicherweise gibt es dazu später mal einzelne Artikel. Die Aufzählung soll nur dazu dienen, dass wir alle Beispiele vor Augen haben worum es mir geht. Aber sie sollen auch zeigen, dass Edgeplay nicht immer im absoluten Extrembereich angesiedelt ist.

Wachsspiele sind etwas, das unter Anfängern sehr beliebt ist. Dennoch drohen hier Gefahren. Ebenso ist es mit Erniedrigung. Beide Spielarten zeigen auch, dass es unterschiedliche Möglichkeiten gibt, wie eine Spielart ungewollte Folgen haben kann. Wie oben erwähnt eben psychische, physische Folgen oder sogar beides. Gerade die Gefahr psychischer Folgen wird leider zu oft unterschätzt oder übersehen.

Sind denn aber nun solche Praktiken und Spielarten „ok“?

Ich denke alleine durch die im letzten Absatz genannten Beispiele wird klar: natürlich sind sie erst einmal ok. Wer Edgeplay praktizieren möchte, sollte sich nur eben bewusst sein, dass es auch Gefahren gibt und das schon bei Dingen, die allgemein als eher harmlos wahrgenommen werden.

Seid euch bewusst was ihr vorhabt und tun wollt. Redet vorher darüber welche Fantasien und Kinks ihr habt. Da gibt es auch keinen Grund sich für Praktiken zu schämen die in Richtung Edgeplay gehen. Gerade die latente Gefahr kann ja ein ganz großer Kick sein. Aber spart bei diesen Gesprächen keinesfalls aus, dass diese Praktiken nicht ganz ungefährlich sind.

Denkt dabei an möglich Gefahren für den Körper UND für den Geist. Geht sicher, dass alle Beteiligten sich der möglichen Gefahren bewusst sind und trefft Sicherheitsmaßnahmen wo es möglich ist. Bei einem Tunnelspiel beispielsweise ist es immer wichtig etwas zur Hand zu haben, um die Wirkung einer Salbe oder einer Chili irgendwie abzumildern.

Zu wissen, welche Notfallnummer Hilfe herbeirufen, wenn wirklich mal etwas schief geht, ist ebenso wichtig.

Was die psychischen Folgen angeht, achtet genau auf die Reaktionen eurer Mitspieler und führt im Nachgang noch einmal Gespräche über das Geschehene. Gerade bei solchen Spielarten ist die Gefahr eines Subdrop nicht zu verachten. Aber auch Dom kann und darf Redebedarf haben.

Alles in allem gilt, seid euch dessen bewusst was ihr tut. Geht die Sache mit Vorsicht und Vernunft an. Redet vorher darüber, damit alle Beteiligten sich klar sind was passieren könnte. Und ganz wichtig, bei allen Sicherheitsmaßnahmen bleibt dennoch immer ein Restrisiko. Auch dessen müssen sich alle Beteiligten bewusst sein.

Ich weiß, das klingt jetzt alles als wäre vor jeder BDSM-Session ein zweiwöchiges Sicherheitstraining nötig. Ist es nicht. Aber sich dessen bewusst zu sein was man tut und dass es Risiken beinhaltet ist unerlässlich. Und je klarer ihr euch dessen seid, je deutlicher ihr kommuniziert habt ehe ihr ein neues Spiel ausprobiert, desto weiter könnt ihr gemeinsam gehen.

Edgeplay muss also niemandem Angst machen. Es ist eine ganz legitime Spielart innerhalb von BDSM. Aber jeder und jede sollte sich diesen Spielarten mit Respekt nähern, sie sollten wissen was sie tun und alle Beteiligten sollten sich klar sein, was passiert. Aber eigentlich gilt das ja für alle BDSM-Varianten.


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Kontrollverlust und Handlungsoptionen

Wenn man einen BDSMer zum Lachen bringen will, dann ist „BDSMer sind alle gleich und stehen alle auf die gleichen Dinge“ sicher kein schlechter Versuch.

Was Leute kickt die BDSM mögen ist äußerst vielfältig. Man frage 10 Menschen und bekommt 6 verschiedenen Antworten. Wenn es dann in die Details geht, sind es schon eher 15 verschiedene Antworten – bei weiterhin 10 Menschen. Klingt kompliziert? Ist es manchmal auch.

Ja, es gibt viele Überschneidungen und „Fan-Favourites“.

Viele stehen auf Fesselung oder Fixierung. Aber nicht alle.

Viele stehen auf Schläge. Aber nicht alle.

Viele stehen auf Erniedrigung. Aber nicht alle.

Viele stehen auf Aufgaben. Aber nicht alle.

Viele stehen auf Unterwerfung. Aber nicht alle.

Daneben gibt es auch seltenere Praktiken und natürlich die Menschen, die auf verschiedenste Kombinationen von Praktiken stehen. Daher dann die oben erwähnten 15 Antworten. Denn, eine BDSM-Neigung muss ja nicht konsistent immer gleich sein. Heute findet die Person das eine geil und morgen eine leicht andere Kombination. Tagesform, Hormonstatus, Stimmung… alles kann da eine Rolle spielen.

Eine nicht so häufig genannte Spielart ist der Kontrollverlust. Fragt man Anfänger etwas intensiver und konkreter, dann kommt zwar schon oft die Antwort „Ich will einfach mal die Verantwortung“ abgeben. Unter den Top-Suchbegriffen bei YouPorn oder Pornhub taucht „Kontrollverlust“ jedoch eher nicht auf. Es ist eine schwerer zu fassende Vorliebe oder Neigung als Schläge oder Erniedrigung.

Kontrollverlust ist ein Gefühl und keine Handlung. Daher ist er so viel schwerer darzustellen und so weniger präsent in unserer Vorstellung von BDSM. Er ist aber dadurch auch weniger leicht herzustellen als Schläge zu verteilen oder jemanden hinknien zu lassen.

Ja, auch geschlagen werden oder sich hinknien müssen kann eine Erfahrung von Kontrollverlust sein. Man erduldet oder tut etwas, dass von alleine oder im Alltag nicht in Frage käme und dass unter dem Einfluss oder einer dominanten Person. Das Erlebnis ist hier, dass es keinen Widerspruch gegen etwas gibt, das im Alltag heftige Reaktionen hervorrufen würde. Das ist natürlich auch Kontrollverlust. Aber eher so der Einstieg in das Thema.

Als jemand der mit der Kunst des Bondage wenig am Hut hat, kann ich nur raten. Aber ich würde tippen, dass auch gefesselt und mit einem Hängebondage irgendwo aufgehängt zu werden, viel mit Kontrollverlust zu tun hat. Der Reiz sich komplett in die Hände eines anderen Menschen zu begeben und mit sich geschehen lassen. Schon praktisch, ist man ab einem gewissen Punkt ja nicht mehr in der Lage, aktiv etwas zu unternehmen und lässt geschehen.

Eine andere Erfahrung ist es, eingesperrt zu werden, beispielsweise in einem Käfig zu sitzen und keinerlei Handlungsoption mehr zu haben, als abzuwarten. Abzuwarten, bis der dominante Part entscheidet, dass es Zeit ist, die Tür wieder zu öffnen.

Auch andere Fesselungen – die dann noch in Verbindung mit dem Verbinden der Augen und/oder einem Knebel – führen zu einem intensiven Kontrollverlust.

In allen Fällen geht es um die Einschränkung der Bewegungsfreiheit. Nicht weg zu können. Sich nicht wehren zu können. Teilweise in Verbindung damit, sich noch nicht einmal äußern zu können.

Warum aber sollte es reizvoll sein nicht mehr zu entscheiden und keine Kontrolle mehr zu haben? Wer sollte das erstrebenswert finden? Nun, da gibt es viele Beispiele.
– Menschen, die sonst im Alltag im Beruf viel Verantwortung tragen.
– Menschen, die hochperformant ihren Alltag mit dutzenden einzelner Aufgaben managen, ihre Umwelt unter Kontrolle haben, sie verbessern und immer effizienter gestalten.
– Menschen, die Haushalt, Beruf und Familie täglich unter einen Hut bringen.
Oder, oder, oder… Unsere heutige Welt bietet genügend Möglichkeiten in Situationen zu stecken, in denen der Mensch nur noch funktionieren und „liefern“ muss.

Da scheint es wenig verwunderlich, dass einfach nackt in einem Käfig oder mit Augenbinde reglos gefesselt zu sein, zu einem Moment der Stille führt. Einem Moment, in dem nur noch Sein und nicht mehr Kontrollieren und Funktionieren im Mittelpunkt steht.

Diese stille Zufriedenheit und Ruhe kann, muss aber gar nicht zwingend mit Sexualität kombiniert werden. BDSM ist es nicht erst, wenn dabei auch Körpersäfte fließen. Sie dürfen es aber. Wie ihr wollt.

Wie ich sagte, Kontrollverlust ist als Spielart im BDSM nicht zu unterschätzen. Vor allem lernen wir daraus aber auch eines – finde ich: BDSM ist in seiner Vielfalt nicht in Schubladen einsortierbar. Was für den einen Menschen „harmlos“ erscheint, wie eben nackt in einem Käfig zu sitzen, akzeptieren dass man nicht heraus kommt und genau das genießen, ist für den anderen Menschen genau das Gefühl, dass unbewusst immer gefehlt hat.

Dieses Spannungsfeld zwischen oftmals sehr unterschiedlichen Neigungen gilt es nicht nur auszuhalten, sondern auch zu verinnerlichen.

Offen und neugierig bleiben

„Probier es doch mal. Wer weiß, vielleicht gefällt es dir.“

Ok, ich gebe zu, dass das ziemlich abgeschmackt klingt. Aber manchmal ist es im BDSM genau so. Ich erinnere mich an mehrere Situationen in meinem BDSM-Leben, da stand am Anfang genau so ein Gedanken und am Ende die große Überraschung „Verdammt, das war viel viel besser als ich erwartet habe. Ich glaube, ich stehe total da drauf.“.

Das kann passieren und es passiert gar nicht mal so selten. Ganz konkret erinnere ich mich an eine Situation mit einer Frau die dachte „Nein, also maso bin ich nicht besonders.“. Aber neugierig war sie eben schon und so probierten wir einige Schlaginstrumente aus. Der Abend wurde zum Augenöffner und die These nicht maso zu sein, ließ sich ab dann nicht mehr halten. Sie verkehrte sich sogar ins Gegenteil.

In einer anderen Situation hatten meine Sub und ich einen Gutschein für einen BDSM-Shop. Unschlüssig, was wir uns für den bald ablaufenden Gutschein kaufen sollten, klickten wir uns durch den Shop. Wir bestellten zwei oder drei Dinge, die auf einer Liste der anzuschaffenden Spielzeuge sehr weit unten gestanden hätten. Aber hey, der Gutschein musste aufgebraucht werden.

In den kommenden Monaten probierten wir sie nach und nach aus und es kam, wie ihr euch sicher schon denkt: eines der Spielzeuge wurde für uns beide völlig überraschend zum absoluten Hit. Ich selber hätte das nie erwartet und ihr ging es genauso. Nie hätte ich mir das Teil bewusst gekauft. Aber ab da war es nicht nur fester Bestandteil unseres Spiels, sondern eines der Highlights.

Natürlich kann es auch umgekehrt gehen. Man denkt etwas würde einem gut gefallen und dann ist es eher nicht so toll. Das kann eben vorkommen und sollte kein Drama sein. Auch da gilt die Devise „Weiter offen und neugierig bleiben“.

Mit meinem Artikel will ich auf keinen Fall sagen „Macht einfach alles mit, vielleicht gefällt es euch ja.“. Nein. Wenn ihr auf etwas einfach keine Lust habt, wenn ihr etwas partout nicht wollt, dann lasst euch auch nicht reinquatschen oder zwingt euch dazu. Selber Grenzen ziehen ist wichtig und gut.

Lasst euch also nichts einreden. Vor allem nicht von Menschen, mit denen ihr noch kein festes Vertrauensverhältnis habt. Wenn euer Bauch sagt „nein, das will ich nicht“, dann hört darauf.

Es geht in diesem Artikel nicht darum Bedenken über Bord zu werfen und alles mitzumachen. Viel mehr geht es darum, mit einem Menschen, dem ihr vertraut und bei dem ihr auch geborgen fühlt auch mal neue Dinge zu probieren. Unerwartete und ungewohnte Dinge. Warum nicht?

Lasst euch nichts einreden und von andern aufdrücken. Aber bleibt auch offen und neugierig.

Halsband – Spielzeug oder Symbol?

Wer den Begriff „Halsband“ googelt landet zuerst bei Hundehalsbändern, bekommt aber in den Bilderergebnissen auch viele andere Beispiele für Halsbänder präsentiert. In der Wikipedia wird das Wort als „Bänder, die als Schmuckstück oder zur Fesselung um den Hals getragen werden“ definiert. Die englische Wikipedia trennt sogar in einzelne Seiten: Tiere, Schmuck, Kleidung und BDSM.

Halsbänder sind also vielseitig in Form und Anwendung. Das gilt für das „normale“ Leben wie auch im BDSM. Auch hier können sie viele verschiedene Formen haben. Vor allem aber, können sie sehr viele verschiedene Bedeutungen haben.

Werden BDSMer befragt, ob sie schon einmal ein Halsband getragen haben oder haben tragen lassen, so bekommt man ein deutliches Ergebnis.

Offenbar besteht also eine gewisse Einigkeit, dass Halsbänder irgendwie zu BDSM dazugehören. Auch wenn diese Umfrage nicht repräsentativ ist, so sprechen doch fast 80% eine klare Sprache. Viele Leute verwenden Halsbänder in irgendeiner Form. Wirklich überraschen kann das auch nicht.

Halsbänder sind zuerst einmal praktisch. Dom kann Leinen daran befestigen und Sub so daran führen, lenken oder irgendwo festmachen. Auch können die Hände beispielsweise am Halsband befestigt werden und das sind nur zwei von endlos vielen Möglichkeiten was damit möglich ist. Der Fantasie sind da kaum Grenzen gesetzt.

Es gibt die unterschiedlichsten Formen in Material und Ausführung. Halsbänder können aus Metall, Leder, Stoff oder verschiedenen anderen Materialien sein. Sie kommen als schmale Choker aus dünnen Kettchen daher oder als breite Halsbänder, die wie erwähnt er an Hundehalsbänder erinnern. Manche haben Schlösser, damit sie nicht einfach wieder abnehmbar sind. Andere sollen nur hübsch aussehen. Manche tragen sie schlicht, weil sie sich gut am Hals anfühlen. Das ist alles Geschmackssache.

Neben dem praktischen Aspekt können sie auch als Zeichen nach außen dienen. Was sie dabei anzeigen und wem, das kommt immer sehr auf den Einzelfall an. Denn wofür Halsbänder ein Symbol sind, das ist extrem unterschiedlich.

In manchen Paarbeziehungen dient das Halsband als Signal, dass das Gefälle innerhalb der Beziehung jetzt „aktiv“ ist. Trägt der devote Part das Halsband, dann gehorcht er und Dom kann Anweisungen geben. Wird das Halsband abgelegt, besteht wieder Augenhöhe.

Für wieder andere sind Halsbänder extrem symbolisch und quasi mit Eheringen in der Vanilla-Welt vergleichbar. Wir das Halsband als Quasi-Ehering verstanden und angeboten und nimmt diese Person es an, dann gilt das als Manifestation einer engen Dom/Sub-Beziehung die auch nicht so eben mal beiläufig aufgelöst wird. Umso schwerwiegender ist in solchen Fällen, wenn das Halsband dann doch mal abgelegt oder abgenommen wird. Ein Akt, der anderen unverdächtig erscheint kann hier große symbolische Bedeutung bekommen, denn hier kann das Ablegen quasi als ein Beenden der Beziehung verstanden werden. Eben wie wenn jemand einen Ehering demonstrativ und bedeutungsschwer ablegt.

Übrigens kann zur Verstärkung der Symbolik und des Reizes der Endgültigkeit hier das oben erwähnte Schloss am Halsband eingesetzt werden. Dann wird das mit dem selbständigen Ablegen schon deutlich schwieriger.

Allgemein gilt es als unfein bis extrem unfein und unsensibel, wenn man jemandem ein Halsband anlegt, dass bereits jemand anderes vorher getragen hat.

Wieder andere wissen um die symbolische Kraft, sind aber Single oder zumindest im BDSM-Sinne ungebunden. Da habe ich schon die Variante kennengelernt, dass sie ein eigenes Halsband für sich haben und symbolisch beispielsweise einem Spielpartner zeitweilig die Kontrolle übergeben, in dem sie diesem Partner oder der Partnerin das Halsband „überlassen“. Es bleibt aber eben das eigene Halsband. Auch das ist natürlich eine Symbolik. Eben nur eine, die ganz anders gelesen wird.

Wie so oft im BDSM gibt es einfach eine unfassbar große Vielfalt an Spielarten und Möglichkeiten. Diese mag für die einen besonders spannend, für die anderen erschreckend wirken. Beispielsweise, weil sie befürchten etwas falsch zu machen. Ich sehe sie immer als Chance und nicht als etwas Bedrohliches. Wo es viele Möglichkeiten gibt, gibt es auch viel auszuprobieren.

Ihr müsst also nicht warten, bis auch jemand ein Halsband anbietet oder umlegt. Wenn ihr Freude und Lust daran habt, dann könnt ihr auch einfach selber eines kaufen und tragen wie es euch gefällt. Es steht nirgends geschrieben, dass man das nicht darf.

Und möchte euch jemand ein Halsband umlegen, kommt es nur darauf an, alles gut zu kommunizieren. Besprecht vorher, was euch das bedeutet und was es dem Gegenüber bedeutet. Auch hier gibt es, wie so oft, kein Richtig oder Falsch. Wichtig ist nur zu wissen und sich bewusst zu sein, dass es diese sehr unterschiedlichen Bedeutungen gibt. Dann ist die größte Klippe schon einmal umschifft.

Klärt die Bedeutung, einigt euch, was ihr darunter versteht und dann habt einfach Freude und Lust mit eurem Halsband.

„Aber was, wenn ich es nicht richtig mache?“

Diesen Satz habe ich in vielen Abwandlungen im Bezug auf BDSM schon so oft gehört. Mal lautet er „Ich habe Angst, dass ich es falsch mache.“ oder auch „Was ist, wenn ich es nicht richtig mache?“. Gelegentlich auch „Was ist, wenn ich nicht gut darin bin?“.

An dieser Stelle schiebe ich am besten sofort ein: in diesem Artikel geht es nicht um die Erfüllung von Erwartungen oder vermeintlichen Erwartungen. Auch nicht darum, ob eine sexuelle Handlung vermeintlich „gut“ oder vermeintlich „weniger gut“ ausgeführt wird. Es geht um diese zweifelnde innere Stimme die bei ersten BDSM-Erfahrungen eben diese Frage flüstert: „Aber was, wenn ich es nicht richtig mache?“.

So sehr ich die dahinter stehende Sorge verstehen kann, so falsch finde ich schon den Gedanken hinter dieser Frage. Für mein Verständnis könnte man sich genauso fragen „Habe ich falsch Spaß?“, „Schmeckt mir die Pizza auf die richtige Weise?“ oder „Habe ich den falschen Humor?“.

Wie kann einem Essen falsch schmecken? Es schmeckt oder es schmeckt nicht. Gut, man kann das eine oder andere ungewohnt finden. Man kann sich an das eine oder andere geschmacklich erst gewöhnen müssen. Aber dass man Essen falsch oder richtig schmecken könnte wäre mir neu.

So ist es auch mit dem BDSM. Entweder es gefällt einem oder nicht. Wenn man im Rahmen von BDSM geschlagen wird beispielsweise. Wie sollte man das falsch machen? Es tut weh oder nicht. Es erregt einen oder nicht. Es gefällt einem oder nicht. Aber wie könnte man es richtig oder falsch machen?

Diese Sorge kommt aber längst nicht nur von Menschen, die beispielsweise wenig sexuelle Erfahrungen haben und daher unsicher auf dem ganzen Gebiet sind. Im Gegenteil sind auch Menschen mit „ausgiebig“ sexueller Erfahrung nicht vor der Sorge gefeit, BDSM irgendwie „nicht richtig“ zu machen.

Woher kommt diese Sorge? Aus dem Wunsch heraus zu gefallen? Aus Unsicherheit? Aus beidem?

Ich meine, natürlich gibt es im BDSM auch Potential etwas „falsch“ zu machen. Wer gegen vereinbarte Regeln verstößt, hat etwas „falsch“ gemacht. Aber dabei hat jeder als Mitspieler in dieser Konstellation auch ein Mitspracherecht. Zumindest sollte es so sein. Man hat die Regeln miteinander vereinbart und ihnen zugestimmt. Diese Art Angst ist also bei der Ausgangfrage nicht gemeint.

Auch Techniken können falsch angewandt werden. Schlägt man mit einem Instrument an die falsche Stelle oder kippt beispielsweise das Wachs eines Teelichts über sein Gegenüber, dann kann das übel enden. Diese Sorge ist absolut real und berechtigt. Aber auch diese Angst ist nicht gemeint.

Am Ende ist es wohl wirklich einfach die Unsicherheit in einer bis dahin ungewohnten Situation und am Ende ist es auch völlig normal in so einer Situation ein wenig unsicher zu sein. Müsst ihr aber nicht und im besten Fall habt ihr es mit einem Gegenüber zu tun, dass euch diese Ängste und Sorgen nehmen kann. Wenn nicht, dann solltet ihr noch einmal ganz grundsätzlich über die aktuelle Partnerwahl nachdenken.

Seid also offen und redet über eure Sorge. Das ist er erste und wichtigste Schritt. Teilt euch mit und formuliert, was euch beschäftigt.

Aus Dom-Sicht habe ich es einmal in dem Satz zusammengefasst „Sei nicht so streng zu dir, das übernehme ich schon für dich.“. Mir wurde bestätigt, das hätte einigen Druck genommen. So augenzwinkernd der Satz verstanden werden darf, so wahr ist er doch am Ende. Auf der Sub-Seite darf man sich in die Hände der Dom-Person begeben und darauf vertrauen, dass einem gesagt wird was man und wie man es tun soll. Das nimmt vielen den Druck.

Denn wie wir alle hoffentlich inzwischen verstanden haben: es gibt kein richtiges und falsches BDSM. Nicht extra betonen muss ich hoffentlich hier, dass es missbräuchliches Verhalten gibt, dass als BDSM getarnt wird. Davon ist hier natürlich nicht die Rede. Aber davon abgesehen steht nirgends „So musst Du es machen, dann ist es richtig und sonst machst Du es falsch“. Für einzelne Techniken durchaus. Wie oben erwähnt, aber eben nicht für BDSM als Ganzes. Daher kann man BDSM nicht richtig oder falsch machen. Versucht euch zu entspannen und zu genießen.

Wenn ihr auch doch mal mit etwas blöd fühlt oder es sich falsch anfühlt, dann redet darüber. Sprecht das Problem an. Für den Rest der Unsicherheiten gilt, dass die jeder hat, wenn man was Neues anfängt. Aber habt ihr auch nach einem Orgasmus schon mal gefragt „Habe ich den Orgasmus eben richtig gemacht?“? Vermutlich nicht und genauso ist es mit dem BDSM. Ihr macht es schon richtig, wie ihr es macht.


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