BDSM in den Zeiten von Corona

Social Distancing ist eines DER Schlagworte im Moment. Wir bemühen uns aktuell alle, uns nicht zu nahe zu kommen und wenn überhaupt, dann mit Masken. Damit meine ich nicht die aus der Fetisch-Ecke. Obwohl, wer weiß welche neuen Fetische sich nun daraus wieder entwickeln.

Aber ihr wisst natürlich was ich meine. Raus gehen, daten, Freunde treffen, tanzen gehen und auch BDSM ausleben ist aktuell schwer bis gar nicht möglich. Zumindest nicht auf die herkömmliche Weise.

Was also tun, wenn man BDSM ausleben möchte, der Partner oder die Partnerin aber aktuell weit weg und außer Reichweite ist? Wie man BDSM auch aus der Entfernung ausleben kann, habe ich in meinem Artikel über BDSM 2.0 beschrieben.

Wer daran Spaß und Lust hat, der kann solche Dinge natürlich nutzen. Manche sind aber aktuell eher sinnlos. So sind viele Leute derzeit viel zu Hause. Da ist die Kontrolle des Aufenthaltsortes eher weniger spannend.

Eine andere Idee ist zum Beispiel, virtuell oder vor einer Cam eine Art Session abhalten. Da ist viel Fantasie gefragt und dies kann den realen Kontakt natürlich auch nicht ersetzen.

Aber ein ureigener Bestandteil von D/s sind ja Aufgaben. Die sind weiterhin machbar und viele von ihnen sind dafür gedacht sie alleine umzusetzen. Genauso wenig sind sie ein Ersatz für den persönlichen Kontakt, aber wenn wir ehrlich sind, den gibt es auch nicht.

Ein Klassiker sind natürlich Fotoaufgaben. Sub bekommt genaue Vorgaben, welche Art Foto bis wann erstellt werden soll. Hierbei kommt es nicht darauf an, dass irgendwelche überzogenen Qualitätsmerkmale erfüllt werden. Der Reiz liegt in der gegenseitigen Aufmerksamkeit und Mühe, die man sich gibt.

Weitere Möglichkeiten sind Klammern, Plugs oder Liebeskugeln, die Sub zuhause oder für Mutige auch beispielsweise beim Einkaufen tragen kann. Natürlich immer an die persönlichen Grenzen und Erfahrungen angepasst. So ein Plug bei REWE an der Kasse oder eine zwickende Klammer in der Gemüseabteilung stehend, kann den Einkauf schon würzen.

Für die Kreativen unter den Subs gibt es die schöne Möglichkeit als Aufgabe eine Geschichte oder eine besondere Fantasie aufschreiben zu müssen. Beides kann später wunderbar als Vorlage für spannende Gespräche und vielleicht sogar neue gemeinsame Ideen dienen. Wer weiß, ob nicht sogar etwas dabei herauskommt, dass man veröffentliche kann.

Was auch in der aktuellen Lage wunderbar funktioniert sind Kleidungsvorschriften. Seien es einzelne Teile oder ganze Outfits. Eurer Sub die zu tragende Kleidung vorzuschreiben ist problemlos machbar und sogar dann umsetzbar, wenn sich einer oder beide in Quarantäne befinden.

Ebenfalls ein immer wieder gern genommenes Mittel zur Disziplinierung und als nicht zu unterschätzenden Aufgabe ist das Edging. Was ist das? Edging bedeutet, sich selbst befriedigen zu müssen in dem Wissen nicht kommen zu dürfen. Dabei gilt es so weit zu gehen, wie es möglich ist und dann aufzuhören. Wohlgemerkt natürlich, ohne zu kommen. Es gilt hier den sogenannten „Point of no Return“ zu finden und so nahe wie möglich ran zu kommen und ohne, naja, zu kommen.

Edging ist dabei variabel einsetzbar. Beispielsweise kann es abwechselnd mit Keuschhaltung eingesetzt werden. Also zeitweise sich überhaupt nicht anfassen dürfen und dann wiederum eine Zeit lang drei-, vier- oder fünfmal am Tag „edgen“.

Ein letzter Tipp sollen Toiletten-Vorgaben sein. Etwas, das im Alltag furchtbar schnell sehr anstrengend wird, kann aber in der erzwungenen Zeit zuhause ganz gut funktionieren. Sollten Dom und Sub also beide die meiste Zeit zuhause sein, dann ist die Variante, um Erlaubnis fragen zu müssen ob und wann man auf die Toilette gehen darf plötzlich umsetzbar. Genauso auch die Vorgabe in welchem Zeitraum wie viel getrunken werden muss, lässt sich plötzlich machen. Wer mag kann daraus ein spannendes Spiel machen, dass im Berufsalltag nie funktionieren würde.

Dies sollen nur ein paar Beispiele sein, um eure Fantasie anzuregen. Selbstverständlich erheben sie keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit oder auch nur besondere Originalität. Macht das Beste daraus, um durch diese schwierige Zeit zu kommen und euch dennoch die Freude und die Lust an BDSM zu erhalten.

Je mehr Regeln, desto besser?

Eine der spannendsten Fragen bei Neulingen im BDSM ist immer die nach den Regeln. Welche Regeln stelle ich auf? Wie setze ich sie durch? Was mache ich, wenn sie gebrochen werden?

Gerade wer neu auf dem Gebiet ist und sich bisher vielleicht nur in der Fantasie mit BDSM beschäftigt hat, kann da oft nicht genug bekommen. Doms tendieren dann dazu den Alltag von Sub mit Regeln bis ins Detail zu bestimmen. Ebenso wie Subs gerne noch die ein oder andere Regel einfordern. Einfach um endlich zu spüren wie es ist, wenn man diese äußere Macht und den Kontrollverlust erlebt, die bisher nur in der Fantasie existierten.

Aber ist es sinnvoll so viele Regeln wie nur möglich aufzustellen? Am Anfang klingt das sehr verlockend:

  • nach dem Aufstehen direkt per Messenger melden
  • nie Hosen tragen
  • nie Unterhosen tragen
  • keine Röcke die übers Knie gehen
  • jedes Mal um Erlaubnis fragen, ob man auf die Toilette gehen darf
  • fragen, ob man sich befriedigen darf
  • fragen, was man essen darf
  • tagsüber verschiedene Aufgaben erledigen
  • jedes Outfit per Bild absegnen lassen
  • fragen, ob man nach der Arbeit mit Kollegen etwas trinken gehen darf
  • jedes Getränk genehmigen lassen
  • sich vor dem Schlafengehen abmelden usw.

Es ist schnell ersichtlich: So etwas wird schnell zur Hauptbeschäftigung. Beruf, Kinder, Freunde oder Hobbys kann man da gleich ganz vergessen. Und das gilt sowohl für Dom als auch Sub. Denn aufgestellt sind Regeln schnell. Wer aber nicht fast ebenso schnell für Frust bei Sub sorgen will, muss diese Regeln auch durchsetzen und verfolgen.

Da genügt es also nicht zu sagen „Du machst ab jetzt immer das und das“. Denn wenn Sub sich wochenlang an eine Regel hält und dann merkt, dass Dom sie vergessen hat oder sich nicht dafür interessiert, dann ist der Frust groß. Mit Recht.

Machen mehr Regeln also wirklich auch mehr Spaß? Meiner Erfahrung nach nicht. Wie gesagt, artet es schnell in Stress aus, wenn man in wirklich jeder Lebenssituation überlegen muss „Wie war das? Was darf ich?“. Oder eben von Dom-Seite „Was hatte ich noch verboten?“.

Da gehen die Leichtigkeit und der Spaß an der Sache schnell verloren und gerade am Anfang ist der ja das A und O. Denn wer neu einsteigt und merkt, dass das alles keinen Spaß macht und nur anstrengend ist, der hört auch schnell wieder auf. Da ist es im BDSM wie mit dem Fitnessstudio oder dem Joggen. Genau wie dort gilt, auch beim BDSM langsam anfangen und dann steigern.

Überhaupt spricht für mich bei sehr vielen Regeln viel für Flexibilität.

Mein liebstes Beispiel sind da immer die Kleidungsvorschriften: Wer einer Frau vorgibt, dass sie ab sofort nie wieder Hosen tragen darf, sondern nur noch Röcke oder Kleider. Und in Verbindung damit aber auch nie wieder Unterhosen… Wie soll ich sagen? Der übersieht da einfach die Realität zu Gunsten des Kopfkinos. Mindestens einmal im Monat wird das sehr unschön. So ein Tampon oder eine Binde muss ja irgendwie halten.

Davon abgesehen gibt es Gelegenheiten, wo „unten ohne“ unpassend ist. Es gibt Wetterverhältnisse bei dem diese Regel die Gesundheit gefährdet und es gibt einfach auch Momente in denen Frau sich einfach so mal weniger Luftigkeit wünscht.

Jetzt soll es im D/s nicht immer nur um Wünsche gehen und Dinge sollen auch mal schwer fallen, aber ihr versteht was ich meine.

Solche Regeln kann man spannend finden. Man kann sie sich aber auch betrachten und überlegen „Für welche Fälle wird so eine Regel wirklich relevant?“. Klar, als Dom greift man dann gerne mal unter den Rock. Aber muss Sub sich deswegen sieben Tage der Woche danach richte und das sogar, wenn man sich gar nicht so häufig sieht?

Ich halte es immer so, dass ich im Bedarfsfall sage was sie tragen oder nicht tragen soll. Dafür braucht es keine Regel, die im Zweifelsfall eben sehr viel mehr Mühe macht, als sie am Ende an Freude wert ist.

Natürlich kann das jeder handhaben wie er und sie will. Was ich sagen will ist, dass der Umstand und der Aufwand den eine solche Regel bedeutet auch immer dem Ertrag an Freude und Lustgewinn der Beteiligten irgendwie entsprechen muss. Blöd gesagt, bei Wind und Wetter, auch während der Periode und das ganze Jahr kein Höschen tragen, damit Dom drei oder auch zehnmal unter den Rock greifen kann und dort keines vorfindet… Das finde ich überzogen.

Da bin ich wie gesagt lieber flexibel. Andere mögen das aber anders sehen. Das ist jedem selbst überlassen.

Meine Meinung zum Thema Regeln ist aber „Weniger ist mehr“ und ich war erfreut bei einer Umfrage neulich bei Twitter zu sehen, dass es in dieser Filterblase viele ähnlich sehen:

Bedenkt bei Regeln einfach, dass sie auch eingehalten und durchgesetzt werden müssen. Und da vermutlich keiner von uns Vollzeit Dom oder Sub ist, darf das nicht ausarten. So heiß ihr auch darauf seid all diese tollen Dinge endlich auszuprobieren: Lasst euch Zeit und steigert euch langsam. Probiert euch aus, was funktioniert für euch, was klang in der Fantasie besser? Seid auch nicht zu stolz eine Regel wieder zu kassieren, wenn sie nicht funktioniert.

Es ist übrigens oft keine dumme Idee Regeln aufzuschreiben, damit man sie nachlesen kann. Sowohl für Dom, als auch für Sub. Das hilft den Überblick zu bewahren.

Braucht man für Tunnelspiele einen Tunnel?

Ja was sind denn Tunnelspiele nun wieder? Um es gleich zu sagen, sie haben nichts mit einem Eisenbahn-Fetisch zu tun. Es sind auch keine BDSM-Spiele die in einem Tunnel stattfinden. Nein, es ist ein klein wenig komplizierter. Aber so kompliziert dann auch wieder nicht.

Was macht einen Tunnel aus? Wenn man erst einmal drin ist, dann kann man weder nach rechts noch nach links, sondern muss einfach durch. Es gibt sozusagen keinen Ausweg, bis man das andere Ende erreicht hat.

Und genauso funktionieren Tunnelspiele. Damit sind BDSM-Praktiken gemeint, die man nicht mehr abbrechen kann, wenn man sie begonnen hat.

Ein Klassiker der Tunnelspiele sind zum Beispiel Brennnesseln. Denn diese „Tunnel-Erfahrung“ hat jeder schon einmal gemacht. Wenn man in Brennnesseln gelaufen ist oder sie angefasst hat, dann muss man einfach abwarten, bis es aufhört zu brennen. Bis dahin gibt es verschiedene Möglichkeiten der Linderung. Aber man kann es nicht sagen „So, es genügt. Hör auch weh zu tun.“

Ganz anders eben, als bei Schlägen. Wenn man da nicht mehr aushalten will und kann, dann können die Beteiligten es sofort beenden. Man benutzt sein Safeword oder signalisiert sonst auf eine vereinbarte Weise, dass man genug hat. Und dann hört es auf. Auch Fesseln kann man lösen und die Situation damit beenden. Das geht so bei Tunnelspielen nicht.

Der Tunnel wird in dieser Spielart gebildet durch das Mittel oder Werkzeug dass benutzt wird. Dafür gibt es verschiedenste Beispiele. Brennnesseln sind eines. Wenn man ein Büschel Brennnesseln als Schlagwerkzeug nimmt und damit auf den Arsch oder zwischen die Beine schlägt, dann ist die Wirkung oft spektakulär. Und diese Wirkung kann eben nicht so schnell abgebrochen werden.

Weitere Möglichkeiten für Tunnelspiele sind Ingwer (Stichwort Figging), Minzöl, Tigerbalm, Rheumasalbe (geradezu berüchtigt ist hier Finalgon), Chili, Tabasco usw.
Je nach Vorliebe können diese Mittel an oder in empfindliche Körperregionen eingeführt oder geschmiert werden. Manche tragen das Mittel der Wahl auf einen Dildo oder Plug auf und führen diesen dann ein. In den meisten Fällen entsteht ein Hitzegefühl oder Brennen, dass sehr unterschiedlich als geil, schmerzhaft oder beides empfunden wird.

Übrigens listet die Wikipedia Tunnelspiele als Teil der Metakonsensspiele. Das halte ich für falsch. Denn es ist ja nicht der dominante Part der hier entscheidet „nicht aufzuhören“ und damit die Einvernehmlichkeit gewollt verlässt. Wenn Sub im obigen Bild die Schläge mit den Brennnesseln beenden möchte, dann ist das sofort möglich. Aber man hat sich gemeinsam geeinigt ein Mittel zu verwenden dessen Wirkung noch anhalten wird.

Was ist aber nun der Reiz an solchen Spielen? Zum einen scheint die Einstiegshürde relativ gering. Denn jeder hat irgendeines der oben erwähnten Mittel im Haus. Aber Vorsicht: Tunnelspiele sind nichts für Anfänger. Denn die Erfahrung dem Schmerz nicht entkommen zu können ist eine sehr intensive.

Genau das macht für andere wieder den Reiz aus. Denn man muss sich seinen Grenzen stellen und den Schmerz aushalten. Ob man will oder nicht. Diese Erfahrung kann sehr faszinierend sein, wenn man sich und seine Grenzen aber nicht gut genug kennt, kann sie einem BDSM auch für immer verleiden.

Daher sollte man Tunnelspiele sehr vorsichtig und nur mit Bedacht beginnen. Angefangen damit, dass man mögliche Allergien prüft!
Ein weiterer Ratschlag ist, bei der Dosierung lieber sehr zurückhaltend zu sein und nicht gleich in die Vollen zu gehen. Lieber nur ein kleiner Klecks mit sehr wenig Wirkung auf die äußeren Schamlippen als gleich die ganze Tube vaginal einführen. Ihr versteht schon was ich meine.

Außerdem ist es extrem wichtig, sich über möglich Gegenmittel zu informieren. Also die Dinge, die zur Linderung des Schmerzes beitragen können. Bei den einen hilft Wasser oder Eis, bei den anderen helfen fetthaltige Lebensmittel wie Öl, Joghurt, Quark oder Milch. Aber das variiert von Mittel zu Mittel. Und mit dem falschen Gegenmittel kann man es auch schlimmer machen.

Informiert euch also und habt alles parat ehe ihr anfangt. Wenn es erst einmal brennt, dann wird euch Sub dankbar sein, dass ihr nicht erst noch zum Supermarkt fahren müsst.

Mit Tunnelspielen kann man also sehr schnell in Grenzbereiche von BDSM kommen. Informiert auch vorher genauestens über die Wirkungsweise, mögliche Allergien oder Unverträglichkeiten und die „Gegenmittel“. Und dann fangt langsam an. Denkt daran, es zu fester Schlag tut kurz weh und kann dennoch schon viel kaputt machen. Stellt euch das einmal bei einer Wirkung vor, die ihr nicht beenden könnt und die noch stundenlang unangenehme Nachwirkungen hat. Da kann das Vertrauen zwischen Dom und Sub sehr schnell irreparablen Schaden nehmen.

Und um das auch gesagt zu haben: mit Tunnelspiele verlässt man eindeutig den Bereich von SSC und begibt sich in den Bereich RACK.

Nichtsdestotrotz sind Tunnelspiele natürlich spannend und ich wäre sehr neugierig, welche Mittel ihr dafür schon eingesetzt habt. Oben erwähnte oder ganz andere? Lasst uns gerne teilhaben.

Erniedrigung: Ein weites Feld

Erniedrigung ist für mich im Kontext von BDSM ein besonders spannendes Thema. Daher habe ich mich auch bereits in einem meiner ersten Beiträge damit befasst. Da es aber ein so umfangreiches und komplexes Thema ist, möchte ich noch einmal darauf zurückkommen. Vermutlich ist es aber für ein besseres Verständnis der Thematik sinnvoll auch den ersten Artikel zu lesen.

Erniedrigung im Kontext von BDSM ist das Spiel mit Dingen, die man nicht wirklich mag. Die jenseits des Wohlfühlbereichs liegen. Bei denen man es aber genießt und erregend findet, wenn man dazu gebracht wird sie zu tun. Oder wenn andere sie mit einem tun.

Und um auch das noch einmal klar zu sagen: es ist völlig ok, ich wiederhole VÖLLIG OK auf Erniedrigung zu stehen. Ihr tut damit niemandem weh, es macht den beteiligten Spaß und erregt sie. Also was soll falsch daran sein?

Was ist nun Erniedrigung genau? Das können für die Einen vergleichsweise klein wirkende Dinge sein, wie sich selber dem Dom gegenüber als „Hure“ oder „Fotze“ bezeichnen zu müssen. Das können aber auch ganz andere Handlungen sein, wie beispielsweise „Forced Bi„, also „erzwungene“ sexuelle Handlungen mit dem eigenen Geschlecht. Und die eben nicht aus der eigenen Neigung heraus, sondern in dem Fall als Erniedrigung, weil man eben selber eigentlich nicht darauf steht. Der Reiz ist in dem Fall eben, zu etwas „gezwungen“ zu werden, auf das man nicht steht, das als erniedrigend zu empfinden und DARAUS den sexuellen Kick zu ziehen.

Klingt kompliziert? Ist es manchmal auch. Aber wenn man den Dreh verstanden hat und gut darüber kommuniziert, dann wird es auch wieder ganz einfach.

Erniedrigung ist also wie erwähnt ein weites Feld. Aber eines zeigen uns die beiden oben erwähnten Beispiele. Erniedrigung kann sowohl in den ganz kleinen, als auch in den spektakuläreren Dingen liegen.

Zwei absolute Klassiker der Erniedrigung sind Ohrfeigen und Anspucken. Beides ist geschichtlich gesehen schon immer als Erniedrigung eingesetzt worden und diente dann nicht selten als Anlass für Duelle. Man kann also getrost von Klassikern sprechen. Und beides sind totale Tabubrüche.

Ohrfeigen greifen per Definition in unseren persönlichen Bereich ein, gehen ins Gesicht, was wir nur sehr ausgewählten Personen in unserem Leben erlauben.
Und jemanden anzuspucken ist sowieso ein Tabubruch. Wie alle Körperflüssigkeiten ist auch der Speichel mit Tabus behaftet und wird beim Küssen intim geteilt, ansonsten aber schön für sich behalten. Mit der Intention zu erniedrigen ins Gesicht oder auf andere Körperteile gespuckt, trifft es die meisten Menschen an sehr empfindlichen Stellen. Es drückt ohne den BDSM-Kontext Missachtung aus und rührt daher wie die Ohrfeige auch, ganz tief in uns.

Wo wir bei Körperflüssigkeiten sind: auch Natursekt wird von manchen als Erniedrigung gerne eingesetzt. Und auch Leute, die sonst nicht darauf stehen, können über den Weg der Erniedrigung einen Kick daraus ziehen.

Für nicht wenige Frauen ist es meiner Erfahrung nach auch schon eine Überwindung und eine kleine Erniedrigung die Beine zu öffnen und sich so zu zeigen. Sich dann anzufassen und vor den Augen des Dom zu befriedigen ist dann natürlich die logische Steigerung. Auch das oft eine sehr wirkungsvolle Mischung aus Erniedrigung und Erregung.

Ein weiteres Beispiel für eine eher subtile Erniedrigung kann Kleidung in der Öffentlichkeit sein. Sub ein Kleidungsstück in aller Öffentlichkeit und sei es nur beim Einkaufen tragen zu lassen. Kein provokantes oder auffallendes. Aber eines, dass Unwohlsein auslöst. Eine Farbe die als zu knallig oder einen Rock, der als zu kurz empfunden wird. Das muss ja objektiv gar nicht stimmen. Es kommt nur auf das persönliche Empfinden an. Das wird dafür sorgen, dass sich der Einkauf so anfühlt, als würden alle Sub anstarren. Als wäre Sub bloßgestellt. Das kann wieder eine sehr spannende Art der Erniedrigung sein.

Erniedrigung kann also in sehr vielem liegen. Auf allen Vieren gehen zu müssen oder aus dem Napf essen. Dinge, die den meisten bei dem Thema schnell einfallen. Wie erwähnt natürlich die verbale Erniedrigung. Aber auch in den ganz kleinen Dingen, die kaum jemandem auffallen. Dieser wiederum sind vielleicht erst ersichtlich, wenn man sich schon etwas kennt und so die Empfindlichkeiten besser einschätzen kann.

Scheut euch also nicht zu experimentieren und herauszufinden was funktioniert. Die Klassiker können sehr wirksam sein. Aber nicht alles was ein Klassiker ist muss auch gemacht werden. Manchmal sind die ganz individuellen Dinge besonders spannend. Die auf die nur ihr kommt, weil sie ganz persönlich sind.

Übrigens gibt es für manche noch eine spannende Metaebene. Manche finden es erniedrigend einzugestehen, dass Erniedrigung sie anmacht. Sie dann dazu zu bringen es zu sagen oder schlicht anhand der sexuellen Erregung vorzuführen „das macht dich an und ich weiß es“, kann auch wieder als Erniedrigung dienen. Ein Teufelskreis aus Erniedrigung und Erregung sozusagen.

Erniedrigung kann also extrem vielfältig sein. Sie kann im Bruch der Konventionen und in Tabubrüchen liegen. Genauso aber in den Dingen, die ganz persönlich und individuell als unangenehm empfunden werden. natürlich ist aber auch nicht jede Erniedrigung auch mit einem sexuellen Reiz verbunden. Auch nicht, wenn man sonst auf Erniedrigung steht.

Natürlich ist es ein heikles Thema. Es ist nicht leicht dem Gegenüber einzugestehen, dass man es erregend findet erniedrigt zu werden. Ich als Dom frage daher meist danach, um eine Brücke zu bauen. Redet darüber, probiert euch aus und steht dazu.

Und wenn ihr Beispiele kennt, die ihr ungewöhnlich findet, dann bin ich sehr neugierig. Schreibt sie gerne in die Kommentare.

Wie viel BDSM ist richtig?

Manche sperren ihre BDSM-Partner tagelang in Zellen oder Käfige. Andere wiederum leben BDSM nur in einzelnen Sessions für ein paar Stunden und das nur alle paar Wochen. Manche definieren ihren ganzen Alltag durch BDSM. Für andere ist es nur eine Spielart während des Sex.

Was ist nun richtig? Was ist echter BDSM und was vielleicht nur Mode?

Ok, ich kläre das gleich mal auf, auch auf die Gefahr hin, dass dann manche gar nicht weiter lesen. Es gibt kein richtig oder falsch. Oder zumindest keines, dass jemand von außen beurteilen sollte, könnte oder dürfte.

Richtig ist das, was die richtig finden, die es betrifft. Und natürlich das, womit man keinem schadet. Schadet man jemandem, ist es falsch.

Dennoch gibt es aber im BDSM immer die Frage „Mache ich das richtig?“.

Manche Leute lieben Spanking. Die treffen sich mit mehr oder minder Fremden zu Sessions und lassen sich auf deutsch gesagt den Arsch versohlen. Dann fahren sie wieder nach Hause und haben Sex mit dem Partner.

Wieder andere leben BDSM als Paar, vereinbaren gewisse Regeln und verstoßen dann absichtlich dagegen. Natürlich nur um dann die verdiente und gewünschte „Strafe“ zu bekommen.

Ich persönlich stelle gerne Regeln auf, erwarte dann aber auch die Einhaltung und bestrafe dann aber auch bei Zuwiderhandlung mit Dingen, die dem Gegenüber keinen Spaß machen, sondern sie wirklich bestrafen sollen. Mir als Dom stellen sich die Nackenhaar auf, wenn ich mir vorstelle, dass eine Sub absichtlich etwas falsch macht um „bestraft“ zu werden. Das widerspricht meiner Vorstellung von BDSM. Aber es ist eben nur meine Vorstellung. Und so wie ich BDSM so lebe, wie ich es möchte und mir Partnerinnen suche, die es genauso wollen. So darf das jede und jeder andere auch.

Aber ist irgendetwas davon richtig? Das ist eigentlich schon oben beantwortet. Für mich ist ein Treffen bei dem ich einer Sub den Arsch versohle, sonst nichts passiert und wir beide wieder gehen, falsch. Das ist für mich persönlich nicht genug BDSM. Weil es meiner Neigung einfach nicht entspricht. Für andere mag es genau richtig sein.

Für manche mag es auch genau richtig sein in Fetisch-Kleidung auf eine Party zu gehen und sich dort nur bewundern zu lassen. Zuhause finden nach Sex mit dem Partner statt. Auch Fetisch kann schließlich BDSM sein. Für mich wäre es zu wenig.

Dafür gibt es sicherlich genügend Leute sie sagen, Regeln aufstellen und bestrafen? Wo ist denn da der Spaß? Ich brauche Fetischpartys, öffentlichen Sex und schwere körperliche Strafen. Denen wiederum ist das zu wenig was ich auslebe.

Wie groß der Anteil an BDSM im Leben ist, ist also ganz individuell. Oft hängt es auch von den Lebensumständen ab, die aktuell nicht mehr zulassen. So wollen beide vielleicht den D/s-Anteil erhöhen und mehr Kontrolle in den Alltag integrieren, es ist aber schwer mit den Lebensumständen vereinbar. Daran muss man arbeiten.

Aber auch BDSM als Würze für das Sexleben und dann nur alle 14 Tage, kann in Ordnung sein. Wenn beide damit zufrieden und glücklich sind.

Ebenso wie das Modell, dass man jedes Wochenende auf irgendwelche BDSM-Partys in der Grand Opera oder im Catonium verbringt. Solche Leute sind nicht bessere BDSMer als andere.

BDSM ist vielfältig. So vielfältig wie die Menschen die es leben und deren Vorlieben. Es gibt das „richtige BDSM“ so wenig, wie es die eine richtige Pizza gibt. die Geschmäcker sind verschieden. Und genauso, wie ihr euch beim bestellen der Pizza von anderen nicht erklären lasst welche Pizza nun die eine richtige ist, die ihr bestellen müsst, verhält es sich auch mit BDSM.

Und auch ob ihre jede Woche Pizza esst oder nur einmal im Monat, ist genauso individuell wie die Häufigkeit in der ihr BDSM lebt. Aber wenn ihr mit einem Partner zusammen eine Pizza teilen wollt, dann muss sie auch beiden schmecken. Ob dann Sardellen oder Champignons oder nur Salami drauf sein soll, dass muss vorher geklärt werden.

BDSM ist also quasi Pizza. Nur mit weniger Käse. Naja. Nicht ganz. Aber ich denke, ich versteht, was gemeint ist.

BDSM 2.0

Regeln sind gerade für D/s zentral. Wenn beide Spaß daran haben und Lust daraus ziehen, dann kann man mit Regeln, die Sub vorgegeben werden, eine ganze Menge Freude haben.

In früheren Artikeln wie Regeln sind wichtig und Klassische Gebote und Verbote habe ich schon darüber geschrieben und ein paar Beispiele gegeben. Aber einen spannenden Aspekt habe ich bisher noch nicht beleuchtet: welche Möglichkeiten bietet die moderne und digitale Welt?

Wie kann man also mit Hilfe von Computer oder Handy Sub kontrollieren? Oder auch: wie kann man die Nutzung dieser Geräte kontrollieren?

Da bieten sich viele neue Möglichkeiten. Manche sind vielleicht erschreckend und wirken recht extrem, da sie tief in die persönliche Freiheit des Gegenüber eingreifen. Ich muss es nicht, betone aber noch einmal, dass diese Spielarten nur dann in Ordnung sind, wenn beide das wollen. Es handelt sich hier um Spielarten von D/s, die Kontrolle und Macht über den Partner ausüben. Das sollen sie auch. Weil beide Lust daraus ziehen. Einseitig betrieben wären es krasse Übergriffe.

Fangen wir an mit den Möglichkeiten, den Aufenthaltsort zu kontrollieren. Eine Möglichkeit dafür sind Apps, mit denen man den Standort übermitteln kann. So kann immer auf Anfrage eine GPS-Information angefordert und gesendet werden. Auf einer Karte sieht man dann, wo sich das Gegenüber befindet.

Diese Funktion bringen manche Chat-Apps mit sich, aber auch spezielle GPS-Tracking-Apps.

Ein weiteres Stichwort ist „Geofencing„. Mit dieser Funktion können Bereiche und Orte festgelegt werden. Also sozusagen Zäune (englisch: Fences) gezogen werden. Betritt oder verlässt das Gegenüber einen dieser Bereiche, wird man sofort informiert. Soll Sub also zu Hause bleiben oder nicht in eine bestimme Bar gehen, dann kann das leicht überwacht werden.

Natürlich kann das einfach „ausgetrickst“ werden, indem man das Handy liegen lässt. Aber es geht ja auch nicht um wirkliche Überwachung, sondern um Möglichkeiten und Varianten einer freiwilligen Spielart.

Manche der oben erwähnten Apps bringen auch viel weitergehende Möglichkeiten der Kontrolle mit sich. Das Stichwort ist da: „Parental Control„, also „elterliche Kontrolle“. Unter diesem Stichwort finden sich diverse Möglichkeiten. Chats können mitgelesen, der Browserverlauf geprüft und Kontakte sowie Kalender angeschaut werden.

Da wird es dann schon extrem. Aber wer sich dafür entscheiden möchte, der findet da sicher Möglichkeiten.

Eine Möglichkeit, aus der Entfernung auf einen Rechner zuzugreifen und sich dort umzusehen, ist Software zur Fernwartung. Damit kann man auch vom anderen Ende der Welt auf dem Zielrechner arbeiten, EMails lesen, den Browserverlauf prüfen und überhaupt alles Mögliche machen.

Sowohl Windows als auch die Handy-Betriebssysteme iOS und Android bieten auch die Möglichkeit, die Nutzungszeit einzuschränken. So kann das Handy oder der Laptop dann beispielsweise nach 20 Uhr nicht mehr benutzt werden. Inwiefern man sich dabei ins eigene Fleisch schneidet, wenn man nicht mehr miteinander schreiben kann, muss jeder selber wissen.

Es können aber auch Nutzungszeiten für bestimmte Apps eingestellt werden. So kann man beispielsweise die Nutzung der Facebook-App oder Instragram nur zu bestimmten Zeiten gestatten und sonst sperren.

Wesentlich harmloser ist die Variante, dass man regelmäßige Nachrichten vereinbart. Jeden Morgen und/oder jeden Abend haben zu bestimmten Uhrzeiten Nachrichten als Statusmeldung zu erfolgen. Am einfachsten hier natürlich über die Chat-App der Wahl.

Und eine ganz praktische Möglichkeit, um Aufgaben und zu stellen oder auch erfüllte Aufgaben abzuhaken, sind Apps in denen man Listen erstellen und teilen kann. So kann man gemeinsame Listen führen, in die der eine Partner Aufgaben einträgt. Diese erscheinen dann beim Gegenüber in der App und können dort nach Erfüllung abgehakt werden.

So weiß Dom in dem Fall genau dass und wann die Aufgabe erledigt wurde und Sub kann sie nicht so leicht vergessen.

Das sind einige Möglichkeiten. Sicher gibt es noch viele andere und ich bin neugierig auf euren Input. Nutzt ihr solche Möglichkeiten? Wenn ja, wie? Auf kreative Vorschläge oder auch Tipps für weitere Apps bin ich sehr neugierig.

Bewusst nenne ich hier keine konkreten Namen. Ich habe keine Lust, Werbung zu machen. Unter den gefetteten Stichworten findet ihr sicher die passenden Programme.

Und nochmal, es geht hier nicht um Stalking oder ungewollte Überwachung. Wer so etwas heimlich macht und ohne Wissen des Gegenübers, der macht sich höchstwahrscheinlich strafbar.

Es geht um etwas, das erwachsene Menschen freiwillig tun, weil sie Spaß und Lust daran haben.

Und wenn euch die Möglichkeiten der Überwachung, gerade über das Handy, erschrecken, dann habt ihr sicher Recht. Aber das ist dann kein Problem von BDSM, sondern ein gesellschaftliches. Eines, über das es sicher auch lohnt nachzudenken. Aber auch eines, für das dieser spezielle Blog nicht geeignet ist.

Klassische Gebote und Verbote

„Welche Anweisungen oder Regeln soll ich denn meiner Sub geben?“ lautete die Frage, die mich über Tellonym erreichte.

Puh, was soll ich sagen? Kurz eigentlich nur: das, was dir und euch Spaß macht und worauf ihr Lust habt. Tobt euch aus, seid kreativ und findet heraus, was euch kickt. Erforscht und formt euer eigenes BDSM.

ABER, die Frage hat mich dann doch zum nachdenken gebracht. Und ja, es gibt sie natürlich: die Klassiker im BDSM. Regeln, die sich lange bewährt haben, die beliebt sind und gerne benutzt werden.

Also warum nicht mal versuchen, einen kleinen Überblick zu geben? Die All-Time-Favorites sozusagen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit natürlich.

Für die, die sich fragen „Wieso überhaupt Regeln?“, verweise ich auf meinen Artikel „Regeln sind wichtig„. Dort habe ich zu diesem Thema einiges erklärt.

Wie in besagtem Artikel angesprochen ist ein Klassiker natürlich alles, was mit Kleidungsvorschriften zu tun hat. Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Keine Slips tragen, keine BHs tragen, nur Netzstrümpfe, nur Slips bestimmter Farbe oder Materialien tragen, nur Hose, nur Röcke, nur Kleider etc. Denkt euch aus, was ihr mögt und was euch gefällt. Und dann formuliert daraus eine Regel. Zu beachten ist hier nur das, was für alle diese Regeln gilt. Sie müssen umsetzbar sein und sie müssen durchgesetzt werden. Denn sonst entsteht schnell Frust.

Eine weitere Regel kann sein, dass Sub Dom nicht ansprechen und/oder überhaupt nur nach Erlaubnis reden darf. Das kann eine wunderbare Form der Reglementierung sein. Es kann dazu dienen ein normales Zusammensein besonders prickelnd zu machen. Allerdings ist hier natürlich Vorsicht geboten. Erstens macht es naturgemäß die Kommunikation schwer bis unmöglich. Das muss man beachten und wollen. Und je nach Persönlichkeit kann es sehr einschüchtern. Wer von sich aus nicht sehr kommunikativ ist, der wird dadurch womöglich endgültig verstummen.

Ähnliches kann man natürlich auch mit einer Variante umsetzen. Sub darf dann Dom nicht direkt anschauen, muss den Blick gesenkt halten. Auch das kann man, wie gesagt, machen. Auch das ist natürlich belastend für die zwischenmenschliche Beziehung und muss dosiert eingesetzt werden.

Sehr beliebt ist auch die Regel, dass Sub sich für Züchtigungen bedanken muss. Als Erniedrigung kann das sehr wirkungsvoll sein. Je nachdem wie hart die Strafe empfunden wurde, wird es noch schlimmer, wenn man sich dafür auch noch bedanken muss.

Besonders spannend wird es natürlich bei der Kontrolle der Sexualität. Wenn Dom diese übernimmt, dann kann die Regel oder besser das Verbot sich zu befriedigen genau richtig sein. Wie bei allen Regeln ist hier natürlich die Möglichkeit Fehlverhalten mit Strafe zu ahnden vorhanden und vielleicht verlockend. Aber wie bei allen Regeln sollte man aufpassen und der Versuchung nicht nachgeben. Regeln sollten ernst gemeint sein und nicht als Vorwand dienen.

Ebenfalls sexuell sind Regeln, die beispielsweise trainieren sollen. Ein Klassiker ist dabei das Training mit einem Plug. Der kann nach genauen Vorgaben regelmäßig tagsüber und im Alltag getragen werden. Ebenso sind bei weiblichen Subs auch Liebeskugeln möglich. Beides kann zur Stimulation und zum Training der Muskulatur verwendet werden. Plugs können da eben benutzt werden um zu dehnen und so anal besser zugänglich zu sein.

Auch die Anrede kann in Regeln gegossen und so genutzt werden um den Umgang miteinander zu regeln. Sowohl Titel wie Herrin, Herr, Master, Mistress oder auch Daddy sind denkbar. Aber auch die Variante, den dominanten Part zu siezen, ist beliebt. Das müssen allerdings auch beide wollen, denn für viele fühlt sich das merkwürdig an.

Wie erwähnt kann das nur ein kleiner Einblick sein und wie ebenfalls erwähnt: seid kreativ. Überlegt euch selber, was für euch passt und was euch gefällt. Wer nicht so gerne selber kreativ ist, der kann sich natürlich hier bedienen. Wobei ich davon nichts erfunden habe. Vieles wird schon seit vielen Jahren abgeschaut. Beispielsweise auch aus Büchern, wie zum Beispiel „Die Geschichte der O„. Auch das ist ok. Niemand muss sich schämen, weil er etwas nachmacht, das irgendwo aufgeschrieben ist. Allerdings sollte man eben auch nichts kritiklos nachmachen. Es muss eben auch zu einem selber, zum Partner und zur Situation passen.

Um auf das konkrete Beispiel des oben erwähnten Romans einzugehen, kann man ja auch nicht erwarten, als Sub in einem Schloss gefangen gehalten und benutzt zu werden, wenn der Partner in einer Zwei-Zimmer-Wohnung lebt. Alles muss eben zu denen passen, die es leben. Wenn das der Fall ist, dann wird es schon gut gehen. Und wenn sich herausstellt, dass es nicht so passt, dann kann man gemeinsam die Regeln ändern. Das kann einem keiner verbieten.

Tabu Ohrfeige

Für die einen ist sie eine unglaubliche Grenzverletzung, für die anderen der totale Kick.

Wilhelm Busch hat sie so beschrieben:

Hier strotzt die Backe voller Saft;
Da hängt die Hand, gefüllt mit Kraft.
Die Kraft, infolge der Erregung,
Verwandelt sich in Schwungbewegung.
Bewegung, die in schnellem Blitze
Zur Backe eilt, wird hier zu Hitze.
Die Hitze aber, durch Entzündung
Der Nerven, brennt als Schmerzempfindung
Bis in den tiefsten Seelenkern,
Und dies Gefühl hat keiner gern.

Ohrfeige heißt man diese Handlung,
Der Forscher nennt es Kraftverwandlung.

Die Ohrfeige also. Aber warum ist sie so ein heikles Thema?

Jeder Mensch hat eine intime Zone. Die hat nichts mit Geschlechtsteilen oder Sex zu tun. Jeder Mensch hat um sich herum einen Bereich, in dem er oder sie nur Menschen duldet, die einem nahe stehen.

Das können nur wenige Zentimeter sein. Aber wer in diesen Bereich eindringt, der wird eben als solcher empfunden: als ungewollter Eindringling.

Daher mögen es die wenigsten Menschen beispielsweise von Fremden im Gesicht berührt zu werden. Das empfinden wir als übergriffig. Und das auch zurecht. Wenn diese Hand im Gesicht nun aber sogar zuschlägt? Dann ist das für viele eben die ultimative Grenzverletzung.

Schon Kinder empfinden es instinktiv als erniedrigend wenn sie geohrfeigt werden. In viele Kulturen gilt die Ohrfeige als schwere Verletzung der „Ehre“. Und auch in unserer Kultur spricht man in besonders heftigen Situationen von einer „verbalen Ohrfeige“ oder dass man sich „wie geohrfeigt“ fühlt.

Eine Ohrfeige dient also wunderbar als Erniedrigung. Denn sie dringt in unsere intime Zone ein. Und genau das macht die Ohrfeige im BDSM-Kontext so spannend. Sie überschreitet Grenzen die für viel unverhandelbar sind. Und Tabus zu verletzen ist ja in diesen speziellen Praktiken genau der Kick.

Neben anderen Praktiken wie beispielsweise Anspucken ist eine Ohrfeige eine extreme Erniedrigung. So wird sie verstanden und so wird sie eingesetzt. Und genau das macht ihren polarisierenden Reiz aus. Denn für viele Menschen ist genau diese Erniedrigung ein Schritt zu weit. Für machen sogar mehrere Schritte.

Also sollte man extrem vorsichtig sein, wenn man dieses Mittel anwendet. Wie eigentlich immer, sollte man sich vorher absprechen und klären, ob es in Ordnung ist oder tabu. Denn mit dieser Praktik kann man wie mit kaum einer anderen alte emotionale Wunden aufreißen.

Niemals sollte man Ohrfeigen einsetzen um Schmerzen zuzufügen. Dafür ist sie meiner Ansicht nach das vollkommen verkehrte Mittel. Sicher tun Ohrfeigen auch weh. Aber um das zu erreichen gibt es wesentlich weniger heikle Methoden.

Wenn Dom ins Gesicht schlägt, sollte er oder sie sich immer klar sein, dass ehe eine Ohrfeige körperlich weh tut, sie schon emotional und seelisch getroffen hat. Auch die sanfteste Ohrfeige trifft schon im Inneren.

Ich persönlich liebe Ohrfeigen einzusetzen. Gerade, weil sie im Grenzbereich liegen. Ich liebe die Mischung aus Empörung und Erregung die sich im Gesicht der Sub spiegelt. Eine Ohrfeige wird nie langweilig und nie normal. Zumindest ist mir das noch nicht passiert. Schläge auf den Arsch oder Fixierungen können sich abnutzen. Eine Ohrfeige nicht so bald.

Ich kann also jeden verstehen, den das reizt. Aber auch hier gilt es natürlich die Risiken zu beachten. Neben den bereits angesprochenen emotionalen Risiken gibt es auch die gesundheitlichen.

Schnell geht ein Schlag daneben und trifft beispielsweise das Ohr oder den Kiefer. gerade beim Ohr kann durch den Schlag ein Überdruck im Ohr entstehen und im Extremfall das Trommelfell reißen.

Bei extremen Ohrfeigen drohen sogar Schädel-Hirn-Traumata. Also Achtung. Neben den heiklen emotionalen Folgen drohen wie bei allen „Gewalteinwirkungen“ auf den Kopf auch schwere gesundheitliche Folgen

Wie erwähnt bin ich der Letzte, der die Ohrfeige deswegen ablehnt. Aber sie ist eben mit Vorsicht zu genießen.

Und an die Subs da draußen. Gerade bei Ohrfeigen gilt, wenn ein Dom euch aus Wut schlägt: geht. Lauft weg. Das ist nicht verhandelbar. Ein Schlag auf den Arsch aus Wut heraus ist schon ein schlechtes Zeichen. Ein Schlag ins Gesicht sollte für jeden ein No-Go sein.

Uns allen sollte klar sein, dass wir beim BDSM oft mit dem Feuer spielen. Und das was am ehesten an Grenzen und Tabus kratzt, ist oft am spannendsten. Ihr könnt damit spielen, aber eben nur mit Umsicht und Vorsicht.

Wie erkennt man einen guten Dom?

Nachdem man sich eingestanden hat auf BDSM zu stehen und einigermaßen heraus gefunden hat was einem gefällt, kommt der einfache Part: ein Gegenüber zu finden, das passt und bei dem man als Sub gut aufgehoben ist.

Das sollte aber eigentlich einfach sein. Denn so gut wie jeder Dom sagt von sich, er sei ein guter Dom. Ich sage das von mir auch. Wo ist also das Problem? Fall geklärt.

Ok, ihr könnt wieder aufhören zu lachen. Denn einfach ist das tatsächlich leider gar nicht. Daher will ich mich heute damit beschäftigen, wie man einen guten Dom erkennt.

Zuerst sollten wir darüber reden was ich mit einem „guten Dom“ meine. Ich meine niemanden der eine bestimmte Anzahl von Praktiken beherrscht und Empfehlungsschreiben hat. Vielmehr geht es um den, der zur Neigung der Sub passt. Und um den Dom der auch menschlich zu euch passt. Andere Dinge wie Erfahrungsstand oder reichlich ausgestatteter Werkzeugkoffer sind nebensächlich.

Außerdem sollten wir noch einen Punkt klären. Ich weiß wie verlockend es ist, sich sofort in ein Treffen zu stürzen. Man hat eine neue Leidenschaft entdeckt und will sie ausleben. Vor allem, wenn man das Gefühl hat bisher viel verpasst zu haben.

Jeder soll das machen wie er oder sie mag. Warum nicht direkt am selben Tag oder am nächsten Wochenende treffen und loslegen? Das kann man machen und man kann mit Glück haben. Aber wenn man bei der Auswahl des Doms ein paar Tipps befolgt, dann minimiert man das Risiko und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass es toll wird.

Auf einige sonstige Vorsichtsmaßnahmen gehe ich ein andermal ein. Ein nicht zu unterschätzender Test bei einem Treffen ist aber das Covern. Darunter versteht man, dass man sich von denjenigem mit dem man sich trifft die Daten geben lässt und die bei einem Freund oder einer Freundin hinterlässt. Man kann auch ausmachen, sich noch einmal während des Treffens zu melden.

Ein guter Dom wird das auf jeden Fall akzeptieren und als Vorsichtsmaßnahme mitmachen. Wer sich da weigert, der ist mit Vorsicht zu genießen. Übrigens darf man sich auch als Dom covern lassen.

Und damit sind wir schon an einem ersten Punkt angelangt. Ein guter Dom wird nicht auf ein sofortiges und übereiltes Treffen drängen. Zwei Nachrichten gewechselt und los geht es? Das wäre für mich ein Alarmzeichen. Es sei denn, beide Seiten wissen schon sehr gut was sie wollen und bekommen.

Ein guter Dom stellt Fragen. Und zwar nicht „Bist Du rasiert?“, „Welche BH-Größe hast Du?“ und „Machst Du Anal?“. Sondern die richtigen Fragen. Nach euren Vorstellungen, euren Erfahrungen, euren Wünschen und Ängsten. Außerdem hört er zu und stellt auf Grundlage eurer Antworten neue Fragen. So lernt er eure Fantasien und Bedürfnisse kennen.

Auch die Frage nach Tabus ist extrem wichtig. Also nach Dingen, die man unter keinen Umständen möchte und die auf keinen Fall passieren sollen. Tabus sind gerade für Anfänger oft schwer zu definieren. Aber danach zu fragen sollte Standard sein.

Ebenso Standard sollte es sein, die Benutzung eines Safewords anzubieten. Also eines Wortes, dass Sub auch in der wildesten Action sagen kann um damit sofort alles abzubrechen.

Ein guter Dom beantwortet euch auch eure Fragen. Er gewährt euch Einblicke in seine Vorstellungen und das was er gerne mag und worauf er ungerne verzichten würde.

Ein guter Dom kann sich einfühlen und vermittelt euch damit ein Gefühl von Sicherheit.

Dennoch ist ein guter Dom ganz sicher kein Wunscherfüller. Er hat seine eigenen Vorstellungen und ist bereit und in der Lage diese auch durchzusetzen. Aber ohne dabei euch als Menschen und das was ihr vereinbart habt aus den Augen zu verlieren.

Ein guter Dom ist also auf meiner Sicht vor allem kommunikativ. Sicher kann man vieles auch intuitiv richtig machen und dabei lange Glück haben. Aber wenn man miteinander redet, dann minimiert man eben das Risiko doch mal daneben zu legen.

Übrigens darf ein Dom auch lachen. Doch. Wirklich. Muss er nicht, ist aber dann kein Minuspunkt.

Es ist auch wichtig, dass ein Dom etwas Fantasie zeigt. Vielleicht ist das am Anfang noch egal. Aber spätestens bei der zweiten oder dritten Wiederholung wird euch auffallen, dass Abwechslung nicht zu unterschätzen ist.

Wenn ihr euch dann trefft entscheidet sich natürlich alles. Ob es dann der für euch passende Dom ist entscheidet sowieso der Bauch. Oder manchmal auch andere Körperregionen. Das müsst ihr dann selber wissen. Ein Blick oder eine Geste kann da schon eine Menge aussagen und bewirken.

Wenn es dann wirklich zur Sache kommt, werden aus meiner Sicht noch andere Dinge entscheidend wichtig.

Ein guter Dom schlägt oder bestraft nicht aus Wut. Wer jähzornig ist und so die Kontrolle verliert, der kann euch wirklich körperlich gefährlich werden. Also achtet darauf. Überhaupt sollte ein guter Dom nicht die Kontrolle verlieren. Um euch auf Dauer aufgehoben fühlen zu können braucht ihr das Gefühl, dass Dom weiß was er tut. Und auch wann er etwas nicht tut. Ein Dom der sich aus Lust, Wut oder anderen Gefühlen zu Dingen hinreißen lässt, die nicht vereinbart waren oder allgemein unvernünftig sind, der bringt euch immer wieder in Gefahr. Finger weg.

Ein guter Dom achtet auch auf Hygiene. So wird er speziell Spielzeuge die eingeführt werden immer mit Kondom nutzen und benutzte Spielzeuge reinigen und sofern möglich desinfizieren.

Achtet auf euer Bauchgefühl bei der Auswahl eines Doms. Nehmt nicht zwingend den, der am meisten verspricht, am nächsten dran wohnt oder einfach am geilsten aussieht. Andere Kriterien können für euren Lustgewinn wesentlich wichtiger sein. BDSM ist geil und macht Spaß, es kann dabei aber auch viel schief gehen. Davor sollte man keine Angst haben, aber Respekt. Daher minimiert das Risiko und wählt weise.

Nichts von alledem muss man befolgen. Jeder darf und kann auch mit dem Feuer spielen und sagen „Ich liebe die Gefahr“. Wer aber gerade für die ersten Schritte im BDSM eine Auswahl treffen will, der ist mit diesen Tipps sicher besser bedient, als mit einem spontanen Hoteldate mit einem Fremden.

Also Augen auf bei der Dom-Wahl.

Kreative Strafen

RUF – MICH – AN!

Wir alle kennen diese oder ähnliche Werbung. Und sie deutet an, dass man von der bösen Frau heftig „bestraft“ wird, wenn man ihrer Anweisung nicht folgt. So sehen viele Menschen BDSM oder in ihren Augen SM: Leder, Peitsche, draufhauen.

Ein Klischee. Und auch dass Strafen immer mit Schmerzen oder konkret mit Schlägen gleichzusetzen sind ist so ein Klischee. Eines, dass auch unter Leuten die BDSM leben weit verbreitet ist.

Dass nicht jeder auf das Spiel mit Regeln, Gehorsam und Strafen steht ist klar. Aber für die, die das mögen, kommt der Moment wo man bestrafen muss um konsequent zu bleiben. Und dann fällt sehr vielen nichts anderes ein, als zuzuschlagen. Das kann ja durchaus ein probates Mittel sein. Es kann.

Aber was, wenn das langweilig wird? Oder was, wenn Sub masochistisch ist und Schläge beispielsweise liebt? Wenn man konsequent in der Thematik bleiben will, dann kann ja eine Strafe nicht aus etwas bestehen, dass Sub eigentlich mag. Die Folge wäre, dass Sub absichtlich Regeln verletzt um „bestraft“ zu werden. Und spätestens dann wird es absurd. Dann kann man gleich vereinbaren: „versohl mir doch bitte den Arsch„.

Also können und sollten Strafen nicht ausschließlich aus Schmerzen bzw. Schlägen bestehen. Was aber dann?

Da gilt, was immer gilt: seid kreativ. Denn Strafe kann alles sein, was weh tut. Und das muss ja kein körperlicher Schmerz sein. Im Gegenteil. Der andere Schmerz ist oft viel wirkungsvoller. Und wirken soll die Strafe ja. Sonst kann man sie wie gesagt gleich sein lassen.

Um wieder ein plastisches Beispiel zu geben: wenn ihr zu schnell oder bei Rot über die Ampel fahrt, dann ist der Führerschein schnell mal für einen Monat weg. Das tut weh und das soll es auch. Es soll bewirken, dass ihr an der nächsten roten Ampel anhaltet. Das ist der Lerneffekt. Und so soll das mit den Strafen bei BDSM eben auch wirken.

Was tut aber weh? Tja, das ist eben ganz individuell. Und so sollte man auch strafen. Straft so, dass es Sub weh tut. Nicht irgendjemandem, nicht euch, nicht einer Sub von vor zehn Jahren. Seid kreativ und findet Dinge, die Sub ganz konkret treffen,

Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Die Grenzen setzt nur ihr selber, wenn ihr miteinander vereinbart, dass gewisse Dinge tabu sind.

Und jetzt das, worauf ihr doch alle wartet: Beispiele!

Also ein paar mögliche Strafen, immer unter der Voraussetzung, dass es nicht gegen vereinbarte Tabus verstößt. Zum Beispiel, weil man manche Lebensbereiche von BDSM ausschließen will.

  • Nachts nicht im Bett schlafen dürfen, sondern auf dem Boden davor.
  • Nicht ausgehen dürfen.
  • Ausgehen dürfen, dabei aber keinen Alkohol trinken dürfen.
  • Kein Nachtisch.
  • Das Frühstücksmüsli nicht am Tisch, sondern unter dem Tisch aus einem Napf essen.
  • Bei gemeinsamen Abenden nicht auf der Couch, sondern auf dem Boden sitzen müssen.
  • Sich intim nicht rasieren und/oder nicht waschen dürfen.
  • Verbot das Hobby auszuüben.
  • Netflixverbot.
  • Orgasmusverbot.

Bei allen Verboten kann die Dauer natürlich variieren.

Was von diesen Beispielen Wirkung zeigt und was nicht, ob überhaupt etwas, das kommt eben sehr auf die handelnden Personen an. Es sollen auch nur Beispiel sein. Denkt euch selber etwas aus. Etwas, dass Sub weh tut und für das sorgt, was Strafen bewirken sollen: nächstes Mal halte ich mich an die Regel.

Habt ihr eigene Ideen? Dinge die ihr als Strafe einsetzt oder Strafen die euch mal da getroffen haben wo es weh tut? Dann postet sie doch gerne in die Kommentare. Ich bin gespannt.