Verleihen, Vorführen und Fremdbenutzen

Sie ist fast nackt. Sie trägt nur die Dessous, die ihr Herr ihr bereit gelegt hat. Nun legt er seine Hand zwischen ihre Schulterblätter, spricht ihr leise Mut zu und führt sie in den Raum. In den Raum von dem sie weiß, dass dort mehrere Herren auf sie warten. Herren, die heute Abend mit ihr tun werden, wonach ihnen ist.

So oder so ähnlich fängt eine besonders beliebte Fantasie im BDSM an. Der Herr führt seine Sub anderen Herren vor oder führt sie ihnen gar zur Benutzung zu. Der Herr wacht darüber, dass alles im vereinbarten Rahmen bleibt und die Sub gibt sich hin.

Was ist aber dran an dieser Fantasie? Warum ist sie so beliebt? Und ist es überhaupt in Ordnung, so eine Fantasie zu haben?

Offenbar ist die Fantasie in der Konstellation männlicher Dom und weibliche Sub verbreiteter, als umgekehrt. Warum das so ist, darüber kann ich aber auch nur spekulieren. Daher spreche ich hier der Einfachheit halber von männlichen Doms und weiblichen Subs.

Zuerst einmal zur dritten Frage: ist es in Ordnung, so eine Fantasie zu haben? Und da frage ich wie immer zurück: warum denn nicht? Wem schadet man denn damit? Alle Fantasien sind in Ordnung, die keinem schaden. Wenn man sie ausleben kann und damit keinem weh tut, warum dann nicht? Wenn allen Beteiligten klar ist, woran sie da gerade teilnehmen, dann ist das auch völlig ok.

Wie immer gilt natürlich besonders hier, dass man auf die Gesundheit aller Beteiligten achten muss. Daher sollte hier Schutz selbstverständlich sein. Manchen nimmt das den Spaß gerade an dieser Fantasie. Aber niemand möchte ja russisches Roulette spielen.

Was ist also dran an der Fantasie? Was macht sie so beliebt? Vor allem, was macht sie bei beiden Seiten so beliebt?

Ich denke, für den dominanten Mann ist es einfach eine Form von Macht, die er sonst nicht ausleben und spüren kann. Darüber zu bestimmen, wer seine Sub und/oder Partnerin anfassen, anschauen oder gar sexuell benutzen darf, ist eben sehr selten. Es ist etwas, das ganz tief rührt.

Auf der einen Seite ist es ein „Besitzerstolz“: „Schaut her, das ist meine. Ihr dürft nur schauen, aber ich, ich darf alles mit ihr. Sogar sie euch so präsentieren.“ Damit erhebt man sich über die anderen Beteiligten.

Außerdem ist es die Macht über die Sub. Denn der Dom bestimmt in der Situation so weitgehend, wie es kaum anders möglich ist. Er bestimmt, was mit ihr geschieht und wer etwas mit ihr tun darf. So weit geht Macht über die Sub selten.

Vermutlich spielt sogar noch diese alte Idee rein, dass der die Macht hat, der penetriert. Und wer penetriert wird, ist unterlegen. Dass das in einer emanzipierten Welt nicht stimmt und auch Männer sich penetrieren lassen können ohne an Achtung zu verlieren lassen wir mal Beiseite.

Aber wenn wir diese Idee mit in Betracht ziehen, dann ist natürlich auch der Akt, die Sub penetrieren zu lassen eine Machtausübung. Noch dazu, wenn es durch ihr fremde Mitspieler geschieht. Das erhöht noch den Reiz, erhöht die Auslieferung.

Und da kommen wir auch zu dem Punkt, worin der Reiz für die Sub liegt. Es ist eine Form des absoluten Kontrollverlusts. Aber in einer sicheren Form, denn es passt ja jemand auf. Es passt der Mensch auf, dem sie vertraut und in dessen Hände sie sich gegeben hat. Also ist es ein absoluter Kontrollverlust mit absoluter Sicherheit. Etwas, das eigentlich unmöglich ist.

Selten kann man sich als weibliche Sub wohl umfassend in fremde Hände begeben.

Noch dazu ist es die Erfüllung einer Fantasie, die so verbreitet ist, dass sie fast schon ein Klischee ist: Sex mit einem Fremden. Sicher eine der beliebtesten weiblichen Sexfantasien.

In dieser Variante lässt sie sich ausleben, ohne die Risiken, die andere (Solo-)Varianten mit sich bringen.

Aber auch der Stolz des Doms spielt eine Rolle. Denn so wie es den Dom kickt, stolz seine Sub vorzuzeigen und zu präsentieren, so kann es auch für die Sub ein Kick sein, so stolz vorgeführt und präsentiert zu werden. Dieser Punkt funktioniert in beide Richtungen gleichermaßen.

Auch das Gefühl der Macht funktioniert in beide Richtungen. In der Situation hat ihr Dom große Macht über sie und das berauscht sie ebenso wie ihn.

Diese Fantasie des Verleihens, Vorführens oder Fremdbenutzens kann also für beide ausgesprochen spannend und anregend sein. Es ist kein Wunder, dass sie sich ungebrochener Beliebtheit erfreut und es ganze Parties dazu gibt.

Aber einige Dinge sind zum Ende natürlich zu beachten. Den gesundheitlichen Aspekt habe ich erwähnt und man kann ihn nicht oft genug betonen. Aber auch andere Punkte sind wichtig. Ehe ihr so etwas macht: redet viel darüber. Sprecht euch ab, was ihr erwartet und was ihr auf keinen Fall wollt. In der Situation selber kann dazu keine Gelegenheit mehr sein. Also besprecht es vorher.

Seid euch auch klar darüber, dass das kein Kinderspiel ist. Der große Kick kommt hier daher, dass man mit dem Feuer spielt. Wenn ihr nicht sicher seid, wie ihr damit umgeht dass eure Sub mit anderen Männern Kontakt hat, dann redet lieber noch einmal darüber und überlegt es euch.

Genauso umgekehrt. Wenn ihr nicht sicher seid, wie ihr reagiert wenn euer Dom euch „einfach so“ anderen überlässt, dann redet noch einmal darüber. Vielleicht ist es dann für euch doch nicht das Richtige. Oder noch nicht das Richtige.

Und selbstverständlich: drängt niemanden dazu diese Spielart mitzumachen. Nur wenn beide sich der Risiken bewusst und bereit sind, sollte so etwas in Frage kommen.

5 Gedanken zu “Verleihen, Vorführen und Fremdbenutzen

  1. Da gibt es ja auch das „Problem“, daß männliche Subs/Bottoms für bestimmte Dinge nur einmal zur Verfügung stehen und danach eine längere Pause benötigen. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum die seltener vorgeführt/verliehen werden.

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  2. Ich als sehr softe Femdom habe diese Fantasie auch. Ich stelle mir gern vor, wie ich mein Pet einer gemischten Runde zur Verfügung stelle und selbst nur zuschaue, wie er bespielt wird. Leider teilt mein Pet diese Fantasie nicht. 😐

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    • Ich nehme an, dass es daran öfter scheitert. Ein Teil des Paares hat die Fantasie, der andere nicht. Ich glaube aber auch, dass dominante Frauen diese Fantasie seltener haben als devote Frauen.

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