Erniedrigung

Erniedrigung ist ein heikles Thema. Für viele gehört es zu BDSM, für manche ist es ein NoGo. Andere wiederum finden es reizvoll, haben aber Angst davor. Und vor allem, Erniedrigung hat einfach so wahnsinnig viel Gesichter. Was ist Erniedrigung im Kontext von BDSM? Wie also damit umgehen? Und was ist so oft das Problem?

Erniedrigung ist gefährlich, weil es etwas ist, dass an den empfindlichsten Stellen treffen soll. Und nicht wie Schläge an empfindlichen Stellen des Körpers. Das tut schon weh. Sondern die Erniedrigung soll an den empfindlichen Stellen der Seele treffen. Und da tut es erst richtig weh. Zumindest wenn man nicht aufpasst.

Erniedrigung muss weh tun. So wie Schläge weh tun müssen. Aber genau wie Schläge darf sie nicht so verletzen, dass Narben auf der Seele bleiben.

Es gibt in unserem Inneren den Bereich wo wir uns wohl fühlen, dann gibt es den Bereich jenseits der Grenze des Wohlfühlbereichs. Dort wird es unangenehm, aber noch nicht verletzend. Und dann kommt der Bereich wo wir verletzt werden. Und die Erniedrigung im BDSM muss genau dazwischen treffen. Also genau in den Bereich jenseits des Wohlfühlbereichs und bevor es verletzend wird.

Easy, oder? Natürlich nicht. Aber das wusstet ihr schon.

Dazu kommt aber eben noch, dass der Wohlfühlbereich bei jedem wo anders endet und die Verletzungen bei jedem wo anders anfangen. Jeder hat da seine ganz individuellen Empfindlichkeiten. Das macht es spannend aber auch schwierig.

Mein Lieblingsbeispiel: eine meiner Spielpartnerinnen fand es extrem erniedrigend wenn ich sie zwang auf der Toilette zu pinkeln während ich zusah. Geschweige denn woanders zu pinkeln wenn ich zusah. Das war bei ihr absolut schambesetzt. Später einmal erzählte ich das einer Frau mit der ich über Erniedrigung sprach. Die lachte und sagte „Ich habe zuhause drei Kinder. Ich war seit 15 Jahren nicht mehr alleine auf der Toilette.“
Die selbe Situation, zwei Frauen, zwei völlig unterschiedliche Wahrnehmungen.

Ein anderes Beispiel. Eine Spielpartnerin fand es erniedrigend, wenn ich sie als Schlampe bezeichnet habe. Das hat sie erniedrigt und gleichzeitig erregt. Die perfekte Kombination. Also habe ich das dann gerne getan. Wiederum eine andere war in ihrer Jugend von Klassenkameradinnen immer wieder als Schlampe beschimpft worden. Das Wort hat sie zutiefst verletzt. Also war es tabu. So unterschiedlich sind die Wahrnehmungen.

Damit kommen wir aber auch zu einem wichtigen Punkt. Es ist nicht wichtig was ich als Dom als erniedrigend empfinde. Es muss bei der Sub ankommen. Ihre Empfindlichkeiten sind entscheidend, denn auf ihre Reaktionen kommt es mir ja an. Es kickt mich nicht, dass ich etwas mit ihr tue oder zu ihr sage, was ich „schlimm“ finde. Sondern ihre Reaktion auf das was ich sage oder tue kickt mich. Wenn es ihr gleichgültig ist, dann löst es bei mir auch nichts aus. Und wenn es sie verletzt, dann empfinde ich keine Lust.

Ansonsten ist das Feld der Erniedrigung im Kontext von BDSM riesig groß. Es gibt die verbale Erniedrigung bei der es von den heftigsten Schimpfworten bis hin zu kleinen verbalen Dingen geht, die nur die Beteiligten verstehen. Pro-Tipp: Dabei ist es übrigens oft schlimmer Sub das wiederholen oder aussprechen zu lassen als was man sie bezeichnet, als wenn man es selber zu ihr sagt. 😉
Und es gibt die erniedrigenden Handlungen. Dinge die man mit Sub tut oder sie tun lässt. Ich höre als Feedback ihr wollt bei so etwas gerne Beispiele? Also gut. Ich habe Sub mal viel trinken lassen und sie dann raus geschickt. Aufgabe war, sich irgendwo im Freien einzunässen. Ich war bewusst nicht dabei, habe aber ein Beweisbild verlangt und sie natürlich erwartet. Als sie ankam musste sie sich vor mir ausziehen und ihre nassen Sachen vorzeigen. Sie durfte erst duschen, als ich es erlaubt habe.
Ja, nichts für Anfänger. Aber wir fanden es gut. Und das ist BDSM am Ende: die Beteiligten müssen es gut finden, nicht die Umwelt.

Wie schon hier drüben erwähnt, können Erniedrigungen auch als Strafe dienen. Auch das kann sehr spannend sein und dazu dienen, dass Sub das betreffende Vergehen nicht wiederholt.

Also noch einmal zusammengefasst: Erniedrigung ist extrem individuell. Erniedrigung muss weh tun, darf aber nicht verletzen. Und besonders bei Erniedrigung gilt: seid kreativ. Denkt euch etwas aus. Im Gegensatz zum Schlägen wo es begrenzte Körperregionen gibt auf die man schlagen kann, ist das Feld der Erniedrigung endlos.

11 Gedanken zu “Erniedrigung

  1. Ich habe den Beitrag jetzt noch einmal gelesen.
    Erniedrigung, also echte, als Strafe halte ich für sehr grenzwertig. Eine Strafe ist es ja nur, wenn sub das nicht will. Und das kann bei einer psychischen Strafe leicht einen dauerhaften Schaden hervorrufen.
    Ansonsten ein toller Beitrag.

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