Lust am Tabubruch

„Man darf doch andere nicht hauen!“. Das lernen wir schon in frühester Kindheit. Und wenn wir dann als Erwachsene aus sexueller Lust doch andere hauen und quälen? Dann ist das natürlich ein Tabubruch. Denn wir verstoßen gegen Dinge, die uns durch unsere Umgebung als „nicht ok“ vermittelt wurden. Und genau das macht einen nicht unerheblichen Teil des Reizes aus.

Was sind überhaupt Tabus oder „Meidungsgebote“ wie sie der Psychoanalytiker Hartmut Kraft nennt? Tabus sind Dinge, von denen uns unsere Prägung, unsere Umwelt, die Gesellschaft sagt, dass man sie nicht tut. Sie sind eine kulturelle Übereinkunft und nichts, was man irgendwo nachlesen kann.

Und Tabus sind immer im Wandel. Ganz hervorragend kann man das an Filmen sehe, die Skandale ausgelöst haben: Im Jahr 1951 war es ein riesiger Aufreger, dass die Schauspielerin Hildegard Knef im Film „Die Sünderin“ für ein paar Sekunden ihre nackte Brust zeigte. Einige Jahre später, im Jahr 1963 löste der Film „Das Schweigen“ einen Skandal aus, weil in ihm Sexszenen zu sehen waren.

Sowohl die nackt Brust von Frau Knef, als auch die Sexszenen wirken heute furchtbar altbacken. Jeder Schüler hat auf seinem Handy härteren Stoff. Damals aber waren es absolute Tabubrüche.

Was ein Tabu ist, ist also immer eine Frage der Zeit und der Gesellschaft in der man lebt.

Nach dieser Vorrede nun die Frage: Was haben Tabubrüche mit BDSM zu tun? Zuerst sei gesagt, wir reden hier natürlich von den oben erwähnten gesellschaftlichen Tabus. Nicht von den Tabus, die man in einer BDSM-Beziehung aufstellt um Praktiken zu benennen, die man nicht ausleben möchte.

Aus meiner Sicht besteht ein erheblicher Teil von BDSM und dem Reiz den er auf uns ausübt, aus Tabubrüchen. Angefangen bei dem oben erwähnten „Man darf doch andere nicht hauen!“. Im Alltag darf man andere nicht hauen. Im BDSM darf man es. Sogar noch „schlimmer“, man darf gehauen werden wollen. Beides ist ein Tabu.

Mir sagte neulich eine Frau, sie habe ihren Partner früher provoziert, weil sie wusste, dass er irgendwann ausrasten und sie schlagen würde. Und zwar nicht auf die gute Art. Sie hat sich lange gefragt, was mit ihr nicht stimmte, denn ein Teil von ihr genoss diese Schläge. Sie hielt sich für „gestört“. Irgendwann entdeckte sie BDSM und konnte das kanalisieren. Nun ist sie glücklich, weiß was immer fehlte und muss sich nicht mehr verprügeln lassen um zu bekommen was sie braucht.

Aber wo in der Gesellschaft kann man sagen „Ich mag es, wenn er mich schlägt und ich provoziere es sogar.“ So verzweifelt die Situation und so falsch alles daran war. Es zeigt uns, dass „geschlagen werden wollen“ ein Tabu ist. Und BDSM bricht damit.

Für viele kommt die Lust bei den Schlägen aus dem Wunsch Schmerzen zu spüren. Aber ein Teil des Kicks ist eben auch der Tabubruch. Das macht uns an.

Zu wissen man tut etwas Verbotenes kann dazu führen, dass man sich lebendig fühlt. Es ist aufregend, ein Kick, der Reiz des Verbotenen.

Ein weiteres und sehr starke Tabu sind Vergewaltigungsfantasien. Viele Frauen und Männer haben sie. Niemand will das im Normalfall wirklich erleben. Das ist klar. Aber dafür sind es ja Fantasien und da ist eigentlich alles erlaubt. Vor allem aber ist es eben ein Tabu. Keine Frau kann sich öffentlich bekennen und sagen „ach ja, mir vorzustellen vergewaltigt zu werden ist schon ganz geil“. Sie würde von ihren Mitmenschen mindestens schräg angesehen. Und so schämen sich auch viele für diese Fantasie.

Auch hier ist einer der Reize das Spiel mit dem Verbotenen und dem Tabubruch. Immer wieder schwingt die Frage hier mit: Darf man das wollen? Natürlich darf man. So lange alle freiwillig mitmachen und keinem geschadet wird, warum nicht?

Ähnliche Tabus sind Themen wie Anspucken, Natursekt, Ohrfeigen, Erniedrigung oder Prostitutionsfantasien etc.

Alles Praktiken, die man zu BDSM rechnet und die mit Sicherheit Tabus brechen. Dinge bei denen man bei Vanillas teils auf Fassungslosigkeit stößt und die Frage „Und das gefällt dir?“. Ja, tut es. Und ein Teil der Faszination kommt daher, weil wir um die fassungslosen Reaktionen wissen, die es auslösen würde, würden andere davon erfahren.

Mich persönlich kickt es immer wieder mit solchen Tabus zu brechen. Es erhöht den Reiz. Aber für viele Anfänger bedeutet es auch eine extrem hohe Hürde.

Da sind Selbtszweifel nicht selten. Das Gefühl etwas zu wollen, das nicht in Ordnung ist, womöglich sogar irgendwie krank.

Aber das ist Unsinn. Es gibt keinen Grund sich für Fantasien, Wünsche und Bedürfnisse zu schämen die einem gefallen und keinem schaden. Niemand schämt sich für seine Vorliebe für Erdbeereis. Warum auch? Warum sich also für sexuelle Vorlieben schämen?

Außerdem ist es wichtig zu erkennen, dass eben oft genau der Tabubruch den Reiz ausmacht. Nicht nur einmal habe ich von Menschen aus der Altenpflege gehört, dass Natursektspiele für sie so gar keinen Reiz haben. Klar. Wo es Alltag ist und zum Job gehört, ist der Reiz des Verbotenen weg. Mir erscheint das völlig logisch.

Wie so oft zum Schluss ein kleiner Aufruf und Versuch Mut zu machen. Macht euch wegen eurer Wünsche und Fantasien nicht verrückt. Mit ziemlicher Sicherheit seid ihr nicht die Einzigen. Und gerade die Dinge, die euch erschrecken üben einen besonderen Reiz aus. Akzeptiert eure Bedürfnisse und denkt darüber nach, was ihr davon ausleben wollt und was nicht. Sich dafür zu schämen ist jedenfalls weder eine Lösung noch notwendig.

Widerspruch BDSM und Feminismus?

BDSM und Feminismus. Feminismus und BDSM. Für viele sind das Gegensätze. Für andere nicht. In jedem Fall ist es ein heikles Thema.

Ich will hier gar nicht den radikalfeministischen Ansatz besprechen, nach dem BDSM per Definition frauenfeindlich ist. Nach diesem Ansatz ist auch Sex zwischen Mann und Frau an sich frauenfeindlich. Zumindest wenn ich das richtig verstanden habe.

Was mich aber umtreibt ist der Zwiespalt in dem eine Frau heutzutage steht, wenn sie in aufgeklärten Zeiten aufgewachsen ist. Wenn sie immer gelernt hat, dass Frauen selbstbestimmt und und gleichberechtigt sein sollen. Und das sollte selbstverständlich so sein.

Aber dann stellt sie in sich fest, dass Sie sich sexuell gerne unterwirft. Schon oft haben mir Frauen in Unterhaltungen erzählt, dass sie damit ein großes Problem hatten oder noch haben. Vor allem in der Phase, in der sie sich ihrer Neigung erst bewusst werden mussten. Wie kann man immer dafür eintreten gleichberechtigt behandelt zu werden und dann darauf stehen geschlagen und dominiert zu werden fragen sie sich dann. Über diese Hürde der Akzeptanz der eigenen Neigung auch schon früher geschrieben und es ist für viele ein echtes Problem.

Um das klar zu sagen: ich bin absolut für Gleichberechtigung. Frauen sollten die selben beruflichen Chancen haben, sollten für gleiche Arbeit das gleiche Geld bekommen und sollten in Gremien, auf Podien etc. gleichberechtigt vertreten sein. Das ist meine politische Ansicht.

In meiner Sexualität aber sehe ich das anders. Da liebe ich es zu dominieren und zu bestimmen. Zu erniedrigen und zu führen.

Für mich ist das in keiner Weise ein Widerspruch. Und auch für Frauen sollte es das nicht sein.

BDSM ist eine Neigung. Meiner Erfahrung nach entscheidet man sich nicht auf BDSM zu stehen. Ebenso wenig wie man sich entscheidet homosexuell zu sein. Das ist für mich schon einmal ein Punkt, weshalb es Unsinn ist jemandem BDSM ausreden oder verbieten zu wollen. Früher wurden auch Homosexuelle als krank bezeichnet. Das ist heute zum Glück nicht mehr so. Und auch die BDSM-Neigung ist nicht krank.

Natürlich ist es erst einmal paradox. Frauen kämpfen noch immer um Gleichberechtigung. Wir sind da als Gesellschaft in der westlichen Welt schon weiter als wir es je waren. Aber echte Gleichberechtigung gibt es noch nicht. Wer das nicht glaubt, der soll sich zum Beispiel mal anschauen was los ist, wenn eine Frau ein Fußballspiel von Männern kommentiert.

Gleichberechtigung ist ein wichtiges Anliegen des Feminismus. Und sie ist gesellschaftlich noch nicht erreicht. Dennoch kann man ohne schlechtes Gewissen eine sexuelle Beziehung haben, in der man ganz bewusst auf Gleichberechtigung verzichtet.

Wie soll das möglich sein? Vor allem ist Selbstbestimmung ein wichtiges Anliegen des Feminismus. Was soll die ganze Gleichberechtigung helfen, wenn man nicht selbstbestimmt leben darf wonach einem ist? So lang man keinem anderen damit schadet natürlich. Und das ist für mich der Punkt. Die ganze Gleichberechtigung und Selbstbestimmung ist nichts wert, wenn sie dort aufhört, wo es den anderen zu weit geht.

Zu sagen „Ja ok, wir haben zwar dafür gekämpft, dass Du selbstbestimmt leben darfst, aber wenn das beinhaltet, dass Du dich sexuell erniedrigen und dominieren lassen willst, dann geht das zu weit. SO selbstbestimmt darfst Du nun auch nicht sein.“ Das ist schlicht Heuchelei.

BDSM ist eine Neigung und eine sexuelle Spielart, in der sich erwachsene Menschen freiwillig und völlig selbstbestimmt in Situationen begeben, in denen andere über sie bestimmen. In 99 Prozent der Fälle findet diese Abgabe von Kontrolle nur in einem klar definierten Rahmen statt.

Man muss kein Psychologe sein um zu erahnen, dass genau darin ein Teil des Reizes liegt. Im Alltag stark sein müssen und führen. Im geschützten Rahmen der BDSM-Beziehung dann los- und sich fallen lassen. Im Alltag für bewusste Sprache eintreten und sich im geschützten Rahmen verbal erniedrigen lassen. Und dann eben auch wieder in diesen Alltag zurück kehren und weiter die Rolle einnehmen, die einem nun einmal aktuell zugeteilt ist.

Für mich gibt es da zwischen Feminismus und BDSM keinen Widerspruch. Wenn eine selbstbestimmte Frau sich dafür entscheidet, sich einem anderen Menschen in einem geschützten Rahmen zu unterwerfen und damit keinem anderen schadet, dann ist das ihre Entscheidung. Im Gegenteil kann BDSM da auch als Ventil dienen.

Was andere denken, sollte dabei sowieso keine Rolle spielen. Wichtig ist, dass ihr euch darüber klar werdet, dass es ok ist. Niemand wird durch BDSM zum Verräter an der Gleichberechtigung. Niemand ist ein schlechter Mensch, weil er auf solche Praktiken steht. Niemand sollte sich selber verurteilen oder sich die Erfüllung dieser Wünsche verweigern, aus Sorge vor solchen Gedanken.

Feminismus ist auch, die eigene Sexualität selbstbewusst und nach den eigenen Vorstellungen auszuleben. Und niemand hat das Recht über diese Sexualität zu urteilen.

P.S. Ja, ich habe die Seite der Femdoms hier nicht explizit erwähnt. Diese Auslassung soll aber nicht unterstellen, dass die Femdoms nicht ähnlichen Vorwürfen ausgesetzt sind. Die Grundaussage trifft aber auf alle Seiten zu die Frauen im BDSM einnehmen.

Erniedrigung: Ein weites Feld

Erniedrigung ist für mich im Kontext von BDSM ein besonders spannendes Thema. Daher habe ich mich auch bereits in einem meiner ersten Beiträge damit befasst. Da es aber ein so umfangreiches und komplexes Thema ist, möchte ich noch einmal darauf zurückkommen. Vermutlich ist es aber für ein besseres Verständnis der Thematik sinnvoll auch den ersten Artikel zu lesen.

Erniedrigung im Kontext von BDSM ist das Spiel mit Dingen, die man nicht wirklich mag. Die jenseits des Wohlfühlbereichs liegen. Bei denen man es aber genießt und erregend findet, wenn man dazu gebracht wird sie zu tun. Oder wenn andere sie mit einem tun.

Und um auch das noch einmal klar zu sagen: es ist völlig ok, ich wiederhole VÖLLIG OK auf Erniedrigung zu stehen. Ihr tut damit niemandem weh, es macht den beteiligten Spaß und erregt sie. Also was soll falsch daran sein?

Was ist nun Erniedrigung genau? Das können für die Einen vergleichsweise klein wirkende Dinge sein, wie sich selber dem Dom gegenüber als „Hure“ oder „Fotze“ bezeichnen zu müssen. Das können aber auch ganz andere Handlungen sein, wie beispielsweise „Forced Bi„, also „erzwungene“ sexuelle Handlungen mit dem eigenen Geschlecht. Und die eben nicht aus der eigenen Neigung heraus, sondern in dem Fall als Erniedrigung, weil man eben selber eigentlich nicht darauf steht. Der Reiz ist in dem Fall eben, zu etwas „gezwungen“ zu werden, auf das man nicht steht, das als erniedrigend zu empfinden und DARAUS den sexuellen Kick zu ziehen.

Klingt kompliziert? Ist es manchmal auch. Aber wenn man den Dreh verstanden hat und gut darüber kommuniziert, dann wird es auch wieder ganz einfach.

Erniedrigung ist also wie erwähnt ein weites Feld. Aber eines zeigen uns die beiden oben erwähnten Beispiele. Erniedrigung kann sowohl in den ganz kleinen, als auch in den spektakuläreren Dingen liegen.

Zwei absolute Klassiker der Erniedrigung sind Ohrfeigen und Anspucken. Beides ist geschichtlich gesehen schon immer als Erniedrigung eingesetzt worden und diente dann nicht selten als Anlass für Duelle. Man kann also getrost von Klassikern sprechen. Und beides sind totale Tabubrüche.

Ohrfeigen greifen per Definition in unseren persönlichen Bereich ein, gehen ins Gesicht, was wir nur sehr ausgewählten Personen in unserem Leben erlauben.
Und jemanden anzuspucken ist sowieso ein Tabubruch. Wie alle Körperflüssigkeiten ist auch der Speichel mit Tabus behaftet und wird beim Küssen intim geteilt, ansonsten aber schön für sich behalten. Mit der Intention zu erniedrigen ins Gesicht oder auf andere Körperteile gespuckt, trifft es die meisten Menschen an sehr empfindlichen Stellen. Es drückt ohne den BDSM-Kontext Missachtung aus und rührt daher wie die Ohrfeige auch, ganz tief in uns.

Wo wir bei Körperflüssigkeiten sind: auch Natursekt wird von manchen als Erniedrigung gerne eingesetzt. Und auch Leute, die sonst nicht darauf stehen, können über den Weg der Erniedrigung einen Kick daraus ziehen.

Für nicht wenige Frauen ist es meiner Erfahrung nach auch schon eine Überwindung und eine kleine Erniedrigung die Beine zu öffnen und sich so zu zeigen. Sich dann anzufassen und vor den Augen des Dom zu befriedigen ist dann natürlich die logische Steigerung. Auch das oft eine sehr wirkungsvolle Mischung aus Erniedrigung und Erregung.

Ein weiteres Beispiel für eine eher subtile Erniedrigung kann Kleidung in der Öffentlichkeit sein. Sub ein Kleidungsstück in aller Öffentlichkeit und sei es nur beim Einkaufen tragen zu lassen. Kein provokantes oder auffallendes. Aber eines, dass Unwohlsein auslöst. Eine Farbe die als zu knallig oder einen Rock, der als zu kurz empfunden wird. Das muss ja objektiv gar nicht stimmen. Es kommt nur auf das persönliche Empfinden an. Das wird dafür sorgen, dass sich der Einkauf so anfühlt, als würden alle Sub anstarren. Als wäre Sub bloßgestellt. Das kann wieder eine sehr spannende Art der Erniedrigung sein.

Erniedrigung kann also in sehr vielem liegen. Auf allen Vieren gehen zu müssen oder aus dem Napf essen. Dinge, die den meisten bei dem Thema schnell einfallen. Wie erwähnt natürlich die verbale Erniedrigung. Aber auch in den ganz kleinen Dingen, die kaum jemandem auffallen. Dieser wiederum sind vielleicht erst ersichtlich, wenn man sich schon etwas kennt und so die Empfindlichkeiten besser einschätzen kann.

Scheut euch also nicht zu experimentieren und herauszufinden was funktioniert. Die Klassiker können sehr wirksam sein. Aber nicht alles was ein Klassiker ist muss auch gemacht werden. Manchmal sind die ganz individuellen Dinge besonders spannend. Die auf die nur ihr kommt, weil sie ganz persönlich sind.

Übrigens gibt es für manche noch eine spannende Metaebene. Manche finden es erniedrigend einzugestehen, dass Erniedrigung sie anmacht. Sie dann dazu zu bringen es zu sagen oder schlicht anhand der sexuellen Erregung vorzuführen „das macht dich an und ich weiß es“, kann auch wieder als Erniedrigung dienen. Ein Teufelskreis aus Erniedrigung und Erregung sozusagen.

Erniedrigung kann also extrem vielfältig sein. Sie kann im Bruch der Konventionen und in Tabubrüchen liegen. Genauso aber in den Dingen, die ganz persönlich und individuell als unangenehm empfunden werden. natürlich ist aber auch nicht jede Erniedrigung auch mit einem sexuellen Reiz verbunden. Auch nicht, wenn man sonst auf Erniedrigung steht.

Natürlich ist es ein heikles Thema. Es ist nicht leicht dem Gegenüber einzugestehen, dass man es erregend findet erniedrigt zu werden. Ich als Dom frage daher meist danach, um eine Brücke zu bauen. Redet darüber, probiert euch aus und steht dazu.

Und wenn ihr Beispiele kennt, die ihr ungewöhnlich findet, dann bin ich sehr neugierig. Schreibt sie gerne in die Kommentare.

Public Disgrace – Spannend und gefährlich

Kürzlich haben zwei Bilder mein Kopfkino angekurbelt. Auf dem einen liegt eine Frau nackt und auf dem Rücken zwischen zwei Bäumen. Sie hat die Augen verbunden. Ihre beiden Knöchel sind mit Gurten an den beiden Bäumen befestigt, so dass ihre Beine weit gespreizt sind. So liegt sie im Freien auf einer Wiese.

Auf dem anderen Bild sieht man eine Autobahnbrücke, unter der eine Bahntrasse verläuft. An einem der Stützpfeiler steht eine Frau. Sie hat eine Maske auf dem Kopf, die ihr die Sicht nimmt und sie unkenntlich macht. Ihr T-Shirt ist hochgezogen und Hose und Slip sind herunter gezogen. Sie trägt ein Halsband und ihre Hände sind hinter dem Rücken fixiert.

Was fasziniert uns so am Spiel mit der Öffentlichkeit? An öffentlicher Zurschaustellung? Für einige ist der Reiz natürlich schlicht der eigene Exhibitionismus. Nicht umsonst gibt es „Promis“, die nur dafür bekannt sind, sich ständig und ungefragt nackt zu zeigen.

Es hat da oft den Kitzel des Verbotenen, des Verruchten. Das ist in Ordnung und macht es vielleicht auch für viele spannend.

Das hat aber für mich erst einmal nichts mit BDSM zu tun. Für mich beginnt der Reiz dort, wo es nicht ganz freiwillig ist. Wo es befohlen oder als Strafe angewendet wird. Natürlich ist Sub damit im Metakonsens einverstanden. Aber es geschieht nicht aus eigenem Antrieb. Und da sind wir dann schnell beim Thema Erniedrigung.

Nehmen wir das erste Bild, das ich beschrieben habe. Die Frau liegt auf dem Waldboden, die Beine gespreizt. Natürlich hat ein umsichtiger Dom den Platz so gewählt, dass keine unbeteiligten Spaziergänger vorbei kommen. Aber weiß man das als Sub in dem Moment sicher?

Hier ist der Reiz natürlich der, dass Sub völlig entblößt und hilflos ist. Nicht nur das, auch die Pose ist völlig eindeutig. Was, wenn jetzt doch jemand käme? Und was hat Dom überhaupt vor?

Das ist der Reiz. Die Erniedrigung findet, wie meistens, im Kopf statt. Es kommt nicht darauf an, dass jemand vorbei kommt und sie so sieht. Tatsächlich will man gar nicht wirklich, dass jemand vorbei kommt. Denn verantwortungsvolles Handeln beinhaltet auch, dass man Unbeteiligte nicht mit hinein zieht. Aber der Reiz ist eben, es könnte jemand vorbei kommen.

Wenig anders ist es beim zweiten Bild. Vielleicht würde hier sogar ein vorbei fahrender Zug den Reiz noch erhöhen. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand aus einem in hoher Geschwindigkeit vorbeirasenden Zug viel bemerkt ist relativ gering. Die Wirkung auf Dom und Sub ist aber sicher enorm.

Das Spiel mit der öffentlichen Erniedrigung, der öffentlichen Bloßstellung ist hier das, was den enormen Reiz ausmacht. Nicht umsonst gibt es unter dem Label „Public Disgrace“ (etwa „Öffentliche Schande“) ganze Webseiten, die sich nur diesem Thema widmen. In der Öffentlichkeit nackt bloßgestellt zu werden, war schon immer eine mächtige Fantasie und findet so ihren Platz auch im BDSM.

Auch mich persönlich reizt das sehr. Eine heimliche Ohrfeige im Gang des Supermarktes oder die Sub mitten in der Innenstadt auf einer Bank den Rock hochschieben lassen. Das alles hat seinen festen Platz im BDSM.

Und das alles ist auch völlig in Ordnung, so lange man gewisse Vorsichtsmaßnahmen ergreift und verantwortungsbewusst handelt.

Sub nackt an einen Hochsitz gefesselt auspeitschen ist halt nicht in Ordnung, wenn weniger Meter weiter Familien mit Kindern spazieren gehen. Es muss immer eine Abwägung der Gefahren und Auswirkungen stattfinden. Wie eigentlich immer im BDSM. Und im Zweifel muss die Sicherheit im Vordergrund stehen. Und das Wohl der Anderen.

Andere Menschen gegen deren Wunsch mit zu viel der eigenen Sexualität zu konfrontieren, ist nicht in Ordnung. Ab einer gewissen Schwelle überschreitet es sogar juristische Grenzen und kann zu Erregung öffentlichen Ärgernisses werden (§ 183a StGB: „Wer öffentlich sexuelle Handlungen vornimmt und dadurch absichtlich oder wissentlich ein Ärgernis erregt…“)

Es ist also auf einiges zu achten. Dennoch bleibt der Reiz und es ist auch ok, dem nachzugeben. Im Rahmen und mit Vorsicht.

Und wer ganz sicher gehen möchte, der lebt diese Form der öffentlichen Spiele auf entsprechenden Parties aus. Auch das ist möglich und viele dieser Parties leben genau davon. Allerdings ist der Reiz für manche dort geringer. Schlicht weil alle Anwesenden ja genau dafür da sind. Der Tabubruch, und sei er sonst auch nur theoretisch, ist hier wesentlich geringer. Dafür ist man aber auf der sicheren Seite. Denn hier ist man unter Gleichgesinnten. Man schockiert mutmaßlich niemanden und juristische Konsequenzen sollten auch ausgeschlossen sein.

Das Spiel der öffentlichen Erniedrigung und Zurschaustellung ist sehr spannend. Für mich persönlich und für viele andere. Das Adrenalin schießt nach oben und die Erregung gleich mit. Und wenn man umsichtig ist, dann kann auch nichts passieren. Aber man sollte sich der Verantwortung und der Gefahren eben immer bewusst sein.

Vögeln, bumsen, poppen…

Vögeln, bumsen, poppen, ficken, knattern, bimsen, bürsten, treiben oder stöpseln. Es gibt endlos viele Begriffe für den sexuellen Akt. Welche man in welcher Situation benutzt, ist dabei reine Geschmackssache. Aber der Begriff, der einem gefällt, kann beim anderen jede Stimmung augenblicklich abtöten.

Ich persönlich zum Beispiel finde die meisten der aufgezählten Begriffe albern. Aber der, der mich wirklich abturnt ist „bumsen“. Geht gar nicht. Da schüttelt es mich.

Im BDSM ist es genauso und manchmal sogar noch etwas komplizierter. Ich kam neulich darauf, als ich folgenden Tweet abschickte und darauf einige öffentliche und private Resonanz bekam:

Für mich persönlich geht also im persönlichen Umgang die Bezeichnung „Subbie“ nicht. Subbie ist für mich niedlich. Da würde ich nach einem Kätzchen suchen. Subbie hat für mich keinen sexuellen Anklang und funktioniert daher nicht. Noch schlimmer ist die weitere Verniedlichung „Subbielein„. Ganz schlimm.

Der Einwand, man könne in erklärenden Texten damit Männer und Frauen unter einem freundlich klingenden Begriff zusammenfassen, mag greifen. Da wird ja auch niemand direkt auf sexuelle Art angesprochen. Da kann ich das gelten lassen.

Und so geht es im BDSM mit vielen Begriffen. Das Verbale ist im BDSM wichtig, denn üblicherweise geht BDSM über das simple „rein-raus-fertig“ hinaus.

Und so sind Anreden und Begrifflichkeiten wichtig. Für die einen ist ein Begriff sexuell stark aufgeladen. Er kickt sie, wenn man ihn verwendet. Wenn sie ihn selber aussprechen oder so bezeichnet werden. Und dann ist es hilfreich, wenn der Begriff für das Gegenüber auch etwas auslöst.

Auch hier gilt das, was ich bereits früher über den Setzkasten und BDSM geschrieben habe. Findet heraus, was euch gefällt. Auch begrifflich. Auch hier gilt wie bei allem: passen wird es nur dann, wenn das Gegenüber die Vorlieben akzeptiert oder sogar teilt. Und findet vor allem heraus, ob euch bestimmte Begriffe und Anreden explizit kicken. Das kann ein starker Reiz sein. Nutzt das.

Die einen kickt es beispielsweise, sich Herr, Daddy, Master oder Meister nennen zu lassen. Die Damen lassen sich gerne Miss, Lady, Madame oder auch Herrin nennen. Wenn das Gegenüber sich dabei dann albern fühlt, wird es schwierig. Ich zum Beispiel finde „Meister“ albern und denke dabei zuerst an den „Meister Eder“. Aber das mag ja jeder anders sehen.

Manche Anreden sind mit bestimmten Rollen verbunden, die man einnimmt. Andere können Synonym verwendet werden. So sehe ich persönlich keinen Unterschied in der Anrede „Herr“ oder „Master“.

Auf der anderen Seite des Spektrums gibt es dann die Bezeichnungen Sub, Sklavin, Zofe etc. Oder eben Sklave oder andere Begriffe. Ganz abgesehen von Rollenbezeichnungen, auf die ich ja im Beitrag Goethe und das Dilemma Sub oder Sklavin schon eingegangen bin, kommt es auch hier auf Vorlieben an.

Wenn es euch egal ist, wie ihr genannt werdet oder euer Gegenüber nennt, dann besprecht das und einigt euch auf einen Begriff, den ihr beide mögt. Wenn ihr bestimmte Vorlieben oder Abneigungen habt, dann sagt das aber auf jeden Fall. Denn wenn schon die Anrede widerwillig erfolgt, dann ist gleich der Wurm drin.

Und dann gibt es ja noch den expliziten Dirty Talk. Das also, wo es besonders schmutzig und manchmal auch grenzwertig zugehen soll.

Da ist es oft besonders einfach, sich daneben zu benehmen oder lächerlich zu machen. Ein Gag, über den ich in dem Zusammenhang immer lachen muss:

„Sag mir was schmutziges!“
„Küche.“

Mir persönlich fällt hier das böse F-Wort ein: Fotze. Für viele Frauen ein Tabuwort. Für andere genau deswegen ein Kick im richtigen Moment. Ein Begriff, den man im BDSM-Kontext als Erniedrigung verwenden, mit dem man aber auch böse daneben liegen kann.

Die einen Frauen benutzen es selber und werden gerne so genannt. Die anderen benutzen es selber, lassen sich aber nicht so nennen. Wieder andere meiden das Wort in jeder Form. Und all das ist völlig ok.

Fühlt vorsichtig vor. Findet heraus, was euer Gegenüber mag. Denn wenn ihr mitten dabei seid und dann experimentell etwas raus haut, dann kann es auch so gehen wie es eine Twitterin beim Wort Subbie geschrieben hat: „da werde ich zur Sahara“. Und das will in der Situation ja keiner.

Verleihen, Vorführen und Fremdbenutzen

Sie ist fast nackt. Sie trägt nur die Dessous, die ihr Herr ihr bereit gelegt hat. Nun legt er seine Hand zwischen ihre Schulterblätter, spricht ihr leise Mut zu und führt sie in den Raum. In den Raum von dem sie weiß, dass dort mehrere Herren auf sie warten. Herren, die heute Abend mit ihr tun werden, wonach ihnen ist.

So oder so ähnlich fängt eine besonders beliebte Fantasie im BDSM an. Der Herr führt seine Sub anderen Herren vor oder führt sie ihnen gar zur Benutzung zu. Der Herr wacht darüber, dass alles im vereinbarten Rahmen bleibt und die Sub gibt sich hin.

Was ist aber dran an dieser Fantasie? Warum ist sie so beliebt? Und ist es überhaupt in Ordnung, so eine Fantasie zu haben?

Offenbar ist die Fantasie in der Konstellation männlicher Dom und weibliche Sub verbreiteter, als umgekehrt. Warum das so ist, darüber kann ich aber auch nur spekulieren. Daher spreche ich hier der Einfachheit halber von männlichen Doms und weiblichen Subs.

Zuerst einmal zur dritten Frage: ist es in Ordnung, so eine Fantasie zu haben? Und da frage ich wie immer zurück: warum denn nicht? Wem schadet man denn damit? Alle Fantasien sind in Ordnung, die keinem schaden. Wenn man sie ausleben kann und damit keinem weh tut, warum dann nicht? Wenn allen Beteiligten klar ist, woran sie da gerade teilnehmen, dann ist das auch völlig ok.

Wie immer gilt natürlich besonders hier, dass man auf die Gesundheit aller Beteiligten achten muss. Daher sollte hier Schutz selbstverständlich sein. Manchen nimmt das den Spaß gerade an dieser Fantasie. Aber niemand möchte ja russisches Roulette spielen.

Was ist also dran an der Fantasie? Was macht sie so beliebt? Vor allem, was macht sie bei beiden Seiten so beliebt?

Ich denke, für den dominanten Mann ist es einfach eine Form von Macht, die er sonst nicht ausleben und spüren kann. Darüber zu bestimmen, wer seine Sub und/oder Partnerin anfassen, anschauen oder gar sexuell benutzen darf, ist eben sehr selten. Es ist etwas, das ganz tief rührt.

Auf der einen Seite ist es ein „Besitzerstolz“: „Schaut her, das ist meine. Ihr dürft nur schauen, aber ich, ich darf alles mit ihr. Sogar sie euch so präsentieren.“ Damit erhebt man sich über die anderen Beteiligten.

Außerdem ist es die Macht über die Sub. Denn der Dom bestimmt in der Situation so weitgehend, wie es kaum anders möglich ist. Er bestimmt, was mit ihr geschieht und wer etwas mit ihr tun darf. So weit geht Macht über die Sub selten.

Vermutlich spielt sogar noch diese alte Idee rein, dass der die Macht hat, der penetriert. Und wer penetriert wird, ist unterlegen. Dass das in einer emanzipierten Welt nicht stimmt und auch Männer sich penetrieren lassen können ohne an Achtung zu verlieren lassen wir mal Beiseite.

Aber wenn wir diese Idee mit in Betracht ziehen, dann ist natürlich auch der Akt, die Sub penetrieren zu lassen eine Machtausübung. Noch dazu, wenn es durch ihr fremde Mitspieler geschieht. Das erhöht noch den Reiz, erhöht die Auslieferung.

Und da kommen wir auch zu dem Punkt, worin der Reiz für die Sub liegt. Es ist eine Form des absoluten Kontrollverlusts. Aber in einer sicheren Form, denn es passt ja jemand auf. Es passt der Mensch auf, dem sie vertraut und in dessen Hände sie sich gegeben hat. Also ist es ein absoluter Kontrollverlust mit absoluter Sicherheit. Etwas, das eigentlich unmöglich ist.

Selten kann man sich als weibliche Sub wohl umfassend in fremde Hände begeben.

Noch dazu ist es die Erfüllung einer Fantasie, die so verbreitet ist, dass sie fast schon ein Klischee ist: Sex mit einem Fremden. Sicher eine der beliebtesten weiblichen Sexfantasien.

In dieser Variante lässt sie sich ausleben, ohne die Risiken, die andere (Solo-)Varianten mit sich bringen.

Aber auch der Stolz des Doms spielt eine Rolle. Denn so wie es den Dom kickt, stolz seine Sub vorzuzeigen und zu präsentieren, so kann es auch für die Sub ein Kick sein, so stolz vorgeführt und präsentiert zu werden. Dieser Punkt funktioniert in beide Richtungen gleichermaßen.

Auch das Gefühl der Macht funktioniert in beide Richtungen. In der Situation hat ihr Dom große Macht über sie und das berauscht sie ebenso wie ihn.

Diese Fantasie des Verleihens, Vorführens oder Fremdbenutzens kann also für beide ausgesprochen spannend und anregend sein. Es ist kein Wunder, dass sie sich ungebrochener Beliebtheit erfreut und es ganze Parties dazu gibt.

Aber einige Dinge sind zum Ende natürlich zu beachten. Den gesundheitlichen Aspekt habe ich erwähnt und man kann ihn nicht oft genug betonen. Aber auch andere Punkte sind wichtig. Ehe ihr so etwas macht: redet viel darüber. Sprecht euch ab, was ihr erwartet und was ihr auf keinen Fall wollt. In der Situation selber kann dazu keine Gelegenheit mehr sein. Also besprecht es vorher.

Seid euch auch klar darüber, dass das kein Kinderspiel ist. Der große Kick kommt hier daher, dass man mit dem Feuer spielt. Wenn ihr nicht sicher seid, wie ihr damit umgeht dass eure Sub mit anderen Männern Kontakt hat, dann redet lieber noch einmal darüber und überlegt es euch.

Genauso umgekehrt. Wenn ihr nicht sicher seid, wie ihr reagiert wenn euer Dom euch „einfach so“ anderen überlässt, dann redet noch einmal darüber. Vielleicht ist es dann für euch doch nicht das Richtige. Oder noch nicht das Richtige.

Und selbstverständlich: drängt niemanden dazu diese Spielart mitzumachen. Nur wenn beide sich der Risiken bewusst und bereit sind, sollte so etwas in Frage kommen.

Was ein Dom nicht darf

Ein Dom darf alles, oder? Na klar. Schließlich hat er das Sagen und wer soll ihm was vorschreiben? Sub etwa? Die hat ja nichts zu melden. Oder? Oder? Ok, jetzt haben wir ausgiebig gelacht.

Dass es Grenzen gibt und dass Sub auch Grenzen und Tabus setzen kann und soll, das habe ich schon in anderen Artikeln behandelt.

Aber es gibt da draußen auch Dinge, die „macht man als Dom nicht“. So sagen es zumindest manche. Da bekommt Dom das Gegenstück zum Satz „Du bist gar keine richtige Sub“ zu hören, nämlich: „Du bist gar kein richtiger Dom„.

Was könnte also so schlimm sein, dass dieses Urteil angebracht wäre? Tabus verletzen? Gewalt anwenden? Ein Safeword ignorieren?

Es scheint da draußen Dinge zu geben, die sind noch viel schlimmer. Und die darf ein Dom absolut nie machen, sonst verliert er alle seine Dominanz. Er verliert den Respekt seiner Geschlechtsgenossen und in manchen Fällen auch den der Partnerin oder Subs im allgemeinen.

Aber was könnte so schlimm sein?

Unglaublich aber wahr, es gibt die Auffassung, dass ein Dom eine Sub nicht küssen oder gar lecken darf. Nie. Das tut man nicht. Damit verliert man seinen dominanten Status. Ich habe auch schon mit Frauen gesprochen, die zumindest den Part mit dem Lecken so gesehen haben. Ein Dom leckt (und bedient damit quasi) eine Sub nicht.

Ein noch größeres Tabu ist die anale Penetration. Niemals lässt sich ein Dom von einer Sub anal penetrieren. Weder mit einem Finger oder gar noch mehr. Niemals. No-Go. Oder?

Sicher gibt es Konstellationen, wo manches schwierig ist oder „nicht geht“. Mal gesundheitliche Gründe und persönliche Vorlieben ausgenommen. Es gibt Formen von BDSM in denen zum Beispiel ein sehr, sehr steiles Machtgefälle herrscht. Da kann es für diese spezielle Spielart unpassend sein, wenn der Dom die Sub leckt. Ich hatte schon solche Konstellationen, wo die Sub so weit „unten“ war, dass es nicht in Frage kam. Obwohl ich es sonst mag. Aber dann ist das so, weil beide es so wollen und die gemeinsam gewollte Konstellation es so ergibt.

Aber sonst? Was spricht dagegen?

Und anal? Lustig ist ja, dass sich anal lecken zu lassen als Erniedrigung durchaus akzeptabel zu sein scheint. Das ist ja nichts was „Spaß macht“. Also kann man es als Dom tolerieren. Aber sobald es an die Penetration geht, da hört der Spaß auf. Das ist offenbar „unmännlich“ und für einen Dom sowieso undenkbar.

Aber warum sollte das so sein? Warum sollte man sich etwas verkneifen worauf man Lust hat und der Mensch mit dem man es tut hat auch Lust dazu? Wer soll euch daran hindern? Wer sollte ein Recht haben euch zu verurteilen? Und wenn es euch wirklich peinlich ist, dann erzählt es eben nicht weiter.

Ich selber bin ja bekanntlich ein Verfechter von „Macht einfach, was allen Beteiligten Spaß macht!„. Wieso sich einschränken?

Sicher liegt aber auch hier der Kern in der Kommunikation. Und vielleicht auch in der Erfahrung die man hat.

Wie immer sollte man mit einem potentiellen Partner oder einer potentiellen Partnerin ausgiebig kommunizieren was man mag und möchte. Wenn dabei deutlich wird, dass beide Seiten etwas wollen und sich gut damit fühlen: perfekt. Wenn deutlich wird, dass einem der beiden etwas nicht so recht ist, dann lässt man es besser.

Und wenn für einen der beiden eine Praktik an der Dom/Sub-Konstellation kratzt, dann lässt man sie vielleicht besser weg.

Wenn sich Sub zum Beispiel unwohl damit fühlt wenn ihr Dom sie leckt und sie dann auf irgendeiner Ebene weniger Respekt hat als sie haben möchte, dann lässt man es vielleicht einfach weg. Diese Vorlieben und Empfindungen sind ganz individuell. Und nur so sollten sie entschieden werden: ganz individuell. Und nicht, weil irgendjemand etwas sagt, vorgibt oder behauptet.

Es kommt aber auch mit der Erfahrung, dass man Dinge besser ausspreche kann die man mag. Und es kommt mit der Erfahrung mehr Sicherheit in seiner eigenen Rolle zu haben. Und dann werden Dinge möglich, die ohne diese Selbstsicherheit noch nicht möglich waren. So ist es mir zumindest ergangen.

Meiner Meinung nach sollte niemand anderen Vorschreiben was sie beim Sex machen. Die Kirche nicht, die Politik nicht und auch nicht die Mitmenschen. Was allen Beteiligten Spaß macht ist auch erlaubt. Leider sind da manchmal die Mitmenschen aus der „Community“ auch nicht toleranter als so mancher Bischof.

Macht euch also locker. Dann klappt es anal besser und man wird auch entspannter mit dem, was Mitmenschen so machen. Es steht uns anderen nämlich kein Urteil darüber zu was andere gerne beim Sex machen. Klingt komisch, ist aber so.

Carina Hold zu 24/7

Carina Hold schreibt BDSM-Romane und -Geschichten. Sie hat Jahrzehnte Erfahrung mit BDSM und in der Zeit natürlich viel erlebt.

Nun hatte ich die Ehre, dass sie mir angeboten hat einen Gastbeitrag für meinen Blog zu schreiben. Und zwar zum komplexen und kontroversen Thema 24/7.

Sicher werde ich das zeitnah auch noch um meine Sichtweise ergänzen. Aber das Folgende ist alleinig von Carina und spiegelt ihre Ansichten wider.

Nun kommt aber Carina zu Wort:

24/7 BDSM – geht das? Und WIE geht das?

Das liegt an den Partnern und wie sie ihre Beziehung für sich definieren. Bei vielen Paaren, die ich kennengelernt habe, bezieht sich BDSM fast ausschließlich auf den sexuellen Bereich. Ich finde das schade, denn BDSM ist ein Lebensstil, der sich nicht nur in Fesselspielen, Spanking oder härteren Sexualpraktiken ausdrückt.

Deshalb finde ich es schön, wenn das Besondere einer solchen Beziehung auch im alltäglichen Leben einen festen Platz hat. Ich hatte über viele Jahre eine Beziehung zu einer Domina und ihrem Sklaven. So nannte sie ihn. Er trug sogar ihr Brandmal, aber er war alles andere als ein stummer Diener.

Sie war meine Mentorin und hätte mich gerne an ihrer Seite gesehen. Meiner dominanten Seite hat das sehr entsprochen, aber ich habe auch eine stark ausgeprägte devote Neigung. Meiner Dame zuliebe trug ich nur noch Kleider, halterlose Strümpfe und keinen Slip. Nicht nur, wenn ich bei ihr war – auch sonst. Sie schenkte mir ein rotes Hundehalsband aus Leder, auf das ich wahnsinnig stolz war. Ich trug es auch im Büro (ich arbeitete als Botschaftssekretärin!) und niemand sprach mich je darauf an.

Ich war mir meiner Stellung in dieser Beziehung durch viele Kleinigkeiten fast immer bewusst und mir gefiel das.

Als Femdom macht mir das noch weitaus mehr Spaß. Ich habe keine 24/7 Beziehung, aber mein Spielpartner und ich kennen uns seit über 30 Jahren. Von Anfang an war er der Dom. Allerdings sahen wir uns nur selten – zwei-, dreimal im Jahr. Und die D/s Beziehung bezog sich rein auf Sex.

Vor etwa drei Jahren, nach einer längeren Pause, kippte die Beziehung. Ich hatte mich sehr verändert, er hatte sich verändert – nun ordnete er sich mir unter und ich führte. Es ergab sich ganz natürlich, wir mussten kein Wort darüber verlieren.

Aber ich führe anders als er. Ich stelle ihm kleine Aufgaben. Manchmal alle paar Tage, dann wieder lasse ich ihn lange Zeit in Ruhe. Er weiß nie, wann ich etwas fordere, aber bisher hat er stets gehorcht.

Meine „Wünsche“ passen sich seinen Lebensumständen an so wie sich die Wünsche meiner Dame an mein Leben angepasst hatten. Das finde ich sehr wichtig, denn ich will nicht kompromittiert werden und will auch niemand kompromittieren.

Beispielsweise darf er seine geliebten Stiefel tragen – aber ohne Socken und mit Reiskörnern gefüllt. Nippelklammern unter dem Hemd sieht niemand. Sie müssen nicht stramm sitzen, dafür aber acht Stunden lang halten. Ich habe ihm welche mit Schmetterlingen geschenkt. Mädchenkram für einen Macho. Das hasst er, aber er gehorcht.

Analplugs hasst er auch – besonders, wenn sie einen rosa Stein haben. Ich finde das schön. An solchen Tagen erwarte ich jede Stunde ein Selfie. In diesen Selfies drückt sich unsere Beziehung aus. Er tut Dinge, die er als demütigend, sogar als entwürdigend empfindet, und er tut sie für mich. Das ist ein unbeschreibliches Geschenk, das ich sehr zu schätzen weiß.

So kann Femdom auch funktionieren – auf große Distanz. Es spielt sich mehr in unseren Köpfen ab als in der Wirklichkeit. Deswegen ist es für uns aber nicht weniger real.

BDSM 24/7 bedeutet, dass ich mich immer daran erinnere, wer und was ich für meinen Partner bin. Ähnlich einem Ehering in einer Vanilla-Beziehungen, nur viel kreativer.

Fantasien und Wirklichkeit

Kürzlich habe ich bei Twitter eine Umfrage gemacht. Gefragt war, ob die Leute Fantasien haben, die sie sich zwar vorstellen, vielleicht auch geil finden, die sie aber NICHT umsetzen wollen. Hier das Ergebnis:

Auch wenn die Umfrage alles anderes als repräsentativ ist, ist das Ergebnis dennoch schlüssig würde ich sagen. 78% der Teilnehmer geben an, dass sie solche Fantasien haben.

Dabei sind die Richtungen und Ausprägungen der Fantasien natürlich endlos. So, wie auch die Gründe, warum man sich vorerst oder komplett dagegen entscheidet sie auszuleben.

So gibt es gesundheitliche Gründe eine Fantasie dann lieber doch Fantasie bleiben zu lassen.
Ein Beispiel dafür wäre diese: Sub wird von mehreren, möglicherweise sogar ihr fremden Männern benutzt. Das Sperma spritzt und tropft ihr aus allen verfügbaren Öffnungen.
Klingt geil, ist es vielleicht auch. In den Zeiten von HIV aber schwerlich umsetzbar ohne die eigenen Gesundheit zu riskieren. (Ja, ich weiß es gibt auch andere Krankheiten die nicht zu unterschätzen sind).

Oder aber es sprechen die Vernunft und der Selbsterhaltungstrieb dagegen. So wie bei der Fantasie des Blind Dates. Mit einem Fremden direkt zur Sache. Kein Smalltalk, nicht vorher gesehen, sofort Sex.
Klingt geil, aber das Risiko schwingt natürlich mit. Der Mensch auf der anderen Seite bleibt immer unberechenbar wenn man ihn gar nicht kennt.

Manche Dinge sind auch reines Kopfkino und lassen sich aufgrund gesellschaftlicher Konventionen nicht umsetzen.
Beispielsweise Sub nackt über einen belebten Platz schicken wo Passanten sie beschimpfen und bespucken. Schnell wäre die Polizei da und der Skandal groß.

Manchmal sind Fantasien auch noch zu neu. Schließlich fangen die meisten Dinge, die wir dann irgendwann umsetzen und toll finden, als Fantasie an. Bei mir zum Beispiel manifestiert sich in letzter Zeit eine Fantasie einer Sub eine Windel anzuziehen und so mit ihr raus zu gehen. Sie sich neben mir in aller Öffentlichkeit einnässen lassen. Die Heimlichkeit und die Erniedrigung in aller Öffentlichkeit stelle ich mir in der Fantasie geil vor. Ob das real dann so wäre wie ich es mir vorstelle? Ob ich es dann nicht doch abtörnend fände? Keine Ahnung. Abgesehen davon, dass sie passende Partnerin fehlt, weiß ich schlicht nicht, ob es gut wäre.

Das ist ein gutes Beispiel für etwas, dass vielleicht noch etwas im Kopf reifen muss, um sich endgültig eine Meinung zu bilden. Will ich das oder lieber doch nicht? Auch das ist ein Situation in der man mit Fantasien öfter ist.

Und dann gibt es natürlich noch die problematischen Fantasien. Fantasien die mit echter Gewalt zu tun haben zum Beispiel. Wie die Vergewaltigungsfantasien. Oder Fantasien mit Klingen, Nadeln etc.
Besonders bei diesen Fantasien ist die Frage wichtig: will ich das erleben oder spiele ich dann zu sehr mit dem Feuer?

Fantasien gibt es viele. Das ist auch gut und erlaubt. In der Fantasie ist ALLES erlaubt. Denn erstens kann niemand etwas für deine Fantasien und zweitens schaden sie keinem. In eurem Kopf dürft ihr euch einfach alles vorstellen. Verantwortlich seid ihr nicht für das, was euch im Kopf anmacht, sondern für das was ihr tut. Da gilt es dann vorsichtig zu sein. Und selbstverständlich dort die unverrückbare Grenze zu ziehen, wo eure Fantasien anfangen anderen zu schaden.

Bis dahin ist einfach alles erlaubt was allen beteiligten Spaß macht.

Fantasiert ihr  von Rapeplays? Dann findet einen Weg der euch befriedigt und dessen Risiko ihr vor euch vertreten könnt.

Habt ihr Fantasien von Breathplay, dann informiert euch über die Gefahren und geht so weit, wie ihr es verantworten könnt.

Gehen euch Benutzung oder Gangbangs nicht aus dem Kopf? Überlegt euch, wie ihr euch hinterher fühlen werdet, achtet auf Kondome und wenn ihr meint es geht, dann los.

Denkt vor der Umsetzung an die Risiken. Auch an das Danach. Sucht Wege den Kick zu erhalten und dabei die Gefahr zu minimieren. Dann habt aber auch keine Scheu das was ihr wirklich wollte auch zu tun.

Wir sollten uns alle viel weniger für unsere Fantasien schämen. Steht mehr dazu. Bindet sie nicht jedem auf die Nase. Seid auch da vorsichtig, denn so eine Information kann auch an die Falschen geraten. Aber steht mehr dazu, teilt sie mit den Leuten von denen ihr Verständnis erwarten könnt und mit denen ihr sie vielleicht umsetzen wollt. Denn wenn nicht, dann werden sie vermutlich immer Fantasie bleiben. Manchmal ist das gut. Manchmal wäre das aber auch verdammt schade.

Am Ende gilt eben, was @is_successful auf meine Umfrage geschrieben hat:

In dem Sinne, seid mehr Dschungel als Schrebergarten.

Höher, schneller, weiter?

„Wenn Du so viel Erfahrung hast, genüge ich dir dann als Anfängerin überhaupt?“

Ein Satz den man als Dom immer wieder hört. Neulich sagte mir eine Frau die es wissen muss: „Das ist typisch Frau. Immer die Sorgen nicht gut genug zu sein und nicht zu genügen.“. Und was soll ich sagen? Zumindest in meinem Fall ist er auch sinnlos.

Denn: BDSM ist kein Leistungssport!

Für mich kommt es im BDSM nicht darauf an noch weiter zu gehen, noch extremer, noch verrückter. Wenn ich Heute zehn Schläge verteilt habe, dann müssen es beim nächsten mal nicht zwanzig und dann fünfzig sein. Wenn Eine Frau soundsoviel Gramm Gewichte an Klammern ausgehalten hat, dann kickt es mich nicht, wenn die andere mehr aushält. So funktioniert das nicht.

Interessant sind doch nicht die Zahlen. Zehn, zwanzig oder fünfzig Schläge. Wir sind nicht beim Leistungssport. Es werden keine Leistungsberichte geschrieben. Und es gibt auch keine Rekorde zu brechen. Auch nicht die eigenen.

Wenn Sub das braucht und es kickt zu wissen „Früher habe ich nur so viel ausgehalten und heute so viel“. Ok. Jedem das Seine. Aber darum geht es mir schlicht nicht.

Was mich reizt, sind die Reaktionen der Sub. wenn überhaupt, dann bin ich Reaktionsfetischist.
Wenn sie Schmerzen hat und sie das gleichzeitig anmacht, dann kickt mich das.
Wenn sie ihre Scham überwindet und etwas tut, dass sie erniedrigt, dann kickt mich das.
Wenn ich sie geil mache und dann aufhöre und sie damit zum Wahnsinn treibe, dann kickt mich das.
usw.

Aber ob wodurch sie die Schmerzen hat, welche Erniedrigung das ist oder welche konkrete Praktik sie geil macht, das ist doch nicht entscheidend. Das WIE kann sich von Fall zu Fall ändern. Entscheidend ist doch nur, DAS es dazu kommt.

Ich weiß nicht wie andere sind. Aber ich bin einfach niemand, der nur seinen Material-Fetisch durchzieht, komme was wolle. Ich bin niemand, der Sein Kopfkino hat, von dem er nicht abweichen kann und will. Und ich bin niemand, der nur seine Egonummer fährt. BDSM ist Zusammenspiel. Und wenn es Sub keinen Spaß macht, dann macht es mir auch keinen Spaß. Wenn es Sub aber Spaß macht, dann habe ich definitiv auch meine Freude und genieße es. Und dabei stelle ich keine Vergleiche an oder Zähle mit.

Das bringt mich aber noch zu einem weiteren Punkt. Vergleiche mit anderen bringen nichts und sind eher schädlich. Vergleicht euch nicht selber mit anderen und habt dann die Erwartung an euch, es genauso zu machen. Ja, ich weiß, das steckt in vielen von uns ganz tief drin. Aber beim Sex und beim BDSM ist das wirklich Schwachsinn.

„Sub XY hat aber so und so viel ausgehalten und ich nur so viel.“ oder „Die hat solche Striemen und bei mir sieht man fast nichts.“ etc. Das sind alles Wege in die BDSM-Hölle. Tut das nicht.

BDSM ist kein Leistungssport!

Daher bin ich auch kritisch, wenn ich auf Twitter Bilder sehe, wo stolz Striemen und blaue Flecken vorgezeigt werden. Ich verstehe den Stolz. Aber das Signal darf dabei eben nicht lauten: „Schau was ich aushalte.“. Andere lesen daraus dann eben gerne heraus, sie müssten das auch leisten. Oder das was sie tun genügt nicht.
Das funktioniert leider ähnlich wie die superschlanken Damen im Fernsehen, die manchen unterschwellig auch immer die Botschaft übermitteln „Du bist zu dick.“. Das ist nie ein gutes Gefühl.

Meine Botschaft lautet, es geht für mich und mein BDSM nicht um Rekorde und um Extreme. Da stehen andere Dinge im Vordergrund und die lege ich hier ja öfter dar. Aber vielleicht geht es euch Sadisten und Masochisten da draußen ja anders? Vielleicht seht ihr das mit den Rekorden, den Zahlen und den Extremen anders? Ich bin gespannt.