Aftercare – Auffangen im BDSM

Wir sprachen ja schon drüben bei Lustgewinn darüber. Aber danach haben mich doch einige Fragen erreicht. Also dachte ich, ich schreibe noch einmal etwas dazu.

BDSM kann aus relativ extremen Situationen bestehen. Sei es körperlich oder auch seelisch. Da kann es je nach Vorlieben zu Grenzerfahrungen kommen. Und für manche wird es ja auch dann erst richtig spannend.

Umso wichtiger ist es dann, dass man mit den ganzen Emotionen nicht alleine gelassen wird. Dass man ein Gegenüber hat, das einen auffängt. Dieses Auffangen nennt man Aftercare.

Aftercare beschränkt sich nicht ausschließlich auf das, was NACH einer Session passiert. Wer während einer Session umsichtig ist, der muss vielleicht am Ende gar nicht so viel Aftercare leisten.

Aber üblicherweise ist eben gemeint, sich „danach“ um das Gegenüber zu kümmern. In den meisten Fällen ist das die Aufgabe des dominanten Parts. Dabei helfen, wieder runter zu kommen und im Hier und Jetzt anzukommen.

Und das ist ein vielschichtiges Thema. Denn je nach Situation, je nach dem, was vorher passiert ist, je nach Persönlichkeit von Sub und Dom ist Aftercare etwas völlig anderes.

Die oder der eine Sub braucht es, gehalten und umsorgt zu werden. Andere gehen aus einer ähnlichen Situation beschwingt und wie auf Wolken heraus. Wieder andere mögen es am liebsten, wenn man hinterher zwar redet, aber nicht zwingend alles Passierte noch einmal durchkaut.

Es kann auch sehr darauf ankommen, wie intensiv es wird. Fließen zum Beispiel Tränen, dann kann das ein Zeichen dafür sein, dass eine Grenze erreicht ist und man abbrechen sollte. Es kann aber auch ein Zeichen sein, dass einfach Emotionen frei werden und man kann weiter machen. Kennt man sich nicht so gut, muss man nachhaken und sich kümmern. Kennt man sich, kann man womöglich bedenkenlos weiter machen.

Ein Beispiel. Ich habe mal eine Sub geschlagen und sie fing an zu weinen. Ich kannte sie noch nicht gut und bin an sie heran getreten, habe sie gestreichelt und gefragt, ob alles ok ist. Sie sagte ja. Ich fragte, ob ich weiter machen soll. Sie sagte ja. Und ich  machte weiter und alles war gut.

Eine andere Situation, eine andere Sub. Ich habe sie an den Haaren gepackt und sie verbal erniedrigt, sie hat das sehr genossen. Dann habe ich verlangt sie solle sich hin knien und etwas tun von dem ich ehrlicherweise nicht mehr weiß was es genau war. Sie tat es. Erst Minuten später habe ich gemerkt, wie sie unentspannt wurde. Sich verkrampfte. Auf meine Nachfrage konnte oder wollte sie nichts sagen. Erst ein paar Tage später konnte sie erklären, dass sie gemerkt hat wie sie noch nicht bereit sei solche Anweisungen zu bekommen. Sie hatte es gemacht, ohne bereit zu sein und das dann gemerkt. Das löste Unwohlsein aus, das sie aber nicht formulieren konnte. Nicht in dem Moment.

Die Fürsorge oder das Aftercare verlangt es, da umsichtig zu reagieren. Nachzufragen und vorsichtig zu sein. Zumindest, so lange man sich nicht gut genug kennt und sein Gegenüber exakt zu lesen weiß. Natürlich ist es auch Teil des Spiels und des Kicks, über solche Situationen einmal hinweg zu gehen und weiter zu machen. Kennt man sich aber nicht gut genug, ist das extrem riskant.

Vor allem nach einer Session ist es dann aber noch einmal wichtig, zumindest die Möglichkeit anzubieten zu reden, zu kuscheln, zu halten. Je nach Bedürfnis und Persönlichkeit.

Das Bedürfnis, nach emotionalen und intensiven Erfahrungen nicht einfach alleine gelassen zu werden, ist jedenfalls ganz normal. Und das vom Gegenüber einzufordern ist ebenfalls normal und in Ordnung. Wer Dom sein will und Wert darauf legt Sub auch mal wieder zu sehen, sollte das leisten. Wer es nicht tut, riskiert, emotional einiges kaputt zu machen. Ein richtiger Absturz nach einer Session kann Vertrauen in sich und andere über Jahre zerstören.

Und Aftercare nach einer Session verhindert Abstürze nicht generell und zu 100%, aber Aftercare mindert das Risiko, dass es dazu kommt.

Mein Tipp wäre, sprecht das Thema vor einem Treffen an. Fragt, wie das Gegenüber dazu steht. Der Umgang mit dieser Frage kann euch das eine oder andere verraten. Wer darüber oder über eine Frage nach einem Cover lacht oder versucht es einem auszureden, dem sollte man aus dem Weg gehen.

7 Gedanken zu “Aftercare – Auffangen im BDSM

  1. Ein wichtiges Thema – danke für den schönen Beitrag dazu 🙂

    Mir geht es oft sogar so, dass ich danach komplett alleine sein will, um das Gefühl zu bekommen wieder Kontrolle zu haben. Hängt natürlich aber sehr davon ab, wer mich bespielt.

    Gefällt 3 Personen

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