BDSM in den Zeiten von Corona

Social Distancing ist eines DER Schlagworte im Moment. Wir bemühen uns aktuell alle, uns nicht zu nahe zu kommen und wenn überhaupt, dann mit Masken. Damit meine ich nicht die aus der Fetisch-Ecke. Obwohl, wer weiß welche neuen Fetische sich nun daraus wieder entwickeln.

Aber ihr wisst natürlich was ich meine. Raus gehen, daten, Freunde treffen, tanzen gehen und auch BDSM ausleben ist aktuell schwer bis gar nicht möglich. Zumindest nicht auf die herkömmliche Weise.

Was also tun, wenn man BDSM ausleben möchte, der Partner oder die Partnerin aber aktuell weit weg und außer Reichweite ist? Wie man BDSM auch aus der Entfernung ausleben kann, habe ich in meinem Artikel über BDSM 2.0 beschrieben.

Wer daran Spaß und Lust hat, der kann solche Dinge natürlich nutzen. Manche sind aber aktuell eher sinnlos. So sind viele Leute derzeit viel zu Hause. Da ist die Kontrolle des Aufenthaltsortes eher weniger spannend.

Eine andere Idee ist zum Beispiel, virtuell oder vor einer Cam eine Art Session abhalten. Da ist viel Fantasie gefragt und dies kann den realen Kontakt natürlich auch nicht ersetzen.

Aber ein ureigener Bestandteil von D/s sind ja Aufgaben. Die sind weiterhin machbar und viele von ihnen sind dafür gedacht sie alleine umzusetzen. Genauso wenig sind sie ein Ersatz für den persönlichen Kontakt, aber wenn wir ehrlich sind, den gibt es auch nicht.

Ein Klassiker sind natürlich Fotoaufgaben. Sub bekommt genaue Vorgaben, welche Art Foto bis wann erstellt werden soll. Hierbei kommt es nicht darauf an, dass irgendwelche überzogenen Qualitätsmerkmale erfüllt werden. Der Reiz liegt in der gegenseitigen Aufmerksamkeit und Mühe, die man sich gibt.

Weitere Möglichkeiten sind Klammern, Plugs oder Liebeskugeln, die Sub zuhause oder für Mutige auch beispielsweise beim Einkaufen tragen kann. Natürlich immer an die persönlichen Grenzen und Erfahrungen angepasst. So ein Plug bei REWE an der Kasse oder eine zwickende Klammer in der Gemüseabteilung stehend, kann den Einkauf schon würzen.

Für die Kreativen unter den Subs gibt es die schöne Möglichkeit als Aufgabe eine Geschichte oder eine besondere Fantasie aufschreiben zu müssen. Beides kann später wunderbar als Vorlage für spannende Gespräche und vielleicht sogar neue gemeinsame Ideen dienen. Wer weiß, ob nicht sogar etwas dabei herauskommt, dass man veröffentliche kann.

Was auch in der aktuellen Lage wunderbar funktioniert sind Kleidungsvorschriften. Seien es einzelne Teile oder ganze Outfits. Eurer Sub die zu tragende Kleidung vorzuschreiben ist problemlos machbar und sogar dann umsetzbar, wenn sich einer oder beide in Quarantäne befinden.

Ebenfalls ein immer wieder gern genommenes Mittel zur Disziplinierung und als nicht zu unterschätzenden Aufgabe ist das Edging. Was ist das? Edging bedeutet, sich selbst befriedigen zu müssen in dem Wissen nicht kommen zu dürfen. Dabei gilt es so weit zu gehen, wie es möglich ist und dann aufzuhören. Wohlgemerkt natürlich, ohne zu kommen. Es gilt hier den sogenannten „Point of no Return“ zu finden und so nahe wie möglich ran zu kommen und ohne, naja, zu kommen.

Edging ist dabei variabel einsetzbar. Beispielsweise kann es abwechselnd mit Keuschhaltung eingesetzt werden. Also zeitweise sich überhaupt nicht anfassen dürfen und dann wiederum eine Zeit lang drei-, vier- oder fünfmal am Tag „edgen“.

Ein letzter Tipp sollen Toiletten-Vorgaben sein. Etwas, das im Alltag furchtbar schnell sehr anstrengend wird, kann aber in der erzwungenen Zeit zuhause ganz gut funktionieren. Sollten Dom und Sub also beide die meiste Zeit zuhause sein, dann ist die Variante, um Erlaubnis fragen zu müssen ob und wann man auf die Toilette gehen darf plötzlich umsetzbar. Genauso auch die Vorgabe in welchem Zeitraum wie viel getrunken werden muss, lässt sich plötzlich machen. Wer mag kann daraus ein spannendes Spiel machen, dass im Berufsalltag nie funktionieren würde.

Dies sollen nur ein paar Beispiele sein, um eure Fantasie anzuregen. Selbstverständlich erheben sie keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit oder auch nur besondere Originalität. Macht das Beste daraus, um durch diese schwierige Zeit zu kommen und euch dennoch die Freude und die Lust an BDSM zu erhalten.

Je mehr Regeln, desto besser?

Eine der spannendsten Fragen bei Neulingen im BDSM ist immer die nach den Regeln. Welche Regeln stelle ich auf? Wie setze ich sie durch? Was mache ich, wenn sie gebrochen werden?

Gerade wer neu auf dem Gebiet ist und sich bisher vielleicht nur in der Fantasie mit BDSM beschäftigt hat, kann da oft nicht genug bekommen. Doms tendieren dann dazu den Alltag von Sub mit Regeln bis ins Detail zu bestimmen. Ebenso wie Subs gerne noch die ein oder andere Regel einfordern. Einfach um endlich zu spüren wie es ist, wenn man diese äußere Macht und den Kontrollverlust erlebt, die bisher nur in der Fantasie existierten.

Aber ist es sinnvoll so viele Regeln wie nur möglich aufzustellen? Am Anfang klingt das sehr verlockend:

  • nach dem Aufstehen direkt per Messenger melden
  • nie Hosen tragen
  • nie Unterhosen tragen
  • keine Röcke die übers Knie gehen
  • jedes Mal um Erlaubnis fragen, ob man auf die Toilette gehen darf
  • fragen, ob man sich befriedigen darf
  • fragen, was man essen darf
  • tagsüber verschiedene Aufgaben erledigen
  • jedes Outfit per Bild absegnen lassen
  • fragen, ob man nach der Arbeit mit Kollegen etwas trinken gehen darf
  • jedes Getränk genehmigen lassen
  • sich vor dem Schlafengehen abmelden usw.

Es ist schnell ersichtlich: So etwas wird schnell zur Hauptbeschäftigung. Beruf, Kinder, Freunde oder Hobbys kann man da gleich ganz vergessen. Und das gilt sowohl für Dom als auch Sub. Denn aufgestellt sind Regeln schnell. Wer aber nicht fast ebenso schnell für Frust bei Sub sorgen will, muss diese Regeln auch durchsetzen und verfolgen.

Da genügt es also nicht zu sagen „Du machst ab jetzt immer das und das“. Denn wenn Sub sich wochenlang an eine Regel hält und dann merkt, dass Dom sie vergessen hat oder sich nicht dafür interessiert, dann ist der Frust groß. Mit Recht.

Machen mehr Regeln also wirklich auch mehr Spaß? Meiner Erfahrung nach nicht. Wie gesagt, artet es schnell in Stress aus, wenn man in wirklich jeder Lebenssituation überlegen muss „Wie war das? Was darf ich?“. Oder eben von Dom-Seite „Was hatte ich noch verboten?“.

Da gehen die Leichtigkeit und der Spaß an der Sache schnell verloren und gerade am Anfang ist der ja das A und O. Denn wer neu einsteigt und merkt, dass das alles keinen Spaß macht und nur anstrengend ist, der hört auch schnell wieder auf. Da ist es im BDSM wie mit dem Fitnessstudio oder dem Joggen. Genau wie dort gilt, auch beim BDSM langsam anfangen und dann steigern.

Überhaupt spricht für mich bei sehr vielen Regeln viel für Flexibilität.

Mein liebstes Beispiel sind da immer die Kleidungsvorschriften: Wer einer Frau vorgibt, dass sie ab sofort nie wieder Hosen tragen darf, sondern nur noch Röcke oder Kleider. Und in Verbindung damit aber auch nie wieder Unterhosen… Wie soll ich sagen? Der übersieht da einfach die Realität zu Gunsten des Kopfkinos. Mindestens einmal im Monat wird das sehr unschön. So ein Tampon oder eine Binde muss ja irgendwie halten.

Davon abgesehen gibt es Gelegenheiten, wo „unten ohne“ unpassend ist. Es gibt Wetterverhältnisse bei dem diese Regel die Gesundheit gefährdet und es gibt einfach auch Momente in denen Frau sich einfach so mal weniger Luftigkeit wünscht.

Jetzt soll es im D/s nicht immer nur um Wünsche gehen und Dinge sollen auch mal schwer fallen, aber ihr versteht was ich meine.

Solche Regeln kann man spannend finden. Man kann sie sich aber auch betrachten und überlegen „Für welche Fälle wird so eine Regel wirklich relevant?“. Klar, als Dom greift man dann gerne mal unter den Rock. Aber muss Sub sich deswegen sieben Tage der Woche danach richte und das sogar, wenn man sich gar nicht so häufig sieht?

Ich halte es immer so, dass ich im Bedarfsfall sage was sie tragen oder nicht tragen soll. Dafür braucht es keine Regel, die im Zweifelsfall eben sehr viel mehr Mühe macht, als sie am Ende an Freude wert ist.

Natürlich kann das jeder handhaben wie er und sie will. Was ich sagen will ist, dass der Umstand und der Aufwand den eine solche Regel bedeutet auch immer dem Ertrag an Freude und Lustgewinn der Beteiligten irgendwie entsprechen muss. Blöd gesagt, bei Wind und Wetter, auch während der Periode und das ganze Jahr kein Höschen tragen, damit Dom drei oder auch zehnmal unter den Rock greifen kann und dort keines vorfindet… Das finde ich überzogen.

Da bin ich wie gesagt lieber flexibel. Andere mögen das aber anders sehen. Das ist jedem selbst überlassen.

Meine Meinung zum Thema Regeln ist aber „Weniger ist mehr“ und ich war erfreut bei einer Umfrage neulich bei Twitter zu sehen, dass es in dieser Filterblase viele ähnlich sehen:

Bedenkt bei Regeln einfach, dass sie auch eingehalten und durchgesetzt werden müssen. Und da vermutlich keiner von uns Vollzeit Dom oder Sub ist, darf das nicht ausarten. So heiß ihr auch darauf seid all diese tollen Dinge endlich auszuprobieren: Lasst euch Zeit und steigert euch langsam. Probiert euch aus, was funktioniert für euch, was klang in der Fantasie besser? Seid auch nicht zu stolz eine Regel wieder zu kassieren, wenn sie nicht funktioniert.

Es ist übrigens oft keine dumme Idee Regeln aufzuschreiben, damit man sie nachlesen kann. Sowohl für Dom, als auch für Sub. Das hilft den Überblick zu bewahren.

„Aua ist kein Safeword“

Ein alter Gag in BDSM-Kreisen lautet „Aua ist kein Safeword.“. Tatsächlich steckt darin aber sehr viel Wahrheit.

Aber zuerst einmal: was ist ein Safeword? Ein Safeword ist eine Sicherheitsmaßnahme im BDSM. Es ist ein Wort, dass der devote Part benutzen kann um das Machtgefälle zu durchbrechen und zu signalisieren, dass er die Situation beenden möchte. Im Idealfall benutzt man dazu ein Wort, dass in der Situation völlig fremd und fehl am Platz wirkt. Eben, damit es sofort ausfällt.

Und damit kommen wir zurück zum Gag im ersten Absatz. In einer BDSM-Situation ist „Aua“ natürlich etwas dass vorkommen kann. Und „Aua“ soll es ja teilweise machen. Daher ist „Aua“ ein ungeeignetes oder eben gar kein Safeword. Viele verwenden dagegen das Wort „Mayday“ oder etwas völlig fremdes, dass in einer BDSM-Situation unpassend ist und nicht gesagt wird. Das kann alles sein „Kürbis“ oder „Apotheke“ oder was ihr wollt.

Wichtig ist bei der Wahl des Safewords nur, dass es euch im entsprechenden Moment auch einfällt. Und dass es leicht auszusprechen ist. „Rhododendron“ oder „Xylophon“ sind also eher unpraktisch.

Warum aber braucht man ein Safeword? Nun, es kann in jeder BDSM-Session eine Situation entstehen, in der sich der devote Part unwohl fühlt und die Situation beenden möchte. Diese Möglichkeit muss der devote Part IMMER haben, wenn er das möchte. Das ist der Konsens im BDSM. Der devote Part gibt die Macht zeitweilig ab, ist aber natürlich nicht völlig rechtlos. Auch diese Formen gibt es zwar, darum soll es hier aber heute nicht gehen.

Übrigens ist es auch sehr wichtig festzuhalten, dass das Nutzen eines Safewords keine Schande ist. Weder der dominanten noch der devote Part müssen etwas falsch gemacht haben wenn das Safeword zum Einsatz kommt. Keine der beiden Seiten sollte den Einsatz des Safewords als Problem oder gar als Niederlage sehen. Allerdings sollte man, wenn es eingesetzt wurde darüber reden. Klären, was los war, damit beide aus der Situation lernen können.

Was ist aber, wenn der devote Part in der Session nicht reden kann? Sei es wegen eines Knebels oder weil der Mund zugehalten wird? Für diese Fälle sollte man ein Klopfzeichen ausmachen. Auch in dieser Situation muss für den devoten Part eine Möglichkeit bestehen auszusteigen.

Damit das auch gesagt wurde: wer als dominanter Part weiter macht obwohl der devote Part es mit Safeword beenden wollte, der begeht Missbrauch. Nicht mehr und nicht weniger.

Ich habe es oben schon erwähnt. Es gibt auch die BDSM-Spiele, in denen beide absichtlich auf ein Safeword verzichten. Warum? Beispielsweise, weil sie Grenzen ausloten wollen und der devote Part die Erfahrung sucht absolut und vollkommen in den Händen des anderen zu sein.

Das kann man machen. Aber das ist absolut nichts für Anfänger. Wer auf Safewords oder andere Sicherheitsmaßnahmen komplett verzichtet, der verlässt den Boden von SSC und begibt sich in den Bereich von RACK. Das kann man machen. Aber man sollte genau wissen was man tut.

Ebenfalls zu beachten ist natürlich auch, dass es Spiele gibt, die man nicht abbrechen kann. Die, wenn man sie einmal angefangen hat, einfach ausgehalten werden müssen. Solche Spiele nennt man Tunnelspiele. Ich habe mich neulich in einem Artikel damit beschäftigt.

Kommen wir aber noch zu einer Variante, die ich persönlich bevorzuge. Der sogenannte Ampelcode. So lange alles im grünen Bereich ist, gibt es keinen Grund etwas einzuwenden. Kommt der devote Part aber in die Situation, dass etwas zu heftig wird, zu schmerzhaft oder sonst irgendwie zu schwer, dann sagt er „Orange“. Wie wenn eine Ampel auf Orange springt. Für den dominanten Part ist dass das Signal etwas langsamer zu machen oder nicht fester zuzuschlagen. Die Session kann aber weiter laufen.

Kommt es aber so weit, dass der devote Part wirklich abbrechen möchte, dann kann er das Stopsignal setzen und „Rot“ sagen. Damit signalisiert der devote Part dem dominanten Part „Ich will, dass das sofort aufhört.“ Wie eben auch bei der Benutzung des Safewords.

Für mich persönlich ist das angenehmer. Denn es bietet mehr Möglichkeiten der Steuerung. Für mich und für die Sub. Aber das ist natürlich reine Geschmackssache. Jeder entscheidet sich da für die Methode, mit der man sich am wohlsten fühlt.

Abschließend sei noch einmal gesagt: als Sub auf ein Safeword zu bestehen ist völlig ok. Gerade als Anfänger wäre es sogar unvernünftig darauf zu verzichten.

Das Safeword dann auch zu benutzen ist keine Schande. Und es muss auch nicht das Ende der Session bedeuten. Man muss danach nur vernünftig miteinander reden, sehen wo das Problem lag und dann, je nachdem was beide wollen, weiter machen oder sich doch lieber auf ein andermal vertagen.

Und wie gesagt, ein Safeword zu missachten ist kein Kavaliersdelikt. Wer das tut, der missbraucht mindestens seine Macht oder begeht sogar eine Straftat.

Wie viel BDSM ist richtig?

Manche sperren ihre BDSM-Partner tagelang in Zellen oder Käfige. Andere wiederum leben BDSM nur in einzelnen Sessions für ein paar Stunden und das nur alle paar Wochen. Manche definieren ihren ganzen Alltag durch BDSM. Für andere ist es nur eine Spielart während des Sex.

Was ist nun richtig? Was ist echter BDSM und was vielleicht nur Mode?

Ok, ich kläre das gleich mal auf, auch auf die Gefahr hin, dass dann manche gar nicht weiter lesen. Es gibt kein richtig oder falsch. Oder zumindest keines, dass jemand von außen beurteilen sollte, könnte oder dürfte.

Richtig ist das, was die richtig finden, die es betrifft. Und natürlich das, womit man keinem schadet. Schadet man jemandem, ist es falsch.

Dennoch gibt es aber im BDSM immer die Frage „Mache ich das richtig?“.

Manche Leute lieben Spanking. Die treffen sich mit mehr oder minder Fremden zu Sessions und lassen sich auf deutsch gesagt den Arsch versohlen. Dann fahren sie wieder nach Hause und haben Sex mit dem Partner.

Wieder andere leben BDSM als Paar, vereinbaren gewisse Regeln und verstoßen dann absichtlich dagegen. Natürlich nur um dann die verdiente und gewünschte „Strafe“ zu bekommen.

Ich persönlich stelle gerne Regeln auf, erwarte dann aber auch die Einhaltung und bestrafe dann aber auch bei Zuwiderhandlung mit Dingen, die dem Gegenüber keinen Spaß machen, sondern sie wirklich bestrafen sollen. Mir als Dom stellen sich die Nackenhaar auf, wenn ich mir vorstelle, dass eine Sub absichtlich etwas falsch macht um „bestraft“ zu werden. Das widerspricht meiner Vorstellung von BDSM. Aber es ist eben nur meine Vorstellung. Und so wie ich BDSM so lebe, wie ich es möchte und mir Partnerinnen suche, die es genauso wollen. So darf das jede und jeder andere auch.

Aber ist irgendetwas davon richtig? Das ist eigentlich schon oben beantwortet. Für mich ist ein Treffen bei dem ich einer Sub den Arsch versohle, sonst nichts passiert und wir beide wieder gehen, falsch. Das ist für mich persönlich nicht genug BDSM. Weil es meiner Neigung einfach nicht entspricht. Für andere mag es genau richtig sein.

Für manche mag es auch genau richtig sein in Fetisch-Kleidung auf eine Party zu gehen und sich dort nur bewundern zu lassen. Zuhause finden nach Sex mit dem Partner statt. Auch Fetisch kann schließlich BDSM sein. Für mich wäre es zu wenig.

Dafür gibt es sicherlich genügend Leute sie sagen, Regeln aufstellen und bestrafen? Wo ist denn da der Spaß? Ich brauche Fetischpartys, öffentlichen Sex und schwere körperliche Strafen. Denen wiederum ist das zu wenig was ich auslebe.

Wie groß der Anteil an BDSM im Leben ist, ist also ganz individuell. Oft hängt es auch von den Lebensumständen ab, die aktuell nicht mehr zulassen. So wollen beide vielleicht den D/s-Anteil erhöhen und mehr Kontrolle in den Alltag integrieren, es ist aber schwer mit den Lebensumständen vereinbar. Daran muss man arbeiten.

Aber auch BDSM als Würze für das Sexleben und dann nur alle 14 Tage, kann in Ordnung sein. Wenn beide damit zufrieden und glücklich sind.

Ebenso wie das Modell, dass man jedes Wochenende auf irgendwelche BDSM-Partys in der Grand Opera oder im Catonium verbringt. Solche Leute sind nicht bessere BDSMer als andere.

BDSM ist vielfältig. So vielfältig wie die Menschen die es leben und deren Vorlieben. Es gibt das „richtige BDSM“ so wenig, wie es die eine richtige Pizza gibt. die Geschmäcker sind verschieden. Und genauso, wie ihr euch beim bestellen der Pizza von anderen nicht erklären lasst welche Pizza nun die eine richtige ist, die ihr bestellen müsst, verhält es sich auch mit BDSM.

Und auch ob ihre jede Woche Pizza esst oder nur einmal im Monat, ist genauso individuell wie die Häufigkeit in der ihr BDSM lebt. Aber wenn ihr mit einem Partner zusammen eine Pizza teilen wollt, dann muss sie auch beiden schmecken. Ob dann Sardellen oder Champignons oder nur Salami drauf sein soll, dass muss vorher geklärt werden.

BDSM ist also quasi Pizza. Nur mit weniger Käse. Naja. Nicht ganz. Aber ich denke, ich versteht, was gemeint ist.

BDSM 2.0

Regeln sind gerade für D/s zentral. Wenn beide Spaß daran haben und Lust daraus ziehen, dann kann man mit Regeln, die Sub vorgegeben werden, eine ganze Menge Freude haben.

In früheren Artikeln wie Regeln sind wichtig und Klassische Gebote und Verbote habe ich schon darüber geschrieben und ein paar Beispiele gegeben. Aber einen spannenden Aspekt habe ich bisher noch nicht beleuchtet: welche Möglichkeiten bietet die moderne und digitale Welt?

Wie kann man also mit Hilfe von Computer oder Handy Sub kontrollieren? Oder auch: wie kann man die Nutzung dieser Geräte kontrollieren?

Da bieten sich viele neue Möglichkeiten. Manche sind vielleicht erschreckend und wirken recht extrem, da sie tief in die persönliche Freiheit des Gegenüber eingreifen. Ich muss es nicht, betone aber noch einmal, dass diese Spielarten nur dann in Ordnung sind, wenn beide das wollen. Es handelt sich hier um Spielarten von D/s, die Kontrolle und Macht über den Partner ausüben. Das sollen sie auch. Weil beide Lust daraus ziehen. Einseitig betrieben wären es krasse Übergriffe.

Fangen wir an mit den Möglichkeiten, den Aufenthaltsort zu kontrollieren. Eine Möglichkeit dafür sind Apps, mit denen man den Standort übermitteln kann. So kann immer auf Anfrage eine GPS-Information angefordert und gesendet werden. Auf einer Karte sieht man dann, wo sich das Gegenüber befindet.

Diese Funktion bringen manche Chat-Apps mit sich, aber auch spezielle GPS-Tracking-Apps.

Ein weiteres Stichwort ist „Geofencing„. Mit dieser Funktion können Bereiche und Orte festgelegt werden. Also sozusagen Zäune (englisch: Fences) gezogen werden. Betritt oder verlässt das Gegenüber einen dieser Bereiche, wird man sofort informiert. Soll Sub also zu Hause bleiben oder nicht in eine bestimme Bar gehen, dann kann das leicht überwacht werden.

Natürlich kann das einfach „ausgetrickst“ werden, indem man das Handy liegen lässt. Aber es geht ja auch nicht um wirkliche Überwachung, sondern um Möglichkeiten und Varianten einer freiwilligen Spielart.

Manche der oben erwähnten Apps bringen auch viel weitergehende Möglichkeiten der Kontrolle mit sich. Das Stichwort ist da: „Parental Control„, also „elterliche Kontrolle“. Unter diesem Stichwort finden sich diverse Möglichkeiten. Chats können mitgelesen, der Browserverlauf geprüft und Kontakte sowie Kalender angeschaut werden.

Da wird es dann schon extrem. Aber wer sich dafür entscheiden möchte, der findet da sicher Möglichkeiten.

Eine Möglichkeit, aus der Entfernung auf einen Rechner zuzugreifen und sich dort umzusehen, ist Software zur Fernwartung. Damit kann man auch vom anderen Ende der Welt auf dem Zielrechner arbeiten, EMails lesen, den Browserverlauf prüfen und überhaupt alles Mögliche machen.

Sowohl Windows als auch die Handy-Betriebssysteme iOS und Android bieten auch die Möglichkeit, die Nutzungszeit einzuschränken. So kann das Handy oder der Laptop dann beispielsweise nach 20 Uhr nicht mehr benutzt werden. Inwiefern man sich dabei ins eigene Fleisch schneidet, wenn man nicht mehr miteinander schreiben kann, muss jeder selber wissen.

Es können aber auch Nutzungszeiten für bestimmte Apps eingestellt werden. So kann man beispielsweise die Nutzung der Facebook-App oder Instragram nur zu bestimmten Zeiten gestatten und sonst sperren.

Wesentlich harmloser ist die Variante, dass man regelmäßige Nachrichten vereinbart. Jeden Morgen und/oder jeden Abend haben zu bestimmten Uhrzeiten Nachrichten als Statusmeldung zu erfolgen. Am einfachsten hier natürlich über die Chat-App der Wahl.

Und eine ganz praktische Möglichkeit, um Aufgaben und zu stellen oder auch erfüllte Aufgaben abzuhaken, sind Apps in denen man Listen erstellen und teilen kann. So kann man gemeinsame Listen führen, in die der eine Partner Aufgaben einträgt. Diese erscheinen dann beim Gegenüber in der App und können dort nach Erfüllung abgehakt werden.

So weiß Dom in dem Fall genau dass und wann die Aufgabe erledigt wurde und Sub kann sie nicht so leicht vergessen.

Das sind einige Möglichkeiten. Sicher gibt es noch viele andere und ich bin neugierig auf euren Input. Nutzt ihr solche Möglichkeiten? Wenn ja, wie? Auf kreative Vorschläge oder auch Tipps für weitere Apps bin ich sehr neugierig.

Bewusst nenne ich hier keine konkreten Namen. Ich habe keine Lust, Werbung zu machen. Unter den gefetteten Stichworten findet ihr sicher die passenden Programme.

Und nochmal, es geht hier nicht um Stalking oder ungewollte Überwachung. Wer so etwas heimlich macht und ohne Wissen des Gegenübers, der macht sich höchstwahrscheinlich strafbar.

Es geht um etwas, das erwachsene Menschen freiwillig tun, weil sie Spaß und Lust daran haben.

Und wenn euch die Möglichkeiten der Überwachung, gerade über das Handy, erschrecken, dann habt ihr sicher Recht. Aber das ist dann kein Problem von BDSM, sondern ein gesellschaftliches. Eines, über das es sicher auch lohnt nachzudenken. Aber auch eines, für das dieser spezielle Blog nicht geeignet ist.

Was ist eigentlich 24/7?

Das Stichwort 24/7 ist im BDSM ja fast ein Mythos und ein Kampfbegriff. Für die einen ein absolutes Muss, unter dem BDSM quasi nur Spielerei ist. Für die anderen Horror, bei dem spätestens jeder Spaß aufhört.

Wie so oft im BDSM gibt es aber keine feststehende Definition des Begriffs, nach der sich dann alle richten können. Und so ist es nicht einfach, festzustellen, was denn 24/7 bedeutet. Der Begriff an sich ist eine Abkürzung dafür, dass etwas über 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche andauert.

Im Bezug auf BDSM kann das aber ja nicht bedeuten, dass man so etwas wie eine Session 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche durchzieht. Jeder muss auch mal aus dem Haus, arbeiten, Freunde treffen etc. Jegliche sexuelle Interaktion muss auch mal pausieren und hinter anderen Dingen das Alltags zurückstehen.

Für mich steht 24/7 für zwei Dinge im BDSM. Das Verlassen des rein sexuellen Bereichs und die erweiterte Abgabe von Selbstbestimmung des devoten Parts.

24/7 bedeutet nicht, jeden Tag nackt durch die Stadt zu laufen. Es bedeutet auch nicht, dass der devote Part nicht mehr Luft holen oder auf die Toilette gehen darf, ohne um Erlaubnis zu fragen. Es bedeutet nicht einmal, dass es jeden Tag verzwickte Aufgaben und Regeln gibt, die den Tagesablauf bestimmen.

24/7 bedeutet etwas anderes. Es ist eine Geisteshaltung. Aus meiner Sicht ist 24/7 nicht der Fakt, dass der dominante Part alles und jedes Detail des Lebens kontrolliert und bestimmt. Es ist die ständige Bereitschaft des devoten Parts Eingriffe in die Selbstbestimmung zuzulassen. Und die Bereitschaft des dominanten Parts, auch aktiv einzugreifen.

Wie in meinem Artikel über den Rahmen, in dem wir BDSM leben beschrieben, sollte immer festgelegt sein, wie weit der Eingriff des dominanten Parts gehen kann und wo die Grenzen sind.

Hat man diesen Rahmen festgelegt und ist sich darin einig, dass diese Eingriffe auch ohne Ankündigung im Alltag stattfinden können und sollen, hat man 24/7. Auch dann, wenn man explizit die Zeiten bei der Arbeit ausgeschlossen hat. Auch dann, wenn man andere Dinge, wie Beziehungen zu Freunden, ausgeschlossen hat.

Wie weit man dabei geht ist dann nur begrenzt durch die Lebensumstände und das, was beide wollen. Sollen die Eingriffe sehr weit gehen und sehr tief sein, oder nur wenige Bereiche betreffen? Das wird durch den oben erwähnten Rahmen definiert.

24/7 hat also nichts mit ständiger und dauerhafter Abhängigkeit vom Partner zu tun. Nichts mit Verträgen, die nicht mehr zu lösen sind. Und nichts mit der völligen Aufgabe von Selbstbestimmung.

Auch diese Formen gibt es im BDSM. Sie werden dann aber unter anderen Begriffen zusammengefasst. Dazu gerne mal TPE (Total Power Exchange) oder CIS (Completely Irrevocable Submission) googeln.

24/7 ist nichts, wovor man Angst haben muss. Denn es lässt sich sehr skalieren und dosieren. Wenn man es mit einem vernünftigen Gegenüber zu tun hat (und nur dann sollte man solche tiefgreifenden Dinge angehen), dann kann das sehr spannend sein. Und man kann es im Kleinen ausprobieren und testen, wie gut man zurecht kommt. Und wie weit es Freude macht.

Es gibt also keinen Grund, sofort schreiend davon zu laufen, wenn der Begriff 24/7 beim Kennenlernen irgendwann fällt. Nichts, was dahinter steht, ist per se schlimm und gefährlich.

Wie bei allem im BDSM muss man sich einfach dessen bewusst sein, was man tut. Und man muss vorher ausführlich darüber kommunizieren, was man will und was man auf keinen Fall will. Bei klarer Definition dieser Punkte kann 24/7 eine spannende Bereicherung sein.

Dann ist auch 24/7 kein Mythos mehr und kein Kampfbegriff. Sondern es ist eine weitere Praktik im BDSM und eine Möglichkeit auszuloten, wie weit man gehen will. Wie weit man sich auf diese Form der Sexualität und auf einen Partner einlassen will.

Sicher ist aber auch, 24/7 ist nichts, womit man anfängt. Es ist etwas für Leute, die wissen, worauf sie sich einlassen. Und für Leute, die ihre Grenzen formulieren und setzen können. Denn wenn man das nicht tut, dann drohen eben doch Übergriffe, die man so nicht wollte.

SSC oder RACK? WTF?

Was sind das für merkwürdige Abkürzungen, mag sich der geneigte Leser jetzt fragen. Das ist schnell beantwortet. WTF steht für „What the Fuck“ und heißt so viel wie „Was zur Hölle soll das bedeuten?“.

Bei den anderen beiden Abkürzungen ist es schon etwas komplexer und darum soll es um die beiden hier nun auch gehen.

Im Kern sind beides Philosophien oder moralische Konzepte, wie man BDSM auslebt. SSC steht dabei für „Safe, Sane, Consensual“ (übersetzt „sicherheitsbewusst, mit gesundem Menschenverstand und einvernehmlich“). RACK dagegen steht für „Risk-aware consensual kink“ (übersetzt etwa „Risikobewusster gemeinsamer Kick“).

SSC ist dabei die ältere der beiden Philosophien. Sie besagt im Grunde, dass man BDSM gemeinsam so auslebt, dass alle beteiligten Personen der Überzeugung sind, das was man tut sei sicher. Außerdem, dass man den gesunden Menschenverstand benutzt und natürlich alles einvernehmlich ist.

Da kommen wir aber schon zu den ersten Problemen, die manche mit SSC haben. Einvernehmlich ist noch klar. Natürlich muss alles, was beim BDSM passiert, einvernehmlich sein. Zumindest in einem Metakonsens. Was so viel bedeuten soll, wie „vielleicht habe ich dazu gerade keine richtige Lust, aber ich bin einverstanden, dass Du mich dennoch dazu ‚zwingst'“. Dieser Metakonsens muss immer herrschen. In der Sekunde, wo der Schmerz groß ist, macht er vielleicht keinen großen Spaß. Aber es muss Einvernehmlichkeit herrschen, dass der Schmerz dennoch „OK ist“.

Einvernehmlichkeit ist nicht verhandelbar und immer Grundlage von BDSM.

Was ist aber „sicher“? Was ist mit dem gesunden Menschenverstand noch vereinbar und was nicht? Ist den Partner anderen vorzuführen sicher? Das kann psychologisch zu Problemen und Konflikten führen, die man nicht immer gleich absehen kann.

Ist die Aufnahme von Urin mit dem gesunden Menschenverstand vereinbar? Was ist denn mit Keimen? Ist Natursekt dann überhaupt sicher? Wann ist ungeschützter Verkehr sicher? Wenn alle Beteiligten einen aktuellen Gesundheitstest dabei haben? Sollte man unter Einfluss von Drogen oder Alkohol BDSM praktizieren? Wie sicher ist das dann?

Da können die Meinungen schnell auseinander gehen. Und es genügt dann schlicht nicht, wenn einer der Meinung ist, eine Praktik sei sicher. Wenn einer der Beteiligten etwas für nicht sicher hält oder für nicht mit dem gesunden Menschenverstand vereinbar, dann fällt die Praktik unter SSC für diese Konstellation aus.

SSC ist also eine durchaus sehr sinnvolle Art und Weise, seine BDSM-Vorlieben einzustufen und mit anderen abzustimmen. Aber es ist auch eine Philosophie, die von manchen als sehr einschränkend empfunden wird. Denn wenn man nur tut, was alle als absolut sicher einstufen, dann fällt eben manches weg.

Und da kamen irgendwann Leute auf die Idee, man müsse andere Definitionen finden. So entstand RACK.

Auch in RACK kommt „consensual“, also einvernehmlich vor. Das können wir also als gegeben abhaken. Wo aber liegen die Unterschiede?

Im Grunde setzt RACK mehr auf Eigenverantwortung. Es besagt in etwa: „Ja, wir sind uns bewusst, dass das was wir tun nicht ungefährlich oder schlicht unvernünftig ist. Aber so lange wir das wissen und es dennoch wollen, ist es ok.“.

Nehmen wir ein Beispiel. Ich mag praktische Beispiele. Autofahren ist nur bedingt sicher und in einer Blechkiste mit 200 km/h durch die Gegend zu rasen, würden manche als gegen den gesunden Menschenverstand bezeichnen. Dennoch tun wir es. Wir wissen alle um das Risiko eines Unfalls, nehmen aber dennoch am Straßenverkehr teil.

So gesehen ist Autofahren nicht SSC, aber durchaus RACK. Ok, abgesehen von der Sache mit dem Kick. Aber hey, sogar den haben ja manche beim Autofahren.

Oder um es noch deutlicher zu sagen: wer als Dom seine Sub anderen zur Benutzung überlässt und den anderen Männern dabei erlaubt, die Kondome weg zu lassen, hat den Boden von SSC weit hinter sich gelassen. Weder ist das nach allgemeinem Verständnis sicher, noch mit dem gesunden Menschenverstand vereinbar. Aber unter RACK kann das durchaus dennoch Ok für die Beteiligten sein. Wenn sich alle der Risiken bewusst sind und es einvernehmlich beschlossen haben, dann sollen sie. RACK besagt: ihr müsst wissen was ihr tut.

Und RACK besagt auch, dass alle Praktiken erlaubt sind. Es müssen sich die Beteiligten nur bewusst sein, dass sie ein Risiko damit eingehen. Wichtig ist dabei aber, dass man sich der offensichtlichen Risiken, die durch bestimmte Praktiken entstehen, ebenso bewusst ist, wie der unabwägbaren Risiken.

Noch ein Wort zum Thema Safeword. Ein Safeword ist keine Garantie, aber es ist eine Vorsichtsmaßnahme. Wer ein Safeword weg lässt, der geht damit ein Risiko ein. Auch dieser Tatsache sollte man sich bewusst sein. Und bewusst ein Risiko einzugehen entspricht dann wieder der Definition von RACK. Wer also ohne Safword BDSM praktiziert, der hat SSC verlassen und befindet sich im Bereich von RACK.

Kurz gesagt: SSC ist vielleicht das etwas defensivere und vorsichtigere Konzept. RACK geht mehr Risiken ein und ist offensiver. Beide sollen helfen, sich dessen bewusst zu machen, was man tut oder besser lässt. Und selbstverständlich setzen beide Einvernehmlichkeit voraus.

Es ist wie so oft im Leben. Welche Philosophie oder welches Konzept man verfolgt, muss man selber entscheiden. Die eine Variante bietet vermeintlich mehr Sicherheit, die andere vermeintlich mehr Freiheit. Was für euch der richtige Weg ist, das könnt am Ende nur ihr entscheiden.

Aber eines ist für beide Varianten unabdingbare Voraussetzung: sich vorher Gedanken über das machen, was man will und was man bereit ist mitzumachen. Und egal welche der beiden Philosophien man dann verfolgt, kann DAS zumindest nicht schaden.

Klassische Gebote und Verbote

„Welche Anweisungen oder Regeln soll ich denn meiner Sub geben?“ lautete die Frage, die mich über Tellonym erreichte.

Puh, was soll ich sagen? Kurz eigentlich nur: das, was dir und euch Spaß macht und worauf ihr Lust habt. Tobt euch aus, seid kreativ und findet heraus, was euch kickt. Erforscht und formt euer eigenes BDSM.

ABER, die Frage hat mich dann doch zum nachdenken gebracht. Und ja, es gibt sie natürlich: die Klassiker im BDSM. Regeln, die sich lange bewährt haben, die beliebt sind und gerne benutzt werden.

Also warum nicht mal versuchen, einen kleinen Überblick zu geben? Die All-Time-Favorites sozusagen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit natürlich.

Für die, die sich fragen „Wieso überhaupt Regeln?“, verweise ich auf meinen Artikel „Regeln sind wichtig„. Dort habe ich zu diesem Thema einiges erklärt.

Wie in besagtem Artikel angesprochen ist ein Klassiker natürlich alles, was mit Kleidungsvorschriften zu tun hat. Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Keine Slips tragen, keine BHs tragen, nur Netzstrümpfe, nur Slips bestimmter Farbe oder Materialien tragen, nur Hose, nur Röcke, nur Kleider etc. Denkt euch aus, was ihr mögt und was euch gefällt. Und dann formuliert daraus eine Regel. Zu beachten ist hier nur das, was für alle diese Regeln gilt. Sie müssen umsetzbar sein und sie müssen durchgesetzt werden. Denn sonst entsteht schnell Frust.

Eine weitere Regel kann sein, dass Sub Dom nicht ansprechen und/oder überhaupt nur nach Erlaubnis reden darf. Das kann eine wunderbare Form der Reglementierung sein. Es kann dazu dienen ein normales Zusammensein besonders prickelnd zu machen. Allerdings ist hier natürlich Vorsicht geboten. Erstens macht es naturgemäß die Kommunikation schwer bis unmöglich. Das muss man beachten und wollen. Und je nach Persönlichkeit kann es sehr einschüchtern. Wer von sich aus nicht sehr kommunikativ ist, der wird dadurch womöglich endgültig verstummen.

Ähnliches kann man natürlich auch mit einer Variante umsetzen. Sub darf dann Dom nicht direkt anschauen, muss den Blick gesenkt halten. Auch das kann man, wie gesagt, machen. Auch das ist natürlich belastend für die zwischenmenschliche Beziehung und muss dosiert eingesetzt werden.

Sehr beliebt ist auch die Regel, dass Sub sich für Züchtigungen bedanken muss. Als Erniedrigung kann das sehr wirkungsvoll sein. Je nachdem wie hart die Strafe empfunden wurde, wird es noch schlimmer, wenn man sich dafür auch noch bedanken muss.

Besonders spannend wird es natürlich bei der Kontrolle der Sexualität. Wenn Dom diese übernimmt, dann kann die Regel oder besser das Verbot sich zu befriedigen genau richtig sein. Wie bei allen Regeln ist hier natürlich die Möglichkeit Fehlverhalten mit Strafe zu ahnden vorhanden und vielleicht verlockend. Aber wie bei allen Regeln sollte man aufpassen und der Versuchung nicht nachgeben. Regeln sollten ernst gemeint sein und nicht als Vorwand dienen.

Ebenfalls sexuell sind Regeln, die beispielsweise trainieren sollen. Ein Klassiker ist dabei das Training mit einem Plug. Der kann nach genauen Vorgaben regelmäßig tagsüber und im Alltag getragen werden. Ebenso sind bei weiblichen Subs auch Liebeskugeln möglich. Beides kann zur Stimulation und zum Training der Muskulatur verwendet werden. Plugs können da eben benutzt werden um zu dehnen und so anal besser zugänglich zu sein.

Auch die Anrede kann in Regeln gegossen und so genutzt werden um den Umgang miteinander zu regeln. Sowohl Titel wie Herrin, Herr, Master, Mistress oder auch Daddy sind denkbar. Aber auch die Variante, den dominanten Part zu siezen, ist beliebt. Das müssen allerdings auch beide wollen, denn für viele fühlt sich das merkwürdig an.

Wie erwähnt kann das nur ein kleiner Einblick sein und wie ebenfalls erwähnt: seid kreativ. Überlegt euch selber, was für euch passt und was euch gefällt. Wer nicht so gerne selber kreativ ist, der kann sich natürlich hier bedienen. Wobei ich davon nichts erfunden habe. Vieles wird schon seit vielen Jahren abgeschaut. Beispielsweise auch aus Büchern, wie zum Beispiel „Die Geschichte der O„. Auch das ist ok. Niemand muss sich schämen, weil er etwas nachmacht, das irgendwo aufgeschrieben ist. Allerdings sollte man eben auch nichts kritiklos nachmachen. Es muss eben auch zu einem selber, zum Partner und zur Situation passen.

Um auf das konkrete Beispiel des oben erwähnten Romans einzugehen, kann man ja auch nicht erwarten, als Sub in einem Schloss gefangen gehalten und benutzt zu werden, wenn der Partner in einer Zwei-Zimmer-Wohnung lebt. Alles muss eben zu denen passen, die es leben. Wenn das der Fall ist, dann wird es schon gut gehen. Und wenn sich herausstellt, dass es nicht so passt, dann kann man gemeinsam die Regeln ändern. Das kann einem keiner verbieten.

Rituale im BDSM

Es ist nicht zu leugnen. Rituale sind wichtig im BDSM. Ganz sicher wichtiger, als Außenstehende denken. Rituale bilden oft sogar eine Klammer, die eine ganze BDSM-Beziehung zusammenhält. Also werfen wir einmal einen Blick darauf.

Von welcher Art Ritualen sprechen wir hier eigentlich?

Da gibt es viele. Beispielsweise das berühmte Halsband. Für manche BDSM-Konstellationen ein zentraler Punkt: Sub bekommt von Dom ein Halsband umgelegt. Schon das Aussuchen des Halsbandes ist da sehr wichtig. Es zu überreichen und anzulegen ist dann oft ein Ritual, das beiden sehr wichtig ist. Für manche sogar vergleichbar mit der Eheschließung unter „Vanillas“.

Wiederum andere kennzeichnen mit dem Anlegen des Halsbandes den Beginn einer Session. Bei ihnen wird das Halsband im Alltag nicht getragen. Und wenn es dann angelegt wird, ob von Sub selber oder von Dom, dann kennzeichnet das den Start der Session.

Auch Strafen können ein Ritual sein. Manche sammeln Vergehen und dann gibt es zu festgelegten Zeitpunkten ritualisierte Strafen. Beispielsweise ist ein fester Zeitpunkt vereinbart, an dem Sub weiß, dass die Strafe ansteht. Sub entkleidet sich und bringt beispielsweise den Rohrstock oder was auch immer als Strafe eingesetzt wird. Auch die Vergehen dann noch einmal vorzulesen kann ein Ritual sein, um sich in die Stimmung zu versetzen.

Etwas, das ebenfalls sehr ritualisiert ist, sind Postionen, die einzunehmen sind. Hier nimmt Sub immer wieder die selben Postionen ein, um beispielsweise zu warten, Strafe zu empfangen, oder auch sexuell benutzt zu werden.
Ein gutes Beispiel dafür sind die sogenannten GOR-Positionen, die dem GOR-Universum der Bücher des Autors John Norman entstammen.

In Femdom Beziehungen kann das anlegen und abnehmen eines Keuschheitsgürtels ein Ritual sein, das gemeinsam zelebriert wird.

Warum aber sind Rituale wichtig?

Rituale sind immer wichtig. Vor allem stiften sie Gemeinschaft. Fragt bei jeder beliebigen Religion nach. Die Leute da wissen das sehr genau. Aber auch für Paare stiften gemeinsame Rituale Gemeinschaft. Man tut Dinge gemeinsam. Im besten Fall vielleicht sogar Dinge, die man nur mit diesem einen Menschen tut. Und vielleicht sogar Dinge, die man so noch nie mit jemand anderem getan hat.

Das bindet zwei Menschen aneinander. Und das wollen wir ja im BDSM-Bereich. Zumindest, wenn man auf irgendeine Form von Beziehung hinaus möchte.

Zusätzlich wirken Rituale, die beispielsweise ein Halsband beinhalten, noch auf mehreren Ebenen. Wie gesagt stiften sie ein Zusammengehörigkeitsgefühl und eine Gemeinschaft. Da haben wir also eine psychologische und emotionale Ebene. Weiterhin gibt das Halsband dem Paar aber auch eine physische Ebene. Sub spürt das Halsband und seine Wirkung. Dom kann Sub am Halsband packen etc. So werden also auch die Sinne angesprochen.

Ebenso ist es natürlich mit dem Keuschheitsgürtel oder auch der körperlichen Strafe. Sie wirken auf ganz ähnliche Weise.

Rituale geben auch Struktur. Sie sind etwas, an dem man sich festhalten kann. Zu dem man zurückkehren kann, wenn es in der Beziehung oder im Alltag mal stürmisch ist. Dann können sie Halt geben und helfen, in die Rolle innerhalb der BDSM-Konstellation zurückzukehren.

Ein ganz simples Beispiel dafür sind gemeinsame Essen. Das Frühstück, Mittagessen und Abendessen strukturieren für viele den Tag. Es ist ein tägliches Ritual. Und wenn man die Mahlzeiten gemeinsam einnimmt, dann haben sie eine ähnliche Wirkung, was die Gemeinschaft der Familie oder des Paares angeht.

Sind alle Rituale gut?

Nein, natürlich nicht. Kritiklos die Rituale anderer zu übernehmen ist Unsinn. Sich jetzt eine Liste aus dem Netz zu laden, oder den befreundeten Dom oder die befreundete Sub nach Vorschlägen zu fragen, wäre Quatsch. Jeder sollte sich anschauen, was zu ihm/ihr passt und was in die konkrete Konstellation passt. Eine Spielbeziehung hat andere Rituale als eine BDSM-Konstellation in einer Ehe.

Das Mehrfach erwähnte Halsband passt nicht in jede Konstellation. Aber wenn andere sagen, es passt nicht in eure Beziehung, ihr habt aber Lust dazu: dann macht es.

Man sollte sich anschauen, was einen interessiert und dann ausprobieren, worauf man Lust hat. Und wenn es für euch funktioniert, dann macht es. Siehe dazu auch mein Beitrag zum Thema BDSM als Setzkasten.

Alles, was ich oben über Rituale und ihre positive Wirkung gesagt habe, trifft nämlich nicht zu, wenn man sie sich überstülpt. Wenn man Rituale übernimmt, hinter denen man nicht steht, dann werden sie schnell lästig. Und dann verlieren sie alles, was sie sonst positives bewirken können.

Habt also keine Angst vor Ritualen. Im Gegenteil, nutzt ihre Kraft. Aber nur so, wie es für euch gut ist. Und niemals unreflektiert das übernehmen, was andere euch vorschreiben wollen.

Goethe und das Dilemma Sub oder Sklavin

„Name ist Schall und Rauch“ wusste schon Goethe und schrieb es im „Faust I„. Da ist, wie so oft, eine Menge dran.

Aber keine Sorge. Wir sind hier nicht bei den Germanisten, sondern bei den Perversen. Wobei es da sicher eine große Schnittmenge gibt. Daher soll es hier also nicht um Goethe gehen, sondern um die Frage: Wie nennt sich diese Rolle des „dienenden Parts“ in einer BDSM-Konstellation?

Es gibt da viele Begriffe: Sub, Sklavin, Bottom, O, Zofe und vielleicht noch ein paar mehr die ich nicht kenne.

Zuerst einmal die gängigen Definitionen und schon die sind schwammig. Wie bei so vielem im BDSM gibt es kein goldenes Buch, in dem die allgemein gültigen Regeln stehen.

Als Sub wird allgemein eine devote Person beschrieben. Also eine Person, die Lust und Freude daran hat, sich einem dominanten Part zu unterwerfen. Die es genießt seinen Anweisungen und Regeln zu folgen.

Eine Sklavin ist einer Sub einigermaßen ähnlich in ihrer Neigung. Der wichtige Unterschied der meistens zwischen beiden gemacht wird ist, dass eine Sklavin als rechtlos gesehen wird. Wo die Sub also Möglichkeiten hat ein Veto einzulegen, Tabus zu definieren etc. hat die Sklavin diese Rechte nicht.

Manche sehen in einer Sklavin eine Weiterentwicklung einer Sub. Andere empfinden die beiden als ganz unterschiedliche Rollen.

Als Bottom bezeichnet man eine Person die in der BDSM-Beziehung den passiven Part einnimmt, dabei aber meist nicht devot ist, sondern dem in dem Fall Top genannten Partner auf Augenhöhe begegnet. Diese Rollenverteilung findet man am ehesten in Konstellationen wo es rein um SM, also Sadomasochismus geht.

Eine O wieder ist auch im allgemeinen eine Sub, die ihre Rolle aus dem berühmten Buch „Die Geschichte der O“ ableitet und häufig den dort formulierten Regeln folgt und den dort beschrieben Kleidungsstil pflegt.

Auch eine Zofe ist eher eine Spielart der oben beschrieben Rollen. Die Zofe ist oft in Kleidung von Haus- oder Zimmermädchen gekleidet. Oft ist eine Zofe nicht sexuell verfügbar oder nicht nur. Sondern dient, wie der Name andeutet, als Hilfe im Haushalt.

Ist die Verwendung dieser Begriffe nun verpflichtend und wird man aus BDSM-Kreisen raus geworfen, wenn man sie falsch benutzt? Nein. Und wenn doch, dann sind es die falschen Kreise.

Diese Begriffe dienen allerdings dazu zu kategorisieren. Und das kann hilfreich sein, wenn man ein Gegenüber sucht um sich auszuleben. Wer sich also als Sub bezeichnet wird beim Gegenüber eher die Erwartung wecken, es mit einer devoten Person zu tun zu haben. Das hilft beiden zu ahnen, was einen erwartet oder was man sucht.

Muss man sich in eine Kategorie einsortieren und dann da immer bleiben? Nein, natürlich nicht. Wer Lust hat darf auch heute eine Sub sein und morgen eine Zofe oder eine Domina. So lange das Gegenüber mitzieht ist einfach alles erlaubt. Und wenn man sich parallel mit mehreren auslebt ist ein Rollenwechsel oft noch einfacher.

Und sind diese Rollen oder Kategorien nun so in Stein gemeißelt? Auch das nicht. Daher ist die Kommunikation ganz wichtig. Wer etwas wie versteht und definiert, dass ist ganz individuell. Daher muss man darüber reden und erfragen, was genau der andere darunter versteht. Klären was Ok ist und was Tabus sind usw. Das Übliche also.

Ich persönlich habe früher gerne den Begriff Sklavin verwendet. Dabei habe ich in meinem Verständnis nie eine völlig rechtlose Frau gemeint. Das ging mit damals und ginge mir heute auch zu weit. Per Definition von weiter oben habe ich immer eine Sub gemeint. Aber der Begriff Sklavin hatte für mich etwas archaisches. Etwas von römischen Orgien und nackten Sklavinnen in Ketten. Die Vorstellung gefiel mir.

Irgendwann störte mich dann der Beigeschmack der Rechtlosigkeit selber und ich war die Erklärungen Leid, dass ich es anders meinte. So bin ich zum Begriff Sub zurück gekommen. Man könnte sagen, ich habe mich dem Mainstream gebeugt. 😉

Zum Thema Sub noch ein Gedanke der nur halb hier hin gehört, der aber mal gesagt werden muss. Es gibt weniges im BDSM, dass abturnender ist als wenn der Begriff „Subbie“ oder „Subbilein“ verwendet wird. Für mich das Äquivalent dazu, wenn sich Paare als „Mutti“ und „Vati“ ansprechen. Aber das nur am Rande.

Meine Gedanken zum Thema Sub, Sklavin oder andere Kategorien ist: Kategorien sind wichtig. Sie helfen bei der Kommunikation, denn so hat jeder eine Ungefähre Vorstellung was der andere meint. Wenn wir von einem Stuhl, einem Hocker oder einem Sessel reden, dann weiß auch jeder in etwa was gemeint ist. Das erleichtert die Kommunikation.

Ähnlich ist es bei diesen Begriffen. Dennoch sind die Übergänge fließend. Sowohl bei Hockern und Stühlen, als auch bei Subs und Sklaven. Während ich Diskussionen mit einem Küchenstuhl für sinnlos halte, empfehle ich sie im BDSM uneingeschränkt. Jeder definiert sich etwas anders. Und eine gewählte Kategorie  wie Sub oder Sklavin kann nur einen Fingerzeig geben. Sie kann nicht eine so facettenreiche Neigung wie BDSM in Gänze definieren.

Denn am Ende kommt es eben darauf an, wie man die Neigung mit Leben füllt und nicht welche Überschrift darüber steht. Und ich wette das wusste auch schon Goethe, der ja auch kein Kostverächter war.