Kommunikation zwischen Hund und Katze

Kommunikation ist ja an sich schon schwierig. Was der eine Mensch sagt ist nicht immer identisch mit dem, was bei dem anderen Menschen ankommt. Da geht es schon los. Eigentlich sollte am Ende einer Diskussion noch einmal zusammengefasst werden was der eine meint gesagt zu haben und was der andere verstanden hat und umgekehrt. Dem würde sich dann aber vermutlich wiederum eine weitere Diskussion anschließen und so weiter.

Aber auch vermeintlich eindeutige Aussagen wie „ich melde mich nachher“ können schon zu Missverständnissen führen. Für den einen bedeutet das „in den nächsten 15 Minuten“ der andere meint damit aber „irgendwann heute noch“. Selbst Worte bedeuten für uns oft unterschiedliche Dinge. Wenn ich sage „nachher“, dann meine ich üblicherweise „recht bald“. Hätte ich „heute Abend“ gemeint, hätte ich es auch gesagt.

Ein anderes Beispiel. Wenn der eine Mensch sagt, es gäbe „eine Kleinigkeit zu Essen“, dann meint er damit womöglich zwei Scheiben Brot und eine Essiggurke. Ein anderer Mensch versteht darunter womöglich „statt fünf Gänge nur drei Gänge“.

Ein Mensch, der diese Begriffe aber anders verwendet, wird sie auch anders verstehen, wenn man sie ihm gegenüber verwendet.

Aber Kommunikation besteht ja nicht nur aus dem gesprochenen Wort. Wir kommunizieren auch durch Schweigen, durch Handlungen und durch Nicht-Handlungen. Wie der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick sagte „Wir können nicht nicht kommunizieren„.

Mein Lieblingsbeispiel ist hier der Unterschied in der Körpersprache von Hunden und Katzen. Daher der Titel des Artikels, falls ihr euch schon gewundert habt. Wenn Hunde sich freuen, wedeln sie mit dem Schwanz (billig Witze darüber, dass Männer das angeblich genauso halten hier mal außen vor). Wenn Katzen mit dem Schwanz „wedeln“, sprich ihn langsam hin und her bewegen, dann ist das ein Warnzeichen und kündigt meist einen unmittelbar bevorstehenden Angriff an.

Wenn also die Katze einen Hund sieht, der mit dem Schwanz wedelt, dann denkt sie „Der greift gleich an…“ und wird womöglich prophylaktisch selber angreifen. Der Hund wird sich darauf denken „Wofür war das denn?“ und entweder die Welt nicht mehr verstehen oder selber aggressiv werden.

Objektiv gesehen hat niemand etwas falsch gemacht, dennoch ist die Lage eskaliert. Beide können aber lernen die Körpersprache des anderen zu verstehen und schon können viele Probleme vermieden werden.

Und bei Menschen? Da ist es beispielsweise so, dass der eine Mensch, wenn er jemanden besonders mag oder sich verliebt hat, am liebsten jeden Tag telefoniert und stundenlange Gespräche führt. Will das Gegenüber das aber nicht, dann ist im Kopf des ersten klar: „Da ist kein Interesse.“.

Kann sein, muss aber nicht. Auch Menschen drücken ihre Zuneigung und Abneigung unterschiedlich aus. Wenn Mensch A also gerne viel telefonieren will, Mensch B aber gelegentliche Kurznachrichten völlig ausreichend findet, dafür Mensch B seine Zuneigung mit kleinen Gesten ausdrückt, die für Mensch A nichts besonderes bedeuten, dann kann das schnell zu Missverständnissen führen. Es sei denn, sie bemühen sich ihr Gegenüber zu verstehen.

Die eigenen Maßstäbe an Kommunikation sind nicht die Norm, an der sich alle Menschen orientieren.

Wenn einem wichtig ist mit dem anderen Menschen zu kommunizieren und klar zu kommen, dann ist es elementar wichtig die Sprache und Zeichen des Gegenübers verstehen zu lernen. Das erleichtert alles ungemein.

Was ich damit aber explizit NICHT sagen möchte ist, dass ein „Lass mich in Ruhe“ nicht „Lass mich in Ruhe“ heißt. Oder irgendeinen Scheiß wie „Wenn sie Nein sagt, meint sie Ja“. So meine ich das nicht und so will ich nicht verstanden werden. Das ist übergriffiger Mist und sagt nur aus, dass einem das Gegenüber eigentlich egal ist und man nur den eigenen Willen durchsetzen möchte.

Was ich meine ist, dass man manchmal das eigene Verhalten oder die eigenen Aussagen hinterfragen darf um herauszufinden, wie sie bei anderen ankommen. Eben versuchen das Verhalten anderer nicht nur nach den eigenen Maßstäben zu bewerten. Das kann gerade beim Kennenlernen und in der Anbahnung von neuen Beziehungen extrem helfen.

Wenn euer Gegenüber sich nicht zehnmal am Tag meldet, Bilder schickt oder Liebesschwüre schreibt, ihr das aber als das absolute Minimum seht, wenn jemand Interesse hat, dann redet mal drüber. Kommuniziert euer Bedürfnis. Entweder hat euer Gegenüber wirklich kein Interesse oder kommuniziert einfach ein wenig anders als ihr.

Ach ja und vorsichtig beim Schwanzwedeln. Kann man nicht oft genug sagen.

Männer, wir müssen reden

Als Mann muss ich euch mal ein paar Dinge sagen. Oder uns ein paar Dinge sagen. Ich gehöre ja dazu und mache auch manchmal ähnliche Fehler wie die, um die es heute gehen soll. Fangen wir mal mit ganz grundlegenden Dingen und ohne Anspruch auf Vollständigkeit an.

Niemand kann aufgrund seines Geschlechts etwas besser oder schlechter als andere anderen Geschlechts. Ich selbst könnte keine Lampe anschließen auch wenn viel davon abhinge. Dafür kann ich kochen. Manche Männer können gut Autofahren, andere schlecht. Manche Frauen können einparken, andere nicht. Es hat nichts mit dem Geschlecht zu tun.

Niemand ist mehr wert als ein anderer. Nicht wegen des Geschlechts und auch nicht wegen der Herkunft, wenn wir schon dabei sein.

Nachdem diese Grundlagen hoffentlich geklärt sind, nämlich dass kein Geschlecht besser ist oder mehr Rechte haben sollte als ein anderes, nun zum Thema Sex.

Nähern wir uns dem Thema an um das es gehen soll: Frauen sind auch nicht dazu da um uns zu gefallen oder anzumachen. Ihre Körper sind nicht dazu da uns zu gefallen oder von uns sexualisiert zu werden. Wenn eine Frau sich heiß anzieht, dann will sie vielleicht Aufmerksamkeit. Vielleicht will sie sich aber auch nur anziehen, wie es ihr gefällt. Was sie aber sicher nicht will, ist von fremden Typen begafft oder gar angefasst zu werden.

Liebe Männer, Frauenkörper gehören euch nicht. Sie gehen euch ehrlich gesagt in den meisten Fälle gar nichts an. Wenn ihr das Glück habt, dass euch ein oder gar mehrere Frauenkörper mit Einverständnis der Besitzerinnen etwas angehen, dann genießt es und lasst die anderen in Ruhe.

Das gilt übrigens alles ganz ausdrücklich auch für Menschen in Beziehungen. Auch für Ehepartner und Partnerinnen, Spielpartner und Partnerinnen, Lebensgefährten und Gefährtinnen etc.

Soweit das Allgemeine. Nun zum konkreten Akt.

Ich habe noch nie verstanden, was an einem Menschen besser oder als Partner oder Partnerin reizvoller sein soll, weil dieser Mensch bisher keinen Sex hatte. Was soll das? Ich kenne auch keine Frau, die auf einen „Jungmann“ besteht. Nach dem Motto „Mein Mann muss unberührt in die Ehe gehen, aber ich will vorher rumficken.“ Ja, es gibt religiöse Gründe, dass beide unberührt in die Ehe gehen wollen, aber dazu sage ich hier jetzt nichts. Dieses „unberührt“ ist so ein männliches Ding. Man selber fickt rum und hatte 20 oder 30 Frauen, will dann aber eine „Jungfrau“ für eine Beziehung.

Was für eine Heuchlei. Was für Dreck.

Entweder ihr seid der Meinung, dass Sex einen irgendwie befleckt oder verdirbt, dann dreht ihr der armen „Jungfrau“ euch als befleckte Ware an. Oder Ihr wollt einfach nur Spaß haben und gönnt ihn den Frauen nicht.

Ganz abgesehen davon, ist es wirklich so erstrebenswert mit jemandem Sex zu haben, der oder die keine Erfahrung hat? Ich wusste die ersten Male sicher nicht was ich tue und was ich tun sollte. Niemand muss Erfahrung haben, aber schädlich ist sie für den Sex eigentlich nie.

Liebe Männer, auch wenn es das schöne Zitat „Sex ist nur schmutzig, wenn er richtig gemacht wird.“ gibt, er beschädigt die Frauen nicht. Er befleckt sie auch nicht. Eine Frau die viel Sex hatte wird dadurch kein bisschen weniger „wert“ als eine „Jungfrau“. Wo sind wir hier? Im Mittelalter?

Mal ehrlich, wenn es auch so sehr belastet, euch bei einer Frau von Ende dreißig oder Anfang vierzig vorzustellen, dass da schon andere Männer ihren Penis in eine ihrer Körperöffnungen gesteckt haben, dann hinterfragt mal eure Männlichkeit und euer Selbstwertgefühl. Wenn ihr euch einreden müsst „Da war vor mir noch keiner dran“, dann habt ihr ein Problem und nicht die Frau.

Haben wir das soweit geklärt? Dann kommen wir zum Thema Monogamie. Ist es schlimm, wenn die Partnerin auch Sex mit anderen hat oder haben will?

Wenn eure Frauen etwas Sexuelles außerhalb der Beziehung suchen, dann spricht das nicht gegen eure sexuellen Fähigkeiten. Nicht jeder kann jedes Bedürfnis erfüllen und manchmal ist es nur der Wunsch, etwas Neues zu erleben. Etwas ausprobieren, das der andere vielleicht nicht mag oder das mit einem anderen Sexpartner besser oder einfacher geht.

Sagen wir es doch mal wie es ist: Geschlechtsteile nutzen nicht ab, wenn sie häufig benutzt werden. Im Gegenteil ist es eher so, dass sie Schaden nehmen, wenn sie zu selten oder nie benutzt werden. Wenn eure Frau sich also mit einem anderen trifft, dann nimmt euch das erst einmal gar nichts weg. Im Gegenteil. Wenn sie trotz anderer Erfahrungen immer wieder zurückkommt, dann sagt das ja auch etwas über euch und eure Beziehung aus.

Natürlich kann das Thema heikel sein. Daher ist es umso wichtiger, dass man von Anfang an über seine Bedürfnisse spricht und diese klar formuliert. Ebenso wichtig ist es, darüber im Gespräch zu bleiben. Denn Bedürfnisse können sich auch ändern. Einfach mal etwas anderes erleben zu wollen ist nicht schlimm. Für beide Seiten ist das ok, wenn man offen damit umgeht und sich abspricht. Ist es nicht ok, so macht es den Umgang miteinander zumindest ehrlicher und auch oft einfacher, wenn man offen kommuniziert.

Seht es doch mal so: Viel wichtiger ist doch, dass ihr im Kopf die Nummer Eins seid.

Lieber Männer, hinterfragt und entspannt euch. Wir können alle sexuell viel freier leben, wenn wir offen über Bedürfnisse reden, uns nicht gegenseitig begrenzen und limitieren, sondern beflügeln und unterstützen. Wir können viel freier und befriedigter leben, wenn wir unsere Bedürfnisse ausleben und es auch unseren Partnerinnen und Partnern erlauben.

Dazu müssen wir ein paar grundlegende Fakten aber erst einmal verinnerlicht haben und darum sollte es heute gehen. Ich hoffe, ich konnte den ein oder anderen von euch erreichen. Wäre doch schön, wenn wir dazulernen würden.


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Kontaktabbruch oder auch Ghosting

„But you didn’t have to cut me off
Make out like it never happened and that we were nothing
And I don’t even need your love
But you treat me like a stranger and that feels so rough“

„Somebody That I Used to Know“ von Gotye

Heute geht es mir um ein Thema, dass wenig bis nichts mit BDSM, aber dafür viel mit Beziehungen zu tun hat. Vor allem mit ihrem Ende.

Ich spreche hier nicht davon, dass man einen Chat auf einem Flirtportal beendet oder nach zwei Dates feststellt, dass es irgendwie doch nicht passt. Ich meine Beziehungen, in denen man über Monate oder Jahre zusammen war und dann ein Part mit dem anderen kein Wort mehr redet. Ihn oder sie komplett aus ihrem oder seinem Leben entfernt und nie wieder Kontakt zulässt.

Es wird nicht mehr ans Telefon gegangen, Kontakte in Messengern werden gesperrt, Nachrichten nicht mehr beantwortet.

Diese miese Form der Trennung nennt sich Ghosting. Ein Begriff der erst in den letzten Jahren aufgekommen ist und bedeuten soll, dass man vom ehemaligen Partner wie ein Geist behandelt wird, durch den man hindurch sieht. Es kommt einem so vor, als habe man sich die ganze Beziehung nur eingebildet.

Alleine an der Tatsache, dass es dafür einen eigenen Begriff gibt, sieht man schon: selten scheint dieses Verhalten nicht zu sein.

Es mag Gründe geben, den Kontakt völlig abzubrechen. Gewalt in der Beziehung ist so ein Grund. Keinen Kontakt zu einem gewalttätigen Partner mehr haben zu wollen ist eine völlig gesunde Reaktion.

Hilflosigkeit, Angst aber auch Feigheit sind Gründe den Kontakt abzubrechen. Es liegt aber in der Natur der Sache, dass derjenige, zu dem der Kontakt abgebrochen wird die genauen Gründe nie erfährt. Denn es gibt ja keine Kommunikation, keinen Kontakt mehr.

In der Regel wird Ghosting so definiert, dass es ohne Ankündigung passiert. Andere definieren es so, dass nach einem Abschiedswort der Kontakt abgebrochen wird. In jedem Fall bedeutet es aber, dass ab einem Punkt X zwischen zwei Menschen die sich geliebt haben von einer Partei ausgehend keinerlei Kontakt mehr stattfindet.

Es ist aus meiner Sicht ein Akt der Gewalt. Wo vor kurzem noch Liebe, Hoffnung und Träume waren, wird verbrannte Erde hinterlassen ohne zu erklären. Es werden emotionale Wunden geschlagen von denen ich aus Erfahrung sagen kann, dass sie auch nach Jahrzehnten nie ganz verheilen.

Wer sich so aus einer Beziehung zurück zieht, der tut dem anderen Gewalt an. Darüber sollte man sich klar sein.

Die Journalistin Tina Soliman hat ein Buch über das Thema veröffentlicht und beschreibt die Auswirkungen in einem Interview wie folgt: „Der Neurologe und Psychologe Michael Linden von der Charité spricht von einer ‚posttraumatischen Verbitterungsstörung‚. Das ist eine reaktive psychische Störung infolge des Erlebens von Ungerechtigkeit, Herabwürdigung oder Vertrauensbruch, gekennzeichnet durch nagende Verbitterungsgefühle, Aggressionsfantasien, schlechte Stimmung, Rückzug aus Sozialbeziehungen und Einengung des Lebens. Die Geghosteten trauen sich nicht mehr in Beziehungen. Solche Erfahrungen prägen sich tief in unsere DNA ein.“

Gerade heute ist es leicht sich zurück zu ziehen und den Kontakt abzubrechen. Im Gegensatz zu früher hat man den Partner oft nicht bei der Arbeit oder im Freundeskreis gefunden. Oft ist er weit weg, man hat sich über das im Internet getroffen und lieben gelernt. Die Distanz erleichtert es dann, den früher geliebten Menschen aus dem eigenen Leben zu streichen.

Aber wie oben erwähnt, reißt man dabei tiefe Wunden.

Es kommt oft noch dazu, dass man den anderen ja durchaus in sozialen Medien noch agieren sieht. Er oder sie ist also keinesfalls im Amazonasgebiet verschollen oder bei einer Expedition zum Mond gestrandet. Nein. Er oder sie agiert und lebt sich aus, ghostet einen aber eben. Das macht es noch brutaler.

Daher halte ich es auch bei diesem Thema so, wie ich es bei allen Themen halte: seid offen und ehrlich miteinander. Kommuniziert mit den Menschen. Redet und schreibt miteinander. Erklärt eure Gefühle und Beweggründe. Auch in der Trennung.

Und wenn es euch nicht zum Zeitpunkt der Trennung möglich ist die Umstände zu erklären, dann gebt dem Menschen irgendwann später eine Erklärung. Eine Erklärung, die womöglich Wunden heilen kann. Denn die Fragen im Kopf bleiben auch nach Monaten und Jahren.

Reden wir über Bedürfnisse

Ihr werdet es ahnen, hier geht es nicht um Bedürfnisse wie Atmung, Nahrung oder Schlaf. Aber auch nicht ausschließlich um sexuelle Bedürfnisse. Womöglich wird dass hier etwas weniger BDSM-bezogen als sonst üblich. Wir werden sehen.

Menschen haben viele Bedürfnisse. Nach der Maslowschen Bedürfnishierarchie gibt es verschiedene Arten von Bedürfnissen. Die oben genannten wären dann physiologische Bedürfnisse. Sie haben wir alle. Aber jeder hat eben auch ganz individuelle Bedürfnisse und diese treiben den jeweiligen Menschen an. Sie machen viel von dem aus wer wir sind. Sie beeinflussen maßgeblich unsere Entscheidungen. Die großen und die kleinen.

Wer die eigenen Bedürfnisse nicht kennt, der versteht oft nicht, wieso er oder sie handelt wie er oder sie eben handelt.

Verhalten und Konflikte versteht man oft, wenn man versteht was das Bedürfnis des anderen ist. Manchmal kann man den Konflikt dann lösen, manchmal erkennt man dann aber auch, dass es keine Lösung geben kann mit der beide Seiten zufrieden sind. Nämlich dann, wenn die Bedürfnisse sich widersprechen. Sprich, wenn die Erfüllung des einen Bedürfnisses die Erfüllung des anderen verhindert.

Klingt abstrakt und kompliziert? Ist es eigentlich nicht so sehr.

Wenn zum Beispiel ein Mensch ein großes Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit hat, dann wird er oder sie vielleicht einen möglichst sicheren Job haben wollen. Kinder bekommen, ein Haus kaufen. Hat auf der anderen Seite ein Mensch ein großes Bedürfnis nach Freiheit, dann wird dieser Mensch vielleicht wenig wert auf einen festen Job legen. Vielleicht wird dieser Mensch gerne von heute auf morgen alles fallen lassen und einen sechsmonatigen Trip durch Südamerika machen wollen.

Dass diese beiden Menschen jetzt ein Paar werden, dass länger als wenige Monate zusammen bleibt ist unwahrscheinlich. Zu unterschiedlich sind ihre Vorstellungen und Bedürfnisse. Es sei denn natürlich, einer von beiden ist sich seiner Bedürfnisse nicht bewusst oder entscheidet für die Liebe darauf zu verzichten.

Wir sind uns vermutlich einig: dann sind Konflikte vorprogrammiert.

Vor allem, da Bedürfnisse sich im Laufe eines Lebens verstärken oder verändern können. Vielleicht wird der freiheitliebende Mensch sich mit den Jahren immer mehr eingesperrt fühlen. Als Gegenreaktion wird dieser Mensch womöglich ein immer größeres Bedürfnis nach Freiheit entwickeln. Alle Versuche den „Sicherheits-Menschen“ zu kleinen und größeren Ausbrüchen zu motivieren sind unbeantwortet geblieben. Klar, es entspricht ja nicht dessen Bedürfnissen.

Irgendwann, nach vielen Jahren Beziehung, wird es vielleicht nicht mehr auszuhalten sein. Womöglich bricht dieser Mensch dann aus um endlich in zerrissenen Jeans durch San Francisco zu gehen. Zurück bleibt ein fassungsloser Partner der nicht versteht, was „plötzlich“ so anders ist, wo doch bisher alles so „perfekt“ war.

In diesem Beispiel haben beide nicht ausreichend auf ihre Bedürfnisse geachtet oder sie nicht ausreichend gekannt.

Nun nähern wir uns dem Punkt. Auch erfüllte Sexualität ist ein Bedürfnis. Ein sehr starkes und grundlegendes sogar. Bei manchen stärker und bei anderen schwächer ausgeprägt. Bei ganz wenigen sogar kaum vorhanden.

Für manche Menschen ist Sex ein zentraler Punkt und ganz essentieller in ihrem Leben. Für andere etwas Schönes, aber eher etwas dass eben da ist. Beides ist in Ordnung. Genauso wie Essen für manche eine pure Notwendigkeit und für andere ein Luxus im Alltag ist, der aus einem mittelmäßigen Tag einen fantastischen Tag machen kann.

Unterschiedliche Bedürfnisse eben.

Problematisch kann es werden, wenn sich beim einen die Leidenschaft für Sex weiter entwickelt und beim anderen nicht. Oder wenn sich die Vorstellung wie erfüllte Sexualität aussieht auseinander entwickelt haben.

Vielleicht hat man früher gut zusammen gepasst. Vielleicht standen bei beiden am Beginn der Beziehung das Bedürfnis nach Liebe, Geborgenheit und Familie im Vordergrund. Nun wo das erfüllt ist, rücken aber bei einem Partner andere Bedürfnisse in den Vordergrund und entwickeln sich weiter.

Wie gesagt, auch sexuelle Bedürfnisse können sich entwickeln, Anlage die vorhanden waren sich verstärken und im Resultat hat man andere sexuelle Bedürfnisse als der langjährige Partner. In der Fantasie entstehen vielleicht Ideen von BDSM die verschüttet waren und als jugendliche Spinnereien abgelegt schienen.

Nun werden sie aber immer stärker und sie sind eben genauso ein Bedürfnis wie die anderen Bedürfnisse auch. Wie im Beispiel oben mit dem freiheitsliebenden und dem sicherheitsliebenden Menschen hat man sich aber womöglich einen Partner ausgesucht, der ganz andere Bedürfnisse hat. Mit dem man wie erwähnt anfänglich ähnliche Bedürfnisse hatte, aber eben nicht alle geteilt hat. Wie dass nach erfüllter Sexualität oder Freiheit.

Was in dieser Situation nicht hilft ist, dem anderen Vorwürfe zu machen wie „Für das bisschen rumficken willst Du unsere Beziehung zerstören?“. Das ist nicht der Punkt. Das ist ein typischer Fall vom nicht verstehen anderer Bedürfnisse. Nur weil man sie nicht teilt, sind die Bedürfnisse des anderen nicht minderwertig.

Leider sehen aber viele, meiner Erfahrung nach vor allem viele Männer, nur ihre Bedürfnisse. Halten diese für zentral und unverhandelbar wichtig. Haben aber nicht die Fähigkeit oder das Interesse auch die Bedürfnisse des Partners zu sehen und zu achten. Wer aber nur auf die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse pocht ohne die des anderen zu achten, der verletzt seinen Partner Tag für Tag.

An dem Punkt wäre es stattdessen wichtig sich gegenseitig die Bedürfnisse klar zu machen. Konstruktiv zu versuchen Lösungen zu finden wie beider Bedürfnisse erfüllt werden können. Denn nur, wenn diese zentralen menschlichen Bedürfnisse wie zum Beispiel Sicherheit, Geborgenheit, erfüllte Sexualität, Liebe befriedigt werden, können wir als Menschen auf Dauer glücklich sein.

Was ihr also braucht ist erst einmal Klarheit über die eigenen Bedürfnisse. Was ist für euch wichtig und eigentlich nicht verhandelbar?

Dann könnt ihr jemanden suchen, der diese Bedürfnisse erfüllt und der idealerweise weitgehend die selben Bedürfnisse hat. Manchmal ist das aber nicht ein Mensch. Manchmal findet man Erfüllung für die einen wichtigen Bedürfnisse beim einen und für andere Bedürfnisse bei einem anderen Menschen.

Wenn der Partner nicht gerne kocht und isst, dann findet man vielleicht Freunde die das mögen. Oder einen Kochclub. Bei so etwas ist das normal. Wenige Menschen würden das als Verrat an der Beziehung sehen. Beim Sex finden das leider sehr viele Menschen schon. Das muss aber nicht so sein. Denn wie wir ja neulich schon besprochen haben, nicht mit jedem Partner kann man alles ausleben.

Solltet ihr aber in einer Beziehung sein in der eure gegenseitigen Bedürfnisse nicht erfüllt werden und ihr findet auch keine Lösung. Sollten sich die Bedürfnisse nicht unter einen Hut bringen lassen, dann muss man sich eben vielleicht doch trennen. So haben beide die Möglichkeit ihre Bedürfnisse nach Liebe, Geborgenheit oder erfüllter Sexualität mit jemand anderem zu erfüllen, statt dass immer einer oder beide leiden.

Und nennt mich einen Romantiker. Aber ich bin überzeugt, dass es möglich ist alle Bedürfnisse auch in einer Beziehung zu erfüllen. Dafür braucht es nur klare Kommunikation über dass was man will und braucht und Toleranz für dass, was der andere will und braucht. Vor allem an letzterem hapert es aber meistens.