Auch Extreme sind ok

In einem früheren Artikel habe ich mich schon damit befasst, dass in der Fantasie eigentlich alles erlaubt ist. Heute geht es quasi noch einen Schritt weiter. Denn hier soll es um Praktiken gehen, die im allgemeinen als extrem angesehen werden. Dinge, die über das „Übliche“ hinaus gehen.

Nun ist es schwierig im BDSM das „Übliche“ oder „normal“ zu definieren. Aber sagen wir mal, den Arsch versohlen, fesseln, knebeln, mit Wachs behandeln, hinknien, Füße küssen etc. würden vermutlich von den wenigsten als extrem betrachtet werden. Sie gehören sozusagen zum anerkannten BDSM-Kanon.

Andere Spielarten wie zum Beispiel DaddyDom und LittleGirl oder Vorführungen werden von manchen als extrem, von anderen aber als ganz normaler Bestandteil ihres BDSM betrachtet.

Im BDSM gibt es für extreme Praktiken den Begriff des Edgeplay. „Edge“ steht hier für die Kante oder Rand. Man geht hier also bildlich gesprochen an Grenzen. Was darunter fällt ist wie gesagt individuell. Es hilft aber den Begriff zu kennen um sich zu orientieren. Edgeplay ist im allgemeinen übrigens RACK und nicht SSC.

Jetzt aber mal konkret. Worum geht es?

Fangen wir mit dem sogenannten Rapeplay an. Und zwar nicht mit dem zwischen zwei Partnern, die sich gut kennen und mal nur so tun. Hier ist dann doch meist die etwas „realistischere“ Variante gemeint. Klar. Keine Frau will wirklich vergewaltigt werden. Aber Fantasien in denen Aspekte davon oder ganz Szenarien enthalten sind, sind ausgesprochen verbereitet.

Ist es ok so etwas zu wollen und zu genießen? Na klar. So lange niemand zu Schaden kommt. Wie man es hier mit der Sicherheit hält und ob es überhaupt möglich ist, so eine Fantasie „sicher“ zu erfüllen ist natürlich ein Problem. Ein Safeword kann ich mir auch hier vorstellen. Für manche dürfte dass aber wiederum den ganzen Kick daran kaputt machen.

Wie erwähnt sind wir hier weit jenseits von SSC und eindeutig im Bereich RACK. Also kurz gesagt, sich des Risikos bewusst.

Eine weitere extreme Fantasie die ebenfalls natürlich besonders vom Kontrollverlust lebt und auch nicht selten mit dem Rapeplay verknüpft wird ist eine Entführung. Also irgendwo geschnappt und mitgenommen zu werden. Keine Wahl zu haben. Das Ungewisse und auch die Angst sind hier mit Sicherheit der Kick.

Neulich habe ich in einem Forum erst eine Annonce gelesen wo eine junge Frau recht detailliert jemanden für ein solches Szenario gesucht hat. Ich finde es großartig, wenn man so zu seinen Fantasien stehen kann. Noch besser, wenn man selber aktiv wird sie umzusetzen. Ich fange nicht nach jedem Beispiel die selbe Diskussion an. Ja, natürlich sehr gefährlich. Dennoch ok, wenn man sich selber des Risikos bewusst ist und niemand Schaden  nimmt. Risiken abwägen und auf sich aufpassen muss am Ende jeder selber.

Weiterhin gibt es sehr ausgefeilte Fantasien und Wünsche nach Gefangenschaft. In eine Art Zelle eingesperrt zu sein. Vielleicht auf unbestimmte Zeit. Komplett ausgeliefert dem Wohlwollen und den Launen dessen, der einen gefangen hält. Raus geholt werden für Aufgaben, Strafen oder Erniedrigungen und dann wieder weggesperrt werden. Immer wieder.

Von dieser Variante weiß ich zumindest, dass es sie in der professionellen Form bei Dominas gelegentlich gibt. Es ist eine extrem aufwändige Fantasie, die man nicht so ohne weiteres umsetzen kann. Aber wenn, dann entwickelt sie ganz sicher einen ganz besonderen Sog.

Weiterhin gibt es Fantasien des kompletten Kontrollverlustes in dem man nicht mehr bei Bewusstsein ist. Sprich, durch Betäubung keinerlei Einfluss mehr auf dass zu haben was passiert. Vor allem aber auch, nicht zu wissen was passiert ist.

Ich habe mal mit einer Frau gesprochen die das mit ihrem Spielpartner gemacht und sich von ihm dabei hat filmen lassen. Sie fand es einen unfassbaren Kick hinterher zu beobachten, was passiert ist und zu wissen, dass sie es einfach nicht mitbekommen hat und vollkommen ausgeliefert war.

Warum schreibe ich dass alles nun und zähle diese Praktiken auf, die manche sicher erschrecken, die nicht ungefährlich sind und die andere vielleicht auf Ideen bringen?

Ich schreibe es um denen die Angst zu nehmen, die solche Wünsche haben und denken damit alleine zu sein. Dass seid ihr nicht. Es ist völlig ok solche Fantasien zu haben oder solche Dinge auszuleben.

Ihr müsst vor der Umsetzung nur sehr sorgfältig auf ein paar Ding achten und nicht blind in etwas hinein stolpern. Macht euch bewusst was ihr wollt und was euch daran kickt. Überlegt euch, was ihr davon machen könnt und wollt. Überlegt, was ihr euch erwartet und was ihr auf keinen Fall wollt.

Achtet auf eure Sicherheit, geht keine verrückten Risiken ein. Zieht Grenzen zu Dingen die ihr nicht wollt. Oder bleibt einfach nur bei der Fantasie und lebt es nicht aus. Aber schämt euch auch nicht für eure Fantasien.

Oben habe ich geschrieben, was von manchen als extrem und von anderen als ganz normal zu ihrem BDSM gehörig betrachtet wird. Das Lustige ist nun, dieser Artikel ist natürlich rein subjektiv. Er ist aus meiner Warte geschrieben und zeigt daher Dinge, die für MICH eher extrem sind. Vielleicht sind sie für manche da draußen ganz normal. Es ist eben nicht so einfach mit den Definitionen von „normal“ und „extrem“.

5 Gedanken zu “Auch Extreme sind ok

  1. Das hast du sehr gut beschrieben und es ergänzt in gewisser Weise meinen letzten Artikel.
    Man darf sich alles wünschen, man darf alles wollen, aber man muss sich der Risiken bewusst sein.
    Was gerade für Neulinge nicht immer der Fall ist. Deshalb würde ich schon noch gerne hinzufügen, dass diese „extremen“ Fantasien (stimmt so ziemlich mit meiner Einteilung überein) nicht unbedingt als Erstes ausgeübt werden müssen, auch wenn sie noch so verlocken.
    Klar, nicht alle kann man mit einem Partner ausleben, aber es ist hilfreich, wenn man mit einem zuverlässigen Menschen schon das ein oder andere nicht so extreme ausprobiert hat, so dass ein gewisses Grundvertrauen da ist.
    Und wie du schreibst: Es gibt niemanden, der alleine ist mit diesen Fantasien. Nur im Moment der Ausführung ist man alleine mit ihnen und oft auch bei den Nachwirkungen.
    Risk aware ist also, wie du schreibst, die Hauptsache.

    Gefällt mir

    • Ein guter Hinweis. Danke. Selbstverständlich sollte man nicht mit solchen Fantasien und Szenarien starten. Niemand fängt mit bergsteigen an und sagt sich „der Mount Everest sieht gut aus, damit fange ich mal an“. Selbstverständlich sollte man sich langsam steigern und die richtigen Momente für besondere Szenarien finden.

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