Männer, wir müssen reden

Als Mann muss ich euch mal ein paar Dinge sagen. Oder uns ein paar Dinge sagen. Ich gehöre ja dazu und mache auch manchmal ähnliche Fehler wie die, um die es heute gehen soll. Fangen wir mal mit ganz grundlegenden Dingen und ohne Anspruch auf Vollständigkeit an.

Niemand kann aufgrund seines Geschlechts etwas besser oder schlechter als andere anderen Geschlechts. Ich selbst könnte keine Lampe anschließen auch wenn viel davon abhinge. Dafür kann ich kochen. Manche Männer können gut Autofahren, andere schlecht. Manche Frauen können einparken, andere nicht. Es hat nichts mit dem Geschlecht zu tun.

Niemand ist mehr wert als ein anderer. Nicht wegen des Geschlechts und auch nicht wegen der Herkunft, wenn wir schon dabei sein.

Nachdem diese Grundlagen hoffentlich geklärt sind, nämlich dass kein Geschlecht besser ist oder mehr Rechte haben sollte als ein anderes, nun zum Thema Sex.

Nähern wir uns dem Thema an um das es gehen soll: Frauen sind auch nicht dazu da um uns zu gefallen oder anzumachen. Ihre Körper sind nicht dazu da uns zu gefallen oder von uns sexualisiert zu werden. Wenn eine Frau sich heiß anzieht, dann will sie vielleicht Aufmerksamkeit. Vielleicht will sie sich aber auch nur anziehen, wie es ihr gefällt. Was sie aber sicher nicht will, ist von fremden Typen begafft oder gar angefasst zu werden.

Liebe Männer, Frauenkörper gehören euch nicht. Sie gehen euch ehrlich gesagt in den meisten Fälle gar nichts an. Wenn ihr das Glück habt, dass euch ein oder gar mehrere Frauenkörper mit Einverständnis der Besitzerinnen etwas angehen, dann genießt es und lasst die anderen in Ruhe.

Das gilt übrigens alles ganz ausdrücklich auch für Menschen in Beziehungen. Auch für Ehepartner und Partnerinnen, Spielpartner und Partnerinnen, Lebensgefährten und Gefährtinnen etc.

Soweit das Allgemeine. Nun zum konkreten Akt.

Ich habe noch nie verstanden, was an einem Menschen besser oder als Partner oder Partnerin reizvoller sein soll, weil dieser Mensch bisher keinen Sex hatte. Was soll das? Ich kenne auch keine Frau, die auf einen „Jungmann“ besteht. Nach dem Motto „Mein Mann muss unberührt in die Ehe gehen, aber ich will vorher rumficken.“ Ja, es gibt religiöse Gründe, dass beide unberührt in die Ehe gehen wollen, aber dazu sage ich hier jetzt nichts. Dieses „unberührt“ ist so ein männliches Ding. Man selber fickt rum und hatte 20 oder 30 Frauen, will dann aber eine „Jungfrau“ für eine Beziehung.

Was für eine Heuchlei. Was für Dreck.

Entweder ihr seid der Meinung, dass Sex einen irgendwie befleckt oder verdirbt, dann dreht ihr der armen „Jungfrau“ euch als befleckte Ware an. Oder Ihr wollt einfach nur Spaß haben und gönnt ihn den Frauen nicht.

Ganz abgesehen davon, ist es wirklich so erstrebenswert mit jemandem Sex zu haben, der oder die keine Erfahrung hat? Ich wusste die ersten Male sicher nicht was ich tue und was ich tun sollte. Niemand muss Erfahrung haben, aber schädlich ist sie für den Sex eigentlich nie.

Liebe Männer, auch wenn es das schöne Zitat „Sex ist nur schmutzig, wenn er richtig gemacht wird.“ gibt, er beschädigt die Frauen nicht. Er befleckt sie auch nicht. Eine Frau die viel Sex hatte wird dadurch kein bisschen weniger „wert“ als eine „Jungfrau“. Wo sind wir hier? Im Mittelalter?

Mal ehrlich, wenn es auch so sehr belastet, euch bei einer Frau von Ende dreißig oder Anfang vierzig vorzustellen, dass da schon andere Männer ihren Penis in eine ihrer Körperöffnungen gesteckt haben, dann hinterfragt mal eure Männlichkeit und euer Selbstwertgefühl. Wenn ihr euch einreden müsst „Da war vor mir noch keiner dran“, dann habt ihr ein Problem und nicht die Frau.

Haben wir das soweit geklärt? Dann kommen wir zum Thema Monogamie. Ist es schlimm, wenn die Partnerin auch Sex mit anderen hat oder haben will?

Wenn eure Frauen etwas Sexuelles außerhalb der Beziehung suchen, dann spricht das nicht gegen eure sexuellen Fähigkeiten. Nicht jeder kann jedes Bedürfnis erfüllen und manchmal ist es nur der Wunsch, etwas Neues zu erleben. Etwas ausprobieren, das der andere vielleicht nicht mag oder das mit einem anderen Sexpartner besser oder einfacher geht.

Sagen wir es doch mal wie es ist: Geschlechtsteile nutzen nicht ab, wenn sie häufig benutzt werden. Im Gegenteil ist es eher so, dass sie Schaden nehmen, wenn sie zu selten oder nie benutzt werden. Wenn eure Frau sich also mit einem anderen trifft, dann nimmt euch das erst einmal gar nichts weg. Im Gegenteil. Wenn sie trotz anderer Erfahrungen immer wieder zurückkommt, dann sagt das ja auch etwas über euch und eure Beziehung aus.

Natürlich kann das Thema heikel sein. Daher ist es umso wichtiger, dass man von Anfang an über seine Bedürfnisse spricht und diese klar formuliert. Ebenso wichtig ist es, darüber im Gespräch zu bleiben. Denn Bedürfnisse können sich auch ändern. Einfach mal etwas anderes erleben zu wollen ist nicht schlimm. Für beide Seiten ist das ok, wenn man offen damit umgeht und sich abspricht. Ist es nicht ok, so macht es den Umgang miteinander zumindest ehrlicher und auch oft einfacher, wenn man offen kommuniziert.

Seht es doch mal so: Viel wichtiger ist doch, dass ihr im Kopf die Nummer Eins seid.

Lieber Männer, hinterfragt und entspannt euch. Wir können alle sexuell viel freier leben, wenn wir offen über Bedürfnisse reden, uns nicht gegenseitig begrenzen und limitieren, sondern beflügeln und unterstützen. Wir können viel freier und befriedigter leben, wenn wir unsere Bedürfnisse ausleben und es auch unseren Partnerinnen und Partnern erlauben.

Dazu müssen wir ein paar grundlegende Fakten aber erst einmal verinnerlicht haben und darum sollte es heute gehen. Ich hoffe, ich konnte den ein oder anderen von euch erreichen. Wäre doch schön, wenn wir dazulernen würden.


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Warnzeichen für Doms

Neulich habe ich mich in einem Artikel mit Warnzeichen für Subs beschäftigt. Woran man als Sub erkennen kann, dass man es womöglich mit einem Dom zu tun hat, von dem man lieber die Finger lassen sollte. Oder bei dem zumindest Vorsicht geboten ist. Diese Art Warnzeichen gibt es aber auch umgekehrt. Also woran erkennt ein Dom, dass er es mit einer oder einem Sub zu tun, bei der oder dem Vorsicht geboten ist?

Oft wird diese Perspektive vernachlässigt und sie birgt aus meiner Sicht auch ein wenig weniger Gefahren, denn meist ist doch Dom „am Ruder“ und riskiert seltener die eigenen Gesundheit. Die Gefahren der emotionalen Verletzungen sind allerdings auf beiden Seiten gleich und niemand möchte natürlich enttäuscht oder verletzt werden. Daher sind manche Warnzeichen eben doch wichtig und man sollte auf sie achten.

Wichtig ist mir dennoch, dass Verhalten wie ich es beschreibe kein Fehler ist. Es mag Doms geben, die genau das suchen. Niemand ist falsch, so lange er oder sie dem anderen nicht schadet.

„Ich gehöre für immer dir“ – In der Euphorie die Neigung endlich ausleben zu können und endlich jemanden dafür gefunden zu haben, werden oft schnell große Versprechungen gemacht. Ich musste selber schmerzhaft lernen, dass man diesen Beteuerungen nicht zu schnell glauben sollte. Oft genug ebbt die Euphorie im Alltag ab, Probleme treten auf und die großen Worte sind schnell vergessen. Also Vorsicht, Verletzungsgefahr!

Braucht ständige Anleitung BDSM ist eine wunderbare Sache und D/s erst recht. Es ist schön, wenn Sub Führung sucht und Dom sie gerne gibt. Wenn es aber ausartet, dass Führung nicht nur gewollt, sondern gebraucht wird um überhaupt durch den Alltag zu kommen, dann wird es schnell kompliziert. Und vor allem auch sehr unsexy. Wenn Sub für jeden Atemzug eine Anweisung braucht, dann mag das für den Anfang ganz spannend scheinen. Auf mittlere und vor allem lange Sicht kann es aber auch sehr anstrengend werden. In dem Fall gilt es sich in Acht zu nehmen was man sich wünscht, es könnte auf Dauer zu viel sein.

Fordert ein – Es gibt Typen von Subs, männlich wie weiblich, für die ist ein Dom eher Wunscherfüller oder Erfüllungsgehilfe oder wie auch immer man es nennen mag. Wenn Sub also zwar eigentlich geführt werden will, dann aber immer klar zu verstehen gibt „jetzt mach bitte das mit mir“, dann ist Vorsicht geboten. Nichts gegen Wünsche und dagegen sie auch zu äußern. Aber zu BDSM gehört eben auch, sich auszuliefern und zu unterwerfen. Dabei gleichzeitig den Ton anzugeben geht nur schlecht.

Ist „tabulos“ oder behauptet es – Niemand ist tabulos. Wer von sich behauptet „alles mitzumachen“ lügt oder hat irgendein Problem. Tabus mangels Erfahrungen nicht einschätzen oder benennen zu können ist damit allerdings natürlich nicht gemeint. Das kann gerade bei Anfängern immer vorkommen. Aber wenn jemand beim Kennenlernen allen Ernstes behauptet völlig tabulos zu sein, dann ist schon einmal grundsätzlich Vorsicht geboten.

Verschweigt Probleme – Richtig gefährlich kann es werden, wenn Sub von vornherein bekannte oder frisch auftretende Probleme verschweigt. Sei es aus Sorge „schwierig“ zu sein oder um zu Gefallen, in dem Sub viel aushält. Dabei können Grenzen überschritten werden und Schäden entstehen, die nicht mehr wieder gutzumachen sind. Körperliche, aber vor allem auch mentale oder seelische. Wenn Sub beispielsweise auf Rapegames steht, aber frühere Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt verschweigt, dann ist die Katastrophe vorprogrammiert. Oder Sub überspielt Schmerz, will nicht als „zu weich“ erscheinen und hält so mehr aus, als eigentlich gut gewesen wäre. Die Probleme folgen unweigerlich und können eine Spielbeziehung zerstören. Hier rate ich wie immer zu ganz offener Kommunikation.

Hält sich nicht an Absprachen – Eigentlich gilt dieser Punkt für jeden zwischenmenschliche Beziehung. Es wird schwierig, wenn das Gegenüber sich nicht an Absprachen hält und wenn möglich sollte man dann Abstand nehmen. Im BDSM gibt es aber eben noch einmal ganz andere Absprachen. Dinge, die man vereinbart und die eingehalten werden sollen. Regeln, der Rahmen den man miteinander vereinbart, wie man die Kommunikation gestaltet usw. Wer sich Sub daran immer und immer wieder nicht hält, dann ist auch das für mich immer ein Warnzeichen.

Hin und her – „Ich will, nein doch nicht, doch, nein doch nicht, oder vielleicht doch?“. Man kann Sub nicht überreden. Man sollte es auch gar nicht versuchen. Es bringt nichts. Wer nicht mit Überzeugung dabei ist, sollte eben erst klar kommen. Besser kann ich es nicht sagen. Damit sind wiederum nicht die Umstände gemeint. Umstände kann man manchmal nicht ändern und muss damit arbeiten. Aber die Überzeugung sollte da sein. Sonst wird es auch hier sehr schnell schwierig.

Wie schon neulich bei meinem Artikel über Warnzeichen bei Subs hätten es auch mehr als sieben werden können. Nun sind es sieben für beide Seiten. Vielleicht ist das ja auch eine ganz gute Symmetrie. Vollständig sind beide Aufzählungen sicher nicht. Hoffentlich dienen beide Artikel als Denkanstoß. Vielleicht können sie BDSM-Freunden auf beiden Seiten helfen potentielle Probleme frühzeitig zu erkennen um diese entweder anzusprechen oder im schlimmsten Fall die Notbremse zu ziehen.

Auch zu diesem Artikel gibt es ein Pendant bei den KollegInnen von Deviance.

Meine goldenen BDSM-Grundsätze

Ich befasse mich schon lange mit BDSM. Praktisch und theoretisch. Dabei habe ich viel über mich und meine Vorlieben gelernt. Ich habe sie oft hinterfragt, neu sortiert und kommuniziert. Im Laufe der letzten Monate habe ich mir überlegt, ob ich daraus mal eine Aufstellung machen sollte. Eigentlich für mich. Aber am Ende natürlich auch für jeden anderen und jede andere, den es oder die es interessiert.

Am Ende geht es in diesem Artikel vielleicht auch um eine Art Essenz vieler anderer Artikel. Wer diese gelesen hat wird hier vermutlich wenig überraschendes finden. Vielleicht ist es aber gerade in dieser komprimierten Form doch noch einmal spannend.

Was sind also nun die Grundsätze? Fangen wir mal an.

  1. Kommunikation / Absprachen
    Ein Großteil von BDSM ist Kommunikation. Kommunikation bevor man anfängt, also in der Kennenlernphase. Man tastet sich heran und nähert sich einander. Findet heraus, welche Erwartungen und Wünsche das Gegenüber hat und ob man sich in der Hinsicht verstehen könnte.
    Aber auch wenn man BDSM miteinander auslebt, bleibt es immer viel Kommunikation. Verbale und Nonverbale. Denn wenn ich eine Sub schlage oder erniedrige, dann achte ich auf ihre Reaktion. Auch das ist Kommunikation. Kommunikation ist also der Schlüssel für alles. Wenn die nicht harmoniert, dann kann es auch nichts werden. Wenn jemand auf Kommunikation keine Lust hat, dann kann es auch nichts werden. Kommunikation ist zentral.
  2. Rahmen
    Ich habe über den Rahmen in dem wie BDSM leben bereits einen ganzen Artikel geschrieben. Daher halte ich es hier etwas knapper. Wenn man BDSM miteinander auslebt, dann gibt es keine festen Regeln, was dazu gehört und was nicht. Das vereinbart man ganz individuell. Ob BDSM nur beim Sex oder auch im Alltag stattfindet. Ob man ihn für sich oder mit anderen lebt. Welche Praktiken dazu gehören. Welche Worte verwendet werden dürfen und welche nicht. Wer etwas davon mitbekommen darf und wer nicht usw. Für all das gibt es Absprachen. Man vereinbart es und erstellt sich so einen Rahmen der Dinge, die ok sind. Diese Dinge liegen metaphorisch innerhalb des Rahmens. Die anderen Dinge, die nicht ok sind, die liegen außerhalb. Aber da kann es auch in beide Richtungen Bewegung geben. Dinge können hinzu kommen oder weg fallen. Je größer der Rahmen, je mehr er enthält, desto größer der Spielraum den ich habe. Desto größer sozusagen der Werkzeugkasten aus dem ich mich als Dom bedienen kann, weil ich weiß, es ist vereinbart, dass diese Dinge unter uns ok sind. Daher sind diese Übereinstimmungen gut und so wichtig.
  3. Ernsthaftigkeit
    Hier hadere ich selber mit dem Begriff. Eigentlich sagt er nur aus, dass BDSM für mich keine Sache ist, die alle paar Wochen oder Monate mal als Spielerei betrieben wird um die ansonsten etwas langweilig gewordene Beziehung oder nur den Sex aufzupeppen. BDSM ist für mich mehr. Zugegebenermaßen erschließt sich das mittlerweile für die meisten die ich kennenlerne aber auch schon alleine daraus, dass ich mir die Mühe mache einen Blog über das Thema zu schreiben.
  4. Spieltrieb
    Auch hier mangels eines besseren Begriffs eben dieser: Spieltrieb. Damit meine ich, dass es mir sehr wichtig ist den Spaß am Ausprobieren und an der Erforschung der eigenen Vorlieben nicht zu verlieren. Festgefahren in den eigenen Vorlieben und Gewohnheiten zu sein führt schnell zu Frust und auch dazu, dass man sich neuen Menschen und auch neuen Praktiken nicht öffnen kann. Das finde ich extrem schade und ist nicht, was ich mir unter meinem BDSM vorstelle. Ich probiere gerne neues aus, hinterfrage Dinge die „man eben so macht“ und möchte diesen Spieltrieb in meinem BDSM auch in meinem Gegenüber wieder finden.
  5. Offenheit und kein Leistungsdruck
    Ohne Offenheit geht es sowieso nicht. Das sollte jedem klar sein. Aber hier meine ich einen speziellen Punkt. Ich meine die Offenheit und Ehrlichkeit auch mal zu sagen: „Ich kann nicht“ oder „Ich will nicht“. Denn wer als Sub denkt alles aushalten zu müssen, wird unweigerlich fallen. Mutmaßlich in ein tiefes Loch. Dinge die gestern oder vorgestern möglich waren, müssen heute nicht auch möglich sein. Das kommt vor und ist normal. Dann muss man ganz ehrlich mit sich sein und überlegen in wie weit es einem gut tut, sie dennoch auszuhalten. Ich als Dom kann nicht Gedanken lesen. So sehr ich es versuche. Ich bin auf Signale oder eben auf klare Aussagen angewiesen. Nur so haben am Ende beide etwas davon.
  6. Fantasien offen äußern
    A propos Gedanken lesen: ich kann es wirklich nicht. Daher müssen Wünsche und Fantasien auch offen angesprochen werden. Wie soll ich sonst wissen, was im tiefsten Inneren der sexuellen Wünsche so schlummert? Mein Spieltrieb und meine Fantasien sind sehr ausgeprägt. Zur Erfüllung von Wünschen und Bedürfnissen gibt es nur einen sinnvollen Weg: sie ansprechen. Denn echte Gedankenleser sind einfach extrem selten.
  7. D/s mit Anleihen
    Ja, ich lebe D/s. In Varianten und mit diversen Anleihen aus anderen Bereichen. Aber am Ende ist D/s die Überschrift, die am besten zu dem passt, was ich mag. Das heißt auch, dass in meiner Neigung Machtgefälle, Erziehung, Regeln, Strafen und in meinem speziellen Fall Erniedrigung eine große Rolle spielen. Auch da spielt wieder das Thema von eben herein: Ernsthaftigkeit. Ich strafe nicht, weil ich gerade Lust dazu habe. Ich mache aus Lust das, wozu ich Lust habe. Wenn ich aber strafe, dann aus einem Grund und dann muss die Strafe auch wirksam sein. Ebenso verhält es sich mit Regeln. Die sind nicht zum Spaß da und um sie zu ignorieren, wenn man keine Lust auf sie hat. So verstehe ich D/s.
  8. Gemeinsame Entwicklung
    Mein Ideal ist die gemeinsame Entwicklung im vereinbarten BDSM-Rahmen. Sich gemeinsam an neue Themen heran trauen, sich kontinuierlich weiter entwickeln und miteinander wachsen. BDSM ist nicht statisch. Für mich sind ständige Wiederholungen ein und desselben Fetisch, tagein, tagaus nichts. Dazu bin ich viel zu neugierig auf das, was ich noch nicht kenne.

Nun sind es am Ende acht Grundsätze geworden. Ich hatte mal an „Zehn BDSM-Gebote“ gedacht. Aber Gebote klang mir sowieso zu sehr nach Vorgabe und Bestimmung. Hier geht es ja nicht darum jemandem zu sagen was ihm oder ihr an BDSM wichtig ist. Das ist ganz individuell und vielleicht auch so privat wie selten in diesem Blog. Aber vielleicht hilft es euch ja dennoch weiter und gibt ein paar Denkanstöße.

Nur nicht aus der Rolle fallen?

Im BDSM gibt es ja vermeintlich nur zwei Rollen. Oben und unten. Theoretisch mag das stimmen. Aber wie immer im Leben ist es natürlich komplizierter als. Zuerst einmal gibt es ja die verschiedenen Spielarten von BDSM aus denen sich auch diese Abkürzung ableitet. Also Bondage & DisciplineDominance & SubmissionSadism & Masochism. Innerhalb dieser gibt es dann wieder unterschiedliche Rollen und natürlich unterschiedliche Vorlieben.

Das klingt vielleicht kompliziert, ist es aber nicht. Im Grunde ist es wie überall im Leben. Jeder hat seine Vorlieben und Stärken. Die einen kochen lieber, sind aber handwerklich mies. Andere haben den grünen Daumen, lassen aber Wasser anbrennen. Wieder andere lassen einen Computer abstürzen nur wenn sie den Raum betreten, können aber aus einem Wollknäuel und einer Nadel eine Abendgarderobe zaubern. Viele haben aber eben auch verschiedene Talente oder Vorlieben in sich vereint und da kommen wir zum Thema.

In früheren Artikeln bin ich ja bereits auf verschiedene Rollen eingegangen. Beispielsweise die Rolle Sub oder Daddydom bzw. Little. Daher hier ein paar andere Begriffe und Rollenbeschreibungen, die in meinem Blog bisher noch nicht in der Form besprochen wurden.

Da gäbe es zum Beispiel die Rolle Degradee oder Degrader. In dieser Spielart liebt es der eine Part zu erniedrigen, der andere Part wird durch Erniedrigung erregt. Perfekt ist es, wenn zwei zusammenfinden, die genau das so wollen. Daher sind auch die Begriffe so praktisch. Man kann damit klar kommunizieren was einen anmacht und worauf man steht.

Ein weiteres Beispiel wäre Brat oder das Gegenstück Brat-Tamer. Eine oder ein Brat liebt es aufsässig zu sein, frech, herausfordernd und irgendwie „ungehorsam“. Aber immer mit dem Ziel vom Partner dann eben gebändigt zu werden. Wer sich als Brat sieht möchte jedenfalls niedergerungen und dazu gebracht werden „brav“ zu sein. Der Reiz liegt hier oftmals darin die Überlegenheit des Partners körperlich zu spüren zu bekommen.

Wiederum ein anderes Thema wären Rope-Bottom und Rigger. Hier handelt es sich Begriffe aus dem Bondage, in dem im zugegebenermaßen Laie bin. Aber der Rigger fesselt hier grob gesagt und der Partner oder die Partnerin werden gefesselt.

Eine völlig andere Konstellation wären Cuckold/Cuckquean auf der einen und Hotwife und Bull. In dieser Spielart und in der heterosexuellen Variante würde es ein männlicher Cuckold genießen, dass seine dominante Partnerin (Hotwife) Sex mit einem anderen (oft als Bull bezeichneten) Mann hat. Hier geht es auch vornehmlich um Dominanz und Erniedrigung die für alle Beteiligten erregend sind.

So spannend diese Beispiele sein mögen fragt ihr euch aber vielleicht dennoch: Worauf will er hinaus? Gute Frage.

Im BDSM ist es wie im Leben. Wir sollten uns nicht auf eine Rolle festlegen lassen und in dieser verharren, wo wir doch gerne auch mal anders wären. Wer sich also als Brat sieht, der darf auch einfach mal brav und anlehnungsbedürftig sein. Anders herum darf eine sonst „brave“ Sub oder ein sonst „braver“ Sub auch mal rebellisch sein, ohne dass dadurch die ganze Konstellation der Beziehung in Frage zu stellen.

Wer auf Erniedrigung steht kann auch Tage haben, an denen Erniedrigung einfach alles nur noch schlimmer macht. Auch das ist völlig ok.

Vor allem aber darf, um bei den Beispielen oben zu bleiben, eine oder ein Degradee auch ein Rigger sein. Ein Dom oder eine Domme darf sich auch mal dominieren lassen, ein oder eine Sub dominieren. Ob den Partner oder jemand anderen ist dann wieder eine Sache der Absprachen.

Es gibt so viele Rollen im BDSM und es ist auch nicht falsch sich damit auszukennen. Es hilft um sich zu orientiere, um manchmal auf neue Ideen zu kommen und vor allem, um in etwa jemanden zu finden der etwas ähnliches will. Aber diese Rollen machen uns nicht aus. Lasst euch nicht auf etwas festlegen, dass nur einen Teil von euch und eurer Neigung ausmacht. Lasst euch vor allem nicht einengen. Seid wild, seid mutig und lasst eurem Spieltrieb freien Lauf.

Vor allem aber findet jemanden, der das zusammen mit euch als Chance versteht. Der euch nicht auf etwas festnagelt und zu etwas verpflichtet, dass nur einen Teil eurer Persönlichkeit ausmacht.

Niemand will 24 Stunden am Tag nur der oder die mit dem grünen Daumen sein. Genauso ist niemand 24 Stunden am Tag nur Rigger oder Degradee. Es gibt Phasen neben dem BDSM. Aber auch innerhalb des BDSM gibt es Phasen in denen man mal nicht der Definition der Rolle entspricht. Das ist dann kein Fehler, kein Versagen oder Problem. Es ist einfach menschlich. Oder im besten Fall wie gesagt eine Chance.

Schädlicher Druck im BDSM

Unter Druck entstehen ja bekanntlich Diamanten. Druck mag also toll sein, wenn man ein Haufen Kohlenstoff unter der Erde ist. Aber im BDSM ist Druck meist kontraproduktiv. Druck etwas zu erreichen. Druck etwas zu tun. Druck zu sein, wie ein anderer es möchte. Druck „Leistung“ abzuliefern. All das sind Dinge, um die es im BDSM nicht gehen sollte. Oft genug geht es aber eben doch darum und das ist ein Problem.

Als kurze Abschweifung möchte ich sagen, dass bei sexuellen Themen grundsätzlich nie Druck im Spiel sein sollte. Weder selbst auferlegter, noch von außen kommender. Ob und wie oft eine Frau kommt. Wie oft ein Mann kann oder ob er nicht kann, ist kein Maßstab der eine Rolle spielen sollte. Wenn die Frau kommt, dann kommt sie. Wenn der Schwanz steht, dann steht er. Wenn nicht, dann nicht. Davon sollte kein Seelenheil abhängen. Aber das nur nebenbei.

Im BDSM gibt es oft Druck. Einmal äußeren Druck und auch den Druck, den wir uns selber machen. Einige Beispiele sind der Druck zu funktionieren, obwohl es einem nicht gut geht. Der Druck Dinge mitzumachen, obwohl man nicht dazu bereit ist. Der Druck mehr oder besser zu sein, als man vermeintlich ist. Das ist extrem ungesund. Vor allem aber ist es auch völlig unnötig um zufrieden und glücklich BDSM auszuleben.

Fangen wir mit etwas offensichtlichem, weil zählbarem, an. Wie viele Schläge hält eine Sub oder ein Sub aus? Wieso sollte das wichtig sein? Zuerst einmal ist so etwas hochgradig abhängig von der Tagesform. Mal spürt man den Schmerz stärker, mal wenig stark. Daher ist ein Vergleich mit letzter Woche oder letztem Monat mindestens fragwürdig. Ein Vergleich mit dem was andere aushalten ist noch unsinniger. Vor allem aber: was soll er bringen?

Wird man in irgendeiner Form eine „bessere Sub“ oder ein „besserer Sub“ wenn man mehr Schläge aushält als jemand anderes? Ganz sicher nicht. Wem sollen solche Vergleiche etwas bringen? Niemandem.

Was sie aber mit Sicherheit bringen ist Druck. Der Druck vielleicht mehr auszuhalten ehe man sagt, dass es genug ist. Der Druck das Safeword doch noch nicht zu verwenden. Noch etwas mehr durchzuhalten. Ich persönlich halte das für ungesund. Denn so über seine Grenzen zu gehen kann gefährlich sein. Daher sollte man sich gut überlegen aus welcher Motivation und aus welchem Grund man solche Grenzen überschreitet. Nur um irgendeine am Ende beliebige Zahl zu übertreffen scheint mir das völlig sinnlos.

Ein anderer Aspekt ist, sich selber oder durch andere unter Druck setzen lassen Dinge zu tun, zu denen man nicht bereit ist. Sei es mit BDSM in die Öffentlichkeit zu treten. Sei es eine sexuelle Praktik auszuüben, zu der man nicht bereit ist. Oder sei es, andere in die bisher als Paar gelebte Beziehung einzubeziehen. Ob der Druck von einem selber oder vom Partner kommt ist dabei egal. Statt ihm nachzugeben, sollte man das Gespräch suchen und die Bedenken ansprechen.

Ja, im BDSM kann es sehr reizvoll sein über Grenzen zu gehen. Ich bin der Letzte, der das nicht versteht. Aber wenn man das tut, dann mit Bedacht und aus den richtigen Gründen. Nicht, weil man dazu gedrängt wird.

Neulich ging es in einem meiner Artikel um Warnzeichen für Subs, bei denen sie die Finger von einem Dom lassen sollten. Ein ganz deutliches Warnzeichen wäre auch, wenn Dom immer wieder mit Druck den eigenen Willen durchsetzt und Sub das Gefühl hat ständig Dinge zu tun, die sie oder er nicht will.

Ja, es geht im BDSM oft darum den Willen durchzusetzen und zu bestimmen bzw. dass über einen bestimmt wird. Aber der Wille des devoten Parts ist nicht egal. Beim besten Willen nicht. Und ihn mit Druck zu überwinden oder auszuschalten ist immer problematisch.

Fragt euch doch selber einmal, wo ihr in eurem BDSM ungesunden Druck verspürt. Druck, den ihr euch selber macht oder Druck, den ihr von außen spürt. Oft ist man sich dessen gar nicht so bewusst. Manchmal kann man ganz gut mit dem Druck leben, aber es hilft dennoch sich seiner bewusst zu sein. Und manchmal ist es vielleicht nötig etwas zu ändern, anzusprechen wo man ungesunden Druck spürt. Denn BDSM sollte nichts sein, dass unter Druck passiert.

Verschiedene Führungsstile

Nein, hier soll es nicht um die Unterschiede zwischen Doms, Tops, Pet-Owner oder von mir aus DaddyDoms gehen. Welche Spielart von BDSM man bevorzugt ist etwas, dass ich schon in mehreren Artikeln behandelt habe.

Viel mehr geht es hier um den Stil, wie man eine D/s-Beziehung gestaltet. Auch da gibt es viele verschiedene Geschmäcker und Vorlieben.

Wie man als Dom eine Sub führt ist so individuell wie die Menschen eben individuell sind. Wie bei sehr vielem im Bereiche BDSM gibt es da kein „Richtig“ und kein „Falsch“ was den Stil angeht.

Beispielweise gibt es Varianten mit sehr flachem Gefälle. Der Dom ist eher liebevoll, aber bestimmt. Es ist ein fürsorglicherer Stil, der oft auch viel Ausbildung beinhalten kann. Also der Sub Dinge beizubringen, zu erklären und zu zeigen. Es kann in dieser Variante zum Beispiel auch sein, dass die Strafen bei Verfehlungen auch in Richtung Verbote gehen. Die Schläge an Bestrafungen wie es sie vor Jahrzehnten in der Schule gab erinnern.

Es wäre übrigens ein Irrtum anzunehmen, dass ein flacheres Gefälle und ein sanfterer Umgang ein Freibrief sind. Im Gegenteil ist vor allem auch in diesem Stil Konsequenz von entscheidender Bedeutung. Werden Fehler gemacht, dann muss auch hier oder hier besonders, Strafe erfolgen.

Eine andere Variante ist vielleicht ein Stil mit sehr steilem Gefälle. Die Sub siezt den Dom. Sie darf ihn vielleicht nicht anschauen und wird ruppig behandelt. Ist vielleicht nur Nutzobjekt für den Dom. Strafen sind hier vielleicht eher härter. Mehr auf Schmerz ausgelegt und weniger auf Korrektur und Erziehung.

Weitere Varianten können sein, dass die Sub aus Gründen der Erniedrigung als wenig wertvoll behandelt wird. Als jemand, der seinen Wert als Sub noch beweisen muss und bis dahin ein Nichts ist. Ein Nichts, dass auch so behandelt wird.

Manche leben solche oder andere Varianten in dauerhaften, manche in Spielbeziehungen. Außerdem gibt es hunderte Mischformen aus den oben genannten und die genannten Beispiele stehen auch nur exemplarisch für viele andere Möglichkeiten.

Innerhalb dieser Varianten gibt es dann wiederum die Möglichkeit dieses steile oder weniger steile Gefälle dauerhaft, also quasi 24/7 beizubehalten oder durch Phasen aus Augenhöhe aufzubrechen.

Was ich sagen will ist, die Welt ist bunt und so sind es auch die Stile in denen man eine D/s-Konstellation ausleben möchte.

Ich persönlich habe es immer genossen da vielfältig zu sein, ich kann mich in verschiedene Stile einfinden und konnte sie über die Jahre mit verschiedenen Subs mal so und mal so leben. Für mich bedeutet diese Vielfalt Abwechslung und es ermöglicht mir auf die speziellen Bedürfnisse und Wünsche einer Sub einzugehen. Aber andere haben vielleicht den ihnen eigenen Stil und wollen nur den leben. Auch das ist ok.

Begegnet euch also jemand, mit dessen Stil ihr nicht klar kommt, dann ist das kein Beinbruch. Dann passt es nur zwischen euch vermutlich nicht.

Wenn ihr als Sub sanfte und liebevolle Führung möchtet, der Dom mit dem ihr Kontakt habt oder mit dem ihr euch sogar trefft aber eher ruppig ist, dann ist weder an euch, noch an ihm etwas falsch. Ihr harmoniert nur einfach nicht miteinander.

Dom ist nicht gleich Dom und Sub ist nicht gleich Sub. Frage zehn Subs, wie sie sich BDSM vorstellen und Du bekommst mindestens acht oder neun verschiedene Varianten zu hören. Das ist ja auch das schöne an BDSM.

Außerdem eröffnet diese Vielfalt einem ja auch Möglichkeiten Neues zu erforschen und zu entdecken. Sich mal so und mal so auszuleben. Das erfordert dann natürlich Fantasie, Einfühlungsvermögen und Spielfreude. Allerdings sind das für mich persönlich sowieso drei zentral wichtige Eigenschaften im BDSM.

Wollt ihr als Sub es ruppig und hart, dann ist das ok. Wollt ihr eher liebevolle Führung und Geborgenheit? Dann ist auch das ok. Auch dafür gibt es genügend Doms, die gerne so führen.

Wichtig wie immer nur, dass ihr euch bewusst seid, was ihr eigentlich mögen oder brauchen könntet. Welcher Stil passt zu euch? Diese Frage müssen sich Doms und Subs gleichermaßen stellen. Wie so oft ergibt sich die Antwort daraus oft aus den Fantasien die man im Kopf hat.

Welcher Stil ist nun der „richtige“ Stil? Ich hoffe es ist klar geworden, dass es da kein „Richtig“ und kein „Falsch“ gibt. Richtig ist, was für alle Beteiligten passt. Aber immer am wichtigsten: lasst euch von niemandem einreden, dass an dem wie ihr behandelt werden möchtet etwas falsch ist. BDSM bedeutet nie, dass man seine Meinung und Wünsche komplett über Bord wirft.

Kontaktabbruch oder auch Ghosting

„But you didn’t have to cut me off
Make out like it never happened and that we were nothing
And I don’t even need your love
But you treat me like a stranger and that feels so rough“

„Somebody That I Used to Know“ von Gotye

Heute geht es mir um ein Thema, dass wenig bis nichts mit BDSM, aber dafür viel mit Beziehungen zu tun hat. Vor allem mit ihrem Ende.

Ich spreche hier nicht davon, dass man einen Chat auf einem Flirtportal beendet oder nach zwei Dates feststellt, dass es irgendwie doch nicht passt. Ich meine Beziehungen, in denen man über Monate oder Jahre zusammen war und dann ein Part mit dem anderen kein Wort mehr redet. Ihn oder sie komplett aus ihrem oder seinem Leben entfernt und nie wieder Kontakt zulässt.

Es wird nicht mehr ans Telefon gegangen, Kontakte in Messengern werden gesperrt, Nachrichten nicht mehr beantwortet.

Diese miese Form der Trennung nennt sich Ghosting. Ein Begriff der erst in den letzten Jahren aufgekommen ist und bedeuten soll, dass man vom ehemaligen Partner wie ein Geist behandelt wird, durch den man hindurch sieht. Es kommt einem so vor, als habe man sich die ganze Beziehung nur eingebildet.

Alleine an der Tatsache, dass es dafür einen eigenen Begriff gibt, sieht man schon: selten scheint dieses Verhalten nicht zu sein.

Es mag Gründe geben, den Kontakt völlig abzubrechen. Gewalt in der Beziehung ist so ein Grund. Keinen Kontakt zu einem gewalttätigen Partner mehr haben zu wollen ist eine völlig gesunde Reaktion.

Hilflosigkeit, Angst aber auch Feigheit sind Gründe den Kontakt abzubrechen. Es liegt aber in der Natur der Sache, dass derjenige, zu dem der Kontakt abgebrochen wird die genauen Gründe nie erfährt. Denn es gibt ja keine Kommunikation, keinen Kontakt mehr.

In der Regel wird Ghosting so definiert, dass es ohne Ankündigung passiert. Andere definieren es so, dass nach einem Abschiedswort der Kontakt abgebrochen wird. In jedem Fall bedeutet es aber, dass ab einem Punkt X zwischen zwei Menschen die sich geliebt haben von einer Partei ausgehend keinerlei Kontakt mehr stattfindet.

Es ist aus meiner Sicht ein Akt der Gewalt. Wo vor kurzem noch Liebe, Hoffnung und Träume waren, wird verbrannte Erde hinterlassen ohne zu erklären. Es werden emotionale Wunden geschlagen von denen ich aus Erfahrung sagen kann, dass sie auch nach Jahrzehnten nie ganz verheilen.

Wer sich so aus einer Beziehung zurück zieht, der tut dem anderen Gewalt an. Darüber sollte man sich klar sein.

Die Journalistin Tina Soliman hat ein Buch über das Thema veröffentlicht und beschreibt die Auswirkungen in einem Interview wie folgt: „Der Neurologe und Psychologe Michael Linden von der Charité spricht von einer ‚posttraumatischen Verbitterungsstörung‚. Das ist eine reaktive psychische Störung infolge des Erlebens von Ungerechtigkeit, Herabwürdigung oder Vertrauensbruch, gekennzeichnet durch nagende Verbitterungsgefühle, Aggressionsfantasien, schlechte Stimmung, Rückzug aus Sozialbeziehungen und Einengung des Lebens. Die Geghosteten trauen sich nicht mehr in Beziehungen. Solche Erfahrungen prägen sich tief in unsere DNA ein.“

Gerade heute ist es leicht sich zurück zu ziehen und den Kontakt abzubrechen. Im Gegensatz zu früher hat man den Partner oft nicht bei der Arbeit oder im Freundeskreis gefunden. Oft ist er weit weg, man hat sich über das im Internet getroffen und lieben gelernt. Die Distanz erleichtert es dann, den früher geliebten Menschen aus dem eigenen Leben zu streichen.

Aber wie oben erwähnt, reißt man dabei tiefe Wunden.

Es kommt oft noch dazu, dass man den anderen ja durchaus in sozialen Medien noch agieren sieht. Er oder sie ist also keinesfalls im Amazonasgebiet verschollen oder bei einer Expedition zum Mond gestrandet. Nein. Er oder sie agiert und lebt sich aus, ghostet einen aber eben. Das macht es noch brutaler.

Daher halte ich es auch bei diesem Thema so, wie ich es bei allen Themen halte: seid offen und ehrlich miteinander. Kommuniziert mit den Menschen. Redet und schreibt miteinander. Erklärt eure Gefühle und Beweggründe. Auch in der Trennung.

Und wenn es euch nicht zum Zeitpunkt der Trennung möglich ist die Umstände zu erklären, dann gebt dem Menschen irgendwann später eine Erklärung. Eine Erklärung, die womöglich Wunden heilen kann. Denn die Fragen im Kopf bleiben auch nach Monaten und Jahren.

Warum sollte sich eine Frau unterwerfen wollen?

Eine mir sehr wichtige Frau sagt einmal zu mir „seit ich dich kenne weiß ich es“. Das hat mich sehr berührt. Tut es noch. Aber dass Sie es weiß, hilft mir nicht die Frage zu beantworten.

Warum also will sich eine emanzipierte Frau in einer aufgeklärten, westlichen Gesellschaft einem Mann unterwerfen? Ist das nicht total widersinnig? Irgendwie verrückt? Nein, natürlich nicht.

Ich bin kein Psychologe, aber eigentlich liegt die Antwort schon in der Frage. Frauen tragen ganz selbstverständlich viel Verantwortung. Im Gegensatz zu früheren Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten sind sie meist berufstätig. Wenn sie Familie haben, dann erwartet die Gesellschaft von ihnen natürlich die perfekte Mutter und Ehefrau zu sein. Wie beim jonglieren müssen alle Bälle in der Luft gehalten werden und wehe, es fällt mal einer runter.

Natürlich müssen sie dabei auch immer perfekt aussehen, dafür Sport machen und am besten sieht alles ganz mühelos aus.

Kommen wir noch einmal auf die Frage zurück: warum sollten es Frauen da reizvoll finden sich in einem Lebensbereich fallen zu lassen und die Kontrolle jemandem zu überlassen, der weiß was er tut und dem sie vertrauen?

Nein, ich komme auch nicht drauf.

Spaß beiseite. Einfach mal die Kontrolle abgeben in einem Leben, in dem man sonst ständig am rudern, machen und tun ist, ist einfach sehr befreiend. Man kann sich treiben und Dinge mit sich geschehen lassen. Hat man den richtigen Partner dafür, ist es sogar ganz ohne Risiko. Denn Grenzen werden geachtet. Bedürfnisse werden erfüllt.

Warum machen dass dann nicht alle Frauen so? Nun, es kommt eben ganz auf die Neigung an. Jeder Mensch hat andere Bedürfnisse und Wünsche. Sich dominieren zu lassen, egal in welcher Form ist eben nicht jederfraus Sache. Und es soll ja jede Frau das machen, was sie mag und ihr gut tut.

Warum tun es aber nicht alle Frauen, die es gerne tun würden? Da liegt das Problem. Es ist nicht ganz so einfach sich einzugestehen, dass man gerne dominiert und „fremdbestimmt“ sein möchte. Wenn auch nur in einem gewissen Rahmen. Schließlich lernen Mädchen und Frauen in unserer Gesellschaft selbständig zu sein und sich nicht abhängig zu machen.

Da ist es nicht ganz so leicht dem inneren Drang nachzugeben, sich einem Partner zu unterwerfen. Da kommen Fragen auf. Zweifel. Scham.

Wie kann es mir gefallen, dass mir gesagt wird was ich tun soll? Wie kann ich es erregend finden, wenn mir Aufgaben, Regeln oder Verbote gegeben werden? Auch da lautet die Antwort: es kann einfach sehr befreiend sein mal die Zügel aus der Hand zu geben. Sich fallen zu lassen.

Wenn ihr also entsprechende Fantasien hat, dann spricht nichts dagegen sich einem dominanten Partner zu unterwerfen. Wer hätte das Recht dass zu verurteilen? So lange ihr keinem schadet, wen geht es etwas an?

Abgesehen von allem anderen ist es ja gerade Emanzipation, dass Frauen tun können was ihnen gefällt und gut tut. So wie es Männer seit Jahrhunderten für sich in Anspruch nehmen. Wenn ihr also diese besondere Freiheit der Unterwerfung genießen wollt, dann seid emanzipiert und tut dass, was euch gut tut.

Neben allen sexuellen Aspekten kann es eben sehr befreiend sein in einem kontrollierten Rahmen die Kontrolle abzugeben. Wie weit das geht, wie tief ihr da gehen wollt, wo ihr Grenzen ziehen wollt. Dass ist alles ganz individuell.

Wundern wir uns also nicht, wieso ausgerechnet in unserer aufgeklärten Gesellschaft scheinbar so viele Frauen die Lust an der Unterwerfung entdecken. Es ist einfach eine Reaktion auf die Anforderungen und Ansprüche, die der Alltag an Frauen stellt.

Nichts daran ist irgendwie verwerflich oder abzulehnen. Wer dieses Bedürfnis in sich entdeckt, der darf dem nachgehen und auch nachgeben. Wer es nicht hat muss auch nicht denken, dass etwas schief läuft. Achtet einfach auf dass, was ihr euch wünscht. Wägt ab und fühlt euch nicht schuldig dem auch einfach mal nachzugeben.

Niemand hat das Recht einer Frau zu sagen, was ihr im Bett, in den eigenen vier Wänden oder in der Beziehung zu gefallen hat und was nicht. Darüber sind wir zum Glück in unserer Gesellschaft hinaus. Oder sollten es sein.

Also meine Damen: nur Mut und unterwerft euch, wenn es auch glücklich macht.

Dominant ist nicht gleich Dom

Neulich erzählte mir eine Frau „Er sagte er sei dominant und diese ganzen Begriffe und Regeln würden ihn nicht interessieren. Er würde sich nehmen was er wolle und ich solle einfach spuren.“.

Wenn beide dass so wollen, dann sollen sie es so machen und glücklich werden. Viele da draußen sind dominant. Noch viel mehr halten sich für oder geben sich dominant. Aber mit BDSM und der Rolle des Dom oder der Domina hat das nichts zu tun.

Wie wir alle wissen sind Dom oder Domina etc. keine geschützten Begriffe. Jeder kann sich so nennen. Von dieser Freiheit machen auch viele Gebrauch und nennen sich so, obwohl sie wenig oder keine Ahnung haben.

Andere, wie im Eingangsbeispiel, wollen mit den Begriffen nichts am Hut haben. Auch gut.

Meine Warnung geht nur an die Menschen, die sich in die Hände solcher Leute begeben. Nur weil jemand sich selber für dominant hält, ist er oder sie kein Dom oder keine Domina. Zu dieser Rolle gehört mehr als jemand anderen mies zu behandeln, zu benutzen und dann weg zu schicken.

Wer in die dominante Position im Rahmen von BDSM schlüpft, sollte wissen, dass dazu mehr gehört als nur zu tun was man will und sonst keine Rücksichten zu nehmen.

Es gehören Verantwortung und Aftercare dazu. Es gehören Absprachen und Einhaltung von Grenzen, Tabus und des vereinbarten Rahmens dazu. Es gehört dazu, dass man zumindest darüber spricht ob man Sicherheitsmaßnahmen wie ein Safeword nutzen möchte. Überhaupt gehört viel Kommunikation dazu.

Das ist natürlich unbequem für die, die einfach nur ihren Spaß und sonst ihre Ruhe haben wollen. Die einfach nur die schnelle Nummer suchen und ansonsten von dem ganzen Kram nichts wissen wollen. Klar, denn dem Spaß steht Verantwortung natürlich im Weg.

Das Gegenüber einfach nur zur Befriedigung der eigenen Lust zu benutzen und dann ohne Rücksicht auf dessen Gefühle weg schicken oder fallen lassen, kann im BDSM-Kontext im Einzelfall mal vorkommen. Es darf aber nicht zur Regel werden. Denn der devote Part begibt sich in die Hände des dominanten Parts und darf erwarten aufgefangen zu werden.

Bewusst und willentlich den Anderen in seinem Gefühlschaos alleine lassen, absichtlich und gefühllos den anderen in Tränen aufgelöst quasi weg werfen ist kein BDSM. Das ist im besten Fall Gleichgültigkeit und im schlimmsten Fall Missbrauch.

Wer es sich leicht macht und sagt „ach, diese Begriffe und Regeln sind mit egal, ich bin einfach dominant“, der soll das tun. Wer sich aber auf so jemanden einlässt, der muss wissen, zwischen den Zeilen bedeutet so eine Aussage oft „ich will einfach nur machen worauf ich Lust habe und dafür keine Verantwortung übernehmen“.

Nicht jeder der solche Aussagen macht muss es böse meinen. Vielleicht ist es auch einfach eine Scheu sich tiefer mit BDSM zu beschäftigen. Aber oft stecken hinter solchen Aussagen leider Arschlöcher, die eben nur den Spaß und nicht die Verpflichtungen wollen.

Damit sollen natürlich nicht alle heilig gesprochen werden die sich Dom oder Domina nennen. Auch da gibt es schwarze Schafe. Aber bei Menschen die so offen sagen was sie ablehnen, muss jeder Mensch wissen woran er oder sie ist.

Denn ein Mensch, der BDSM ernst nimmt, der wird euch zumindest anbieten ein Safeword zu verwenden. Der wird es nicht ablehnen, wenn ihr euch covern lassen wollt. Der wird sich an den Rahmen halten den ihr miteinander vereinbart habt. Der wird euch nicht gleichgültig raus werfen wenn ihr emotional aufgelöst seid.

Ein solcher Mensch wird euch auch Mitspracherecht geben und nicht verlangen, dass ihr einfach nur spurt und sonst den Mund haltet. Leider ist es ein immer noch weit verbreiteter Irrtum, dass devote Menschen einfach alles mitmachen müssen ohne selber etwas zu sagen zu haben.

Im konkreten BDSM-Kontext hat natürlich der dominante Part das Sagen. Aber auch da gibt das Safeword dem devoten Part eine kleine Steuerungsmöglichkeit.

Außerhalb des BDSM-Kontextes aber muss es Möglichkeiten geben sich zu äußern. Da muss es die Gelegenheit geben Wünsche und Bedenken anzubringen. Wer das abbügelt mit „Du musst spuren“, vor dem solltet ihr schnell und weit weg laufen.

Wie gestaltet man eine Session?

Gehen wir mal davon aus ihr habt euch gefunden. Ihr habt die Checkliste abgehakt, die Sub hat einen guten Dom gefunden oder umgekehrt. Ihr habt auch schon euren gemeinsamen Rahmen abgesteckt von dem was ok und gewollt und von dem was nicht gewollt ist. Aber was dann?

Irgendwann kommt der Moment eine ersten Session oder BDSM-Handlung oder wie ihr es nennen wollte. Manchmal ganz spontan, oft aber nicht. Oft ist es verabredet und geplant. Beide haben lange Zeit vorher darüber nachzudenken.

Aber während der devote Part da naturgemäß eher abwarten kann oder muss, obliegt es dem dominanten Part das Ganze in irgendeiner Form zu planen. Das ist der Punkt an dem alle Dominanten irgendwann stehen. Da beschäftigen einen Fragen wie: „Wie gestalte ich das Ganze nun?“ und „Was ist, wenn mir mal nichts einfällt?“.

Was man in diesem Moment braucht sind Fantasie, Spieltrieb, den vereinbarten Rahmen und sein Handwerkszeug. Darunter würde ich in dem Moment alles verstehen, was man an Seilen, Ketten, Schlagwerkzeugen etc. verwenden will und kann.

Ich persönlich visualisiere dann in einem ersten Schritt das Treffen. Sprich, ich stelle mir vor was passiert. Wo treffen wir uns? Kenne ich die Location? Was weiß ich darüber? Komme ich zuerst an oder ist sie zuerst dort? Welche Gegebenheiten finde ich dort vor?

Einmal hatte ich ein Hotelzimmer gebucht, wusste aber nicht, dass das Hotel verspiegelte Fenster haben würde, durch die man von außen ungesehen über die ganze Stadt schauen konnte. Sobald ich das gesehen hatte war klar, dass ich meine Sub nackt am Fenster würde platzieren müssen. Solche Situationen muss man natürlich spontan mit nehmen.

Dann überlege ich, was von meinem Handwerkszeug ich vermutlich benutzen werde. Was davon ist am Anfang sinnvoll, was erst später, weil es vielleicht etwas Vorlauf braucht. Beispielsweise Schlagwerkzeuge die erst zum Einsatz kommen, wenn beide schon etwas aufgewärmt sind.

Dabei habe ich natürlich auch immer Blick was vereinbart war. Was kickt sie besonders? Welchen Schwerpunkt möchte ich setzen? Oder haben wir etwas vereinbart, dass vorkommen soll? Und ganz wichtig, welche Stimmung will ich insgesamt erzeugen? Als Dom setzt ihr in dieser Situation den Ton. Wollt ihr besonders streng sein, eher nachgiebig? Was ist in der aktuellen Stimmung zwischen euch der richtige Ton?

Aus all diesen Informationen entsteht im Kopf ein ungefährer Plan. „Situation Eins, Ort X, ich fange an mit… Situation Zwei, Ort Y, weiter mit…“.

Wenn ihr nicht ein ganz konkretes Szenario plant, vielleicht ein Rollenspiel oder so, dann macht das Ganze nicht zu konkret. Lasst euch selber Freiheiten und Spielräume. Das fällt natürlich umso leichter, je öfter man das schon gemacht hat. Am Anfang hält man sich vielleicht einfach zu sehr an dem fest, was man sich vorher überlegt hat.

So reift ein grober Ablauf im Kopf: „Erst hier diese Aktion, dann rüber nach da, dann die Gerte…“. Mehr hat man eigentlich nicht. Mit dem oben erwähnten Spieltrieb und der Lust am Ganzen fällt euch der Rest dann schon ein wenn es so weit ist.

Nun aber zum vermutlich wichtigsten Tipp von allen. Seid immer bereit all dass oder einzelne Punkte davon über Bord zu werfen. Ohne zögern. Zack, gestorben.

Wenn ihr merkt, es passt gerade etwas nicht, dann nicht krampfhaft daran hängen und denken „aber jetzt solle es doch so weiter gehen“. Nein. Weg damit und etwas anderes machen. Oder auch wenn ihr spontan auf etwas Lust habt dass gar nicht geplant war, warum nicht? Auch wenn das alles andere was ihr euch überlegt hattet über den Haufen wirft. So what?

Bei niemandem auf der Welt verläuft jede Session so, wie sie vorher überlegt oder geplant war. Das ist normal und ist sogar Teil des Spaßes. Vor allem: macht nicht den Fehler in der Situation irgendetwas nachzuhängen, dass vermeintlich „nicht geklappt hat“. So lange ihr im Flow seid ist alles gut. Euer Gegenüber weiß ja im Zweifelsfall gar nicht was „eigentlich geplant“ war. Also locker bleiben und weiter genießen, sonst macht ihr es euch nur selber kaputt.

Klammert euch also nicht an euren Plan. Tut euch selber den Gefallen und seid bereit ihn spontan zu ändern und fallen zu lassen. Das ermöglicht euch und eurem Gegenüber unendlich mehr Freiheit und Lockerheit. lasst euch außerdem gesagt sein, dass sich aus diesen spontanen Planänderungen oder Umwegen oft die besten und aufregendsten Situationen entwickeln.

Kurz gesagt, plant so viel wie nötig, aber auch nicht zu viel. Lasst euch innerhalb dessen was ihr gemeinsam vereinbart habt von eurer Fantasie und eurem Spieltrieb leiten. Überlegt vorher, was ihr an Gegebenheiten vorfindet. Seid aber auch bereit alles über den Haufen zu werfen, wenn die Situation es verlangt oder sinnvoll erscheinen lässt. Ansonsten: genießt es so gut ihr könnt.

Reden wir über Bedürfnisse

Ihr werdet es ahnen, hier geht es nicht um Bedürfnisse wie Atmung, Nahrung oder Schlaf. Aber auch nicht ausschließlich um sexuelle Bedürfnisse. Womöglich wird dass hier etwas weniger BDSM-bezogen als sonst üblich. Wir werden sehen.

Menschen haben viele Bedürfnisse. Nach der Maslowschen Bedürfnishierarchie gibt es verschiedene Arten von Bedürfnissen. Die oben genannten wären dann physiologische Bedürfnisse. Sie haben wir alle. Aber jeder hat eben auch ganz individuelle Bedürfnisse und diese treiben den jeweiligen Menschen an. Sie machen viel von dem aus wer wir sind. Sie beeinflussen maßgeblich unsere Entscheidungen. Die großen und die kleinen.

Wer die eigenen Bedürfnisse nicht kennt, der versteht oft nicht, wieso er oder sie handelt wie er oder sie eben handelt.

Verhalten und Konflikte versteht man oft, wenn man versteht was das Bedürfnis des anderen ist. Manchmal kann man den Konflikt dann lösen, manchmal erkennt man dann aber auch, dass es keine Lösung geben kann mit der beide Seiten zufrieden sind. Nämlich dann, wenn die Bedürfnisse sich widersprechen. Sprich, wenn die Erfüllung des einen Bedürfnisses die Erfüllung des anderen verhindert.

Klingt abstrakt und kompliziert? Ist es eigentlich nicht so sehr.

Wenn zum Beispiel ein Mensch ein großes Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit hat, dann wird er oder sie vielleicht einen möglichst sicheren Job haben wollen. Kinder bekommen, ein Haus kaufen. Hat auf der anderen Seite ein Mensch ein großes Bedürfnis nach Freiheit, dann wird dieser Mensch vielleicht wenig wert auf einen festen Job legen. Vielleicht wird dieser Mensch gerne von heute auf morgen alles fallen lassen und einen sechsmonatigen Trip durch Südamerika machen wollen.

Dass diese beiden Menschen jetzt ein Paar werden, dass länger als wenige Monate zusammen bleibt ist unwahrscheinlich. Zu unterschiedlich sind ihre Vorstellungen und Bedürfnisse. Es sei denn natürlich, einer von beiden ist sich seiner Bedürfnisse nicht bewusst oder entscheidet für die Liebe darauf zu verzichten.

Wir sind uns vermutlich einig: dann sind Konflikte vorprogrammiert.

Vor allem, da Bedürfnisse sich im Laufe eines Lebens verstärken oder verändern können. Vielleicht wird der freiheitliebende Mensch sich mit den Jahren immer mehr eingesperrt fühlen. Als Gegenreaktion wird dieser Mensch womöglich ein immer größeres Bedürfnis nach Freiheit entwickeln. Alle Versuche den „Sicherheits-Menschen“ zu kleinen und größeren Ausbrüchen zu motivieren sind unbeantwortet geblieben. Klar, es entspricht ja nicht dessen Bedürfnissen.

Irgendwann, nach vielen Jahren Beziehung, wird es vielleicht nicht mehr auszuhalten sein. Womöglich bricht dieser Mensch dann aus um endlich in zerrissenen Jeans durch San Francisco zu gehen. Zurück bleibt ein fassungsloser Partner der nicht versteht, was „plötzlich“ so anders ist, wo doch bisher alles so „perfekt“ war.

In diesem Beispiel haben beide nicht ausreichend auf ihre Bedürfnisse geachtet oder sie nicht ausreichend gekannt.

Nun nähern wir uns dem Punkt. Auch erfüllte Sexualität ist ein Bedürfnis. Ein sehr starkes und grundlegendes sogar. Bei manchen stärker und bei anderen schwächer ausgeprägt. Bei ganz wenigen sogar kaum vorhanden.

Für manche Menschen ist Sex ein zentraler Punkt und ganz essentieller in ihrem Leben. Für andere etwas Schönes, aber eher etwas dass eben da ist. Beides ist in Ordnung. Genauso wie Essen für manche eine pure Notwendigkeit und für andere ein Luxus im Alltag ist, der aus einem mittelmäßigen Tag einen fantastischen Tag machen kann.

Unterschiedliche Bedürfnisse eben.

Problematisch kann es werden, wenn sich beim einen die Leidenschaft für Sex weiter entwickelt und beim anderen nicht. Oder wenn sich die Vorstellung wie erfüllte Sexualität aussieht auseinander entwickelt haben.

Vielleicht hat man früher gut zusammen gepasst. Vielleicht standen bei beiden am Beginn der Beziehung das Bedürfnis nach Liebe, Geborgenheit und Familie im Vordergrund. Nun wo das erfüllt ist, rücken aber bei einem Partner andere Bedürfnisse in den Vordergrund und entwickeln sich weiter.

Wie gesagt, auch sexuelle Bedürfnisse können sich entwickeln, Anlage die vorhanden waren sich verstärken und im Resultat hat man andere sexuelle Bedürfnisse als der langjährige Partner. In der Fantasie entstehen vielleicht Ideen von BDSM die verschüttet waren und als jugendliche Spinnereien abgelegt schienen.

Nun werden sie aber immer stärker und sie sind eben genauso ein Bedürfnis wie die anderen Bedürfnisse auch. Wie im Beispiel oben mit dem freiheitsliebenden und dem sicherheitsliebenden Menschen hat man sich aber womöglich einen Partner ausgesucht, der ganz andere Bedürfnisse hat. Mit dem man wie erwähnt anfänglich ähnliche Bedürfnisse hatte, aber eben nicht alle geteilt hat. Wie dass nach erfüllter Sexualität oder Freiheit.

Was in dieser Situation nicht hilft ist, dem anderen Vorwürfe zu machen wie „Für das bisschen rumficken willst Du unsere Beziehung zerstören?“. Das ist nicht der Punkt. Das ist ein typischer Fall vom nicht verstehen anderer Bedürfnisse. Nur weil man sie nicht teilt, sind die Bedürfnisse des anderen nicht minderwertig.

Leider sehen aber viele, meiner Erfahrung nach vor allem viele Männer, nur ihre Bedürfnisse. Halten diese für zentral und unverhandelbar wichtig. Haben aber nicht die Fähigkeit oder das Interesse auch die Bedürfnisse des Partners zu sehen und zu achten. Wer aber nur auf die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse pocht ohne die des anderen zu achten, der verletzt seinen Partner Tag für Tag.

An dem Punkt wäre es stattdessen wichtig sich gegenseitig die Bedürfnisse klar zu machen. Konstruktiv zu versuchen Lösungen zu finden wie beider Bedürfnisse erfüllt werden können. Denn nur, wenn diese zentralen menschlichen Bedürfnisse wie zum Beispiel Sicherheit, Geborgenheit, erfüllte Sexualität, Liebe befriedigt werden, können wir als Menschen auf Dauer glücklich sein.

Was ihr also braucht ist erst einmal Klarheit über die eigenen Bedürfnisse. Was ist für euch wichtig und eigentlich nicht verhandelbar?

Dann könnt ihr jemanden suchen, der diese Bedürfnisse erfüllt und der idealerweise weitgehend die selben Bedürfnisse hat. Manchmal ist das aber nicht ein Mensch. Manchmal findet man Erfüllung für die einen wichtigen Bedürfnisse beim einen und für andere Bedürfnisse bei einem anderen Menschen.

Wenn der Partner nicht gerne kocht und isst, dann findet man vielleicht Freunde die das mögen. Oder einen Kochclub. Bei so etwas ist das normal. Wenige Menschen würden das als Verrat an der Beziehung sehen. Beim Sex finden das leider sehr viele Menschen schon. Das muss aber nicht so sein. Denn wie wir ja neulich schon besprochen haben, nicht mit jedem Partner kann man alles ausleben.

Solltet ihr aber in einer Beziehung sein in der eure gegenseitigen Bedürfnisse nicht erfüllt werden und ihr findet auch keine Lösung. Sollten sich die Bedürfnisse nicht unter einen Hut bringen lassen, dann muss man sich eben vielleicht doch trennen. So haben beide die Möglichkeit ihre Bedürfnisse nach Liebe, Geborgenheit oder erfüllter Sexualität mit jemand anderem zu erfüllen, statt dass immer einer oder beide leiden.

Und nennt mich einen Romantiker. Aber ich bin überzeugt, dass es möglich ist alle Bedürfnisse auch in einer Beziehung zu erfüllen. Dafür braucht es nur klare Kommunikation über dass was man will und braucht und Toleranz für dass, was der andere will und braucht. Vor allem an letzterem hapert es aber meistens.

Vom Partner zum Dom?

Wenn ich mit Frauen rede oder sie über den Blog mit mir in Kontakt treten, dann begegnet mir sehr häufig ein bestimmtes Muster. Die Frau hat ihre devote Neigung entdeckt und versucht das dem Ehemann nahe zu bringen. Dieser ist selbstverständlich zutiefst überzeugt, dass er ihr das was sie möchte mit Leichtigkeit geben kann.

Über dieses unerschütterliche männliche Selbstvertrauen ließe sich ebenfalls einiges sagen. Darum soll es aber hier nicht gehen. Es soll darum gehen, dass die obige Annahme in den allermeisten Fällen falsch ist.

Es gibt da gleich mehrere Probleme. Problem Nummer eins ist, der Ehemann steht im Normalfall einfach nicht darauf zu dominieren. Wenn doch und die beiden haben es nur gegenseitig bisher nicht gewusst, dann herzlichen Glückwunsch. Ein Lottoschein wäre bei dem Glück wohl eine gute Idee gewesen.

Wenn der Partner aber selber nicht darauf steht, dann wird es „dieses BDSM“ vermutlich nur zum Gefallen der Partnerin/Ehefrau machen. Dass wiederum weiß sie natürlich. Und für die allermeisten devoten Frauen ist das ein totaler Lustkiller. Denn sie wollen dominiert werden, weil es dem Mann gefällt. Weil er sie beherrschen und benutzen will. Was sie nicht wollen ist ein Partner bei dem sie genau wissen, der tut nur so, um ihnen eine Freude zu machen.

Das ist ein essentieller Unterschied zu einer Sexpraktik die man mal macht, weil es dem Partner gefällt. Das kann hervorragend für beide funktionieren. Im BDSM ist aber auch die Haltung hinter der Handlung für den Kick mit verantwortlich. Diese Haltung fehlt bei dieser Form von „Gefälligkeit“ und dadurch wird der Reiz extrem geschmälert.

Problem Nummer zwei ist oft, dass die Partner die Dominanz nicht glaubhaft machen können. Wie auch? Es ist nicht ihre innere Überzeugung und wenige haben die Schauspieltalente einer Robert de Niro. Erschwerend kommt bei langen Beziehungen hinzu, dass die Frau den Mann sehr gut kennt. Umso fremder und gekünstelter erscheint dann im Einzelfall die plötzliche sexuelle Dominanz.

Auch das ein weiterer und heftiger Lustkiller.

Ein drittes gängiges Problem ist, dass ein erfahrener Dom oder zumindest ein Dom der die Neigung wirklich hat, eine Sub anders behandelt als es ein Partner kann. Selbstverständlich soll und muss er auf sie achten. Aber in einer Session oder einer anderen Form von BDSM-Beziehung schwingt immer auch eine Anteil von „es ist mir völlig egal ob dir das jetzt gefällt, ich nehme es mir“ mit. Das zu begreifen fällt jemandem, der BDSM nicht kennt und versteht schon schwer. Es herüber zu bringen ist für einen womöglich langjährigen Partner quasi unmöglich.

Wie soll man nach 8, 10 oder 15 Jahren Ehe oder Partnerschaft der Lebenspartnerin, womöglich der Mutter der gemeinsamen Kinder glaubhaft machen, dass es einem „egal“ (immer ihm Rahmen des Metakonsens von BDSM natürlich) ist ob sie Lust hat und dass man sie fickt egal ob es ihr gefällt. In den meisten Fällen steht das im Widerspruch zu allem, was vorher in der Beziehung normal war. Das kann meist ein Partner nicht rüber bringen und wenn doch, dann wird die Partnerin es ihm meist nicht abnehmen können.

Die Rollen sind einfach über Jahre anders verteilt und beide können bei solchen Wünschen dann nicht aus ihrer Haut.

Kommen wir aber noch zu einem vierten gängigen Problem. Nicht selten entwickeln sich Vorlieben auseinander. Was früher mal gepasst hat, passt heute nicht mehr. Ein Partner hat andere Vorlieben entwickelt und sich damit beschäftigt. Oder bereits vorhandene Vorlieben haben sich immer weiter verstärkt.

Schaut sich eine Frau über Jahre für ihr Kopfkino BDSM-Pornos an und ihre Fantasien entwickeln sich immer weiter, dann versucht sie vielleicht wie oben erwähnt dass dem Partner nahe zu bringen. natürlich behutsam und mit eher sanfteren Beispielen. Warum nicht einmal mit einem Dreier anfangen um die Experimentierfreude zu wecken?

Aber schon dieser Schritt scheint dem Mann sehr groß. Es ist quasi schon der Gipfel der Ausschweifung den er sich vorstellen kann und sie umzusetzen verspricht er immer nur, tut es aber nie. Wie soll die Frau dann erst die anderen Wünsche und Fantasien offenbaren? Erniedrigung, Schmerz, Vorführung etc.?

Warum schreibe ich das alles? Um Bewusstsein bei denen zu schaffen, die in einer solchen Situation sind. Nicht jeder kann jedes Bedürfnis erfüllen. Entdeckt die Partnerin ihre Homosexualität sagt man ja auch nicht „Ich mach dir dann eben jetzt die Frau.“. Es geht nicht. Auch BDSM ist ein solcher Fall. Mit ganz wenigen Ausnahmen wie gesagt.

Welche Schlüsse ihr aus dieser Situation zieht, die Ehe öffnen, die Neigung unterdrücken, Trennung oder ein ganz eigener Weg, das muss jeder selber herausfinden. Aber diese besondere Illusion, nämlich „Dann dominiere ich dich eben“, die muss ich euch leider nehmen.