Wie gestaltet man eine Session?

Gehen wir mal davon aus ihr habt euch gefunden. Ihr habt die Checkliste abgehakt, die Sub hat einen guten Dom gefunden oder umgekehrt. Ihr habt auch schon euren gemeinsamen Rahmen abgesteckt von dem was ok und gewollt und von dem was nicht gewollt ist. Aber was dann?

Irgendwann kommt der Moment eine ersten Session oder BDSM-Handlung oder wie ihr es nennen wollte. Manchmal ganz spontan, oft aber nicht. Oft ist es verabredet und geplant. Beide haben lange Zeit vorher darüber nachzudenken.

Aber während der devote Part da naturgemäß eher abwarten kann oder muss, obliegt es dem dominanten Part das Ganze in irgendeiner Form zu planen. Das ist der Punkt an dem alle Dominanten irgendwann stehen. Da beschäftigen einen Fragen wie: „Wie gestalte ich das Ganze nun?“ und „Was ist, wenn mir mal nichts einfällt?“.

Was man in diesem Moment braucht sind Fantasie, Spieltrieb, den vereinbarten Rahmen und sein Handwerkszeug. Darunter würde ich in dem Moment alles verstehen, was man an Seilen, Ketten, Schlagwerkzeugen etc. verwenden will und kann.

Ich persönlich visualisiere dann in einem ersten Schritt das Treffen. Sprich, ich stelle mir vor was passiert. Wo treffen wir uns? Kenne ich die Location? Was weiß ich darüber? Komme ich zuerst an oder ist sie zuerst dort? Welche Gegebenheiten finde ich dort vor?

Einmal hatte ich ein Hotelzimmer gebucht, wusste aber nicht, dass das Hotel verspiegelte Fenster haben würde, durch die man von außen ungesehen über die ganze Stadt schauen konnte. Sobald ich das gesehen hatte war klar, dass ich meine Sub nackt am Fenster würde platzieren müssen. Solche Situationen muss man natürlich spontan mit nehmen.

Dann überlege ich, was von meinem Handwerkszeug ich vermutlich benutzen werde. Was davon ist am Anfang sinnvoll, was erst später, weil es vielleicht etwas Vorlauf braucht. Beispielsweise Schlagwerkzeuge die erst zum Einsatz kommen, wenn beide schon etwas aufgewärmt sind.

Dabei habe ich natürlich auch immer Blick was vereinbart war. Was kickt sie besonders? Welchen Schwerpunkt möchte ich setzen? Oder haben wir etwas vereinbart, dass vorkommen soll? Und ganz wichtig, welche Stimmung will ich insgesamt erzeugen? Als Dom setzt ihr in dieser Situation den Ton. Wollt ihr besonders streng sein, eher nachgiebig? Was ist in der aktuellen Stimmung zwischen euch der richtige Ton?

Aus all diesen Informationen entsteht im Kopf ein ungefährer Plan. „Situation Eins, Ort X, ich fange an mit… Situation Zwei, Ort Y, weiter mit…“.

Wenn ihr nicht ein ganz konkretes Szenario plant, vielleicht ein Rollenspiel oder so, dann macht das Ganze nicht zu konkret. Lasst euch selber Freiheiten und Spielräume. Das fällt natürlich umso leichter, je öfter man das schon gemacht hat. Am Anfang hält man sich vielleicht einfach zu sehr an dem fest, was man sich vorher überlegt hat.

So reift ein grober Ablauf im Kopf: „Erst hier diese Aktion, dann rüber nach da, dann die Gerte…“. Mehr hat man eigentlich nicht. Mit dem oben erwähnten Spieltrieb und der Lust am Ganzen fällt euch der Rest dann schon ein wenn es so weit ist.

Nun aber zum vermutlich wichtigsten Tipp von allen. Seid immer bereit all dass oder einzelne Punkte davon über Bord zu werfen. Ohne zögern. Zack, gestorben.

Wenn ihr merkt, es passt gerade etwas nicht, dann nicht krampfhaft daran hängen und denken „aber jetzt solle es doch so weiter gehen“. Nein. Weg damit und etwas anderes machen. Oder auch wenn ihr spontan auf etwas Lust habt dass gar nicht geplant war, warum nicht? Auch wenn das alles andere was ihr euch überlegt hattet über den Haufen wirft. So what?

Bei niemandem auf der Welt verläuft jede Session so, wie sie vorher überlegt oder geplant war. Das ist normal und ist sogar Teil des Spaßes. Vor allem: macht nicht den Fehler in der Situation irgendetwas nachzuhängen, dass vermeintlich „nicht geklappt hat“. So lange ihr im Flow seid ist alles gut. Euer Gegenüber weiß ja im Zweifelsfall gar nicht was „eigentlich geplant“ war. Also locker bleiben und weiter genießen, sonst macht ihr es euch nur selber kaputt.

Klammert euch also nicht an euren Plan. Tut euch selber den Gefallen und seid bereit ihn spontan zu ändern und fallen zu lassen. Das ermöglicht euch und eurem Gegenüber unendlich mehr Freiheit und Lockerheit. lasst euch außerdem gesagt sein, dass sich aus diesen spontanen Planänderungen oder Umwegen oft die besten und aufregendsten Situationen entwickeln.

Kurz gesagt, plant so viel wie nötig, aber auch nicht zu viel. Lasst euch innerhalb dessen was ihr gemeinsam vereinbart habt von eurer Fantasie und eurem Spieltrieb leiten. Überlegt vorher, was ihr an Gegebenheiten vorfindet. Seid aber auch bereit alles über den Haufen zu werfen, wenn die Situation es verlangt oder sinnvoll erscheinen lässt. Ansonsten: genießt es so gut ihr könnt.

Reden wir über Bedürfnisse

Ihr werdet es ahnen, hier geht es nicht um Bedürfnisse wie Atmung, Nahrung oder Schlaf. Aber auch nicht ausschließlich um sexuelle Bedürfnisse. Womöglich wird dass hier etwas weniger BDSM-bezogen als sonst üblich. Wir werden sehen.

Menschen haben viele Bedürfnisse. Nach der Maslowschen Bedürfnishierarchie gibt es verschiedene Arten von Bedürfnissen. Die oben genannten wären dann physiologische Bedürfnisse. Sie haben wir alle. Aber jeder hat eben auch ganz individuelle Bedürfnisse und diese treiben den jeweiligen Menschen an. Sie machen viel von dem aus wer wir sind. Sie beeinflussen maßgeblich unsere Entscheidungen. Die großen und die kleinen.

Wer die eigenen Bedürfnisse nicht kennt, der versteht oft nicht, wieso er oder sie handelt wie er oder sie eben handelt.

Verhalten und Konflikte versteht man oft, wenn man versteht was das Bedürfnis des anderen ist. Manchmal kann man den Konflikt dann lösen, manchmal erkennt man dann aber auch, dass es keine Lösung geben kann mit der beide Seiten zufrieden sind. Nämlich dann, wenn die Bedürfnisse sich widersprechen. Sprich, wenn die Erfüllung des einen Bedürfnisses die Erfüllung des anderen verhindert.

Klingt abstrakt und kompliziert? Ist es eigentlich nicht so sehr.

Wenn zum Beispiel ein Mensch ein großes Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit hat, dann wird er oder sie vielleicht einen möglichst sicheren Job haben wollen. Kinder bekommen, ein Haus kaufen. Hat auf der anderen Seite ein Mensch ein großes Bedürfnis nach Freiheit, dann wird dieser Mensch vielleicht wenig wert auf einen festen Job legen. Vielleicht wird dieser Mensch gerne von heute auf morgen alles fallen lassen und einen sechsmonatigen Trip durch Südamerika machen wollen.

Dass diese beiden Menschen jetzt ein Paar werden, dass länger als wenige Monate zusammen bleibt ist unwahrscheinlich. Zu unterschiedlich sind ihre Vorstellungen und Bedürfnisse. Es sei denn natürlich, einer von beiden ist sich seiner Bedürfnisse nicht bewusst oder entscheidet für die Liebe darauf zu verzichten.

Wir sind uns vermutlich einig: dann sind Konflikte vorprogrammiert.

Vor allem, da Bedürfnisse sich im Laufe eines Lebens verstärken oder verändern können. Vielleicht wird der freiheitliebende Mensch sich mit den Jahren immer mehr eingesperrt fühlen. Als Gegenreaktion wird dieser Mensch womöglich ein immer größeres Bedürfnis nach Freiheit entwickeln. Alle Versuche den „Sicherheits-Menschen“ zu kleinen und größeren Ausbrüchen zu motivieren sind unbeantwortet geblieben. Klar, es entspricht ja nicht dessen Bedürfnissen.

Irgendwann, nach vielen Jahren Beziehung, wird es vielleicht nicht mehr auszuhalten sein. Womöglich bricht dieser Mensch dann aus um endlich in zerrissenen Jeans durch San Francisco zu gehen. Zurück bleibt ein fassungsloser Partner der nicht versteht, was „plötzlich“ so anders ist, wo doch bisher alles so „perfekt“ war.

In diesem Beispiel haben beide nicht ausreichend auf ihre Bedürfnisse geachtet oder sie nicht ausreichend gekannt.

Nun nähern wir uns dem Punkt. Auch erfüllte Sexualität ist ein Bedürfnis. Ein sehr starkes und grundlegendes sogar. Bei manchen stärker und bei anderen schwächer ausgeprägt. Bei ganz wenigen sogar kaum vorhanden.

Für manche Menschen ist Sex ein zentraler Punkt und ganz essentieller in ihrem Leben. Für andere etwas Schönes, aber eher etwas dass eben da ist. Beides ist in Ordnung. Genauso wie Essen für manche eine pure Notwendigkeit und für andere ein Luxus im Alltag ist, der aus einem mittelmäßigen Tag einen fantastischen Tag machen kann.

Unterschiedliche Bedürfnisse eben.

Problematisch kann es werden, wenn sich beim einen die Leidenschaft für Sex weiter entwickelt und beim anderen nicht. Oder wenn sich die Vorstellung wie erfüllte Sexualität aussieht auseinander entwickelt haben.

Vielleicht hat man früher gut zusammen gepasst. Vielleicht standen bei beiden am Beginn der Beziehung das Bedürfnis nach Liebe, Geborgenheit und Familie im Vordergrund. Nun wo das erfüllt ist, rücken aber bei einem Partner andere Bedürfnisse in den Vordergrund und entwickeln sich weiter.

Wie gesagt, auch sexuelle Bedürfnisse können sich entwickeln, Anlage die vorhanden waren sich verstärken und im Resultat hat man andere sexuelle Bedürfnisse als der langjährige Partner. In der Fantasie entstehen vielleicht Ideen von BDSM die verschüttet waren und als jugendliche Spinnereien abgelegt schienen.

Nun werden sie aber immer stärker und sie sind eben genauso ein Bedürfnis wie die anderen Bedürfnisse auch. Wie im Beispiel oben mit dem freiheitsliebenden und dem sicherheitsliebenden Menschen hat man sich aber womöglich einen Partner ausgesucht, der ganz andere Bedürfnisse hat. Mit dem man wie erwähnt anfänglich ähnliche Bedürfnisse hatte, aber eben nicht alle geteilt hat. Wie dass nach erfüllter Sexualität oder Freiheit.

Was in dieser Situation nicht hilft ist, dem anderen Vorwürfe zu machen wie „Für das bisschen rumficken willst Du unsere Beziehung zerstören?“. Das ist nicht der Punkt. Das ist ein typischer Fall vom nicht verstehen anderer Bedürfnisse. Nur weil man sie nicht teilt, sind die Bedürfnisse des anderen nicht minderwertig.

Leider sehen aber viele, meiner Erfahrung nach vor allem viele Männer, nur ihre Bedürfnisse. Halten diese für zentral und unverhandelbar wichtig. Haben aber nicht die Fähigkeit oder das Interesse auch die Bedürfnisse des Partners zu sehen und zu achten. Wer aber nur auf die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse pocht ohne die des anderen zu achten, der verletzt seinen Partner Tag für Tag.

An dem Punkt wäre es stattdessen wichtig sich gegenseitig die Bedürfnisse klar zu machen. Konstruktiv zu versuchen Lösungen zu finden wie beider Bedürfnisse erfüllt werden können. Denn nur, wenn diese zentralen menschlichen Bedürfnisse wie zum Beispiel Sicherheit, Geborgenheit, erfüllte Sexualität, Liebe befriedigt werden, können wir als Menschen auf Dauer glücklich sein.

Was ihr also braucht ist erst einmal Klarheit über die eigenen Bedürfnisse. Was ist für euch wichtig und eigentlich nicht verhandelbar?

Dann könnt ihr jemanden suchen, der diese Bedürfnisse erfüllt und der idealerweise weitgehend die selben Bedürfnisse hat. Manchmal ist das aber nicht ein Mensch. Manchmal findet man Erfüllung für die einen wichtigen Bedürfnisse beim einen und für andere Bedürfnisse bei einem anderen Menschen.

Wenn der Partner nicht gerne kocht und isst, dann findet man vielleicht Freunde die das mögen. Oder einen Kochclub. Bei so etwas ist das normal. Wenige Menschen würden das als Verrat an der Beziehung sehen. Beim Sex finden das leider sehr viele Menschen schon. Das muss aber nicht so sein. Denn wie wir ja neulich schon besprochen haben, nicht mit jedem Partner kann man alles ausleben.

Solltet ihr aber in einer Beziehung sein in der eure gegenseitigen Bedürfnisse nicht erfüllt werden und ihr findet auch keine Lösung. Sollten sich die Bedürfnisse nicht unter einen Hut bringen lassen, dann muss man sich eben vielleicht doch trennen. So haben beide die Möglichkeit ihre Bedürfnisse nach Liebe, Geborgenheit oder erfüllter Sexualität mit jemand anderem zu erfüllen, statt dass immer einer oder beide leiden.

Und nennt mich einen Romantiker. Aber ich bin überzeugt, dass es möglich ist alle Bedürfnisse auch in einer Beziehung zu erfüllen. Dafür braucht es nur klare Kommunikation über dass was man will und braucht und Toleranz für dass, was der andere will und braucht. Vor allem an letzterem hapert es aber meistens.

Vom Partner zum Dom?

Wenn ich mit Frauen rede oder sie über den Blog mit mir in Kontakt treten, dann begegnet mir sehr häufig ein bestimmtes Muster. Die Frau hat ihre devote Neigung entdeckt und versucht das dem Ehemann nahe zu bringen. Dieser ist selbstverständlich zutiefst überzeugt, dass er ihr das was sie möchte mit Leichtigkeit geben kann.

Über dieses unerschütterliche männliche Selbstvertrauen ließe sich ebenfalls einiges sagen. Darum soll es aber hier nicht gehen. Es soll darum gehen, dass die obige Annahme in den allermeisten Fällen falsch ist.

Es gibt da gleich mehrere Probleme. Problem Nummer eins ist, der Ehemann steht im Normalfall einfach nicht darauf zu dominieren. Wenn doch und die beiden haben es nur gegenseitig bisher nicht gewusst, dann herzlichen Glückwunsch. Ein Lottoschein wäre bei dem Glück wohl eine gute Idee gewesen.

Wenn der Partner aber selber nicht darauf steht, dann wird es „dieses BDSM“ vermutlich nur zum Gefallen der Partnerin/Ehefrau machen. Dass wiederum weiß sie natürlich. Und für die allermeisten devoten Frauen ist das ein totaler Lustkiller. Denn sie wollen dominiert werden, weil es dem Mann gefällt. Weil er sie beherrschen und benutzen will. Was sie nicht wollen ist ein Partner bei dem sie genau wissen, der tut nur so, um ihnen eine Freude zu machen.

Das ist ein essentieller Unterschied zu einer Sexpraktik die man mal macht, weil es dem Partner gefällt. Das kann hervorragend für beide funktionieren. Im BDSM ist aber auch die Haltung hinter der Handlung für den Kick mit verantwortlich. Diese Haltung fehlt bei dieser Form von „Gefälligkeit“ und dadurch wird der Reiz extrem geschmälert.

Problem Nummer zwei ist oft, dass die Partner die Dominanz nicht glaubhaft machen können. Wie auch? Es ist nicht ihre innere Überzeugung und wenige haben die Schauspieltalente einer Robert de Niro. Erschwerend kommt bei langen Beziehungen hinzu, dass die Frau den Mann sehr gut kennt. Umso fremder und gekünstelter erscheint dann im Einzelfall die plötzliche sexuelle Dominanz.

Auch das ein weiterer und heftiger Lustkiller.

Ein drittes gängiges Problem ist, dass ein erfahrener Dom oder zumindest ein Dom der die Neigung wirklich hat, eine Sub anders behandelt als es ein Partner kann. Selbstverständlich soll und muss er auf sie achten. Aber in einer Session oder einer anderen Form von BDSM-Beziehung schwingt immer auch eine Anteil von „es ist mir völlig egal ob dir das jetzt gefällt, ich nehme es mir“ mit. Das zu begreifen fällt jemandem, der BDSM nicht kennt und versteht schon schwer. Es herüber zu bringen ist für einen womöglich langjährigen Partner quasi unmöglich.

Wie soll man nach 8, 10 oder 15 Jahren Ehe oder Partnerschaft der Lebenspartnerin, womöglich der Mutter der gemeinsamen Kinder glaubhaft machen, dass es einem „egal“ (immer ihm Rahmen des Metakonsens von BDSM natürlich) ist ob sie Lust hat und dass man sie fickt egal ob es ihr gefällt. In den meisten Fällen steht das im Widerspruch zu allem, was vorher in der Beziehung normal war. Das kann meist ein Partner nicht rüber bringen und wenn doch, dann wird die Partnerin es ihm meist nicht abnehmen können.

Die Rollen sind einfach über Jahre anders verteilt und beide können bei solchen Wünschen dann nicht aus ihrer Haut.

Kommen wir aber noch zu einem vierten gängigen Problem. Nicht selten entwickeln sich Vorlieben auseinander. Was früher mal gepasst hat, passt heute nicht mehr. Ein Partner hat andere Vorlieben entwickelt und sich damit beschäftigt. Oder bereits vorhandene Vorlieben haben sich immer weiter verstärkt.

Schaut sich eine Frau über Jahre für ihr Kopfkino BDSM-Pornos an und ihre Fantasien entwickeln sich immer weiter, dann versucht sie vielleicht wie oben erwähnt dass dem Partner nahe zu bringen. natürlich behutsam und mit eher sanfteren Beispielen. Warum nicht einmal mit einem Dreier anfangen um die Experimentierfreude zu wecken?

Aber schon dieser Schritt scheint dem Mann sehr groß. Es ist quasi schon der Gipfel der Ausschweifung den er sich vorstellen kann und sie umzusetzen verspricht er immer nur, tut es aber nie. Wie soll die Frau dann erst die anderen Wünsche und Fantasien offenbaren? Erniedrigung, Schmerz, Vorführung etc.?

Warum schreibe ich das alles? Um Bewusstsein bei denen zu schaffen, die in einer solchen Situation sind. Nicht jeder kann jedes Bedürfnis erfüllen. Entdeckt die Partnerin ihre Homosexualität sagt man ja auch nicht „Ich mach dir dann eben jetzt die Frau.“. Es geht nicht. Auch BDSM ist ein solcher Fall. Mit ganz wenigen Ausnahmen wie gesagt.

Welche Schlüsse ihr aus dieser Situation zieht, die Ehe öffnen, die Neigung unterdrücken, Trennung oder ein ganz eigener Weg, das muss jeder selber herausfinden. Aber diese besondere Illusion, nämlich „Dann dominiere ich dich eben“, die muss ich euch leider nehmen.

Der Dom als Gedankenleser

Das Tolle an so einem Dom ist ja, dass er intuitiv und ohne Fragen zu stellen genau weiß, was eine Sub will. Er geht nie zu weit, aber immer weit genug und dass nur, weil er eben Gedanken lesen kann. Ende des Artikels.

Ja, ich weiß. Viele Subs da draußen würden sich wünschen, dass es genau so läuft. Wir wissen aber alle: Das ist Quatsch und kann nicht funktionieren.

Es ist eine Binsenweisheit, aber um zu bekommen was man will, hilft es ungemein zu sagen was man will.

So leicht ist das aber nicht. Zuerst einmal fällt es ja vielen Menschen und leider vor allem vielen Frauen nicht leicht zu sagen was sie sexuell mögen oder nicht mögen. Manche wissen es sogar gar nicht so genau. Leider spielen oft anerzogene Hemmungen eine große Rolle, was es natürlich schwer macht, mit Leuten darüber zu reden, die man gerade erst kennen lernt.

Außerdem sind da diese ganzen Begriffe. Was bedeutet was? Wie definiert das Gegenüber diese dann wieder? BDSM bedeutet auch auf eine Art eine neue Sprache zu lernen. Woher soll man wissen, ob man Spanking oder Figging mag, wenn man davon noch nie gehört hat und nicht weiß, was dahintersteckt?

Auch wenn man sich die Begriffe angeeignet hat, ist es oft noch nicht leicht so etwas auszusprechen. Man mag sich zwar damit beschäftigt haben und sich vorgestellt haben, wie es wäre. Dann aber klar zu sagen „Also ich mag X und Y. Aber Z ist nicht mein Ding.“, ist nicht immer leicht. Denn häufig war es ein weiter Weg sich überhaupt einzugestehen, dass man beispielsweise geschlagen werden möchte. Diesen Wunsch dann einem anderen Menschen gegenüber klar zu formulieren, ist oft noch einmal eine ganz neue Herausforderung.

Das „Problem“ jedoch ist, dass es gerade im BDSM extrem wichtig ist, zu sagen oder miteinander zu klären was man mag und was man nicht mag.

Denn viel schneller als bei Vanilla-Sex kann man im BDSM durch bloßes „einfach mal ausprobieren“, das Tabu eines anderen brechen und denjenigen damit verletzen. Solche Verletzungen sollten tunlichst vermieden werden. Sie zerstören das Vertrauen und oft auch den Mut sich überhaupt näher an BDSM heran zu wagen. Wer früh eine schlechte Erfahrung macht, der lässt es dann vielleicht lieber ganz.

Was hilft aber nun gegen dieses Problem? Gedankenlesen ist es nicht. Soweit waren wir schon.

Als Dom sollte man der Sub helfen und mit konkreten Fragen Brücken bauen. Einfach entsprechende Stichworte in die Unterhaltung werfen, die Reaktion abwarten und darüber reden. Dabei sollte möglichst auch immer klar sein, dass ein Interesse nicht mit einem Versprechen gleichzusetzen ist oder dass diese oder jene Praktik demnächst ausgeübt werden muss.

Es braucht eine Ebene der Kommunikation, bei der Interessen und Wünsche offen geäußert werden können, ohne dass sie als Verpflichtung verstanden werden. Von beiden Seiten.

Konkrete Beispiele in Geschichten, Büchern, Videos, Gifs, usw. können auch eine gute Anregung sein. Manchmal bringen sie ein Gespräch in Gang und führen zu Themen, an die man in einer Unterhaltung bisher nicht gedacht hatte.

Außerdem ist es oft leichter einen Link zu schicken und die Reaktion abzuwarten, als etwas direkt anzusprechen.

Wichtig ist nur, dass der erfahrenere Part eine Atmosphäre schafft, in der auch der unerfahrene Part sich unbefangen äußern kann. Sich, vielleicht zum ersten Mal, einem anderen Menschen mit solchen Wünschen und Bedürfnissen zu öffnen fällt nicht jedem leicht. Jeder hat dabei sein eigenes Tempo, was respektiert werden will.

Sollte es einem der beiden zu langsam oder zu schnell gehen, dann passt ihr vielleicht einfach nicht so gut zueinander wie es zuerst aussah. Das ist kein Drama und kommt vor. Lasst euch davon nicht entmutigen.

Wie so oft ist Kommunikation hier der Schlüssel. In diesem speziellen Fall aber vor allem auch die Art der Kommunikation. Auf der einen Seite heißt es Raum zu geben, um sich zu öffnen. Auf der anderen Seite mutig sein und auch einfach mal über den eigenen Schatten springen. Schließlich hat man es grundsätzlich mit einem Gleichgesinnten zu tun.

„Bin ich als Sub gut genug?“

Immer wieder lese ich Sätze wie „Die ist als Sub viel weiter als ich.“ oder „Bin ich ihm als Sub überhaupt gut genug?“. Gerade neulich habe ich erst wieder die Frage gehört „Klappt das bei anderen Frauen nicht schneller?“.

Dass unsere Gesellschaft Frauen oft untereinander vergleicht und bewertet ist nicht neu. Ganze TV-Formate wie „Germanys Next Topmodel“ oder „Der Bachelor“ basieren darauf, dass bewertet wird wer schlanker, hübscher, netter und sexier ist. Interessanterweise geht es selten darum, wer gebildeter, intelligenter oder schlagfertiger ist.

Aber auch Frauen untereinander bewerten und vergleichen sich. Und selten führt das zu etwas Gutem und Gesunden.

Wer über eine Bekannte herzieht wegen ihrer Kleidergröße, ihre Frisur oder sonstigen Äußerlichkeiten, der betreibt „Bodyshaming„. Das nur dazu beiträgt, dass zu verfestigen worunter viele leiden.

Wer eine Kollegin Schlampe nennt und über ihr Sexleben herzieht, der betreibt „Slutshaming„. Und das führt nur dazu, dass weibliche Sexualität weiter schlecht geredet wird. Da ist mehr Toleranz angeraten.

Die Ursache für dieses Verhalten liegt vermutlich in dem, was wir von Kindheit erfahren. Jungs sind immer toll, egal was sie tun. Sie werden gelobt und halten sich dann manchmal auch irgendwann für die Größten.

Mädchen dagegen sollen immer nett sein, hübsch aussehen und brav sein. Das führt natürlich dazu, dass man irgendwann nur noch auf die anderen schaut und sich argwöhnisch im Blick hat. Dazu kommen dann noch Vorbilder wie aus oben genannten TV-Sendungen und wir müssen uns nicht wundern.

Nun bin ich kein Soziologe und komme endlich zum Punk, um den es mir eigentlich gehen soll. Denn im BDSM sollten diese Vergleiche überhaupt keinen Platz haben.

Im BDSM sollte es niemals darauf ankommen mehr auszuhalten als jemand anderes. Es sollte nie darauf ankommen etwas schneller oder besser zu machen als jemand anderes. Es sollte nie darauf ankommen überhaupt mit anderen verglichen zu werden. Wie ich schon in einem früheren Beitrag versucht habe darzulegen ist BDSM kein Leistungssport!

Hier sollte nicht die Zahl der Schläge ermittelt werden um zu sehen wer gewonnen hat. Das ist aus meiner Sicht völliger Unsinn.

Und wenn eine Sub sich nicht vor den Dom kniet, dann sollte sie sich nicht fragen, ob eine andere Sub das sicher zu dem Zeitpunkt der Beziehung schon schaffen würde. Sie sollte sich eher fragen, ob sie sich denn überhaupt hinknien WILL. Und wenn nein, dann sollte sie das sagen. Und wenn sie es will, aber nicht schafft, dann sollte sie das Gespräch mit dem Dom suchen und nicht an sich zweifeln.

Dieser Druck den man sich selber und anderen macht ist vollkommen ungesund. Er führt zu Unzufriedenheit, Verkrampfung und allerlei weiterer Dinge, die man in seiner Sexualität nicht haben möchte.

Und a propos ungesund. Richtig ungesund wird es, wenn ein Dom diesen Hebel benutzt um seine Sub unter Druck zu setzen. Nach dem Motto „Die XY kann das aber besser.“ oder „Die XY hatte damit nie Probleme.“ Wer das macht liebe Subs, der ist dann eben ein Arschloch und sollte mit der Antwort „Dann geh doch zur XY.“ stehengelassen werden.

Ganz ehrlich, diese Form von emotionaler Erpressung braucht im BDSM niemand. Die braucht kein Mensch in keiner Form der zwischenmenschlichen Beziehung.

Der devote Part ist im BDSM häufig in einer emotionalen Lage, in der er verwundbar ist. Wie übrigens der dominante Part auch gelegentlich. Und in dieser verwundbaren Lage der absoluten Offenheit, braucht es Empathie. Niemand will und soll wie ein rohes Ei behandelt werden. Aber emotionale Erpressung ist dadurch in dieser Konstellation noch grenzwertiger als in anderen Situationen.

Im BDSM geht es nur darum, was euch und eurem Gegenüber Spaß macht. Was eure Bedürfnisse befriedigt. Was andere davon halten, ob andere das vermeintlich anders oder besser machen, ist völlig egal. Der Begriff „besser“ ist im BDSM sowieso unangebracht. Wie soll man messen was „besser“ ist? Ob es euch gut tut, ist alles was zählt.

Und um es noch einmal klar zu sagen, wer euch zu etwas bringen oder überreden will, in dem er aufführt, dass andere das auch/besser/schneller machen, der hat eure Aufmerksamkeit nicht verdient und eure Unterwerfung schon gar nicht. Der missbraucht seine Macht und streichelt höchstens sein Ego. Aber der Verantwortung die man als Dom trägt, kommt er ganz sicher nicht nach.

Toleranz statt Kinkshaming

In einem sehr guten Artikel über die Akzeptanz von BDSM habe ich neulich den Satz gelesen „Politische Karrieren sind ruiniert, wenn Politiker mit BDSM in Zusammenhang gebracht werden.“

Und das stimmt vermutlich. Heute kann man als Politiker sagen man sei homosexuell. Das schadet einer Karriere nicht (mehr). Man kann damit Oberbürgermeister und Außenminister werden. Stellen wir uns vor, ein Politiker oder eine Politikerin würde sich als BDSMer outen. Da wäre etwas los und die Karriere vermutlich vorbei. Interessant wie ich finde.

Tatsächlich war das aber nur der Aufhänger für das, womit ich mich in diesem Beitrag beschäftigen möchte. Denn alle die BDSM leben begegnen Menschen, von denen sie sich Toleranz wünschen. Bei vielen ist es aber mit der Toleranz schnell vorbei, wenn sie sie selber anderen gegenüber haben müssten. Nämlich denen gegenüber, die andere Spielarten leben als die, die sie selber gut finden.

Oft wird im BDSM nach dem Motto gehandelt „Ich bin vielleicht pervers, aber das ist ok. Nur dass was Du da machst, das geht ja gar nicht.“ Es ist eben wie immer. Die eigenen Vorlieben sind voll ok. Aber was andere machen wird genauesten begutachtet und vor allem bewertet. Mit welchem Recht fragt man sich.

Egal wie sehr eine Neigung von Vanillas als pervers beurteilt wird. Die, die das mögen finden sie in den meisten Fällen ok und leben sie gerne aus. Die selben Leute schauen aber mit Vergnügen auf andere herab deren Neigung „so gar nicht geht“.

Sich den Arsch blutig schlagen zu lassen ist ok? Sich gerne erniedrigen lassen aber nicht Sich wie ein Päckchen verschnüren und unter die Decke hängen lassen, völlig harmlos? Aber sich Windeln anziehen ist abartig? Petplay ok? Vergewaltigungfantasien aber krank? DDLG pervers? Latexfetisch aber easy? Die einen leben ihre Neigung SSC aus und finden die abartig, die sie nach RACK ausleben?

Ich finde diese Bewerterei und Herabsetzung anderer ist reine Heuchelei und ich kann damit gar nichts anfangen. Das ist Kinkshaming. Dieser Begriff bedeutet, dass man die Neigung anderer bewertet und die Menschen für das herabwürdigt worauf sie stehen. Das steht aus meiner Sicht keinem zu.

Für viele Leute ist genau das völlig ok worauf ganz konkret sie selber stehen. Und alles drum herum ist abartig. Damit haben sie viel gemeinsam mit den Bigotten die schon immer in der Geschichte alles abgelehnt haben, dass nicht in ihr Weltbild passte.

Zur Toleranz gehört eben gerade auch, dass man die Leute ihr Leben leben und auch Dinge ausleben lässt, deren Reiz man selber nicht nachvollziehen kann. Ohne dass man sie bewertet. Toleranz ist nichts wert, wenn man sie nur denen gegenüber hat, die sowieso dasselbe machen wie man selber.

Aber um das auch klar zu sagen: jede Toleranz hört für mich natürlich dort auf, wo anderen geschadet wird. Und Toleranz hört bei mir auf wo andere intolerant sind.

Natürlich heißt Toleranz anderen Neigungen gegenüber auch nicht, dass man alles kritiklos hinnehmen muss. Kritische Fragen darf man immer stellen. Und kritische Fragen sollten nicht immer gleich als Angriff verstanden werden.

Manche Aktivitäten sind grenzwertig. Auf Risiken hinzuweisen ist dann geradezu Pflicht. Wenn sich jemand in Gefahr bringt, dann kann die Antwort natürlich nicht sein „Ach, lass mal. Muss er/sie selber wissen.“. Das wäre Gleichgültigkeit. Das ist selbstverständlich nicht, wofür ich eintrete. Wo man Probleme und Gefahren sieht, sollte man auch einschreiten.

Aber was ich mir wünschen würde, ist mehr Offenheit gegenüber den Dingen, die andere genießen, die wir selber aber nicht mögen oder für reizvoll halten.

Wenn sich jemand gerne wie ein Pferd vor eine Kutsche spannen lässt, dann lasst sie. Nicht einmal dass dadurch arbeitslos gewordene Pferd dürfte sich beschweren. Wenn jemand gerne als Furry herum läuft, dann lasst sie. Wem schaden sie denn?

Wenn ihr selber einen Kink habt, den ihr aus Angst vor der Reaktion der anderen verheimlicht, dann solltet ihr doch gerade wissen wie es ist von anderen für etwas bewertet und verurteilt zu werden, dass ihr gerne mögt und dass euch vielleicht sogar mit ausmacht.

Also geht offen und tolerant mit anderen um. Wir brauchen gerade in dieser Zeit mehr Offenheit, mehr Toleranz gegenüber Andersdenkenden und Andersliebenden und nicht weniger.

Widerspruch BDSM und Feminismus?

BDSM und Feminismus. Feminismus und BDSM. Für viele sind das Gegensätze. Für andere nicht. In jedem Fall ist es ein heikles Thema.

Ich will hier gar nicht den radikalfeministischen Ansatz besprechen, nach dem BDSM per Definition frauenfeindlich ist. Nach diesem Ansatz ist auch Sex zwischen Mann und Frau an sich frauenfeindlich. Zumindest wenn ich das richtig verstanden habe.

Was mich aber umtreibt ist der Zwiespalt in dem eine Frau heutzutage steht, wenn sie in aufgeklärten Zeiten aufgewachsen ist. Wenn sie immer gelernt hat, dass Frauen selbstbestimmt und und gleichberechtigt sein sollen. Und das sollte selbstverständlich so sein.

Aber dann stellt sie in sich fest, dass Sie sich sexuell gerne unterwirft. Schon oft haben mir Frauen in Unterhaltungen erzählt, dass sie damit ein großes Problem hatten oder noch haben. Vor allem in der Phase, in der sie sich ihrer Neigung erst bewusst werden mussten. Wie kann man immer dafür eintreten gleichberechtigt behandelt zu werden und dann darauf stehen geschlagen und dominiert zu werden fragen sie sich dann. Über diese Hürde der Akzeptanz der eigenen Neigung auch schon früher geschrieben und es ist für viele ein echtes Problem.

Um das klar zu sagen: ich bin absolut für Gleichberechtigung. Frauen sollten die selben beruflichen Chancen haben, sollten für gleiche Arbeit das gleiche Geld bekommen und sollten in Gremien, auf Podien etc. gleichberechtigt vertreten sein. Das ist meine politische Ansicht.

In meiner Sexualität aber sehe ich das anders. Da liebe ich es zu dominieren und zu bestimmen. Zu erniedrigen und zu führen.

Für mich ist das in keiner Weise ein Widerspruch. Und auch für Frauen sollte es das nicht sein.

BDSM ist eine Neigung. Meiner Erfahrung nach entscheidet man sich nicht auf BDSM zu stehen. Ebenso wenig wie man sich entscheidet homosexuell zu sein. Das ist für mich schon einmal ein Punkt, weshalb es Unsinn ist jemandem BDSM ausreden oder verbieten zu wollen. Früher wurden auch Homosexuelle als krank bezeichnet. Das ist heute zum Glück nicht mehr so. Und auch die BDSM-Neigung ist nicht krank.

Natürlich ist es erst einmal paradox. Frauen kämpfen noch immer um Gleichberechtigung. Wir sind da als Gesellschaft in der westlichen Welt schon weiter als wir es je waren. Aber echte Gleichberechtigung gibt es noch nicht. Wer das nicht glaubt, der soll sich zum Beispiel mal anschauen was los ist, wenn eine Frau ein Fußballspiel von Männern kommentiert.

Gleichberechtigung ist ein wichtiges Anliegen des Feminismus. Und sie ist gesellschaftlich noch nicht erreicht. Dennoch kann man ohne schlechtes Gewissen eine sexuelle Beziehung haben, in der man ganz bewusst auf Gleichberechtigung verzichtet.

Wie soll das möglich sein? Vor allem ist Selbstbestimmung ein wichtiges Anliegen des Feminismus. Was soll die ganze Gleichberechtigung helfen, wenn man nicht selbstbestimmt leben darf wonach einem ist? So lang man keinem anderen damit schadet natürlich. Und das ist für mich der Punkt. Die ganze Gleichberechtigung und Selbstbestimmung ist nichts wert, wenn sie dort aufhört, wo es den anderen zu weit geht.

Zu sagen „Ja ok, wir haben zwar dafür gekämpft, dass Du selbstbestimmt leben darfst, aber wenn das beinhaltet, dass Du dich sexuell erniedrigen und dominieren lassen willst, dann geht das zu weit. SO selbstbestimmt darfst Du nun auch nicht sein.“ Das ist schlicht Heuchelei.

BDSM ist eine Neigung und eine sexuelle Spielart, in der sich erwachsene Menschen freiwillig und völlig selbstbestimmt in Situationen begeben, in denen andere über sie bestimmen. In 99 Prozent der Fälle findet diese Abgabe von Kontrolle nur in einem klar definierten Rahmen statt.

Man muss kein Psychologe sein um zu erahnen, dass genau darin ein Teil des Reizes liegt. Im Alltag stark sein müssen und führen. Im geschützten Rahmen der BDSM-Beziehung dann los- und sich fallen lassen. Im Alltag für bewusste Sprache eintreten und sich im geschützten Rahmen verbal erniedrigen lassen. Und dann eben auch wieder in diesen Alltag zurück kehren und weiter die Rolle einnehmen, die einem nun einmal aktuell zugeteilt ist.

Für mich gibt es da zwischen Feminismus und BDSM keinen Widerspruch. Wenn eine selbstbestimmte Frau sich dafür entscheidet, sich einem anderen Menschen in einem geschützten Rahmen zu unterwerfen und damit keinem anderen schadet, dann ist das ihre Entscheidung. Im Gegenteil kann BDSM da auch als Ventil dienen.

Was andere denken, sollte dabei sowieso keine Rolle spielen. Wichtig ist, dass ihr euch darüber klar werdet, dass es ok ist. Niemand wird durch BDSM zum Verräter an der Gleichberechtigung. Niemand ist ein schlechter Mensch, weil er auf solche Praktiken steht. Niemand sollte sich selber verurteilen oder sich die Erfüllung dieser Wünsche verweigern, aus Sorge vor solchen Gedanken.

Feminismus ist auch, die eigene Sexualität selbstbewusst und nach den eigenen Vorstellungen auszuleben. Und niemand hat das Recht über diese Sexualität zu urteilen.

P.S. Ja, ich habe die Seite der Femdoms hier nicht explizit erwähnt. Diese Auslassung soll aber nicht unterstellen, dass die Femdoms nicht ähnlichen Vorwürfen ausgesetzt sind. Die Grundaussage trifft aber auf alle Seiten zu die Frauen im BDSM einnehmen.

Vanillaschübe im BDSM

Im Leben gibt es viele Phasen in denen BDSM in den Hintergrund rücken kann. Seien es Beziehungen in denen der Partner nicht auf BDSM steht oder gesundheitliche Probleme. Seien es persönliche Krisen, berufliche Probleme oder andere Gründe.

Dann kann es eben passieren, dass man für längere Zeit keine Lust auf BDSM hat. Oft einfach deswegen, weil der Kopf nicht frei dafür ist. Und BDSM geht eben sehr viel (wenn nicht alles) über den Kopf.

In Beziehungen verzichten manche freiwillig und andere unfreiwillig auf BDSM. Manche haben Partner, die die Neigung schlicht nicht teilen. Bei anderen war BDSM Teil des Beziehung und ist dann „eingeschlafen“.

So etwas bezeichne ich für mich als „Vanillaschub“ oder „Vanillaphasen“ (wobei ich nicht beanspruche den Begriff erfunden zu haben). Zur Erklärung für die, die den Begriff nicht kennen: Vanilla bezeichnet in der BDSM-Szene alle, die „normalen“ Sex haben und nicht BDSM leben.

Während dieser „Vanillaschübe“ oder „Vanillaphasen“ lebt man also BDSM nicht aus. Aber, man verliert ja die Neigung nicht. Daher ist es ja nur eine Phase oder ein Schub. Es ist etwas zeitweiliges. Andere Dinge sind in dieser Zeit wichtiger, fordern mehr Energie oder Aufmerksamkeit und man kann sich seiner Neigung nicht widmen. Aber nie Neigung bleibt.

Sicher kennt jeder in einer langen „Karriere“ als BDSMer diese Phasen im Leben. Mal steht die Neigung sehr im Vordergrund der Interessen und dann wieder, rückt sie in den Hintergrund.

Das ist völlig OK. Prioritäten sind in verschiedenen Lebensphasen unterschiedlich. Das ist eben so. Manchmal braucht man seine Energie für andere Dinge.

Allerdings ist es meiner Erfahrung nach extrem wichtig auch bei sich zu bleiben. Verleugnet man die Neigung völlig, denkt womöglich, man „brauche das“ nicht mehr, dann tut man sich selber nicht gut.

Meiner Erfahrung nach ist das bei den wenigsten Leuten der Fall. Eine sexuelle Neigung verändert sich nicht so leicht und dass sie sich völlig verflüchtigt, ist noch unwahrscheinlicher.

Ich selber war in einer Beziehung, die mit BDSM anfing und wo sich dieser Aspekt dann schnell und für immer verflüchtigt hat. Dass es für immer war wusste in dem Moment natürlich keiner von uns. Und eine Zeit lang habe ich mir BDSM dann ganz verboten. Ich habe bewusst nicht daran gedacht, sofern so etwas überhaupt möglich ist.

BDSM rückte sehr weit weg von mir oder ich sehr weit weg von BDSM. Irgendwie schien das ok. Es gab andere Dinge. Aber die Beziehung lief mit der Zeit immer schlechter, wurde immer unbefriedigender für beide und wir beendeten sie nach mehreren Jahren.

Als ich dann wieder anfing mich umso intensiver mit BDSM zu beschäftigen, merkte ich, wie sehr ich mich quasi selbst verleugnet hatte. Ich realisierte erst da richtig, wie sehr es mir vorher gefehlt hatte und wie sehr ich einen integralen Teil von mir selbst unterdrückt hatte. Dass sich das negativ auf mein direktes Umfeld und auch auf meine Beziehung ausgewirkt hat ist mir heute völlig klar. Damals habe ich es nicht bemerkt.

Was ich mit diesem persönlichen Einblick sagen möchte ist folgendes: Ja, es gibt Phasen in denen BDSM zur Nebensache wird. Das ist ok. Das kommt vor. Aber das darf nicht dazu führen, dass man sich selber verleugnet und seine Gefühle und Bedürfnisse unterdrückt.

Eine Weile mag das gut gehen, aber am Ende schadet man damit sich und denen, die man liebt. So ist es mir gegangen und ich weiß von anderen geliebten Menschen, wie ihre Ausgeglichenheit und Erfüllung in BDSM auch dem Familienleben geholfen haben. Denn wer in sich ruht und glücklich ist, der kann auch besser für andere da sein und seine Pflichten erfüllen.

In diesem Sinne, verleugnet euch nicht und vergesst auch in Phasen von Krisen und Stress nicht auf eure eigenen Bedürfnisse zu achten.

DaddyDom und LittleGirl

Vieles am BDSM ist heute im Mainstream angekommen. Leute auf der Straße tragen heute Klamotten, die früher nur als Fetisch-Kleidung denkbar waren. Dass man sich gegenseitig ans Bett fesselt oder beim Sex mal den Arsch voll bekommt, wird zumindest als Scherz schon unter Kollegen geäußert. Die ganz große Scham über BDSM scheint spätestens seit „Fifty Shades Of Grey“ dahin.

Aber es gibt sie noch, die Bereiche im BDSM, über die man nicht so gerne öffentlich redet. Spielarten, die man sich auch anderen BDSM-Interessierten gegenüber nur zögerlich zu äußern traut.

Um eines dieser Themen soll es in diesem Beitrag gehen: um DDLG, also DaddyDom und LittleGirl. Bei dieser Spielart gibt es viele falsche Vorstellungen und Vorurteile. Damit möchte ich ein wenig aufräumen.

In dieser Spielart ist der dominante Mann der Daddy oder DaddyDom und die devote Frau ist die Little oder das LittleGirl oder auf deutsch das Mädchen. Wichtig: es ist eine Spielart, in der eine erwachsene Frau gerne die Rolle einer Little oder eines Mädchens einnimmt. Die Bezeichnungen sind, wie alles andere, ganz individuell wählbar und stehen hier nur für die Rollenverteilung. Da die Variante männlicher Dom und weibliche Sub hier die wesentlich verbreitetere ist, belasse ich es dabei. Aber es gibt auch die Variante der Mommy und des männlichen Little.

Eine des häufigsten Fragen zu dieser Spielart ist sicher: geht das nicht in die Richtung von Pädophilie oder wird diese verniedlicht? Absolut nein. Denn diese Spielart wird von Erwachsenen ausgelebt. In der Pädophilie geht es den Betroffenen um den kindlichen Körper und der fällt hier nun einmal weg. Es handelt sich um eine Spielart zwischen Erwachsenen, die sich dafür entscheiden und es beide wollen. Daher gib es für mich daran rein gar nichts anrüchiges.

Was tun also nun DaddyDom und sein LittleGirl? Es handelt sich um eine Art D/s-Beziehung mit einem klaren Machtgefälle. Mit der Abwandlung, dass sich die Sub hier eben als Mädchen fühlt und so behandelt werden möchte. Und die Rolle des Doms ist meistens umsorgender und fürsorglicher als in anderen D/s-Beziehungen.

So kann es sein, dass der Daddy über Dinge bestimmt wie Schlafenszeiten, die Handy-Nutzung oder welche Filme sein Mädchen sehen darf. Aber es kann auch dazu gehören, dass er sich kümmert, dass sein Mädchen genug trinkt oder Medikamente rechtzeitig einnimmt.

Wie immer sind die Bestandteile eures BDSM frei wählbar. Ich habe dazu in einem Artikel das Beispiel des Setzkastens gewählt. Wie weit ihr in die Rolle des Daddys und der Little geht, wie viele Anteile an Strafen und reinem SM ihr dabei lebt oder ob ihr andere Fetische verwendet, ist völlig individuell.

Manche Littles wollen sehr jung sein, mit Stofftieren spielen und Windeln tragen. Andere sehen sich hauptsächlich beim Sex in ihrer Mädchen-Rolle und genießen im Alltag nur die Dinge, die eben an Kontrolle machbar sind. Da gibt es endlos viele Abstufungen und womit ihr euch gut fühlt, das solltet ihr machen. Wenn es euer Kick ist, dass Daddy seine Little mit Kartoffelbrei füttert, dann nur zu. Wenn ihr es reizvoll findet, dass die Little ihren Daddy bekocht und verwöhnt, dann ist auch das ok.

Eine Little muss keine bestimmten Requisiten verwenden oder ein bestimmtes Alter haben. Da ist erlaubt, was gefällt. Und das ist wichtig zu wissen. Denn schon oft ist mir die Aussage begegnet „ich bin aber keine die gerne Windeln trägt“ oder „aber ich mache mir keine Zöpfe und trage nur noch rosa“. Das ist nicht der Punkt. Wie das meiste was mit D/s zu tun hat, fängt auch DDLG im Kopf an. Und was man dann daraus macht, welches Alter man will, was die Little gerne tut etc., das ist ganz individuell.

Mit die wichtigste Erfahrung für die Little, für das Mädchen, ist die Geborgenheit und die Fürsorge, die es vom Daddy bekommt. Das steht aber in keinerlei Widerspruch zu BDSM-Praktiken, wie manche meinen. Auch LittleGirls können Aufgaben und Regeln haben, wie in anderen D/s-Beziehungen. Und sie können bestraft werden, wenn sie die Regeln nicht befolgen. Strafen kann gerade in dieser Konstellation zwischen Daddy und Mädchen besonders intensiv sein.

Und selbstverständlich gehört auch Sex zu dieser Spielart. Wenn beide es wollen, sollte ich einschränken. Manche Littles wollen vielleicht keinen Sex. Auch das ist ok, wenn beide damit einverstanden sind. Aber die meisten Littles sind Frauen, die auch Sex wollen. Und das dann auch als LittleGirl.

Wenn ihr also solche Neigungen habt, dann steht dazu. Sie sind genauso in Ordnung wie alle anderen aus dem BDSM-Spektrum. Und wie erwähnt, was DDLG alles beinhaltet und was nicht, das bestimmt ihr. Wie bei allem, was mit BDSM zu tun hat: lasst euch nicht davon abschrecken es auszuleben, nur weil ihr gehört habt, dass etwas dazu gehört, was ihr persönlich NICHT wollt. Dann lasst diesen Teil einfach weg.

An Fantasien in denen ihr einen Daddy habt und Mädchen sein wollt, ist nicht verwerfliches. Traut euch und sprecht es an, wenn ihr potentiellen Partnern begegnet. Und vielleicht lebt ihr es dann auch mal aus. Es kann auch befreien.

In der Fantasie ist alles erlaubt

Schämt ihr euch für eure Fantasien? Ja? Lasst es sein. Denn es gibt wirklich keinen Grund dafür. Ihr steht euch selber im Weg und schadet euch womöglich sogar. Glaubt mir.

Sexfantasien sind etwas ganz normales. Und gerade um Bezug auf BDSM sind sie allgegenwärtig. Während die Mehrzahl der Menschen mit Sex „irgendwie anfangen“ beschäftigen sie sich mit BDSM meistens sehr lange, ehe sie dann zur Tat schreiten. Viele fantasieren also vorher von BDSM. Und nicht wenige schämen sich zu Beginn für ihre Fantasien.

Gerade emanzipierte Frauen hadern damit, dass sie Fantasien haben in denen sie von Männern dominiert, geschlagen oder erniedrigt werden. Da kommen dann Fragen auf wie „Darf mich das anmachen?“. Und ich sage: eindeutig Ja!

Auch später gibt es immer wieder Fantasien, die heikel erscheinen und bei denen manche ein schlechtes Gewissen bekommen oder sich schämen. Fantasien von Vergewaltigung. Fantasien von erzwungenem Sex mit dem eigenen Geschlecht. Und das ist nur die Spitze des Eisberges. Auch da kommen Fragen auf wie „Darf mich das anmachen?“. Und auch hier sage ich: natürlich!

In der Fantasie ist ALLES erlaubt. Und damit meine ich wirklich alles. Denn niemand kann etwas für seine Fantasien. Und mit Fantasien schadet man auch niemandem. Das ist die Hauptsache. Für Fantasien muss man sich auch nicht schämen.

Potentiell problematisch wird es erst, wenn man anfängt Fantasien auszuleben. Wenn es so weit kommt, dann stehen mehrere Dinge im Vordergrund: dass man niemandem schadet, die Sicherheit aller Beteiligten und dass alle Beteiligten freiwillig mitmachen und Spaß daran haben.

Zum Thema Sicherheit in BDSM habe ich ja in meinem Artikel SSC oder RACK? WTF? einiges geschrieben und die Freiwilligkeit sowie der Spaß sollten selbsterklärend sein.

Aber auch, wenn man die Fantasien nicht ausleben will, kann es gut und hilfreich sein, sie mit dem Partner zu teilen. Denn so lernt man sich besser kennen. Und man kann gemeinsam überlegen, ob man die Fantasien abgeschwächt und somit „sicher“ in das gemeinsame BDSM-Szenario einbaut.

Oder man nutzt sie als gemeinsames Kopfkino während der Sessions.

Eine der mit Sicherheit beliebtesten BDSM-Fantasien von Frauen ist, dass der Dom sie unter seiner Aufsicht von einem Fremden sexuell benutzen lässt. Wenn man will, dann kann man sich dafür jemanden suchen. Aber manche genießen das eben nur als Fantasie. Dann kann man als BDSM-Paar einbauen, dass der Dom beispielsweise damit droht oder es ihr ankündigt, wenn sie „nicht brav“ ist etc.

So kann man jegliche, auch die verrückteren Fantasien einbauen und sie als Kick nutzen, ohne große Risiken einzugehen oder Abstürze zu riskieren.

Denn auch das kann passieren. Oftmals ist das, was man in der Fantasie extrem geil findet dann in der realen Umsetzung überhaupt nicht geil. Jahrelang hat man gedacht, dass einen eine bestimmte Spielart richtig heiß machen würde und dann kommt der Absturz, wenn es an die reale Umsetzung geht.

Damit muss man immer rechnen und auch dem kann man vorbauen, in dem man es als gemeinsames Kopfkino integriert und somit antestet. Allerdings ist völlig klar, dass man das reale Erlebnis nie wird testen können. Garantien gibt es da einfach keine.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist: oft sind die Fantasien die man so hat und die einen anmachen ja auch viel wilder und extremer als das, was man real gut findet. Auch das ist völlig normal. Dessen muss man sich nur bewusst sein, wenn man sich darüber austauscht.

Eine Frau die vielleicht davon fantasiert einen Gangbang mit 20 Kerlen zu haben, die sie stundenlang abwechselnd ficken, kann in der Realität schon von einem zweiten Mann beim Sex überfordert sein. Oder gar keinen anderen dabei haben wollen. Fantasien sind oft extrem und sollen es auch sein. Unter anderem dafür sind sie da.

Also egal was in euren Fantasien so vorgeht. Seien es brutale Vergewaltigungen, extreme Erniedrigungen, Ausbildung zur Hure, einem fürsorgliche aber dominanten Daddy gehören, Vorführung vor Männerrunden, Gangbangs, extreme Schmerzen usw.: macht euch nicht verrückt, dass etwas mit euch nicht stimmt.

Sehr sehr viele da draußen haben solche Fantasien ist und das ist völlig ok. Bei allen BDSM-Fantasien gilt sowieso „es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird“. Meistens lebt man sie also nicht so extrem aus, wie sie im Kopf sind. Manche Fantasien sollen auch nie ausgelebt werden. Auch das ist völlig ok.

Und wenn ihr einen verständnisvollen BDSM-Partner gefunden habt, dann teilt eure Fantasien und sehr gemeinsam, was ihr daraus machen wollte und könnt. Meiner Erfahrung nach ist das der beste Umgang mit Fantasien für alle Beteiligten.