Verschiedene Führungsstile

Nein, hier soll es nicht um die Unterschiede zwischen Doms, Tops, Pet-Owner oder von mir aus DaddyDoms gehen. Welche Spielart von BDSM man bevorzugt ist etwas, dass ich schon in mehreren Artikeln behandelt habe.

Viel mehr geht es hier um den Stil, wie man eine D/s-Beziehung gestaltet. Auch da gibt es viele verschiedene Geschmäcker und Vorlieben.

Wie man als Dom eine Sub führt ist so individuell wie die Menschen eben individuell sind. Wie bei sehr vielem im Bereiche BDSM gibt es da kein „Richtig“ und kein „Falsch“ was den Stil angeht.

Beispielweise gibt es Varianten mit sehr flachem Gefälle. Der Dom ist eher liebevoll, aber bestimmt. Es ist ein fürsorglicherer Stil, der oft auch viel Ausbildung beinhalten kann. Also der Sub Dinge beizubringen, zu erklären und zu zeigen. Es kann in dieser Variante zum Beispiel auch sein, dass die Strafen bei Verfehlungen auch in Richtung Verbote gehen. Die Schläge an Bestrafungen wie es sie vor Jahrzehnten in der Schule gab erinnern.

Es wäre übrigens ein Irrtum anzunehmen, dass ein flacheres Gefälle und ein sanfterer Umgang ein Freibrief sind. Im Gegenteil ist vor allem auch in diesem Stil Konsequenz von entscheidender Bedeutung. Werden Fehler gemacht, dann muss auch hier oder hier besonders, Strafe erfolgen.

Eine andere Variante ist vielleicht ein Stil mit sehr steilem Gefälle. Die Sub siezt den Dom. Sie darf ihn vielleicht nicht anschauen und wird ruppig behandelt. Ist vielleicht nur Nutzobjekt für den Dom. Strafen sind hier vielleicht eher härter. Mehr auf Schmerz ausgelegt und weniger auf Korrektur und Erziehung.

Weitere Varianten können sein, dass die Sub aus Gründen der Erniedrigung als wenig wertvoll behandelt wird. Als jemand, der seinen Wert als Sub noch beweisen muss und bis dahin ein Nichts ist. Ein Nichts, dass auch so behandelt wird.

Manche leben solche oder andere Varianten in dauerhaften, manche in Spielbeziehungen. Außerdem gibt es hunderte Mischformen aus den oben genannten und die genannten Beispiele stehen auch nur exemplarisch für viele andere Möglichkeiten.

Innerhalb dieser Varianten gibt es dann wiederum die Möglichkeit dieses steile oder weniger steile Gefälle dauerhaft, also quasi 24/7 beizubehalten oder durch Phasen aus Augenhöhe aufzubrechen.

Was ich sagen will ist, die Welt ist bunt und so sind es auch die Stile in denen man eine D/s-Konstellation ausleben möchte.

Ich persönlich habe es immer genossen da vielfältig zu sein, ich kann mich in verschiedene Stile einfinden und konnte sie über die Jahre mit verschiedenen Subs mal so und mal so leben. Für mich bedeutet diese Vielfalt Abwechslung und es ermöglicht mir auf die speziellen Bedürfnisse und Wünsche einer Sub einzugehen. Aber andere haben vielleicht den ihnen eigenen Stil und wollen nur den leben. Auch das ist ok.

Begegnet euch also jemand, mit dessen Stil ihr nicht klar kommt, dann ist das kein Beinbruch. Dann passt es nur zwischen euch vermutlich nicht.

Wenn ihr als Sub sanfte und liebevolle Führung möchtet, der Dom mit dem ihr Kontakt habt oder mit dem ihr euch sogar trefft aber eher ruppig ist, dann ist weder an euch, noch an ihm etwas falsch. Ihr harmoniert nur einfach nicht miteinander.

Dom ist nicht gleich Dom und Sub ist nicht gleich Sub. Frage zehn Subs, wie sie sich BDSM vorstellen und Du bekommst mindestens acht oder neun verschiedene Varianten zu hören. Das ist ja auch das schöne an BDSM.

Außerdem eröffnet diese Vielfalt einem ja auch Möglichkeiten Neues zu erforschen und zu entdecken. Sich mal so und mal so auszuleben. Das erfordert dann natürlich Fantasie, Einfühlungsvermögen und Spielfreude. Allerdings sind das für mich persönlich sowieso drei zentral wichtige Eigenschaften im BDSM.

Wollt ihr als Sub es ruppig und hart, dann ist das ok. Wollt ihr eher liebevolle Führung und Geborgenheit? Dann ist auch das ok. Auch dafür gibt es genügend Doms, die gerne so führen.

Wichtig wie immer nur, dass ihr euch bewusst seid, was ihr eigentlich mögen oder brauchen könntet. Welcher Stil passt zu euch? Diese Frage müssen sich Doms und Subs gleichermaßen stellen. Wie so oft ergibt sich die Antwort daraus oft aus den Fantasien die man im Kopf hat.

Welcher Stil ist nun der „richtige“ Stil? Ich hoffe es ist klar geworden, dass es da kein „Richtig“ und kein „Falsch“ gibt. Richtig ist, was für alle Beteiligten passt. Aber immer am wichtigsten: lasst euch von niemandem einreden, dass an dem wie ihr behandelt werden möchtet etwas falsch ist. BDSM bedeutet nie, dass man seine Meinung und Wünsche komplett über Bord wirft.

Angst vor dem nächsten Schritt

Der Einstieg in die Welt des BDSM kann schon beängstigend sein. Dabei meine ich gar nicht den Prozess, es sich selber einzugestehen darauf zu stehen. Auch nicht den Weg überhaupt zu BDSM zu finden. Nein, ich meine den konkreten Einstieg, es dann auch live auszuleben.

Denn nach den oben erwähnten Schritten ist dieser Schritt ja dann eigentlich die logische Konsequenz: die Checkliste abhaken und sich jemanden suchen, mit dem man das auch live ausleben kann.

Aber genau an diesem Schritt verharren viele. Manche sogar Jahre lang. Aber woran liegt das?

Lassen wir mal die außer Acht, die sich bewusst entscheiden den Schritt nicht zu gehen und die BDSM nicht ausleben wollen oder bei denen die Lebensumstände entgegenstehen.

Der Schritt in diese komplett neue Welt kann einem Angst machen. Es kann sich anfühlen als laufe man blind in einen Raum, ohne zu wissen wer oder was in dem Raum ist. Manche finden das aufregend, andere sind von der Vorstellung geradezu gelähmt.

Aber solche Situationen haben wir oft im Leben. Wenn man einen neuen Job antritt, weiß man nicht was einen erwartet. Wenn man Kinder bekommt, hat man auch nur eine grobe Vorstellung, was auf einen zukommt. Selbst eine neue Beziehung ist immer ein Abenteuer und man weiß nie genau, wie sie sich entwickeln wird.

Woher also die spezielle Scheu davor, sich in die Situation zu begeben BDSM auch auszuleben?

In einigen Gesprächen habe ich als Begründung gehört, man lese ja so viele schlimme Dinge. Geschichten, die anderen Frauen passiert seien. Wahre Horrorgeschichten, was alles ganz furchtbar schief laufen kann.

In manchen Foren, wo sich Frauen untereinander austauschen, scheint es nur von solchen Geschichten zu wimmeln.

Ich will das nicht kleinreden. Es gibt diese schlechten Erfahrungen natürlich. Vielleicht gibt es sie auch gar nicht mal so selten. Ich bezweifle aber, dass es sie so häufig gibt, wie man manchmal den Eindruck bekommen kann.

Mit Berichten über schlechten Erfahrungen im BDSM verhält es sich ähnlich, wie mit schlechten Kritiken von Restaurants. Wenn man in einem Restaurant gut gegessen hat, dann setzt man sich selten hin und schreibt eine Kritik darüber, wie fantastisch das Carpaccio war oder wie lecker das Risotto.

War das Carpaccio aber schlecht und der Reis bei Risotto nicht durch, war dann der Wein noch korkig, dann ist die Chance, dass man sich hinsetzt und seinem Ärger Luft macht schon deutlich größer. Ich habe mal den Satz gehört „Wer irgendwo schlecht gegessen hat, der wird es zehn anderen erzählen. Wenn er wo gut gegessen hat, dann erzählt er es vielleicht einem oder zwei.“. Ich denke, dass fasst es ganz gut zusammen.

Schlechte Erfahrungen werden wesentlich häufiger kommuniziert und weitergetragen als gute.

Mit diesen Ausführungen meine ich beim besten Willen nicht, dass es keine Gefahren gibt. Die gibt es. Niemand sollte leichtsinnig werden und zu große Risiken eingehen. Benutzt euren gesunden Menschenverstand. Seid euch sicher was ihr wollt. Hört auf euer Bauchgefühl, ob das Gegenüber der Richtige ist. Ergreift alles an Sicherheitsmaßnahmen, die ihr für notwendig haltet, damit ihr euch gut fühlt.

In den in der Einleitung verlinkten Artikeln steht einiges darüber, was ihr beachten, tun oder nicht tun solltet. Ich rate beim besten Willen nicht zu überstürzten Schnellschüssen.

Aber, lasst euch auch nicht von der Angst regieren eine schlechte Erfahrung zu machen. Auf BDSM zu verzichten aus Angst vor einer schlechten Erfahrung ist ungefähr so sinnvoll, wie nicht mehr Essen zu gehen, weil das Essen schlecht sein könnte.

Oder anders gesagt: habt Respekt vor dem Schritt in die Realität, aber keine Angst. Verhaltet euch vernünftig, hört etwas mehr auf euren Verstand und auf euren Bauch und etwas weniger auf Horrorgeschichten von anderen.

Kampfbegriff Wunschzettelsub

Es gibt im BDSM so manchen Kampfbegriff mit dem wahlweise abqualifiziert, gelockt, beleidigt, bewertet, einsortiert oder beurteilt wird. Für die einen ist nur 24/7 „wahres BDSM“, die anderen halten D/s für Kinderkram und nur blutige Striemen auf dem Arsch sind das Wahre. Auch Wunschzettelsub ist so ein Kampfbegriff.

Die einen fürchten eine Wunschzettelsub zu sein, die anderen beschimpfen andere als solche und bewerten sie damit. Denn eine Wunschzettelsub will natürlich niemand sein. Oder ist das Quatsch und so etwas gibt es gar nicht? Oder es gibt sie schon, es ist aber am Ende gar nicht so wild?

Was ist überhaupt eine Wunschzettelsub? Ist jede Sub die es wagt auch eigene Wünsche und Vorstellungen zu haben eine Wunschzettelsub? Nein, natürlich nicht. Das würde ja im Umkehrschluss auch bedeuten eine Sub muss immer rechtlos und ohne eigene Wünsche und Bedürfnisse sein. Das ist Unsinn und wäre schrecklich.

Jede und jeder Sub darf Wünsche haben. Wenn das nicht so wäre, dann wäre BDSM schnell öde. Denn gerade auch mit diesen Bedürfnissen und Wünsche, bzw. deren Erfüllung zu spielen ist ja ein großer Teil von BDSM.

Also nur der Fakt eigene Wünsche und Vorstellungen zu haben qualifiziert niemanden zur Wunschzettelsub. Wer versucht euch das einzureden hat keine Ahnung oder will euch nur dazu bringen möglichst zurückzustecken und ausschließlich seinem Willen zu folgen. Denn genau dazu wird der Begriff dann gerne als Kampfbegriff benutzt: um Druck auszuüben.

Wenn der gemeinsame Rahmen vereinbart wird ist es also völlig legitim zu sagen „Ich wünsche mir Schläge, möchte gerne regelmäßige Orgasmen und mag es total, wenn ich fixiert werde.“. Solcher Input muss sogar sein, denn wie soll man denn sonst wechselseitig wissen was man mag und erwartet?

Was eine tatsächliche Wunschzettelsub ausmachen würde wäre, wenn die Wünsche eher so aussehen würden: „Ich möchte geschlagen werden. Erst sechs Schläge mit dem Paddel, dann 12 mit dem Flogger, gefolgt von weiteren 12 mit dem Rohrstock. Aber der Flogger muss braun sein und das Paddel unbedingt aus Kunststoff.“

DAS wäre für mich eine Wunschzettelsub und ich persönlich hätte damit ein Problem. Als Dom verstehe ich mich nicht als reinen Wunscherfüller. D/s hat für mich in erster Linie mit Abgabe von Kontrolle bzw. Kontrollverlust zu tun. Und wenn man als der Part, der eigentlich die Kontrolle abgeben soll so klar vorgibt was passieren soll, dann hat man eben weiter die Kontrolle. Das widerspricht dann meinem persönlichen Verständnis von BDSM oder D/s.

Manche sprechen in diesem Zusammenhang auch von „Topping from the bottom„. Das bedeutet übersetzt in etwa „Führung von unten“ und besagt, dass in einer Dom-Sub-Konstellation Sub steuert was passiert. Und das, obwohl es von der Position her ja umgekehrt sein sollte.

Oft wird „Topping from the bottom“ auch praktiziert in dem bewusst Regeln gebrochen oder Aufgaben falsch gemacht werden, um dann eine Strafe zu provozieren. Auch davon halte ich persönlich im D/s gar nichts und reagiere allergisch darauf.

Jetzt kommt aber der entscheidende Punkt: Wunschzettelsub zu sein ist kein Werturteil. Es macht diejenige oder denjenigen nicht schlechter als andere.

Daher schreibe ich ganz bewusst, dass es mich persönlich stört und für mich persönlich nicht mein Fall ist. Für andere mag das anders sein. Wer auf ein Gegenüber trifft dass sagt „Klasse, ich gebe mit Vorliebe 12 Schläge mit braunen Floggern.“ oder „Mich erfüllt es einfach total, wenn ich mein Gegenüber so schlage wie es gewünscht ist.“ dann nur zu. Werdet glücklich miteinander und lasst euch nicht einreden, dass etwas nicht stimmt, wenn es für euch passt.

Also nicht verrückt machen lassen. Auch das böse Wort Wunschzettelsub ist kein all zu großes Drama. Es passt halt schlecht in das gängige Verständnis von D/s. Aber auch diese Wünsche und Bedürfnisse haben ihre Berechtigung. Man muss sich ihrer nur bewusst sein und dann jemanden finden, für den die Erfüllung dieser Wünsche auch Erfüllung oder zumindest Spaß ist.

Und Beurteilung oder gar Abwertung von Neigungen anderer, weil sie nicht den eigenen entsprechen? Tja, es wäre schön, wenn wir 2020 weiter wären als das.

Lustlisten statt Tabulisten

In den Hollywood-Western der 20er bis 40er Jahre trugen die Helden meistens weiße Hüte, die Schurken dagegen schwarze Hüte. Daher stammt der heute noch gebräuchliche Begriff der „white hats“, mit denen man unter Hackern zum Beispiel die bezeichnet, die auf Sicherheitslücken hinweisen statt sie auszunutzen.

Was das mit diesem Artikel zu tun hat? Ehrlich gesagt nicht viel. Aber ich liebe unnützes Wissen und wollte euch, meine Leser damit erfreuen.

Na gut, es hat doch etwas mit dem Artikel zu tun. Denn die Begriffe Whitelist und Blacklist haben eine ähnliche Bedeutung. Auf die Sache mit den Hüten bin ich nur bei der Recherche zu den Begriffen gestoßen.

Das Thema des Artikels ist also die berühmte Tabuliste und was ist eine Tabuliste anderes als eine Blacklist?

Kurz zur Geschichte der Schwarzen Listen oder Blacklists. Es gibt sie, seit es die Menschheit gibt. Schon bei den Römern standen unerwünschte Personen und/oder politische Gegner auf Schwarzen Listen. In der McCarthy-Ära wurden Schwarze Listen von Menschen geführt, die man in der Filmindustrie nicht engagieren durfte.

Unerwünschte Anbieter in der Wirtschaft oder unerwünschte Verhaltensweisen. Zu allem kann man Blacklists führen. Da sind wir dann beim Kern. Im BDSM führt man auch eine Blacklist. Nämlich die, auf der die Praktiken stehen, die man ablehnt, nicht mag und daher nicht ausüben möchte.

Im BDSM heißt diese Liste oft Tabuliste oder schlicht „die Tabus„. Wer noch nicht nach kurzem Austausch nach seinen „Tabus“ gefragt wurde, der hat vermutlich noch nie versucht online jemanden für BDSM kennen zu lernen.

Auf der einen Seite ist es verständlich so etwas wissen zu wollen. Auf der anderen Seite führt es einen im Kennenlernen genaugenommen keinen Schritt weiter. Denn meist stehen auf der Tabuliste die selben Dinge. Meist einige extremere Praktiken. Und was hilft es einem, wenn man weiß das Gegenüber lehnt diese speziellen Extreme ab?

Daher hier eine Top 5 der vermutlich meist genannten Punkte aus Tabulisten weltweit:

  • alles was illegal ist
  • alles was in die Toilette gehört
  • bleibende Schäden
  • Blut
  • Filme mit Till Schweiger

Die Daten sind rein subjektiv und daher weigere ich mich dafür Garantien zu übernehmen. Bis auf den letzten Punkt. Der ist nicht verhandelbar.

Aber im Ernst. Was hilft es einem das abzufragen? Meiner Erfahrung nach stehen auf solchen Listen in 95% der Fälle die selben Dinge. Man gewinnt also nichts. Außer man steht explizit auf Spiele mit Blut oder Natursekt, dann weiß man jetzt Bescheid. Aber auch da wäre es zielführender das Thema direkt anzusprechen.

Ich gebe zu, in sehr seltenen Fällen kann die Frage auch sehr erhellend sein. Als ich sie selber vor Jahren mal Zeit gestellt habe bekam ich als Antwort tabu seien „Küssen und Schwanz blasen“. Das sind seltene Fälle in denen mir die Frage geholfen hat.

Aber im Allgemeinen bringt die Frage eben wenig Erkenntnis. Wenn man jemanden bekochen will fragt man ja auch mal kurz ab, was derjenige oder diejenige nicht mag oder ob es Allergien gibt. Aber dann konzentriert man sich doch eher darauf, was das Gegenüber besonders mag.

Daher sollte man lieber von der anderen Seite heran gehen. Statt sich über Tabus eine Blacklist von Dingen zu erarbeiten die unerwünscht sind, sollte man sich gemeinsam eine Liste von Dingen erarbeiten die erwünscht und gewollt sind. Eine Whitelist. Eine Lustliste sozusagen.

Das dauert länger und macht mehr Mühe, macht aber am Ende auch viel mehr Spaß. Denn statt über abtörnende Dinge spricht man ja über Dinge die beide anmachen.

Aus meiner Sicht werden Tabus überbewertet. Nicht, weil man sie nicht achten sollte. Im Gegenteil. Sie sind wichtig um Grenzen zu ziehen. Aber nicht mehr. Sie sagen nichts darüber aus, wie der BDSM mit der Person sein wird. Oder sein könnte. Sie sagen nichts darüber aus, ob die Chemie stimmt.

Beim Kennenlernen also lieber auf die Gemeinsamkeiten und die gemeinsamen Vorlieben konzentrieren, statt nach dem zu fragen, was man auf keinen Fall will.

Noch mehr gilt dass, wenn einer der beiden die sich kennen lernen wenig Erfahrung hat. Woher soll man etwas über seine Tabus wissen, wenn man wenig bis nichts ausprobiert hat? Dann ist die Frage wirklich nutzlos.

Also, probiert es mal mit einer gemeinsamen Lustliste, statt einer Tabuliste. Einen Versuch ist es wert.

Auch Extreme sind ok

In einem früheren Artikel habe ich mich schon damit befasst, dass in der Fantasie eigentlich alles erlaubt ist. Heute geht es quasi noch einen Schritt weiter. Denn hier soll es um Praktiken gehen, die im allgemeinen als extrem angesehen werden. Dinge, die über das „Übliche“ hinaus gehen.

Nun ist es schwierig im BDSM das „Übliche“ oder „normal“ zu definieren. Aber sagen wir mal, den Arsch versohlen, fesseln, knebeln, mit Wachs behandeln, hinknien, Füße küssen etc. würden vermutlich von den wenigsten als extrem betrachtet werden. Sie gehören sozusagen zum anerkannten BDSM-Kanon.

Andere Spielarten wie zum Beispiel DaddyDom und LittleGirl oder Vorführungen werden von manchen als extrem, von anderen aber als ganz normaler Bestandteil ihres BDSM betrachtet.

Im BDSM gibt es für extreme Praktiken den Begriff des Edgeplay. „Edge“ steht hier für die Kante oder Rand. Man geht hier also bildlich gesprochen an Grenzen. Was darunter fällt ist wie gesagt individuell. Es hilft aber den Begriff zu kennen um sich zu orientieren. Edgeplay ist im allgemeinen übrigens RACK und nicht SSC.

Jetzt aber mal konkret. Worum geht es?

Fangen wir mit dem sogenannten Rapeplay an. Und zwar nicht mit dem zwischen zwei Partnern, die sich gut kennen und mal nur so tun. Hier ist dann doch meist die etwas „realistischere“ Variante gemeint. Klar. Keine Frau will wirklich vergewaltigt werden. Aber Fantasien in denen Aspekte davon oder ganz Szenarien enthalten sind, sind ausgesprochen verbereitet.

Ist es ok so etwas zu wollen und zu genießen? Na klar. So lange niemand zu Schaden kommt. Wie man es hier mit der Sicherheit hält und ob es überhaupt möglich ist, so eine Fantasie „sicher“ zu erfüllen ist natürlich ein Problem. Ein Safeword kann ich mir auch hier vorstellen. Für manche dürfte dass aber wiederum den ganzen Kick daran kaputt machen.

Wie erwähnt sind wir hier weit jenseits von SSC und eindeutig im Bereich RACK. Also kurz gesagt, sich des Risikos bewusst.

Eine weitere extreme Fantasie die ebenfalls natürlich besonders vom Kontrollverlust lebt und auch nicht selten mit dem Rapeplay verknüpft wird ist eine Entführung. Also irgendwo geschnappt und mitgenommen zu werden. Keine Wahl zu haben. Das Ungewisse und auch die Angst sind hier mit Sicherheit der Kick.

Neulich habe ich in einem Forum erst eine Annonce gelesen wo eine junge Frau recht detailliert jemanden für ein solches Szenario gesucht hat. Ich finde es großartig, wenn man so zu seinen Fantasien stehen kann. Noch besser, wenn man selber aktiv wird sie umzusetzen. Ich fange nicht nach jedem Beispiel die selbe Diskussion an. Ja, natürlich sehr gefährlich. Dennoch ok, wenn man sich selber des Risikos bewusst ist und niemand Schaden  nimmt. Risiken abwägen und auf sich aufpassen muss am Ende jeder selber.

Weiterhin gibt es sehr ausgefeilte Fantasien und Wünsche nach Gefangenschaft. In eine Art Zelle eingesperrt zu sein. Vielleicht auf unbestimmte Zeit. Komplett ausgeliefert dem Wohlwollen und den Launen dessen, der einen gefangen hält. Raus geholt werden für Aufgaben, Strafen oder Erniedrigungen und dann wieder weggesperrt werden. Immer wieder.

Von dieser Variante weiß ich zumindest, dass es sie in der professionellen Form bei Dominas gelegentlich gibt. Es ist eine extrem aufwändige Fantasie, die man nicht so ohne weiteres umsetzen kann. Aber wenn, dann entwickelt sie ganz sicher einen ganz besonderen Sog.

Weiterhin gibt es Fantasien des kompletten Kontrollverlustes in dem man nicht mehr bei Bewusstsein ist. Sprich, durch Betäubung keinerlei Einfluss mehr auf dass zu haben was passiert. Vor allem aber auch, nicht zu wissen was passiert ist.

Ich habe mal mit einer Frau gesprochen die das mit ihrem Spielpartner gemacht und sich von ihm dabei hat filmen lassen. Sie fand es einen unfassbaren Kick hinterher zu beobachten, was passiert ist und zu wissen, dass sie es einfach nicht mitbekommen hat und vollkommen ausgeliefert war.

Warum schreibe ich dass alles nun und zähle diese Praktiken auf, die manche sicher erschrecken, die nicht ungefährlich sind und die andere vielleicht auf Ideen bringen?

Ich schreibe es um denen die Angst zu nehmen, die solche Wünsche haben und denken damit alleine zu sein. Dass seid ihr nicht. Es ist völlig ok solche Fantasien zu haben oder solche Dinge auszuleben.

Ihr müsst vor der Umsetzung nur sehr sorgfältig auf ein paar Ding achten und nicht blind in etwas hinein stolpern. Macht euch bewusst was ihr wollt und was euch daran kickt. Überlegt euch, was ihr davon machen könnt und wollt. Überlegt, was ihr euch erwartet und was ihr auf keinen Fall wollt.

Achtet auf eure Sicherheit, geht keine verrückten Risiken ein. Zieht Grenzen zu Dingen die ihr nicht wollt. Oder bleibt einfach nur bei der Fantasie und lebt es nicht aus. Aber schämt euch auch nicht für eure Fantasien.

Oben habe ich geschrieben, was von manchen als extrem und von anderen als ganz normal zu ihrem BDSM gehörig betrachtet wird. Das Lustige ist nun, dieser Artikel ist natürlich rein subjektiv. Er ist aus meiner Warte geschrieben und zeigt daher Dinge, die für MICH eher extrem sind. Vielleicht sind sie für manche da draußen ganz normal. Es ist eben nicht so einfach mit den Definitionen von „normal“ und „extrem“.

Kontaktabbruch oder auch Ghosting

„But you didn’t have to cut me off
Make out like it never happened and that we were nothing
And I don’t even need your love
But you treat me like a stranger and that feels so rough“

„Somebody That I Used to Know“ von Gotye

Heute geht es mir um ein Thema, dass wenig bis nichts mit BDSM, aber dafür viel mit Beziehungen zu tun hat. Vor allem mit ihrem Ende.

Ich spreche hier nicht davon, dass man einen Chat auf einem Flirtportal beendet oder nach zwei Dates feststellt, dass es irgendwie doch nicht passt. Ich meine Beziehungen, in denen man über Monate oder Jahre zusammen war und dann ein Part mit dem anderen kein Wort mehr redet. Ihn oder sie komplett aus ihrem oder seinem Leben entfernt und nie wieder Kontakt zulässt.

Es wird nicht mehr ans Telefon gegangen, Kontakte in Messengern werden gesperrt, Nachrichten nicht mehr beantwortet.

Diese miese Form der Trennung nennt sich Ghosting. Ein Begriff der erst in den letzten Jahren aufgekommen ist und bedeuten soll, dass man vom ehemaligen Partner wie ein Geist behandelt wird, durch den man hindurch sieht. Es kommt einem so vor, als habe man sich die ganze Beziehung nur eingebildet.

Alleine an der Tatsache, dass es dafür einen eigenen Begriff gibt, sieht man schon: selten scheint dieses Verhalten nicht zu sein.

Es mag Gründe geben, den Kontakt völlig abzubrechen. Gewalt in der Beziehung ist so ein Grund. Keinen Kontakt zu einem gewalttätigen Partner mehr haben zu wollen ist eine völlig gesunde Reaktion.

Hilflosigkeit, Angst aber auch Feigheit sind Gründe den Kontakt abzubrechen. Es liegt aber in der Natur der Sache, dass derjenige, zu dem der Kontakt abgebrochen wird die genauen Gründe nie erfährt. Denn es gibt ja keine Kommunikation, keinen Kontakt mehr.

In der Regel wird Ghosting so definiert, dass es ohne Ankündigung passiert. Andere definieren es so, dass nach einem Abschiedswort der Kontakt abgebrochen wird. In jedem Fall bedeutet es aber, dass ab einem Punkt X zwischen zwei Menschen die sich geliebt haben von einer Partei ausgehend keinerlei Kontakt mehr stattfindet.

Es ist aus meiner Sicht ein Akt der Gewalt. Wo vor kurzem noch Liebe, Hoffnung und Träume waren, wird verbrannte Erde hinterlassen ohne zu erklären. Es werden emotionale Wunden geschlagen von denen ich aus Erfahrung sagen kann, dass sie auch nach Jahrzehnten nie ganz verheilen.

Wer sich so aus einer Beziehung zurück zieht, der tut dem anderen Gewalt an. Darüber sollte man sich klar sein.

Die Journalistin Tina Soliman hat ein Buch über das Thema veröffentlicht und beschreibt die Auswirkungen in einem Interview wie folgt: „Der Neurologe und Psychologe Michael Linden von der Charité spricht von einer ‚posttraumatischen Verbitterungsstörung‚. Das ist eine reaktive psychische Störung infolge des Erlebens von Ungerechtigkeit, Herabwürdigung oder Vertrauensbruch, gekennzeichnet durch nagende Verbitterungsgefühle, Aggressionsfantasien, schlechte Stimmung, Rückzug aus Sozialbeziehungen und Einengung des Lebens. Die Geghosteten trauen sich nicht mehr in Beziehungen. Solche Erfahrungen prägen sich tief in unsere DNA ein.“

Gerade heute ist es leicht sich zurück zu ziehen und den Kontakt abzubrechen. Im Gegensatz zu früher hat man den Partner oft nicht bei der Arbeit oder im Freundeskreis gefunden. Oft ist er weit weg, man hat sich über das im Internet getroffen und lieben gelernt. Die Distanz erleichtert es dann, den früher geliebten Menschen aus dem eigenen Leben zu streichen.

Aber wie oben erwähnt, reißt man dabei tiefe Wunden.

Es kommt oft noch dazu, dass man den anderen ja durchaus in sozialen Medien noch agieren sieht. Er oder sie ist also keinesfalls im Amazonasgebiet verschollen oder bei einer Expedition zum Mond gestrandet. Nein. Er oder sie agiert und lebt sich aus, ghostet einen aber eben. Das macht es noch brutaler.

Daher halte ich es auch bei diesem Thema so, wie ich es bei allen Themen halte: seid offen und ehrlich miteinander. Kommuniziert mit den Menschen. Redet und schreibt miteinander. Erklärt eure Gefühle und Beweggründe. Auch in der Trennung.

Und wenn es euch nicht zum Zeitpunkt der Trennung möglich ist die Umstände zu erklären, dann gebt dem Menschen irgendwann später eine Erklärung. Eine Erklärung, die womöglich Wunden heilen kann. Denn die Fragen im Kopf bleiben auch nach Monaten und Jahren.

„SM Richter“

sm-richter-coverAuch wenn der Titel ein wenig danach klingt, es handelt sich hier nicht um einen Porno. Wer harte BDSM-Action in Großaufnahmen erwartet, der ist hier falsch.

Das heißt aber nicht, dass es in diesem Film soft zugeht. Im Gegenteil geht es sogar um sehr heftige Praktiken, die aber eben trotz der „ab 18„-Kennzeichnung nicht im Detail gezeigt werden.

Koen Allegaerdts (Gene Bervoets) und Magda De Herdt (Veerle Dobbelaere) sind seit 15 Jahren verheiratet. Er ist Richter, sie ist seit kurzem arbeitslos. Die Ehe steckt in einer Krise. Sexuell scheint Magda das Interesse verloren zu haben, außerdem ist sie in eine schwere Depression verfallen. Als sie Koen sagt, sie sollten sich besser scheiden lassen antwortet Koen, dass er sie nicht verlieren und alles tun will um die Ehe zu retten. Da traut sie sich endlich, sich zu offenbaren und gesteht ihm, dass sie seit Jahrzehnten SM-Fantasien von Schmerz und ausgeliefert sein hat.

Zögernd, da es nicht seiner Neigung entspricht, aber seiner Frau zuliebe, begeben beide sich in die Welt von BDSM. Über mehrere Jahre leben sie BDSM aus, entwickeln sich von Anfängern zu Experten und ihre Ehe blüht dadurch wieder auf. Irgendwann aber, wird es in Justizkreisen bekannt, was der Richter in seinem Privatleben tut. Der Justiz fallen privat gedrehte Videos in die Hände und Koen Allegaerdts wird wegen Zuhälterei und tätlichen Angriffs angeklagt. Denn dass eine Frau so etwas wollen könnte, können sich die Ermittler nicht vorstellen. Sie glauben es ihr selbst dann nicht, als sie es ihnen persönlich bestätigt.

Der Film hat mich gepackt und begeistert. Das kann ich wirklich sagen. Noch in keinem Film der BDSM thematisiert, habe ich eine so realistische Darstellung des Einstiegs in BDSM gesehen. Sie will unbedingt, er tut es ihr zuliebe. Anfangs geht einiges schief und sie gehen gemeinsam in einen Club um von erfahreneren BDSMern zu lernen. Das alles ist im besten Sinn unspektakulär und ohne falsche Scham oder Moral dargestellt, dass ich nur Beifall klatschen kann.

Da ihre Vorliebe eindeutig auf der masochistischen Seite liegt und er die Techniken lernt, die sie will und braucht, funktioniert es zwischen den beiden wieder wunderbar und sie haben in der Folge auch wieder Sex. So werden auch seine Bedürfnisse gestillt.

Wie weit ihr Bedürfnis nach Schmerz geht, erfahren wir Zuschauer erst im Laufe der Gerichtsverhandlung, als Themen wie Nadelspiele, Branding und vernähen der Schamlippen zur Sprache kommen.

Einmal musste ich sogar lachen, als ein überforderter Koen zu Beginn seinen Freund fragt „Was ist das extremste was deine Frau je von dir wollte?“ und der antwortet: „Einen neuen BMW.“.

Aber abgesehen davon erzählt der Film eine tolle Geschichte eines Mannes, der für seine Frau eine Sexpraktik erlernt, die nicht seiner Neigung entspricht. Wie mehrfach geschrieben bin ich überzeigt, dass das im D/s-Bereich nicht wirklich möglich ist. Hier geht es aber tatsächlich um den SM-Bereich und diese Techniken eignet er sich offenbar sehr gut an.

Vor allem geht es aber in diesem Film natürlich darum, dass ein Mann angeklagt und verurteilt wird, weil er privat BDSM praktiziert. Erschreckenderweise basiert der Film dabei auch noch auf einer wahren Begebenheit. 1997 musste sich der Richter Koen Aurosseau vor Gericht verantworten und wurde schuldig gesprochen. Wie auch im Film wurde seine Frau nicht angeklagt. Sie wurde als Opfer gesehen. Der Schuldspruch erfolgte, obwohl seine Frau aussagte, dass alles auf ihr Verlangen hin geschehen war.

Ergänzend muss man erklären, dass der Fall genau in die Zeit fällt, in der in Belgien geradezu eine Hysterie wegen des Falles Marc Dutroux herrschte. Dutroux hatte mehrere Kinder gefangen gehalten, missbraucht und ermordet. Es gab Gerüchte über Verbindungen bis in Justiz und Politik. Bewiesen wurde dass nie. Diese Stimmung damals hatte sicher Einfluss darauf, wie ein Ehepaar gesehen wurde, dass extremere SM-Praktiken ausgeübt hat.

Es bleibt zu hoffen, dass wir heute weiter sind. Im Film wird an einer Stelle die Frage gestellt wieso wir Homosexualität heute als Neigung akzeptieren, BDSM als Neigung aber nicht im selben Maße öffentlich akzeptiert ist. Eine Frage, die es zu beantworten gilt.

Ich kann den Film nur absolut empfehlen. Er ist bei verschiedenen Diensten als Stream verfügbar und kann als DVD gekauft werden.

Er lohnt sich sowohl als Blick in eine BDSM-Beziehung als auch als Drama um eine Familie und eine fehlgeleitete Justiz. Der Film zeigt Haltung und ist nie voyeuristisch. Dennoch regt er die Fantasie an und zeigt trotz der extremen Praktiken eine gesunde BDSM-Beziehung die beide glücklich macht. Dass alleine wird ja schon viel zu selten gezeigt.

Warum sollte sich eine Frau unterwerfen wollen?

Eine mir sehr wichtige Frau sagt einmal zu mir „seit ich dich kenne weiß ich es“. Das hat mich sehr berührt. Tut es noch. Aber dass Sie es weiß, hilft mir nicht die Frage zu beantworten.

Warum also will sich eine emanzipierte Frau in einer aufgeklärten, westlichen Gesellschaft einem Mann unterwerfen? Ist das nicht total widersinnig? Irgendwie verrückt? Nein, natürlich nicht.

Ich bin kein Psychologe, aber eigentlich liegt die Antwort schon in der Frage. Frauen tragen ganz selbstverständlich viel Verantwortung. Im Gegensatz zu früheren Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten sind sie meist berufstätig. Wenn sie Familie haben, dann erwartet die Gesellschaft von ihnen natürlich die perfekte Mutter und Ehefrau zu sein. Wie beim jonglieren müssen alle Bälle in der Luft gehalten werden und wehe, es fällt mal einer runter.

Natürlich müssen sie dabei auch immer perfekt aussehen, dafür Sport machen und am besten sieht alles ganz mühelos aus.

Kommen wir noch einmal auf die Frage zurück: warum sollten es Frauen da reizvoll finden sich in einem Lebensbereich fallen zu lassen und die Kontrolle jemandem zu überlassen, der weiß was er tut und dem sie vertrauen?

Nein, ich komme auch nicht drauf.

Spaß beiseite. Einfach mal die Kontrolle abgeben in einem Leben, in dem man sonst ständig am rudern, machen und tun ist, ist einfach sehr befreiend. Man kann sich treiben und Dinge mit sich geschehen lassen. Hat man den richtigen Partner dafür, ist es sogar ganz ohne Risiko. Denn Grenzen werden geachtet. Bedürfnisse werden erfüllt.

Warum machen dass dann nicht alle Frauen so? Nun, es kommt eben ganz auf die Neigung an. Jeder Mensch hat andere Bedürfnisse und Wünsche. Sich dominieren zu lassen, egal in welcher Form ist eben nicht jederfraus Sache. Und es soll ja jede Frau das machen, was sie mag und ihr gut tut.

Warum tun es aber nicht alle Frauen, die es gerne tun würden? Da liegt das Problem. Es ist nicht ganz so einfach sich einzugestehen, dass man gerne dominiert und „fremdbestimmt“ sein möchte. Wenn auch nur in einem gewissen Rahmen. Schließlich lernen Mädchen und Frauen in unserer Gesellschaft selbständig zu sein und sich nicht abhängig zu machen.

Da ist es nicht ganz so leicht dem inneren Drang nachzugeben, sich einem Partner zu unterwerfen. Da kommen Fragen auf. Zweifel. Scham.

Wie kann es mir gefallen, dass mir gesagt wird was ich tun soll? Wie kann ich es erregend finden, wenn mir Aufgaben, Regeln oder Verbote gegeben werden? Auch da lautet die Antwort: es kann einfach sehr befreiend sein mal die Zügel aus der Hand zu geben. Sich fallen zu lassen.

Wenn ihr also entsprechende Fantasien hat, dann spricht nichts dagegen sich einem dominanten Partner zu unterwerfen. Wer hätte das Recht dass zu verurteilen? So lange ihr keinem schadet, wen geht es etwas an?

Abgesehen von allem anderen ist es ja gerade Emanzipation, dass Frauen tun können was ihnen gefällt und gut tut. So wie es Männer seit Jahrhunderten für sich in Anspruch nehmen. Wenn ihr also diese besondere Freiheit der Unterwerfung genießen wollt, dann seid emanzipiert und tut dass, was euch gut tut.

Neben allen sexuellen Aspekten kann es eben sehr befreiend sein in einem kontrollierten Rahmen die Kontrolle abzugeben. Wie weit das geht, wie tief ihr da gehen wollt, wo ihr Grenzen ziehen wollt. Dass ist alles ganz individuell.

Wundern wir uns also nicht, wieso ausgerechnet in unserer aufgeklärten Gesellschaft scheinbar so viele Frauen die Lust an der Unterwerfung entdecken. Es ist einfach eine Reaktion auf die Anforderungen und Ansprüche, die der Alltag an Frauen stellt.

Nichts daran ist irgendwie verwerflich oder abzulehnen. Wer dieses Bedürfnis in sich entdeckt, der darf dem nachgehen und auch nachgeben. Wer es nicht hat muss auch nicht denken, dass etwas schief läuft. Achtet einfach auf dass, was ihr euch wünscht. Wägt ab und fühlt euch nicht schuldig dem auch einfach mal nachzugeben.

Niemand hat das Recht einer Frau zu sagen, was ihr im Bett, in den eigenen vier Wänden oder in der Beziehung zu gefallen hat und was nicht. Darüber sind wir zum Glück in unserer Gesellschaft hinaus. Oder sollten es sein.

Also meine Damen: nur Mut und unterwerft euch, wenn es auch glücklich macht.

Dominant ist nicht gleich Dom

Neulich erzählte mir eine Frau „Er sagte er sei dominant und diese ganzen Begriffe und Regeln würden ihn nicht interessieren. Er würde sich nehmen was er wolle und ich solle einfach spuren.“.

Wenn beide dass so wollen, dann sollen sie es so machen und glücklich werden. Viele da draußen sind dominant. Noch viel mehr halten sich für oder geben sich dominant. Aber mit BDSM und der Rolle des Dom oder der Domina hat das nichts zu tun.

Wie wir alle wissen sind Dom oder Domina etc. keine geschützten Begriffe. Jeder kann sich so nennen. Von dieser Freiheit machen auch viele Gebrauch und nennen sich so, obwohl sie wenig oder keine Ahnung haben.

Andere, wie im Eingangsbeispiel, wollen mit den Begriffen nichts am Hut haben. Auch gut.

Meine Warnung geht nur an die Menschen, die sich in die Hände solcher Leute begeben. Nur weil jemand sich selber für dominant hält, ist er oder sie kein Dom oder keine Domina. Zu dieser Rolle gehört mehr als jemand anderen mies zu behandeln, zu benutzen und dann weg zu schicken.

Wer in die dominante Position im Rahmen von BDSM schlüpft, sollte wissen, dass dazu mehr gehört als nur zu tun was man will und sonst keine Rücksichten zu nehmen.

Es gehören Verantwortung und Aftercare dazu. Es gehören Absprachen und Einhaltung von Grenzen, Tabus und des vereinbarten Rahmens dazu. Es gehört dazu, dass man zumindest darüber spricht ob man Sicherheitsmaßnahmen wie ein Safeword nutzen möchte. Überhaupt gehört viel Kommunikation dazu.

Das ist natürlich unbequem für die, die einfach nur ihren Spaß und sonst ihre Ruhe haben wollen. Die einfach nur die schnelle Nummer suchen und ansonsten von dem ganzen Kram nichts wissen wollen. Klar, denn dem Spaß steht Verantwortung natürlich im Weg.

Das Gegenüber einfach nur zur Befriedigung der eigenen Lust zu benutzen und dann ohne Rücksicht auf dessen Gefühle weg schicken oder fallen lassen, kann im BDSM-Kontext im Einzelfall mal vorkommen. Es darf aber nicht zur Regel werden. Denn der devote Part begibt sich in die Hände des dominanten Parts und darf erwarten aufgefangen zu werden.

Bewusst und willentlich den Anderen in seinem Gefühlschaos alleine lassen, absichtlich und gefühllos den anderen in Tränen aufgelöst quasi weg werfen ist kein BDSM. Das ist im besten Fall Gleichgültigkeit und im schlimmsten Fall Missbrauch.

Wer es sich leicht macht und sagt „ach, diese Begriffe und Regeln sind mit egal, ich bin einfach dominant“, der soll das tun. Wer sich aber auf so jemanden einlässt, der muss wissen, zwischen den Zeilen bedeutet so eine Aussage oft „ich will einfach nur machen worauf ich Lust habe und dafür keine Verantwortung übernehmen“.

Nicht jeder der solche Aussagen macht muss es böse meinen. Vielleicht ist es auch einfach eine Scheu sich tiefer mit BDSM zu beschäftigen. Aber oft stecken hinter solchen Aussagen leider Arschlöcher, die eben nur den Spaß und nicht die Verpflichtungen wollen.

Damit sollen natürlich nicht alle heilig gesprochen werden die sich Dom oder Domina nennen. Auch da gibt es schwarze Schafe. Aber bei Menschen die so offen sagen was sie ablehnen, muss jeder Mensch wissen woran er oder sie ist.

Denn ein Mensch, der BDSM ernst nimmt, der wird euch zumindest anbieten ein Safeword zu verwenden. Der wird es nicht ablehnen, wenn ihr euch covern lassen wollt. Der wird sich an den Rahmen halten den ihr miteinander vereinbart habt. Der wird euch nicht gleichgültig raus werfen wenn ihr emotional aufgelöst seid.

Ein solcher Mensch wird euch auch Mitspracherecht geben und nicht verlangen, dass ihr einfach nur spurt und sonst den Mund haltet. Leider ist es ein immer noch weit verbreiteter Irrtum, dass devote Menschen einfach alles mitmachen müssen ohne selber etwas zu sagen zu haben.

Im konkreten BDSM-Kontext hat natürlich der dominante Part das Sagen. Aber auch da gibt das Safeword dem devoten Part eine kleine Steuerungsmöglichkeit.

Außerhalb des BDSM-Kontextes aber muss es Möglichkeiten geben sich zu äußern. Da muss es die Gelegenheit geben Wünsche und Bedenken anzubringen. Wer das abbügelt mit „Du musst spuren“, vor dem solltet ihr schnell und weit weg laufen.

Wie gestaltet man eine Session?

Gehen wir mal davon aus ihr habt euch gefunden. Ihr habt die Checkliste abgehakt, die Sub hat einen guten Dom gefunden oder umgekehrt. Ihr habt auch schon euren gemeinsamen Rahmen abgesteckt von dem was ok und gewollt und von dem was nicht gewollt ist. Aber was dann?

Irgendwann kommt der Moment eine ersten Session oder BDSM-Handlung oder wie ihr es nennen wollte. Manchmal ganz spontan, oft aber nicht. Oft ist es verabredet und geplant. Beide haben lange Zeit vorher darüber nachzudenken.

Aber während der devote Part da naturgemäß eher abwarten kann oder muss, obliegt es dem dominanten Part das Ganze in irgendeiner Form zu planen. Das ist der Punkt an dem alle Dominanten irgendwann stehen. Da beschäftigen einen Fragen wie: „Wie gestalte ich das Ganze nun?“ und „Was ist, wenn mir mal nichts einfällt?“.

Was man in diesem Moment braucht sind Fantasie, Spieltrieb, den vereinbarten Rahmen und sein Handwerkszeug. Darunter würde ich in dem Moment alles verstehen, was man an Seilen, Ketten, Schlagwerkzeugen etc. verwenden will und kann.

Ich persönlich visualisiere dann in einem ersten Schritt das Treffen. Sprich, ich stelle mir vor was passiert. Wo treffen wir uns? Kenne ich die Location? Was weiß ich darüber? Komme ich zuerst an oder ist sie zuerst dort? Welche Gegebenheiten finde ich dort vor?

Einmal hatte ich ein Hotelzimmer gebucht, wusste aber nicht, dass das Hotel verspiegelte Fenster haben würde, durch die man von außen ungesehen über die ganze Stadt schauen konnte. Sobald ich das gesehen hatte war klar, dass ich meine Sub nackt am Fenster würde platzieren müssen. Solche Situationen muss man natürlich spontan mit nehmen.

Dann überlege ich, was von meinem Handwerkszeug ich vermutlich benutzen werde. Was davon ist am Anfang sinnvoll, was erst später, weil es vielleicht etwas Vorlauf braucht. Beispielsweise Schlagwerkzeuge die erst zum Einsatz kommen, wenn beide schon etwas aufgewärmt sind.

Dabei habe ich natürlich auch immer Blick was vereinbart war. Was kickt sie besonders? Welchen Schwerpunkt möchte ich setzen? Oder haben wir etwas vereinbart, dass vorkommen soll? Und ganz wichtig, welche Stimmung will ich insgesamt erzeugen? Als Dom setzt ihr in dieser Situation den Ton. Wollt ihr besonders streng sein, eher nachgiebig? Was ist in der aktuellen Stimmung zwischen euch der richtige Ton?

Aus all diesen Informationen entsteht im Kopf ein ungefährer Plan. „Situation Eins, Ort X, ich fange an mit… Situation Zwei, Ort Y, weiter mit…“.

Wenn ihr nicht ein ganz konkretes Szenario plant, vielleicht ein Rollenspiel oder so, dann macht das Ganze nicht zu konkret. Lasst euch selber Freiheiten und Spielräume. Das fällt natürlich umso leichter, je öfter man das schon gemacht hat. Am Anfang hält man sich vielleicht einfach zu sehr an dem fest, was man sich vorher überlegt hat.

So reift ein grober Ablauf im Kopf: „Erst hier diese Aktion, dann rüber nach da, dann die Gerte…“. Mehr hat man eigentlich nicht. Mit dem oben erwähnten Spieltrieb und der Lust am Ganzen fällt euch der Rest dann schon ein wenn es so weit ist.

Nun aber zum vermutlich wichtigsten Tipp von allen. Seid immer bereit all dass oder einzelne Punkte davon über Bord zu werfen. Ohne zögern. Zack, gestorben.

Wenn ihr merkt, es passt gerade etwas nicht, dann nicht krampfhaft daran hängen und denken „aber jetzt solle es doch so weiter gehen“. Nein. Weg damit und etwas anderes machen. Oder auch wenn ihr spontan auf etwas Lust habt dass gar nicht geplant war, warum nicht? Auch wenn das alles andere was ihr euch überlegt hattet über den Haufen wirft. So what?

Bei niemandem auf der Welt verläuft jede Session so, wie sie vorher überlegt oder geplant war. Das ist normal und ist sogar Teil des Spaßes. Vor allem: macht nicht den Fehler in der Situation irgendetwas nachzuhängen, dass vermeintlich „nicht geklappt hat“. So lange ihr im Flow seid ist alles gut. Euer Gegenüber weiß ja im Zweifelsfall gar nicht was „eigentlich geplant“ war. Also locker bleiben und weiter genießen, sonst macht ihr es euch nur selber kaputt.

Klammert euch also nicht an euren Plan. Tut euch selber den Gefallen und seid bereit ihn spontan zu ändern und fallen zu lassen. Das ermöglicht euch und eurem Gegenüber unendlich mehr Freiheit und Lockerheit. lasst euch außerdem gesagt sein, dass sich aus diesen spontanen Planänderungen oder Umwegen oft die besten und aufregendsten Situationen entwickeln.

Kurz gesagt, plant so viel wie nötig, aber auch nicht zu viel. Lasst euch innerhalb dessen was ihr gemeinsam vereinbart habt von eurer Fantasie und eurem Spieltrieb leiten. Überlegt vorher, was ihr an Gegebenheiten vorfindet. Seid aber auch bereit alles über den Haufen zu werfen, wenn die Situation es verlangt oder sinnvoll erscheinen lässt. Ansonsten: genießt es so gut ihr könnt.