Braucht man für Tunnelspiele einen Tunnel?

Ja was sind denn Tunnelspiele nun wieder? Um es gleich zu sagen, sie haben nichts mit einem Eisenbahn-Fetisch zu tun. Es sind euch keine BDSM-Spiele die in einem Tunnel stattfinden. Nein, es ist ein klein wenig komplizierter. Aber so kompliziert dann auch wieder nicht.

Was macht einen Tunnel aus? Wenn man erst einmal drin ist, dann kann man weder nach rechts noch nach links, sondern muss einfach durch. Es gibt sozusagen keinen Ausweg, bis man das andere Ende erreicht hat.

Und genauso funktionieren Tunnelspiele. Damit sind BDSM-Praktiken gemeint, die man nicht mehr abbrechen kann, wenn man sie begonnen hat.

Ein Klassiker der Tunnelspiele sind zum Beispiel Brennnesseln. Denn diese „Tunnel-Erfahrung“ hat jeder schon einmal gemacht. Wenn man in Brennnesseln gelaufen ist oder sie angefasst hat, dann muss man einfach abwarten, bis es aufhört zu brennen. Bis dahin gibt es verschiedene Möglichkeiten der Linderung. Aber man kann es nicht sagen „So, es genügt. Hör auch weh zu tun.“

Ganz anders eben, als bei Schlägen. Wenn man da nicht mehr aushalten will und kann, dann können die Beteiligten es sofort beenden. Man benutzt sein Safeword oder signalisiert sonst auf eine vereinbarte Weise, dass man genug hat. Und dann hört es auf. Auch Fesseln kann man lösen und die Situation damit beenden. Das geht so bei Tunnelspielen nicht.

Der Tunnel wird in dieser Spielart gebildet durch das Mittel oder Werkzeug dass benutzt wird. Dafür gibt es verschiedenste Beispiele. Brennnesseln sind eines. Wenn man ein Büschel Brennnesseln als Schlagwerkzeug nimmt und damit auf den Arsch oder zwischen die Beine schlägt, dann ist die Wirkung oft spektakulär. Und diese Wirkung kann eben nicht so schnell abgebrochen werden.

Weitere Möglichkeiten für Tunnelspiele sind Ingwer (Stichwort Figging), Minzöl, Tigerbalm, Rheumasalbe (geradezu berüchtigt ist hier Finalgon), Chili, Tabasco usw.
Je nach Vorliebe können diese Mittel an oder in empfindliche Körperregionen eingeführt oder geschmiert werden. Manche tragen das Mittel der Wahl auf einen Dildo oder Plug auf und führen diesen dann ein. In den meisten Fällen entsteht ein Hitzegefühl oder Brennen, dass sehr unterschiedlich als geil, schmerzhaft oder beides empfunden wird.

Übrigens listet die Wikipedia Tunnelspiele als Teil der Metakonsensspiele. Das halte ich für falsch. Denn es ist ja nicht der dominante Part der hier entscheidet „nicht aufzuhören“ und damit die Einvernehmlichkeit gewollt verlässt. Wenn Sub im obigen Bild die Schläge mit den Brennnesseln beenden möchte, dann ist das sofort möglich. Aber man hat sich gemeinsam geeinigt ein Mittel zu verwenden dessen Wirkung noch anhalten wird.

Was ist aber nun der Reiz an solchen Spielen? Zum einen scheint die Einstiegshürde relativ gering. Denn jeder hat irgendeines der oben erwähnten Mittel im Haus. Aber Vorsicht: Tunnelspiele sind nichts für Anfänger. Denn die Erfahrung dem Schmerz nicht entkommen zu können ist eine sehr intensive.

Genau das macht für andere wieder den Reiz aus. Denn man muss sich seinen Grenzen stellen und den Schmerz aushalten. Ob man will oder nicht. Diese Erfahrung kann sehr faszinierend sein, wenn man sich und seine Grenzen aber nicht gut genug kennt, kann sie einem BDSM auch für immer verleiden.

Daher sollte man Tunnelspiele sehr vorsichtig und nur mit Bedacht beginnen. Angefangen damit, dass man mögliche Allergien prüft!
Ein weiterer Ratschlag ist, bei der Dosierung lieber sehr zurückhaltend zu sein und nicht gleich in die Vollen zu gehen. Lieber nur ein kleiner Klecks mit sehr wenig Wirkung auf die äußeren Schamlippen als gleich die ganze Tube vaginal einführen. Ihr versteht schon was ich meine.

Außerdem ist es extrem wichtig, sich über möglich Gegenmittel zu informieren. Also die Dinge, die zur Linderung des Schmerzes beitragen können. Bei den einen hilft Wasser oder Eis, bei den anderen helfen fetthaltige Lebensmittel wie Öl, Joghurt, Quark oder Milch. Aber das variiert von Mittel zu Mittel. Und mit dem falschen Gegenmittel kann man es auch schlimmer machen.

Informiert euch also und habt alles parat ehe ihr anfangt. Wenn es erst einmal brennt, dann wird euch Sub dankbar sein, dass ihr nicht erst noch zum Supermarkt fahren müsst.

Mit Tunnelspielen kann man also sehr schnell in Grenzbereiche von BDSM kommen. Informiert auch vorher genauestens über die Wirkungsweise, mögliche Allergien oder Unverträglichkeiten und die „Gegenmittel“. Und dann fangt langsam an. Denkt daran, es zu fester Schlag tut kurz weh und kann dennoch schon viel kaputt machen. Stellt euch das einmal bei einer Wirkung vor, die ihr nicht beenden könnt und die noch stundenlang unangenehme Nachwirkungen hat. Da kann das Vertrauen zwischen Dom und Sub sehr schnell irreparablen Schaden nehmen.

Und um das auch gesagt zu haben: mit Tunnelspiele verlässt man eindeutig den Bereich von SSC und begibt sich in den Bereich RACK.

Nichtsdestotrotz sind Tunnelspiele natürlich spannend und ich wäre sehr neugierig, welche Mittel ihr dafür schon eingesetzt habt. Oben erwähnte oder ganz andere? Lasst uns gerne teilhaben.

„Secretary – Womit kann ich dienen?“

41R85rZdEyLIst „Secretary“ ein Meisterwerk? Eher nein. Aber man kann ihn gut schauen und für jeden, der BDSM zugeneigt ist und sich nicht leicht erschrecken lässt, ist er absolut empfehlenswert. Denn er gibt sehr viele Einblicke in Dinge und Verhalten, die ich aus meinen Jahren in dem Bereich gut kenne.

Und Achtung, ab hier kann es SPOILER geben.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Die junge Lee Holloway (Maggie Gyllenhaal) nimmt einen neuen Job bei einem Anwalt (James Spader) an und durch die Anleitung ihres neuen und strengen Chefs entdeckt sie das, was ihr schon immer gefehlt zu haben scheint: Erniedrigung, Dominanz und Schmerz.

Wie und auf welche Weise diese Entwicklung verläuft ist dabei das eigentlich spannende. Und da zeigt der Film eine große Bandbreite an hoch interessanten Themen.

Am wichtigsten vielleicht, wie Lee durch die Entdeckung ihrer wahren Neigung zu sich findet. Sie entdeckt das, was sie erfüllt und erregt. Und damit etwas, dass ihr immer gefehlt hat. Ihr anfängliches selbstverletzendes Verhalten kann man sowohl als eine Form von Lust auf Schmerz, als auch den Versuch sich selber zu spüren verstehen. Sicher ist es eine vereinfachte Darstellung, dass BDSM all ihre Probleme löst. Aber hey, es ist ja auch nur ein Film.

Wenn man den Film anschaut, dann entdeckt man wahnsinnig viele Elemente die typisch für BDSM sind. Mary Gaitskill, die Autorin weiß offenbar sehr genau, worüber die da schreibt. Sie hat übrigens den Film auch als „Pretty Woman-Version ihrer Geschichte“ bezeichnet. Und der Bezug zu „Pretty Woman“ ist gar nicht so weit hergeholt. Außerdem deutet es darauf hin, dass die Geschichte wohl etwas härter ist, leider kenne ich die aber nicht.

Wie erwähnt reißt der Film sehr viele Themen an, die man als BDSM-erfahrener Mensch kennen kann. Angefangen mit der Lust an Erniedrigung mit der Lee schon früh im Film in einen Müllcontainer steigt, gibt es viel zu entdecken, dass dem BDSMer bekannt vorkommt.

Die Art, wie Lee versucht Strafen zu provozieren kommt sicher vielen bekannt vor. Die Anweisungen, was sie essen darf und auf welche Weise geben Einblicke in D/s, die ich so noch nicht oft in Filmen gesehen habe. Besonders spannend und berührend für mich dabei die Szene, als sie heimlich telefonisch den Speiseplan an ihn durch gibt.

Auch die Rituale die beide etablieren sind schön dargestellt. Aber auch seine Zweifel und Distanz dürften bei vielen Erinnerungen an sich selber oder Partner wecken.

Die Art wie sie die blauen Flecken auf ihrem Arsch bewundert und wie sie versucht, sich selber zu schlagen und daran natürlich scheitert sind ebenfalls toll beobachtet und realistisch.

Die nicht zuletzt die Szene in der sie ihren Freund versucht dazu zu animieren sie zu schlagen und wie er rein gar nichts versteht. Auch der folgende frustrierende und unbefriedigende Sex mit dem Freund. Alles Versatzstücke in denen sich viele wieder erkennen, die BDSM leben.

Ich habe den Film vor Jahren schon einmal gesehen und mochte ihn. Offenbar sogar sehr, denn ich habe mir damals die DVD gekauft. Über die Jahre habe ich aber viel vergessen und ich glaube auch, ich verstehe ihn heute besser als damals. Auch das was mich damals störte, fand ich heute schlüssig.

Denn damals hatte ich mich daran gestört, dass Lee anfangs aus einer Klinik kommt. Das hatte ich damals interpretiert, als müsse man sich absichern und klären, dass jemand der so etwas mag ja krank sein müsse.

Das verstehe ich heute anders. Ihr Leben hat sie krank gemacht und sie hatte keine Lösungen. Als sie BDSM für sich entdeckt, kann sie ihr selbst verletzendes Verhalten ablegen. Sie hat zu sich gefunden und zu dem, was sie erfüllt. Das DAVOR waren Lösungen, weil ihr genau diese Erfüllung im Leben gefehlt hatte. So interpretiere ich es heute.

Auch war ich überrascht wie explizit der Film doch wird. Man sieht zum Beispiel die auf allen Ebenen wunderbare Maggie Gyllenhaal völlig nackt. Das hat mich für eine Hollywood-Produktion schon gewundert.

Außerdem gibt es die Spuren auf ihrem Arsch zu sehen, Man sieht in einer Szene, wie sie sich einpinkelt, weil sie gehorsam seiner Anweisung folgt sich nicht aus einer bestimmten Position zu bewegen. Auch Szenen in denen sie auf allen Vieren durch das Büro kriecht oder ihm ein Kaugummi in die Hand spuckt sind intimer, als ich sie in so einem Film erwartet habe.

Insgesamt kann ich den Film jedem empfehlen. Hier wird BDSM insgesamt sehr positiv dargestellt, ohne dabei die Handlungen als Missbrauch darzustellen. BDSM ist hier einfach etwas, dass beide wollen und beiden gut tut. Das fand ich sehr wohltuend.

Übrigens, dass der Anwalt und Dom in diesem Film „Grey“ heißt, hat nichts mit „Fifty Shades of Grey“ zu tun. Der Film entstand Jahre vor dem ersten Buch dieser Reihe. Ob der Charakter der Autorin der Bücher als Inspiration diente ist mir nicht bekannt.

Vanillaschübe im BDSM

Im Leben gibt es viele Phasen in denen BDSM in den Hintergrund rücken kann. Seien es Beziehungen in denen der Partner nicht auf BDSM steht oder gesundheitliche Probleme. Seien es persönliche Krisen, berufliche Probleme oder andere Gründe.

Dann kann es eben passieren, dass man für längere Zeit keine Lust auf BDSM hat. Oft einfach deswegen, weil der Kopf nicht frei dafür ist. Und BDSM geht eben sehr viel (wenn nicht alles) über den Kopf.

In Beziehungen verzichten manche freiwillig und andere unfreiwillig auf BDSM. Manche haben Partner, die die Neigung schlicht nicht teilen. Bei anderen war BDSM Teil des Beziehung und ist dann „eingeschlafen“.

So etwas bezeichne ich für mich als „Vanillaschub“ oder „Vanillaphasen“ (wobei ich nicht beanspruche den Begriff erfunden zu haben). Zur Erklärung für die, die den Begriff nicht kennen: Vanilla bezeichnet in der BDSM-Szene alle, die „normalen“ Sex haben und nicht BDSM leben.

Während dieser „Vanillaschübe“ oder „Vanillaphasen“ lebt man also BDSM nicht aus. Aber, man verliert ja die Neigung nicht. Daher ist es ja nur eine Phase oder ein Schub. Es ist etwas zeitweiliges. Andere Dinge sind in dieser Zeit wichtiger, fordern mehr Energie oder Aufmerksamkeit und man kann sich seiner Neigung nicht widmen. Aber nie Neigung bleibt.

Sicher kennt jeder in einer langen „Karriere“ als BDSMer diese Phasen im Leben. Mal steht die Neigung sehr im Vordergrund der Interessen und dann wieder, rückt sie in den Hintergrund.

Das ist völlig OK. Prioritäten sind in verschiedenen Lebensphasen unterschiedlich. Das ist eben so. Manchmal braucht man seine Energie für andere Dinge.

Allerdings ist es meiner Erfahrung nach extrem wichtig auch bei sich zu bleiben. Verleugnet man die Neigung völlig, denkt womöglich, man „brauche das“ nicht mehr, dann tut man sich selber nicht gut.

Meiner Erfahrung nach ist das bei den wenigsten Leuten der Fall. Eine sexuelle Neigung verändert sich nicht so leicht und dass sie sich völlig verflüchtigt, ist noch unwahrscheinlicher.

Ich selber war in einer Beziehung, die mit BDSM anfing und wo sich dieser Aspekt dann schnell und für immer verflüchtigt hat. Dass es für immer war wusste in dem Moment natürlich keiner von uns. Und eine Zeit lang habe ich mir BDSM dann ganz verboten. Ich habe bewusst nicht daran gedacht, sofern so etwas überhaupt möglich ist.

BDSM rückte sehr weit weg von mir oder ich sehr weit weg von BDSM. Irgendwie schien das ok. Es gab andere Dinge. Aber die Beziehung lief mit der Zeit immer schlechter, wurde immer unbefriedigender für beide und wir beendeten sie nach mehreren Jahren.

Als ich dann wieder anfing mich umso intensiver mit BDSM zu beschäftigen, merkte ich, wie sehr ich mich quasi selbst verleugnet hatte. Ich realisierte erst da richtig, wie sehr es mir vorher gefehlt hatte und wie sehr ich einen integralen Teil von mir selbst unterdrückt hatte. Dass sich das negativ auf mein direktes Umfeld und auch auf meine Beziehung ausgewirkt hat ist mir heute völlig klar. Damals habe ich es nicht bemerkt.

Was ich mit diesem persönlichen Einblick sagen möchte ist folgendes: Ja, es gibt Phasen in denen BDSM zur Nebensache wird. Das ist ok. Das kommt vor. Aber das darf nicht dazu führen, dass man sich selber verleugnet und seine Gefühle und Bedürfnisse unterdrückt.

Eine Weile mag das gut gehen, aber am Ende schadet man damit sich und denen, die man liebt. So ist es mir gegangen und ich weiß von anderen geliebten Menschen, wie ihre Ausgeglichenheit und Erfüllung in BDSM auch dem Familienleben geholfen haben. Denn wer in sich ruht und glücklich ist, der kann auch besser für andere da sein und seine Pflichten erfüllen.

In diesem Sinne, verleugnet euch nicht und vergesst auch in Phasen von Krisen und Stress nicht auf eure eigenen Bedürfnisse zu achten.

DaddyDom und LittleGirl

Vieles am BDSM ist heute im Mainstream angekommen. Leute auf der Straße tragen heute Klamotten, die früher nur als Fetisch-Kleidung denkbar waren. Dass man sich gegenseitig ans Bett fesselt oder beim Sex mal den Arsch voll bekommt, wird zumindest als Scherz schon unter Kollegen geäußert. Die ganz große Scham über BDSM scheint spätestens seit „Fifty Shades Of Grey“ dahin.

Aber es gibt sie noch, die Bereiche im BDSM, über die man nicht so gerne öffentlich redet. Spielarten, die man sich auch anderen BDSM-Interessierten gegenüber nur zögerlich zu äußern traut.

Um eines dieser Themen soll es in diesem Beitrag gehen: um DDLG, also DaddyDom und LittleGirl. Bei dieser Spielart gibt es viele falsche Vorstellungen und Vorurteile. Damit möchte ich ein wenig aufräumen.

In dieser Spielart ist der dominante Mann der Daddy oder DaddyDom und die devote Frau ist die Little oder das LittleGirl oder auf deutsch das Mädchen. Wichtig: es ist eine Spielart, in der eine erwachsene Frau gerne die Rolle einer Little oder eines Mädchens einnimmt. Die Bezeichnungen sind, wie alles andere, ganz individuell wählbar und stehen hier nur für die Rollenverteilung. Da die Variante männlicher Dom und weibliche Sub hier die wesentlich verbreitetere ist, belasse ich es dabei. Aber es gibt auch die Variante der Mommy und des männlichen Little.

Eine des häufigsten Fragen zu dieser Spielart ist sicher: geht das nicht in die Richtung von Pädophilie oder wird diese verniedlicht? Absolut nein. Denn diese Spielart wird von Erwachsenen ausgelebt. In der Pädophilie geht es den Betroffenen um den kindlichen Körper und der fällt hier nun einmal weg. Es handelt sich um eine Spielart zwischen Erwachsenen, die sich dafür entscheiden und es beide wollen. Daher gib es für mich daran rein gar nichts anrüchiges.

Was tun also nun DaddyDom und sein LittleGirl? Es handelt sich um eine Art D/s-Beziehung mit einem klaren Machtgefälle. Mit der Abwandlung, dass sich die Sub hier eben als Mädchen fühlt und so behandelt werden möchte. Und die Rolle des Doms ist meistens umsorgender und fürsorglicher als in anderen D/s-Beziehungen.

So kann es sein, dass der Daddy über Dinge bestimmt wie Schlafenszeiten, die Handy-Nutzung oder welche Filme sein Mädchen sehen darf. Aber es kann auch dazu gehören, dass er sich kümmert, dass sein Mädchen genug trinkt oder Medikamente rechtzeitig einnimmt.

Wie immer sind die Bestandteile eures BDSM frei wählbar. Ich habe dazu in einem Artikel das Beispiel des Setzkastens gewählt. Wie weit ihr in die Rolle des Daddys und der Little geht, wie viele Anteile an Strafen und reinem SM ihr dabei lebt oder ob ihr andere Fetische verwendet, ist völlig individuell.

Manche Littles wollen sehr jung sein, mit Stofftieren spielen und Windeln tragen. Andere sehen sich hauptsächlich beim Sex in ihrer Mädchen-Rolle und genießen im Alltag nur die Dinge, die eben an Kontrolle machbar sind. Da gibt es endlos viele Abstufungen und womit ihr euch gut fühlt, das solltet ihr machen. Wenn es euer Kick ist, dass Daddy seine Little mit Kartoffelbrei füttert, dann nur zu. Wenn ihr es reizvoll findet, dass die Little ihren Daddy bekocht und verwöhnt, dann ist auch das ok.

Eine Little muss keine bestimmten Requisiten verwenden oder ein bestimmtes Alter haben. Da ist erlaubt, was gefällt. Und das ist wichtig zu wissen. Denn schon oft ist mir die Aussage begegnet „ich bin aber keine die gerne Windeln trägt“ oder „aber ich mache mir keine Zöpfe und trage nur noch rosa“. Das ist nicht der Punkt. Wie das meiste was mit D/s zu tun hat, fängt auch DDLG im Kopf an. Und was man dann daraus macht, welches Alter man will, was die Little gerne tut etc., das ist ganz individuell.

Mit die wichtigste Erfahrung für die Little, für das Mädchen, ist die Geborgenheit und die Fürsorge, die es vom Daddy bekommt. Das steht aber in keinerlei Widerspruch zu BDSM-Praktiken, wie manche meinen. Auch LittleGirls können Aufgaben und Regeln haben, wie in anderen D/s-Beziehungen. Und sie können bestraft werden, wenn sie die Regeln nicht befolgen. Strafen kann gerade in dieser Konstellation zwischen Daddy und Mädchen besonders intensiv sein.

Und selbstverständlich gehört auch Sex zu dieser Spielart. Wenn beide es wollen, sollte ich einschränken. Manche Littles wollen vielleicht keinen Sex. Auch das ist ok, wenn beide damit einverstanden sind. Aber die meisten Littles sind Frauen, die auch Sex wollen. Und das dann auch als LittleGirl.

Wenn ihr also solche Neigungen habt, dann steht dazu. Sie sind genauso in Ordnung wie alle anderen aus dem BDSM-Spektrum. Und wie erwähnt, was DDLG alles beinhaltet und was nicht, das bestimmt ihr. Wie bei allem, was mit BDSM zu tun hat: lasst euch nicht davon abschrecken es auszuleben, nur weil ihr gehört habt, dass etwas dazu gehört, was ihr persönlich NICHT wollt. Dann lasst diesen Teil einfach weg.

An Fantasien in denen ihr einen Daddy habt und Mädchen sein wollt, ist nicht verwerfliches. Traut euch und sprecht es an, wenn ihr potentiellen Partnern begegnet. Und vielleicht lebt ihr es dann auch mal aus. Es kann auch befreien.

In der Fantasie ist alles erlaubt

Schämt ihr euch für eure Fantasien? Ja? Lasst es sein. Denn es gibt wirklich keinen Grund dafür. Ihr steht euch selber im Weg und schadet euch womöglich sogar. Glaubt mir.

Sexfantasien sind etwas ganz normales. Und gerade um Bezug auf BDSM sind sie allgegenwärtig. Während die Mehrzahl der Menschen mit Sex „irgendwie anfangen“ beschäftigen sie sich mit BDSM meistens sehr lange, ehe sie dann zur Tat schreiten. Viele fantasieren also vorher von BDSM. Und nicht wenige schämen sich zu Beginn für ihre Fantasien.

Gerade emanzipierte Frauen hadern damit, dass sie Fantasien haben in denen sie von Männern dominiert, geschlagen oder erniedrigt werden. Da kommen dann Fragen auf wie „Darf mich das anmachen?“. Und ich sage: eindeutig Ja!

Auch später gibt es immer wieder Fantasien, die heikel erscheinen und bei denen manche ein schlechtes Gewissen bekommen oder sich schämen. Fantasien von Vergewaltigung. Fantasien von erzwungenem Sex mit dem eigenen Geschlecht. Und das ist nur die Spitze des Eisberges. Auch da kommen Fragen auf wie „Darf mich das anmachen?“. Und auch hier sage ich: natürlich!

In der Fantasie ist ALLES erlaubt. Und damit meine ich wirklich alles. Denn niemand kann etwas für seine Fantasien. Und mit Fantasien schadet man auch niemandem. Das ist die Hauptsache. Für Fantasien muss man sich auch nicht schämen.

Potentiell problematisch wird es erst, wenn man anfängt Fantasien auszuleben. Wenn es so weit kommt, dann stehen mehrere Dinge im Vordergrund: dass man niemandem schadet, die Sicherheit aller Beteiligten und dass alle Beteiligten freiwillig mitmachen und Spaß daran haben.

Zum Thema Sicherheit in BDSM habe ich ja in meinem Artikel SSC oder RACK? WTF? einiges geschrieben und die Freiwilligkeit sowie der Spaß sollten selbsterklärend sein.

Aber auch, wenn man die Fantasien nicht ausleben will, kann es gut und hilfreich sein, sie mit dem Partner zu teilen. Denn so lernt man sich besser kennen. Und man kann gemeinsam überlegen, ob man die Fantasien abgeschwächt und somit „sicher“ in das gemeinsame BDSM-Szenario einbaut.

Oder man nutzt sie als gemeinsames Kopfkino während der Sessions.

Eine der mit Sicherheit beliebtesten BDSM-Fantasien von Frauen ist, dass der Dom sie unter seiner Aufsicht von einem Fremden sexuell benutzen lässt. Wenn man will, dann kann man sich dafür jemanden suchen. Aber manche genießen das eben nur als Fantasie. Dann kann man als BDSM-Paar einbauen, dass der Dom beispielsweise damit droht oder es ihr ankündigt, wenn sie „nicht brav“ ist etc.

So kann man jegliche, auch die verrückteren Fantasien einbauen und sie als Kick nutzen, ohne große Risiken einzugehen oder Abstürze zu riskieren.

Denn auch das kann passieren. Oftmals ist das, was man in der Fantasie extrem geil findet dann in der realen Umsetzung überhaupt nicht geil. Jahrelang hat man gedacht, dass einen eine bestimmte Spielart richtig heiß machen würde und dann kommt der Absturz, wenn es an die reale Umsetzung geht.

Damit muss man immer rechnen und auch dem kann man vorbauen, in dem man es als gemeinsames Kopfkino integriert und somit antestet. Allerdings ist völlig klar, dass man das reale Erlebnis nie wird testen können. Garantien gibt es da einfach keine.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist: oft sind die Fantasien die man so hat und die einen anmachen ja auch viel wilder und extremer als das, was man real gut findet. Auch das ist völlig normal. Dessen muss man sich nur bewusst sein, wenn man sich darüber austauscht.

Eine Frau die vielleicht davon fantasiert einen Gangbang mit 20 Kerlen zu haben, die sie stundenlang abwechselnd ficken, kann in der Realität schon von einem zweiten Mann beim Sex überfordert sein. Oder gar keinen anderen dabei haben wollen. Fantasien sind oft extrem und sollen es auch sein. Unter anderem dafür sind sie da.

Also egal was in euren Fantasien so vorgeht. Seien es brutale Vergewaltigungen, extreme Erniedrigungen, Ausbildung zur Hure, einem fürsorgliche aber dominanten Daddy gehören, Vorführung vor Männerrunden, Gangbangs, extreme Schmerzen usw.: macht euch nicht verrückt, dass etwas mit euch nicht stimmt.

Sehr sehr viele da draußen haben solche Fantasien ist und das ist völlig ok. Bei allen BDSM-Fantasien gilt sowieso „es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird“. Meistens lebt man sie also nicht so extrem aus, wie sie im Kopf sind. Manche Fantasien sollen auch nie ausgelebt werden. Auch das ist völlig ok.

Und wenn ihr einen verständnisvollen BDSM-Partner gefunden habt, dann teilt eure Fantasien und sehr gemeinsam, was ihr daraus machen wollte und könnt. Meiner Erfahrung nach ist das der beste Umgang mit Fantasien für alle Beteiligten.

 

Erniedrigung: Ein weites Feld

Erniedrigung ist für mich im Kontext von BDSM ein besonders spannendes Thema. Daher habe ich mich auch bereits in einem meiner ersten Beiträge damit befasst. Da es aber ein so umfangreiches und komplexes Thema ist, möchte ich noch einmal darauf zurückkommen. Vermutlich ist es aber für ein besseres Verständnis der Thematik sinnvoll auch den ersten Artikel zu lesen.

Erniedrigung im Kontext von BDSM ist das Spiel mit Dingen, die man nicht wirklich mag. Die jenseits des Wohlfühlbereichs liegen. Bei denen man es aber genießt und erregend findet, wenn man dazu gebracht wird sie zu tun. Oder wenn andere sie mit einem tun.

Und um auch das noch einmal klar zu sagen: es ist völlig ok, ich wiederhole VÖLLIG OK auf Erniedrigung zu stehen. Ihr tut damit niemandem weh, es macht den beteiligten Spaß und erregt sie. Also was soll falsch daran sein?

Was ist nun Erniedrigung genau? Das können für die Einen vergleichsweise klein wirkende Dinge sein, wie sich selber dem Dom gegenüber als „Hure“ oder „Fotze“ bezeichnen zu müssen. Das können aber auch ganz andere Handlungen sein, wie beispielsweise „Forced Bi„, also „erzwungene“ sexuelle Handlungen mit dem eigenen Geschlecht. Und die eben nicht aus der eigenen Neigung heraus, sondern in dem Fall als Erniedrigung, weil man eben selber eigentlich nicht darauf steht. Der Reiz ist in dem Fall eben, zu etwas „gezwungen“ zu werden, auf das man nicht steht, das als erniedrigend zu empfinden und DARAUS den sexuellen Kick zu ziehen.

Klingt kompliziert? Ist es manchmal auch. Aber wenn man den Dreh verstanden hat und gut darüber kommuniziert, dann wird es auch wieder ganz einfach.

Erniedrigung ist also wie erwähnt ein weites Feld. Aber eines zeigen uns die beiden oben erwähnten Beispiele. Erniedrigung kann sowohl in den ganz kleinen, als auch in den spektakuläreren Dingen liegen.

Zwei absolute Klassiker der Erniedrigung sind Ohrfeigen und Anspucken. Beides ist geschichtlich gesehen schon immer als Erniedrigung eingesetzt worden und diente dann nicht selten als Anlass für Duelle. Man kann also getrost von Klassikern sprechen. Und beides sind totale Tabubrüche.

Ohrfeigen greifen per Definition in unseren persönlichen Bereich ein, gehen ins Gesicht, was wir nur sehr ausgewählten Personen in unserem Leben erlauben.
Und jemanden anzuspucken ist sowieso ein Tabubruch. Wie alle Körperflüssigkeiten ist auch der Speichel mit Tabus behaftet und wird beim Küssen intim geteilt, ansonsten aber schön für sich behalten. Mit der Intention zu erniedrigen ins Gesicht oder auf andere Körperteile gespuckt, trifft es die meisten Menschen an sehr empfindlichen Stellen. Es drückt ohne den BDSM-Kontext Missachtung aus und rührt daher wie die Ohrfeige auch, ganz tief in uns.

Wo wir bei Körperflüssigkeiten sind: auch Natursekt wird von manchen als Erniedrigung gerne eingesetzt. Und auch Leute, die sonst nicht darauf stehen, können über den Weg der Erniedrigung einen Kick daraus ziehen.

Für nicht wenige Frauen ist es meiner Erfahrung nach auch schon eine Überwindung und eine kleine Erniedrigung die Beine zu öffnen und sich so zu zeigen. Sich dann anzufassen und vor den Augen des Dom zu befriedigen ist dann natürlich die logische Steigerung. Auch das oft eine sehr wirkungsvolle Mischung aus Erniedrigung und Erregung.

Ein weiteres Beispiel für eine eher subtile Erniedrigung kann Kleidung in der Öffentlichkeit sein. Sub ein Kleidungsstück in aller Öffentlichkeit und sei es nur beim Einkaufen tragen zu lassen. Kein provokantes oder auffallendes. Aber eines, dass Unwohlsein auslöst. Eine Farbe die als zu knallig oder einen Rock, der als zu kurz empfunden wird. Das muss ja objektiv gar nicht stimmen. Es kommt nur auf das persönliche Empfinden an. Das wird dafür sorgen, dass sich der Einkauf so anfühlt, als würden alle Sub anstarren. Als wäre Sub bloßgestellt. Das kann wieder eine sehr spannende Art der Erniedrigung sein.

Erniedrigung kann also in sehr vielem liegen. Auf allen Vieren gehen zu müssen oder aus dem Napf essen. Dinge, die den meisten bei dem Thema schnell einfallen. Wie erwähnt natürlich die verbale Erniedrigung. Aber auch in den ganz kleinen Dingen, die kaum jemandem auffallen. Dieser wiederum sind vielleicht erst ersichtlich, wenn man sich schon etwas kennt und so die Empfindlichkeiten besser einschätzen kann.

Scheut euch also nicht zu experimentieren und herauszufinden was funktioniert. Die Klassiker können sehr wirksam sein. Aber nicht alles was ein Klassiker ist muss auch gemacht werden. Manchmal sind die ganz individuellen Dinge besonders spannend. Die auf die nur ihr kommt, weil sie ganz persönlich sind.

Übrigens gibt es für manche noch eine spannende Metaebene. Manche finden es erniedrigend einzugestehen, dass Erniedrigung sie anmacht. Sie dann dazu zu bringen es zu sagen oder schlicht anhand der sexuellen Erregung vorzuführen „das macht dich an und ich weiß es“, kann auch wieder als Erniedrigung dienen. Ein Teufelskreis aus Erniedrigung und Erregung sozusagen.

Erniedrigung kann also extrem vielfältig sein. Sie kann im Bruch der Konventionen und in Tabubrüchen liegen. Genauso aber in den Dingen, die ganz persönlich und individuell als unangenehm empfunden werden. natürlich ist aber auch nicht jede Erniedrigung auch mit einem sexuellen Reiz verbunden. Auch nicht, wenn man sonst auf Erniedrigung steht.

Natürlich ist es ein heikles Thema. Es ist nicht leicht dem Gegenüber einzugestehen, dass man es erregend findet erniedrigt zu werden. Ich als Dom frage daher meist danach, um eine Brücke zu bauen. Redet darüber, probiert euch aus und steht dazu.

Und wenn ihr Beispiele kennt, die ihr ungewöhnlich findet, dann bin ich sehr neugierig. Schreibt sie gerne in die Kommentare.

Mit Checkliste zum BDSM-Partner

Natürlich kann man Glück haben. Man kann einfach gefunden werden. Plötzlich steht der Dom vor einem. Plötzlich findet man seine Sub online. Oder unerwartet und ohne zu wissen was man sucht, findet man auf magische Weise seinen Daddy.

Aber dieses Glück haben die wenigsten. Wie also findet man seinen passenden BDSM-Partner? Was kann man tun und worauf sollte man achten?

Patentrezepte gibt es nicht. Wenn, dann würde ich mit einer Partnervermittlung reich werden. Aber, es gibt ein paar Dinge die man beachten kann und die dann die Chance erhöhen.

  1. Wissen was man selber mag
    Die Voraussetzung dafür, dass man jemanden findet der zu einem passt ist natürlich, dass man selber über sich weiß, was man mag. Wer seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche kennt, der hat größere Chancen ein Gegenüber zu finden, dass diese Bedürfnisse erfüllt. Es gilt also herauszufinden, welche Form von BDSM man selber mag. Schläge? Bondage? Erniedrigung? Alles ist möglich und es muss auch nicht zwingend zueinander passen. Wie sich die Neigung eines Einzelnen zusammensetzt ist völlig individuell. Wer sich für dieses Thema interessiert mann dazu mehr nachlesen in meinem Artikel zu BDSM als Setzkasten.
    Also informiert euch, lernt die Begriffe unter denen eure Vorlieben bekannt sind. Probiert euch aus. Testet, ob euer Kopfkino auch in der Realität so geil ist wie erhofft.
  2. Die Suche beginnt
    Sobald ihr mehr über euch wisst und wisst, wie die Dinge heißen die ihr mögt, sind die Chance schon gestiegen, jemanden zu finden, mit dem es auch passen könnte. Wenn ihr also die Dinge auch real erleben wollt, dann macht euch auf die Suche. Dafür gibt es ebenfalls kein Patentrezept. Manche schwören auf Partys oder Stammtische. Andere suchen auf Kontaktseiten im Netz. Und bevor ihr fragt: ich kann da keine gute Seite empfehlen. Da ist viel Geschmackssache dabei.
    Auch ob man erst diskret im Netz sucht oder direkt live auf eine Veranstaltung geht, ist reine Geschmackssache. Beides kann klappen, beides kann schief gehen. Den einzig richtigen Weg gibt es auch hier nicht.
  3. Kommunikation ist alles
    Habt ihr jemanden gefunden, dann denkt daran: am Anfang ist Kommunikation alles. lasst euch vom Gegenüber nichts aufschwatzen. Sagt, was ihr mögt und was nicht. Seid offen und ehrlich. Wenn ihr auf Dinge steht, dann sprecht es an. Wenn ihr auf Dinge die das Gegenüber will keine Lust habt, dann sagt auch das ganz offen. Wenn es dann nicht passt, dann passt es eben nicht.
    Wenn ihr die Chance auf guten und erfüllenden BDSM haben wollt, dann muss die Schnittmenge der gemeinsamen Vorlieben und Wünsche groß genug sein. Da helfen anderweitige Sympathie oder Anziehung nichts. Wenn der eine Partner einen Windelfetisch hat, der andere mag Petplay und man kann wechselseitig mit der Vorliebe des Gegenübers nichts anfangen, dann retten die tollen blauen Augen oder der Traumbody auch nichts mehr.
    Und natürlich solltet ihr ehrlich bei dem sein was ihr sucht. Wenn ihr etwas Festes sucht, dann sagt es genauso, wie wenn ihr nur eine Affäre sucht. Das beugt Enttäuschungen vor.
  4. Bauchgefühl und Sicherheit
    Habt ihr festgestellt, dass es passen könnte und nun wollt ihr euch treffen? Jetzt ist das Bauchgefühl ganz wichtig. Treibt euch nur die Lust, endlich die Fantasien auszuleben oder habt ihr auch bei dem Menschen ein gutes Gefühl? Auch im BDSM-Bereich laufen Spinner beiderlei Geschlechts herum. Nur weil ihr geil seid, solltet ihr nicht den Verstand ausschalten.
    Und wenn ihr auf Nummer sicher gehen wollt, dann lasst euch covern. Wenn das Gegenüber etwas dagegen hat, dann Finger weg. Niemand der vernünftig ist, hat etwas gegen solche Sicherheitsmaßnahmen. Auch ist es völlig ok, sich erst einmal auf neutralem Boden zu treffen. Und kommt es zum Treffen, habt ihr immer noch die Möglichkeit einen Rückzieher zu machen. Auch eine weite Anreise verpflichtet euch zu nichts. Niemand muss sofort loslegen um womöglich zu beweisen „eine richtige Sub“ zu sein. Seid als mutig, aber nicht übermütig.

Wenn ihr diesen Regeln folgt, dann ist ein tolles BDSM-Erlebnis oder gar eine Beziehung natürlich nicht garantiert. Wie gesagt, sobald ich das bombensichere Rezept habe, mache ich meine Partnervermittlung auf und werde reich. Aber diese Checkliste sollte euch helfen, einige der gröbsten Fehler bei der Suche gar nicht erst zu machen. Vollständig ist die Liste dabei sicher nicht. Sicher kann man sie ergänzen. Vielleicht schreibe ich ja mal eine Ergänzung. Aber bis dahin hilft euch diese Version hoffentlich schon etwas weiter.

Also los, traut euch, informiert euch, werdet dabei aber nicht übermütig.

Public Disgrace – Spannend und gefährlich

Kürzlich haben zwei Bilder mein Kopfkino angekurbelt. Auf dem einen liegt eine Frau nackt und auf dem Rücken zwischen zwei Bäumen. Sie hat die Augen verbunden. Ihre beiden Knöchel sind mit Gurten an den beiden Bäumen befestigt, so dass ihre Beine weit gespreizt sind. So liegt sie im Freien auf einer Wiese.

Auf dem anderen Bild sieht man eine Autobahnbrücke, unter der eine Bahntrasse verläuft. An einem der Stützpfeiler steht eine Frau. Sie hat eine Maske auf dem Kopf, die ihr die Sicht nimmt und sie unkenntlich macht. Ihr T-Shirt ist hochgezogen und Hose und Slip sind herunter gezogen. Sie trägt ein Halsband und ihre Hände sind hinter dem Rücken fixiert.

Was fasziniert uns so am Spiel mit der Öffentlichkeit? An öffentlicher Zurschaustellung? Für einige ist der Reiz natürlich schlicht der eigene Exhibitionismus. Nicht umsonst gibt es „Promis“, die nur dafür bekannt sind, sich ständig und ungefragt nackt zu zeigen.

Es hat da oft den Kitzel des Verbotenen, des Verruchten. Das ist in Ordnung und macht es vielleicht auch für viele spannend.

Das hat aber für mich erst einmal nichts mit BDSM zu tun. Für mich beginnt der Reiz dort, wo es nicht ganz freiwillig ist. Wo es befohlen oder als Strafe angewendet wird. Natürlich ist Sub damit im Metakonsens einverstanden. Aber es geschieht nicht aus eigenem Antrieb. Und da sind wir dann schnell beim Thema Erniedrigung.

Nehmen wir das erste Bild, das ich beschrieben habe. Die Frau liegt auf dem Waldboden, die Beine gespreizt. Natürlich hat ein umsichtiger Dom den Platz so gewählt, dass keine unbeteiligten Spaziergänger vorbei kommen. Aber weiß man das als Sub in dem Moment sicher?

Hier ist der Reiz natürlich der, dass Sub völlig entblößt und hilflos ist. Nicht nur das, auch die Pose ist völlig eindeutig. Was, wenn jetzt doch jemand käme? Und was hat Dom überhaupt vor?

Das ist der Reiz. Die Erniedrigung findet, wie meistens, im Kopf statt. Es kommt nicht darauf an, dass jemand vorbei kommt und sie so sieht. Tatsächlich will man gar nicht wirklich, dass jemand vorbei kommt. Denn verantwortungsvolles Handeln beinhaltet auch, dass man Unbeteiligte nicht mit hinein zieht. Aber der Reiz ist eben, es könnte jemand vorbei kommen.

Wenig anders ist es beim zweiten Bild. Vielleicht würde hier sogar ein vorbei fahrender Zug den Reiz noch erhöhen. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand aus einem in hoher Geschwindigkeit vorbeirasenden Zug viel bemerkt ist relativ gering. Die Wirkung auf Dom und Sub ist aber sicher enorm.

Das Spiel mit der öffentlichen Erniedrigung, der öffentlichen Bloßstellung ist hier das, was den enormen Reiz ausmacht. Nicht umsonst gibt es unter dem Label „Public Disgrace“ (etwa „Öffentliche Schande“) ganze Webseiten, die sich nur diesem Thema widmen. In der Öffentlichkeit nackt bloßgestellt zu werden, war schon immer eine mächtige Fantasie und findet so ihren Platz auch im BDSM.

Auch mich persönlich reizt das sehr. Eine heimliche Ohrfeige im Gang des Supermarktes oder die Sub mitten in der Innenstadt auf einer Bank den Rock hochschieben lassen. Das alles hat seinen festen Platz im BDSM.

Und das alles ist auch völlig in Ordnung, so lange man gewisse Vorsichtsmaßnahmen ergreift und verantwortungsbewusst handelt.

Sub nackt an einen Hochsitz gefesselt auspeitschen ist halt nicht in Ordnung, wenn weniger Meter weiter Familien mit Kindern spazieren gehen. Es muss immer eine Abwägung der Gefahren und Auswirkungen stattfinden. Wie eigentlich immer im BDSM. Und im Zweifel muss die Sicherheit im Vordergrund stehen. Und das Wohl der Anderen.

Andere Menschen gegen deren Wunsch mit zu viel der eigenen Sexualität zu konfrontieren, ist nicht in Ordnung. Ab einer gewissen Schwelle überschreitet es sogar juristische Grenzen und kann zu Erregung öffentlichen Ärgernisses werden (§ 183a StGB: „Wer öffentlich sexuelle Handlungen vornimmt und dadurch absichtlich oder wissentlich ein Ärgernis erregt…“)

Es ist also auf einiges zu achten. Dennoch bleibt der Reiz und es ist auch ok, dem nachzugeben. Im Rahmen und mit Vorsicht.

Und wer ganz sicher gehen möchte, der lebt diese Form der öffentlichen Spiele auf entsprechenden Parties aus. Auch das ist möglich und viele dieser Parties leben genau davon. Allerdings ist der Reiz für manche dort geringer. Schlicht weil alle Anwesenden ja genau dafür da sind. Der Tabubruch, und sei er sonst auch nur theoretisch, ist hier wesentlich geringer. Dafür ist man aber auf der sicheren Seite. Denn hier ist man unter Gleichgesinnten. Man schockiert mutmaßlich niemanden und juristische Konsequenzen sollten auch ausgeschlossen sein.

Das Spiel der öffentlichen Erniedrigung und Zurschaustellung ist sehr spannend. Für mich persönlich und für viele andere. Das Adrenalin schießt nach oben und die Erregung gleich mit. Und wenn man umsichtig ist, dann kann auch nichts passieren. Aber man sollte sich der Verantwortung und der Gefahren eben immer bewusst sein.

Wie viel BDSM ist richtig?

Manche sperren ihre BDSM-Partner tagelang in Zellen oder Käfige. Andere wiederum leben BDSM nur in einzelnen Sessions für ein paar Stunden und das nur alle paar Wochen. Manche definieren ihren ganzen Alltag durch BDSM. Für andere ist es nur eine Spielart während des Sex.

Was ist nun richtig? Was ist echter BDSM und was vielleicht nur Mode?

Ok, ich kläre das gleich mal auf, auch auf die Gefahr hin, dass dann manche gar nicht weiter lesen. Es gibt kein richtig oder falsch. Oder zumindest keines, dass jemand von außen beurteilen sollte, könnte oder dürfte.

Richtig ist das, was die richtig finden, die es betrifft. Und natürlich das, womit man keinem schadet. Schadet man jemandem, ist es falsch.

Dennoch gibt es aber im BDSM immer die Frage „Mache ich das richtig?“.

Manche Leute lieben Spanking. Die treffen sich mit mehr oder minder Fremden zu Sessions und lassen sich auf deutsch gesagt den Arsch versohlen. Dann fahren sie wieder nach Hause und haben Sex mit dem Partner.

Wieder andere leben BDSM als Paar, vereinbaren gewisse Regeln und verstoßen dann absichtlich dagegen. Natürlich nur um dann die verdiente und gewünschte „Strafe“ zu bekommen.

Ich persönlich stelle gerne Regeln auf, erwarte dann aber auch die Einhaltung und bestrafe dann aber auch bei Zuwiderhandlung mit Dingen, die dem Gegenüber keinen Spaß machen, sondern sie wirklich bestrafen sollen. Mir als Dom stellen sich die Nackenhaar auf, wenn ich mir vorstelle, dass eine Sub absichtlich etwas falsch macht um „bestraft“ zu werden. Das widerspricht meiner Vorstellung von BDSM. Aber es ist eben nur meine Vorstellung. Und so wie ich BDSM so lebe, wie ich es möchte und mir Partnerinnen suche, die es genauso wollen. So darf das jede und jeder andere auch.

Aber ist irgendetwas davon richtig? Das ist eigentlich schon oben beantwortet. Für mich ist ein Treffen bei dem ich einer Sub den Arsch versohle, sonst nichts passiert und wir beide wieder gehen, falsch. Das ist für mich persönlich nicht genug BDSM. Weil es meiner Neigung einfach nicht entspricht. Für andere mag es genau richtig sein.

Für manche mag es auch genau richtig sein in Fetisch-Kleidung auf eine Party zu gehen und sich dort nur bewundern zu lassen. Zuhause finden nach Sex mit dem Partner statt. Auch Fetisch kann schließlich BDSM sein. Für mich wäre es zu wenig.

Dafür gibt es sicherlich genügend Leute sie sagen, Regeln aufstellen und bestrafen? Wo ist denn da der Spaß? Ich brauche Fetischpartys, öffentlichen Sex und schwere körperliche Strafen. Denen wiederum ist das zu wenig was ich auslebe.

Wie groß der Anteil an BDSM im Leben ist, ist also ganz individuell. Oft hängt es auch von den Lebensumständen ab, die aktuell nicht mehr zulassen. So wollen beide vielleicht den D/s-Anteil erhöhen und mehr Kontrolle in den Alltag integrieren, es ist aber schwer mit den Lebensumständen vereinbar. Daran muss man arbeiten.

Aber auch BDSM als Würze für das Sexleben und dann nur alle 14 Tage, kann in Ordnung sein. Wenn beide damit zufrieden und glücklich sind.

Ebenso wie das Modell, dass man jedes Wochenende auf irgendwelche BDSM-Partys in der Grand Opera oder im Catonium verbringt. Solche Leute sind nicht bessere BDSMer als andere.

BDSM ist vielfältig. So vielfältig wie die Menschen die es leben und deren Vorlieben. Es gibt das „richtige BDSM“ so wenig, wie es die eine richtige Pizza gibt. die Geschmäcker sind verschieden. Und genauso, wie ihr euch beim bestellen der Pizza von anderen nicht erklären lasst welche Pizza nun die eine richtige ist, die ihr bestellen müsst, verhält es sich auch mit BDSM.

Und auch ob ihre jede Woche Pizza esst oder nur einmal im Monat, ist genauso individuell wie die Häufigkeit in der ihr BDSM lebt. Aber wenn ihr mit einem Partner zusammen eine Pizza teilen wollt, dann muss sie auch beiden schmecken. Ob dann Sardellen oder Champignons oder nur Salami drauf sein soll, dass muss vorher geklärt werden.

BDSM ist also quasi Pizza. Nur mit weniger Käse. Naja. Nicht ganz. Aber ich denke, ich versteht, was gemeint ist.

BDSM 2.0

Regeln sind gerade für D/s zentral. Wenn beide Spaß daran haben und Lust daraus ziehen, dann kann man mit Regeln, die Sub vorgegeben werden, eine ganze Menge Freude haben.

In früheren Artikeln wie Regeln sind wichtig und Klassische Gebote und Verbote habe ich schon darüber geschrieben und ein paar Beispiele gegeben. Aber einen spannenden Aspekt habe ich bisher noch nicht beleuchtet: welche Möglichkeiten bietet die moderne und digitale Welt?

Wie kann man also mit Hilfe von Computer oder Handy Sub kontrollieren? Oder auch: wie kann man die Nutzung dieser Geräte kontrollieren?

Da bieten sich viele neue Möglichkeiten. Manche sind vielleicht erschreckend und wirken recht extrem, da sie tief in die persönliche Freiheit des Gegenüber eingreifen. Ich muss es nicht, betone aber noch einmal, dass diese Spielarten nur dann in Ordnung sind, wenn beide das wollen. Es handelt sich hier um Spielarten von D/s, die Kontrolle und Macht über den Partner ausüben. Das sollen sie auch. Weil beide Lust daraus ziehen. Einseitig betrieben wären es krasse Übergriffe.

Fangen wir an mit den Möglichkeiten, den Aufenthaltsort zu kontrollieren. Eine Möglichkeit dafür sind Apps, mit denen man den Standort übermitteln kann. So kann immer auf Anfrage eine GPS-Information angefordert und gesendet werden. Auf einer Karte sieht man dann, wo sich das Gegenüber befindet.

Diese Funktion bringen manche Chat-Apps mit sich, aber auch spezielle GPS-Tracking-Apps.

Ein weiteres Stichwort ist „Geofencing„. Mit dieser Funktion können Bereiche und Orte festgelegt werden. Also sozusagen Zäune (englisch: Fences) gezogen werden. Betritt oder verlässt das Gegenüber einen dieser Bereiche, wird man sofort informiert. Soll Sub also zu Hause bleiben oder nicht in eine bestimme Bar gehen, dann kann das leicht überwacht werden.

Natürlich kann das einfach „ausgetrickst“ werden, indem man das Handy liegen lässt. Aber es geht ja auch nicht um wirkliche Überwachung, sondern um Möglichkeiten und Varianten einer freiwilligen Spielart.

Manche der oben erwähnten Apps bringen auch viel weitergehende Möglichkeiten der Kontrolle mit sich. Das Stichwort ist da: „Parental Control„, also „elterliche Kontrolle“. Unter diesem Stichwort finden sich diverse Möglichkeiten. Chats können mitgelesen, der Browserverlauf geprüft und Kontakte sowie Kalender angeschaut werden.

Da wird es dann schon extrem. Aber wer sich dafür entscheiden möchte, der findet da sicher Möglichkeiten.

Eine Möglichkeit, aus der Entfernung auf einen Rechner zuzugreifen und sich dort umzusehen, ist Software zur Fernwartung. Damit kann man auch vom anderen Ende der Welt auf dem Zielrechner arbeiten, EMails lesen, den Browserverlauf prüfen und überhaupt alles Mögliche machen.

Sowohl Windows als auch die Handy-Betriebssysteme iOS und Android bieten auch die Möglichkeit, die Nutzungszeit einzuschränken. So kann das Handy oder der Laptop dann beispielsweise nach 20 Uhr nicht mehr benutzt werden. Inwiefern man sich dabei ins eigene Fleisch schneidet, wenn man nicht mehr miteinander schreiben kann, muss jeder selber wissen.

Es können aber auch Nutzungszeiten für bestimmte Apps eingestellt werden. So kann man beispielsweise die Nutzung der Facebook-App oder Instragram nur zu bestimmten Zeiten gestatten und sonst sperren.

Wesentlich harmloser ist die Variante, dass man regelmäßige Nachrichten vereinbart. Jeden Morgen und/oder jeden Abend haben zu bestimmten Uhrzeiten Nachrichten als Statusmeldung zu erfolgen. Am einfachsten hier natürlich über die Chat-App der Wahl.

Und eine ganz praktische Möglichkeit, um Aufgaben und zu stellen oder auch erfüllte Aufgaben abzuhaken, sind Apps in denen man Listen erstellen und teilen kann. So kann man gemeinsame Listen führen, in die der eine Partner Aufgaben einträgt. Diese erscheinen dann beim Gegenüber in der App und können dort nach Erfüllung abgehakt werden.

So weiß Dom in dem Fall genau dass und wann die Aufgabe erledigt wurde und Sub kann sie nicht so leicht vergessen.

Das sind einige Möglichkeiten. Sicher gibt es noch viele andere und ich bin neugierig auf euren Input. Nutzt ihr solche Möglichkeiten? Wenn ja, wie? Auf kreative Vorschläge oder auch Tipps für weitere Apps bin ich sehr neugierig.

Bewusst nenne ich hier keine konkreten Namen. Ich habe keine Lust, Werbung zu machen. Unter den gefetteten Stichworten findet ihr sicher die passenden Programme.

Und nochmal, es geht hier nicht um Stalking oder ungewollte Überwachung. Wer so etwas heimlich macht und ohne Wissen des Gegenübers, der macht sich höchstwahrscheinlich strafbar.

Es geht um etwas, das erwachsene Menschen freiwillig tun, weil sie Spaß und Lust daran haben.

Und wenn euch die Möglichkeiten der Überwachung, gerade über das Handy, erschrecken, dann habt ihr sicher Recht. Aber das ist dann kein Problem von BDSM, sondern ein gesellschaftliches. Eines, über das es sicher auch lohnt nachzudenken. Aber auch eines, für das dieser spezielle Blog nicht geeignet ist.