BDSM und Liebe

Für viele Leute scheint es die Gretchenfrage zu sein: muss man sich erst verlieben um BDSM mit jemandem ausleben zu können?

Jetzt könnte ich es kurz machen und sagen, dass es die einen eben so und die anderen so sehen. Aber hey, wenn ich es mir immer so einfach machen wollen würde, dann würde ich ja keinen Blog schreiben. Also mache ich es mir etwas schwerer.

Auch beim Vanillasex gibt es Leute die sagen „Ich kann nur Sex haben, wenn ich mich verliebt habe.“ und es gibt die, die auch One Night Stands mit Fremden toll finden. Ähnlich verhält es sich beim BDSM. Manche haben Spaß daran sich auf Fremde einzulassen und andere brauchen viel Vertrauen und Intimität um sich fallen lassen zu können. So weit sind die Unterschiede zum Vanillasex bei vielen noch nicht sehr groß.

Aber es gibt auch Unterschiede, die die Situation besonders machen. Praktiken, die manchen Leuten im BDSM leichter fallen, wenn sie es mit Fremden zu tun haben oder mit Leuten zu denen sie keine starke emotionale Bindung haben.

Ich gehe einmal davon aus, dass wir uns über die Graustufen einig sind. Man kann Sex mit der Liebe seines Lebens haben, auch mit völlig fremden und mit Menschen die man mag aber nicht liebt. Ich definiere das jetzt nicht alles immer einzeln sondern formuliere da pauschaler.

Beispielsweise ist es für manche einfacher jemanden zu ohrfeigen den sie noch nicht lange kennen. Jemanden mit dem sie vereinbart haben, dass die Praktik gewollt ist, zu dem sie aber keine emotionale Bindung haben. Jemanden zu ohrfeigen den man liebt ist für solche Menschen dann deutlich schwieriger.

Auch das Thema Erniedrigung im allgemeinen ist eines, dass solche Probleme mit sich bringt. Manche Erniedrigung ist schlicht einfacher durchzuziehen wenn man keine emotionale Bindung hat. Dass Sub diese Behandlung genießt und will ist dabei dann egal. Wer wirklich liebt, dem wird es nicht gleichgültig sein den geliebten Menschen zu erniedrigen. Und das dann zu abstrahieren und zu sagen „Er oder sie will das“, kann einiges an mentaler Arbeit bedürfen. Manchmal gelingt es auch dann nicht. Je nachdem wie extrem wie gewollte und gewünschte Erniedrigung ist.

Beispielsweise mag es einem Dom leicht fallen eine Sub als „Schlampe„, „Hure“ oder „Nutte“ zu bezeichnen. Je nachdem, was das gewünschte Wort der Wahl und was der Trigger ist. Wenn sie dann aber die Mutter seiner Kinder ist, fällt es schon schwerer. Das ist menschlich und man sollte als Paar darüber reden warum das so ist und wie man damit umgeht.

Ein weiterer Punkt ist eine Praktik wie Verleih oder Vorführung. In einer Spielbeziehung in der das Vertrauen groß genug ist und man sich auf so etwas einigt, ist das vielleicht kein Problem. Wenn aber die Gefühle groß sind und man den Menschen liebt, dann ist der Vorgang diesen Menschen anderen zur „Benutzung“ zu überlassen plötzlich unerträglich.

In den meisten dieser Fälle liegt das Problem im Kopf dessen, der aktiv ist. Also der Dom hat das Problem und muss sich dem stellen. Entweder er lernt diese Blockade zu überwinden oder er verzichtet auf gewisse Praktiken oder er lebt sie anderweitig aus.

Ich persönlich finde das nicht problematisch. Denn es gibt ja auch noch die Kehrseite der Medaille. Die Praktiken, die erst dann spannend werden wenn Gefühle im Spiel sind. Oder die, die besser und vielleicht erst richtig gut werden, wenn die nötige Nähe und Intimität da ist, die sich mit Gefühlen und in einer intensiven Beziehung entwickeln.

Viele D/s-Praktiken sind in einer Spielbeziehung in der man sich nur alle paar Wochen sieht einfach nicht machbar. Dinge die uns an D/s kicken und bereichern entfalten ihre Wirkung erst wenn es eine gewisse Routine unter den Partnern gibt.

So verliert man vielleicht etwas, man gewinnt aber auch viel wenn sich eine Beziehung entwickelt. Was jeder persönlich mag und bevorzugt ist dann ganz individuell. Die einen wollen den Kick aus dem was durch emotionale Distanz gut leichter fällt. Die anderen ziehen ihre Befriedigung aus dem, was durch Nähe und Intimität besser oder erst möglich wird.

Wie immer ist es wichtig sich darüber klar zu werden was man selber möchte und was einen reizt. Und dann ist es wichtig das auch klar zu kommunizieren. Zumindest dann wenn es Fragen und Differenzen dazu gibt. Denn wahr ist auch, man muss nicht zerreden was funktioniert.

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„Das gehört sich nicht!“

„Das gehört sich nicht!“ oder „So was macht man nicht!“. Das hören wir von Kindheit an. Wir bekommen eingeimpft was „man“ tun darf und was nicht. Und das nicht nur in der Öffentlichkeit wo uns jeder sieht. Auch im ganz Privaten gibt es Dinge, die „gehören sich nicht“.

Auch und gerade beim Sex.

Was ist, wenn man sich sexuelle Dinge wünscht die „sich nicht gehören“? Was ist, wenn man selber moralisch oder aus der Prägung durch die Erziehung im Elternhaus Probleme damit hat gewisse sexuelle Wünsche auszuleben?

Und da kommt bei manchen BDSM ins Spiel. Denn wenn man in der submissiven Rolle ist und bekommt einen Befehl, dann kann man ja nicht widersprechen. Man muss widerspruchslos tun was einem befohlen wird. Das ist der Konsens im BDSM. Dann kann man aber auch nichts dafür, wenn man Dinge tut die „sich nicht gehören“. Und schon hat man eine perfekte Ausrede vor anderen und vor sich selber.

Ich habe dazu kürzlich eine meiner kleinen Umfragen gestartet. Und zweidrittel der Teilnehmer sagen von sich, sie hätten solche Fantasien.

Was meine ich, wenn ich von Fantasien spreche, die „sich nicht gehören“ oder die man „nicht will“ und zu denen man dann „gezwungen“ wird?

Ein Klassiker wäre beispielsweise Sex mit einem Fremden. Viele Frau fantasieren davon. Aber abgesehen davon, dass es in der praktischen Umsetzung nicht ganz einfach und auch nicht ungefährlich ist, „tut man es nicht“.

Wenn man als devote Frau diese Fantasie aber mit dem Herrn teilt, dann eröffnen sich Möglichkeiten. Der Herr kann jemanden suchen. Er kann es organisieren und auch aufpassen. Und plötzlich ist die Fantasie unter dem Stichwort „Vorführung“ oder „Fremdbenutzung“ auf einmal zumindest denkbar.

Durch die psychologische Hilfestellung des Machtgefälles fällt es dann plötzlich leichter sich vor sich selber zu rechtfertigen. Zuzulassen was sonst vielleicht mit Schuldgefühlen behaftet wäre.

Denn es ist ja nicht die Entscheidung der Sub. Der Herr hat es befohlen. Da muss Sub jetzt durch.

Für manche ist auch die Lust am Schmerz ein Problem. Sich das einzugestehen fällt nicht jedem leicht. Wer gerne so geschlagen werden mag, dass blutige Striemen entstehen, der kann sich und anderen das nicht immer auf Anhieb erklären.

Wie praktisch ist es dann, wenn der dominante Part die Schläge anordnet. Dann nimmt man sie natürlich demütig hin. Und wenn der Partner nicht von alleine darauf kommt, dann bricht man vielleicht mit voller Absicht ein paar Regeln und wird dann „bestraft„. Mein Weg wäre in so einem Fall lieber miteinander zu reden. Aber als Hilfsmittel für die, die das nicht können oder noch nicht so weit sind, ist auch dieser Weg eine Möglichkeit.

Ein weiteres Beispiel ist ForcedBi. Das mag es auch für weibliche Subs geben, ist aber mit Sicherheit für männliche Subs gängiger.

Als Mann tut man sich mit solchen Bi-Fantasien landläufig schwer. So etwas „tut man eben nicht“. Diese Vorstellung herrscht ja immer noch vor. Wenn aber die Herrin nun partout befiehlt mit einem anwesenden Mann aktiv zu werden, dann hat man als Sub ja keine Wahl.

So fallen Dinge oft leichter, weil einem auf der Metaebene die Entscheidung abgenommen wird. Man trickst sich selber ein wenig aus und kann so freier ausleben, was man sich auf sich alleine gestellt vielleicht nicht trauen oder zugestehen würde.

Natürlich ist das nicht der einzige Grund für solche Fantasien. Ein weiterer kann sein, dass man den Kick darin erlebt gezwungen zu werden. Vielleicht sind es Praktiken die man alleine gar nicht erst ausleben würde. Die aber durch den Zwang interessant werden. Auch das ist möglich.

Aber ist das ok?

Natürlich ist das ok. Wem schadet man denn?

In allem was mit Sex zu tun hat sollten wir uns von gesellschaftlichen Konventionen von nichts abhalten lassen. Einzig die Fragen „Tut es mir gut?“, „Macht es allen Beteiligten Spaß?“ und „Schade ich jemandem damit?“ sollten der Maßstab sein an dem wir unsere Entscheidungen messen.

Wer aber für sich selber und aus welchen Gründen auch immer ein Hilfsmittel braucht um zu erleben und spüren wonach ihm ist, der kann das so tun. Wer gerade daraus seine Befriedigung zieht, der soll damit glücklich werden. Aus meiner Sicht gilt hier immer das Prinzip „Erlaubt ist was funktioniert“. Und was für wen funktioniert ist eben extrem individuell.

Man sieht also, BDSM bietet hier viele Möglichkeiten um umzusetzen was einem sonst schwer fiele oder gar so gut wie unmöglich wäre. Und da kann auch ein scheinbarer Umweg zum Ziel führen.

Tabu Ohrfeige

Für die einen ist sie eine unglaubliche Grenzverletzung, für die anderen der totale Kick.

Wilhelm Busch hat sie so beschrieben:

Hier strotzt die Backe voller Saft;
Da hängt die Hand, gefüllt mit Kraft.
Die Kraft, infolge der Erregung,
Verwandelt sich in Schwungbewegung.
Bewegung, die in schnellem Blitze
Zur Backe eilt, wird hier zu Hitze.
Die Hitze aber, durch Entzündung
Der Nerven, brennt als Schmerzempfindung
Bis in den tiefsten Seelenkern,
Und dies Gefühl hat keiner gern.

Ohrfeige heißt man diese Handlung,
Der Forscher nennt es Kraftverwandlung.

Die Ohrfeige also. Aber warum ist sie so ein heikles Thema?

Jeder Mensch hat eine intime Zone. Die hat nichts mit Geschlechtsteilen oder Sex zu tun. Jeder Mensch hat um sich herum einen Bereich, in dem er oder sie nur Menschen duldet, die einem nahe stehen.

Das können nur wenige Zentimeter sein. Aber wer in diesen Bereich eindringt, der wird eben als solcher empfunden: als ungewollter Eindringling.

Daher mögen es die wenigsten Menschen beispielsweise von Fremden im Gesicht berührt zu werden. Das empfinden wir als übergriffig. Und das auch zurecht. Wenn diese Hand im Gesicht nun aber sogar zuschlägt? Dann ist das für viele eben die ultimative Grenzverletzung.

Schon Kinder empfinden es instinktiv als erniedrigend wenn sie geohrfeigt werden. In viele Kulturen gilt die Ohrfeige als schwere Verletzung der „Ehre“. Und auch in unserer Kultur spricht man in besonders heftigen Situationen von einer „verbalen Ohrfeige“ oder dass man sich „wie geohrfeigt“ fühlt.

Eine Ohrfeige dient also wunderbar als Erniedrigung. Denn sie dringt in unsere intime Zone ein. Und genau das macht die Ohrfeige im BDSM-Kontext so spannend. Sie überschreitet Grenzen die für viel unverhandelbar sind. Und Tabus zu verletzen ist ja in diesen speziellen Praktiken genau der Kick.

Neben anderen Praktiken wie beispielsweise Anspucken ist eine Ohrfeige eine extreme Erniedrigung. So wird sie verstanden und so wird sie eingesetzt. Und genau das macht ihren polarisierenden Reiz aus. Denn für viele Menschen ist genau diese Erniedrigung ein Schritt zu weit. Für machen sogar mehrere Schritte.

Also sollte man extrem vorsichtig sein, wenn man dieses Mittel anwendet. Wie eigentlich immer, sollte man sich vorher absprechen und klären, ob es in Ordnung ist oder tabu. Denn mit dieser Praktik kann man wie mit kaum einer anderen alte emotionale Wunden aufreißen.

Niemals sollte man Ohrfeigen einsetzen um Schmerzen zuzufügen. Dafür ist sie meiner Ansicht nach das vollkommen verkehrte Mittel. Sicher tun Ohrfeigen auch weh. Aber um das zu erreichen gibt es wesentlich weniger heikle Methoden.

Wenn Dom ins Gesicht schlägt, sollte er oder sie sich immer klar sein, dass ehe eine Ohrfeige körperlich weh tut, sie schon emotional und seelisch getroffen hat. Auch die sanfteste Ohrfeige trifft schon im Inneren.

Ich persönlich liebe Ohrfeigen einzusetzen. Gerade, weil sie im Grenzbereich liegen. Ich liebe die Mischung aus Empörung und Erregung die sich im Gesicht der Sub spiegelt. Eine Ohrfeige wird nie langweilig und nie normal. Zumindest ist mir das noch nicht passiert. Schläge auf den Arsch oder Fixierungen können sich abnutzen. Eine Ohrfeige nicht so bald.

Ich kann also jeden verstehen, den das reizt. Aber auch hier gilt es natürlich die Risiken zu beachten. Neben den bereits angesprochenen emotionalen Risiken gibt es auch die gesundheitlichen.

Schnell geht ein Schlag daneben und trifft beispielsweise das Ohr oder den Kiefer. gerade beim Ohr kann durch den Schlag ein Überdruck im Ohr entstehen und im Extremfall das Trommelfell reißen.

Bei extremen Ohrfeigen drohen sogar Schädel-Hirn-Traumata. Also Achtung. Neben den heiklen emotionalen Folgen drohen wie bei allen „Gewalteinwirkungen“ auf den Kopf auch schwere gesundheitliche Folgen

Wie erwähnt bin ich der Letzte, der die Ohrfeige deswegen ablehnt. Aber sie ist eben mit Vorsicht zu genießen.

Und an die Subs da draußen. Gerade bei Ohrfeigen gilt, wenn ein Dom euch aus Wut schlägt: geht. Lauft weg. Das ist nicht verhandelbar. Ein Schlag auf den Arsch aus Wut heraus ist schon ein schlechtes Zeichen. Ein Schlag ins Gesicht sollte für jeden ein No-Go sein.

Uns allen sollte klar sein, dass wir beim BDSM oft mit dem Feuer spielen. Und das was am ehesten an Grenzen und Tabus kratzt, ist oft am spannendsten. Ihr könnt damit spielen, aber eben nur mit Umsicht und Vorsicht.

Was Doms Frauen vorlügen und die glauben

Es gibt ein paar grundlegende Wahrheiten im BDSM. Eine lautet: Doms behandeln Subs wie Scheiße und Subs wollen das so. Praktisch, oder?

Das ist natürlich Quatsch. Aber dummerweise gibt es genügend Doms und vor allem leider Subs die, glauben, dass das so sein muss.

Für Dom kann es beispielsweise ganz einfach sein, Sub emotional auf Abstand zu halten. Denn ein gewisser Abstand, eine gewisse Distanz kann Teil des Spiels sein. Wenn beide das so wollen ist das auch völlig ok.

Allerdings wird das allzu oft missbraucht. Dom hält Sub auf Abstand, ködert sie aber immer wieder mit dem versprechen auf Nähe, eine Beziehung oder anderes, was Sub sich vom entsprechenden Dom wünscht.

Sätze wie „Wenn Du dich als Sklavin bewährst, dann…“ sind dann gerne genommen, um der Sub quasi wie einem Esel die Karotte vor die Nase zu halten. Und Sub läuft dann brav hinterher.

Das ist perfekt für den Dom, der sich gar nicht öffnen will, der nur seinen Spaß haben will. Denn so vermittelt er Sub das Gefühl, sie müsse sich nur mehr anstrengen. Sie müsse mehr geben, sich mehr bemühen und dann, ja dann würde sie bekommen wonach sie sich sehnt.

Noch perfider ist daran nur, dass diese Taktik Sub unterschwellig vermittelt, sie sei selber Schuld, wenn er sich nicht öffnet. Sub sei selber Schuld, dass die erhoffte Beziehung immer nur noch eine Fickaffäre ist. Denn wenn Sie ihn zufrieden stellen würde, dann wäre es ja so weit. Sie war also bisher nur nicht gut genug.

Aber: ÜBERRASCHUNG, das ist Unsinn!

In den wenigsten Fällen ist es so, dass Dom absichtlich Distanz hält, die er dann aufgibt und mehr daraus wird. Meistens ist es schlicht so, dass Dom das bekommt was er will. Beispielsweise eine reine Fickaffäre oder Spielbeziehung. Und dass er auch genau gibt was er will. Wenn er mehr geben wollen würde, dann würde er es tun. So einfach ist das.

Es mag sein, dass BDSM solche Typen anlockt. Und wie gesagt bietet BDSM ja auch ein perfektes Spielfeld für Männer, die sich nehmen was sie wollen und wenig bis nichts zurück geben. Die den Frauen aber versprechen oder anders vermitteln, dass da mehr drin ist.

Es ist aber in den meisten Fällen schlicht eine miese Taktik, um die Frau bei der Stange zu halten.

Noch einmal. Wenn beide das Selbe wollen, kein Problem. Wer nur eine Affäre oder Spielbeziehung will und das klar kommuniziert, der macht alles richtig. Wer offen für mehr als eine Affäre ist und das klar kommuniziert, der macht auch alles richtig. Wer erst einmal abwarten will was sich entwickelt und das klar kommuniziert, der macht alles richtig.

Ihr erkennt sicher ein Muster. Wer klar kommuniziert macht im allgemeinen viel richtig. Schwierig wird es, wenn man vorspielt etwas zu wollen, von dem man eigentlich weiß, dass man es nicht will. Sprich man tut so, als wäre man offen für eine enge Bindung und will das eigentlich nicht. Diese Hoffnung im Gegenüber zu wecken und diesen dann bildlich über Stöckchen springen zu lassen ist mies.

Und im BDSM-Kontext dann Sub zu suggerieren sie müsse sich nur mehr bemühen, dann käme es dazu, ist besonders mies. Aber wie gesagt weit verbreitet.

Jetzt kann man sagen: „selber Schuld wenn eine Frau so blöd ist, sich darauf einzulassen“. Mit der selben Logik kann man aber auch zum Vergewaltigungsopfer sagen: „selber Schuld wenn sie sich so anzieht“. Kann man sagen, ist dann halt Kacke.

Erleichtert wird diese Taktik noch durch das oben erwähnte und weit verbreitete Missverständnis. Viel zu viele Frauen scheinen zu glauben es gehöre zu BDSM, dass sie mies behandelt werden.

Da haben wir gleich noch eine ÜBERRASCHUNG: Nein, gehört es nicht. Unfassbar, oder?

Auch eine devote Frau hat das Recht gut behandelt zu werden. Auch eine Frau die sich gerne schlagen lässt hat das Recht nicht wie Dreck behandelt zu werden. Schwer zu glauben? Für einige scheinbar schon.

Ich will nicht in die Küchenpsychologie abgleiten. Aber das Gefühl es verdient zu haben schlecht behandelt zu werden scheint unter Subs leider weit verbreitet.

Ein selbstbewusster Umgang mit der eigenen Lust und Sexualität ist eigentlich jedem Menschen anzuraten. Männer haben damit offenbar seltener Probleme als Frauen. Und devote Frauen dürfen das genauso wie alle anderen Frauen auch. Das ist kein Widerspruch zur devoten Neigung.

Lasst euch unter dem Deckmantel von BDSM nicht schlecht behandeln. Den Unterschied zu erkennen ist nicht schwer. Wenn ihr euch schlecht fühlt durch das was Dom mit euch macht, dann macht er etwas falsch und nicht ihr. Ganz einfach.

Neugierig auf BDSM aber vergeben

Manche Leute entdecken früh, dass sie auf BDSM stehen. Bei manchen dauert es länger. Bei anderen wiederum sehr lange. Vielleicht war da immer ein diffuses Gefühl, dass etwas nicht so ist wie es sein sollte. Oder der Sex war nie so aufregend wie andere immer gesagt haben. Und plötzlich stolpert man über ein Bild, ein Filmchen im Netz oder ein Buch und es knallt. Plötzlich ist klar: das ist es was immer gefehlt hat.

Wer Glück hat ist in dem Moment dieser Entdeckung Single oder in einer Beziehung in der der Partner für das Thema offen ist. Im Idealfall teilt der Partner die Neigung oder das Interesse am BDSM. Was aber, wenn es anders kommt? Was, wenn man verheiratet ist und der Partner mit BDSM nichts am Hut hat? Wenn der Partner gar schon geäußert hat wie „krank“ und „abartig“ er solche Praktiken findet?

Spätestens dann steckt man in einer unangenehmen Situation. Eine Situation die schon mehr Menschen erlebt haben als man denken meint.

Auf Twitter habe ich eine kleine Umfrage gemacht laut der 65% der Teilnehmer schon in einer Beziehung gesteckt haben, in der der Partner nichts von ihren Neigungen wusste.

Was also tun, wenn man in einer Beziehung steckt und BDSM für sich entdeckt?

Wichtig ist natürlich erst einmal, wie intensiv ist der Wunsch? Ist es etwas auf dass man verzichten kann? Dann haben wir vermutlich kein so großes Problem. Das Thema ignorieren und wenn das klappt, na gut.

Ist das Thema aber sehr intensiv präsent, brennt auf den Nägeln und Verzicht kommt nicht in Frage, was dann?

Natürlich ist Möglichkeit eins, mit dem Partner zu reden. Wenn man sich sicher ist, dass die Neigung da ist und nicht mehr weg geht. Wenn man sich sicher, dass es genau das Richtige ist, was womöglich bisher immer gefehlt hat, dann darüber reden. Aber Vorsicht, denn schon hier liegt Sprengkraft.

Findet der Partner diese Form der Sexualität nicht gut, dann kann es zu Konflikten führen. Nicht wenigen Leuten passiert es leider, dass sie auf völliges Unverständnis und Ablehnung stoßen. Und genauso enttäuscht wie man selber dann ist, so enttäuscht ist auch der Partner und das kann zum Bruch führen.

Aber wer seinen Partner gut kennt, der sollte das einschätzen können. Vielleicht hilft ja ein Testballon. Beispielsweise BDSM mal in ein Gespräch einfließen lassen, vorschlagen einen Film wie „Fifty Shades of Grey“ gemeinsam zu schauen etc. Aus der Reaktion kann man ja schon ersehen, wie die Stimmungslage zum Thema ist.

Sollte der Partner ablehnend reagieren und sich dem Thema BDSM gegenüber verschließen, dann bleibt immer noch die Möglichkeit sich außerhalb der Beziehung das zu suchen, was fehlt. Dabei gibt es viele Varianten von Beziehungen in denen der Partner einverstanden ist, dass man sich das, was man in der Beziehung nicht bekommt, anderweitig sucht.

Solche Arrangements können gerade in langen Beziehungen neue Würze bringen, da der Part, der BDSM entdeckt hat, sich nun ausleben kann. In 99% der Fälle macht das diesen Part zufriedener und somit hilft es der Beziehung. Es kann aber natürlich auch das Ende der Beziehung beschleunigen, wenn dieser Part dann beispielsweise nur noch BDSM leben möchte.

Ob ein solches Arrangement einer Beziehung hilft oder sie eher beendet hängt völlig von den Persönlichkeiten und der einzelnen Beziehung ab. Prognosen sind da schwer zu treffen. Ich persönlich halte das Unterdrücken der Neigung auf Dauer für ebenso schädlich wie das Ausleben es sein kann. Denn wer unterdrückt ist nicht glücklich und wird dieses Unglück, sei es unbewusst, dem Partner irgendwann zum Vorwurf machen.

Natürlich gibt es auch noch die Variante es heimlich auszuleben. Auch das geht. Auch das kann helfen oder das Ende der Beziehung beschleunigen.

Es gibt hier kein Richtig und kein Falsch. Ich selber bin gegen die Variante es zu unterdrücken. Die eigene Sexualität zu unterdrücken kann nie gut und gesund sein. So sehe ich es.

Aber wie man das Dilemma löst ist ganz individuell. Was für den einen funktioniert, ist für den anderen undenkbar.

Es gibt alle denkbaren Lebenssituationen. Beispielsweise kann man in einer Beziehung finanziell abhängig sein und es mit einem Partner zu tun haben, der BDSM für eine Krankheit hält, die ein Psychiater behandeln sollte. Oder aber die Liebe und Bindung zueinander sind sehr groß, aber sexuell funktioniert es nicht mehr.

Jeder muss da seinen Weg finden. Sicher ist aber, sexuell eigentlich mit dem Partner nicht kompatibel zu sein ist eine Bürde, die schwer auf einer Beziehung lastet. Lebt man sich dann nicht aus, wird die Last kaum weniger. Lebt man sich aber aus, dann kann auch das zum Bruch führen. Eine Zwickmühle für die niemand etwas kann.

Ein erster Schritt zur Lösung kann sein, darüber zu sprechen und sich Rat zu holen. Und sei es anonym im Internet. Denn reden hilft eigentlich immer.

Wie erkennt man einen guten Dom?

Nachdem man sich eingestanden hat auf BDSM zu stehen und einigermaßen heraus gefunden hat was einem gefällt, kommt der einfache Part: ein Gegenüber zu finden, das passt und bei dem man als Sub gut aufgehoben ist.

Das sollte aber eigentlich einfach sein. Denn so gut wie jeder Dom sagt von sich, er sei ein guter Dom. Ich sage das von mir auch. Wo ist also das Problem? Fall geklärt.

Ok, ihr könnt wieder aufhören zu lachen. Denn einfach ist das tatsächlich leider gar nicht. Daher will ich mich heute damit beschäftigen, wie man einen guten Dom erkennt.

Zuerst sollten wir darüber reden was ich mit einem „guten Dom“ meine. Ich meine niemanden der eine bestimmte Anzahl von Praktiken beherrscht und Empfehlungsschreiben hat. Vielmehr geht es um den, der zur Neigung der Sub passt. Und um den Dom der auch menschlich zu euch passt. Andere Dinge wie Erfahrungsstand oder reichlich ausgestatteter Werkzeugkoffer sind nebensächlich.

Außerdem sollten wir noch einen Punkt klären. Ich weiß wie verlockend es ist, sich sofort in ein Treffen zu stürzen. Man hat eine neue Leidenschaft entdeckt und will sie ausleben. Vor allem, wenn man das Gefühl hat bisher viel verpasst zu haben.

Jeder soll das machen wie er oder sie mag. Warum nicht direkt am selben Tag oder am nächsten Wochenende treffen und loslegen? Das kann man machen und man kann mit Glück haben. Aber wenn man bei der Auswahl des Doms ein paar Tipps befolgt, dann minimiert man das Risiko und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass es toll wird.

Auf einige sonstige Vorsichtsmaßnahmen gehe ich ein andermal ein. Ein nicht zu unterschätzender Test bei einem Treffen ist aber das Covern. Darunter versteht man, dass man sich von denjenigem mit dem man sich trifft die Daten geben lässt und die bei einem Freund oder einer Freundin hinterlässt. Man kann auch ausmachen, sich noch einmal während des Treffens zu melden.

Ein guter Dom wird das auf jeden Fall akzeptieren und als Vorsichtsmaßnahme mitmachen. Wer sich da weigert, der ist mit Vorsicht zu genießen. Übrigens darf man sich auch als Dom covern lassen.

Und damit sind wir schon an einem ersten Punkt angelangt. Ein guter Dom wird nicht auf ein sofortiges und übereiltes Treffen drängen. Zwei Nachrichten gewechselt und los geht es? Das wäre für mich ein Alarmzeichen. Es sei denn, beide Seiten wissen schon sehr gut was sie wollen und bekommen.

Ein guter Dom stellt Fragen. Und zwar nicht „Bist Du rasiert?“, „Welche BH-Größe hast Du?“ und „Machst Du Anal?“. Sondern die richtigen Fragen. Nach euren Vorstellungen, euren Erfahrungen, euren Wünschen und Ängsten. Außerdem hört er zu und stellt auf Grundlage eurer Antworten neue Fragen. So lernt er eure Fantasien und Bedürfnisse kennen.

Auch die Frage nach Tabus ist extrem wichtig. Also nach Dingen, die man unter keinen Umständen möchte und die auf keinen Fall passieren sollen. Tabus sind gerade für Anfänger oft schwer zu definieren. Aber danach zu fragen sollte Standard sein.

Ebenso Standard sollte es sein, die Benutzung eines Safewords anzubieten. Also eines Wortes, dass Sub auch in der wildesten Action sagen kann um damit sofort alles abzubrechen.

Ein guter Dom beantwortet euch auch eure Fragen. Er gewährt euch Einblicke in seine Vorstellungen und das was er gerne mag und worauf er ungerne verzichten würde.

Ein guter Dom kann sich einfühlen und vermittelt euch damit ein Gefühl von Sicherheit.

Dennoch ist ein guter Dom ganz sicher kein Wunscherfüller. Er hat seine eigenen Vorstellungen und ist bereit und in der Lage diese auch durchzusetzen. Aber ohne dabei euch als Menschen und das was ihr vereinbart habt aus den Augen zu verlieren.

Ein guter Dom ist also auf meiner Sicht vor allem kommunikativ. Sicher kann man vieles auch intuitiv richtig machen und dabei lange Glück haben. Aber wenn man miteinander redet, dann minimiert man eben das Risiko doch mal daneben zu legen.

Übrigens darf ein Dom auch lachen. Doch. Wirklich. Muss er nicht, ist aber dann kein Minuspunkt.

Es ist auch wichtig, dass ein Dom etwas Fantasie zeigt. Vielleicht ist das am Anfang noch egal. Aber spätestens bei der zweiten oder dritten Wiederholung wird euch auffallen, dass Abwechslung nicht zu unterschätzen ist.

Wenn ihr euch dann trefft entscheidet sich natürlich alles. Ob es dann der für euch passende Dom ist entscheidet sowieso der Bauch. Oder manchmal auch andere Körperregionen. Das müsst ihr dann selber wissen. Ein Blick oder eine Geste kann da schon eine Menge aussagen und bewirken.

Wenn es dann wirklich zur Sache kommt, werden aus meiner Sicht noch andere Dinge entscheidend wichtig.

Ein guter Dom schlägt oder bestraft nicht aus Wut. Wer jähzornig ist und so die Kontrolle verliert, der kann euch wirklich körperlich gefährlich werden. Also achtet darauf. Überhaupt sollte ein guter Dom nicht die Kontrolle verlieren. Um euch auf Dauer aufgehoben fühlen zu können braucht ihr das Gefühl, dass Dom weiß was er tut. Und auch wann er etwas nicht tut. Ein Dom der sich aus Lust, Wut oder anderen Gefühlen zu Dingen hinreißen lässt, die nicht vereinbart waren oder allgemein unvernünftig sind, der bringt euch immer wieder in Gefahr. Finger weg.

Ein guter Dom achtet auch auf Hygiene. So wird er speziell Spielzeuge die eingeführt werden immer mit Kondom nutzen und benutzte Spielzeuge reinigen und sofern möglich desinfizieren.

Achtet auf euer Bauchgefühl bei der Auswahl eines Doms. Nehmt nicht zwingend den, der am meisten verspricht, am nächsten dran wohnt oder einfach am geilsten aussieht. Andere Kriterien können für euren Lustgewinn wesentlich wichtiger sein. BDSM ist geil und macht Spaß, es kann dabei aber auch viel schief gehen. Davor sollte man keine Angst haben, aber Respekt. Daher minimiert das Risiko und wählt weise.

Nichts von alledem muss man befolgen. Jeder darf und kann auch mit dem Feuer spielen und sagen „Ich liebe die Gefahr“. Wer aber gerade für die ersten Schritte im BDSM eine Auswahl treffen will, der ist mit diesen Tipps sicher besser bedient, als mit einem spontanen Hoteldate mit einem Fremden.

Also Augen auf bei der Dom-Wahl.

Goethe und das Dilemma Sub oder Sklavin

„Name ist Schall und Rauch“ wusste schon Goethe und schrieb es im „Faust I„. Da ist, wie so oft, eine Menge dran.

Aber keine Sorge. Wir sind hier nicht bei den Germanisten, sondern bei den Perversen. Wobei es da sicher eine große Schnittmenge gibt. Daher soll es hier also nicht um Goethe gehen, sondern um die Frage: Wie nennt sich diese Rolle des „dienenden Parts“ in einer BDSM-Konstellation?

Es gibt da viele Begriffe: Sub, Sklavin, Bottom, O, Zofe und vielleicht noch ein paar mehr die ich nicht kenne.

Zuerst einmal die gängigen Definitionen und schon die sind schwammig. Wie bei so vielem im BDSM gibt es kein goldenes Buch, in dem die allgemein gültigen Regeln stehen.

Als Sub wird allgemein eine devote Person beschrieben. Also eine Person, die Lust und Freude daran hat, sich einem dominanten Part zu unterwerfen. Die es genießt seinen Anweisungen und Regeln zu folgen.

Eine Sklavin ist einer Sub einigermaßen ähnlich in ihrer Neigung. Der wichtige Unterschied der meistens zwischen beiden gemacht wird ist, dass eine Sklavin als rechtlos gesehen wird. Wo die Sub also Möglichkeiten hat ein Veto einzulegen, Tabus zu definieren etc. hat die Sklavin diese Rechte nicht.

Manche sehen in einer Sklavin eine Weiterentwicklung einer Sub. Andere empfinden die beiden als ganz unterschiedliche Rollen.

Als Bottom bezeichnet man eine Person die in der BDSM-Beziehung den passiven Part einnimmt, dabei aber meist nicht devot ist, sondern dem in dem Fall Top genannten Partner auf Augenhöhe begegnet. Diese Rollenverteilung findet man am ehesten in Konstellationen wo es rein um SM, also Sadomasochismus geht.

Eine O wieder ist auch im allgemeinen eine Sub, die ihre Rolle aus dem berühmten Buch „Die Geschichte der O“ ableitet und häufig den dort formulierten Regeln folgt und den dort beschrieben Kleidungsstil pflegt.

Auch eine Zofe ist eher eine Spielart der oben beschrieben Rollen. Die Zofe ist oft in Kleidung von Haus- oder Zimmermädchen gekleidet. Oft ist eine Zofe nicht sexuell verfügbar oder nicht nur. Sondern dient, wie der Name andeutet, als Hilfe im Haushalt.

Ist die Verwendung dieser Begriffe nun verpflichtend und wird man aus BDSM-Kreisen raus geworfen, wenn man sie falsch benutzt? Nein. Und wenn doch, dann sind es die falschen Kreise.

Diese Begriffe dienen allerdings dazu zu kategorisieren. Und das kann hilfreich sein, wenn man ein Gegenüber sucht um sich auszuleben. Wer sich also als Sub bezeichnet wird beim Gegenüber eher die Erwartung wecken, es mit einer devoten Person zu tun zu haben. Das hilft beiden zu ahnen, was einen erwartet oder was man sucht.

Muss man sich in eine Kategorie einsortieren und dann da immer bleiben? Nein, natürlich nicht. Wer Lust hat darf auch heute eine Sub sein und morgen eine Zofe oder eine Domina. So lange das Gegenüber mitzieht ist einfach alles erlaubt. Und wenn man sich parallel mit mehreren auslebt ist ein Rollenwechsel oft noch einfacher.

Und sind diese Rollen oder Kategorien nun so in Stein gemeißelt? Auch das nicht. Daher ist die Kommunikation ganz wichtig. Wer etwas wie versteht und definiert, dass ist ganz individuell. Daher muss man darüber reden und erfragen, was genau der andere darunter versteht. Klären was Ok ist und was Tabus sind usw. Das Übliche also.

Ich persönlich habe früher gerne den Begriff Sklavin verwendet. Dabei habe ich in meinem Verständnis nie eine völlig rechtlose Frau gemeint. Das ging mit damals und ginge mir heute auch zu weit. Per Definition von weiter oben habe ich immer eine Sub gemeint. Aber der Begriff Sklavin hatte für mich etwas archaisches. Etwas von römischen Orgien und nackten Sklavinnen in Ketten. Die Vorstellung gefiel mir.

Irgendwann störte mich dann der Beigeschmack der Rechtlosigkeit selber und ich war die Erklärungen Leid, dass ich es anders meinte. So bin ich zum Begriff Sub zurück gekommen. Man könnte sagen, ich habe mich dem Mainstream gebeugt. 😉

Zum Thema Sub noch ein Gedanke der nur halb hier hin gehört, der aber mal gesagt werden muss. Es gibt weniges im BDSM, dass abturnender ist als wenn der Begriff „Subbie“ oder „Subbilein“ verwendet wird. Für mich das Äquivalent dazu, wenn sich Paare als „Mutti“ und „Vati“ ansprechen. Aber das nur am Rande.

Meine Gedanken zum Thema Sub, Sklavin oder andere Kategorien ist: Kategorien sind wichtig. Sie helfen bei der Kommunikation, denn so hat jeder eine Ungefähre Vorstellung was der andere meint. Wenn wir von einem Stuhl, einem Hocker oder einem Sessel reden, dann weiß auch jeder in etwa was gemeint ist. Das erleichtert die Kommunikation.

Ähnlich ist es bei diesen Begriffen. Dennoch sind die Übergänge fließend. Sowohl bei Hockern und Stühlen, als auch bei Subs und Sklaven. Während ich Diskussionen mit einem Küchenstuhl für sinnlos halte, empfehle ich sie im BDSM uneingeschränkt. Jeder definiert sich etwas anders. Und eine gewählte Kategorie  wie Sub oder Sklavin kann nur einen Fingerzeig geben. Sie kann nicht eine so facettenreiche Neigung wie BDSM in Gänze definieren.

Denn am Ende kommt es eben darauf an, wie man die Neigung mit Leben füllt und nicht welche Überschrift darüber steht. Und ich wette das wusste auch schon Goethe, der ja auch kein Kostverächter war.

Was ein Dom nicht darf

Ein Dom darf alles, oder? Na klar. Schließlich hat er das Sagen und wer soll ihm was vorschreiben? Sub etwa? Die hat ja nichts zu melden. Oder? Oder? Ok, jetzt haben wir ausgiebig gelacht.

Dass es Grenzen gibt und dass Sub auch Grenzen und Tabus setzen kann und soll, das habe ich schon in anderen Artikeln behandelt.

Aber es gibt da draußen auch Dinge, die „macht man als Dom nicht“. So sagen es zumindest manche. Da bekommt Dom das Gegenstück zum Satz „Du bist gar keine richtige Sub“ zu hören, nämlich: „Du bist gar kein richtiger Dom„.

Was könnte also so schlimm sein, dass dieses Urteil angebracht wäre? Tabus verletzen? Gewalt anwenden? Ein Safeword ignorieren?

Es scheint da draußen Dinge zu geben, die sind noch viel schlimmer. Und die darf ein Dom absolut nie machen, sonst verliert er alle seine Dominanz. Er verliert den Respekt seiner Geschlechtsgenossen und in manchen Fällen auch den der Partnerin oder Subs im allgemeinen.

Aber was könnte so schlimm sein?

Unglaublich aber wahr, es gibt die Auffassung, dass ein Dom eine Sub nicht küssen oder gar lecken darf. Nie. Das tut man nicht. Damit verliert man seinen dominanten Status. Ich habe auch schon mit Frauen gesprochen, die zumindest den Part mit dem Lecken so gesehen haben. Ein Dom leckt (und bedient damit quasi) eine Sub nicht.

Ein noch größeres Tabu ist die anale Penetration. Niemals lässt sich ein Dom von einer Sub anal penetrieren. Weder mit einem Finger oder gar noch mehr. Niemals. No-Go. Oder?

Sicher gibt es Konstellationen, wo manches schwierig ist oder „nicht geht“. Mal gesundheitliche Gründe und persönliche Vorlieben ausgenommen. Es gibt Formen von BDSM in denen zum Beispiel ein sehr, sehr steiles Machtgefälle herrscht. Da kann es für diese spezielle Spielart unpassend sein, wenn der Dom die Sub leckt. Ich hatte schon solche Konstellationen, wo die Sub so weit „unten“ war, dass es nicht in Frage kam. Obwohl ich es sonst mag. Aber dann ist das so, weil beide es so wollen und die gemeinsam gewollte Konstellation es so ergibt.

Aber sonst? Was spricht dagegen?

Und anal? Lustig ist ja, dass sich anal lecken zu lassen als Erniedrigung durchaus akzeptabel zu sein scheint. Das ist ja nichts was „Spaß macht“. Also kann man es als Dom tolerieren. Aber sobald es an die Penetration geht, da hört der Spaß auf. Das ist offenbar „unmännlich“ und für einen Dom sowieso undenkbar.

Aber warum sollte das so sein? Warum sollte man sich etwas verkneifen worauf man Lust hat und der Mensch mit dem man es tut hat auch Lust dazu? Wer soll euch daran hindern? Wer sollte ein Recht haben euch zu verurteilen? Und wenn es euch wirklich peinlich ist, dann erzählt es eben nicht weiter.

Ich selber bin ja bekanntlich ein Verfechter von „Macht einfach, was allen Beteiligten Spaß macht!„. Wieso sich einschränken?

Sicher liegt aber auch hier der Kern in der Kommunikation. Und vielleicht auch in der Erfahrung die man hat.

Wie immer sollte man mit einem potentiellen Partner oder einer potentiellen Partnerin ausgiebig kommunizieren was man mag und möchte. Wenn dabei deutlich wird, dass beide Seiten etwas wollen und sich gut damit fühlen: perfekt. Wenn deutlich wird, dass einem der beiden etwas nicht so recht ist, dann lässt man es besser.

Und wenn für einen der beiden eine Praktik an der Dom/Sub-Konstellation kratzt, dann lässt man sie vielleicht besser weg.

Wenn sich Sub zum Beispiel unwohl damit fühlt wenn ihr Dom sie leckt und sie dann auf irgendeiner Ebene weniger Respekt hat als sie haben möchte, dann lässt man es vielleicht einfach weg. Diese Vorlieben und Empfindungen sind ganz individuell. Und nur so sollten sie entschieden werden: ganz individuell. Und nicht, weil irgendjemand etwas sagt, vorgibt oder behauptet.

Es kommt aber auch mit der Erfahrung, dass man Dinge besser ausspreche kann die man mag. Und es kommt mit der Erfahrung mehr Sicherheit in seiner eigenen Rolle zu haben. Und dann werden Dinge möglich, die ohne diese Selbstsicherheit noch nicht möglich waren. So ist es mir zumindest ergangen.

Meiner Meinung nach sollte niemand anderen Vorschreiben was sie beim Sex machen. Die Kirche nicht, die Politik nicht und auch nicht die Mitmenschen. Was allen Beteiligten Spaß macht ist auch erlaubt. Leider sind da manchmal die Mitmenschen aus der „Community“ auch nicht toleranter als so mancher Bischof.

Macht euch also locker. Dann klappt es anal besser und man wird auch entspannter mit dem, was Mitmenschen so machen. Es steht uns anderen nämlich kein Urteil darüber zu was andere gerne beim Sex machen. Klingt komisch, ist aber so.

Der Rahmen in dem man BDSM lebt

Die Antwort auf die Frage wer im BDSM das Sagen hat scheint offensichtlich: Dom sagt wo es lang geht und Sub gehorcht.

Real ist das etwas anders, denn wenn Sub nicht gehorchen will, dann kann sich Dom auf den Kopf stellen. Dann passiert gar nichts. Was soll Dom auch tun? Zwingen kann er Sub nicht. Zumindest nicht, ohne den Boden der Freiwilligkeit zu verlassen.

Hat also Sub am Ende das Sagen? Und wenn ja, ist das dann im Sinne des Erfinders? Eher nicht. Denn sowohl Dom als auch Sub wollen ja, dass eben Dom sagt wo es lang geht. Das ist ja gerade der Konsens der ganzen Beziehung.

Ganz entkommt man dieser Falle nicht. Denn wenn Sub sagt es ist Schluss, dann ist Schluss. Wenn Sub nicht mehr tun will was Dom sagt, dann muss Dom das akzeptieren. Das bedeutet dann auch meist das Ende der BDSM-Beziehung.

Aber, man kann diese Grenze nicht bei jeder Kleinigkeit ziehen. Man kann nicht bei jeder Anweisung und jedem Themenfeld erst klären „Ist das ok für dich? Machst Du das bitte?“. Das funktioniert nicht.

Es muss Bereiche geben, in denen Dom das absolute Weisungsrecht hat. Bereiche, in denen Sub nur in Ausnahmefällen sagen kann „Stopp“ und damit eine Grenze zieht.

Aus meiner Sicht vereinbart man als BDSM-Paar einen Rahmen. Innerhalb dieses Rahmens bestimmt Dom. Verlässt man diesen Rahmen, dann verliert Dom die Macht, die er über Sub hat.

Was in diesen Rahmen gehört, das ist ganz individuell. Gehört die Freizeitgestaltung dazu? Berufsleben? Freundschaftliche Beziehungen? Oder beschränkt es sich alles auf den Sex? Das definieren die Betroffenen und machen es unter sich aus.

Hat man vereinbart, dass die Freizeitgestaltung in den Rahmen gehört, dann kann Dom eben jederzeit bestimmen was Sub in der Freizeit unternehmen darf und was nicht. Wurde vereinbart, dass die Freizeitgestaltung nicht dazu gehört, dann hält er sich raus. Das bedeutet nicht, dass Sub keine Rücksprache hält und tut was sie will. Aber Dom hat keine Weisungsbefugnis.

Das lässt sich natürlich auch kleinteiliger definieren. Beispielsweise kann Dom über alles bestimmen was die Freizeit betrifft, nur nicht über den Sportverein zweimal die Woche. Der ist tabu und wird nicht angetastet.

Hat Dom aber die Weisungsbefugnis, dann ist sie absolut. Er kann bestimmen was er will und Sub fügt sich. Wobei aber immer Augenmaß und Vernunft im Blick behalten werden müssen.

Der genannte Rahmen ist jederzeit erweiterbar. Im Laufe der Beziehung können die Beteiligten zu jeder Zeit sagen „Also bisher haben wir das ja ausgeschlossen. Aber inzwischen kann ich mir vorstellen, dass wir das anders definieren.“. Sobald für Sub beispielsweise klar ist, dass Dom umsichtig entscheidet, kann die Beziehung zu Freunden dann doch in den Rahmen verlegt werden.

Genauso flexibel sollte man aber auch umgekehrt sein. Wenn man sieht, dass etwas nicht funktioniert, dann sollte man bereit und in der Lage sein, es aus dem Rahmen zu nehmen. Wenn zum Beispiels klar wird, dass Sub sich unwohl fühlt mit dem Fakt, dass ihre Freizeitgestaltung komplett von Dom bestimmt werden kann, sollten beide darüber reden den Rahmen zu verändern. Oder eben wie oben erwähnte Einzelteile wie den Sportverein beispielsweise herauslösen.

Aus meiner Sicht gibt es allen Beteiligten Sicherheit, wenn klar definiert ist in welchen Bereichen Dom bestimmt und wo Sub selber entscheidet. Je klarer das definiert ist, desto weniger muss man es ständig diskutieren. Und je weniger diskutiert wird, desto besser kann man den Konsens des Machtgefälles ausleben.

Von beiden Seiten, Dom wie Sub, ist es gewollt, dass Dom bestimmt und führt und dass Sub folgt und gehorcht. Der hier gedachte Rahmen ist dabei nur ein Hilfsmittel der beiden helfen soll, sich zu verdeutlichen wo die Grenzen verlaufen. Natürlich kann dieser Rahmen theoretisch auch einfach alles umfassen. Wenn beide das wollen, warum nicht? Das wäre dann ein sehr großer Rahmen und ginge in Richtung 24/7.

Er kann auch einfach klein sein und nur den Sex umfassen. Vor allem sollte er aber flexibel sein. Und keinem sollte ein Zacken aus der Krone fallen, wenn der Rahmen sich verändert.

Mein Aufruf ist da: seid mutig und seid flexibel. Passt den Rahmen so an, dass er für eure individuelle Beziehung passt. Und wenn er nicht passt, dann verändert ihn. So, wie er für euch richtig ist.

Selbsterforschung und Vokabeln lernen

Stellt euch vor, ihr seid von Geburt an taub und sollt sagen welches eure Lieblingsmusik ist. Oder von Geburt blind und sollt eure Lieblingsfarbe nennen. Schwierig.  Woher soll man wissen was „grün“ oder „blau“ ist, wenn man es nie gesehen hat? Ähnlich geht es Menschen, die am Anfang von BDSM stehen und erst einmal erfassen und herausfinden müssen, worauf sie stehen.

Denn das ist es, was am Anfang stehen sollte, nachdem man sich den Wunsch und die Neigung eingestanden hat. Nicht die Suche nach einem passenden Partner. Sondern die Recherche nach und Erforschung dessen, was man will. Herauszufinden was einen anmacht.

Das erste Problem dabei ist oft, dass einem buchstäblich die Worte fehlen. Man kennt die passenden Vokabeln gar nicht.

„Wie heißt das, wenn einer das oder das macht?“. Keine Ahnung? Das ist das Problem. Es ist wie wenn man eine neue Sprache lernt. Man braucht erst einmal die Vokabeln. Und Vokabeln lernen ist nicht immer das spannendste. Man würde lieber direkt loslegen. Aber es ist eben besser mit den Grundlagen anzufangen.

Denn wie will man denn einem potentiellen Partner erklären was man will und manchmal wichtiger, was man nicht will, wenn man nicht weiß wie es heißt? Je mehr man am Anfang schon weiß, desto leichter die Kommunikation über das, was man sich wünscht.

Und bei BDSM ist es eben haargenau so wie beim sonstigen Sex: je besser ihr wisst was ihr mögt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es gut wird.

Einen ganz guten Überblick über Begriffe und was sie bedeuten bietet hier tatsächlich die Community der Sklavenzentrale mit ihrem Lexikon. Da findet man viele Erklärungen und kann auch einfach mal so schmökern.

Dabei kommt es nicht darauf an einen ellenlangen Wunschzettel zu erstellen. Vieles muss und kann sich ergeben. Aber sich einfach nur treiben lassen ist auch keine Lösung. Ich als Dom habe dann doch gerne eine Ahnung in welche Richtung es gehen soll. Was dann tatsächlich passiert ist ein anderes Thema. Aber ungefähr über das Bescheid zu wissen was gewollt und was nicht gewollt ist, kann nur helfen. Beiden Seiten.

Vor dem Finden eines passenden Partners sollte also immer die Beschäftigung damit stehen, was man überhaupt will. Und dabei gilt es, sich keine Denkverbote auferlegen zu lassen. Denn es darf einem gefallen, was einem gefällt. Egal ob andere denken dass das zusammen passt oder nicht. Dazu empfehle ich meinen Artikel über BDSM als Setzkasten.

Weiterhin ist es aber auch wichtig, sich immer wieder bewusst zu machen, dass manche Dinge in der Fantasie einfach geiler klingen, als sie real sind. Auch das darf kein Problem sein. Steht vor euch selber zu euren Fantasien, macht euch aber darauf gefasst, dass sie auch enttäuschend oder abtörnend sein können wenn ihr sie umsetzt. Das ist ok. Da ist aus meiner Sicht „trial an error“ angesagt. Also Versuch und Fehlschlag.

Also lest Geschichten. Schaut Pornos. Lest Erfahrungsberichte und Fantasien. Redet mit Leuten, die eure Neigungen teilen. Das was auch dabei anmacht merkt ihr euch.

Findet heraus, was ich euch kickt.
Findet heraus, was euch im Kopf bleibt.
Findet heraus, was eure Fantasie und eure Lust auf Touren bringt.

Und dann findet jemanden, mit dem ihr das ausprobieren wollt. Erst dann.

Und übrigens, wenn dieser Mensch nicht nach dem fragt was ihr mögt, was auch kickt und was eure Fantasie auf Touren bringt, dann ist es der Falsche.