Aufgaben im BDSM

Es gibt vermutlich niemanden der oder die sich mit BDSM beschäftigt und in dem Zusammenhang noch nie von Aufgaben gehört hat. Wie Strafen, Regeln, Schläge oder Lederoutfits gehören auch Aufgaben zu den Klassikern und fast Klischees von BDSM. Was aber macht sie so beliebt und wie setzt man sie am besten ein?

Natürlich habe ich keine empirischen Daten und kann daher nur für mich sprechen. Aber Aufgaben haben aus meiner Sicht mehrere Effekte und, naja, Aufgaben in einer BDSM-Beziehung.

Der offensichtlichste Effekt ist sicher, dass sie einfach Spaß machen und den Reiz oder den Kick erhöhen. In einer D/s-Beziehung macht es beide Partnern eben ggf. an, dass der dominante Part dem devoten Part Aufgaben gibt, die dieser brav zu erledigen hat.

Sie halten aber auch die Spannung oben und das Bewusstsein wach, welches Gefälle in der Beziehung herrscht. Auch wenn man nicht zusammen ist, wird man erinnert und spürt, dass es da dieses Machtgefälle gibt und diesen Menschen, der darüber bestimmt, was Sub zu tun hat.

Weiterhin stärken sie die Bindung, denn man denkt automatisch aneinander, wenn man weiß, der eine Part hat die Aufgabe gegeben, der andere Part erfüllt diese gerade. Man ist beieinander und in Gedanken verbunden. Das sorgt für gemeinsame Erfahrungen und stärkt das Gefühl der Zusammengehörigkeit.

Natürlich können Aufgaben auch helfen Zeiten von Trennungen zu überbrücken. So kann man diese Phasen sogar nutzen und obwohl man räumlich getrennt ist, wie erwähnt, die Bindung stärken.

Aufgaben sind also neben dem Kick den sie bringen auch nützlich und helfen der BDSM oder D/s-Beziehung. Aber natürlich nur, wenn beide das wollen. Es muss hoffentlich nicht extra erwähnt werden, dass Aufgaben kein Muss sind. Wer einfach keine Lust auf diese Spielart hat, der lässt es einfach. Niemand macht im BDSM etwas falsch, wenn es in der Beziehung eben keine Aufgaben gibt. Macht das unter euch aus. Wenn beide es wollen: GO! Wenn es beide nicht wollen, dann nicht. Wenn es nur ein Part will: dann viel Spaß beim finden eines Kompromisses.

Natürlich gibt es aber auch einiges zu beachten. Auch mit Aufgaben kann man Fehler machen, die dann schnell zur Belastung werden. Beispielsweise ist es wichtig die richtige Balance zu halten. Es mag reizvoll sein möglichst viele Aufgaben zu geben. Aber Sub hat ja mutmaßlich auch noch ein Berufs- und/oder Familienleben. Also achtet schlicht immer darauf, dass die D/s-Aufgaben nicht zu viel Zeit fressen.

Natürlich sollten Aufgaben auch lösbar sein. Wenn Sub Zeit in Aufgaben steckt, nur um dann am Ende immer wieder zu scheitern, dann ist das frustrierend und bewirkt womöglich das Gegenteil des gewünschten Effekts.

Und, ganz wichtig, Aufgaben müssen nachkontrolliert werden. Nichts ist frustrierender, als viel Mühe in etwas gesteckt zu haben, dass Dom am Ende nicht interessiert oder nur ein Schulterzucken entlockt. Auf der anderen Seite müssen Aufgaben aber natürlich auch gewissenhaft erledigt werden. Denn ebenso frustrierend ist es anders herum, wenn Dom sich lange etwas überlegt und Sub es dann schlampig oder gar nicht erledigt. Das dürfte allerdings aufgrund der Art der Konstellation ein eher selteneres Problem sein.

Kommen wir an dieser Stelle zu dem, worauf ihr sicher gewartet habt: zu ein paar Beispielen.

Ich will hier nicht so tun, als seien diese jetzt viel kreativer als alle anderen. Im Gegenteil, für Vorschläge und Idee bin ich offen. Aber die ganz offensichtlichen Dinge wie „muss die Küche sauber machen“, „muss ohne Unterwäsche raus“ oder „muss ihm einen blasen“ lasse ich mal weg. Auch die beliebten Fotoaufgaben finde ich als Beispiel zu naheliegend.

Manche Aufgaben können ganz praktisch sein, gerade wenn man nicht zusammen wohnt kann ein regelmäßiger Wochenplan zum Beispiel eine schöne und sinnvolle Aufgabe sein. Regelmäßig vorgelegt und dann auch möglichst einzuhalten kann er beiden mehr Bezug geben und mehr Planbarkeit, auch für Eingriffe von der dominanten Seite.

Eine fiese Aufgabe die in der Öffentlichkeit spielt kann sein, dass Sub in den Supermarkt geht und sich dort genau zwei Dinge besorgt: eine große Salatgurke oder eine große Aubergine und Gleitgel. Diese dann an der Kasse bezahlen und sehen wie die Blicke sich anfühlen.

Ebenso schön sind gezielte Kleidungsaufgaben. Also an bestimmten Tagen oder zu bestimmten Gelegenheiten bestimmte, vorgeschriebene Kleidung zu tragen. Welche Kleidung das zu welchem erwünschten Zweck ist, bleibt der Fantasie überlassen.

Auch reizvoll kann bei entsprechender Vorliebe sein, wenn Sub im Internet die erregendsten BDSM-Geschichten oder auch Porno-Videos heraussuchen und Dom präsentieren muss. Das kann danach schön das gemeinsame Kopfkino anregen, Idee geben um Dinge auszuleben oder auch schlicht dazu führen, dass man sich etwas mehr mit Fantasien beschäftigt.

Wie so oft ist das Thema umfangreich und der Fantasie sind wenig Grenzen gesetzt. Aufgaben können genauso auf Stärken wie auch auf Schwächen abzielen. Beides kann reizvoll sein, je nach Vorliebe. Was euch gefällt und wie ihr es gemeinsam einsetzt, ist ganz euch überlassen. Aber seid ruhig kreativ und verlasst die ausgetretenen Pfade. Das macht es meist noch spannender.

Abschließend bin ich natürlich neugierig: was kennt ihr für spannende Aufgaben?

Haltung statt vieler Regeln

Einer der häufigsten Fehler den Anfänger im BDSM, speziell im D/s machen ist, von Anfang an mit sehr vielen Regeln einzusteigen. Natürlich ist das sehr verlockend. Man hat endlich das passende Gegenstück gefunden und möchte nun alles umsetzen. Am besten alles auf einmal. Vor dieser Falle sind dabei beide Seiten nicht gefeit. Egal ob Sub oder Dom, man möchte am liebsten alles und das sofort.

Aber Regeln sind ein zweischneidiges Schwert. Sie aufzustellen geht schnell. Sie einzuhalten oder von der dominanten Seite aus durchzusetzen bzw. zu kontrollieren, ist wesentlich schwieriger und vor allem zeitaufwändiger. Und diese Kontrolle oder Nachverfolgung ist zentral.

„Du darfst draußen nur diese Art Kleidung tragen und in der Wohnung nur diese“
„Du musst bevor Du jenes tust immer vorher um Erlaubnis frage.“
„Du darfst online nie dieses tun.“
Das kann man alles so regulieren und noch ein Dutzend weiterer detaillierter Regeln aufstellen, wenn beide das mögen. Aber es schränkt ganz extrem ein und ist kleinteilig.

Außerdem muss Dom die Regeln wie gesagt nachverfolgen und kontrollieren. Denn buchstäblich nichts ist für Sub frustrierender als festzustellen, dass sie oder er sich seit Wochen an eine aufgestellte Regel hält, die Dom schon lange vergessen hat. Aber auch für Dom ist es frustrierend, wenn aufgestellte und idealerweise gemeinsam vereinbarte Regeln immer und immer wieder nicht eingehalten werden. Da kommt dann eben nach Tagen oder Wochen schnell Frust auf. Dann lieber gar keine Regeln.

Kurz gesagt: Regeln sind eine Verpflichtung für beide Seiten. Dessen sollte man sich immer bewusst sein und sie daher gezielt und überlegt einsetzen.

Daher konnte ich noch nie nachvollziehen wieso manche Leute denken, dass ihr D/s besonders erfüllend sei, je mehr Regeln es gibt. Wem es gefällt, gerne. Aber mein Weg ist das nicht. Sicher kann man, wie oben am Beispiel gezeigt, fünfzehn Regeln aufstellen um zu klären was Sub alles zu befolgen hat. Am Ende steht man aber womöglich mit einem bis ins Detail verfassten Buch in der Form des BGB da. Dieses Gesetzbuch geht bis Paragraph 2385 und alles ist bis ins letzte Detail rechtsicher definiert. Meine Vorstellung von BDSM ist das nicht.

Einfacher wird es aus meiner Sicht, wenn man eine grundlegende Haltung vermittelt. Eine Erwartung an das Verhalten und die Stellung zueinander in der Beziehung (egal ob feste oder Spielebeziehung). Ein Grundtenor oder eben eine Haltung klärt vieles, dass dann nicht durch die fünfzehn sehr konkreten Regeln geklärt werden muss.

Einfache Sätze können hier viel transportieren. Beispielsweise, „Sub hat Dom gegenüber Demut zu zeigen und Gehorsam zu sein“. Demut definiert der Duden als „Einsicht in die Notwendigkeit und im Willen zum Hinnehmen der Gegebenheiten begründete Ergebenheit“. Ja, so habe ich auch geschaut. Jedenfalls lese ich daraus „Einsicht in die begründete Ergebenheit„. Und das definiert doch schon sehr viel.

Gehorsam müssen wir an dieser Stelle nicht noch extra definieren. Das sollte sich von selber erklären.

Ergänzt man das noch mit dem Satz „Sub hat stets für das Wohlergehen und Wohlbefinden von Dom zu sorgen“, ist schon sehr viel abgedeckt finde ich und haben noch keine einzige konkrete Regel aufgestellt.

Ich plädiere hier ganz sicher nicht dafür, dass es keine Regeln im D/s geben sollte. Die muss es geben, sonst wäre es am Ende wohl kein D/s. Aber man soll sich nicht verzetteln und sich der Verpflichtungen die Regeln bedeuten auch bewusst sein.

Wer sich dessen bewusst ist und sagt „Für uns ist es aber toll, wenn wir den Tagesablauf mit vielen Regeln strukturieren“, dann nur zu. Aber damit eine Regel einfach nur aufzustellen ist es eben nicht getan. Da steckt wesentlich mehr dahinter.

Am Ende ist es eine Frage der konkreten Vorlieben und des Geschmacks. Aber für mich gilt: wenn Sub oder Dom den ganzen Tag nur damit beschäftigt sind zu überlegen welche Regel nun wieder einzuhalten sind oder welche Regeln kontrolliert werden müssen, dann bleibt irgendwann der Spaß und die Lust auf der Strecke. Und das wäre ja schlecht.

Also Vorsicht bei der Begeisterung für viele Regeln. Überlegt euch vorher, was euch wichtig ist und was ihr umsetzen bzw. bewältigen könnt. Fangt langsam an und steigert euch wenn ihr mögt. Und denkt daran, dass ihr die einmal aufgestellten Regeln auch noch nach Wochen und Monaten handhaben müsst.

Warnzeichen für Doms

Neulich habe ich mich in einem Artikel mit Warnzeichen für Subs beschäftigt. Woran man als Sub erkennen kann, dass man es womöglich mit einem Dom zu tun hat, von dem man lieber die Finger lassen sollte. Oder bei dem zumindest Vorsicht geboten ist. Diese Art Warnzeichen gibt es aber auch umgekehrt. Also woran erkennt ein Dom, dass er es mit einer oder einem Sub zu tun, bei der oder dem Vorsicht geboten ist?

Oft wird diese Perspektive vernachlässigt und sie birgt aus meiner Sicht auch ein wenig weniger Gefahren, denn meist ist doch Dom „am Ruder“ und riskiert seltener die eigenen Gesundheit. Die Gefahren der emotionalen Verletzungen sind allerdings auf beiden Seiten gleich und niemand möchte natürlich enttäuscht oder verletzt werden. Daher sind manche Warnzeichen eben doch wichtig und man sollte auf sie achten.

Wichtig ist mir dennoch, dass Verhalten wie ich es beschreibe kein Fehler ist. Es mag Doms geben, die genau das suchen. Niemand ist falsch, so lange er oder sie dem anderen nicht schadet.

„Ich gehöre für immer dir“ – In der Euphorie die Neigung endlich ausleben zu können und endlich jemanden dafür gefunden zu haben, werden oft schnell große Versprechungen gemacht. Ich musste selber schmerzhaft lernen, dass man diesen Beteuerungen nicht zu schnell glauben sollte. Oft genug ebbt die Euphorie im Alltag ab, Probleme treten auf und die großen Worte sind schnell vergessen. Also Vorsicht, Verletzungsgefahr!

Braucht ständige Anleitung BDSM ist eine wunderbare Sache und D/s erst recht. Es ist schön, wenn Sub Führung sucht und Dom sie gerne gibt. Wenn es aber ausartet, dass Führung nicht nur gewollt, sondern gebraucht wird um überhaupt durch den Alltag zu kommen, dann wird es schnell kompliziert. Und vor allem auch sehr unsexy. Wenn Sub für jeden Atemzug eine Anweisung braucht, dann mag das für den Anfang ganz spannend scheinen. Auf mittlere und vor allem lange Sicht kann es aber auch sehr anstrengend werden. In dem Fall gilt es sich in Acht zu nehmen was man sich wünscht, es könnte auf Dauer zu viel sein.

Fordert ein – Es gibt Typen von Subs, männlich wie weiblich, für die ist ein Dom eher Wunscherfüller oder Erfüllungsgehilfe oder wie auch immer man es nennen mag. Wenn Sub also zwar eigentlich geführt werden will, dann aber immer klar zu verstehen gibt „jetzt mach bitte das mit mir“, dann ist Vorsicht geboten. Nichts gegen Wünsche und dagegen sie auch zu äußern. Aber zu BDSM gehört eben auch, sich auszuliefern und zu unterwerfen. Dabei gleichzeitig den Ton anzugeben geht nur schlecht.

Ist „tabulos“ oder behauptet es – Niemand ist tabulos. Wer von sich behauptet „alles mitzumachen“ lügt oder hat irgendein Problem. Tabus mangels Erfahrungen nicht einschätzen oder benennen zu können ist damit allerdings natürlich nicht gemeint. Das kann gerade bei Anfängern immer vorkommen. Aber wenn jemand beim Kennenlernen allen Ernstes behauptet völlig tabulos zu sein, dann ist schon einmal grundsätzlich Vorsicht geboten.

Verschweigt Probleme – Richtig gefährlich kann es werden, wenn Sub von vornherein bekannte oder frisch auftretende Probleme verschweigt. Sei es aus Sorge „schwierig“ zu sein oder um zu Gefallen, in dem Sub viel aushält. Dabei können Grenzen überschritten werden und Schäden entstehen, die nicht mehr wieder gutzumachen sind. Körperliche, aber vor allem auch mentale oder seelische. Wenn Sub beispielsweise auf Rapegames steht, aber frühere Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt verschweigt, dann ist die Katastrophe vorprogrammiert. Oder Sub überspielt Schmerz, will nicht als „zu weich“ erscheinen und hält so mehr aus, als eigentlich gut gewesen wäre. Die Probleme folgen unweigerlich und können eine Spielbeziehung zerstören. Hier rate ich wie immer zu ganz offener Kommunikation.

Hält sich nicht an Absprachen – Eigentlich gilt dieser Punkt für jeden zwischenmenschliche Beziehung. Es wird schwierig, wenn das Gegenüber sich nicht an Absprachen hält und wenn möglich sollte man dann Abstand nehmen. Im BDSM gibt es aber eben noch einmal ganz andere Absprachen. Dinge, die man vereinbart und die eingehalten werden sollen. Regeln, der Rahmen den man miteinander vereinbart, wie man die Kommunikation gestaltet usw. Wer sich Sub daran immer und immer wieder nicht hält, dann ist auch das für mich immer ein Warnzeichen.

Hin und her – „Ich will, nein doch nicht, doch, nein doch nicht, oder vielleicht doch?“. Man kann Sub nicht überreden. Man sollte es auch gar nicht versuchen. Es bringt nichts. Wer nicht mit Überzeugung dabei ist, sollte eben erst klar kommen. Besser kann ich es nicht sagen. Damit sind wiederum nicht die Umstände gemeint. Umstände kann man manchmal nicht ändern und muss damit arbeiten. Aber die Überzeugung sollte da sein. Sonst wird es auch hier sehr schnell schwierig.

Wie schon neulich bei meinem Artikel über Warnzeichen bei Subs hätten es auch mehr als sieben werden können. Nun sind es sieben für beide Seiten. Vielleicht ist das ja auch eine ganz gute Symmetrie. Vollständig sind beide Aufzählungen sicher nicht. Hoffentlich dienen beide Artikel als Denkanstoß. Vielleicht können sie BDSM-Freunden auf beiden Seiten helfen potentielle Probleme frühzeitig zu erkennen um diese entweder anzusprechen oder im schlimmsten Fall die Notbremse zu ziehen.

Auch zu diesem Artikel gibt es ein Pendant bei den KollegInnen von Deviance.

Meine goldenen BDSM-Grundsätze

Ich befasse mich schon lange mit BDSM. Praktisch und theoretisch. Dabei habe ich viel über mich und meine Vorlieben gelernt. Ich habe sie oft hinterfragt, neu sortiert und kommuniziert. Im Laufe der letzten Monate habe ich mir überlegt, ob ich daraus mal eine Aufstellung machen sollte. Eigentlich für mich. Aber am Ende natürlich auch für jeden anderen und jede andere, den es oder die es interessiert.

Am Ende geht es in diesem Artikel vielleicht auch um eine Art Essenz vieler anderer Artikel. Wer diese gelesen hat wird hier vermutlich wenig überraschendes finden. Vielleicht ist es aber gerade in dieser komprimierten Form doch noch einmal spannend.

Was sind also nun die Grundsätze? Fangen wir mal an.

  1. Kommunikation / Absprachen
    Ein Großteil von BDSM ist Kommunikation. Kommunikation bevor man anfängt, also in der Kennenlernphase. Man tastet sich heran und nähert sich einander. Findet heraus, welche Erwartungen und Wünsche das Gegenüber hat und ob man sich in der Hinsicht verstehen könnte.
    Aber auch wenn man BDSM miteinander auslebt, bleibt es immer viel Kommunikation. Verbale und Nonverbale. Denn wenn ich eine Sub schlage oder erniedrige, dann achte ich auf ihre Reaktion. Auch das ist Kommunikation. Kommunikation ist also der Schlüssel für alles. Wenn die nicht harmoniert, dann kann es auch nichts werden. Wenn jemand auf Kommunikation keine Lust hat, dann kann es auch nichts werden. Kommunikation ist zentral.
  2. Rahmen
    Ich habe über den Rahmen in dem wie BDSM leben bereits einen ganzen Artikel geschrieben. Daher halte ich es hier etwas knapper. Wenn man BDSM miteinander auslebt, dann gibt es keine festen Regeln, was dazu gehört und was nicht. Das vereinbart man ganz individuell. Ob BDSM nur beim Sex oder auch im Alltag stattfindet. Ob man ihn für sich oder mit anderen lebt. Welche Praktiken dazu gehören. Welche Worte verwendet werden dürfen und welche nicht. Wer etwas davon mitbekommen darf und wer nicht usw. Für all das gibt es Absprachen. Man vereinbart es und erstellt sich so einen Rahmen der Dinge, die ok sind. Diese Dinge liegen metaphorisch innerhalb des Rahmens. Die anderen Dinge, die nicht ok sind, die liegen außerhalb. Aber da kann es auch in beide Richtungen Bewegung geben. Dinge können hinzu kommen oder weg fallen. Je größer der Rahmen, je mehr er enthält, desto größer der Spielraum den ich habe. Desto größer sozusagen der Werkzeugkasten aus dem ich mich als Dom bedienen kann, weil ich weiß, es ist vereinbart, dass diese Dinge unter uns ok sind. Daher sind diese Übereinstimmungen gut und so wichtig.
  3. Ernsthaftigkeit
    Hier hadere ich selber mit dem Begriff. Eigentlich sagt er nur aus, dass BDSM für mich keine Sache ist, die alle paar Wochen oder Monate mal als Spielerei betrieben wird um die ansonsten etwas langweilig gewordene Beziehung oder nur den Sex aufzupeppen. BDSM ist für mich mehr. Zugegebenermaßen erschließt sich das mittlerweile für die meisten die ich kennenlerne aber auch schon alleine daraus, dass ich mir die Mühe mache einen Blog über das Thema zu schreiben.
  4. Spieltrieb
    Auch hier mangels eines besseren Begriffs eben dieser: Spieltrieb. Damit meine ich, dass es mir sehr wichtig ist den Spaß am Ausprobieren und an der Erforschung der eigenen Vorlieben nicht zu verlieren. Festgefahren in den eigenen Vorlieben und Gewohnheiten zu sein führt schnell zu Frust und auch dazu, dass man sich neuen Menschen und auch neuen Praktiken nicht öffnen kann. Das finde ich extrem schade und ist nicht, was ich mir unter meinem BDSM vorstelle. Ich probiere gerne neues aus, hinterfrage Dinge die „man eben so macht“ und möchte diesen Spieltrieb in meinem BDSM auch in meinem Gegenüber wieder finden.
  5. Offenheit und kein Leistungsdruck
    Ohne Offenheit geht es sowieso nicht. Das sollte jedem klar sein. Aber hier meine ich einen speziellen Punkt. Ich meine die Offenheit und Ehrlichkeit auch mal zu sagen: „Ich kann nicht“ oder „Ich will nicht“. Denn wer als Sub denkt alles aushalten zu müssen, wird unweigerlich fallen. Mutmaßlich in ein tiefes Loch. Dinge die gestern oder vorgestern möglich waren, müssen heute nicht auch möglich sein. Das kommt vor und ist normal. Dann muss man ganz ehrlich mit sich sein und überlegen in wie weit es einem gut tut, sie dennoch auszuhalten. Ich als Dom kann nicht Gedanken lesen. So sehr ich es versuche. Ich bin auf Signale oder eben auf klare Aussagen angewiesen. Nur so haben am Ende beide etwas davon.
  6. Fantasien offen äußern
    A propos Gedanken lesen: ich kann es wirklich nicht. Daher müssen Wünsche und Fantasien auch offen angesprochen werden. Wie soll ich sonst wissen, was im tiefsten Inneren der sexuellen Wünsche so schlummert? Mein Spieltrieb und meine Fantasien sind sehr ausgeprägt. Zur Erfüllung von Wünschen und Bedürfnissen gibt es nur einen sinnvollen Weg: sie ansprechen. Denn echte Gedankenleser sind einfach extrem selten.
  7. D/s mit Anleihen
    Ja, ich lebe D/s. In Varianten und mit diversen Anleihen aus anderen Bereichen. Aber am Ende ist D/s die Überschrift, die am besten zu dem passt, was ich mag. Das heißt auch, dass in meiner Neigung Machtgefälle, Erziehung, Regeln, Strafen und in meinem speziellen Fall Erniedrigung eine große Rolle spielen. Auch da spielt wieder das Thema von eben herein: Ernsthaftigkeit. Ich strafe nicht, weil ich gerade Lust dazu habe. Ich mache aus Lust das, wozu ich Lust habe. Wenn ich aber strafe, dann aus einem Grund und dann muss die Strafe auch wirksam sein. Ebenso verhält es sich mit Regeln. Die sind nicht zum Spaß da und um sie zu ignorieren, wenn man keine Lust auf sie hat. So verstehe ich D/s.
  8. Gemeinsame Entwicklung
    Mein Ideal ist die gemeinsame Entwicklung im vereinbarten BDSM-Rahmen. Sich gemeinsam an neue Themen heran trauen, sich kontinuierlich weiter entwickeln und miteinander wachsen. BDSM ist nicht statisch. Für mich sind ständige Wiederholungen ein und desselben Fetisch, tagein, tagaus nichts. Dazu bin ich viel zu neugierig auf das, was ich noch nicht kenne.

Nun sind es am Ende acht Grundsätze geworden. Ich hatte mal an „Zehn BDSM-Gebote“ gedacht. Aber Gebote klang mir sowieso zu sehr nach Vorgabe und Bestimmung. Hier geht es ja nicht darum jemandem zu sagen was ihm oder ihr an BDSM wichtig ist. Das ist ganz individuell und vielleicht auch so privat wie selten in diesem Blog. Aber vielleicht hilft es euch ja dennoch weiter und gibt ein paar Denkanstöße.

Nur nicht aus der Rolle fallen?

Im BDSM gibt es ja vermeintlich nur zwei Rollen. Oben und unten. Theoretisch mag das stimmen. Aber wie immer im Leben ist es natürlich komplizierter als. Zuerst einmal gibt es ja die verschiedenen Spielarten von BDSM aus denen sich auch diese Abkürzung ableitet. Also Bondage & DisciplineDominance & SubmissionSadism & Masochism. Innerhalb dieser gibt es dann wieder unterschiedliche Rollen und natürlich unterschiedliche Vorlieben.

Das klingt vielleicht kompliziert, ist es aber nicht. Im Grunde ist es wie überall im Leben. Jeder hat seine Vorlieben und Stärken. Die einen kochen lieber, sind aber handwerklich mies. Andere haben den grünen Daumen, lassen aber Wasser anbrennen. Wieder andere lassen einen Computer abstürzen nur wenn sie den Raum betreten, können aber aus einem Wollknäuel und einer Nadel eine Abendgarderobe zaubern. Viele haben aber eben auch verschiedene Talente oder Vorlieben in sich vereint und da kommen wir zum Thema.

In früheren Artikeln bin ich ja bereits auf verschiedene Rollen eingegangen. Beispielsweise die Rolle Sub oder Daddydom bzw. Little. Daher hier ein paar andere Begriffe und Rollenbeschreibungen, die in meinem Blog bisher noch nicht in der Form besprochen wurden.

Da gäbe es zum Beispiel die Rolle Degradee oder Degrader. In dieser Spielart liebt es der eine Part zu erniedrigen, der andere Part wird durch Erniedrigung erregt. Perfekt ist es, wenn zwei zusammenfinden, die genau das so wollen. Daher sind auch die Begriffe so praktisch. Man kann damit klar kommunizieren was einen anmacht und worauf man steht.

Ein weiteres Beispiel wäre Brat oder das Gegenstück Brat-Tamer. Eine oder ein Brat liebt es aufsässig zu sein, frech, herausfordernd und irgendwie „ungehorsam“. Aber immer mit dem Ziel vom Partner dann eben gebändigt zu werden. Wer sich als Brat sieht möchte jedenfalls niedergerungen und dazu gebracht werden „brav“ zu sein. Der Reiz liegt hier oftmals darin die Überlegenheit des Partners körperlich zu spüren zu bekommen.

Wiederum ein anderes Thema wären Rope-Bottom und Rigger. Hier handelt es sich Begriffe aus dem Bondage, in dem im zugegebenermaßen Laie bin. Aber der Rigger fesselt hier grob gesagt und der Partner oder die Partnerin werden gefesselt.

Eine völlig andere Konstellation wären Cuckold/Cuckquean auf der einen und Hotwife und Bull. In dieser Spielart und in der heterosexuellen Variante würde es ein männlicher Cuckold genießen, dass seine dominante Partnerin (Hotwife) Sex mit einem anderen (oft als Bull bezeichneten) Mann hat. Hier geht es auch vornehmlich um Dominanz und Erniedrigung die für alle Beteiligten erregend sind.

So spannend diese Beispiele sein mögen fragt ihr euch aber vielleicht dennoch: Worauf will er hinaus? Gute Frage.

Im BDSM ist es wie im Leben. Wir sollten uns nicht auf eine Rolle festlegen lassen und in dieser verharren, wo wir doch gerne auch mal anders wären. Wer sich also als Brat sieht, der darf auch einfach mal brav und anlehnungsbedürftig sein. Anders herum darf eine sonst „brave“ Sub oder ein sonst „braver“ Sub auch mal rebellisch sein, ohne dass dadurch die ganze Konstellation der Beziehung in Frage zu stellen.

Wer auf Erniedrigung steht kann auch Tage haben, an denen Erniedrigung einfach alles nur noch schlimmer macht. Auch das ist völlig ok.

Vor allem aber darf, um bei den Beispielen oben zu bleiben, eine oder ein Degradee auch ein Rigger sein. Ein Dom oder eine Domme darf sich auch mal dominieren lassen, ein oder eine Sub dominieren. Ob den Partner oder jemand anderen ist dann wieder eine Sache der Absprachen.

Es gibt so viele Rollen im BDSM und es ist auch nicht falsch sich damit auszukennen. Es hilft um sich zu orientiere, um manchmal auf neue Ideen zu kommen und vor allem, um in etwa jemanden zu finden der etwas ähnliches will. Aber diese Rollen machen uns nicht aus. Lasst euch nicht auf etwas festlegen, dass nur einen Teil von euch und eurer Neigung ausmacht. Lasst euch vor allem nicht einengen. Seid wild, seid mutig und lasst eurem Spieltrieb freien Lauf.

Vor allem aber findet jemanden, der das zusammen mit euch als Chance versteht. Der euch nicht auf etwas festnagelt und zu etwas verpflichtet, dass nur einen Teil eurer Persönlichkeit ausmacht.

Niemand will 24 Stunden am Tag nur der oder die mit dem grünen Daumen sein. Genauso ist niemand 24 Stunden am Tag nur Rigger oder Degradee. Es gibt Phasen neben dem BDSM. Aber auch innerhalb des BDSM gibt es Phasen in denen man mal nicht der Definition der Rolle entspricht. Das ist dann kein Fehler, kein Versagen oder Problem. Es ist einfach menschlich. Oder im besten Fall wie gesagt eine Chance.

„The Duke of Burgundy“

„The Duke of Burgundy“ ist ein schwieriger Film. Ich kann nicht behaupten, dass er mir besonders gefallen hätte. Aber er enthält einige interessante Aspekte zum Thema BDSM und daher bespreche ich hier dennoch.

Wie immer warne ich vor, dass es ab hier massive SPOILER geben wird.

Cynthia und Evelyn sind ein paar. Sie leben eine Form von BDSM miteinander aus, die sehr stark auf D/s, also Dominanz und Unterwerfung basiert. Cynthia gibt dabei die Befehle und Evelyn befolgt sie brav. Ist etwas nicht zu Zufriedenheit von Cynthia, dann bestraft sie Evelyn. Nicht selten, in dem Sie sie als Toilette benutzt.

In den ersten Minuten des Films scheint es also, als würde Cynthia hier alles bestimmen. Aber sehr schnell erfahren wir, dass es eigentlich Evelyn ist, die vorgibt was passiert. Sie gibt ihrer Partnerin auf kleinen Kärtchen Wort für Wort vor, was diese tun und was sie dabei sagen soll. Und sie reagiert sehr enttäuscht bis wütend, wenn Cynthia davon abweicht. Außerdem fordert sie immer weiter führende Praktiken von ihrer „Herrin“.

Besonders absurde Formen nimmt das an, wenn sie verlangt, dass Cynthia sie mit einer Handlung in den nächsten 24 Stunden „überraschen“ solle: „Aber nicht in der ersten Stunde, das wäre zu offensichtlich. Und nicht in der letzten Stunden. Bis dahin bin ich zu frustriert.“ sagt sie. „Also in den nächsten 22 Stunden?“ fragt darauf hin die befehlsempfangende Domina.

Das ganze Problem der Beziehung wird hier deutlich. Denn Cynthia macht das alles nur aus Liebe zu Evelyn. Sie selber hat daran so gut wie keinen Spaß. Sie genießt den Sex den sie danach haben sehr. Aber die aufwändigen Inszenierungen, die sich auch noch ständig wiederholen, sind ihr nur Last und keine Lust.

Das war es eigentlich auch schon. Mehr Handlung hat der Film nicht. Der Konflikt zwischen den Bedürfnissen der beiden Frauen und wie ihre Beziehung darunter leidet. Angereichert durch eine Symbolik die gänzlich an mir vorbei gegangen ist.

Um zuerst das Positive zu sagen. Ich fand Sidse Babett Knudsen, die die Cynthia spielt großartig. Ich mag sie schon seit der Serie „Borgen“ sehr und hier brilliert sie erneut. Desweiteren spielt alles in einer offenbar sehr spannenden Welt, in der Fetische und BDSM völlig normal und keinerlei Grund für Scham sind. Scheinbar lebt hier jeder offen seine Neigungen. Über diese Welt hätte ich gern mehr erfahren.

Außerdem ist es sehr wohltuend, dass die BDSM-Neigung hier zu keiner Zeit problematisiert wird. Kein „Was stimmt mit dir nicht?“, kein Leidensdruck seitens Evelyn, warum sie ist wie sie ist und keine Opfergeschichte. Sie steht einfach darauf und gut. Das hat mir gut gefallen. Ihr Neigung ist nicht das Problem. Nur, dass ihr Gegenüber sie eben nicht teilt.

Und da kommen wir zur Lehre des Films. Zumindest zu der, die ich daraus (erneut) ziehe. BDSM kann eben nicht funktionieren, wenn nur ein Part daran Spaß hat. Wie Evelyn in dieser Konstellation überhaupt Lust haben kann ist mir sowieso schleierhaft. Sie gibt haarklein vor was ihre „Herrin“ tun soll. Dass ihr das dennoch solche Lust bereitet, halte ich für unrealistisch. Vor allem aber leidet Cynthia extrem unter der ihr fremden Sexualität. Sie kann ihr nichts abgewinnen und so funktioniert es auch alles eher schlecht als recht.

Ständig bekommt sie Kritik wie „kannst du das nicht nicht etwas bestimmter sagen“ oder „nächstes Mal improvisiere ein bisschen besser“. Es ist ein Graus und ein Paradebeispiel dafür, wie BDSM nicht sein sollte. Cynthia hat keinen Spaß und warum Evelyn Spaß hat erschließt sich zumindest mir nicht. 90% aller devoten Frauen hätten an dieser Art „Dominanz“ mit Sicherheit keinen Spaß.

Aber selbst wenn sie Spaß hat: BDSM soll beiden ein Bedürfnis sein und Freude machen. Wenn einer es ausschließlich nur macht um dem anderen eine Freude zu machen, dann mag das bei Fußmassagen oder einigen Sexpraktiken noch ok sein. Seinen gesamten Lebensstil und seine Beziehungsform aber auf etwas aufzubauen, dass einer eigentlich gar nicht mag und empfindet? Bitte nicht. Wirklich: BITTE NICHT.

Wer sich also einen Kunstfilm anschauen mag, in dem man sieht, wie man BDSM möglichst NICHT ausleben sollte, der ist hier gut beraten. Ansonsten würde ich lieber noch einmal „Secretary“ empfehlen. Da haben wenigstens beide ihre Freude daran.

Im Verhör, Teil 4

Fortsetzung von Teil 3

„Sie scheint sauber zu sein.“ sagte Wärter Y als er seine seine Finger aus ihr herauszog und Angie wollte nur noch im Boden versinken. „Ja, wir haben die Sau ja auch ordentlich abgeschrubbt.“ kicherte Wärter D. und trat hinter sie.

Dann sagte er „Du bis Gefangene 3502. Hast Du das verstanden?“

Angie hatte gewusst, dass sie hier nicht mit ihrem Namen angesprochen werden würde und bestätigte daher „Ja, ich habe verstanden.“.

„Gut. Um sicher zu gehen, dass Du deine Nummer nicht vergisst, werden wir dich markieren.“ Sofort bekam Angie Angst, dass die beide irgendwelche bleibenden Spuren auf ihr hinterlassen würden. Das hatte sie im Vorgespräch extra ausgeschlossen. Aber Wärter Y kam nur mit einem dicken Marker. Angie hatte mit einem solchen Marker bei ihrem letzten Umzug ihre Umzugskisten beschriftet.

Genüßlich schrieb er erst quer über ihre Brüste und danach auf ihren Arsch ihre Nummer. Sie nahm es zumindest an, denn sehen konnte sie es nicht. Ihren Blick hatte sie starr geradeaus gerichtet.

„So,“ sagte Wärter D. „ich denke, Du bist bereit für die Zelle.“

Die beiden führten sie wieder in den Gang und zu einer der Metalltüren. Wärter Y öffnete sie mit einem großen Schlüssel. Bei der Gelegenheit konnte Angie sehen, dass in der Tür eine große Klappe angebracht war und die Tür insgesamt sehr schwer zu sein schien.

Als die Tür offen war, wurde die Gefangene 3502, die sie nun war, in die Zelle gestoßen.

Die Zelle hatte keine Fenster und war komplett gefliest. Knapp unter der Decke befand sich ein Lichtschacht durch den im Normalfall wohl Tageslicht hätte eindringen können. Er war aber mit einem dunklen Stoff so verhangen, dass kein einziger Lichtstrahl herein fiel. Die einzige Lichtquelle war daher eine nackte Glühbirne, die unter der Decke hing. So hoch, dass 3502 auch nicht heran gekommen wäre, wenn sie gesprungen wäre.

Der Raum war vielleicht 2 bis 2,5 Meter breit und 4 Meter lang, so schätzte sie. Auf dem Boden lag eine Matratze. In der Mitte des Raumes war ein Abfluss und in der Ecke stand ein Eimer. Das war es. Was wofür gedacht war, war nicht schwer zu erraten.

„Achja, eines noch.“ unterbrach sie Wärter D in ihren Überlegungen. In dem Moment kam Wärter Y in den Raum und sie hörte ein Scheppern. In der Hand trug er schwere Handeisen, die mit einer dicken Kette verbunden waren. „Wir wollen doch deinen Schmuck nicht vergessen 3502.“

Mit diesen Worten trat er hinter sie „Arme nach hinten.“. Sie gehorchte und Wärter D legte ihr die Ketten an. Sie waren sehr schwer und sofort spürte sie das Gewicht. Die Arme vor den Körper zu nehmen war nun unmöglich. Die Ketten hingen an ihr und die Handeisen waren zwar nicht sehr eng, aber auch nicht weit genug, als dass sie hätte heraus schlüpfen können.

„So, 3502. Dann lebe dich mal ein.“ lachte Wärter D und wie beiläufig griff er ihr zwischen die Beine „Viel Spaß.“ sagte er und grinste sie dabei süffisant an.

Die beiden schlugen die Zellentür hinter sich zu und Angie war alleine. Nackt. In einer Zelle eingesperrt und mit Ketten gefesselt. Ehe sie anfangen konnte nachzudenken, ging die Glühbirne unter der Decke aus und sie saß in vollkommener Dunkelheit.

Angie bewegte sich in Richtung der Matratze und sank darauf nieder. Ihre Gedanken rotierten und kamen nicht zur Ruhe. Sie war unfassbar erregt, fühlte sich ausgeliefert, erniedrigt und hatte Angst. All das steigerte ihre Erregung aber nur noch mehr. So saß sie im Dunkeln und versuchte sich zu sammeln. Was würde als nächstes passieren. Sie war heute Mittag „verhaftet“ worden. Nun war Abend. Das bedeutete, der erste Tag war noch nicht einmal zu Ende. Dennoch war schon so viel passiert.

Und sie wurde sich bewusst, dass sie keine Ahnung hatte wo sie war. Sie war völlig dem Wohlwollen desjenigen ausgeliefert, der hier das Sagen und mit dem sie geschrieben hatte. Wenn das überhaupt ein und dieselbe Person sein sollte.

Sie hatte keine Ahnung wie viel Zeit vergangen war. Das Licht war in der Zwischenzeit wieder an- und dann auch wieder ausgegangen. Plötzlich klapperte es an der Tür, das Licht in ihrer Zelle ging an und die Tür schwang auf.

Der Mann der vor Stunden oder wie lange es auch her sein mochte, den Schockerstab geschwungen hatte, betrat die Zelle.

„So“ er schaute auf ihre Brüste „3502.“. Angie hatte fast vergessen, dass ihre Gefangenennummer große auf ihren Brüsten stand.

„Du hast mir vorhin fast auf meine Stiefel gepisst Du Fotze.“ fuhr er fort.

Er zog etwas aus seiner Tasche, drückt darauf und von der Decke kam etwas herunter gefahren. Ehe Angie wusste was geschah, hatte der Mann ihre Handfesseln befestigt und der Haken, der von der Decke gekommen war, fuhr wieder nach oben. Angies Arme wurden hinter ihrem Rücken nach oben gezogen, so dass sie unweigerlich nach vorne kippte. Aber ehe sie vollkommen den halt verlor, hörte der Zug auf und sie hing in der Zelle, Arme nach hinten oben und gerade noch sie auf den Zehen stehend.

„Du gehörst also zu dieser Terrorzelle.“ sinnierte er. „Wir sollen dich zu sprechen bringen. Und wir werden dich zu sprechen bringen. Natürlich sind unsere Methoden in dieser aufgeklärten Zeit aus der Mode.“. Der Mann umkreiste sie während er das sagte. Dann blieb er aber hinter ihr stehen und 3502 hörte ein Klicken. Im nächsten Moment breitete sich ein heißer, brennender Schmerz von ihrer Pussy aus und strahlte durch ihren ganzen Unterleib. „Aber sie wirken, das kann ich dir versprechen.“ beendete der Mann seine Erklärung und Angie schrie. Sie schrie vor Schmerz und noch mehr vor Angst.

Offensichtlich war sie nun der Obersten Instanz begegnet und ihr ausgeliefert.

Ende Teil 4.

Schädlicher Druck im BDSM

Unter Druck entstehen ja bekanntlich Diamanten. Druck mag also toll sein, wenn man ein Haufen Kohlenstoff unter der Erde ist. Aber im BDSM ist Druck meist kontraproduktiv. Druck etwas zu erreichen. Druck etwas zu tun. Druck zu sein, wie ein anderer es möchte. Druck „Leistung“ abzuliefern. All das sind Dinge, um die es im BDSM nicht gehen sollte. Oft genug geht es aber eben doch darum und das ist ein Problem.

Als kurze Abschweifung möchte ich sagen, dass bei sexuellen Themen grundsätzlich nie Druck im Spiel sein sollte. Weder selbst auferlegter, noch von außen kommender. Ob und wie oft eine Frau kommt. Wie oft ein Mann kann oder ob er nicht kann, ist kein Maßstab der eine Rolle spielen sollte. Wenn die Frau kommt, dann kommt sie. Wenn der Schwanz steht, dann steht er. Wenn nicht, dann nicht. Davon sollte kein Seelenheil abhängen. Aber das nur nebenbei.

Im BDSM gibt es oft Druck. Einmal äußeren Druck und auch den Druck, den wir uns selber machen. Einige Beispiele sind der Druck zu funktionieren, obwohl es einem nicht gut geht. Der Druck Dinge mitzumachen, obwohl man nicht dazu bereit ist. Der Druck mehr oder besser zu sein, als man vermeintlich ist. Das ist extrem ungesund. Vor allem aber ist es auch völlig unnötig um zufrieden und glücklich BDSM auszuleben.

Fangen wir mit etwas offensichtlichem, weil zählbarem, an. Wie viele Schläge hält eine Sub oder ein Sub aus? Wieso sollte das wichtig sein? Zuerst einmal ist so etwas hochgradig abhängig von der Tagesform. Mal spürt man den Schmerz stärker, mal wenig stark. Daher ist ein Vergleich mit letzter Woche oder letztem Monat mindestens fragwürdig. Ein Vergleich mit dem was andere aushalten ist noch unsinniger. Vor allem aber: was soll er bringen?

Wird man in irgendeiner Form eine „bessere Sub“ oder ein „besserer Sub“ wenn man mehr Schläge aushält als jemand anderes? Ganz sicher nicht. Wem sollen solche Vergleiche etwas bringen? Niemandem.

Was sie aber mit Sicherheit bringen ist Druck. Der Druck vielleicht mehr auszuhalten ehe man sagt, dass es genug ist. Der Druck das Safeword doch noch nicht zu verwenden. Noch etwas mehr durchzuhalten. Ich persönlich halte das für ungesund. Denn so über seine Grenzen zu gehen kann gefährlich sein. Daher sollte man sich gut überlegen aus welcher Motivation und aus welchem Grund man solche Grenzen überschreitet. Nur um irgendeine am Ende beliebige Zahl zu übertreffen scheint mir das völlig sinnlos.

Ein anderer Aspekt ist, sich selber oder durch andere unter Druck setzen lassen Dinge zu tun, zu denen man nicht bereit ist. Sei es mit BDSM in die Öffentlichkeit zu treten. Sei es eine sexuelle Praktik auszuüben, zu der man nicht bereit ist. Oder sei es, andere in die bisher als Paar gelebte Beziehung einzubeziehen. Ob der Druck von einem selber oder vom Partner kommt ist dabei egal. Statt ihm nachzugeben, sollte man das Gespräch suchen und die Bedenken ansprechen.

Ja, im BDSM kann es sehr reizvoll sein über Grenzen zu gehen. Ich bin der Letzte, der das nicht versteht. Aber wenn man das tut, dann mit Bedacht und aus den richtigen Gründen. Nicht, weil man dazu gedrängt wird.

Neulich ging es in einem meiner Artikel um Warnzeichen für Subs, bei denen sie die Finger von einem Dom lassen sollten. Ein ganz deutliches Warnzeichen wäre auch, wenn Dom immer wieder mit Druck den eigenen Willen durchsetzt und Sub das Gefühl hat ständig Dinge zu tun, die sie oder er nicht will.

Ja, es geht im BDSM oft darum den Willen durchzusetzen und zu bestimmen bzw. dass über einen bestimmt wird. Aber der Wille des devoten Parts ist nicht egal. Beim besten Willen nicht. Und ihn mit Druck zu überwinden oder auszuschalten ist immer problematisch.

Fragt euch doch selber einmal, wo ihr in eurem BDSM ungesunden Druck verspürt. Druck, den ihr euch selber macht oder Druck, den ihr von außen spürt. Oft ist man sich dessen gar nicht so bewusst. Manchmal kann man ganz gut mit dem Druck leben, aber es hilft dennoch sich seiner bewusst zu sein. Und manchmal ist es vielleicht nötig etwas zu ändern, anzusprechen wo man ungesunden Druck spürt. Denn BDSM sollte nichts sein, dass unter Druck passiert.

Warnzeichen für Subs

Wie oft habe ich in Gesprächen mit weiblichen Subs schon Sätze gehört wie „da hätte es mir eigentlich schon klar sein sollen“ oder „eigentlich hätten da die Alarmglocken läuten sollen“. Was sind denn aber nun echte Warnzeichen bei denen man als Sub noch einmal überdenken sollte, ob man es hier mit einem vertrauenswürdigen und verlässlichen Dom zu tun hat?

Ein schwieriges Thema, denn nicht alle Menschen verhalten sich so, dass es miteinander absolut vergleichbar wäre. Auch nicht alle empfinden ähnliches Verhalten als unangenehm oder gar verletzend. Aber einige Verhaltensweisen sind dann doch so, dass man absolut nur davor warnen kann.

Dabei ist wichtig zu erwähnen, dass ein „Fehlverhalten“ eines Doms für sich genommen vielleicht noch kein Problem sein mag. Aber es kann ein Zeichen dafür sein, dass danach noch andere Probleme folgen. Nach dem Motto „wenn er mich an der Stelle schon nicht ernst nimmt, wie wird es dann erst später sein“. Daher sollte man Probleme frühzeitig ansprechen und gegebenenfalls lieber früher als zu spät die Reißleine ziehen.

Hier nun also die Dinge, die ich Subs als Warnzeichen an die Hand gebe. Wenn euch solches Verhalten begegnet, dann haltet kurz inne in dem was ihr gerade tut und hört mindestens noch einmal ganz genau in euch rein.

Stellt keine Fragen – Ein guter Dom wird immer viele Fragen stellen. Und zwar nicht, ob ihr rasiert seid, anal benutzbar oder ob ihr euch als Kennzeichnung seinen Namen auf den Venushügel tätowieren lasst. Viel mehr wird es am Anfang darum gehen, was euch an BDSM reizt. Was eure Bedürfnisse sind. Was euch kickt, euch Angst macht, wie eure Fantasien aussehen, was ihr erleben wollte und was ihr auch keinen Fall erleben wollt. Wenn einen Dom das alles nicht interessiert, dann ist Vorsicht angebracht. Manche Doms leiden unter der „Berufskrankheit“ zu glauben, sowieso schon alles zu wissen.
Ich habe aber auch schon von dem Exemplare gehört, die Dinge sagen wie „ist mir egal, ich mache mit dir sowieso was ich will“. Wenn euch so einer begegnet, dann rennt. Und zwar schnell.

Bespricht keine Rahmenbedingungen – Der Rahmen ist im BDSM extrem wichtig. Sind Eingriffe in den Alltag gewollt oder tabu? Dürfen Verwandte und bekannte etwas mitbekommen? Findet BDSM nur im Bett und in Sessions statt oder geht es darüber hinaus? All das sind Fragen, die ganz individuell zu beantworten sind. Die einen wollen es so, die anderen so. Gerade deswegen ist es so wichtig diesen Rahmen zu besprechen. Und das auf Augenhöhe. Wer da nicht aus seiner Dom-Rolle kann und Gespräche auf Augenhöhe zulassen kann, wer solche Gespräche nicht will, bei dem ist Vorsicht geboten. Das sollte ein Warnzeichen sein und von dem sollte man eher die Finger lassen.

Verweigert Treffen – Wie sage ich es? Er verlangt von euch Bilder und Videos, will sich aber auch nach Wochen und Monaten nicht treffen? Großer Fake-Alarm.

Will Covern unterbinden – Vertrauen ist im BDSM extrem wichtig. Selbstverständlich. Man begibt sich als Sub in die Hände eines anderen und muss sicher sein, dass einem nichts geschieht. Daher ist der Aufbau von Vertrauen schon einmal an sich ein Faktor den man beachten muss. Wenn ihr nicht das Gefühl habt vertrauen zu können, dann lieber gar nicht weiter gehen. Aber auch wenn man vertraut, ist Vorsicht angebracht. Und da ist Covern ein wichtiger Punkt. Bei einem ersten Treffen ist es gut sich covern zu lassen. Also jemand anderem zu sagen, wo man ist und mit wem man sich trifft. Dem Dom mitzuteilen, dass man sich covern lässt, ist ebenfalls sinnvoll. Sollte er etwas dagegen haben, dann Achtung. Auch das ist ein Warnzeichen.

Will kein Safeword benutzen – Ein Safeword ist, gerade am Anfang besonders wichtig. Es dient der Sub dazu im Notfall STOP zu sagen. Aber es dient euch zur Steuerung der Intensität. Manchmal ist es auch ganz simpel eine Hilfe im Kopf, dass man weiß „wenn es mir zu weit geht, dann kann ich es anhalten“. Will ein Dom partout kein Safeword verwenden, selbst wenn ihr danach fragt, dann zieht lieber gleich einen Schlussstrich, als noch weiter zu gehen. Kein Safeword zu wollen, ist ein echtes Warnzeichen. Auch hier gibt es übrigens die Spaßvögel die Dinge sagen wie „Wofür? Das ist doch hier kein Spiel. Wenn Du eine Sub bist, dann gehorchst Du einfach und zickst nicht rum.“. Mein Rat hier: nachdem ihr aufgehört habt zu lachen, beendet den Kontakt.

Beachtet eure Tabus nicht – Jeder hat Tabus im BDSM, Dinge die er oder sie nicht mögen, die sie nicht reizen, die sie schlicht ablehnen. Diese Tabus bespricht man üblicherweise irgendwann. Diese Tabus zu achten ist eine Selbstverständlichkeit. Aber die Achtung der Tabus sagt auch, dass der Dom euren Willen achtet und daher auch euch als Person. Wenn ein Dom wissentlich und willentlich über Tabus hinweggeht und sich einfach nur nimmt wonach ihm ist, dann ist das schon kein Warnzeichen mehr. Da kann es dann schon in Richtung von Nötigung und Straftaten gehen. Das darf man sich nie und zu keiner Zeit gefallen lassen.

Will unterbinden, dass ihr euch informiert – Im Netz gibt es viele Informationsquellen zu BDSM. Daneben gibt es Stammtische, Bücher etc. Ein Dom, der euch erklären will, dass ihr nur auf ihn und seine Ansichten hören sollt und nicht mit anderen reden, euch anderweitig informieren sollt, der ist auch mit Vorsicht zu genießen. Wenn ein Dom nicht will, dass ihr euch entfaltet, Neues entdeckt, euch informiert, dann ist das für mich ein ganz deutliches Warnzeichen.

Fängt euch nicht auf – BDSM ist oft eine Achterbahnfahrt. Emotional kann da sehr sehr viel passieren und da muss es selbstverständlich sein, dass euch ein Dom auch auffängt und Aftercare anbietet. Sich als erkundigt wie es euch geht, ob alles ok, euch Zeit geben runter zu kommen. Wer euch sofort rauswirft nachdem er seinen Spaß hatte und euch dann mit den Gedanken und Fragen alleine lässt, auch vor dem kann man nur warnen.

Ohne eine bestimmte Gewichtung waren das meine Warnzeichen für Subs und solche, die es werden wollen. Am Ende sind es nun sieben geworden. Es hätten sicher auch noch mehr sein können. Einen Anspruch auf Vollständigkeit gibt es hier sicher nicht.

Inspiration mich näher mit dem Thema zu beschäftigen war übrigens dieser Artikel bei den KollegInnen von Deviance.

Zum Abschluss ist mir eines noch wichtig. Manches in diesem Artikel mag Dinge berühren, die ihr als Verhalten vielleicht mögt. Kein Safeword zu haben kann reizvoll sein. Ohne Aftercare rausgesetzt zu werden und sich so benutzt zu fühlen kann auch etwas sein, dass man als Kick mag. Das ist auch völlig ok. Wenn ihr diese Dinge aber tut, dann nur sehr bewusst und mit dem Wissen um die Gefahr. Vor allem aber mutmaßlich nicht als Anfänger und nicht mit jemandem, der er noch nicht oder nicht gut kennt. Da liegt der große Unterschied.

Reiz Keuschhaltung

Keuschhaltung ist für viele im BDSM ein zentraler Bestandteil. Warum das so ist, ist nicht schwer zu erraten, bringt aber auch oft unerwartete Probleme mit sich.

Vermutlich ist der Begriff selbsterklärend. Dennoch kurz zur Bedeutung: Keuschhaltung bedeutet, dass der dominante Part dem devoten Part jeden Orgasmus verbietet. Einzige Ausnahme: Der dominante Part hat ihn vorher genehmigt – dies gilt ausdrücklich auch außerhalb von Session oder bei Vanilla-Sex.

Bei Paaren aus devoten Männern und dominanten Frauen ist diese Praktik vielleicht noch populärer als bei Paaren mit devoten Frauen und dominanten Männern. Aber da ich persönlich mit männlicher Keuschhaltung keine Erfahrung habe, weder aktiv noch passiv, soll es hier vor allem um die Konstellation gehen, in der eine weibliche Sub keusch gehalten wird.

Zu Beginn habe ich geschrieben, es sei nicht schwer zu erraten, warum Keuschhaltung für viele so ein zentraler Punkt ist. Dennoch lohnt es sich, einen Blick auf die verschiedenen Aspekte des Reizes dieser Praktik zu werfen. Der Orgasmus ist einfach so ziemlich das Intimste, was wir Menschen haben. Wir lernen ihn zumeist in der Pubertät kennen und mittels Selbstbefriedigung erforschen wir so sehr früh unsere Sexualität.

Dass ein anderer uns da rein redet, ist selten und alleine schon deswegen ungewohnt. Zumal man einem anderen die Kontrolle darüber gibt und selbst jede Kontrolle abgibt, ist eine Erfahrung, die es vermutlich nur im BDSM gibt (ja, ich weiß, das Zölibat. aber da hat ja kein „anderer“ die Kontrolle).

Selbstverständlich ist es ausgesprochen exklusiv, wenn man die Kontrolle über diese ganz persönliche und private Sache abgibt. Noch intimer wird es, wenn das Verbot womöglich sogar noch umfasst, dass man sich im Intimbereich gar nicht mehr selber anfassen darf.

Der Reiz ist also der Eingriff in die eigene Sexualität und diese abhängig vom Wohlwollen seines Gegenübers/Partners zu machen. Ein weiterer Reiz ist aber auch die durch Enthaltsamkeit steigende Libido. Sprich, wer nicht darf, der will irgendwann umso dringender. Das kann den Anreiz noch erhöhen und zu einer neuen Form von Bindung führen. Das mag bei devoten Männern stärker sein als bei devoten Frauen. Aber auch dort bleibt Keuschhaltung keinesfalls ohne Wirkung.

Ein zusätzlicher und besonderer Unterschied zwischen weiblicher und männlicher Keuschhaltung ist, dass sie bei einer weiblichen Sub fast immer nur über ein Verbot stattfinden muss, während man bei Männern relativ einfach mit mechanischen Mitteln, wie einem Peniskäfig jede Erektion unterdrücken oder schmerzhaft machen kann. Dies ist bei Frauen nicht ohne weiteres möglich: Keuschheitsgürtel für Frauen, die wirklich funktionieren, sind extrem aufwändig und folglich kostspielig und weiterhin so unbequem, dass sie kaum auf Dauer tragbar sind.

Aber wie mir eine mir bekannte Sub sagte, die die Erfahrung mit einem solchen Keuschheitsgürtel gemacht hat, ist die Erfahrung ganz besonders. Sie schrieb mir: „Aber ich bin extrem froh darüber diese Erfahrung gemacht zu haben. Ich muss zugeben, dass es wirklich noch einmal ein Riesenunterschied ist, ob man die Keuschhaltung ’nur‘ über den Kopf macht bzw. ’nur‘ mit Verboten, oder ob der Sklave oder die Sklavin eben tatsächlich das pure Metall auf der Haut spürt und in jeder Sekunde spürt, dass der Körper nicht mehr ihr gehört oder ihm, dass die Lust nicht mehr ihr oder ihm gehört, sondern dem Herrn oder der Herrin.“.

Über den Reiz und auch die gewünschte oder erwartete Wirkung habe ich nun einiges geschrieben. Allerdings birgt die Keuschhaltung auch einige „Gefahren“, derer man sich bewusst sein sollte. Es ist nämlich keinesfalls so, dass die Lust einfach immer weiter steigt und man es dann irgendwann mit einer bedürftigen, ständig bereiten und willigen Sub zu tun hat.

Meine Erfahrung mit Keuschhaltung besagt, dass auch darauf die Reaktionen völlig individuell sind. Keuschhaltung und die damit gesteuerte Lust funktionieren nicht wie ein Motor, den man bei Bedarf startet und wieder aus macht.

Bei Keuschhaltung auf Distanz habe ich ganze verschiedene Reaktionen erlebt. Beispielsweise die, dass die wenigen Zeitfenster im Alltag neben Haushalt und Kindern, in denen Selbstbefriedigung möglich wäre, dann noch verkleinert werden, weil man um Erlaubnis fragen muss. Das erhöht den Stress und senkt damit die Lust. Reaktion ist, dass die Kontrolle als reine Belastung wahrgenommen wird.

Eine andere Reaktion war, dass die Sub das Gefühl hatte nicht lästig fallen zu wollen in dem sie fragte und daher überhaupt nicht fragte. Oder eben auch die Variante, dass der Kopf einfach sagt, „wenn ich sowieso nicht kommen darf, dann habe ich auch einfach keine Lust mehr“ und sich die Libido komplett runter fährt.

Keine dieser Reaktionen ist gewollt. Weder vom Dom noch von der Sub. Ehe man also in eine dieser Fallen tappt, sollte man miteinander reden und sich Lösungen überlegen. Gibt es Auswege, die die Keuschhaltung dennoch spannend halten? Oder gibt es vielleicht Alternativen?

Eine Alternative ist das schlichte Gegenteil der Keuschhaltung: der Orgasmuszwang. Die Sub wird dabei verpflichtet, sich in bestimmter Häufigkeit zu befriedigen. Ob sie will oder nicht. Der Effekt, nämlich der Kontrollverlust über die eigene Sexualität und Befriedigung ist ähnlich, man umgeht so aber einige der erwähnten „Gefahren“.

Welche Variante man wählt, welche als besonders reizvoll empfunden wird, ist vollkommen individuell. Probiert es einfach aus. Habt aber die möglichen Probleme im Kopf. Weder Dom noch Sub sollten erschrecken, wenn es zu einer der genannten, ungewollten Reaktionen kommt. Einfach darüber reden und kreativ reagieren.