DaddyDom und LittleGirl

Vieles am BDSM ist heute im Mainstream angekommen. Leute auf der Straße tragen heute Klamotten, die früher nur als Fetisch-Kleidung denkbar waren. Dass man sich gegenseitig ans Bett fesselt oder beim Sex mal den Arsch voll bekommt, wird zumindest als Scherz schon unter Kollegen geäußert. Die ganz große Scham über BDSM scheint spätestens seit „Fifty Shades Of Grey“ dahin.

Aber es gibt sie noch, die Bereiche im BDSM, über die man nicht so gerne öffentlich redet. Spielarten, die man sich auch anderen BDSM-Interessierten gegenüber nur zögerlich zu äußern traut.

Um eines dieser Themen soll es in diesem Beitrag gehen: um DDLG, also DaddyDom und LittleGirl. Bei dieser Spielart gibt es viele falsche Vorstellungen und Vorurteile. Damit möchte ich ein wenig aufräumen.

In dieser Spielart ist der dominante Mann der Daddy oder DaddyDom und die devote Frau ist die Little oder das LittleGirl oder auf deutsch das Mädchen. Wichtig: es ist eine Spielart, in der eine erwachsene Frau gerne die Rolle einer Little oder eines Mädchens einnimmt. Die Bezeichnungen sind, wie alles andere, ganz individuell wählbar und stehen hier nur für die Rollenverteilung. Da die Variante männlicher Dom und weibliche Sub hier die wesentlich verbreitetere ist, belasse ich es dabei. Aber es gibt auch die Variante der Mommy und des männlichen Little.

Eine des häufigsten Fragen zu dieser Spielart ist sicher: geht das nicht in die Richtung von Pädophilie oder wird diese verniedlicht? Absolut nein. Denn diese Spielart wird von Erwachsenen ausgelebt. In der Pädophilie geht es den Betroffenen um den kindlichen Körper und der fällt hier nun einmal weg. Es handelt sich um eine Spielart zwischen Erwachsenen, die sich dafür entscheiden und es beide wollen. Daher gib es für mich daran rein gar nichts anrüchiges.

Was tun also nun DaddyDom und sein LittleGirl? Es handelt sich um eine Art D/s-Beziehung mit einem klaren Machtgefälle. Mit der Abwandlung, dass sich die Sub hier eben als Mädchen fühlt und so behandelt werden möchte. Und die Rolle des Doms ist meistens umsorgender und fürsorglicher als in anderen D/s-Beziehungen.

So kann es sein, dass der Daddy über Dinge bestimmt wie Schlafenszeiten, die Handy-Nutzung oder welche Filme sein Mädchen sehen darf. Aber es kann auch dazu gehören, dass er sich kümmert, dass sein Mädchen genug trinkt oder Medikamente rechtzeitig einnimmt.

Wie immer sind die Bestandteile eures BDSM frei wählbar. Ich habe dazu in einem Artikel das Beispiel des Setzkastens gewählt. Wie weit ihr in die Rolle des Daddys und der Little geht, wie viele Anteile an Strafen und reinem SM ihr dabei lebt oder ob ihr andere Fetische verwendet, ist völlig individuell.

Manche Littles wollen sehr jung sein, mit Stofftieren spielen und Windeln tragen. Andere sehen sich hauptsächlich beim Sex in ihrer Mädchen-Rolle und genießen im Alltag nur die Dinge, die eben an Kontrolle machbar sind. Da gibt es endlos viele Abstufungen und womit ihr euch gut fühlt, das solltet ihr machen. Wenn es euer Kick ist, dass Daddy seine Little mit Kartoffelbrei füttert, dann nur zu. Wenn ihr es reizvoll findet, dass die Little ihren Daddy bekocht und verwöhnt, dann ist auch das ok.

Eine Little muss keine bestimmten Requisiten verwenden oder ein bestimmtes Alter haben. Da ist erlaubt, was gefällt. Und das ist wichtig zu wissen. Denn schon oft ist mir die Aussage begegnet „ich bin aber keine die gerne Windeln trägt“ oder „aber ich mache mir keine Zöpfe und trage nur noch rosa“. Das ist nicht der Punkt. Wie das meiste was mit D/s zu tun hat, fängt auch DDLG im Kopf an. Und was man dann daraus macht, welches Alter man will, was die Little gerne tut etc., das ist ganz individuell.

Mit die wichtigste Erfahrung für die Little, für das Mädchen, ist die Geborgenheit und die Fürsorge, die es vom Daddy bekommt. Das steht aber in keinerlei Widerspruch zu BDSM-Praktiken, wie manche meinen. Auch LittleGirls können Aufgaben und Regeln haben, wie in anderen D/s-Beziehungen. Und sie können bestraft werden, wenn sie die Regeln nicht befolgen. Strafen kann gerade in dieser Konstellation zwischen Daddy und Mädchen besonders intensiv sein.

Und selbstverständlich gehört auch Sex zu dieser Spielart. Wenn beide es wollen, sollte ich einschränken. Manche Littles wollen vielleicht keinen Sex. Auch das ist ok, wenn beide damit einverstanden sind. Aber die meisten Littles sind Frauen, die auch Sex wollen. Und das dann auch als LittleGirl.

Wenn ihr also solche Neigungen habt, dann steht dazu. Sie sind genauso in Ordnung wie alle anderen aus dem BDSM-Spektrum. Und wie erwähnt, was DDLG alles beinhaltet und was nicht, das bestimmt ihr. Wie bei allem, was mit BDSM zu tun hat: lasst euch nicht davon abschrecken es auszuleben, nur weil ihr gehört habt, dass etwas dazu gehört, was ihr persönlich NICHT wollt. Dann lasst diesen Teil einfach weg.

An Fantasien in denen ihr einen Daddy habt und Mädchen sein wollt, ist nicht verwerfliches. Traut euch und sprecht es an, wenn ihr potentiellen Partnern begegnet. Und vielleicht lebt ihr es dann auch mal aus. Es kann auch befreien.

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In der Fantasie ist alles erlaubt

Schämt ihr euch für eure Fantasien? Ja? Lasst es sein. Denn es gibt wirklich keinen Grund dafür. Ihr steht euch selber im Weg und schadet euch womöglich sogar. Glaubt mir.

Sexfantasien sind etwas ganz normales. Und gerade um Bezug auf BDSM sind sie allgegenwärtig. Während die Mehrzahl der Menschen mit Sex „irgendwie anfangen“ beschäftigen sie sich mit BDSM meistens sehr lange, ehe sie dann zur Tat schreiten. Viele fantasieren also vorher von BDSM. Und nicht wenige schämen sich zu Beginn für ihre Fantasien.

Gerade emanzipierte Frauen hadern damit, dass sie Fantasien haben in denen sie von Männern dominiert, geschlagen oder erniedrigt werden. Da kommen dann Fragen auf wie „Darf mich das anmachen?“. Und ich sage: eindeutig Ja!

Auch später gibt es immer wieder Fantasien, die heikel erscheinen und bei denen manche ein schlechtes Gewissen bekommen oder sich schämen. Fantasien von Vergewaltigung. Fantasien von erzwungenem Sex mit dem eigenen Geschlecht. Und das ist nur die Spitze des Eisberges. Auch da kommen Fragen auf wie „Darf mich das anmachen?“. Und auch hier sage ich: natürlich!

In der Fantasie ist ALLES erlaubt. Und damit meine ich wirklich alles. Denn niemand kann etwas für seine Fantasien. Und mit Fantasien schadet man auch niemandem. Das ist die Hauptsache. Für Fantasien muss man sich auch nicht schämen.

Potentiell problematisch wird es erst, wenn man anfängt Fantasien auszuleben. Wenn es so weit kommt, dann stehen mehrere Dinge im Vordergrund: dass man niemandem schadet, die Sicherheit aller Beteiligten und dass alle Beteiligten freiwillig mitmachen und Spaß daran haben.

Zum Thema Sicherheit in BDSM habe ich ja in meinem Artikel SSC oder RACK? WTF? einiges geschrieben und die Freiwilligkeit sowie der Spaß sollten selbsterklärend sein.

Aber auch, wenn man die Fantasien nicht ausleben will, kann es gut und hilfreich sein, sie mit dem Partner zu teilen. Denn so lernt man sich besser kennen. Und man kann gemeinsam überlegen, ob man die Fantasien abgeschwächt und somit „sicher“ in das gemeinsame BDSM-Szenario einbaut.

Oder man nutzt sie als gemeinsames Kopfkino während der Sessions.

Eine der mit Sicherheit beliebtesten BDSM-Fantasien von Frauen ist, dass der Dom sie unter seiner Aufsicht von einem Fremden sexuell benutzen lässt. Wenn man will, dann kann man sich dafür jemanden suchen. Aber manche genießen das eben nur als Fantasie. Dann kann man als BDSM-Paar einbauen, dass der Dom beispielsweise damit droht oder es ihr ankündigt, wenn sie „nicht brav“ ist etc.

So kann man jegliche, auch die verrückteren Fantasien einbauen und sie als Kick nutzen, ohne große Risiken einzugehen oder Abstürze zu riskieren.

Denn auch das kann passieren. Oftmals ist das, was man in der Fantasie extrem geil findet dann in der realen Umsetzung überhaupt nicht geil. Jahrelang hat man gedacht, dass einen eine bestimmte Spielart richtig heiß machen würde und dann kommt der Absturz, wenn es an die reale Umsetzung geht.

Damit muss man immer rechnen und auch dem kann man vorbauen, in dem man es als gemeinsames Kopfkino integriert und somit antestet. Allerdings ist völlig klar, dass man das reale Erlebnis nie wird testen können. Garantien gibt es da einfach keine.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist: oft sind die Fantasien die man so hat und die einen anmachen ja auch viel wilder und extremer als das, was man real gut findet. Auch das ist völlig normal. Dessen muss man sich nur bewusst sein, wenn man sich darüber austauscht.

Eine Frau die vielleicht davon fantasiert einen Gangbang mit 20 Kerlen zu haben, die sie stundenlang abwechselnd ficken, kann in der Realität schon von einem zweiten Mann beim Sex überfordert sein. Oder gar keinen anderen dabei haben wollen. Fantasien sind oft extrem und sollen es auch sein. Unter anderem dafür sind sie da.

Also egal was in euren Fantasien so vorgeht. Seien es brutale Vergewaltigungen, extreme Erniedrigungen, Ausbildung zur Hure, einem fürsorgliche aber dominanten Daddy gehören, Vorführung vor Männerrunden, Gangbangs, extreme Schmerzen usw.: macht euch nicht verrückt, dass etwas mit euch nicht stimmt.

Sehr sehr viele da draußen haben solche Fantasien ist und das ist völlig ok. Bei allen BDSM-Fantasien gilt sowieso „es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird“. Meistens lebt man sie also nicht so extrem aus, wie sie im Kopf sind. Manche Fantasien sollen auch nie ausgelebt werden. Auch das ist völlig ok.

Und wenn ihr einen verständnisvollen BDSM-Partner gefunden habt, dann teilt eure Fantasien und sehr gemeinsam, was ihr daraus machen wollte und könnt. Meiner Erfahrung nach ist das der beste Umgang mit Fantasien für alle Beteiligten.

 

Erniedrigung: Ein weites Feld

Erniedrigung ist für mich im Kontext von BDSM ein besonders spannendes Thema. Daher habe ich mich auch bereits in einem meiner ersten Beiträge damit befasst. Da es aber ein so umfangreiches und komplexes Thema ist, möchte ich noch einmal darauf zurückkommen. Vermutlich ist es aber für ein besseres Verständnis der Thematik sinnvoll auch den ersten Artikel zu lesen.

Erniedrigung im Kontext von BDSM ist das Spiel mit Dingen, die man nicht wirklich mag. Die jenseits des Wohlfühlbereichs liegen. Bei denen man es aber genießt und erregend findet, wenn man dazu gebracht wird sie zu tun. Oder wenn andere sie mit einem tun.

Und um auch das noch einmal klar zu sagen: es ist völlig ok, ich wiederhole VÖLLIG OK auf Erniedrigung zu stehen. Ihr tut damit niemandem weh, es macht den beteiligten Spaß und erregt sie. Also was soll falsch daran sein?

Was ist nun Erniedrigung genau? Das können für die Einen vergleichsweise klein wirkende Dinge sein, wie sich selber dem Dom gegenüber als „Hure“ oder „Fotze“ bezeichnen zu müssen. Das können aber auch ganz andere Handlungen sein, wie beispielsweise „Forced Bi„, also „erzwungene“ sexuelle Handlungen mit dem eigenen Geschlecht. Und die eben nicht aus der eigenen Neigung heraus, sondern in dem Fall als Erniedrigung, weil man eben selber eigentlich nicht darauf steht. Der Reiz ist in dem Fall eben, zu etwas „gezwungen“ zu werden, auf das man nicht steht, das als erniedrigend zu empfinden und DARAUS den sexuellen Kick zu ziehen.

Klingt kompliziert? Ist es manchmal auch. Aber wenn man den Dreh verstanden hat und gut darüber kommuniziert, dann wird es auch wieder ganz einfach.

Erniedrigung ist also wie erwähnt ein weites Feld. Aber eines zeigen uns die beiden oben erwähnten Beispiele. Erniedrigung kann sowohl in den ganz kleinen, als auch in den spektakuläreren Dingen liegen.

Zwei absolute Klassiker der Erniedrigung sind Ohrfeigen und Anspucken. Beides ist geschichtlich gesehen schon immer als Erniedrigung eingesetzt worden und diente dann nicht selten als Anlass für Duelle. Man kann also getrost von Klassikern sprechen. Und beides sind totale Tabubrüche.

Ohrfeigen greifen per Definition in unseren persönlichen Bereich ein, gehen ins Gesicht, was wir nur sehr ausgewählten Personen in unserem Leben erlauben.
Und jemanden anzuspucken ist sowieso ein Tabubruch. Wie alle Körperflüssigkeiten ist auch der Speichel mit Tabus behaftet und wird beim Küssen intim geteilt, ansonsten aber schön für sich behalten. Mit der Intention zu erniedrigen ins Gesicht oder auf andere Körperteile gespuckt, trifft es die meisten Menschen an sehr empfindlichen Stellen. Es drückt ohne den BDSM-Kontext Missachtung aus und rührt daher wie die Ohrfeige auch, ganz tief in uns.

Wo wir bei Körperflüssigkeiten sind: auch Natursekt wird von manchen als Erniedrigung gerne eingesetzt. Und auch Leute, die sonst nicht darauf stehen, können über den Weg der Erniedrigung einen Kick daraus ziehen.

Für nicht wenige Frauen ist es meiner Erfahrung nach auch schon eine Überwindung und eine kleine Erniedrigung die Beine zu öffnen und sich so zu zeigen. Sich dann anzufassen und vor den Augen des Dom zu befriedigen ist dann natürlich die logische Steigerung. Auch das oft eine sehr wirkungsvolle Mischung aus Erniedrigung und Erregung.

Ein weiteres Beispiel für eine eher subtile Erniedrigung kann Kleidung in der Öffentlichkeit sein. Sub ein Kleidungsstück in aller Öffentlichkeit und sei es nur beim Einkaufen tragen zu lassen. Kein provokantes oder auffallendes. Aber eines, dass Unwohlsein auslöst. Eine Farbe die als zu knallig oder einen Rock, der als zu kurz empfunden wird. Das muss ja objektiv gar nicht stimmen. Es kommt nur auf das persönliche Empfinden an. Das wird dafür sorgen, dass sich der Einkauf so anfühlt, als würden alle Sub anstarren. Als wäre Sub bloßgestellt. Das kann wieder eine sehr spannende Art der Erniedrigung sein.

Erniedrigung kann also in sehr vielem liegen. Auf allen Vieren gehen zu müssen oder aus dem Napf essen. Dinge, die den meisten bei dem Thema schnell einfallen. Wie erwähnt natürlich die verbale Erniedrigung. Aber auch in den ganz kleinen Dingen, die kaum jemandem auffallen. Dieser wiederum sind vielleicht erst ersichtlich, wenn man sich schon etwas kennt und so die Empfindlichkeiten besser einschätzen kann.

Scheut euch also nicht zu experimentieren und herauszufinden was funktioniert. Die Klassiker können sehr wirksam sein. Aber nicht alles was ein Klassiker ist muss auch gemacht werden. Manchmal sind die ganz individuellen Dinge besonders spannend. Die auf die nur ihr kommt, weil sie ganz persönlich sind.

Übrigens gibt es für manche noch eine spannende Metaebene. Manche finden es erniedrigend einzugestehen, dass Erniedrigung sie anmacht. Sie dann dazu zu bringen es zu sagen oder schlicht anhand der sexuellen Erregung vorzuführen „das macht dich an und ich weiß es“, kann auch wieder als Erniedrigung dienen. Ein Teufelskreis aus Erniedrigung und Erregung sozusagen.

Erniedrigung kann also extrem vielfältig sein. Sie kann im Bruch der Konventionen und in Tabubrüchen liegen. Genauso aber in den Dingen, die ganz persönlich und individuell als unangenehm empfunden werden. natürlich ist aber auch nicht jede Erniedrigung auch mit einem sexuellen Reiz verbunden. Auch nicht, wenn man sonst auf Erniedrigung steht.

Natürlich ist es ein heikles Thema. Es ist nicht leicht dem Gegenüber einzugestehen, dass man es erregend findet erniedrigt zu werden. Ich als Dom frage daher meist danach, um eine Brücke zu bauen. Redet darüber, probiert euch aus und steht dazu.

Und wenn ihr Beispiele kennt, die ihr ungewöhnlich findet, dann bin ich sehr neugierig. Schreibt sie gerne in die Kommentare.

Mit Checkliste zum BDSM-Partner

Natürlich kann man Glück haben. Man kann einfach gefunden werden. Plötzlich steht der Dom vor einem. Plötzlich findet man seine Sub online. Oder unerwartet und ohne zu wissen was man sucht, findet man auf magische Weise seinen Daddy.

Aber dieses Glück haben die wenigsten. Wie also findet man seinen passenden BDSM-Partner? Was kann man tun und worauf sollte man achten?

Patentrezepte gibt es nicht. Wenn, dann würde ich mit einer Partnervermittlung reich werden. Aber, es gibt ein paar Dinge die man beachten kann und die dann die Chance erhöhen.

  1. Wissen was man selber mag
    Die Voraussetzung dafür, dass man jemanden findet der zu einem passt ist natürlich, dass man selber über sich weiß, was man mag. Wer seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche kennt, der hat größere Chancen ein Gegenüber zu finden, dass diese Bedürfnisse erfüllt. Es gilt also herauszufinden, welche Form von BDSM man selber mag. Schläge? Bondage? Erniedrigung? Alles ist möglich und es muss auch nicht zwingend zueinander passen. Wie sich die Neigung eines Einzelnen zusammensetzt ist völlig individuell. Wer sich für dieses Thema interessiert mann dazu mehr nachlesen in meinem Artikel zu BDSM als Setzkasten.
    Also informiert euch, lernt die Begriffe unter denen eure Vorlieben bekannt sind. Probiert euch aus. Testet, ob euer Kopfkino auch in der Realität so geil ist wie erhofft.
  2. Die Suche beginnt
    Sobald ihr mehr über euch wisst und wisst, wie die Dinge heißen die ihr mögt, sind die Chance schon gestiegen, jemanden zu finden, mit dem es auch passen könnte. Wenn ihr also die Dinge auch real erleben wollt, dann macht euch auf die Suche. Dafür gibt es ebenfalls kein Patentrezept. Manche schwören auf Partys oder Stammtische. Andere suchen auf Kontaktseiten im Netz. Und bevor ihr fragt: ich kann da keine gute Seite empfehlen. Da ist viel Geschmackssache dabei.
    Auch ob man erst diskret im Netz sucht oder direkt live auf eine Veranstaltung geht, ist reine Geschmackssache. Beides kann klappen, beides kann schief gehen. Den einzig richtigen Weg gibt es auch hier nicht.
  3. Kommunikation ist alles
    Habt ihr jemanden gefunden, dann denkt daran: am Anfang ist Kommunikation alles. lasst euch vom Gegenüber nichts aufschwatzen. Sagt, was ihr mögt und was nicht. Seid offen und ehrlich. Wenn ihr auf Dinge steht, dann sprecht es an. Wenn ihr auf Dinge die das Gegenüber will keine Lust habt, dann sagt auch das ganz offen. Wenn es dann nicht passt, dann passt es eben nicht.
    Wenn ihr die Chance auf guten und erfüllenden BDSM haben wollt, dann muss die Schnittmenge der gemeinsamen Vorlieben und Wünsche groß genug sein. Da helfen anderweitige Sympathie oder Anziehung nichts. Wenn der eine Partner einen Windelfetisch hat, der andere mag Petplay und man kann wechselseitig mit der Vorliebe des Gegenübers nichts anfangen, dann retten die tollen blauen Augen oder der Traumbody auch nichts mehr.
    Und natürlich solltet ihr ehrlich bei dem sein was ihr sucht. Wenn ihr etwas Festes sucht, dann sagt es genauso, wie wenn ihr nur eine Affäre sucht. Das beugt Enttäuschungen vor.
  4. Bauchgefühl und Sicherheit
    Habt ihr festgestellt, dass es passen könnte und nun wollt ihr euch treffen? Jetzt ist das Bauchgefühl ganz wichtig. Treibt euch nur die Lust, endlich die Fantasien auszuleben oder habt ihr auch bei dem Menschen ein gutes Gefühl? Auch im BDSM-Bereich laufen Spinner beiderlei Geschlechts herum. Nur weil ihr geil seid, solltet ihr nicht den Verstand ausschalten.
    Und wenn ihr auf Nummer sicher gehen wollt, dann lasst euch covern. Wenn das Gegenüber etwas dagegen hat, dann Finger weg. Niemand der vernünftig ist, hat etwas gegen solche Sicherheitsmaßnahmen. Auch ist es völlig ok, sich erst einmal auf neutralem Boden zu treffen. Und kommt es zum Treffen, habt ihr immer noch die Möglichkeit einen Rückzieher zu machen. Auch eine weite Anreise verpflichtet euch zu nichts. Niemand muss sofort loslegen um womöglich zu beweisen „eine richtige Sub“ zu sein. Seid als mutig, aber nicht übermütig.

Wenn ihr diesen Regeln folgt, dann ist ein tolles BDSM-Erlebnis oder gar eine Beziehung natürlich nicht garantiert. Wie gesagt, sobald ich das bombensichere Rezept habe, mache ich meine Partnervermittlung auf und werde reich. Aber diese Checkliste sollte euch helfen, einige der gröbsten Fehler bei der Suche gar nicht erst zu machen. Vollständig ist die Liste dabei sicher nicht. Sicher kann man sie ergänzen. Vielleicht schreibe ich ja mal eine Ergänzung. Aber bis dahin hilft euch diese Version hoffentlich schon etwas weiter.

Also los, traut euch, informiert euch, werdet dabei aber nicht übermütig.

Public Disgrace – Spannend und gefährlich

Kürzlich haben zwei Bilder mein Kopfkino angekurbelt. Auf dem einen liegt eine Frau nackt und auf dem Rücken zwischen zwei Bäumen. Sie hat die Augen verbunden. Ihre beiden Knöchel sind mit Gurten an den beiden Bäumen befestigt, so dass ihre Beine weit gespreizt sind. So liegt sie im Freien auf einer Wiese.

Auf dem anderen Bild sieht man eine Autobahnbrücke, unter der eine Bahntrasse verläuft. An einem der Stützpfeiler steht eine Frau. Sie hat eine Maske auf dem Kopf, die ihr die Sicht nimmt und sie unkenntlich macht. Ihr T-Shirt ist hochgezogen und Hose und Slip sind herunter gezogen. Sie trägt ein Halsband und ihre Hände sind hinter dem Rücken fixiert.

Was fasziniert uns so am Spiel mit der Öffentlichkeit? An öffentlicher Zurschaustellung? Für einige ist der Reiz natürlich schlicht der eigene Exhibitionismus. Nicht umsonst gibt es „Promis“, die nur dafür bekannt sind, sich ständig und ungefragt nackt zu zeigen.

Es hat da oft den Kitzel des Verbotenen, des Verruchten. Das ist in Ordnung und macht es vielleicht auch für viele spannend.

Das hat aber für mich erst einmal nichts mit BDSM zu tun. Für mich beginnt der Reiz dort, wo es nicht ganz freiwillig ist. Wo es befohlen oder als Strafe angewendet wird. Natürlich ist Sub damit im Metakonsens einverstanden. Aber es geschieht nicht aus eigenem Antrieb. Und da sind wir dann schnell beim Thema Erniedrigung.

Nehmen wir das erste Bild, das ich beschrieben habe. Die Frau liegt auf dem Waldboden, die Beine gespreizt. Natürlich hat ein umsichtiger Dom den Platz so gewählt, dass keine unbeteiligten Spaziergänger vorbei kommen. Aber weiß man das als Sub in dem Moment sicher?

Hier ist der Reiz natürlich der, dass Sub völlig entblößt und hilflos ist. Nicht nur das, auch die Pose ist völlig eindeutig. Was, wenn jetzt doch jemand käme? Und was hat Dom überhaupt vor?

Das ist der Reiz. Die Erniedrigung findet, wie meistens, im Kopf statt. Es kommt nicht darauf an, dass jemand vorbei kommt und sie so sieht. Tatsächlich will man gar nicht wirklich, dass jemand vorbei kommt. Denn verantwortungsvolles Handeln beinhaltet auch, dass man Unbeteiligte nicht mit hinein zieht. Aber der Reiz ist eben, es könnte jemand vorbei kommen.

Wenig anders ist es beim zweiten Bild. Vielleicht würde hier sogar ein vorbei fahrender Zug den Reiz noch erhöhen. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand aus einem in hoher Geschwindigkeit vorbeirasenden Zug viel bemerkt ist relativ gering. Die Wirkung auf Dom und Sub ist aber sicher enorm.

Das Spiel mit der öffentlichen Erniedrigung, der öffentlichen Bloßstellung ist hier das, was den enormen Reiz ausmacht. Nicht umsonst gibt es unter dem Label „Public Disgrace“ (etwa „Öffentliche Schande“) ganze Webseiten, die sich nur diesem Thema widmen. In der Öffentlichkeit nackt bloßgestellt zu werden, war schon immer eine mächtige Fantasie und findet so ihren Platz auch im BDSM.

Auch mich persönlich reizt das sehr. Eine heimliche Ohrfeige im Gang des Supermarktes oder die Sub mitten in der Innenstadt auf einer Bank den Rock hochschieben lassen. Das alles hat seinen festen Platz im BDSM.

Und das alles ist auch völlig in Ordnung, so lange man gewisse Vorsichtsmaßnahmen ergreift und verantwortungsbewusst handelt.

Sub nackt an einen Hochsitz gefesselt auspeitschen ist halt nicht in Ordnung, wenn weniger Meter weiter Familien mit Kindern spazieren gehen. Es muss immer eine Abwägung der Gefahren und Auswirkungen stattfinden. Wie eigentlich immer im BDSM. Und im Zweifel muss die Sicherheit im Vordergrund stehen. Und das Wohl der Anderen.

Andere Menschen gegen deren Wunsch mit zu viel der eigenen Sexualität zu konfrontieren, ist nicht in Ordnung. Ab einer gewissen Schwelle überschreitet es sogar juristische Grenzen und kann zu Erregung öffentlichen Ärgernisses werden (§ 183a StGB: „Wer öffentlich sexuelle Handlungen vornimmt und dadurch absichtlich oder wissentlich ein Ärgernis erregt…“)

Es ist also auf einiges zu achten. Dennoch bleibt der Reiz und es ist auch ok, dem nachzugeben. Im Rahmen und mit Vorsicht.

Und wer ganz sicher gehen möchte, der lebt diese Form der öffentlichen Spiele auf entsprechenden Parties aus. Auch das ist möglich und viele dieser Parties leben genau davon. Allerdings ist der Reiz für manche dort geringer. Schlicht weil alle Anwesenden ja genau dafür da sind. Der Tabubruch, und sei er sonst auch nur theoretisch, ist hier wesentlich geringer. Dafür ist man aber auf der sicheren Seite. Denn hier ist man unter Gleichgesinnten. Man schockiert mutmaßlich niemanden und juristische Konsequenzen sollten auch ausgeschlossen sein.

Das Spiel der öffentlichen Erniedrigung und Zurschaustellung ist sehr spannend. Für mich persönlich und für viele andere. Das Adrenalin schießt nach oben und die Erregung gleich mit. Und wenn man umsichtig ist, dann kann auch nichts passieren. Aber man sollte sich der Verantwortung und der Gefahren eben immer bewusst sein.

Wie viel BDSM ist richtig?

Manche sperren ihre BDSM-Partner tagelang in Zellen oder Käfige. Andere wiederum leben BDSM nur in einzelnen Sessions für ein paar Stunden und das nur alle paar Wochen. Manche definieren ihren ganzen Alltag durch BDSM. Für andere ist es nur eine Spielart während des Sex.

Was ist nun richtig? Was ist echter BDSM und was vielleicht nur Mode?

Ok, ich kläre das gleich mal auf, auch auf die Gefahr hin, dass dann manche gar nicht weiter lesen. Es gibt kein richtig oder falsch. Oder zumindest keines, dass jemand von außen beurteilen sollte, könnte oder dürfte.

Richtig ist das, was die richtig finden, die es betrifft. Und natürlich das, womit man keinem schadet. Schadet man jemandem, ist es falsch.

Dennoch gibt es aber im BDSM immer die Frage „Mache ich das richtig?“.

Manche Leute lieben Spanking. Die treffen sich mit mehr oder minder Fremden zu Sessions und lassen sich auf deutsch gesagt den Arsch versohlen. Dann fahren sie wieder nach Hause und haben Sex mit dem Partner.

Wieder andere leben BDSM als Paar, vereinbaren gewisse Regeln und verstoßen dann absichtlich dagegen. Natürlich nur um dann die verdiente und gewünschte „Strafe“ zu bekommen.

Ich persönlich stelle gerne Regeln auf, erwarte dann aber auch die Einhaltung und bestrafe dann aber auch bei Zuwiderhandlung mit Dingen, die dem Gegenüber keinen Spaß machen, sondern sie wirklich bestrafen sollen. Mir als Dom stellen sich die Nackenhaar auf, wenn ich mir vorstelle, dass eine Sub absichtlich etwas falsch macht um „bestraft“ zu werden. Das widerspricht meiner Vorstellung von BDSM. Aber es ist eben nur meine Vorstellung. Und so wie ich BDSM so lebe, wie ich es möchte und mir Partnerinnen suche, die es genauso wollen. So darf das jede und jeder andere auch.

Aber ist irgendetwas davon richtig? Das ist eigentlich schon oben beantwortet. Für mich ist ein Treffen bei dem ich einer Sub den Arsch versohle, sonst nichts passiert und wir beide wieder gehen, falsch. Das ist für mich persönlich nicht genug BDSM. Weil es meiner Neigung einfach nicht entspricht. Für andere mag es genau richtig sein.

Für manche mag es auch genau richtig sein in Fetisch-Kleidung auf eine Party zu gehen und sich dort nur bewundern zu lassen. Zuhause finden nach Sex mit dem Partner statt. Auch Fetisch kann schließlich BDSM sein. Für mich wäre es zu wenig.

Dafür gibt es sicherlich genügend Leute sie sagen, Regeln aufstellen und bestrafen? Wo ist denn da der Spaß? Ich brauche Fetischpartys, öffentlichen Sex und schwere körperliche Strafen. Denen wiederum ist das zu wenig was ich auslebe.

Wie groß der Anteil an BDSM im Leben ist, ist also ganz individuell. Oft hängt es auch von den Lebensumständen ab, die aktuell nicht mehr zulassen. So wollen beide vielleicht den D/s-Anteil erhöhen und mehr Kontrolle in den Alltag integrieren, es ist aber schwer mit den Lebensumständen vereinbar. Daran muss man arbeiten.

Aber auch BDSM als Würze für das Sexleben und dann nur alle 14 Tage, kann in Ordnung sein. Wenn beide damit zufrieden und glücklich sind.

Ebenso wie das Modell, dass man jedes Wochenende auf irgendwelche BDSM-Partys in der Grand Opera oder im Catonium verbringt. Solche Leute sind nicht bessere BDSMer als andere.

BDSM ist vielfältig. So vielfältig wie die Menschen die es leben und deren Vorlieben. Es gibt das „richtige BDSM“ so wenig, wie es die eine richtige Pizza gibt. die Geschmäcker sind verschieden. Und genauso, wie ihr euch beim bestellen der Pizza von anderen nicht erklären lasst welche Pizza nun die eine richtige ist, die ihr bestellen müsst, verhält es sich auch mit BDSM.

Und auch ob ihre jede Woche Pizza esst oder nur einmal im Monat, ist genauso individuell wie die Häufigkeit in der ihr BDSM lebt. Aber wenn ihr mit einem Partner zusammen eine Pizza teilen wollt, dann muss sie auch beiden schmecken. Ob dann Sardellen oder Champignons oder nur Salami drauf sein soll, dass muss vorher geklärt werden.

BDSM ist also quasi Pizza. Nur mit weniger Käse. Naja. Nicht ganz. Aber ich denke, ich versteht, was gemeint ist.

BDSM 2.0

Regeln sind gerade für D/s zentral. Wenn beide Spaß daran haben und Lust daraus ziehen, dann kann man mit Regeln, die Sub vorgegeben werden, eine ganze Menge Freude haben.

In früheren Artikeln wie Regeln sind wichtig und Klassische Gebote und Verbote habe ich schon darüber geschrieben und ein paar Beispiele gegeben. Aber einen spannenden Aspekt habe ich bisher noch nicht beleuchtet: welche Möglichkeiten bietet die moderne und digitale Welt?

Wie kann man also mit Hilfe von Computer oder Handy Sub kontrollieren? Oder auch: wie kann man die Nutzung dieser Geräte kontrollieren?

Da bieten sich viele neue Möglichkeiten. Manche sind vielleicht erschreckend und wirken recht extrem, da sie tief in die persönliche Freiheit des Gegenüber eingreifen. Ich muss es nicht, betone aber noch einmal, dass diese Spielarten nur dann in Ordnung sind, wenn beide das wollen. Es handelt sich hier um Spielarten von D/s, die Kontrolle und Macht über den Partner ausüben. Das sollen sie auch. Weil beide Lust daraus ziehen. Einseitig betrieben wären es krasse Übergriffe.

Fangen wir an mit den Möglichkeiten, den Aufenthaltsort zu kontrollieren. Eine Möglichkeit dafür sind Apps, mit denen man den Standort übermitteln kann. So kann immer auf Anfrage eine GPS-Information angefordert und gesendet werden. Auf einer Karte sieht man dann, wo sich das Gegenüber befindet.

Diese Funktion bringen manche Chat-Apps mit sich, aber auch spezielle GPS-Tracking-Apps.

Ein weiteres Stichwort ist „Geofencing„. Mit dieser Funktion können Bereiche und Orte festgelegt werden. Also sozusagen Zäune (englisch: Fences) gezogen werden. Betritt oder verlässt das Gegenüber einen dieser Bereiche, wird man sofort informiert. Soll Sub also zu Hause bleiben oder nicht in eine bestimme Bar gehen, dann kann das leicht überwacht werden.

Natürlich kann das einfach „ausgetrickst“ werden, indem man das Handy liegen lässt. Aber es geht ja auch nicht um wirkliche Überwachung, sondern um Möglichkeiten und Varianten einer freiwilligen Spielart.

Manche der oben erwähnten Apps bringen auch viel weitergehende Möglichkeiten der Kontrolle mit sich. Das Stichwort ist da: „Parental Control„, also „elterliche Kontrolle“. Unter diesem Stichwort finden sich diverse Möglichkeiten. Chats können mitgelesen, der Browserverlauf geprüft und Kontakte sowie Kalender angeschaut werden.

Da wird es dann schon extrem. Aber wer sich dafür entscheiden möchte, der findet da sicher Möglichkeiten.

Eine Möglichkeit, aus der Entfernung auf einen Rechner zuzugreifen und sich dort umzusehen, ist Software zur Fernwartung. Damit kann man auch vom anderen Ende der Welt auf dem Zielrechner arbeiten, EMails lesen, den Browserverlauf prüfen und überhaupt alles Mögliche machen.

Sowohl Windows als auch die Handy-Betriebssysteme iOS und Android bieten auch die Möglichkeit, die Nutzungszeit einzuschränken. So kann das Handy oder der Laptop dann beispielsweise nach 20 Uhr nicht mehr benutzt werden. Inwiefern man sich dabei ins eigene Fleisch schneidet, wenn man nicht mehr miteinander schreiben kann, muss jeder selber wissen.

Es können aber auch Nutzungszeiten für bestimmte Apps eingestellt werden. So kann man beispielsweise die Nutzung der Facebook-App oder Instragram nur zu bestimmten Zeiten gestatten und sonst sperren.

Wesentlich harmloser ist die Variante, dass man regelmäßige Nachrichten vereinbart. Jeden Morgen und/oder jeden Abend haben zu bestimmten Uhrzeiten Nachrichten als Statusmeldung zu erfolgen. Am einfachsten hier natürlich über die Chat-App der Wahl.

Und eine ganz praktische Möglichkeit, um Aufgaben und zu stellen oder auch erfüllte Aufgaben abzuhaken, sind Apps in denen man Listen erstellen und teilen kann. So kann man gemeinsame Listen führen, in die der eine Partner Aufgaben einträgt. Diese erscheinen dann beim Gegenüber in der App und können dort nach Erfüllung abgehakt werden.

So weiß Dom in dem Fall genau dass und wann die Aufgabe erledigt wurde und Sub kann sie nicht so leicht vergessen.

Das sind einige Möglichkeiten. Sicher gibt es noch viele andere und ich bin neugierig auf euren Input. Nutzt ihr solche Möglichkeiten? Wenn ja, wie? Auf kreative Vorschläge oder auch Tipps für weitere Apps bin ich sehr neugierig.

Bewusst nenne ich hier keine konkreten Namen. Ich habe keine Lust, Werbung zu machen. Unter den gefetteten Stichworten findet ihr sicher die passenden Programme.

Und nochmal, es geht hier nicht um Stalking oder ungewollte Überwachung. Wer so etwas heimlich macht und ohne Wissen des Gegenübers, der macht sich höchstwahrscheinlich strafbar.

Es geht um etwas, das erwachsene Menschen freiwillig tun, weil sie Spaß und Lust daran haben.

Und wenn euch die Möglichkeiten der Überwachung, gerade über das Handy, erschrecken, dann habt ihr sicher Recht. Aber das ist dann kein Problem von BDSM, sondern ein gesellschaftliches. Eines, über das es sicher auch lohnt nachzudenken. Aber auch eines, für das dieser spezielle Blog nicht geeignet ist.

Vögeln, bumsen, poppen…

Vögeln, bumsen, poppen, ficken, knattern, bimsen, bürsten, treiben oder stöpseln. Es gibt endlos viele Begriffe für den sexuellen Akt. Welche man in welcher Situation benutzt, ist dabei reine Geschmackssache. Aber der Begriff, der einem gefällt, kann beim anderen jede Stimmung augenblicklich abtöten.

Ich persönlich zum Beispiel finde die meisten der aufgezählten Begriffe albern. Aber der, der mich wirklich abturnt ist „bumsen“. Geht gar nicht. Da schüttelt es mich.

Im BDSM ist es genauso und manchmal sogar noch etwas komplizierter. Ich kam neulich darauf, als ich folgenden Tweet abschickte und darauf einige öffentliche und private Resonanz bekam:

Für mich persönlich geht also im persönlichen Umgang die Bezeichnung „Subbie“ nicht. Subbie ist für mich niedlich. Da würde ich nach einem Kätzchen suchen. Subbie hat für mich keinen sexuellen Anklang und funktioniert daher nicht. Noch schlimmer ist die weitere Verniedlichung „Subbielein„. Ganz schlimm.

Der Einwand, man könne in erklärenden Texten damit Männer und Frauen unter einem freundlich klingenden Begriff zusammenfassen, mag greifen. Da wird ja auch niemand direkt auf sexuelle Art angesprochen. Da kann ich das gelten lassen.

Und so geht es im BDSM mit vielen Begriffen. Das Verbale ist im BDSM wichtig, denn üblicherweise geht BDSM über das simple „rein-raus-fertig“ hinaus.

Und so sind Anreden und Begrifflichkeiten wichtig. Für die einen ist ein Begriff sexuell stark aufgeladen. Er kickt sie, wenn man ihn verwendet. Wenn sie ihn selber aussprechen oder so bezeichnet werden. Und dann ist es hilfreich, wenn der Begriff für das Gegenüber auch etwas auslöst.

Auch hier gilt das, was ich bereits früher über den Setzkasten und BDSM geschrieben habe. Findet heraus, was euch gefällt. Auch begrifflich. Auch hier gilt wie bei allem: passen wird es nur dann, wenn das Gegenüber die Vorlieben akzeptiert oder sogar teilt. Und findet vor allem heraus, ob euch bestimmte Begriffe und Anreden explizit kicken. Das kann ein starker Reiz sein. Nutzt das.

Die einen kickt es beispielsweise, sich Herr, Daddy, Master oder Meister nennen zu lassen. Die Damen lassen sich gerne Miss, Lady, Madame oder auch Herrin nennen. Wenn das Gegenüber sich dabei dann albern fühlt, wird es schwierig. Ich zum Beispiel finde „Meister“ albern und denke dabei zuerst an den „Meister Eder“. Aber das mag ja jeder anders sehen.

Manche Anreden sind mit bestimmten Rollen verbunden, die man einnimmt. Andere können Synonym verwendet werden. So sehe ich persönlich keinen Unterschied in der Anrede „Herr“ oder „Master“.

Auf der anderen Seite des Spektrums gibt es dann die Bezeichnungen Sub, Sklavin, Zofe etc. Oder eben Sklave oder andere Begriffe. Ganz abgesehen von Rollenbezeichnungen, auf die ich ja im Beitrag Goethe und das Dilemma Sub oder Sklavin schon eingegangen bin, kommt es auch hier auf Vorlieben an.

Wenn es euch egal ist, wie ihr genannt werdet oder euer Gegenüber nennt, dann besprecht das und einigt euch auf einen Begriff, den ihr beide mögt. Wenn ihr bestimmte Vorlieben oder Abneigungen habt, dann sagt das aber auf jeden Fall. Denn wenn schon die Anrede widerwillig erfolgt, dann ist gleich der Wurm drin.

Und dann gibt es ja noch den expliziten Dirty Talk. Das also, wo es besonders schmutzig und manchmal auch grenzwertig zugehen soll.

Da ist es oft besonders einfach, sich daneben zu benehmen oder lächerlich zu machen. Ein Gag, über den ich in dem Zusammenhang immer lachen muss:

„Sag mir was schmutziges!“
„Küche.“

Mir persönlich fällt hier das böse F-Wort ein: Fotze. Für viele Frauen ein Tabuwort. Für andere genau deswegen ein Kick im richtigen Moment. Ein Begriff, den man im BDSM-Kontext als Erniedrigung verwenden, mit dem man aber auch böse daneben liegen kann.

Die einen Frauen benutzen es selber und werden gerne so genannt. Die anderen benutzen es selber, lassen sich aber nicht so nennen. Wieder andere meiden das Wort in jeder Form. Und all das ist völlig ok.

Fühlt vorsichtig vor. Findet heraus, was euer Gegenüber mag. Denn wenn ihr mitten dabei seid und dann experimentell etwas raus haut, dann kann es auch so gehen wie es eine Twitterin beim Wort Subbie geschrieben hat: „da werde ich zur Sahara“. Und das will in der Situation ja keiner.

Ich gewöhne mir BDSM ab

Wie oft habe ich die Aussage gehört: „Jahrelang dachte ich, Sex ist einfach nicht mein Ding. Und dann habe ich BDSM entdeckt und plötzlich wusste ich, was all die Jahre gefehlt hat.“

Ist das nicht toll? Wenn man plötzlich seine wahre Neigung entdeckt und versteht, was alle an Sex immer so toll finden? Plötzlich kann man ihn genießen und er befriedigt. Möglicherweise nach Jahrzehnten der Frustration?

Ja, grundsätzlich ist das toll. Aber auch nicht immer. Denn was ist, wenn man diese Neigung entdeckt, aber in einer Beziehung steckt? In einer Beziehung mit jemandem, der diese Neigung nicht teilt? Der womöglich über die Jahre immer wieder zu verstehen gegeben hat, dass er so etwas „krank“ oder „abartig“ findet. Was dann?

Ich habe eine Frau gekannt, die ihre devote Seite entdeckt hat. Sie war Feuer und Flamme. Es war wie ein Funke, der auf einen ausgetrockneten Waldboden fällt. Wir haben uns getroffen und es hat gepasst wie es nur passen kann. Aber sie war verheiratet.

Nach dem Treffen bekam sie Panik und hat den Kontakt abgebrochen. Mit der Erklärung, noch ein Treffen und sie könne nicht mehr zu ihrem Mann zurück kehren. Sie war 25 Jahre verheiratet und hatte mit ihm zwei Kinder. Ihre Reaktion war: „Ich gewöhne mir BDSM ab.„.

Kann das gut gehen? Meiner Meinung nach nicht. Denn BDSM ist eine sexuelle Neigung wie alle anderen. Und eine solche Neigung zu unterdrücken ist dem persönlichen Wohlbefinden und Glück zumindest mal nicht förderlich. Seine eigene sexuelle Identität zu unterdrücken ist nicht einfach.

Sicher kann man beispielsweise den Sexualtrieb, den man hat, komplett unterdrücken. Manchen mag das gelingen. Den meisten jedoch nicht. Ich spreche da bewusst nicht von denen, die diesen Trieb gar nicht haben. Sondern von denen, die ihn haben, aber bewusst unterdrücken. Zufrieden und glücklich wird man so eher nicht.

Und so wird es mit dem Trieb nach BDSM auch sein. Es ist nun einmal die Form von Sexualität, die einen erfüllt. Man kann versuchen, darauf zu verzichten und eine andere Form leben. Aber es wird kaum so erfüllend sein wie das, was einen eigentlich antreibt und anmacht.

Sicher ist es schwer, wenn man in einer Situation lebt, in der man sich zwischen dem eigenen Lebensentwurf und der sexuellen Präferenz entscheiden muss. Dafür gibt es keine Patentlösung. Ein paar Tipps habe ich im Artikel „Neugierig auf BDSM aber vergeben“ versucht zu geben.

Wer dennoch der Meinung ist, es sei doch einfach, auf so etwas wie BDSM zu verzichten obwohl es die die Neigung ist, die einen ausmacht, der kann ja mal folgendes Gedankenexperiment machen: egal welche Neigung ihr habt, stellt euch vor ihr müsstet sie euch abgewöhnen.

Stellt euch vor, ab morgen müsstest ihr, statt auf euer bevorzugtes Geschlecht, auf das andere Geschlecht stehen. Kann doch nicht so schwer sein, oder? Habt einfach den Rest eures Lebens Sex mit dem Geschlecht auf das ihr nicht steht. Oder habt alternativ gar keinen Sex mehr.

Klingt verlockend, oder? Eben. Und genauso erfolgversprechend ist es, sich die Neigung zum BDSM abzugewöhnen.

Und wer seine Neigung immer und immer unterdrückt, der wird in der Beziehung unglücklich sein. Der wird es dem Partner mindestens unterbewusst vorwerfen. Und dann steht so oder so am Ende womöglich die Trennung. Auch das ist nicht leicht. Keine der Alternativen ist schön.

Mein Ratschlag auch hier: sucht das Gespräch. Versucht euch mitzuteilen. Ein verständnisvoller Partner wird gemeinsame Lösungen suchen wollen. Und seid ihr in einer Lebenssituation, in der es absolut und auf keinen Fall in Frage kommt, mit dem Partner zu reden oder die Neigung anders auszuleben, dann sucht euch ebenfalls jemanden zum reden.

Eine gute Freundin oder einen guten Freund. Eine Psychologin oder einen Psychologen. Irgendjemanden. Denn simples Unterdrücken von Wünschen, Bedürfnissen und Gefühlen hat selten zu irgendetwas Gutem geführt.

Was ist eigentlich 24/7?

Das Stichwort 24/7 ist im BDSM ja fast ein Mythos und ein Kampfbegriff. Für die einen ein absolutes Muss, unter dem BDSM quasi nur Spielerei ist. Für die anderen Horror, bei dem spätestens jeder Spaß aufhört.

Wie so oft im BDSM gibt es aber keine feststehende Definition des Begriffs, nach der sich dann alle richten können. Und so ist es nicht einfach, festzustellen, was denn 24/7 bedeutet. Der Begriff an sich ist eine Abkürzung dafür, dass etwas über 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche andauert.

Im Bezug auf BDSM kann das aber ja nicht bedeuten, dass man so etwas wie eine Session 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche durchzieht. Jeder muss auch mal aus dem Haus, arbeiten, Freunde treffen etc. Jegliche sexuelle Interaktion muss auch mal pausieren und hinter anderen Dingen das Alltags zurückstehen.

Für mich steht 24/7 für zwei Dinge im BDSM. Das Verlassen des rein sexuellen Bereichs und die erweiterte Abgabe von Selbstbestimmung des devoten Parts.

24/7 bedeutet nicht, jeden Tag nackt durch die Stadt zu laufen. Es bedeutet auch nicht, dass der devote Part nicht mehr Luft holen oder auf die Toilette gehen darf, ohne um Erlaubnis zu fragen. Es bedeutet nicht einmal, dass es jeden Tag verzwickte Aufgaben und Regeln gibt, die den Tagesablauf bestimmen.

24/7 bedeutet etwas anderes. Es ist eine Geisteshaltung. Aus meiner Sicht ist 24/7 nicht der Fakt, dass der dominante Part alles und jedes Detail des Lebens kontrolliert und bestimmt. Es ist die ständige Bereitschaft des devoten Parts Eingriffe in die Selbstbestimmung zuzulassen. Und die Bereitschaft des dominanten Parts, auch aktiv einzugreifen.

Wie in meinem Artikel über den Rahmen, in dem wir BDSM leben beschrieben, sollte immer festgelegt sein, wie weit der Eingriff des dominanten Parts gehen kann und wo die Grenzen sind.

Hat man diesen Rahmen festgelegt und ist sich darin einig, dass diese Eingriffe auch ohne Ankündigung im Alltag stattfinden können und sollen, hat man 24/7. Auch dann, wenn man explizit die Zeiten bei der Arbeit ausgeschlossen hat. Auch dann, wenn man andere Dinge, wie Beziehungen zu Freunden, ausgeschlossen hat.

Wie weit man dabei geht ist dann nur begrenzt durch die Lebensumstände und das, was beide wollen. Sollen die Eingriffe sehr weit gehen und sehr tief sein, oder nur wenige Bereiche betreffen? Das wird durch den oben erwähnten Rahmen definiert.

24/7 hat also nichts mit ständiger und dauerhafter Abhängigkeit vom Partner zu tun. Nichts mit Verträgen, die nicht mehr zu lösen sind. Und nichts mit der völligen Aufgabe von Selbstbestimmung.

Auch diese Formen gibt es im BDSM. Sie werden dann aber unter anderen Begriffen zusammengefasst. Dazu gerne mal TPE (Total Power Exchange) oder CIS (Completely Irrevocable Submission) googeln.

24/7 ist nichts, wovor man Angst haben muss. Denn es lässt sich sehr skalieren und dosieren. Wenn man es mit einem vernünftigen Gegenüber zu tun hat (und nur dann sollte man solche tiefgreifenden Dinge angehen), dann kann das sehr spannend sein. Und man kann es im Kleinen ausprobieren und testen, wie gut man zurecht kommt. Und wie weit es Freude macht.

Es gibt also keinen Grund, sofort schreiend davon zu laufen, wenn der Begriff 24/7 beim Kennenlernen irgendwann fällt. Nichts, was dahinter steht, ist per se schlimm und gefährlich.

Wie bei allem im BDSM muss man sich einfach dessen bewusst sein, was man tut. Und man muss vorher ausführlich darüber kommunizieren, was man will und was man auf keinen Fall will. Bei klarer Definition dieser Punkte kann 24/7 eine spannende Bereicherung sein.

Dann ist auch 24/7 kein Mythos mehr und kein Kampfbegriff. Sondern es ist eine weitere Praktik im BDSM und eine Möglichkeit auszuloten, wie weit man gehen will. Wie weit man sich auf diese Form der Sexualität und auf einen Partner einlassen will.

Sicher ist aber auch, 24/7 ist nichts, womit man anfängt. Es ist etwas für Leute, die wissen, worauf sie sich einlassen. Und für Leute, die ihre Grenzen formulieren und setzen können. Denn wenn man das nicht tut, dann drohen eben doch Übergriffe, die man so nicht wollte.