Public Disgrace – Spannend und gefährlich

Kürzlich haben zwei Bilder mein Kopfkino angekurbelt. Auf dem einen liegt eine Frau nackt und auf dem Rücken zwischen zwei Bäumen. Sie hat die Augen verbunden. Ihre beiden Knöchel sind mit Gurten an den beiden Bäumen befestigt, so dass ihre Beine weit gespreizt sind. So liegt sie im Freien auf einer Wiese.

Auf dem anderen Bild sieht man eine Autobahnbrücke, unter der eine Bahntrasse verläuft. An einem der Stützpfeiler steht eine Frau. Sie hat eine Maske auf dem Kopf, die ihr die Sicht nimmt und sie unkenntlich macht. Ihr T-Shirt ist hochgezogen und Hose und Slip sind herunter gezogen. Sie trägt ein Halsband und ihre Hände sind hinter dem Rücken fixiert.

Was fasziniert uns so am Spiel mit der Öffentlichkeit? An öffentlicher Zurschaustellung? Für einige ist der Reiz natürlich schlicht der eigene Exhibitionismus. Nicht umsonst gibt es „Promis“, die nur dafür bekannt sind, sich ständig und ungefragt nackt zu zeigen.

Es hat da oft den Kitzel des Verbotenen, des Verruchten. Das ist in Ordnung und macht es vielleicht auch für viele spannend.

Das hat aber für mich erst einmal nichts mit BDSM zu tun. Für mich beginnt der Reiz dort, wo es nicht ganz freiwillig ist. Wo es befohlen oder als Strafe angewendet wird. Natürlich ist Sub damit im Metakonsens einverstanden. Aber es geschieht nicht aus eigenem Antrieb. Und da sind wir dann schnell beim Thema Erniedrigung.

Nehmen wir das erste Bild, das ich beschrieben habe. Die Frau liegt auf dem Waldboden, die Beine gespreizt. Natürlich hat ein umsichtiger Dom den Platz so gewählt, dass keine unbeteiligten Spaziergänger vorbei kommen. Aber weiß man das als Sub in dem Moment sicher?

Hier ist der Reiz natürlich der, dass Sub völlig entblößt und hilflos ist. Nicht nur das, auch die Pose ist völlig eindeutig. Was, wenn jetzt doch jemand käme? Und was hat Dom überhaupt vor?

Das ist der Reiz. Die Erniedrigung findet, wie meistens, im Kopf statt. Es kommt nicht darauf an, dass jemand vorbei kommt und sie so sieht. Tatsächlich will man gar nicht wirklich, dass jemand vorbei kommt. Denn verantwortungsvolles Handeln beinhaltet auch, dass man Unbeteiligte nicht mit hinein zieht. Aber der Reiz ist eben, es könnte jemand vorbei kommen.

Wenig anders ist es beim zweiten Bild. Vielleicht würde hier sogar ein vorbei fahrender Zug den Reiz noch erhöhen. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand aus einem in hoher Geschwindigkeit vorbeirasenden Zug viel bemerkt ist relativ gering. Die Wirkung auf Dom und Sub ist aber sicher enorm.

Das Spiel mit der öffentlichen Erniedrigung, der öffentlichen Bloßstellung ist hier das, was den enormen Reiz ausmacht. Nicht umsonst gibt es unter dem Label „Public Disgrace“ (etwa „Öffentliche Schande“) ganze Webseiten, die sich nur diesem Thema widmen. In der Öffentlichkeit nackt bloßgestellt zu werden, war schon immer eine mächtige Fantasie und findet so ihren Platz auch im BDSM.

Auch mich persönlich reizt das sehr. Eine heimliche Ohrfeige im Gang des Supermarktes oder die Sub mitten in der Innenstadt auf einer Bank den Rock hochschieben lassen. Das alles hat seinen festen Platz im BDSM.

Und das alles ist auch völlig in Ordnung, so lange man gewisse Vorsichtsmaßnahmen ergreift und verantwortungsbewusst handelt.

Sub nackt an einen Hochsitz gefesselt auspeitschen ist halt nicht in Ordnung, wenn weniger Meter weiter Familien mit Kindern spazieren gehen. Es muss immer eine Abwägung der Gefahren und Auswirkungen stattfinden. Wie eigentlich immer im BDSM. Und im Zweifel muss die Sicherheit im Vordergrund stehen. Und das Wohl der Anderen.

Andere Menschen gegen deren Wunsch mit zu viel der eigenen Sexualität zu konfrontieren, ist nicht in Ordnung. Ab einer gewissen Schwelle überschreitet es sogar juristische Grenzen und kann zu Erregung öffentlichen Ärgernisses werden (§ 183a StGB: „Wer öffentlich sexuelle Handlungen vornimmt und dadurch absichtlich oder wissentlich ein Ärgernis erregt…“)

Es ist also auf einiges zu achten. Dennoch bleibt der Reiz und es ist auch ok, dem nachzugeben. Im Rahmen und mit Vorsicht.

Und wer ganz sicher gehen möchte, der lebt diese Form der öffentlichen Spiele auf entsprechenden Parties aus. Auch das ist möglich und viele dieser Parties leben genau davon. Allerdings ist der Reiz für manche dort geringer. Schlicht weil alle Anwesenden ja genau dafür da sind. Der Tabubruch, und sei er sonst auch nur theoretisch, ist hier wesentlich geringer. Dafür ist man aber auf der sicheren Seite. Denn hier ist man unter Gleichgesinnten. Man schockiert mutmaßlich niemanden und juristische Konsequenzen sollten auch ausgeschlossen sein.

Das Spiel der öffentlichen Erniedrigung und Zurschaustellung ist sehr spannend. Für mich persönlich und für viele andere. Das Adrenalin schießt nach oben und die Erregung gleich mit. Und wenn man umsichtig ist, dann kann auch nichts passieren. Aber man sollte sich der Verantwortung und der Gefahren eben immer bewusst sein.

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Wie viel BDSM ist richtig?

Manche sperren ihre BDSM-Partner tagelang in Zellen oder Käfige. Andere wiederum leben BDSM nur in einzelnen Sessions für ein paar Stunden und das nur alle paar Wochen. Manche definieren ihren ganzen Alltag durch BDSM. Für andere ist es nur eine Spielart während des Sex.

Was ist nun richtig? Was ist echter BDSM und was vielleicht nur Mode?

Ok, ich kläre das gleich mal auf, auch auf die Gefahr hin, dass dann manche gar nicht weiter lesen. Es gibt kein richtig oder falsch. Oder zumindest keines, dass jemand von außen beurteilen sollte, könnte oder dürfte.

Richtig ist das, was die richtig finden, die es betrifft. Und natürlich das, womit man keinem schadet. Schadet man jemandem, ist es falsch.

Dennoch gibt es aber im BDSM immer die Frage „Mache ich das richtig?“.

Manche Leute lieben Spanking. Die treffen sich mit mehr oder minder Fremden zu Sessions und lassen sich auf deutsch gesagt den Arsch versohlen. Dann fahren sie wieder nach Hause und haben Sex mit dem Partner.

Wieder andere leben BDSM als Paar, vereinbaren gewisse Regeln und verstoßen dann absichtlich dagegen. Natürlich nur um dann die verdiente und gewünschte „Strafe“ zu bekommen.

Ich persönlich stelle gerne Regeln auf, erwarte dann aber auch die Einhaltung und bestrafe dann aber auch bei Zuwiderhandlung mit Dingen, die dem Gegenüber keinen Spaß machen, sondern sie wirklich bestrafen sollen. Mir als Dom stellen sich die Nackenhaar auf, wenn ich mir vorstelle, dass eine Sub absichtlich etwas falsch macht um „bestraft“ zu werden. Das widerspricht meiner Vorstellung von BDSM. Aber es ist eben nur meine Vorstellung. Und so wie ich BDSM so lebe, wie ich es möchte und mir Partnerinnen suche, die es genauso wollen. So darf das jede und jeder andere auch.

Aber ist irgendetwas davon richtig? Das ist eigentlich schon oben beantwortet. Für mich ist ein Treffen bei dem ich einer Sub den Arsch versohle, sonst nichts passiert und wir beide wieder gehen, falsch. Das ist für mich persönlich nicht genug BDSM. Weil es meiner Neigung einfach nicht entspricht. Für andere mag es genau richtig sein.

Für manche mag es auch genau richtig sein in Fetisch-Kleidung auf eine Party zu gehen und sich dort nur bewundern zu lassen. Zuhause finden nach Sex mit dem Partner statt. Auch Fetisch kann schließlich BDSM sein. Für mich wäre es zu wenig.

Dafür gibt es sicherlich genügend Leute sie sagen, Regeln aufstellen und bestrafen? Wo ist denn da der Spaß? Ich brauche Fetischpartys, öffentlichen Sex und schwere körperliche Strafen. Denen wiederum ist das zu wenig was ich auslebe.

Wie groß der Anteil an BDSM im Leben ist, ist also ganz individuell. Oft hängt es auch von den Lebensumständen ab, die aktuell nicht mehr zulassen. So wollen beide vielleicht den D/s-Anteil erhöhen und mehr Kontrolle in den Alltag integrieren, es ist aber schwer mit den Lebensumständen vereinbar. Daran muss man arbeiten.

Aber auch BDSM als Würze für das Sexleben und dann nur alle 14 Tage, kann in Ordnung sein. Wenn beide damit zufrieden und glücklich sind.

Ebenso wie das Modell, dass man jedes Wochenende auf irgendwelche BDSM-Partys in der Grand Opera oder im Catonium verbringt. Solche Leute sind nicht bessere BDSMer als andere.

BDSM ist vielfältig. So vielfältig wie die Menschen die es leben und deren Vorlieben. Es gibt das „richtige BDSM“ so wenig, wie es die eine richtige Pizza gibt. die Geschmäcker sind verschieden. Und genauso, wie ihr euch beim bestellen der Pizza von anderen nicht erklären lasst welche Pizza nun die eine richtige ist, die ihr bestellen müsst, verhält es sich auch mit BDSM.

Und auch ob ihre jede Woche Pizza esst oder nur einmal im Monat, ist genauso individuell wie die Häufigkeit in der ihr BDSM lebt. Aber wenn ihr mit einem Partner zusammen eine Pizza teilen wollt, dann muss sie auch beiden schmecken. Ob dann Sardellen oder Champignons oder nur Salami drauf sein soll, dass muss vorher geklärt werden.

BDSM ist also quasi Pizza. Nur mit weniger Käse. Naja. Nicht ganz. Aber ich denke, ich versteht, was gemeint ist.

BDSM 2.0

Regeln sind gerade für D/s zentral. Wenn beide Spaß daran haben und Lust daraus ziehen, dann kann man mit Regeln, die Sub vorgegeben werden, eine ganze Menge Freude haben.

In früheren Artikeln wie Regeln sind wichtig und Klassische Gebote und Verbote habe ich schon darüber geschrieben und ein paar Beispiele gegeben. Aber einen spannenden Aspekt habe ich bisher noch nicht beleuchtet: welche Möglichkeiten bietet die moderne und digitale Welt?

Wie kann man also mit Hilfe von Computer oder Handy Sub kontrollieren? Oder auch: wie kann man die Nutzung dieser Geräte kontrollieren?

Da bieten sich viele neue Möglichkeiten. Manche sind vielleicht erschreckend und wirken recht extrem, da sie tief in die persönliche Freiheit des Gegenüber eingreifen. Ich muss es nicht, betone aber noch einmal, dass diese Spielarten nur dann in Ordnung sind, wenn beide das wollen. Es handelt sich hier um Spielarten von D/s, die Kontrolle und Macht über den Partner ausüben. Das sollen sie auch. Weil beide Lust daraus ziehen. Einseitig betrieben wären es krasse Übergriffe.

Fangen wir an mit den Möglichkeiten, den Aufenthaltsort zu kontrollieren. Eine Möglichkeit dafür sind Apps, mit denen man den Standort übermitteln kann. So kann immer auf Anfrage eine GPS-Information angefordert und gesendet werden. Auf einer Karte sieht man dann, wo sich das Gegenüber befindet.

Diese Funktion bringen manche Chat-Apps mit sich, aber auch spezielle GPS-Tracking-Apps.

Ein weiteres Stichwort ist „Geofencing„. Mit dieser Funktion können Bereiche und Orte festgelegt werden. Also sozusagen Zäune (englisch: Fences) gezogen werden. Betritt oder verlässt das Gegenüber einen dieser Bereiche, wird man sofort informiert. Soll Sub also zu Hause bleiben oder nicht in eine bestimme Bar gehen, dann kann das leicht überwacht werden.

Natürlich kann das einfach „ausgetrickst“ werden, indem man das Handy liegen lässt. Aber es geht ja auch nicht um wirkliche Überwachung, sondern um Möglichkeiten und Varianten einer freiwilligen Spielart.

Manche der oben erwähnten Apps bringen auch viel weitergehende Möglichkeiten der Kontrolle mit sich. Das Stichwort ist da: „Parental Control„, also „elterliche Kontrolle“. Unter diesem Stichwort finden sich diverse Möglichkeiten. Chats können mitgelesen, der Browserverlauf geprüft und Kontakte sowie Kalender angeschaut werden.

Da wird es dann schon extrem. Aber wer sich dafür entscheiden möchte, der findet da sicher Möglichkeiten.

Eine Möglichkeit, aus der Entfernung auf einen Rechner zuzugreifen und sich dort umzusehen, ist Software zur Fernwartung. Damit kann man auch vom anderen Ende der Welt auf dem Zielrechner arbeiten, EMails lesen, den Browserverlauf prüfen und überhaupt alles Mögliche machen.

Sowohl Windows als auch die Handy-Betriebssysteme iOS und Android bieten auch die Möglichkeit, die Nutzungszeit einzuschränken. So kann das Handy oder der Laptop dann beispielsweise nach 20 Uhr nicht mehr benutzt werden. Inwiefern man sich dabei ins eigene Fleisch schneidet, wenn man nicht mehr miteinander schreiben kann, muss jeder selber wissen.

Es können aber auch Nutzungszeiten für bestimmte Apps eingestellt werden. So kann man beispielsweise die Nutzung der Facebook-App oder Instragram nur zu bestimmten Zeiten gestatten und sonst sperren.

Wesentlich harmloser ist die Variante, dass man regelmäßige Nachrichten vereinbart. Jeden Morgen und/oder jeden Abend haben zu bestimmten Uhrzeiten Nachrichten als Statusmeldung zu erfolgen. Am einfachsten hier natürlich über die Chat-App der Wahl.

Und eine ganz praktische Möglichkeit, um Aufgaben und zu stellen oder auch erfüllte Aufgaben abzuhaken, sind Apps in denen man Listen erstellen und teilen kann. So kann man gemeinsame Listen führen, in die der eine Partner Aufgaben einträgt. Diese erscheinen dann beim Gegenüber in der App und können dort nach Erfüllung abgehakt werden.

So weiß Dom in dem Fall genau dass und wann die Aufgabe erledigt wurde und Sub kann sie nicht so leicht vergessen.

Das sind einige Möglichkeiten. Sicher gibt es noch viele andere und ich bin neugierig auf euren Input. Nutzt ihr solche Möglichkeiten? Wenn ja, wie? Auf kreative Vorschläge oder auch Tipps für weitere Apps bin ich sehr neugierig.

Bewusst nenne ich hier keine konkreten Namen. Ich habe keine Lust, Werbung zu machen. Unter den gefetteten Stichworten findet ihr sicher die passenden Programme.

Und nochmal, es geht hier nicht um Stalking oder ungewollte Überwachung. Wer so etwas heimlich macht und ohne Wissen des Gegenübers, der macht sich höchstwahrscheinlich strafbar.

Es geht um etwas, das erwachsene Menschen freiwillig tun, weil sie Spaß und Lust daran haben.

Und wenn euch die Möglichkeiten der Überwachung, gerade über das Handy, erschrecken, dann habt ihr sicher Recht. Aber das ist dann kein Problem von BDSM, sondern ein gesellschaftliches. Eines, über das es sicher auch lohnt nachzudenken. Aber auch eines, für das dieser spezielle Blog nicht geeignet ist.

Vögeln, bumsen, poppen…

Vögeln, bumsen, poppen, ficken, knattern, bimsen, bürsten, treiben oder stöpseln. Es gibt endlos viele Begriffe für den sexuellen Akt. Welche man in welcher Situation benutzt, ist dabei reine Geschmackssache. Aber der Begriff, der einem gefällt, kann beim anderen jede Stimmung augenblicklich abtöten.

Ich persönlich zum Beispiel finde die meisten der aufgezählten Begriffe albern. Aber der, der mich wirklich abturnt ist „bumsen“. Geht gar nicht. Da schüttelt es mich.

Im BDSM ist es genauso und manchmal sogar noch etwas komplizierter. Ich kam neulich darauf, als ich folgenden Tweet abschickte und darauf einige öffentliche und private Resonanz bekam:

Für mich persönlich geht also im persönlichen Umgang die Bezeichnung „Subbie“ nicht. Subbie ist für mich niedlich. Da würde ich nach einem Kätzchen suchen. Subbie hat für mich keinen sexuellen Anklang und funktioniert daher nicht. Noch schlimmer ist die weitere Verniedlichung „Subbielein„. Ganz schlimm.

Der Einwand, man könne in erklärenden Texten damit Männer und Frauen unter einem freundlich klingenden Begriff zusammenfassen, mag greifen. Da wird ja auch niemand direkt auf sexuelle Art angesprochen. Da kann ich das gelten lassen.

Und so geht es im BDSM mit vielen Begriffen. Das Verbale ist im BDSM wichtig, denn üblicherweise geht BDSM über das simple „rein-raus-fertig“ hinaus.

Und so sind Anreden und Begrifflichkeiten wichtig. Für die einen ist ein Begriff sexuell stark aufgeladen. Er kickt sie, wenn man ihn verwendet. Wenn sie ihn selber aussprechen oder so bezeichnet werden. Und dann ist es hilfreich, wenn der Begriff für das Gegenüber auch etwas auslöst.

Auch hier gilt das, was ich bereits früher über den Setzkasten und BDSM geschrieben habe. Findet heraus, was euch gefällt. Auch begrifflich. Auch hier gilt wie bei allem: passen wird es nur dann, wenn das Gegenüber die Vorlieben akzeptiert oder sogar teilt. Und findet vor allem heraus, ob euch bestimmte Begriffe und Anreden explizit kicken. Das kann ein starker Reiz sein. Nutzt das.

Die einen kickt es beispielsweise, sich Herr, Daddy, Master oder Meister nennen zu lassen. Die Damen lassen sich gerne Miss, Lady, Madame oder auch Herrin nennen. Wenn das Gegenüber sich dabei dann albern fühlt, wird es schwierig. Ich zum Beispiel finde „Meister“ albern und denke dabei zuerst an den „Meister Eder“. Aber das mag ja jeder anders sehen.

Manche Anreden sind mit bestimmten Rollen verbunden, die man einnimmt. Andere können Synonym verwendet werden. So sehe ich persönlich keinen Unterschied in der Anrede „Herr“ oder „Master“.

Auf der anderen Seite des Spektrums gibt es dann die Bezeichnungen Sub, Sklavin, Zofe etc. Oder eben Sklave oder andere Begriffe. Ganz abgesehen von Rollenbezeichnungen, auf die ich ja im Beitrag Goethe und das Dilemma Sub oder Sklavin schon eingegangen bin, kommt es auch hier auf Vorlieben an.

Wenn es euch egal ist, wie ihr genannt werdet oder euer Gegenüber nennt, dann besprecht das und einigt euch auf einen Begriff, den ihr beide mögt. Wenn ihr bestimmte Vorlieben oder Abneigungen habt, dann sagt das aber auf jeden Fall. Denn wenn schon die Anrede widerwillig erfolgt, dann ist gleich der Wurm drin.

Und dann gibt es ja noch den expliziten Dirty Talk. Das also, wo es besonders schmutzig und manchmal auch grenzwertig zugehen soll.

Da ist es oft besonders einfach, sich daneben zu benehmen oder lächerlich zu machen. Ein Gag, über den ich in dem Zusammenhang immer lachen muss:

„Sag mir was schmutziges!“
„Küche.“

Mir persönlich fällt hier das böse F-Wort ein: Fotze. Für viele Frauen ein Tabuwort. Für andere genau deswegen ein Kick im richtigen Moment. Ein Begriff, den man im BDSM-Kontext als Erniedrigung verwenden, mit dem man aber auch böse daneben liegen kann.

Die einen Frauen benutzen es selber und werden gerne so genannt. Die anderen benutzen es selber, lassen sich aber nicht so nennen. Wieder andere meiden das Wort in jeder Form. Und all das ist völlig ok.

Fühlt vorsichtig vor. Findet heraus, was euer Gegenüber mag. Denn wenn ihr mitten dabei seid und dann experimentell etwas raus haut, dann kann es auch so gehen wie es eine Twitterin beim Wort Subbie geschrieben hat: „da werde ich zur Sahara“. Und das will in der Situation ja keiner.

Ich gewöhne mir BDSM ab

Wie oft habe ich die Aussage gehört: „Jahrelang dachte ich, Sex ist einfach nicht mein Ding. Und dann habe ich BDSM entdeckt und plötzlich wusste ich, was all die Jahre gefehlt hat.“

Ist das nicht toll? Wenn man plötzlich seine wahre Neigung entdeckt und versteht, was alle an Sex immer so toll finden? Plötzlich kann man ihn genießen und er befriedigt. Möglicherweise nach Jahrzehnten der Frustration?

Ja, grundsätzlich ist das toll. Aber auch nicht immer. Denn was ist, wenn man diese Neigung entdeckt, aber in einer Beziehung steckt? In einer Beziehung mit jemandem, der diese Neigung nicht teilt? Der womöglich über die Jahre immer wieder zu verstehen gegeben hat, dass er so etwas „krank“ oder „abartig“ findet. Was dann?

Ich habe eine Frau gekannt, die ihre devote Seite entdeckt hat. Sie war Feuer und Flamme. Es war wie ein Funke, der auf einen ausgetrockneten Waldboden fällt. Wir haben uns getroffen und es hat gepasst wie es nur passen kann. Aber sie war verheiratet.

Nach dem Treffen bekam sie Panik und hat den Kontakt abgebrochen. Mit der Erklärung, noch ein Treffen und sie könne nicht mehr zu ihrem Mann zurück kehren. Sie war 25 Jahre verheiratet und hatte mit ihm zwei Kinder. Ihre Reaktion war: „Ich gewöhne mir BDSM ab.„.

Kann das gut gehen? Meiner Meinung nach nicht. Denn BDSM ist eine sexuelle Neigung wie alle anderen. Und eine solche Neigung zu unterdrücken ist dem persönlichen Wohlbefinden und Glück zumindest mal nicht förderlich. Seine eigene sexuelle Identität zu unterdrücken ist nicht einfach.

Sicher kann man beispielsweise den Sexualtrieb, den man hat, komplett unterdrücken. Manchen mag das gelingen. Den meisten jedoch nicht. Ich spreche da bewusst nicht von denen, die diesen Trieb gar nicht haben. Sondern von denen, die ihn haben, aber bewusst unterdrücken. Zufrieden und glücklich wird man so eher nicht.

Und so wird es mit dem Trieb nach BDSM auch sein. Es ist nun einmal die Form von Sexualität, die einen erfüllt. Man kann versuchen, darauf zu verzichten und eine andere Form leben. Aber es wird kaum so erfüllend sein wie das, was einen eigentlich antreibt und anmacht.

Sicher ist es schwer, wenn man in einer Situation lebt, in der man sich zwischen dem eigenen Lebensentwurf und der sexuellen Präferenz entscheiden muss. Dafür gibt es keine Patentlösung. Ein paar Tipps habe ich im Artikel „Neugierig auf BDSM aber vergeben“ versucht zu geben.

Wer dennoch der Meinung ist, es sei doch einfach, auf so etwas wie BDSM zu verzichten obwohl es die die Neigung ist, die einen ausmacht, der kann ja mal folgendes Gedankenexperiment machen: egal welche Neigung ihr habt, stellt euch vor ihr müsstet sie euch abgewöhnen.

Stellt euch vor, ab morgen müsstest ihr, statt auf euer bevorzugtes Geschlecht, auf das andere Geschlecht stehen. Kann doch nicht so schwer sein, oder? Habt einfach den Rest eures Lebens Sex mit dem Geschlecht auf das ihr nicht steht. Oder habt alternativ gar keinen Sex mehr.

Klingt verlockend, oder? Eben. Und genauso erfolgversprechend ist es, sich die Neigung zum BDSM abzugewöhnen.

Und wer seine Neigung immer und immer unterdrückt, der wird in der Beziehung unglücklich sein. Der wird es dem Partner mindestens unterbewusst vorwerfen. Und dann steht so oder so am Ende womöglich die Trennung. Auch das ist nicht leicht. Keine der Alternativen ist schön.

Mein Ratschlag auch hier: sucht das Gespräch. Versucht euch mitzuteilen. Ein verständnisvoller Partner wird gemeinsame Lösungen suchen wollen. Und seid ihr in einer Lebenssituation, in der es absolut und auf keinen Fall in Frage kommt, mit dem Partner zu reden oder die Neigung anders auszuleben, dann sucht euch ebenfalls jemanden zum reden.

Eine gute Freundin oder einen guten Freund. Eine Psychologin oder einen Psychologen. Irgendjemanden. Denn simples Unterdrücken von Wünschen, Bedürfnissen und Gefühlen hat selten zu irgendetwas Gutem geführt.

Was ist eigentlich 24/7?

Das Stichwort 24/7 ist im BDSM ja fast ein Mythos und ein Kampfbegriff. Für die einen ein absolutes Muss, unter dem BDSM quasi nur Spielerei ist. Für die anderen Horror, bei dem spätestens jeder Spaß aufhört.

Wie so oft im BDSM gibt es aber keine feststehende Definition des Begriffs, nach der sich dann alle richten können. Und so ist es nicht einfach, festzustellen, was denn 24/7 bedeutet. Der Begriff an sich ist eine Abkürzung dafür, dass etwas über 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche andauert.

Im Bezug auf BDSM kann das aber ja nicht bedeuten, dass man so etwas wie eine Session 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche durchzieht. Jeder muss auch mal aus dem Haus, arbeiten, Freunde treffen etc. Jegliche sexuelle Interaktion muss auch mal pausieren und hinter anderen Dingen das Alltags zurückstehen.

Für mich steht 24/7 für zwei Dinge im BDSM. Das Verlassen des rein sexuellen Bereichs und die erweiterte Abgabe von Selbstbestimmung des devoten Parts.

24/7 bedeutet nicht, jeden Tag nackt durch die Stadt zu laufen. Es bedeutet auch nicht, dass der devote Part nicht mehr Luft holen oder auf die Toilette gehen darf, ohne um Erlaubnis zu fragen. Es bedeutet nicht einmal, dass es jeden Tag verzwickte Aufgaben und Regeln gibt, die den Tagesablauf bestimmen.

24/7 bedeutet etwas anderes. Es ist eine Geisteshaltung. Aus meiner Sicht ist 24/7 nicht der Fakt, dass der dominante Part alles und jedes Detail des Lebens kontrolliert und bestimmt. Es ist die ständige Bereitschaft des devoten Parts Eingriffe in die Selbstbestimmung zuzulassen. Und die Bereitschaft des dominanten Parts, auch aktiv einzugreifen.

Wie in meinem Artikel über den Rahmen, in dem wir BDSM leben beschrieben, sollte immer festgelegt sein, wie weit der Eingriff des dominanten Parts gehen kann und wo die Grenzen sind.

Hat man diesen Rahmen festgelegt und ist sich darin einig, dass diese Eingriffe auch ohne Ankündigung im Alltag stattfinden können und sollen, hat man 24/7. Auch dann, wenn man explizit die Zeiten bei der Arbeit ausgeschlossen hat. Auch dann, wenn man andere Dinge, wie Beziehungen zu Freunden, ausgeschlossen hat.

Wie weit man dabei geht ist dann nur begrenzt durch die Lebensumstände und das, was beide wollen. Sollen die Eingriffe sehr weit gehen und sehr tief sein, oder nur wenige Bereiche betreffen? Das wird durch den oben erwähnten Rahmen definiert.

24/7 hat also nichts mit ständiger und dauerhafter Abhängigkeit vom Partner zu tun. Nichts mit Verträgen, die nicht mehr zu lösen sind. Und nichts mit der völligen Aufgabe von Selbstbestimmung.

Auch diese Formen gibt es im BDSM. Sie werden dann aber unter anderen Begriffen zusammengefasst. Dazu gerne mal TPE (Total Power Exchange) oder CIS (Completely Irrevocable Submission) googeln.

24/7 ist nichts, wovor man Angst haben muss. Denn es lässt sich sehr skalieren und dosieren. Wenn man es mit einem vernünftigen Gegenüber zu tun hat (und nur dann sollte man solche tiefgreifenden Dinge angehen), dann kann das sehr spannend sein. Und man kann es im Kleinen ausprobieren und testen, wie gut man zurecht kommt. Und wie weit es Freude macht.

Es gibt also keinen Grund, sofort schreiend davon zu laufen, wenn der Begriff 24/7 beim Kennenlernen irgendwann fällt. Nichts, was dahinter steht, ist per se schlimm und gefährlich.

Wie bei allem im BDSM muss man sich einfach dessen bewusst sein, was man tut. Und man muss vorher ausführlich darüber kommunizieren, was man will und was man auf keinen Fall will. Bei klarer Definition dieser Punkte kann 24/7 eine spannende Bereicherung sein.

Dann ist auch 24/7 kein Mythos mehr und kein Kampfbegriff. Sondern es ist eine weitere Praktik im BDSM und eine Möglichkeit auszuloten, wie weit man gehen will. Wie weit man sich auf diese Form der Sexualität und auf einen Partner einlassen will.

Sicher ist aber auch, 24/7 ist nichts, womit man anfängt. Es ist etwas für Leute, die wissen, worauf sie sich einlassen. Und für Leute, die ihre Grenzen formulieren und setzen können. Denn wenn man das nicht tut, dann drohen eben doch Übergriffe, die man so nicht wollte.

Aftercare – Auffangen im BDSM

Wir sprachen ja schon drüben bei Lustgewinn darüber. Aber danach haben mich doch einige Fragen erreicht. Also dachte ich, ich schreibe noch einmal etwas dazu.

BDSM kann aus relativ extremen Situationen bestehen. Sei es körperlich oder auch seelisch. Da kann es je nach Vorlieben zu Grenzerfahrungen kommen. Und für manche wird es ja auch dann erst richtig spannend.

Umso wichtiger ist es dann, dass man mit den ganzen Emotionen nicht alleine gelassen wird. Dass man ein Gegenüber hat, das einen auffängt. Dieses Auffangen nennt man Aftercare.

Aftercare beschränkt sich nicht ausschließlich auf das, was NACH einer Session passiert. Wer während einer Session umsichtig ist, der muss vielleicht am Ende gar nicht so viel Aftercare leisten.

Aber üblicherweise ist eben gemeint, sich „danach“ um das Gegenüber zu kümmern. In den meisten Fällen ist das die Aufgabe des dominanten Parts. Dabei helfen, wieder runter zu kommen und im Hier und Jetzt anzukommen.

Und das ist ein vielschichtiges Thema. Denn je nach Situation, je nach dem, was vorher passiert ist, je nach Persönlichkeit von Sub und Dom ist Aftercare etwas völlig anderes.

Die oder der eine Sub braucht es, gehalten und umsorgt zu werden. Andere gehen aus einer ähnlichen Situation beschwingt und wie auf Wolken heraus. Wieder andere mögen es am liebsten, wenn man hinterher zwar redet, aber nicht zwingend alles Passierte noch einmal durchkaut.

Es kann auch sehr darauf ankommen, wie intensiv es wird. Fließen zum Beispiel Tränen, dann kann das ein Zeichen dafür sein, dass eine Grenze erreicht ist und man abbrechen sollte. Es kann aber auch ein Zeichen sein, dass einfach Emotionen frei werden und man kann weiter machen. Kennt man sich nicht so gut, muss man nachhaken und sich kümmern. Kennt man sich, kann man womöglich bedenkenlos weiter machen.

Ein Beispiel. Ich habe mal eine Sub geschlagen und sie fing an zu weinen. Ich kannte sie noch nicht gut und bin an sie heran getreten, habe sie gestreichelt und gefragt, ob alles ok ist. Sie sagte ja. Ich fragte, ob ich weiter machen soll. Sie sagte ja. Und ich  machte weiter und alles war gut.

Eine andere Situation, eine andere Sub. Ich habe sie an den Haaren gepackt und sie verbal erniedrigt, sie hat das sehr genossen. Dann habe ich verlangt sie solle sich hin knien und etwas tun von dem ich ehrlicherweise nicht mehr weiß was es genau war. Sie tat es. Erst Minuten später habe ich gemerkt, wie sie unentspannt wurde. Sich verkrampfte. Auf meine Nachfrage konnte oder wollte sie nichts sagen. Erst ein paar Tage später konnte sie erklären, dass sie gemerkt hat wie sie noch nicht bereit sei solche Anweisungen zu bekommen. Sie hatte es gemacht, ohne bereit zu sein und das dann gemerkt. Das löste Unwohlsein aus, das sie aber nicht formulieren konnte. Nicht in dem Moment.

Die Fürsorge oder das Aftercare verlangt es, da umsichtig zu reagieren. Nachzufragen und vorsichtig zu sein. Zumindest, so lange man sich nicht gut genug kennt und sein Gegenüber exakt zu lesen weiß. Natürlich ist es auch Teil des Spiels und des Kicks, über solche Situationen einmal hinweg zu gehen und weiter zu machen. Kennt man sich aber nicht gut genug, ist das extrem riskant.

Vor allem nach einer Session ist es dann aber noch einmal wichtig, zumindest die Möglichkeit anzubieten zu reden, zu kuscheln, zu halten. Je nach Bedürfnis und Persönlichkeit.

Das Bedürfnis, nach emotionalen und intensiven Erfahrungen nicht einfach alleine gelassen zu werden, ist jedenfalls ganz normal. Und das vom Gegenüber einzufordern ist ebenfalls normal und in Ordnung. Wer Dom sein will und Wert darauf legt Sub auch mal wieder zu sehen, sollte das leisten. Wer es nicht tut, riskiert, emotional einiges kaputt zu machen. Ein richtiger Absturz nach einer Session kann Vertrauen in sich und andere über Jahre zerstören.

Und Aftercare nach einer Session verhindert Abstürze nicht generell und zu 100%, aber Aftercare mindert das Risiko, dass es dazu kommt.

Mein Tipp wäre, sprecht das Thema vor einem Treffen an. Fragt, wie das Gegenüber dazu steht. Der Umgang mit dieser Frage kann euch das eine oder andere verraten. Wer darüber oder über eine Frage nach einem Cover lacht oder versucht es einem auszureden, dem sollte man aus dem Weg gehen.

SSC oder RACK? WTF?

Was sind das für merkwürdige Abkürzungen, mag sich der geneigte Leser jetzt fragen. Das ist schnell beantwortet. WTF steht für „What the Fuck“ und heißt so viel wie „Was zur Hölle soll das bedeuten?“.

Bei den anderen beiden Abkürzungen ist es schon etwas komplexer und darum soll es um die beiden hier nun auch gehen.

Im Kern sind beides Philosophien oder moralische Konzepte, wie man BDSM auslebt. SSC steht dabei für „Safe, Sane, Consensual“ (übersetzt „sicherheitsbewusst, mit gesundem Menschenverstand und einvernehmlich“). RACK dagegen steht für „Risk-aware consensual kink“ (übersetzt etwa „Risikobewusster gemeinsamer Kick“).

SSC ist dabei die ältere der beiden Philosophien. Sie besagt im Grunde, dass man BDSM gemeinsam so auslebt, dass alle beteiligten Personen der Überzeugung sind, das was man tut sei sicher. Außerdem, dass man den gesunden Menschenverstand benutzt und natürlich alles einvernehmlich ist.

Da kommen wir aber schon zu den ersten Problemen, die manche mit SSC haben. Einvernehmlich ist noch klar. Natürlich muss alles, was beim BDSM passiert, einvernehmlich sein. Zumindest in einem Metakonsens. Was so viel bedeuten soll, wie „vielleicht habe ich dazu gerade keine richtige Lust, aber ich bin einverstanden, dass Du mich dennoch dazu ‚zwingst'“. Dieser Metakonsens muss immer herrschen. In der Sekunde, wo der Schmerz groß ist, macht er vielleicht keinen großen Spaß. Aber es muss Einvernehmlichkeit herrschen, dass der Schmerz dennoch „OK ist“.

Einvernehmlichkeit ist nicht verhandelbar und immer Grundlage von BDSM.

Was ist aber „sicher“? Was ist mit dem gesunden Menschenverstand noch vereinbar und was nicht? Ist den Partner anderen vorzuführen sicher? Das kann psychologisch zu Problemen und Konflikten führen, die man nicht immer gleich absehen kann.

Ist die Aufnahme von Urin mit dem gesunden Menschenverstand vereinbar? Was ist denn mit Keimen? Ist Natursekt dann überhaupt sicher? Wann ist ungeschützter Verkehr sicher? Wenn alle Beteiligten einen aktuellen Gesundheitstest dabei haben? Sollte man unter Einfluss von Drogen oder Alkohol BDSM praktizieren? Wie sicher ist das dann?

Da können die Meinungen schnell auseinander gehen. Und es genügt dann schlicht nicht, wenn einer der Meinung ist, eine Praktik sei sicher. Wenn einer der Beteiligten etwas für nicht sicher hält oder für nicht mit dem gesunden Menschenverstand vereinbar, dann fällt die Praktik unter SSC für diese Konstellation aus.

SSC ist also eine durchaus sehr sinnvolle Art und Weise, seine BDSM-Vorlieben einzustufen und mit anderen abzustimmen. Aber es ist auch eine Philosophie, die von manchen als sehr einschränkend empfunden wird. Denn wenn man nur tut, was alle als absolut sicher einstufen, dann fällt eben manches weg.

Und da kamen irgendwann Leute auf die Idee, man müsse andere Definitionen finden. So entstand RACK.

Auch in RACK kommt „consensual“, also einvernehmlich vor. Das können wir also als gegeben abhaken. Wo aber liegen die Unterschiede?

Im Grunde setzt RACK mehr auf Eigenverantwortung. Es besagt in etwa: „Ja, wir sind uns bewusst, dass das was wir tun nicht ungefährlich oder schlicht unvernünftig ist. Aber so lange wir das wissen und es dennoch wollen, ist es ok.“.

Nehmen wir ein Beispiel. Ich mag praktische Beispiele. Autofahren ist nur bedingt sicher und in einer Blechkiste mit 200 km/h durch die Gegend zu rasen, würden manche als gegen den gesunden Menschenverstand bezeichnen. Dennoch tun wir es. Wir wissen alle um das Risiko eines Unfalls, nehmen aber dennoch am Straßenverkehr teil.

So gesehen ist Autofahren nicht SSC, aber durchaus RACK. Ok, abgesehen von der Sache mit dem Kick. Aber hey, sogar den haben ja manche beim Autofahren.

Oder um es noch deutlicher zu sagen: wer als Dom seine Sub anderen zur Benutzung überlässt und den anderen Männern dabei erlaubt, die Kondome weg zu lassen, hat den Boden von SSC weit hinter sich gelassen. Weder ist das nach allgemeinem Verständnis sicher, noch mit dem gesunden Menschenverstand vereinbar. Aber unter RACK kann das durchaus dennoch Ok für die Beteiligten sein. Wenn sich alle der Risiken bewusst sind und es einvernehmlich beschlossen haben, dann sollen sie. RACK besagt: ihr müsst wissen was ihr tut.

Und RACK besagt auch, dass alle Praktiken erlaubt sind. Es müssen sich die Beteiligten nur bewusst sein, dass sie ein Risiko damit eingehen. Wichtig ist dabei aber, dass man sich der offensichtlichen Risiken, die durch bestimmte Praktiken entstehen, ebenso bewusst ist, wie der unabwägbaren Risiken.

Noch ein Wort zum Thema Safeword. Ein Safeword ist keine Garantie, aber es ist eine Vorsichtsmaßnahme. Wer ein Safeword weg lässt, der geht damit ein Risiko ein. Auch dieser Tatsache sollte man sich bewusst sein. Und bewusst ein Risiko einzugehen entspricht dann wieder der Definition von RACK. Wer also ohne Safword BDSM praktiziert, der hat SSC verlassen und befindet sich im Bereich von RACK.

Kurz gesagt: SSC ist vielleicht das etwas defensivere und vorsichtigere Konzept. RACK geht mehr Risiken ein und ist offensiver. Beide sollen helfen, sich dessen bewusst zu machen, was man tut oder besser lässt. Und selbstverständlich setzen beide Einvernehmlichkeit voraus.

Es ist wie so oft im Leben. Welche Philosophie oder welches Konzept man verfolgt, muss man selber entscheiden. Die eine Variante bietet vermeintlich mehr Sicherheit, die andere vermeintlich mehr Freiheit. Was für euch der richtige Weg ist, das könnt am Ende nur ihr entscheiden.

Aber eines ist für beide Varianten unabdingbare Voraussetzung: sich vorher Gedanken über das machen, was man will und was man bereit ist mitzumachen. Und egal welche der beiden Philosophien man dann verfolgt, kann DAS zumindest nicht schaden.

Verleihen, Vorführen und Fremdbenutzen

Sie ist fast nackt. Sie trägt nur die Dessous, die ihr Herr ihr bereit gelegt hat. Nun legt er seine Hand zwischen ihre Schulterblätter, spricht ihr leise Mut zu und führt sie in den Raum. In den Raum von dem sie weiß, dass dort mehrere Herren auf sie warten. Herren, die heute Abend mit ihr tun werden, wonach ihnen ist.

So oder so ähnlich fängt eine besonders beliebte Fantasie im BDSM an. Der Herr führt seine Sub anderen Herren vor oder führt sie ihnen gar zur Benutzung zu. Der Herr wacht darüber, dass alles im vereinbarten Rahmen bleibt und die Sub gibt sich hin.

Was ist aber dran an dieser Fantasie? Warum ist sie so beliebt? Und ist es überhaupt in Ordnung, so eine Fantasie zu haben?

Offenbar ist die Fantasie in der Konstellation männlicher Dom und weibliche Sub verbreiteter, als umgekehrt. Warum das so ist, darüber kann ich aber auch nur spekulieren. Daher spreche ich hier der Einfachheit halber von männlichen Doms und weiblichen Subs.

Zuerst einmal zur dritten Frage: ist es in Ordnung, so eine Fantasie zu haben? Und da frage ich wie immer zurück: warum denn nicht? Wem schadet man denn damit? Alle Fantasien sind in Ordnung, die keinem schaden. Wenn man sie ausleben kann und damit keinem weh tut, warum dann nicht? Wenn allen Beteiligten klar ist, woran sie da gerade teilnehmen, dann ist das auch völlig ok.

Wie immer gilt natürlich besonders hier, dass man auf die Gesundheit aller Beteiligten achten muss. Daher sollte hier Schutz selbstverständlich sein. Manchen nimmt das den Spaß gerade an dieser Fantasie. Aber niemand möchte ja russisches Roulette spielen.

Was ist also dran an der Fantasie? Was macht sie so beliebt? Vor allem, was macht sie bei beiden Seiten so beliebt?

Ich denke, für den dominanten Mann ist es einfach eine Form von Macht, die er sonst nicht ausleben und spüren kann. Darüber zu bestimmen, wer seine Sub und/oder Partnerin anfassen, anschauen oder gar sexuell benutzen darf, ist eben sehr selten. Es ist etwas, das ganz tief rührt.

Auf der einen Seite ist es ein „Besitzerstolz“: „Schaut her, das ist meine. Ihr dürft nur schauen, aber ich, ich darf alles mit ihr. Sogar sie euch so präsentieren.“ Damit erhebt man sich über die anderen Beteiligten.

Außerdem ist es die Macht über die Sub. Denn der Dom bestimmt in der Situation so weitgehend, wie es kaum anders möglich ist. Er bestimmt, was mit ihr geschieht und wer etwas mit ihr tun darf. So weit geht Macht über die Sub selten.

Vermutlich spielt sogar noch diese alte Idee rein, dass der die Macht hat, der penetriert. Und wer penetriert wird, ist unterlegen. Dass das in einer emanzipierten Welt nicht stimmt und auch Männer sich penetrieren lassen können ohne an Achtung zu verlieren lassen wir mal Beiseite.

Aber wenn wir diese Idee mit in Betracht ziehen, dann ist natürlich auch der Akt, die Sub penetrieren zu lassen eine Machtausübung. Noch dazu, wenn es durch ihr fremde Mitspieler geschieht. Das erhöht noch den Reiz, erhöht die Auslieferung.

Und da kommen wir auch zu dem Punkt, worin der Reiz für die Sub liegt. Es ist eine Form des absoluten Kontrollverlusts. Aber in einer sicheren Form, denn es passt ja jemand auf. Es passt der Mensch auf, dem sie vertraut und in dessen Hände sie sich gegeben hat. Also ist es ein absoluter Kontrollverlust mit absoluter Sicherheit. Etwas, das eigentlich unmöglich ist.

Selten kann man sich als weibliche Sub wohl umfassend in fremde Hände begeben.

Noch dazu ist es die Erfüllung einer Fantasie, die so verbreitet ist, dass sie fast schon ein Klischee ist: Sex mit einem Fremden. Sicher eine der beliebtesten weiblichen Sexfantasien.

In dieser Variante lässt sie sich ausleben, ohne die Risiken, die andere (Solo-)Varianten mit sich bringen.

Aber auch der Stolz des Doms spielt eine Rolle. Denn so wie es den Dom kickt, stolz seine Sub vorzuzeigen und zu präsentieren, so kann es auch für die Sub ein Kick sein, so stolz vorgeführt und präsentiert zu werden. Dieser Punkt funktioniert in beide Richtungen gleichermaßen.

Auch das Gefühl der Macht funktioniert in beide Richtungen. In der Situation hat ihr Dom große Macht über sie und das berauscht sie ebenso wie ihn.

Diese Fantasie des Verleihens, Vorführens oder Fremdbenutzens kann also für beide ausgesprochen spannend und anregend sein. Es ist kein Wunder, dass sie sich ungebrochener Beliebtheit erfreut und es ganze Parties dazu gibt.

Aber einige Dinge sind zum Ende natürlich zu beachten. Den gesundheitlichen Aspekt habe ich erwähnt und man kann ihn nicht oft genug betonen. Aber auch andere Punkte sind wichtig. Ehe ihr so etwas macht: redet viel darüber. Sprecht euch ab, was ihr erwartet und was ihr auf keinen Fall wollt. In der Situation selber kann dazu keine Gelegenheit mehr sein. Also besprecht es vorher.

Seid euch auch klar darüber, dass das kein Kinderspiel ist. Der große Kick kommt hier daher, dass man mit dem Feuer spielt. Wenn ihr nicht sicher seid, wie ihr damit umgeht dass eure Sub mit anderen Männern Kontakt hat, dann redet lieber noch einmal darüber und überlegt es euch.

Genauso umgekehrt. Wenn ihr nicht sicher seid, wie ihr reagiert wenn euer Dom euch „einfach so“ anderen überlässt, dann redet noch einmal darüber. Vielleicht ist es dann für euch doch nicht das Richtige. Oder noch nicht das Richtige.

Und selbstverständlich: drängt niemanden dazu diese Spielart mitzumachen. Nur wenn beide sich der Risiken bewusst und bereit sind, sollte so etwas in Frage kommen.

Wo fängt BDSM an?

Diese Frage tauchte neulich in einem Forum auf. Und da sich vor ein paar Tagen ebenfalls eine Diskussion ergeben hat, ob denn „sich im Spiel hinknien“ Submission sei, wollte ich zu dem Thema ein paar Worte sagen.

Aber zuerst einmal die Frage: woher kommt die Besessenheit, BDSM zu messen und zu bewerten? Ich kann mir das schwer erklären.

Natürlich ist es sinnvoll, gewisse Sprachregelungen zu finden, um zu wissen worüber man redet. Wenn jemand auf Lack oder Latex steht, dann kann man das mitteilen und das Gegenüber ahnt zumindest, woran es ist. Das hilft. Wenn man sagt, dass man auf Schmerzen, Fesseln oder Unterwerfung steht, dann gibt das auch erste Hinweise. Auf deren Grundlage muss man das Ganze aber dann sowieso diskutieren und sehen, ob es passt.

Gerade für Anfänger scheint es mir aber schwer und dann in der Folge auch sinnlos, klare Rollendefinitionen zu erwarten. Sub, Dom, Bottom, Top etc. Ich habe versucht, das in einem früheren Beitrag etwas aufzudröseln. Letztlich gibt es ja aber keine eindeutigen Definitionen, die weltweit gelten. Eine Verständigung ist da eben schwer.

Es ist so, als wolle man einem völligen Anfänger in diesem Sport abverlangen zu sagen, ob er Rugby League oder Rugby Union besser findet. Ja, genau so habe ich auch geschaut. Oft stehen wir uns also mit zu vielen Kategorien im Weg und sie erschweren den Diskurs, statt ihn wie erhofft zu erleichtern.

Noch schwieriger wird es dann, wenn man jemandem, der etwas auslebt, erklärt, dass das falsch sei, weil es ja gar nicht in die zugeschriebene Rolle passt. Dann wird es absurd. Dort wo man etwas nicht mehr ausleben soll, weil es nicht in die von einer anonymen Masse definierte Verhaltensweise einer „Sub“ oder eines „Doms“ passt, da ist meine Toleranzgrenze erreicht. Macht halt, worauf ihr und euer Partner Lust habt und lasst euch nichts durch irgendwelche Definitionen verbieten.

Was ich damit sagen will: warum erfahrene BDSMer definieren und bestimmen wollen, wo BDSM anfängt, ist mir völlig unklar. Es sei denn, um damit andere auszugrenzen und zu sagen „Das was die machen ist ja gar kein richtiges BDSM„. Was stimmt mit euch Leuten nicht? Fühlt ihr euch so bedroht und unsicher, dass ihr andere ausgrenzen müsst? Dazu sage ich, wie zu jeder Ausgrenzung von Menschen, die nur ihr Ding machen und damit niemandem weh tun: Fickt euch! Kümmert euch um euren eigenen Kram.

So viel zur Frage der Definitionen und Bewertungen, die es im BDSM immer wieder gibt.

Manchmal stellen sich aber auch Anfänger die Frage „Wo fängt BDSM überhaupt an?„. Und da dürfte der Grund dann wirklich oft Unsicherheit sein. Entweder die Sorge, etwas auf irgendeine Weise nicht richtig zu machen oder vielleicht auch zu wenig zu machen, damit es als BDSM gilt.

Solchen Anfängern würde ich gerne zurufen: entspannt euch.

Vermutlich könnte man sagen, dass BDSM dort anfängt wo sich wahlweise entweder Schmerzen und Lust verbinden ODER Fetischklamotten ins Spiel kommen ODER fixiert und gefesselt wird oder oder oder. Eine Begriffsdefinition von BDSM habe ich hier mal gegeben.

Wenn das, was ihr macht, einen dieser Begriffe berührt, dann ist es vermutlich BDSM. Aber letztlich ist das egal. Denn für wen ist es denn wichtig ob das, was ihr macht, BDSM ist?

Für euch selber? Dann könnt ihr einfach selbstbewusst sagen „Das ist mein BDSM und das ist gut so“ (frei nach einem ehemaligen deutschen Politker).

Für andere? Vor wem müsst ihr denn rechtfertigen, ob das was ihr macht BDSM ist? Wen geht das etwas an?

Für andere, die euch sagen, ihr müsstet dieses oder jenes machen, sonst wäre es kein BDSM? Vorsicht! Wer euch das einreden will, der will euch vielleicht einfach nur mit Druck zu etwas bringen, dass ihr nicht wollt. Lasst euch nichts einreden und bleibt dabei, nur zu machen worauf ihr auch Lust habt, und mit dem ihr euch gut fühlt.

Wenn ihr Lust habt, BDSM zu leben, dann macht es. Mit der nötigen Umsicht und ohne unnötige Risiken. Aber macht es. Lasst euch von niemandem einreden, ihr macht etwas falsch. So lange sich alle beteiligten dabei wohlfühlen, ist es ok. Was euch Spaß macht, muss ja keinem anderen gefallen. Wenn ihr für euch kocht und es schmeckt euch, dann ist es ja auch ok. Wenn ihr dann das Bedürfnis habt, etwas anderes auszuprobieren oder neue Rezepte zu lernen, dann könnt ihr euch immer noch nach einem Kochbuch umschauen, das zu euch passt.

Dazulernen und neue Dinge ausprobieren kann man immer. Das schadet auch nicht. Im Gegenteil ist es oft sehr gut. Aber nur dann, wenn ihr das wollt und NICHT, weil euch jemand einredet ihr macht die Dinge falsch, die euch aber gefallen.

Beim Sex geht es nicht darum etwas nach einem Leitfaden zu machen. Es geht darum, dass alle beteiligten Spaß haben und sich wohl fühlen. Darum, dass sich keiner währenddessen oder hinterher schlecht fühlt.

Kurz gesagt: entspannt euch, informiert euch und lasst euch zu nichts überreden, was ihr nicht wollt, indem euch jemand einredet, dass ihr zu wenig oder etwas falsch macht.