Im Verhör, Teil 9

Fortsetzung von Teil 8

Angie heulte, schluchzte, jammerte und schrie, aber die verdammte Maschine stieß immer weiter monoton in sie hinein. Ihr gesamter Unterleib brannte wie Feuer. Von innen und von außen schien sie in Flammen zu stehen. Nach wenigen Minuten ließ auch die Wirkung des Gleitmittels nach und ihre geschundene und bereits wunde Pussy konnte nicht mehr genug Feuchtigkeit aufbringen, sodass auch die Reibung wieder viel unangenehmer wurde.

Angie fühlte sich mittlerweile, als wäre ihre Pussy eine einzige Wunde, als sie neben sich eine Stimme hörte. Sie hatte gar nicht gemerkt, dass jemand so nahe an sie herangetreten war.

Es war die Oberste Instanz wie sie erkannte und mit fast sanfter Stimme fragte er „Nun, willst Du uns nicht die Namen deiner Komplizen verraten?“.

Zuerst realisierte sie die Frage gar nicht, so versunken war sie in den Schmerz und ihre Situation. Dass Sie nackt und entblößt hier lag und gefickt wurde war ihr schon egal. Selbst bei der Vorstellung, dass möglicherweise mehrere Menschen dabei zusahen. Es war ihr gleichgültig. Sie brannte.

„Du weißt, dass Du uns nur deine Komplizen und eure Anschlagsziele zu nennen brauchst und wir lassen dich gehen?“ erinnerte sie die Oberste Instanz an ihr Safeword in diesem Szenario. Jetzt war seine Frage durchgedrungen und Angie überlegte wirklich, ob Sie einen oder mehrere der Namen nennen sollte.

„Brian, Jean, Thomas und Isabelle. 16. Oktober. Gendarmenmarkt, Marienplatz und Römerberg“ waren ihr in den vorbereitenden Mails als die Informationen genannt worden, die die Oberste Instanz aus ihr herauszuholen versuchen würde. Würde sie eine der Informationen preisgeben, würde das aktuelle Verhör beendet. Würde sie alle preisgeben, wäre die ganze Gefangenschaft sofort beendet und sie dürfte gehen.

Bisher war sie nicht eine Sekunde so weit gewesen, aber nun dachte sie nach. Dummerweise meldete sich neben dem Schmerz und der Scham auch ein ungünstiger Anflug von Ehrgeiz und Stolz. Sie wusste genau, dass das kein guter Moment dafür, geschweige denn beide Gefühle war. Aber sie konnte es nicht ändern. Sie wollte es aushalten und nicht klein beigeben.

Also biss Angie sich auf die Zunge. Sie kämpfte innerlich mit sich und es musste ihr anzusehen sein, denn die Oberste Instanz sagte süffisant „Na, steht dir dein Stolz im Weg?“. Verdammt, dieser Mann war gefährlich. Er konnte sie lesen.

„Was ist nun?“ fragte er erneut und sie schüttelte trotzig den Kopf. „Na gut, wie Du willst.“ gab er zurück und verließ den Raum. Nicht ohne jedoch Wärter Y die Anweisung zum Weitermachen zu geben „Weiter machen. Gib immer mal Gel drauf und richte den Nebenraum.“.

An die folgende Zeit konnte sich Angie hinterher kaum noch erinnern. Sie dämmerte vor sich hin, der Schmerz pochend und immer präsent, die Maschine unbarmherzig zustoßend. Vielleicht war sie auch in eine Ohnmacht geglitten, aber weiterhin verbot ihr ihr Stolz das Safeword zu benutzen.

Irgendwann hörte sie die Stimme der Wärterin, der einzigen Frau in der Truppe. Es kam Angie wie eine Ewigkeit vor, dass diese ihr das widerliche Frühstück serviert und sie dann zum Duschen gebracht hatte. „Stopp das Ding. Das waren drei Stunden. Wenn sie bis jetzt nicht aufgegeben hat, dann bringt es jetzt auch nichts mehr.“

Wärter Y trat vor und musste einen Schalter bedient oder den Stecker gezogen haben, denn die Bewegungen in ihrer Pussy hörten auf. Sie spürte endlose Erleichterung, den Quälgeist aus sich herausgleiten zu spüren. Erst realisiert sie auch, dass die Wärterin gerade von drei Stunden gesprochen hatte. Sie konnte es kaum glauben.

Ende Teil 9. Wird fortgesetzt.


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Alle sind pervers

Wenn wir in der Kantine oder im Lehrerzimmer sitzen oder uns im Großraumbüro umschauen, wenn wir bei Familienfeiern oder im Sportverein unterwegs sind, können wir den Kollegen, Bekannten oder Freunden immer nur vor den Kopf schauen und nicht hinein. Das ist sicher auch gut so. Schon gar nicht können wir im Normalfall unter die Kleidung schauen. Noch besser ist, die anderen können es bei uns auch nicht.

Sonst hättest Du vielleicht gesehen, dass Klaus aus der Buchhaltung heute unter der Anzughose eine Netzstrumpfhose trägt und nichts drunter.

Oder Du hättest Elif die Gemeinschaftskunde unterrichtet angesehen, dass sie ihrem Freund heute morgen zum Abschied einen Plug in den Hintern geschoben hat, den dieser nun den ganzen Tag tragen wird.

Aber so etwas ist von außen eben nicht erkennbar. Wäre auch blöd, nehme ich an. So aufgeschlossen und tolerant ist unsere Gesellschaft nun auch nicht, dass wir solche Details mit jedem öffentlich teilen können und/oder wollen. Wenn ich ehrlich bin, dann finde ich das auch gut so. Manche Dinge dürfen und sollten privat bleiben können.

Sonst hättest Du der jungen Frau in der Bahn heute morgen angesehen, dass sie am letzten Wochenende in einem Swingerclub Sex mit 8 oder 10 anderen Swingern hatte. So genau wusste sie das selber nicht mehr.

Und Du wüsstest, dass der schüchterne junge Mustafa aus dem Nachbarhaus heimlich in den 5 Jahre älteren Michael verliebt ist.

So etwas sehen wir aber nicht. Wir sehen den Menschen von außen nicht an wie sie sexuell drauf sind. Vielleicht würde es manches leichter machen, wenn es so wäre. Wer weiß? Aber es ist nun mal so, dass der am harmlosesten erscheinende Mensch beim Sex ganz wild ist und der total verrückt und extrovertiert auftretende Mensch ganz zahm. Man sieht es von außen nicht.

Sonst wüsstest Du, dass die nette Arzthelferin bei deinem Hausarzt im Joy gezielt nach Männern mit Schwänzen von mindestens 30 Zentimetern sucht, mit denen sie dann zusammen mit ihrem Mann Sex hat.

Oder dass der Arzt dessen Praxis sie managt nur kommen kann, wenn er und seine Frau dabei beide möglichst hohe Pumps tragen.

Das alles wissen wir aber nicht. Wir sehen es den Leuten nicht an und in vielen Fällen sollten wir dafür dankbar sein.

Sonst wüsstest Du auch, dass die nette Nachbarin aus dem Dritten seit 15 Jahren gar Sex hatte und auch nichts vermisst.

Oder dass sich der unfreundliche Polizist von der Kontrolle gestern von seiner Frau abends gerne anal mit einem Umschnalldildo ficken lässt.

All das wissen wir nicht und ich wette, nach all diesen Beispielen seid ihr Leser auch froh, dass ihr es nicht wisst. Wer will das alles über seine Mitmenschen schon so genau wissen? Das wäre fast wie in dem Film mit Mel Gibson, in dem er die Gedanken aller Frauen um sich herum hören kann. Dort war diese Fähigkeit auch nur für eine sehr kurze Zeit praktisch und angenehm.

Warum aber rede erwähne ich das alles nun in so epischer Breite? Weil die Tatsache, dass wir das alles über unsere Umwelt und unsere Mitmenschen nicht wissen, manchmal dafür sorgt, dass wir denken „Alle anderen sind normal und nur ich habe so abgefahrene Gedanken und Fantasien. Was stimmt mit mir nicht?„.

Alles stimmt mit dir. Du bist eben nicht alleine. Du denkst es nur weil Du eben nicht weißt, dass Katrin von der Arbeit sich gerne mal auf dem Pferdehof, wo sie eine Reitbeteiligung hat, nackt vor eine der Kutschen spannen lassen würde. Oder dass Cousin Denis sich zum masturbieren Videos anschaut, in denen Frauen mit nackten Füßen Lebensmittel zertreten.

Nur, weil wir den anderen nicht ansehen worauf sie stehen und was sie anmacht, heißt das nicht, alle anderen seien „normal“ und nur wir sind die „Perversen“. Abgesehen davon ist man ja laut Matthias Grimme erst pervers, wenn man niemanden mehr findet der mitmacht, sind wir fast alle auf irgendeine Art und Weise „pervers“.

Es gib also keinen Grund sich verrückt zu machen, nur weil da ständig diese Fantasien sind. Sei es geschlagen zu werden oder selber zu schlagen. Gefesselt zu werden oder selber zu fesseln. Erniedrigt zu werden oder selber zu erniedrigen. Da draußen gibt es viele, die das auch wollen. Und viele, die wiederum noch ganz andere Dinge wollen.

Die Gedanken „nur ich habe so verrückte Fantasien“ und „was stimmt mit mir nicht“ sollten also gestrichen und ganz aktiv verdrängt werden. Denn sie sind Quatsch.

„Das erzähle ich dir lieber nicht“

Wenn ich eine Frau kennenlerne und wenn wir beide die Absicht haben, dass es zu einer BDSM-Beziehung irgendeiner Art kommen soll, dann stelle ich immer sehr viele Fragen. Fragen über ihre Erfahrungen, Vorlieben, Fantasien, Wünsche, Abneigungen und Dinge, mit denen sie sich unwohl fühlen würde.

Dabei begegnen mir zuverlässig immer wieder zwei unterschiedliche Reaktionen:

  • „Wow, noch nie wollte ein Mann so viel darüber wissen, was ich will und was mir gefällt.“ und/oder
  • „Das verrate ich dir doch nicht, dann kannst du mich ja genau dort packen.“

Beide Sätze sind spannend und vielsagend, wie ich finde.

Fangen wir einmal mit der ersten Reaktion an. Offenbar gibt es solche Menschen. Menschen die sagen: „Mir scheißegal was dir gefällt, was Du willst oder wie es dir geht. Ich ziehe mein Ding durch. Dafür bin ich doch Dom, damit ich beim Sex keine Rücksicht auf meine Mitmenschen nehmen muss.“.

Wie ihr euch denken könnt: aus meiner Sicht sind solche Menschen nicht dominant im Sinne von BDSM, sondern vor allem Arschlöcher.

Denn wer einfach nur egoistisch die eigene Nummer durchziehen will, soll sich ein passendes Sextoy suchen oder einen der womöglich existierenden Menschen, den genau dieses Verhalten kickt. Dann soll das in Ordnung sein.

Aber ansonsten besteht BDSM wie jeder Sex aus Geben und Nehmen und aus dem Zusammenspiel der Wünsche, Bedürfnisse, Vorlieben und Neigungen aller Beteiligten.

Mein Anspruch beim BDSM ist es also, dass auch meine Partnerin ihren Spaß hat und auf ihre Kosten kommt. Vor allem aber möchte ich im Vorfeld herausfinden, ob wir uns in der nötigen Weise ergänzen. Ob es so passt, dass ein „Mehr“ überhaupt in Frage kommt. Dazu frage ich viel und gebe im Gespräch auch viel preis. Ich erzähle von mir und meinen Erfahrungen. Ich stelle und beantworte viele Fragen. Nur so geht es, finde ich. Sich zu öffnen ist aus meiner Sicht für beide absolut notwendig.

Noch dazu ist es ja in der Folge umso hilfreicher für beide und das angedachte gemeinsame Spiel, wenn ich genau weiß was ihr gefällt und was nicht. Da spielt die zweite oben erwähnte Antwort hinein. Je genauer ich weiß, welche Vorlieben und Abneigungen es gibt, desto gezielter kann ich damit spielen. Desto besser kann ich den Kopf ficken und mit Dingen aufheizen von denen ich weiß, dass sie gut ankommen und wenn nötig auch mal bestrafen mit Dingen, von denen ich weiß, dass die Frau sie nicht mag. Desto besser kann ich ihr geben was sie will oder es ihr auch verweigern. Ganz so, wie es mir gefällt. Und das ist ja im Metakonsens der Kern des gemeinsamen Spiels.

Das wiederum ist also genau in beiderseitigem Interesse. Als Dom steuere und lenke ich die Situation und meine Sub. Dafür muss ich aber möglichst genau wissen, wie sie tickt und worauf sie wie reagiert. Je besser ich darüber Bescheid weiß, desto besser gelingt mir die gewollte Führung. Desto besser gelingt es mir eine Situation herzustellen, in der sie sich fallen lassen und in meine Hände begeben kann. Immer in dem Wissen, dass ich ihre Grenzen und Wünsche kenne, und damit in diesem Rahmen nach meinem Belieben spiele.

Dabei verstehe ich schon, dass es ungewohnt und irgendwie gegen jede Intuition ist, jemandem beispielsweise zu verraten, wie man am besten erniedrigt oder bestraft werden kann. Letztlich ist es aber gewollt, Gemeinsamkeiten bei Wünschen und Neigungen zu finden, um diese im besten Fall miteinander auszuleben.

Darum geht es schließlich. BDSM, für die betreffende Person „richtig“ ausgelebt, geht tiefer als Vanilla-Sex. So habe ich es über die Jahre von sehr vielen gehört, die davor viele Jahre Sex ohne BDSM-Bezug hatten. Das ist nicht verwunderlich, denn diesen Menschen hatte vorher oft etwas in ihrem Sexleben gefehlt.

Was BDSM aber tatsächlich vom Vanilla-Sex abhebt, ist eben genau das worum es hier geht. Im Schnitt mehr Kommunikation. Mehr aktive Beschäftigung mit den eigenen Bedürfnissen und Wünschen. Mehr Offenheit mit dem, was man will und braucht. Im Schnitt, wie gesagt.

Das macht aber eben auch in jeder Hinsicht verletzlicher. Sich offenbaren und Dinge preisgeben, die man vielleicht noch nie laut ausgesprochen hat, macht verletzlich und es braucht Vertrauen. Aber nur so besteht die Chance, diese Dinge auch zu erleben und diese ersehnten Gefühle zu fühlen.

Für mich ist das aber der beste und eigentlich einzige Weg, sich näher zu kommen und zu finden wonach wir suchen. Umso erstaunlicher die oben erwähnte Antwort „Wow, noch nie wollte ein Mann so viel darüber wissen, was ich will und was mir gefällt.“.

Schlimm genug. Ich weigere mich zu glauben, dass da draußen nur dominante Menschen herum laufen, die zur oben erwähnten Arschloch-Kategorie gehören. Das wäre fast schon tragisch. Umso wichtiger dann aber dieser Artikel. Und auch das sei noch gesagt: es ist ok, wenn ihr einen BDSM-Partner wollt, der euch rücksichtlos und ohne Beachtung eurer Klagen behandelt. Aber auch das habt ihr dann vermutlich oder hoffentlich vorher so kommuniziert und abgesprochen.

Am Ende bleibt aber die noch interessantere Frage die wir uns alle stellen sollten: wieso scheint es für viele Frauen da draußen eine so gänzlich neue und seltene Erfahrung zu sein, nach ihren Wünschen und sexuellen Bedürfnissen gefragt zu werden? Fragen so wenige potentielle Sexpartner danach? Woran liegt das? Antworten die, die gefragt werden nicht oder nicht ehrlich, weil sie es nicht gewohnt sind? Ich weiß es nicht, wäre aber neugierig dem nachzugehen.

Ich bleibe bei meinem Mantra: redet miteinander. Kommunikation ist der Schlüssel zu gutem und gesundem BDSM (übrigens auch zu gutem Vanilla-Sex). Versucht offen zu sein, auch beim Kennenlernen. Auch wenn es schwer fällt. Hört zu und seid aufmerksam. Beide Seiten. Dann seid ihr schon auf einem guten Weg.


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Wie überleben führungslose Subs?

Ein dunkles Geheimnis und ein Problem im BDSM über das viel zu wenig gesprochen wird, ist die hohe Zahl an Todesfällen von vornehmlich weiblichen Subs, die sterben, weil kein Dom ihnen Vorschriften macht.

Wie viele Subs mussten schon sinnlos von uns gehen, weil sie schlicht vergessen haben zu atmen, weil kein Dom neben ihnen stand und nützliche Vorgaben machte wie „einatmen, ausatmen“?

Speziell devote Frauen sind bekanntermaßen ohne Anleitung und Führung nicht überlebensfähig. Es droht mindestens Verwahrlosung, wenn nicht Schlimmeres.

Daher sind männliche Angebote wie „Unterwirf dich mir jetzt sofort. Zieh dich aus, knie dich vor deinen Rechner und danke mir, dass Du mir dienen darfst!“ oder „Du darfst meine willenlose Sub sein. Komm am Wochenende zu mir und ich bilde dich zu meiner perfekten Sexsklavin aus“ genaugenommen uneigennützige Versuche, um die ansonsten dem Untergang geweihte Subs zu retten.

So sollten diese Angebote auch gewürdigt werden.

Keinesfalls stecken dahinter eigennützige Interessen der Doms. Der wohltätige Dom spendet seine Aufmerksamkeit, opfert seine Zeit und kann dafür wohl wenigstens Dankbarkeit und bedingungslose Unterwerfung verlangen. Einer muss den Job mit der Führung ja machen. Da soll das Weibsvolk doch dankbar sein. Oder wollen sie etwa eigenständig ein- und ausatmen? Und wo kämen wir da hin?

Na eben.

Kopfkino ist keine To-do-Liste

Ich würde annehmen, dass bei jedem Menschen Sexualität im Allgemeinen und BDSM im speziellen im Kopf angefangen hat, ehe es „zur Sache ging“. Es entstehen Vorstellungen und Fantasien, Bilder und ganze Geschichten. Das so genannte Kopfkino kommt in Gang. Bei manchen sehr intensiv, bei anderen eher rudimentär. Aber es spielt sich eben zuerst einmal viel im Kopf ab.

Fantasien und Kopfkino finde ich ausgesprochen wichtig. Wer anfängt sich mit BDSM zu beschäftigen, Filme schaut, Clips im Netz, Bücher liest oder einfach die Fantasie schweifen lässt merkt schnell, was einen Kick auslöst und was einen eher kalt lässt. Das ist gut. Das gibt einem Hinweise, in welche Richtung es mit der eigenen Sexualität und den eigenen Bedürfnissen geht.

Ich selber habe in Zeiten vor dem Internet die eine oder andere Runde durch die „Ab 18“-Abteilungen in Videotheken gedreht. Für die Jüngeren unter euch, das war wie YouPorn, nur dass man in einen Laden gehen, eine unförmige Kassette ausleihen und zuhause feststellen musste, dass der Inhalt für den man bezahlt hatte Mist war.

Damals habe ich mal einen Porno ausgeliehen, in dem sich zwei junge Frauen in Dessous nacheinander gefesselt haben. Dabei blieben sie in Dessous, zogen sich also nicht aus. Als die eine die anderen dann gefesselt hatte, begann sie diese mit Federn zu kitzeln. Das wars. Das war der Porno. Ich muss zugeben, mir gab und gibt das nichts. Aber hey, wem es gefällt.

Mein Kopfkino wurde da von anderen Szenen angeheizt. Frauen die ausgeliefert waren, gehorsam Anweisungen befolgten, benutzt und erniedrigt wurden heizten da viel eher meine Fantasie an.

Aus dem was ich damals gesehen habe, wurde mein Kopfkino gespeist und entwickelte sich. So habe ich mit der Zeit herausgefunden, was mich reizt und was eben nicht. Die Kombination Dessous, Federn und kitzeln habe ich jedenfalls nicht weiter verfolgt.

Wie früher ja bereits erwähnt, ist aus meiner Sicht in der Fantasie sowieso alles erlaubt. Kopfkino darf wild, gewalttätig, unrealistisch und überhaupt alles sein, was dem oder der Kopfkinobetreibenden gefällt. Was dann real passiert ist eine ganz andere Frage. Dazu fand ich diesen Tweet perfekt:

In der Fantasie gibt es einfach keine Risiken. Kein Risiko verletzt zu werden. Psychisch oder physisch. Auch kein Risiko, dass es einem am Ende doch nicht so gut gefällt. Kein Risiko plötzlich Panik zu bekommen, am Ende unbefriedigt zu bleiben oder sich schlicht mies zu fühlen. Kopfkino ist immer irgendwie geil und frei von Problemen.

Daher ist es immer wichtig sich damit zu beschäftigen was vielleicht nur in der Theorie geil ist und was auch in der Umsetzung gewollt und heiß ist. Denn das darf und muss sich sogar fast unterscheiden. Daher der Tweet mit dem Schrebergarten. In der Fantasie sind wir unverletzlich und dauergeil. Das darf so sein, ist aber auch der Grund, warum Fantasien gerne heftiger sind als das was wir real wollen. Wir riskieren in der Fantasie nichts. Sich dieses Unterschieds klar zu sein ist ganz wichtig. Keine Scham nötig. Aber der Unterschied zwischen Kopfkino/Fantasie und dem Wunsch nach realem Erleben ist extrem wichtig.

Vor allem auch im Austausch mit potentiellen neuen oder bestehenden Partnerpersonen. Es ist ganz besonders reizvoll, sich mal zusammenzusetzen oder zusammen im Bett zu liegen und gegenseitig das eine oder andere aus dem Kopfkino zu teilen. Vermutlich gibt es dann Überraschungen auf beiden Seiten.

Aber niemals, ich wiederhole: NIEMALS darf Kopfkino als direkte oder indirekte Aufforderung nach Umsetzung verstanden werden.

Wer nach längerer Überwindung bereit ist, dem Gegenüber den Wunsch nach Spielen mit Natursekt zu gestehen, möchte nicht ohne weitere Rücksprache bei nächster Gelegenheit angepinkelt werden.

Wer dem Gegenüber das Kopfkino eines Gangbangs offenbart, möchte nicht ungefragt plötzlich mit 12 erwartungsvollen Kerlen konfrontiert werden.

Wer im Kopfkino eine Fantasie hegt, in der es um öffentliche Erniedrigung geht, möchte nicht ohne Absprache auf dem Marktplatz angespuckt und bloßgestellt werden.

Kopfkino und Fantasien zu teilen ist ein großer Vertrauensbeweis. Etwas, dass man schätzen und für dass man sich dankbar zeigen sollte. Kopfkino zu teilen ist auch ein großer Schritt in die Richtung der Erfüllung von Bedürfnissen und Fantasien. Aber alle Beteiligten sollten und müssen sich darüber klar sein, dass Kopfkino erst einmal nur Kopfkino ist.

Manches davon zeigt in eine bestimmte Richtung. Die Fantasie mit dem Gangbang kann – muss aber nicht – in ein Erlebnis mit einem oder mehreren Sexpartner münden. Die Fantasie mit der öffentlichen Erniedrigung kann – muss aber nicht – in Erniedrigungsspiele münden.

Kopfkino ist ein Fingerzeig in die Richtung in der Kinks liegen könnten. Diesen Fingerzeigen kann man folgen und dann für sich oder mit Partner herausfinden, was einen am Ziel erwartet. Vielleicht eine Fantasie die umgesetzt werden will. Vielleicht auch etwas, dass nur als „Anheizer“ genutzt werden sollte. Vielleicht auch etwas, dass für immer Kopfkino bleiben soll und wird.

Das alles ist ok. Aber traut euch euer Kopfkino immer mal wieder mit neuen Ideen zu füttern, traut euch den passenden Menschen einen Einblick in das Programm eures Kopfkinos zu geben und wenn ihr die Glücklichen seid, denen Einblick gewährt wurde, dann zeigt euch würdig und nehmt diese Geste des Vertrauens nicht als Freifahrtschein direkt loszulegen. So ist es nicht gemeint.


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„Belle de Jour – Schöne des Tages“

In dieser kleinen Rubrik geht es mir ja um Spielfilme in denen BDSM eine Rolle spielt. Dabei ist es egal wie eindeutig diese Rolle ist oder wie deutlich BDSM gezeigt wird. Es geht mir darum, Filme vorzustellen und den Umgang mit BDSM darin zu erklären und zu sagen, wie ich ihn empfinde.

Auf einen Filmklassiker aus dem Jahr 1967 zu stoßen hatte ich dabei nicht erwartet und war dementsprechend überrascht. Aber eines nach dem anderen. Erst einmal eine kleine Zusammenfassung.

Der Film beginnt mit einer Szene in der wir Séverine und Pierre in einer Kutsche durch einen Park fahren sehen. Plötzlich lässt Pierre die Kutsche anhalten, befiehlt den beiden Kutschern erst Séverine zu packen, dann sie auszupeitschen. Unmittelbar bevor die Szene abbricht sagt er zu den beiden „Nun könnt ihr euch bedienen…“. Denn alles war offenbar nur ein Tagtraum der offenbar gelangweilten Ehefrau.

Immer wieder hat Séverine diese Träume. Sex mit ihrem Mann scheint sie jedoch keinen zu haben. Immer wieder weist sie ihn ab, wenn er einen Annäherungsversuch unternimmt. Entschuldigend vertröstet sie ihn und er hat viel Verständnis für sie. Der fehlende Sex scheint die Gefühle zwischen den beiden nicht zu belasten

Irgendwann erfährt Séverine über eine Freundin, dass eine gemeinsame Bekannte angeblich in einem privaten Wohnungsbordell arbeitet. Über einen anderen Freund erfährt sie auch die Adresse und stellt sich dort tatsächlich vor. So beginnt sie ihre Fantasien auszuleben und wird zur „Belle de Jour„, zur „Schönen des Tages“ (so nennt man in Frankreich übrigens auch heute offenbar noch Sexarbeiterinnen, die nur tagsüber arbeiten). Jour, also Tag deswegen, weil sie Abends immer wieder rechtzeitig zuhause ist und ihr Mann somit nichts von ihrem Doppelleben erfährt.

Auf einigen Ebenen brachte mich der Film zum nachdenken und auf einigen Ebenen fand ich ihn frustrierend. Das macht mir die Bewertung sehr schwer.

Trotz der sehr sexuellen Thematik des Films zeigt der Regisseur dennoch nur in einer Szene einen nackten Arsch. Den Rest überlässt er der Fantasie. Dennoch wurde er ursprünglich in Deutschland erst ab 18 freigegeben. Das finde ich schon spannend wenn man bedenkt, wie heute schon tagsüber Werbung für Sexspielzeug im Fernsehen läuft und jeder im Internet Hardcore Pornos finden kann. Das zeigt wie die Zeiten sich geändert haben. Heute wird der Film nur noch mit FSK 16 eingestuft. Immerhin.

Interessant ist auch der Fakt, dass ein Film mit dieser Thematik damals offenbar kein Skandal war. Der Film hat bei den Filmfestspielen von Venedig den Preis als Bester Film gewonnen. Aufrufe zu Boykotten oder Verboten konnte ich ebenfalls nichts finden.

Aufregender wird es und damit kommen wir zum Thema BDSM, wie hier diverse Fantasien angedeutet werden, von denen wir ja gerne denken, es gäbe sie erst seit unseren Lebzeiten oder sie wurden gar von uns erfunden. Nein. Fantasien um Erniedrigung, Benutzung, Schläge und abgefahrene Rollenspiele mit Särgen (ja, tatsächlich) gibt es schon viel viel länger. Damals war das alles nur noch nicht so offen für jedermann sichtbar wie heute.

Für mich persönlich war der Film dennoch sehr schwierig. Die Erzählweise ist sehr langsam und der Film verzichtet auf so gut wie jeden Konflikt zwischen den Figuren. Vor allem aber stellt er einfach nicht die Fragen, die ich spannend gefunden hätte. Da bin ich aber wohl auch einfach nicht die passende Zielgruppe oder es sind schlicht Themen oder Fragen, die man damals nicht offen behandelte.

Aus meiner modernen Sicht und durch meine BDSM-Blogger-Brille gesehen zeigen sich hier einige eindeutige Muster. Séverine hat ein paar sehr spannende Kinks. Sie Pierre gegenüber anzusprechen oder gar mit ihm auszuleben scheint ihr aber nicht möglich. Mit ihm hat sie einfach gar keinen Sex, denn der befriedigt sie offenbar gar nicht. Oder sie hatte mit ihm noch nie welchen. So genau wird das nicht gezeigt.

Was BDSM ist scheint Séverine aber auch nicht zu wissen oder sie hat nicht die Möglichkeit sich genau das zu holen. Denn ihre Tätigkeit als Gelegenheitsprostituierte scheint recht eindeutig nur ein Hilfsmittel zu sein. Ihre Fantasien sind da wesentlich eindeutiger und diese werden ihr in ihrem Job nur in Ansätzen erfüllt.

Auf all das geht der Film aber nicht ein und das hat mich wie gesagt frustriert. Da bekomme ich Lust mit Séverine das eine oder andere Gespräch zu führen.

Auch die Auflösung fand ich wiederum frustrierend. Aber das hängt dann eben auch mit dem oben erwähnten Frust zusammen, dass hier für meinen ganz persönlichen Geschmack die falschen Fragen gestellt oder die richtigen nicht gestellt werden. Übrigens habe ich in einer Artikel zum Film gelesen, dass auch der Regisseur nicht wusste, was das mysteriöse Ende zu bedeuten hat.

Dennoch kann ich den Film durchaus empfehlen. Wer dafür eine Ader hat, der kann sich sein Kopfkino hier anregen lassen und wie gesagt, was es auch Ende der 60er-Jahre schon an Kinks gab, ist auch ganz spannend zu sehen.

Im Verhör, Teil 8

Fortsetzung von Teil 7

Es dauerte nicht lange und Angie hatte den Spiegel und den Wärter fast vergessen. Zu geil war das beständige hinstoßen und herausgleiten des Dildos. Sie empfand die Gleichmäßigkeit der Bewegung als lustvoll und fordern und sie sorgte dafür, dass sie schnell in eine Art erotischer Trance verfiel. Die Maschine fickte und fickte sie und nahm dabei keine Rücksicht. Angie konnte sich keinen Millimeter bewegen, war weit gespreizt, feucht und auch innerlich vollkommen erregt. Sie war so offen, wie sie nur sein konnte und so rollte die Lust und Geilheit wie in einer großen Welle über sie und verschluckte sie.

Sie spürte noch wie der erste Orgasmus sich anbahnte. Sie fühlte, wie er sich aufbaute, immer näher kam, drohte sie zu überwältigen und dann den Moment, an dem er nicht mehr abzuwenden war. Aber sie wollte ihn auch gar nicht abwenden. Sie wollte ihn spüren und genießen. So ließ sie es einfach zu und kam mit einem lauten Schrei. Danach wusste sie nicht mehr viel. Die Fickmaschine machte weiter und Angie kam wieder und wieder. Oder war es nur ein großer Orgasmus in dem sich die Erregung der letzten Stunden und Tage löste? Es war nicht zu sagen. Die Welle riss sie mit und alles war Lust und Geilheit. Alles andere war egal. Schrie sie noch? Stöhnte sie? Weinte sie?

Aber irgendwann tauchte sie aus der Welle auf. Die Welle ebbte ab und sie kam wieder zu sich oder kam wieder zu Bewusstsein. Aber die Fickmaschine fickte weiter. Sie konnte nicht sagen wie lange die Ekstase angehalten hatte. Sie sah auch niemanden mehr im Raum. Es herrschte Stille und nur das rhythmische Stoßen der Kolben war zu hören. Die Fickmaschine fickte weiter. Hatte Angie sich beim Aufbau noch gefragt was genau sie zum Reden bringen sollte oder was an der Situation unangenehm sein sollte, von den Zuschauern vielleicht abgesehen, langsam bekam wie eine Ahnung. Denn die Fickmaschine fickte weiter.

Bei einem Liebhaber hätte sie ihm schon lange gesagt, er sollte aufhören. Aber ein Liebhaber hätte auch nicht diese Ausdauer gehabt. Bei einem Dildo oder ihrem Womanizer hätte sie das Gerät schon lange weggenommen. Aber diese Wahl hatte sie hier nicht. Sie war weiter gespreizt und offen. Der Dildo glitt weiter mit dieser Gleichmäßigkeit monoton in sie hinein. Was sie zuerst als lustvoll und fordernd empfunden hatte, fühlte sich inzwischen nur noch unbarmherzig an.

Unwillkürlich versuchte Angie ihren Unterkörper dem Zugriff des mechanischen Lustspenders zu entziehen. Aber sie war vollkommen fixiert. Was sich eben noch sehr geil angefühlt hatte, war nun ein Problem.

Auch hinter der Scheibe schien man die Veränderung zu bemerken, denn plötzlich hörte sie die bekannte Stimme die sagte „Schau an, 3502 scheint nur bemerkt zu haben was Sache ist.“.

Angie ärgerte und schämte sich gleichermaßen. Sie fühlte sich einerseits dumm und etwas naiv, weil sie sich so ihrer Lust hingegeben hatte und dabei nicht einmal bedacht hatte, dass man ihr hier vermutlich nichts Gutes wollen würde. Außerdem setzte die Scham ein, denn sie fragte sich, wie viele Leute ihr gerade zwischen die Beine schauten und zuvor ihre Ekstase miterlebt hatten. Zu guter Letzt wurde der Dildo immer mehr zum Problem. Sie war zwar schon noch ein wenig geil und lustvoll. Aber eindeutig überwog nun das Unangenehme. Ihre natürliche Feuchtigkeit ließ rapide nach und sie spürte, wie echter Schmerz nicht mehr weit entfernt war.

Der Dildo stieß weiter mechanisch in sie hinein und sie versuchte vermerht sich zu winden, hatte jedoch keinerlei Erfolg. Immer stärker wurde die Reibung und das Gefühl immer unangenehmer.

Da hört sie, wie sich eine Tür öffnete und der Wärter Y trat grinsend in ihr Blickfeld. Schon an seinem Blick konnte sie sehen, dass er nicht hier war, um sie zu erlösen. Er sagte kein Wort zu ihr, trat an den Kasten und nahm eine Einstellung vor, die Angie nicht sehen konnte. Aber sie spürte sofort, dass sich der Rhythmus der Stöße noch erhöhte. Sie stöhnte unter Schmerzen auf.

Gefühlt blieb der Wärter fünf Minuten vor ihr stehen und sah ihr zu, wie sie immer mehr Schmerzen litt. Aber vermutlich waren es nur Sekunden. Angie konnte es nicht mehr sagen.

Da ertönte wieder die Stimme über den Lautsprecher „Dann starten wir mal Stufe 2.“. Als habe er nur auf die Anweisung gewartet, bewegte sich Wärter Y zu einem der Schränke und holte etwas heraus. Schon war er wieder zwischen ihren Beinen an der Höllenmaschine und Angie hörte ein feuchtes Schmatzen. Sofort glitt der Dildo wieder viel müheloser und schmerzfreier in sie hinein. War das ein Gleitgel gewesen? Der Reibungsschmerz ließ etwas nach und Angie entspannte sich ein wenig.

Aber ihr Kopf, genauso wie das Grinsen von Wärter Y mit dem er vor ihr stand sagten ihr, dass dies keinesfalls die Erleichterung sein würde, als die sie das Gel gerade empfand und es dauerte auch keine Minute, da begann das Brennen. Zuerst leicht und nur außen. Dann mit jedem Stoß begann ihre Pussy immer tiefer zu brennen. Sie brannte wie Feuer. Was hatten diese Kerle auf den Dildo geschmiert???

Angies Pussy brannte und sie fing an zu schreien. Sie schrie und konnte nicht mehr aufhören. Dann kamen die Tränen.

Ende Teil 8. Hier geht es zu Teil 9.


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Ist Online-Erziehung eine Alternative?

„Wenn Du mir schreibst, dann kniest Du nackt vor deinem Laptop und bleibst so lange dort knien, bis Du meine Antwort bekommen hast.“

Solche oder so ähnliche Nachrichten haben sicher schon viele devote Menschen bekommen. Und zwar meist nicht nach mehreren Monaten Kontakt und diversen Treffen, sondern als direktes Anschreiben oder wenn das Gegenüber ein wenig zurückhaltend ist, dann als zweite Nachricht.

Das Bedürfnis aus, der Entfernung und virtuell mit BDSM-Spielen oder einer Art Erziehung zu beginnen, ist bei einer Menge Menschen groß. Grundsätzlich ist dagegen auch nichts zu sagen. Auch hier gilt wie bei sehr vielen Themen im BDSM: wenn es allen Beteiligten Spaß macht, warum nicht?

Aber treten wir einen Schritt zurück. Was ist Online-Erziehung oder Fernerziehung überhaupt?

In der Regel versteht man darunter zwei Menschen, die ihre BDSM-Leidenschaft aus der Entfernung ausleben meistens ohne sich dabei zu begegnen. Meist gibt der dominante Part Aufgaben und Regeln vor, die der devote Part zu erfüllen hat. Dabei ist es nicht selten, dass die Erfüllung der Aufgaben oder die Einhaltung der Regeln mittels Bildern oder Videos dokumentiert wird. Diese werden dann als Beleg an den dominanten Part geschickt.

So weit, so gut.

Natürlich gibt es auch die Varianten, in denen diese Spielarten auf Entfernung und Belegen per Video und/oder Foto von Menschen praktiziert werden, die sich ansonsten auch immer wieder real treffen. Aber um diese Menschen soll es hier tatsächlich nicht gehen. Denn ich möchte hier vor Gefahren warnen, die zwar immer bestehen, die aber noch gravierender sind, wenn man sich nicht persönlich kennt.

Es gibt Menschen, für die ist diese Variante die Einzige, die ihnen bleibt. Beispielsweise verheiratete Menschen, die in ihrer Ehe BDSM nicht leben können oder wollen. Statt ganz zu verzichten, sich zu trennen oder fremdzugehen wählen sie diesen virtuellen Weg.

Wie gesagt ist dagegen nichts zu sagen. Auch in meinem Leben gab es Phasen, in denen ich mich aus verschiedensten Gründen ausschließlich virtuell ausgelebt habe. Heute käme und kommt das für mich nicht mehr in Frage. Es gibt mir schlicht nichts mehr. Aber ich denke, ich verstehe daher gut wie es ist, wenn das der einzige Weg ist der einem bleibt. Oder wenn es sich zumindest so anfühlt.

Sub kann es das Gefühl geben, fremde Kontrolle zu spüren und Dom das Gefühl Macht auszuüben. Das kann für beide ein großer Kick sein. Gerade für Menschen, die am Anfang stehen und noch wenig Erfahrung haben, kann das ja schon genügen um zu verstehen, ob sie sich in die richtige Richtung bewegen, ob BDSM wirklich der Weg sein kann.

Für viele Menschen ist daher die Online-Erziehung oder Fernerziehung ein Einstieg in die Welt von BDSM. Ein scheinbar gefahrloser Weg um herauszufinden, ob der Kick auch dann noch so groß ist, wenn es anfängt real zu werden und es nicht nur dabei bleibt Geschichten zu lesen oder Filme zu schauen.

Es gibt dabei auch durchaus kreative Mittel, die sogar erfahrenen BDSMern noch ein paar neue Möglichkeiten aufzeigen können. Ich habe darüber in meinen Artikeln „BDSM 2.0“ und „BDSM in den Zeiten von Corona“ geschrieben.

Aber diese Spielarten bergen eben auch Gefahren. Nun bin ich wirklich niemand, der in ständiger Panik lebt, was das Internet alles über mich weiß. Wenn mein Suchverlauf in die falschen Hände geriete, dann hätte ich schon aufgrund meiner Recherchen zu meinen Artikeln einiges zu erklären. *lach*

Aber dennoch muss es ja gesagt werden: passt auf, wem ihr eure Daten anvertraut und WAS ihr diesen Menschen konkret anvertraut.

Für solche Spiele eine E-Mail-Adresse zu verwenden, aus der euer Arbeitgeber oder euer voller Name abgeleitet werden kann, ist beispielsweise keine so gute Idee. Holt euch eine eigene „kinky“ E-Mail-Adresse bei einem der viele Anbieter, wo das möglich ist, ohne nach außen mit einer „verräterischen“ Domain aufzutreten.

GMX ist fiele mir da immer noch als erstes ein. Die Daten landen zumindest nicht sofort im Nicht-EU-Ausland und sind daher noch ein wenig durch den europäischen Datenschutz geschützt. Und ihr seid eben nicht sofort zu finden. Nein, ich bekomme kein Geld für diese Werbung, aber falls ihr mitlest GMX, ich wäre gesprächsbereit.

Verratet auch nicht sofort zu viel über euch. Zumindest keine Dinge, mit denen ihr zurückverfolgbar seid. Nicht alle Menschen da draußen sind nett und wenn es mal schief läuft und ihr den Kontakt abbrechen wollt, dann seid ihr froh, dass das Gegenüber nicht ZU viel weiß.

Und natürlich: überlegt genau welche Bilder und Videos ihr von euch verschickt und wie sehr ihr darauf zu erkennen sein wollt. Seid einfach vorsichtig. Es kenne sehr viele Fälle, bei denen nie etwas negatives passiert ist. Es gibt aber eben auch die anderen. Ich will euch den Spaß nicht verderben und sagen ihr dürft dieses oder jenes NIE tun.

Ich weiß wie groß der Kick ist, sich auch mal völlig unvernünftig und irgendwie schutzlos auszuliefern. Dagegen ist nichts zu sagen. Auch das kann Teil des BDSM sein. Das kann alles gerade den Reiz erhöhen und das gilt für all die Punkte vor denen ich euch gewarnt habe. Aber trefft die Entscheidungen zumindest bewusst und nicht aus Versehen und im Rausch der Erregung.

Denn gerade wenn noch kein live Treffen stattgefunden hat, ist die Hemmschwelle, im Fall dass es auseinandergeht, Grenzen zu überschreiten und fies zu werden besonders niedrig. Leider ist das so.

Ist die Online-Erziehung oder Fernerziehung nun also eine Alternative? Sicher für die, die keine andere Möglichkeit haben. Vielleicht bietet sie auch manchen die Möglichkeit ungehemmter und offener zu sein. Am Ende würde ich jedem raten es mal real zu probieren. Denn aus meiner Sicht geht nichts darüber. Aber da mag es andere Meinungen geben. Aber wie es für euch ist wisst ihr eben auch erst, wenn ihr es probiert habt.

Also genießt die Online- der Fernerziehung, aber schaltet den Kopf dabei nicht aus. Wenn ihr die Möglichkeiten habt, dann traut euch, es real zu leben. Zum virtuellen Spiel könnt ihr immer noch zurück. Wenn das partout nicht möglich ist oder ihr es einfach nicht wollt, dann passt gerade in dieser scheinbaren Sicherheit auf euch auf.

Darf ein Dom sich dominieren lassen?

Es gibt zahllose Missverständnisse, Irrtümer und Fehlannahmen rund um BDSM. Einer dieser Fälle ist die Annahme, wer auf BDSM steht, mag auch immer die gleiche Kombination an Spielarten. Als gäbe es nur mehrere vorbestimmte Kombinationen von Vorlieben und wer auf A steht, steht damit zwangsläufig auf B und C. Und wer auf C steht, der muss auch D mögen. Als wäre BDSM wie ein Senderpaket bei dem man automatisch den blöden Reisesender mit bucht, weil in dem Paket der Filmsender ist, den man eigentlich möchte.

Klingt albern? Stimmt. Ist es auch. Manche stehen auf Schläge und Erniedrigung. Andere auf Fesseln und Schläge. Wieder andere auf Fesseln und Erniedrigung, dazu etwas Petplay, aber auf keinen Fall Schläge etc. Diese Aufzählung kann beliebig fortgesetzt werden.

Jeder Mensch hat eigene Vorlieben und diese können völlig unabhängig und selbständig neben anderen Vorlieben stehen. So ist es auch im BDSM. Wer zum Beispiel gerne Pizza isst, muss ja deswegen nicht auch zwangsläufig gerne Risotto und Pasta essen, nur weil es nach außen so gut zusammen zu passen scheint.

Manchmal mögen Menschen sogar Dinge die nach außen widersprüchlich scheinen. Also Praktiken, die Uneingeweihte gemeinhin unterschiedlichen Rollen zuordnen würde. Devote Menschen können beispielsweise auch eine sadistische Neigung haben. Nach außen scheint das nicht zusammen zu passen. Für den betroffenen Menschen ist es aber gelebte Empfindung.

Ich hatte in dem Zusammenhang BDSM schon einmal mit einem Setzkasten verglichen und habe damals geschrieben:

„Und wenn ihr einen Windelfetisch habt, gleichzeitig gerne vor Pferdekutschen gespannt werdet und es euch aber auch anmacht Leuten den Arsch zu versohlen… Wo ist das Problem? Damit macht ihr nichts falsch.“

Genau so ist es eben. Einzelne Vorlieben müssen für andere keinen Sinn ergeben oder in ein Muster passen, dass andere für schlüssig halten.

Kommen wir aber zur Frage, ob ein Dom sich dominieren lassen darf und warum das für manche ein Problem zu sein scheint. Denn dass ein Dom oder eine Domme das darf, sollte nach meinen Ausführungen eben klar sein.

So manchem Dom und mancher Domme (allerdings gefühlt mehr Männern als Frauen) scheint bei der Vorstellung aber irgendwie ein Zacken aus der Krone zu brechen. Dom/Domme als das unantastbare Wesen, dass sich natürlich nie in verletzliche oder gar unterwürfige Positionen begeben würde.

Was soll ich sagen? Wer keine Lust darauf hat, soll es lassen. Wer es aber irgendwie für unwürdig hält dominiert zu werden, sollte sich mal Gedanken über sein Bild des Spielpartners machen. Wer wiederum glaubt, dass er oder sie auf eine magische Weise an Dominanz verliert, wenn er oder sie mal dominiert wird… Puh, dann weiß ich ehrlich gesagt auch nicht.

Interessanterweise gefällt es aber auch devoten Spielpartner gelegentlich nicht sich vorzustellen, dass ihr Dom oder ihre Domme sich dominieren lässt. Das finde ich psychologisch spannend. Nüchtern betrachtet ist es natürlich Unsinn. Aber auf der anderen Seite mag oder kann man sich die Partnerperson, die im eigenen Spiel je nach Spielweise sehr hart, dominant, schroff oder ähnliches auftritt, eben nicht so gerne auf der anderen Seite vorstellen.

Das ist womöglich auch einer der Gründe, weshalb einige bei diesem Thema eher sparsam mit Informationen sind. Es kann die eigene Konstellation schon beeinflussen, wenn die Partnerperson, ich nenne es mal „verschieden gepolte BDSM-Neigungen“ hat und einige davon der anderen Person Unbehagen auslösen. Da hilft dann mal wieder nur offene Kommunikation.

Sicher ist aber auch dieser Rollenwechsel und diese Vorstellung des anderen in einer ganz anderen Position das Problem, wenn es darum geht, mit ein und demselben Partner die Rollen zu tauschen. In der oben genannten Konstellation, in der ein devoter Part sich seinen oder ihren dominanten Part nicht devot vorstellen mag, wäre das natürlich ein noch größeres Problem.

Darf eine Domme oder ein Dom sich also dominieren lassen, wenn sie oder er darauf Lust hat? Klar.

Heißt das, dass diejenige oder derjenige „gar nicht richtig dominant ist“? Nein, natürlich nicht.

Als wäre eine Frau die mal eine andere Frau küsst „gar nicht richtig hetero“ oder ein homosexueller Mann der mal eine Frau küsst „gar nicht richtig homo“. Total Quatsch und Schubladendenken, das niemanden weiterbringt.

Für manche mag es eine Entwicklung sein. Ich habe nicht selten Geschichten von Leuten gehört, die auf der devoten Seite „angefangen“ haben und sich dann langsam auf die dominanten Seite „hin entwickelt“ haben.

Bei wieder anderen ist es so, dass es einfach dem persönlichen Spieltrieb und der persönlichen Neugierde entspricht „auch mal die andere Seite zu erleben“. Das kann ich persönlich beispielsweise besonders gut nachvollziehen. Man möchte auch mal in der Rolle dessen sein, der geschehen lässt, statt immer aktiv zu sein. In diesen Fällen ist das dann oft einfach eine Abwechslung und ein besonderer Reiz.

Wieder andere leben es auch völlig gleichberechtigt und haben parallel einen devoten und einen dominanten Partner. Auch das ist möglich. Die Welt ist eben bunt und zum Glück leben wir in einer Zeit, in der es „nur“ etwas Mut braucht, um das auch mit Leben zu füllen.

BDSM lebt für mich von der Neugierde und dem Spieltrieb. Die wenigsten bleiben ein Leben lang bei der einen Sache, die sie vor Ewigkeiten mal ausprobiert haben. Die wenigsten Menschen hören ihr Leben lang ausschließlich die Musik einer Band, lesen nur die Bücher eines Autors oder schauen immer nur den einen, selben Film. Probiert gerne mal etwas Neues aus und habt keine Angst davor. Wenn es euch nicht gefällt, dann müsst ihr es ja nicht wiederholen.

Vor allem aber, lasst euch nicht von irgendwelchen imaginären, vorbestimmte Kombinationen sagen, was ihr mögen dürft und was nicht. Wenn ihr Pizza und Risotto mögt, aber keine Pasta und stattdessen Sommerrollen, dann ist das ok. Niemand hat euch da etwas vorzuschreiben oder euch gar zu erklären, euer Geschmack sei irgendwie verkehrt.

Edgeplay hat nichts mit Handyempfang zu tun

Wer die Redewendung „mit dem Feuer spielen“ googelt findet rasch die Definition „vorsätzlich mit der Gefahr spielen, sich absichtlich einem Risiko aussetzen“. Das trifft es sehr genau. Edgeplay ist ein Überbegriff für Spielarten, bei denen vorsätzlich mit der Gefahr gespielt und sich einem Risiko ausgesetzt wird.

Es geht um BDSM-Praktiken und -Spielarten, bei denen bewusst das Risiko eingegangen wird, dass auch mal etwas schief geht, dass es Verletzungen oder längerfristige ungewollte Folgen geben kann. Wichtig dabei ist, man geht das Risiko dennoch ein. Es ist nicht das Ziel der Spielarten, dass es zu Verletzungen kommt. Es kann aber eben passieren und dessen müssen sich alle Beteiligten bewusst sein.

Aber ist, wer sich absichtlich einem Risiko aussetzt noch im Bereich SSC (Safe, Sane und Consensual) unterwegs? Nein. Daher fallen Praktiken, die unter Edgeplay laufen auch unter RACK (Risk-aware consensual kink). Wenn ihr mehr über diese Abkürzungen erfahren wollte, dann solltet ihr den verlinkten Artikel lesen, denn hier soll es heute um etwas anderes gehen.

Jetzt fragt ihr euch vielleicht „Äh, welcher vernünftige Mensch will denn bitte so was?“. Naja, die einen binden sich ein Gummiseil um den Körper und lassen sich von Brücken oder Felsklippen fallen, die anderen springen aus 3000 Metern Höhe aus Flugzeugen und wieder andere essen einen Fisch der sie, falsch zubereitet, töten könnte. Jeder hat eben so seinen Adrenalinkick und bei diesen Beispielen geht es noch nicht einmal um Sex. Dass bei diesem Thema mit rationalen Erklärungen oft wenig zu gewinnen ist, sollte sich als Erkenntnis mittlerweile durchgesetzt haben. Hoffe ich.

Es ist also einfach der Kick oder der Kink oder beides. In der englischen Sprache gibt es dafür den wunderbare Ausdruck „whatever floats your boat“. Eine entsprechende deutsche Redewendung die mir gefiele kenne ich nicht. Aber am ehesten passt vielleicht das altmodische „Jeder soll nach seiner Façon selig werden.“.

Jetzt höre ich euch aber fragen „Welche Praktiken und Spielarten sind denn nun Edgeplay“? Ihr wollte Beispiele. Also gut.

Rapeplay, also wenn die Beteiligten so tun, als würde Sex gegen den Willen einer beteiligten Person stattfinden. Wie alle Spielarten die unter den Begriff Consensual Non-Consent (CNC) oder Metakonsens fallen, geht es auch hier in Grenzbereiche des BDSM. Sowohl psychisch als auch physisch muss hier genauestens aufgepasst werden.

Atemkontrolle oder Breathplay, also wenn die Atmung erschwert und kurzzeitig ganz unterbunden wird, ist ebenso ein Beispiel wie Wachsspiele oder auch Angstspiele und Erniedrigung.

Bei Atemkontrolle kann es psychisch ebenso zu unkalkulierbaren Folgen kommen wie bei Angstspielen oder Erniedrigung. Hier müssen sich die Beteiligten der Gefahr immer bewusst sein. Ebenso nicht zu unterschätzen sind natürlich mögliche körperliche Folgen bei Atemkontrolle. Ebenso kann es bei Wachsspielen zu bösen Verbrennungen kommen.

Ganz bewusst beschreibe ich jetzt hier nicht im Detail wie diese Praktiken ablaufen, was zu beachten ist und was passieren kann. Möglicherweise gibt es dazu später mal einzelne Artikel. Die Aufzählung soll nur dazu dienen, dass wir alle Beispiele vor Augen haben worum es mir geht. Aber sie sollen auch zeigen, dass Edgeplay nicht immer im absoluten Extrembereich angesiedelt ist.

Wachsspiele sind etwas, das unter Anfängern sehr beliebt ist. Dennoch drohen hier Gefahren. Ebenso ist es mit Erniedrigung. Beide Spielarten zeigen auch, dass es unterschiedliche Möglichkeiten gibt, wie eine Spielart ungewollte Folgen haben kann. Wie oben erwähnt eben psychische, physische Folgen oder sogar beides. Gerade die Gefahr psychischer Folgen wird leider zu oft unterschätzt oder übersehen.

Sind denn aber nun solche Praktiken und Spielarten „ok“?

Ich denke alleine durch die im letzten Absatz genannten Beispiele wird klar: natürlich sind sie erst einmal ok. Wer Edgeplay praktizieren möchte, sollte sich nur eben bewusst sein, dass es auch Gefahren gibt und das schon bei Dingen, die allgemein als eher harmlos wahrgenommen werden.

Seid euch bewusst was ihr vorhabt und tun wollt. Redet vorher darüber welche Fantasien und Kinks ihr habt. Da gibt es auch keinen Grund sich für Praktiken zu schämen die in Richtung Edgeplay gehen. Gerade die latente Gefahr kann ja ein ganz großer Kick sein. Aber spart bei diesen Gesprächen keinesfalls aus, dass diese Praktiken nicht ganz ungefährlich sind.

Denkt dabei an möglich Gefahren für den Körper UND für den Geist. Geht sicher, dass alle Beteiligten sich der möglichen Gefahren bewusst sind und trefft Sicherheitsmaßnahmen wo es möglich ist. Bei einem Tunnelspiel beispielsweise ist es immer wichtig etwas zur Hand zu haben, um die Wirkung einer Salbe oder einer Chili irgendwie abzumildern.

Zu wissen, welche Notfallnummer Hilfe herbeirufen, wenn wirklich mal etwas schief geht, ist ebenso wichtig.

Was die psychischen Folgen angeht, achtet genau auf die Reaktionen eurer Mitspieler und führt im Nachgang noch einmal Gespräche über das Geschehene. Gerade bei solchen Spielarten ist die Gefahr eines Subdrop nicht zu verachten. Aber auch Dom kann und darf Redebedarf haben.

Alles in allem gilt, seid euch dessen bewusst was ihr tut. Geht die Sache mit Vorsicht und Vernunft an. Redet vorher darüber, damit alle Beteiligten sich klar sind was passieren könnte. Und ganz wichtig, bei allen Sicherheitsmaßnahmen bleibt dennoch immer ein Restrisiko. Auch dessen müssen sich alle Beteiligten bewusst sein.

Ich weiß, das klingt jetzt alles als wäre vor jeder BDSM-Session ein zweiwöchiges Sicherheitstraining nötig. Ist es nicht. Aber sich dessen bewusst zu sein was man tut und dass es Risiken beinhaltet ist unerlässlich. Und je klarer ihr euch dessen seid, je deutlicher ihr kommuniziert habt ehe ihr ein neues Spiel ausprobiert, desto weiter könnt ihr gemeinsam gehen.

Edgeplay muss also niemandem Angst machen. Es ist eine ganz legitime Spielart innerhalb von BDSM. Aber jeder und jede sollte sich diesen Spielarten mit Respekt nähern, sie sollten wissen was sie tun und alle Beteiligten sollten sich klar sein, was passiert. Aber eigentlich gilt das ja für alle BDSM-Varianten.


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Kontrollverlust und Handlungsoptionen

Wenn man einen BDSMer zum Lachen bringen will, dann ist „BDSMer sind alle gleich und stehen alle auf die gleichen Dinge“ sicher kein schlechter Versuch.

Was Leute kickt die BDSM mögen ist äußerst vielfältig. Man frage 10 Menschen und bekommt 6 verschiedenen Antworten. Wenn es dann in die Details geht, sind es schon eher 15 verschiedene Antworten – bei weiterhin 10 Menschen. Klingt kompliziert? Ist es manchmal auch.

Ja, es gibt viele Überschneidungen und „Fan-Favourites“.

Viele stehen auf Fesselung oder Fixierung. Aber nicht alle.

Viele stehen auf Schläge. Aber nicht alle.

Viele stehen auf Erniedrigung. Aber nicht alle.

Viele stehen auf Aufgaben. Aber nicht alle.

Viele stehen auf Unterwerfung. Aber nicht alle.

Daneben gibt es auch seltenere Praktiken und natürlich die Menschen, die auf verschiedenste Kombinationen von Praktiken stehen. Daher dann die oben erwähnten 15 Antworten. Denn, eine BDSM-Neigung muss ja nicht konsistent immer gleich sein. Heute findet die Person das eine geil und morgen eine leicht andere Kombination. Tagesform, Hormonstatus, Stimmung… alles kann da eine Rolle spielen.

Eine nicht so häufig genannte Spielart ist der Kontrollverlust. Fragt man Anfänger etwas intensiver und konkreter, dann kommt zwar schon oft die Antwort „Ich will einfach mal die Verantwortung“ abgeben. Unter den Top-Suchbegriffen bei YouPorn oder Pornhub taucht „Kontrollverlust“ jedoch eher nicht auf. Es ist eine schwerer zu fassende Vorliebe oder Neigung als Schläge oder Erniedrigung.

Kontrollverlust ist ein Gefühl und keine Handlung. Daher ist er so viel schwerer darzustellen und so weniger präsent in unserer Vorstellung von BDSM. Er ist aber dadurch auch weniger leicht herzustellen als Schläge zu verteilen oder jemanden hinknien zu lassen.

Ja, auch geschlagen werden oder sich hinknien müssen kann eine Erfahrung von Kontrollverlust sein. Man erduldet oder tut etwas, dass von alleine oder im Alltag nicht in Frage käme und dass unter dem Einfluss oder einer dominanten Person. Das Erlebnis ist hier, dass es keinen Widerspruch gegen etwas gibt, das im Alltag heftige Reaktionen hervorrufen würde. Das ist natürlich auch Kontrollverlust. Aber eher so der Einstieg in das Thema.

Als jemand der mit der Kunst des Bondage wenig am Hut hat, kann ich nur raten. Aber ich würde tippen, dass auch gefesselt und mit einem Hängebondage irgendwo aufgehängt zu werden, viel mit Kontrollverlust zu tun hat. Der Reiz sich komplett in die Hände eines anderen Menschen zu begeben und mit sich geschehen lassen. Schon praktisch, ist man ab einem gewissen Punkt ja nicht mehr in der Lage, aktiv etwas zu unternehmen und lässt geschehen.

Eine andere Erfahrung ist es, eingesperrt zu werden, beispielsweise in einem Käfig zu sitzen und keinerlei Handlungsoption mehr zu haben, als abzuwarten. Abzuwarten, bis der dominante Part entscheidet, dass es Zeit ist, die Tür wieder zu öffnen.

Auch andere Fesselungen – die dann noch in Verbindung mit dem Verbinden der Augen und/oder einem Knebel – führen zu einem intensiven Kontrollverlust.

In allen Fällen geht es um die Einschränkung der Bewegungsfreiheit. Nicht weg zu können. Sich nicht wehren zu können. Teilweise in Verbindung damit, sich noch nicht einmal äußern zu können.

Warum aber sollte es reizvoll sein nicht mehr zu entscheiden und keine Kontrolle mehr zu haben? Wer sollte das erstrebenswert finden? Nun, da gibt es viele Beispiele.
– Menschen, die sonst im Alltag im Beruf viel Verantwortung tragen.
– Menschen, die hochperformant ihren Alltag mit dutzenden einzelner Aufgaben managen, ihre Umwelt unter Kontrolle haben, sie verbessern und immer effizienter gestalten.
– Menschen, die Haushalt, Beruf und Familie täglich unter einen Hut bringen.
Oder, oder, oder… Unsere heutige Welt bietet genügend Möglichkeiten in Situationen zu stecken, in denen der Mensch nur noch funktionieren und „liefern“ muss.

Da scheint es wenig verwunderlich, dass einfach nackt in einem Käfig oder mit Augenbinde reglos gefesselt zu sein, zu einem Moment der Stille führt. Einem Moment, in dem nur noch Sein und nicht mehr Kontrollieren und Funktionieren im Mittelpunkt steht.

Diese stille Zufriedenheit und Ruhe kann, muss aber gar nicht zwingend mit Sexualität kombiniert werden. BDSM ist es nicht erst, wenn dabei auch Körpersäfte fließen. Sie dürfen es aber. Wie ihr wollt.

Wie ich sagte, Kontrollverlust ist als Spielart im BDSM nicht zu unterschätzen. Vor allem lernen wir daraus aber auch eines – finde ich: BDSM ist in seiner Vielfalt nicht in Schubladen einsortierbar. Was für den einen Menschen „harmlos“ erscheint, wie eben nackt in einem Käfig zu sitzen, akzeptieren dass man nicht heraus kommt und genau das genießen, ist für den anderen Menschen genau das Gefühl, dass unbewusst immer gefehlt hat.

Dieses Spannungsfeld zwischen oftmals sehr unterschiedlichen Neigungen gilt es nicht nur auszuhalten, sondern auch zu verinnerlichen.

Kommunikation zwischen Hund und Katze

Kommunikation ist ja an sich schon schwierig. Was der eine Mensch sagt ist nicht immer identisch mit dem, was bei dem anderen Menschen ankommt. Da geht es schon los. Eigentlich sollte am Ende einer Diskussion noch einmal zusammengefasst werden was der eine meint gesagt zu haben und was der andere verstanden hat und umgekehrt. Dem würde sich dann aber vermutlich wiederum eine weitere Diskussion anschließen und so weiter.

Aber auch vermeintlich eindeutige Aussagen wie „ich melde mich nachher“ können schon zu Missverständnissen führen. Für den einen bedeutet das „in den nächsten 15 Minuten“ der andere meint damit aber „irgendwann heute noch“. Selbst Worte bedeuten für uns oft unterschiedliche Dinge. Wenn ich sage „nachher“, dann meine ich üblicherweise „recht bald“. Hätte ich „heute Abend“ gemeint, hätte ich es auch gesagt.

Ein anderes Beispiel. Wenn der eine Mensch sagt, es gäbe „eine Kleinigkeit zu Essen“, dann meint er damit womöglich zwei Scheiben Brot und eine Essiggurke. Ein anderer Mensch versteht darunter womöglich „statt fünf Gänge nur drei Gänge“.

Ein Mensch, der diese Begriffe aber anders verwendet, wird sie auch anders verstehen, wenn man sie ihm gegenüber verwendet.

Aber Kommunikation besteht ja nicht nur aus dem gesprochenen Wort. Wir kommunizieren auch durch Schweigen, durch Handlungen und durch Nicht-Handlungen. Wie der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick sagte „Wir können nicht nicht kommunizieren„.

Mein Lieblingsbeispiel ist hier der Unterschied in der Körpersprache von Hunden und Katzen. Daher der Titel des Artikels, falls ihr euch schon gewundert habt. Wenn Hunde sich freuen, wedeln sie mit dem Schwanz (billig Witze darüber, dass Männer das angeblich genauso halten hier mal außen vor). Wenn Katzen mit dem Schwanz „wedeln“, sprich ihn langsam hin und her bewegen, dann ist das ein Warnzeichen und kündigt meist einen unmittelbar bevorstehenden Angriff an.

Wenn also die Katze einen Hund sieht, der mit dem Schwanz wedelt, dann denkt sie „Der greift gleich an…“ und wird womöglich prophylaktisch selber angreifen. Der Hund wird sich darauf denken „Wofür war das denn?“ und entweder die Welt nicht mehr verstehen oder selber aggressiv werden.

Objektiv gesehen hat niemand etwas falsch gemacht, dennoch ist die Lage eskaliert. Beide können aber lernen die Körpersprache des anderen zu verstehen und schon können viele Probleme vermieden werden.

Und bei Menschen? Da ist es beispielsweise so, dass der eine Mensch, wenn er jemanden besonders mag oder sich verliebt hat, am liebsten jeden Tag telefoniert und stundenlange Gespräche führt. Will das Gegenüber das aber nicht, dann ist im Kopf des ersten klar: „Da ist kein Interesse.“.

Kann sein, muss aber nicht. Auch Menschen drücken ihre Zuneigung und Abneigung unterschiedlich aus. Wenn Mensch A also gerne viel telefonieren will, Mensch B aber gelegentliche Kurznachrichten völlig ausreichend findet, dafür Mensch B seine Zuneigung mit kleinen Gesten ausdrückt, die für Mensch A nichts besonderes bedeuten, dann kann das schnell zu Missverständnissen führen. Es sei denn, sie bemühen sich ihr Gegenüber zu verstehen.

Die eigenen Maßstäbe an Kommunikation sind nicht die Norm, an der sich alle Menschen orientieren.

Wenn einem wichtig ist mit dem anderen Menschen zu kommunizieren und klar zu kommen, dann ist es elementar wichtig die Sprache und Zeichen des Gegenübers verstehen zu lernen. Das erleichtert alles ungemein.

Was ich damit aber explizit NICHT sagen möchte ist, dass ein „Lass mich in Ruhe“ nicht „Lass mich in Ruhe“ heißt. Oder irgendeinen Scheiß wie „Wenn sie Nein sagt, meint sie Ja“. So meine ich das nicht und so will ich nicht verstanden werden. Das ist übergriffiger Mist und sagt nur aus, dass einem das Gegenüber eigentlich egal ist und man nur den eigenen Willen durchsetzen möchte.

Was ich meine ist, dass man manchmal das eigene Verhalten oder die eigenen Aussagen hinterfragen darf um herauszufinden, wie sie bei anderen ankommen. Eben versuchen das Verhalten anderer nicht nur nach den eigenen Maßstäben zu bewerten. Das kann gerade beim Kennenlernen und in der Anbahnung von neuen Beziehungen extrem helfen.

Wenn euer Gegenüber sich nicht zehnmal am Tag meldet, Bilder schickt oder Liebesschwüre schreibt, ihr das aber als das absolute Minimum seht, wenn jemand Interesse hat, dann redet mal drüber. Kommuniziert euer Bedürfnis. Entweder hat euer Gegenüber wirklich kein Interesse oder kommuniziert einfach ein wenig anders als ihr.

Ach ja und vorsichtig beim Schwanzwedeln. Kann man nicht oft genug sagen.