Der Rahmen, in dem man BDSM lebt

Die Antwort auf die Frage, wer im BDSM das Sagen hat, scheint offensichtlich: Dom sagt wo es lang geht und Sub gehorcht.

Real ist das etwas anders, denn wenn Sub nicht gehorchen will, dann kann sich Dom auf den Kopf stellen. Dann passiert gar nichts. Was soll Dom auch tun? Zwingen kann er Sub nicht. Zumindest nicht, ohne den Boden der Freiwilligkeit zu verlassen.

Hat also Sub am Ende das Sagen? Und wenn ja, ist das dann im Sinne des Erfinders? Eher nicht. Denn sowohl Dom als auch Sub wollen ja, dass eben Dom sagt wo es lang geht. Das ist ja gerade der Konsens der ganzen Beziehung.

Ganz entkommt man dieser Falle nicht. Denn wenn Sub sagt es ist Schluss, dann ist Schluss. Wenn Sub nicht mehr tun will was Dom sagt, dann muss Dom das akzeptieren. Das bedeutet dann auch meist das Ende der BDSM-Beziehung.

Aber man kann diese Grenze nicht bei jeder Kleinigkeit ziehen. Man kann nicht bei jeder Anweisung und jedem Themenfeld erst klären „Ist das ok für dich? Machst Du das bitte?“. Das funktioniert nicht.

Es muss Bereiche geben, in denen Dom das absolute Weisungsrecht hat. Bereiche, in denen Sub nur in Ausnahmefällen „Stopp“ sagen kann und damit eine Grenze zieht.

Aus meiner Sicht vereinbart man als BDSM-Paar einen Rahmen. Innerhalb dieses Rahmens bestimmt Dom. Verlässt man diesen Rahmen, dann verliert Dom die Macht, die er über Sub hat.

Was in diesen Rahmen gehört, das ist ganz individuell. Gehört die Freizeitgestaltung dazu? Berufsleben? Freundschaftliche Beziehungen? Oder beschränkt sich alles auf den Sex? Das definieren die Betroffenen und machen es unter sich aus.

Hat man vereinbart, dass die Freizeitgestaltung in den Rahmen gehört, dann kann Dom eben jederzeit bestimmen, was Sub in der Freizeit unternehmen darf und was nicht. Wurde vereinbart, dass die Freizeitgestaltung nicht dazu gehört, dann hält er sich raus. Das bedeutet nicht, dass Sub keine Rücksprache hält und tut was sie will. Aber Dom hat keine Weisungsbefugnis.

Das lässt sich natürlich auch kleinteiliger definieren. Beispielsweise kann Dom über alles bestimmen, was die Freizeit betrifft, nur nicht über den Sportverein zweimal die Woche. Der ist tabu und wird nicht angetastet.

Hat Dom aber die Weisungsbefugnis, dann ist sie absolut. Er kann bestimmen was er will und Sub fügt sich. Wobei aber immer Augenmaß und Vernunft im Blick behalten werden müssen.

Der genannte Rahmen ist jederzeit erweiterbar. Im Laufe der Beziehung können die Beteiligten zu jeder Zeit sagen: „Also bisher haben wir das ja ausgeschlossen. Aber inzwischen kann ich mir vorstellen, dass wir das anders definieren.“ Sobald für Sub beispielsweise klar ist, dass Dom umsichtig entscheidet, kann die Beziehung zu Freunden dann doch in den Rahmen verlegt werden.

Genauso flexibel sollte man aber auch umgekehrt sein. Wenn man sieht, dass etwas nicht funktioniert, dann sollte man bereit und in der Lage sein, es aus dem Rahmen zu nehmen. Wenn zum Beispiels klar wird, dass Sub sich unwohl fühlt mit dem Fakt, dass ihre Freizeitgestaltung komplett von Dom bestimmt werden kann, sollten beide darüber reden, den Rahmen zu verändern. Oder eben wie oben erwähnte Einzelteile, wie den Sportverein beispielsweise, herauslösen.

Aus meiner Sicht gibt es allen Beteiligten Sicherheit, wenn klar definiert ist, in welchen Bereichen Dom bestimmt und wo Sub selber entscheidet. Je klarer das definiert ist, desto weniger muss man es ständig diskutieren. Und je weniger diskutiert wird, desto besser kann man den Konsens des Machtgefälles ausleben.

Von beiden Seiten, Dom wie Sub, ist es gewollt, dass Dom bestimmt und führt und dass Sub folgt und gehorcht. Der hier gedachte Rahmen ist dabei nur ein Hilfsmittel, das beiden helfen soll, sich zu verdeutlichen wo die Grenzen verlaufen. Natürlich kann dieser Rahmen theoretisch auch einfach alles umfassen. Wenn beide das wollen – warum nicht? Das wäre dann ein sehr großer Rahmen und ginge in Richtung 24/7.

Er kann auch einfach klein sein und nur den Sex umfassen. Vor allem sollte er aber flexibel sein. Und keinem sollte ein Zacken aus der Krone fallen, wenn der Rahmen sich verändert.

Mein Aufruf ist da: seid mutig und seid flexibel. Passt den Rahmen so an, dass er für eure individuelle Beziehung passt. Und wenn er nicht passt, dann verändert ihn. So, wie er für euch richtig ist.

4 Gedanken zu “Der Rahmen, in dem man BDSM lebt

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