Wie gestaltet man eine Session?

Gehen wir mal davon aus ihr habt euch gefunden. Ihr habt die Checkliste abgehakt, die Sub hat einen guten Dom gefunden oder umgekehrt. Ihr habt auch schon euren gemeinsamen Rahmen abgesteckt von dem was ok und gewollt und von dem was nicht gewollt ist. Aber was dann?

Irgendwann kommt der Moment eine ersten Session oder BDSM-Handlung oder wie ihr es nennen wollte. Manchmal ganz spontan, oft aber nicht. Oft ist es verabredet und geplant. Beide haben lange Zeit vorher darüber nachzudenken.

Aber während der devote Part da naturgemäß eher abwarten kann oder muss, obliegt es dem dominanten Part das Ganze in irgendeiner Form zu planen. Das ist der Punkt an dem alle Dominanten irgendwann stehen. Da beschäftigen einen Fragen wie: „Wie gestalte ich das Ganze nun?“ und „Was ist, wenn mir mal nichts einfällt?“.

Was man in diesem Moment braucht sind Fantasie, Spieltrieb, den vereinbarten Rahmen und sein Handwerkszeug. Darunter würde ich in dem Moment alles verstehen, was man an Seilen, Ketten, Schlagwerkzeugen etc. verwenden will und kann.

Ich persönlich visualisiere dann in einem ersten Schritt das Treffen. Sprich, ich stelle mir vor was passiert. Wo treffen wir uns? Kenne ich die Location? Was weiß ich darüber? Komme ich zuerst an oder ist sie zuerst dort? Welche Gegebenheiten finde ich dort vor?

Einmal hatte ich ein Hotelzimmer gebucht, wusste aber nicht, dass das Hotel verspiegelte Fenster haben würde, durch die man von außen ungesehen über die ganze Stadt schauen konnte. Sobald ich das gesehen hatte war klar, dass ich meine Sub nackt am Fenster würde platzieren müssen. Solche Situationen muss man natürlich spontan mit nehmen.

Dann überlege ich, was von meinem Handwerkszeug ich vermutlich benutzen werde. Was davon ist am Anfang sinnvoll, was erst später, weil es vielleicht etwas Vorlauf braucht. Beispielsweise Schlagwerkzeuge die erst zum Einsatz kommen, wenn beide schon etwas aufgewärmt sind.

Dabei habe ich natürlich auch immer Blick was vereinbart war. Was kickt sie besonders? Welchen Schwerpunkt möchte ich setzen? Oder haben wir etwas vereinbart, dass vorkommen soll? Und ganz wichtig, welche Stimmung will ich insgesamt erzeugen? Als Dom setzt ihr in dieser Situation den Ton. Wollt ihr besonders streng sein, eher nachgiebig? Was ist in der aktuellen Stimmung zwischen euch der richtige Ton?

Aus all diesen Informationen entsteht im Kopf ein ungefährer Plan. „Situation Eins, Ort X, ich fange an mit… Situation Zwei, Ort Y, weiter mit…“.

Wenn ihr nicht ein ganz konkretes Szenario plant, vielleicht ein Rollenspiel oder so, dann macht das Ganze nicht zu konkret. Lasst euch selber Freiheiten und Spielräume. Das fällt natürlich umso leichter, je öfter man das schon gemacht hat. Am Anfang hält man sich vielleicht einfach zu sehr an dem fest, was man sich vorher überlegt hat.

So reift ein grober Ablauf im Kopf: „Erst hier diese Aktion, dann rüber nach da, dann die Gerte…“. Mehr hat man eigentlich nicht. Mit dem oben erwähnten Spieltrieb und der Lust am Ganzen fällt euch der Rest dann schon ein wenn es so weit ist.

Nun aber zum vermutlich wichtigsten Tipp von allen. Seid immer bereit all dass oder einzelne Punkte davon über Bord zu werfen. Ohne zögern. Zack, gestorben.

Wenn ihr merkt, es passt gerade etwas nicht, dann nicht krampfhaft daran hängen und denken „aber jetzt solle es doch so weiter gehen“. Nein. Weg damit und etwas anderes machen. Oder auch wenn ihr spontan auf etwas Lust habt dass gar nicht geplant war, warum nicht? Auch wenn das alles andere was ihr euch überlegt hattet über den Haufen wirft. So what?

Bei niemandem auf der Welt verläuft jede Session so, wie sie vorher überlegt oder geplant war. Das ist normal und ist sogar Teil des Spaßes. Vor allem: macht nicht den Fehler in der Situation irgendetwas nachzuhängen, dass vermeintlich „nicht geklappt hat“. So lange ihr im Flow seid ist alles gut. Euer Gegenüber weiß ja im Zweifelsfall gar nicht was „eigentlich geplant“ war. Also locker bleiben und weiter genießen, sonst macht ihr es euch nur selber kaputt.

Klammert euch also nicht an euren Plan. Tut euch selber den Gefallen und seid bereit ihn spontan zu ändern und fallen zu lassen. Das ermöglicht euch und eurem Gegenüber unendlich mehr Freiheit und Lockerheit. lasst euch außerdem gesagt sein, dass sich aus diesen spontanen Planänderungen oder Umwegen oft die besten und aufregendsten Situationen entwickeln.

Kurz gesagt, plant so viel wie nötig, aber auch nicht zu viel. Lasst euch innerhalb dessen was ihr gemeinsam vereinbart habt von eurer Fantasie und eurem Spieltrieb leiten. Überlegt vorher, was ihr an Gegebenheiten vorfindet. Seid aber auch bereit alles über den Haufen zu werfen, wenn die Situation es verlangt oder sinnvoll erscheinen lässt. Ansonsten: genießt es so gut ihr könnt.

„Aua ist kein Safeword“

Ein alter Gag in BDSM-Kreisen lautet „Aua ist kein Safeword.“. Tatsächlich steckt darin aber sehr viel Wahrheit.

Aber zuerst einmal: was ist ein Safeword? Ein Safeword ist eine Sicherheitsmaßnahme im BDSM. Es ist ein Wort, dass der devote Part benutzen kann um das Machtgefälle zu durchbrechen und zu signalisieren, dass er die Situation beenden möchte. Im Idealfall benutzt man dazu ein Wort, dass in der Situation völlig fremd und fehl am Platz wirkt. Eben, damit es sofort ausfällt.

Und damit kommen wir zurück zum Gag im ersten Absatz. In einer BDSM-Situation ist „Aua“ natürlich etwas dass vorkommen kann. Und „Aua“ soll es ja teilweise machen. Daher ist „Aua“ ein ungeeignetes oder eben gar kein Safeword. Viele verwenden dagegen das Wort „Mayday“ oder etwas völlig fremdes, dass in einer BDSM-Situation unpassend ist und nicht gesagt wird. Das kann alles sein „Kürbis“ oder „Apotheke“ oder was ihr wollt.

Wichtig ist bei der Wahl des Safewords nur, dass es euch im entsprechenden Moment auch einfällt. Und dass es leicht auszusprechen ist. „Rhododendron“ oder „Xylophon“ sind also eher unpraktisch.

Warum aber braucht man ein Safeword? Nun, es kann in jeder BDSM-Session eine Situation entstehen, in der sich der devote Part unwohl fühlt und die Situation beenden möchte. Diese Möglichkeit muss der devote Part IMMER haben, wenn er das möchte. Das ist der Konsens im BDSM. Der devote Part gibt die Macht zeitweilig ab, ist aber natürlich nicht völlig rechtlos. Auch diese Formen gibt es zwar, darum soll es hier aber heute nicht gehen.

Übrigens ist es auch sehr wichtig festzuhalten, dass das Nutzen eines Safewords keine Schande ist. Weder der dominanten noch der devote Part müssen etwas falsch gemacht haben wenn das Safeword zum Einsatz kommt. Keine der beiden Seiten sollte den Einsatz des Safewords als Problem oder gar als Niederlage sehen. Allerdings sollte man, wenn es eingesetzt wurde darüber reden. Klären, was los war, damit beide aus der Situation lernen können.

Was ist aber, wenn der devote Part in der Session nicht reden kann? Sei es wegen eines Knebels oder weil der Mund zugehalten wird? Für diese Fälle sollte man ein Klopfzeichen ausmachen. Auch in dieser Situation muss für den devoten Part eine Möglichkeit bestehen auszusteigen.

Damit das auch gesagt wurde: wer als dominanter Part weiter macht obwohl der devote Part es mit Safeword beenden wollte, der begeht Missbrauch. Nicht mehr und nicht weniger.

Ich habe es oben schon erwähnt. Es gibt auch die BDSM-Spiele, in denen beide absichtlich auf ein Safeword verzichten. Warum? Beispielsweise, weil sie Grenzen ausloten wollen und der devote Part die Erfahrung sucht absolut und vollkommen in den Händen des anderen zu sein.

Das kann man machen. Aber das ist absolut nichts für Anfänger. Wer auf Safewords oder andere Sicherheitsmaßnahmen komplett verzichtet, der verlässt den Boden von SSC und begibt sich in den Bereich von RACK. Das kann man machen. Aber man sollte genau wissen was man tut.

Ebenfalls zu beachten ist natürlich auch, dass es Spiele gibt, die man nicht abbrechen kann. Die, wenn man sie einmal angefangen hat, einfach ausgehalten werden müssen. Solche Spiele nennt man Tunnelspiele. Ich habe mich neulich in einem Artikel damit beschäftigt.

Kommen wir aber noch zu einer Variante, die ich persönlich bevorzuge. Der sogenannte Ampelcode. So lange alles im grünen Bereich ist, gibt es keinen Grund etwas einzuwenden. Kommt der devote Part aber in die Situation, dass etwas zu heftig wird, zu schmerzhaft oder sonst irgendwie zu schwer, dann sagt er „Orange“. Wie wenn eine Ampel auf Orange springt. Für den dominanten Part ist dass das Signal etwas langsamer zu machen oder nicht fester zuzuschlagen. Die Session kann aber weiter laufen.

Kommt es aber so weit, dass der devote Part wirklich abbrechen möchte, dann kann er das Stopsignal setzen und „Rot“ sagen. Damit signalisiert der devote Part dem dominanten Part „Ich will, dass das sofort aufhört.“ Wie eben auch bei der Benutzung des Safewords.

Für mich persönlich ist das angenehmer. Denn es bietet mehr Möglichkeiten der Steuerung. Für mich und für die Sub. Aber das ist natürlich reine Geschmackssache. Jeder entscheidet sich da für die Methode, mit der man sich am wohlsten fühlt.

Abschließend sei noch einmal gesagt: als Sub auf ein Safeword zu bestehen ist völlig ok. Gerade als Anfänger wäre es sogar unvernünftig darauf zu verzichten.

Das Safeword dann auch zu benutzen ist keine Schande. Und es muss auch nicht das Ende der Session bedeuten. Man muss danach nur vernünftig miteinander reden, sehen wo das Problem lag und dann, je nachdem was beide wollen, weiter machen oder sich doch lieber auf ein andermal vertagen.

Und wie gesagt, ein Safeword zu missachten ist kein Kavaliersdelikt. Wer das tut, der missbraucht mindestens seine Macht oder begeht sogar eine Straftat.

SSC oder RACK? WTF?

Was sind das für merkwürdige Abkürzungen, mag sich der geneigte Leser jetzt fragen. Das ist schnell beantwortet. WTF steht für „What the Fuck“ und heißt so viel wie „Was zur Hölle soll das bedeuten?“.

Bei den anderen beiden Abkürzungen ist es schon etwas komplexer und darum soll es um die beiden hier nun auch gehen.

Im Kern sind beides Philosophien oder moralische Konzepte, wie man BDSM auslebt. SSC steht dabei für „Safe, Sane, Consensual“ (übersetzt „sicherheitsbewusst, mit gesundem Menschenverstand und einvernehmlich“). RACK dagegen steht für „Risk-aware consensual kink“ (übersetzt etwa „Risikobewusster gemeinsamer Kick“).

SSC ist dabei die ältere der beiden Philosophien. Sie besagt im Grunde, dass man BDSM gemeinsam so auslebt, dass alle beteiligten Personen der Überzeugung sind, das was man tut sei sicher. Außerdem, dass man den gesunden Menschenverstand benutzt und natürlich alles einvernehmlich ist.

Da kommen wir aber schon zu den ersten Problemen, die manche mit SSC haben. Einvernehmlich ist noch klar. Natürlich muss alles, was beim BDSM passiert, einvernehmlich sein. Zumindest in einem Metakonsens. Was so viel bedeuten soll, wie „vielleicht habe ich dazu gerade keine richtige Lust, aber ich bin einverstanden, dass Du mich dennoch dazu ‚zwingst'“. Dieser Metakonsens muss immer herrschen. In der Sekunde, wo der Schmerz groß ist, macht er vielleicht keinen großen Spaß. Aber es muss Einvernehmlichkeit herrschen, dass der Schmerz dennoch „OK ist“.

Einvernehmlichkeit ist nicht verhandelbar und immer Grundlage von BDSM.

Was ist aber „sicher“? Was ist mit dem gesunden Menschenverstand noch vereinbar und was nicht? Ist den Partner anderen vorzuführen sicher? Das kann psychologisch zu Problemen und Konflikten führen, die man nicht immer gleich absehen kann.

Ist die Aufnahme von Urin mit dem gesunden Menschenverstand vereinbar? Was ist denn mit Keimen? Ist Natursekt dann überhaupt sicher? Wann ist ungeschützter Verkehr sicher? Wenn alle Beteiligten einen aktuellen Gesundheitstest dabei haben? Sollte man unter Einfluss von Drogen oder Alkohol BDSM praktizieren? Wie sicher ist das dann?

Da können die Meinungen schnell auseinander gehen. Und es genügt dann schlicht nicht, wenn einer der Meinung ist, eine Praktik sei sicher. Wenn einer der Beteiligten etwas für nicht sicher hält oder für nicht mit dem gesunden Menschenverstand vereinbar, dann fällt die Praktik unter SSC für diese Konstellation aus.

SSC ist also eine durchaus sehr sinnvolle Art und Weise, seine BDSM-Vorlieben einzustufen und mit anderen abzustimmen. Aber es ist auch eine Philosophie, die von manchen als sehr einschränkend empfunden wird. Denn wenn man nur tut, was alle als absolut sicher einstufen, dann fällt eben manches weg.

Und da kamen irgendwann Leute auf die Idee, man müsse andere Definitionen finden. So entstand RACK.

Auch in RACK kommt „consensual“, also einvernehmlich vor. Das können wir also als gegeben abhaken. Wo aber liegen die Unterschiede?

Im Grunde setzt RACK mehr auf Eigenverantwortung. Es besagt in etwa: „Ja, wir sind uns bewusst, dass das was wir tun nicht ungefährlich oder schlicht unvernünftig ist. Aber so lange wir das wissen und es dennoch wollen, ist es ok.“.

Nehmen wir ein Beispiel. Ich mag praktische Beispiele. Autofahren ist nur bedingt sicher und in einer Blechkiste mit 200 km/h durch die Gegend zu rasen, würden manche als gegen den gesunden Menschenverstand bezeichnen. Dennoch tun wir es. Wir wissen alle um das Risiko eines Unfalls, nehmen aber dennoch am Straßenverkehr teil.

So gesehen ist Autofahren nicht SSC, aber durchaus RACK. Ok, abgesehen von der Sache mit dem Kick. Aber hey, sogar den haben ja manche beim Autofahren.

Oder um es noch deutlicher zu sagen: wer als Dom seine Sub anderen zur Benutzung überlässt und den anderen Männern dabei erlaubt, die Kondome weg zu lassen, hat den Boden von SSC weit hinter sich gelassen. Weder ist das nach allgemeinem Verständnis sicher, noch mit dem gesunden Menschenverstand vereinbar. Aber unter RACK kann das durchaus dennoch Ok für die Beteiligten sein. Wenn sich alle der Risiken bewusst sind und es einvernehmlich beschlossen haben, dann sollen sie. RACK besagt: ihr müsst wissen was ihr tut.

Und RACK besagt auch, dass alle Praktiken erlaubt sind. Es müssen sich die Beteiligten nur bewusst sein, dass sie ein Risiko damit eingehen. Wichtig ist dabei aber, dass man sich der offensichtlichen Risiken, die durch bestimmte Praktiken entstehen, ebenso bewusst ist, wie der unabwägbaren Risiken.

Noch ein Wort zum Thema Safeword. Ein Safeword ist keine Garantie, aber es ist eine Vorsichtsmaßnahme. Wer ein Safeword weg lässt, der geht damit ein Risiko ein. Auch dieser Tatsache sollte man sich bewusst sein. Und bewusst ein Risiko einzugehen entspricht dann wieder der Definition von RACK. Wer also ohne Safword BDSM praktiziert, der hat SSC verlassen und befindet sich im Bereich von RACK.

Kurz gesagt: SSC ist vielleicht das etwas defensivere und vorsichtigere Konzept. RACK geht mehr Risiken ein und ist offensiver. Beide sollen helfen, sich dessen bewusst zu machen, was man tut oder besser lässt. Und selbstverständlich setzen beide Einvernehmlichkeit voraus.

Es ist wie so oft im Leben. Welche Philosophie oder welches Konzept man verfolgt, muss man selber entscheiden. Die eine Variante bietet vermeintlich mehr Sicherheit, die andere vermeintlich mehr Freiheit. Was für euch der richtige Weg ist, das könnt am Ende nur ihr entscheiden.

Aber eines ist für beide Varianten unabdingbare Voraussetzung: sich vorher Gedanken über das machen, was man will und was man bereit ist mitzumachen. Und egal welche der beiden Philosophien man dann verfolgt, kann DAS zumindest nicht schaden.

Verleihen, Vorführen und Fremdbenutzen

Sie ist fast nackt. Sie trägt nur die Dessous, die ihr Herr ihr bereit gelegt hat. Nun legt er seine Hand zwischen ihre Schulterblätter, spricht ihr leise Mut zu und führt sie in den Raum. In den Raum von dem sie weiß, dass dort mehrere Herren auf sie warten. Herren, die heute Abend mit ihr tun werden, wonach ihnen ist.

So oder so ähnlich fängt eine besonders beliebte Fantasie im BDSM an. Der Herr führt seine Sub anderen Herren vor oder führt sie ihnen gar zur Benutzung zu. Der Herr wacht darüber, dass alles im vereinbarten Rahmen bleibt und die Sub gibt sich hin.

Was ist aber dran an dieser Fantasie? Warum ist sie so beliebt? Und ist es überhaupt in Ordnung, so eine Fantasie zu haben?

Offenbar ist die Fantasie in der Konstellation männlicher Dom und weibliche Sub verbreiteter, als umgekehrt. Warum das so ist, darüber kann ich aber auch nur spekulieren. Daher spreche ich hier der Einfachheit halber von männlichen Doms und weiblichen Subs.

Zuerst einmal zur dritten Frage: ist es in Ordnung, so eine Fantasie zu haben? Und da frage ich wie immer zurück: warum denn nicht? Wem schadet man denn damit? Alle Fantasien sind in Ordnung, die keinem schaden. Wenn man sie ausleben kann und damit keinem weh tut, warum dann nicht? Wenn allen Beteiligten klar ist, woran sie da gerade teilnehmen, dann ist das auch völlig ok.

Wie immer gilt natürlich besonders hier, dass man auf die Gesundheit aller Beteiligten achten muss. Daher sollte hier Schutz selbstverständlich sein. Manchen nimmt das den Spaß gerade an dieser Fantasie. Aber niemand möchte ja russisches Roulette spielen.

Was ist also dran an der Fantasie? Was macht sie so beliebt? Vor allem, was macht sie bei beiden Seiten so beliebt?

Ich denke, für den dominanten Mann ist es einfach eine Form von Macht, die er sonst nicht ausleben und spüren kann. Darüber zu bestimmen, wer seine Sub und/oder Partnerin anfassen, anschauen oder gar sexuell benutzen darf, ist eben sehr selten. Es ist etwas, das ganz tief rührt.

Auf der einen Seite ist es ein „Besitzerstolz“: „Schaut her, das ist meine. Ihr dürft nur schauen, aber ich, ich darf alles mit ihr. Sogar sie euch so präsentieren.“ Damit erhebt man sich über die anderen Beteiligten.

Außerdem ist es die Macht über die Sub. Denn der Dom bestimmt in der Situation so weitgehend, wie es kaum anders möglich ist. Er bestimmt, was mit ihr geschieht und wer etwas mit ihr tun darf. So weit geht Macht über die Sub selten.

Vermutlich spielt sogar noch diese alte Idee rein, dass der die Macht hat, der penetriert. Und wer penetriert wird, ist unterlegen. Dass das in einer emanzipierten Welt nicht stimmt und auch Männer sich penetrieren lassen können ohne an Achtung zu verlieren lassen wir mal Beiseite.

Aber wenn wir diese Idee mit in Betracht ziehen, dann ist natürlich auch der Akt, die Sub penetrieren zu lassen eine Machtausübung. Noch dazu, wenn es durch ihr fremde Mitspieler geschieht. Das erhöht noch den Reiz, erhöht die Auslieferung.

Und da kommen wir auch zu dem Punkt, worin der Reiz für die Sub liegt. Es ist eine Form des absoluten Kontrollverlusts. Aber in einer sicheren Form, denn es passt ja jemand auf. Es passt der Mensch auf, dem sie vertraut und in dessen Hände sie sich gegeben hat. Also ist es ein absoluter Kontrollverlust mit absoluter Sicherheit. Etwas, das eigentlich unmöglich ist.

Selten kann man sich als weibliche Sub wohl umfassend in fremde Hände begeben.

Noch dazu ist es die Erfüllung einer Fantasie, die so verbreitet ist, dass sie fast schon ein Klischee ist: Sex mit einem Fremden. Sicher eine der beliebtesten weiblichen Sexfantasien.

In dieser Variante lässt sie sich ausleben, ohne die Risiken, die andere (Solo-)Varianten mit sich bringen.

Aber auch der Stolz des Doms spielt eine Rolle. Denn so wie es den Dom kickt, stolz seine Sub vorzuzeigen und zu präsentieren, so kann es auch für die Sub ein Kick sein, so stolz vorgeführt und präsentiert zu werden. Dieser Punkt funktioniert in beide Richtungen gleichermaßen.

Auch das Gefühl der Macht funktioniert in beide Richtungen. In der Situation hat ihr Dom große Macht über sie und das berauscht sie ebenso wie ihn.

Diese Fantasie des Verleihens, Vorführens oder Fremdbenutzens kann also für beide ausgesprochen spannend und anregend sein. Es ist kein Wunder, dass sie sich ungebrochener Beliebtheit erfreut und es ganze Parties dazu gibt.

Aber einige Dinge sind zum Ende natürlich zu beachten. Den gesundheitlichen Aspekt habe ich erwähnt und man kann ihn nicht oft genug betonen. Aber auch andere Punkte sind wichtig. Ehe ihr so etwas macht: redet viel darüber. Sprecht euch ab, was ihr erwartet und was ihr auf keinen Fall wollt. In der Situation selber kann dazu keine Gelegenheit mehr sein. Also besprecht es vorher.

Seid euch auch klar darüber, dass das kein Kinderspiel ist. Der große Kick kommt hier daher, dass man mit dem Feuer spielt. Wenn ihr nicht sicher seid, wie ihr damit umgeht dass eure Sub mit anderen Männern Kontakt hat, dann redet lieber noch einmal darüber und überlegt es euch.

Genauso umgekehrt. Wenn ihr nicht sicher seid, wie ihr reagiert wenn euer Dom euch „einfach so“ anderen überlässt, dann redet noch einmal darüber. Vielleicht ist es dann für euch doch nicht das Richtige. Oder noch nicht das Richtige.

Und selbstverständlich: drängt niemanden dazu diese Spielart mitzumachen. Nur wenn beide sich der Risiken bewusst und bereit sind, sollte so etwas in Frage kommen.

Wie erkennt man einen guten Dom?

Nachdem man sich eingestanden hat auf BDSM zu stehen und einigermaßen heraus gefunden hat was einem gefällt, kommt der einfache Part: ein Gegenüber zu finden, das passt und bei dem man als Sub gut aufgehoben ist.

Das sollte aber eigentlich einfach sein. Denn so gut wie jeder Dom sagt von sich, er sei ein guter Dom. Ich sage das von mir auch. Wo ist also das Problem? Fall geklärt.

Ok, ihr könnt wieder aufhören zu lachen. Denn einfach ist das tatsächlich leider gar nicht. Daher will ich mich heute damit beschäftigen, wie man einen guten Dom erkennt.

Zuerst sollten wir darüber reden was ich mit einem „guten Dom“ meine. Ich meine niemanden der eine bestimmte Anzahl von Praktiken beherrscht und Empfehlungsschreiben hat. Vielmehr geht es um den, der zur Neigung der Sub passt. Und um den Dom der auch menschlich zu euch passt. Andere Dinge wie Erfahrungsstand oder reichlich ausgestatteter Werkzeugkoffer sind nebensächlich.

Außerdem sollten wir noch einen Punkt klären. Ich weiß wie verlockend es ist, sich sofort in ein Treffen zu stürzen. Man hat eine neue Leidenschaft entdeckt und will sie ausleben. Vor allem, wenn man das Gefühl hat bisher viel verpasst zu haben.

Jeder soll das machen wie er oder sie mag. Warum nicht direkt am selben Tag oder am nächsten Wochenende treffen und loslegen? Das kann man machen und man kann mit Glück haben. Aber wenn man bei der Auswahl des Doms ein paar Tipps befolgt, dann minimiert man das Risiko und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass es toll wird.

Auf einige sonstige Vorsichtsmaßnahmen gehe ich ein andermal ein. Ein nicht zu unterschätzender Test bei einem Treffen ist aber das Covern. Darunter versteht man, dass man sich von denjenigem mit dem man sich trifft die Daten geben lässt und die bei einem Freund oder einer Freundin hinterlässt. Man kann auch ausmachen, sich noch einmal während des Treffens zu melden.

Ein guter Dom wird das auf jeden Fall akzeptieren und als Vorsichtsmaßnahme mitmachen. Wer sich da weigert, der ist mit Vorsicht zu genießen. Übrigens darf man sich auch als Dom covern lassen.

Und damit sind wir schon an einem ersten Punkt angelangt. Ein guter Dom wird nicht auf ein sofortiges und übereiltes Treffen drängen. Zwei Nachrichten gewechselt und los geht es? Das wäre für mich ein Alarmzeichen. Es sei denn, beide Seiten wissen schon sehr gut was sie wollen und bekommen.

Ein guter Dom stellt Fragen. Und zwar nicht „Bist Du rasiert?“, „Welche BH-Größe hast Du?“ und „Machst Du Anal?“. Sondern die richtigen Fragen. Nach euren Vorstellungen, euren Erfahrungen, euren Wünschen und Ängsten. Außerdem hört er zu und stellt auf Grundlage eurer Antworten neue Fragen. So lernt er eure Fantasien und Bedürfnisse kennen.

Auch die Frage nach Tabus ist extrem wichtig. Also nach Dingen, die man unter keinen Umständen möchte und die auf keinen Fall passieren sollen. Tabus sind gerade für Anfänger oft schwer zu definieren. Aber danach zu fragen sollte Standard sein.

Ebenso Standard sollte es sein, die Benutzung eines Safewords anzubieten. Also eines Wortes, dass Sub auch in der wildesten Action sagen kann um damit sofort alles abzubrechen.

Ein guter Dom beantwortet euch auch eure Fragen. Er gewährt euch Einblicke in seine Vorstellungen und das was er gerne mag und worauf er ungerne verzichten würde.

Ein guter Dom kann sich einfühlen und vermittelt euch damit ein Gefühl von Sicherheit.

Dennoch ist ein guter Dom ganz sicher kein Wunscherfüller. Er hat seine eigenen Vorstellungen und ist bereit und in der Lage diese auch durchzusetzen. Aber ohne dabei euch als Menschen und das was ihr vereinbart habt aus den Augen zu verlieren.

Ein guter Dom ist also auf meiner Sicht vor allem kommunikativ. Sicher kann man vieles auch intuitiv richtig machen und dabei lange Glück haben. Aber wenn man miteinander redet, dann minimiert man eben das Risiko doch mal daneben zu legen.

Übrigens darf ein Dom auch lachen. Doch. Wirklich. Muss er nicht, ist aber dann kein Minuspunkt.

Es ist auch wichtig, dass ein Dom etwas Fantasie zeigt. Vielleicht ist das am Anfang noch egal. Aber spätestens bei der zweiten oder dritten Wiederholung wird euch auffallen, dass Abwechslung nicht zu unterschätzen ist.

Wenn ihr euch dann trefft entscheidet sich natürlich alles. Ob es dann der für euch passende Dom ist entscheidet sowieso der Bauch. Oder manchmal auch andere Körperregionen. Das müsst ihr dann selber wissen. Ein Blick oder eine Geste kann da schon eine Menge aussagen und bewirken.

Wenn es dann wirklich zur Sache kommt, werden aus meiner Sicht noch andere Dinge entscheidend wichtig.

Ein guter Dom schlägt oder bestraft nicht aus Wut. Wer jähzornig ist und so die Kontrolle verliert, der kann euch wirklich körperlich gefährlich werden. Also achtet darauf. Überhaupt sollte ein guter Dom nicht die Kontrolle verlieren. Um euch auf Dauer aufgehoben fühlen zu können braucht ihr das Gefühl, dass Dom weiß was er tut. Und auch wann er etwas nicht tut. Ein Dom der sich aus Lust, Wut oder anderen Gefühlen zu Dingen hinreißen lässt, die nicht vereinbart waren oder allgemein unvernünftig sind, der bringt euch immer wieder in Gefahr. Finger weg.

Ein guter Dom achtet auch auf Hygiene. So wird er speziell Spielzeuge die eingeführt werden immer mit Kondom nutzen und benutzte Spielzeuge reinigen und sofern möglich desinfizieren.

Achtet auf euer Bauchgefühl bei der Auswahl eines Doms. Nehmt nicht zwingend den, der am meisten verspricht, am nächsten dran wohnt oder einfach am geilsten aussieht. Andere Kriterien können für euren Lustgewinn wesentlich wichtiger sein. BDSM ist geil und macht Spaß, es kann dabei aber auch viel schief gehen. Davor sollte man keine Angst haben, aber Respekt. Daher minimiert das Risiko und wählt weise.

Nichts von alledem muss man befolgen. Jeder darf und kann auch mit dem Feuer spielen und sagen „Ich liebe die Gefahr“. Wer aber gerade für die ersten Schritte im BDSM eine Auswahl treffen will, der ist mit diesen Tipps sicher besser bedient, als mit einem spontanen Hoteldate mit einem Fremden.

Also Augen auf bei der Dom-Wahl.

Fantasien und Wirklichkeit

Kürzlich habe ich bei Twitter eine Umfrage gemacht. Gefragt war, ob die Leute Fantasien haben, die sie sich zwar vorstellen, vielleicht auch geil finden, die sie aber NICHT umsetzen wollen. Hier das Ergebnis:

Auch wenn die Umfrage alles anderes als repräsentativ ist, ist das Ergebnis dennoch schlüssig würde ich sagen. 78% der Teilnehmer geben an, dass sie solche Fantasien haben.

Dabei sind die Richtungen und Ausprägungen der Fantasien natürlich endlos. So, wie auch die Gründe, warum man sich vorerst oder komplett dagegen entscheidet sie auszuleben.

So gibt es gesundheitliche Gründe eine Fantasie dann lieber doch Fantasie bleiben zu lassen.
Ein Beispiel dafür wäre diese: Sub wird von mehreren, möglicherweise sogar ihr fremden Männern benutzt. Das Sperma spritzt und tropft ihr aus allen verfügbaren Öffnungen.
Klingt geil, ist es vielleicht auch. In den Zeiten von HIV aber schwerlich umsetzbar ohne die eigenen Gesundheit zu riskieren. (Ja, ich weiß es gibt auch andere Krankheiten die nicht zu unterschätzen sind).

Oder aber es sprechen die Vernunft und der Selbsterhaltungstrieb dagegen. So wie bei der Fantasie des Blind Dates. Mit einem Fremden direkt zur Sache. Kein Smalltalk, nicht vorher gesehen, sofort Sex.
Klingt geil, aber das Risiko schwingt natürlich mit. Der Mensch auf der anderen Seite bleibt immer unberechenbar wenn man ihn gar nicht kennt.

Manche Dinge sind auch reines Kopfkino und lassen sich aufgrund gesellschaftlicher Konventionen nicht umsetzen.
Beispielsweise Sub nackt über einen belebten Platz schicken wo Passanten sie beschimpfen und bespucken. Schnell wäre die Polizei da und der Skandal groß.

Manchmal sind Fantasien auch noch zu neu. Schließlich fangen die meisten Dinge, die wir dann irgendwann umsetzen und toll finden, als Fantasie an. Bei mir zum Beispiel manifestiert sich in letzter Zeit eine Fantasie einer Sub eine Windel anzuziehen und so mit ihr raus zu gehen. Sie sich neben mir in aller Öffentlichkeit einnässen lassen. Die Heimlichkeit und die Erniedrigung in aller Öffentlichkeit stelle ich mir in der Fantasie geil vor. Ob das real dann so wäre wie ich es mir vorstelle? Ob ich es dann nicht doch abtörnend fände? Keine Ahnung. Abgesehen davon, dass sie passende Partnerin fehlt, weiß ich schlicht nicht, ob es gut wäre.

Das ist ein gutes Beispiel für etwas, dass vielleicht noch etwas im Kopf reifen muss, um sich endgültig eine Meinung zu bilden. Will ich das oder lieber doch nicht? Auch das ist ein Situation in der man mit Fantasien öfter ist.

Und dann gibt es natürlich noch die problematischen Fantasien. Fantasien die mit echter Gewalt zu tun haben zum Beispiel. Wie die Vergewaltigungsfantasien. Oder Fantasien mit Klingen, Nadeln etc.
Besonders bei diesen Fantasien ist die Frage wichtig: will ich das erleben oder spiele ich dann zu sehr mit dem Feuer?

Fantasien gibt es viele. Das ist auch gut und erlaubt. In der Fantasie ist ALLES erlaubt. Denn erstens kann niemand etwas für deine Fantasien und zweitens schaden sie keinem. In eurem Kopf dürft ihr euch einfach alles vorstellen. Verantwortlich seid ihr nicht für das, was euch im Kopf anmacht, sondern für das was ihr tut. Da gilt es dann vorsichtig zu sein. Und selbstverständlich dort die unverrückbare Grenze zu ziehen, wo eure Fantasien anfangen anderen zu schaden.

Bis dahin ist einfach alles erlaubt was allen beteiligten Spaß macht.

Fantasiert ihr  von Rapeplays? Dann findet einen Weg der euch befriedigt und dessen Risiko ihr vor euch vertreten könnt.

Habt ihr Fantasien von Breathplay, dann informiert euch über die Gefahren und geht so weit, wie ihr es verantworten könnt.

Gehen euch Benutzung oder Gangbangs nicht aus dem Kopf? Überlegt euch, wie ihr euch hinterher fühlen werdet, achtet auf Kondome und wenn ihr meint es geht, dann los.

Denkt vor der Umsetzung an die Risiken. Auch an das Danach. Sucht Wege den Kick zu erhalten und dabei die Gefahr zu minimieren. Dann habt aber auch keine Scheu das was ihr wirklich wollte auch zu tun.

Wir sollten uns alle viel weniger für unsere Fantasien schämen. Steht mehr dazu. Bindet sie nicht jedem auf die Nase. Seid auch da vorsichtig, denn so eine Information kann auch an die Falschen geraten. Aber steht mehr dazu, teilt sie mit den Leuten von denen ihr Verständnis erwarten könnt und mit denen ihr sie vielleicht umsetzen wollt. Denn wenn nicht, dann werden sie vermutlich immer Fantasie bleiben. Manchmal ist das gut. Manchmal wäre das aber auch verdammt schade.

Am Ende gilt eben, was @is_successful auf meine Umfrage geschrieben hat:

In dem Sinne, seid mehr Dschungel als Schrebergarten.

Höher, schneller, weiter?

„Wenn Du so viel Erfahrung hast, genüge ich dir dann als Anfängerin überhaupt?“

Ein Satz den man als Dom immer wieder hört. Neulich sagte mir eine Frau die es wissen muss: „Das ist typisch Frau. Immer die Sorgen nicht gut genug zu sein und nicht zu genügen.“. Und was soll ich sagen? Zumindest in meinem Fall ist er auch sinnlos.

Denn: BDSM ist kein Leistungssport!

Für mich kommt es im BDSM nicht darauf an noch weiter zu gehen, noch extremer, noch verrückter. Wenn ich Heute zehn Schläge verteilt habe, dann müssen es beim nächsten mal nicht zwanzig und dann fünfzig sein. Wenn Eine Frau soundsoviel Gramm Gewichte an Klammern ausgehalten hat, dann kickt es mich nicht, wenn die andere mehr aushält. So funktioniert das nicht.

Interessant sind doch nicht die Zahlen. Zehn, zwanzig oder fünfzig Schläge. Wir sind nicht beim Leistungssport. Es werden keine Leistungsberichte geschrieben. Und es gibt auch keine Rekorde zu brechen. Auch nicht die eigenen.

Wenn Sub das braucht und es kickt zu wissen „Früher habe ich nur so viel ausgehalten und heute so viel“. Ok. Jedem das Seine. Aber darum geht es mir schlicht nicht.

Was mich reizt, sind die Reaktionen der Sub. wenn überhaupt, dann bin ich Reaktionsfetischist.
Wenn sie Schmerzen hat und sie das gleichzeitig anmacht, dann kickt mich das.
Wenn sie ihre Scham überwindet und etwas tut, dass sie erniedrigt, dann kickt mich das.
Wenn ich sie geil mache und dann aufhöre und sie damit zum Wahnsinn treibe, dann kickt mich das.
usw.

Aber ob wodurch sie die Schmerzen hat, welche Erniedrigung das ist oder welche konkrete Praktik sie geil macht, das ist doch nicht entscheidend. Das WIE kann sich von Fall zu Fall ändern. Entscheidend ist doch nur, DAS es dazu kommt.

Ich weiß nicht wie andere sind. Aber ich bin einfach niemand, der nur seinen Material-Fetisch durchzieht, komme was wolle. Ich bin niemand, der Sein Kopfkino hat, von dem er nicht abweichen kann und will. Und ich bin niemand, der nur seine Egonummer fährt. BDSM ist Zusammenspiel. Und wenn es Sub keinen Spaß macht, dann macht es mir auch keinen Spaß. Wenn es Sub aber Spaß macht, dann habe ich definitiv auch meine Freude und genieße es. Und dabei stelle ich keine Vergleiche an oder Zähle mit.

Das bringt mich aber noch zu einem weiteren Punkt. Vergleiche mit anderen bringen nichts und sind eher schädlich. Vergleicht euch nicht selber mit anderen und habt dann die Erwartung an euch, es genauso zu machen. Ja, ich weiß, das steckt in vielen von uns ganz tief drin. Aber beim Sex und beim BDSM ist das wirklich Schwachsinn.

„Sub XY hat aber so und so viel ausgehalten und ich nur so viel.“ oder „Die hat solche Striemen und bei mir sieht man fast nichts.“ etc. Das sind alles Wege in die BDSM-Hölle. Tut das nicht.

BDSM ist kein Leistungssport!

Daher bin ich auch kritisch, wenn ich auf Twitter Bilder sehe, wo stolz Striemen und blaue Flecken vorgezeigt werden. Ich verstehe den Stolz. Aber das Signal darf dabei eben nicht lauten: „Schau was ich aushalte.“. Andere lesen daraus dann eben gerne heraus, sie müssten das auch leisten. Oder das was sie tun genügt nicht.
Das funktioniert leider ähnlich wie die superschlanken Damen im Fernsehen, die manchen unterschwellig auch immer die Botschaft übermitteln „Du bist zu dick.“. Das ist nie ein gutes Gefühl.

Meine Botschaft lautet, es geht für mich und mein BDSM nicht um Rekorde und um Extreme. Da stehen andere Dinge im Vordergrund und die lege ich hier ja öfter dar. Aber vielleicht geht es euch Sadisten und Masochisten da draußen ja anders? Vielleicht seht ihr das mit den Rekorden, den Zahlen und den Extremen anders? Ich bin gespannt.

Stopp? Stopp!

In meinem Beitrag zu Beginn dieses Blogs habe ich folgenden Satz geschrieben: „Denn in dem Moment wo sie „Stopp“ sagen muss, fällt sie aus ihrer Rolle.“
Darauf kam eine Reaktion einer Leserin: „Sehe ich nicht so. Ich finde es sogar gut, wenn Sub zumindest einmal an den Punkt kommt, an dem sie Stopp sagen muss. Denn dann weißt du als Dom, dass sie das KANN; dass ihr ihre Unversehrtheit wichtiger ist als euer Spiel.“

Ein wunderbarer Hinweis wie ich finde. Und wie so oft: beides stimmt.

Denn was ich sagen wollte ist: Dom muss Sub im Idealfall so gut kennen und lesen können, dass ein „Stopp“ nicht nötig ist. Dass er die Situation eben möglichst so einschätzen kann und dosiert, dass er merkt, wie weit er gehen kann. Daher kann man auch nie von Anfang an in die Vollen gehen. Dazu muss man sich kennen und wissen was der andere mag, wie hart er es mag, wie intensiv etc.
Und man muss als Dom eben die Reaktionen lesen können. Welche Reaktion bedeutet was. Was teilt Sub mir nonverbal mit. Diese Sprache des Gegenübers muss man lernen.

Und ich bleibe bei dem Anspruch, dass Sub eigentlich nicht aus der Rolle fallen sollte, indem sie Stopp sagt, weil etwas nicht mehr geht, nicht auszuhalten ist. Egal ob das etwas körperliches oder seelisches ist. Denn „Stopp“ bedeutet in dem Fall ja, die Kontrolle zurück zu erlangen und eben selber zu bestimmen „Das ist genug.“

Wenn das passiert, dann bin ich als Dom eben zu weit gegangen. Dann habe ich Sub nicht so gelesen wie ich hätte sollen. Oder etwas falsch verstanden. Beides muss kein Drama sein. Aber es ist durchbricht die Situation. Und das will eigentlich keiner von beiden.

ABER, auch die Leserin hat Recht. Denn sowohl Dom als auch Sub sollten unbedingt sicher sein, dass Sub erkennt, wenn ihre Grenzen erreicht oder gar überschritten werden. Aber auch das genügt nicht. Denn sie muss dann auch in der Lage sein das zu äußern. Und da setzt der Einwand der Leserin an.

Sub möchte Dom gefallen. Das liegt meist in der Natur der Sache. Eine völlig falsche Reaktion auf diesen Wunsch zu gefallen wäre aber, die eigenen Grenzen außer Acht zu lassen. Dinge mit zu machen oder mit sich machen zu lassen, nur um zu gefallen. Dinge, für die man eigentlich (noch) gar nicht bereit ist. Das ist der sichere Weg in eine Katastrophe. Denn darauf folgt der Absturz mit 100% Sicherheit. Wenn nicht sofort, dann doch sehr bald.

Also ist es ungemein wichtig, dass Sub ihre Grenzen erkennt und dann auch handelt. Grenzen zu ignorieren ist für Dom und Sub eine fatale Entscheidung. Wenn Sub also erkennt, sie kommt an eine Grenze oder ist schon darüber hinweg. Und wenn Dom das nicht schon vorher gemerkt und die Situation aufgelöst hat, dann muss sie sagen „Stopp“. Das ist ist in jedem Fall die bessere Lösung, als „Augen zu und durch„.

Dom muss das Wohl der Sub immer im Auge haben. Im Idealfall darf Sub ihr Wohl in die Hände von Dom geben. Wie weit, das entscheiden die beiden. Aber dass Sie ihr eigenes Wohl weiter nicht komplett aus den Augen verliert, jede Vorsicht und Selbsterhaltung zum Teufel gehen lässt, ist natürlich essentiell wichtig.

Und so kann ein „Stopp“ dann für beide ein gesundes Zeichen sein, dass auf beider Urteil weiter Verlass ist.