Kompromisse bei der BDSM-Partnerwahl

Auf der Suche nach Lebens- oder auch Sexpartnerinnen und Sexpartnern stellt jeder Mensch fest: die Auswahl ist begrenzt. Erstens, gibt es um uns herum nur eine begrenzte Zahl Menschen. China oder Australien beispielsweise fallen meistens aus praktischen Gründen erst einmal weg. Dann wird die Auswahl begrenzt durch die sexuelle Präferenz für ein bestimmtes Geschlecht – so diese Präferenz besteht. Dazu kommen dann optische Vorlieben, Interessen, die man gerne miteinander teilen möchte und ähnliche Punkte. Schnell stellt sich heraus: so wahnsinnig viele Leute kommen im Vergleich zur Weltbevölkerung nicht in Frage.

Wissenschaftler beispielsweise schätzen den Anteil von Homosexuellen in der Bevölkerung auf 3 bis 10 Prozent. Wer also diese sexuelle Präferenz hat, wird feststellen, dass sich die Auswahl zum Teil noch einmal massiv verringert.

Wie ist es aber für die, die auf BDSM stehen? Wie beim Anteil an Homosexuellen in der Bevölkerung ist auch da die Zahlenbasis dünn. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2017 sagten 19 Prozent der deutschen Bevölkerung, sie hätten BDSM probiert, aber keinen Gefallen daran gefunden. Wiederum 27 Prozent gaben an, sie würden BDSM als Bereicherung sehen. Eine erstaunliche Menge von 54 Prozent sagten, sie hätten es nicht probiert, wären aber offen dafür.

Abgesehen davon, dass ich nicht annehme, dass alle Befragte dieselbe Vorstellung vom Begriff BDSM hatten und alleine daher die Antworten mit Vorsicht zu genießen sind, zeigt es doch eines: mit der Vorliebe BDSM wird die Auswahl an potenziellen Lebens- oder auch Sexpartnerinnen und Sexpartnern kleiner und die Suche damit nicht gerade einfacher.

Da können viele von uns froh sein, dass es das Internet gibt. So vergrößert sich die erreichbare Gruppe wieder deutlich. Man kann sich leichter auf gemeinsame Interessen abklopfen, denn die Anonymität macht viele mutiger. Auf der anderen Seite trifft man im Netz oft genug Leute, die am anderen Ende des Landes leben. Dass auch das Dating über das Internet Fallstricke mit sich bringt, habe ich ja bereits in einigen Artikeln behandelt. Heute soll es daher mehr um die eigenen Kriterien und Kompromisse gehen, die bei der Suche womöglich wichtig und nötig sind.

Die Suche nach einem passenden Gegenüber bedeutet immer verschiedene Abwägungen.

Wenn ich einen Menschen suche, der im Umkreis von 5 Kilometern zu meinem Wohnort lebt, Single ist, meine sämtlichen Neigungen teilt, bevorzugt 8 Fremdsprachen spricht und gerne wandern geht, wird die Suche vermutlich schwierig. Reduziere ich meine Kriterien auf: der Mensch soll einen Puls haben, wird es einfacher. Die Wahrheit liegt wie meistens irgendwo zwischen diesen Extremen.

Beim Dating und speziell dem mit BDSM-Hintergrund, gibt es meiner Erfahrung nach verschiedene Kriterien, die wir alle mal mehr, mal weniger anlegen.

  • Sympathie
  • sexuelle Vorlieben und Neigungen
  • Attraktivität
  • gemeinsame Interessen und Werte
  • Entfernung
  • Form der gewünschten Beziehung

Die Liste ist natürlich beliebig erweiterbar, aber sie deckt die wichtigsten Punkte ab. Ich denke, den obersten Punkt können wir als unverhandelbar annehmen. Wen man nicht sympathisch findet, den möchte man vermutlich auch nicht weiter kennenlernen oder gar Sex mit ihr oder ihm haben. Da mag es seltene Ausnahmen geben, aber die vernachlässigen wir mal.

Je enger ich aber die anderen Kriterien fasse, siehe mein Beispiel von oben, desto schwerer wird es, jemanden zu finden. Habe ich sehr konkrete sexuelle Vorlieben oder Fetische, die ich auch wirklich ALLE mit einem Gegenüber erfüllt haben möchte, habe ich dann noch ganz genaue Vorlieben, was die Attraktivität angeht etc. dann finde ich nur sehr schwer jemanden.

Ich muss mir also überlegen, was ist mir besonders wichtig und was etwas weniger wichtig. Möchte ich lieber keinen Sex, verzichte ich also lieber komplett, als Abstriche bei meinen Vorstellungen zu machen?

Das ist dann der Unterschied zwischen den Leuten, die sagen „Du, mit dir ist alles perfekt, aber deine Brüste sind ein B-Körbchen und ich finde Frauen erst ab C-Körbchen attraktiv. Schade.“ oder „Du bist ein Traummann. Aber 1,75 ist mir zu klein, ich finde nur Männer ab 1,80 attraktiv“. Oder eben den Leuten, die sagen, „Mit dir ist alles perfekt. Ich stehe zwar eigentlich auf Blonde, aber das ist mir in unserem Fall einfach egal.“.

Das sind bewusst sehr oberflächliche Beispiele, die nur das Muster zeigen sollen. Entweder wir freuen uns bei der Suche darüber, jemanden gefunden zu haben, mit dem alles super ist und es nur ein oder zwei Abstriche gibt. Oder wir suchen weiter, bis hoffentlich alles perfekt ist.

Ich persönlich bezweifle, dass es diese Perfektion gibt und ich habe auch das Glück, in meinen sexuellen und optischen Vorlieben nicht so festgelegt zu sein, dass mich nur ein sehr schmaler Abschnitt des Spektrums reizt. Ich meine das wirklich als Glück, denn Menschen, die wirklich nur durch ganz bestimmte Dinge erregt oder sexuell angesprochen werden, suchen sich das ja auch nicht aus. Wer einen Fetisch hat, hat sich selten dafür entschieden und wenn dann eben nichts anderes sexuell erregt, dann ist der Verzicht nicht machbar und die Suche eben viel schwieriger.

Das ist aber der Punkt. Die Suche nach dem Partner und gar dem BDSM-Partner ist schwer genug. Es gibt so oder so genügend einschränkende Kriterien. Finde ich jemanden, mit dem Sympathie und Anziehung stimmen, die oder der auch noch einigermaßen in der Nähe wohnt, dann kann ich mich entscheiden, ob ich auch noch den letzten Kink ausleben möchte, ob die Haarfarbe jetzt wirklich so extrem wichtig ist und ob es wirklich gleich von Anfang an etwas Festes oder gar Exklusives sein muss oder ob der Ausblick darauf genügt.

Das ist dann eben die Entscheidung zwischen „Ich freue mich etwas gefunden zu haben“ oder „Ich verzichte, denn die letzten paar Prozent müssen auch noch passen“.

Diese Entscheidung muss jede und jeder selber treffen.

Meiner Erfahrung und Wahrnehmung nach haben sich die Vorstellungen in dieser Frage über die Jahre verschoben. Viele erkennen, dass es schwierig ist, jemanden um die Ecke zu finden und werden offener mit ihren Kriterien. Entfernung spielt eine weniger wichtige Rolle innerhalb der BDSM-Community, als es früher war. Auch Monogamie nimmt in ihrer Bedeutung ab. Ich nehme wahr, dass viele Menschen in diesen Kriterien offener geworden sind, weil sie um die Komplikationen in der Partnerwahl wissen und Kompromisse machen.

Diese Tatsache aber, macht es denen noch schwerer, die eben alles wollen. Für die bleiben dann schon mathematisch weniger Partnerpersonen. Ob das alles eine gute oder eine nicht so gute Entwicklung ist, kann und will ich gar nicht beurteilen. Sie ist einfach da. Oder wie seht ihr das?

Vielleicht verdiene ich nicht mehr?

Seit ich mich mit BDSM beschäftige, habe ich unzählige Gespräche geführt. Meistens mit Frauen. Viele davon waren entweder früher oder waren noch zum Zeitpunkt des Gesprächs in Beziehungen, in denen sie sexuell unzufrieden und insgesamt unglücklich waren. Naturgemäß, da wir uns über das Thema BDSM gefunden hatten, lag die Unzufriedenheit in diesen speziellen Fällen meist daran, dass sie sich zu BDSM hingezogen fühlten, diesen aber in der Beziehung nicht ausleben konnten oder bekamen.

Die eine Gruppe Frauen hatte sich aus den Beziehungen gelöst, waren in neuen Beziehungen oder Single. Die anderen aber steckten noch in diesen Beziehungen. Sie konnten oder wollten sich nicht lösen. Auch nicht, um eine befriedigende Sexualität zu erleben.

Warum sich Menschen trennen und warum sie zusammenbleiben, hat oft sehr vielfältige Gründe. Manchmal ist es eine wirtschaftliche Abhängigkeit, das Gefühl den Kindern ein „heiles Zuhause“ bieten zu wollen, die Hoffnung, es würde sich alles noch zum Besseren wenden etc.

Vermutlich hat jede Beziehung ihre ganz eigene Geschichte, warum sie so und so lange hält und woran sie dann zerbricht oder eben auch nicht.

Einige Argumente habe ich aber doch über die Jahre immer wieder gehört. Natürlich bin ich kein Wissenschaftler und diese Einsichten basieren nicht auf einer wissenschaftlichen Studie. Aber da sie sich öfter wiederholt haben, finde ich sie schon auffällig.

Ein durchgängiges Muster ist beispielsweise, dass die Person, der BDSM oder erfüllender Sex fehlt, diesen einfordert oder eine Trennung ankündigt. Die Reaktion darauf ist nicht selten „Wegen dem bisschen Sex willst Du unsere Beziehung kaputt machen?„.

Das ist gleich auf mehrere Weisen perfide. Denn erstens ist es für den Part, der den Sex als erfüllend empfindet, sehr billig und leicht von „Dem bisschen Sex“ zu sprechen. Der Mensch selber hat ja mutmaßlich erfüllenden Sex. Die Unzufriedenheit ist ja vor allem auf der anderen Seite groß. Nichts liegt also in so einem Fall näher, als den anderen moralisch unter Druck zu setzen, man dürfe doch so etwas Wertvolles wie eine Beziehung nicht für „das bisschen Sex“ aufgeben. Gerne kommt so eine Antwort auch, um dem eigenen Gefühl zu entgehen, selber nicht „gut genug“ beim Sex zu sein, wo das Gegenüber ja so unzufrieden damit ist.

Zweitens ist es perfide, denn wie wichtig einem Sex ist, ist oft völlig unterschiedlich. Es gibt Menschen, die haben nur alle paar Wochen oder Monate Lust. Andere haben nie Lust. Wieder andere wollen und können mehrmals am Tag. Daher ist es meiner Sicht gar nicht möglich, über einen anderen Menschen ein Urteil wie „das bisschen Sex“ zu fällen.

Dieses Muster halte ich daher für einen gezielten Tiefschlag und für untauglich innerhalb einer Diskussion, innerhalb einer Beziehung.

Ein weiteres häufiges und spannendes Muster ist folgendes: gerade von Frauen habe ich sehr oft gehört „Vielleicht habe ich es ja nicht besser verdient?“ oder „Vielleicht will ich einfach zu viel.“ oder „Ich bin total falsch und verkorkst“. Meistens dann, wenn sie sich selber davon überzeugen wollten oder überzeugt hatten, entgegen der Unzufriedenheit doch in der Beziehung zu bleiben.

Ja, es mag Situationen im Leben geben, in denen wir zu viel wollen. Zum Nachtisch im Restaurant die Mousse au Chocolat, die Crème Brûlée UND das Tiramisu zu bestellen wäre ein Moment in dem ich vielleicht auch sagen würde „Vielleicht willst Du zu viel“. Aber in einer Beziehung glücklich und sexuell befriedigt zu sein, fällt für mich erst einmal nicht darunter.

Besonders spannend wird es aber, wenn man sich die Psychologie dahinter betrachtet. Denn erstens reden wir uns gerne Dinge ein wie „Ich brauche das gar nicht“, „Ich wollte das sowieso nie wirklich“ oder ähnliches, wenn wir etwas nicht bekommen oder uns schlicht nicht trauen. Das ist ganz menschlich und hilft uns, mit dem klarzukommen, was wir entschieden haben oder nicht ändern können/wollen.

Aber es gibt noch eine andere Seite daran, die ich Euch mitgeben möchte. Wenn wir uns Dinge sagen wie „Vielleicht habe ich es nicht anders verdient“ oder „nichts Besseres verdient“, dann fallen wir auf eine Sache rein, die die Psychologie „Just-world hypothesis“ oder „Gerechte-Welt-Glaube“ nennt.

Sehr knapp zusammengefasst gibt es in uns Menschen den in unserer Psyche sehr tief sitzenden Glauben, dass es in der Welt gerecht zugehe. Daher glauben wir zum Beispiel auch, dass uns gute Dinge zustoßen, wenn wir uns gut verhalten. Oder andersherum. Wir wundern uns, wieso Menschen schlechte Dinge oder Schicksalsschläge widerfahren, wo sie doch so gute Menschen sind.

Das zeigt sich auch in Sprüchen wie „Guten Menschen widerfährt Gutes“ oder „Alles rächt sich irgendwann“. Wir denken, dass wir gut sein müssen und dann kann uns quasi nichts passieren. So weit, so falsch würde ich sagen.

Aber das Problem mit diesem „Gerechte-Welt-Glaube“ ist, er funktioniert auch andersherum. Nämlich, dass wir, wenn es uns schlecht geht, dazu tendieren zu denken, wir hätten das verdient. Denn wir leben ja in einer gerechten Welt und wenn wir mehr verdient hätten, dann bekämen wir das ja auch. Und da wird es dann endgültig irre.

Denn wenn wir anfangen schlechte Dinge, die uns widerfahren, darauf zurückzuführen, dass wir einfach schlecht oder zumindest nicht gut genug sind, dann können wir jede Diskussion und jeden Kampf sofort aufgeben. Denn dann ist der Krebspatient selber Schuld, das Unfallopfer oder die geschlagene Ehefrau. Sie bekommen ja in unserer „gerechten Welt“ nur, was sie verdienen.

Ich hoffe, es wird hier sehr klar, dass das totaler Unsinn und eine miese Falle unseres Hirns ist. Ich sage nicht, dass Menschen nicht für das verantwortlich sind, was sie tun und manchmal auch selbst Schuld, wenn ihnen etwas zustößt. Aber sich in einer Situation einzurichten, in der es einem schlecht geht oder es sonst wie unbefriedigend ist, mit dem Argument „vielleicht habe ich es nicht besser verdient“ ist monumentaler Bullshit.

Sexualität und vor allem auch erfüllte Sexualität ist so wichtig, wie ihr sie für Euch wichtig findet. Wie wichtig das ist, kann und darf niemand anderes Euch vorschreiben. Wenn ihr nicht auf Dauer in einer Beziehung ohne erfüllte Sexualität bleiben wollt, dann ist das euer Recht. Wenn ihr in so einer Beziehung steckt, lasst Euch nicht einreden, mit Euch stimme etwas nicht, wenn ihr Wert auf Eure Sexualität legt. Wer das behauptet, der hat meistens eigene Interessen und Gründe Euch das einzureden.

Brauchen wir Datinganschreiben-Grußkarten?

Gelegentlich schreiben wir Nachrichten oder Texte und überlegen „Wie formuliere ich das jetzt so, dass es nicht so klingt wie bei allen anderen“?. Beispielsweise bei Geburtstagswünschen oder in Anschreiben bei Bewerbungen.

In einem meiner Lieblingsbücher kommt dazu dieser Absatz vor, über den ich seinerzeit heftig grinsen musste:

„Wenn Ihnen eine originellere Formulierung einfällt, jemandem ‚Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr‘ zu wünschen als ‚Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr‘ dann teilen Sie mir diese gerne mit. Bis dahin ‚Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr‘.“ (Aus „Gut gegen Nordwind“ von Daniel Glattauer)

In Falle solcher Schreiben kann es sich lohnen, kreativ werden. Manchmal tun es aber auch die Klassiker. Das kommt immer auch auf die Empfängerin oder den Empfänger an.

Genau da sind wir beim Problem, wenn es um Anschreiben auf Datingportalen oder zum Zweck des Kennenlernens geht. Denn dort kennen wir das Gegenüber selbstverständlich noch nicht. Das liegt in der Natur der Sache.

Jetzt erhalte ich eher weniger Anschreiben. Auch im Jahr 2022 ist es im heterosexuellen Dating so, dass Männer eher selten proaktiv angeschrieben und Frauen von Anschreiben überschwemmt werden. Ich nehme an, das hat einerseits etwas mit Angebot und Nachfrage zu tun, andererseits aber auch mit traditionellen Geschlechterrollen. Dennoch habe ich meine Erfahrungen mit ersten Anschreiben in diesem Bereich.

Wie oben erwähnt, ist bei einem Anschreiben wie zum Geburtstag jedem klar, worauf das Ganze hinauslaufen soll. Dennoch kommt es eben auf die Form und den Ton an.

Anschreiben, die nur aus dem Wort „Ficken?“ oder im BDSM-Kontext aus „Knie nieder, Du Fotze und gehorche mir!“ bestehen, sind beispielsweise klar in ihrer Aussage, führen aber eher selten zum Erfolg. Die Rücklaufquote dürfte hier im niedrigen einstelligen Bereich liegen.

Das andere Extrem wären dann Aufsätze von tausend Worten und mehr, in denen im ersten Anschreiben bereits detailliert erklärt wird, welche sexuellen Praktiken in der gemeinsamen Zukunft wie oft und in welcher Form angewandt werden sollen. Es mag Empfängerinnen und Empfänger geben, die so etwas reizvoll finden. Ich habe aber bisher wenige kennengelernt. Auch da sehe ich die Erfolgsquote eher niedrig.

Wie aber sieht das perfekte Anschreiben aus? Die Antwort: es gibt keines. Denn wir kennen ja das angeschriebene Gegenüber nicht. Was also gut ankommt, viele Details oder wenige, romantische oder eher sachliche Formulierungen? Wir können es nicht wissen.

Also bleibt nichts, als einen Kompromiss und Formulierungen zu finden, die irgendwie neugierig machen, irgendwie die eigene Persönlichkeit widerspiegeln und irgendwie auch noch auf den Inhalt des „Zielprofils“ eingehen. Denn natürlich möchte die Empfängerin oder der Empfänger persönlich angesprochen werden.

Jetzt hat es aus meiner Sicht einen Grund, dass es zu Weihnachten und zu Geburtstagen vorgedruckte Karten gibt, die nur noch durch kurze persönliche Botschaften ergänzt werden. Das Wesentliche ist eben schon klar, wenn man die Nachricht erhält: „Oh, eine Geburtstagskarte.“. Der Überraschungsfaktor ist dann gering. Ähnlich wie bei Anschreiben beim Dating.

Schreibt einem der Mensch nicht gerade „Wir saßen schon in der dritten Klasse in Mathe nebeneinander und seitdem bin ich verliebt in Dich und nun habe ich Dich hier wieder gefunden.“, dann ist im Grunde klar, was kommt.

Ich persönlich befolge bei meinen Anschreiben diese Regeln:

  • keine Einzeiler
  • keine Romane
  • keine sexuellen Details
  • höflich bleiben
  • freundlich bleiben
  • keine sexuellen Details
  • eine kurze Beschreibung, warum mir das entsprechende Profil gefiel
  • ein paar Informationen über mich und warum ich denke, dass es passen könnte
  • Oh, und keine sexuellen Details!

That’s it. Viel mehr würde ich auch nicht lesen wollen. Vor allem nicht, wenn ich, wie manche Frauen, mit Mails überschwemmt würde. Die Form passt zu mir und wie gesagt, es ist unmöglich das Rad jedes Mal neu zu erfinden.

Ach ja, und zur Klarstellung: die Antwort auf das oben stehende Zitat aus „Gut gegen Nordwind“ ist ein geschliffen formulierter Weihnachtswunsch, der eben viel mehr ist als „Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr“ und die Absenderin des Zitats gebührend beeindruckt. Aber wer das genauer wissen will, muss eben das Buch lesen oder das sehr empfehlenswerte Hörbuch hören. Viel Spaß damit.

„Eine dunkle Begierde“

Der Streifen ist etwas untypisch für meine kleine Rubrik von „Filmen, in denen BDSM eine Rolle spielt“. Er ist hochkarätig besetzt und behandelt BDSM eher am Rande. Eigentlich ist es eine Art Biopic oder ein recht konventioneller Film über eine Rivalität zweier Männer.

Der Film beginnt mit der Einlieferung der russischen Jüdin Sabina Spielrein in einer Klinik. Es ist das Jahr 1904. Spielrein ist in sehr schlechter psychologischer Verfassung und niemand scheint die Ursache für ihr Leiden zu finden. Der junge Carl Gustav Jung beginnt ihre Behandlung mit der neuartigen Methode der Psychoanalyse, die Sigmund Freud entwickelt hat.

Es beginnt eine immer enger werdende Bindung zwischen Sabina Spielrein und Jung, die schließlich zu einer Affäre wird. Außerdem entwickelt sich auf der Korrespondenz zwischen Jung und Freud eine Zusammenarbeit und Freundschaft, die mit der Zeit immer mehr zur Rivalität wird.

Ich mochte den Film aus mehreren Gründen. Er ist toll gespielt. Die Darsteller Michael Fassbender als Jung, Keira Knightley als Sabina Spielrein und Viggo Mortensen als Freud sind großartig. Auch wenn Knightley am Anfang vielleicht etwas dick aufträgt, spielt sie die Entwicklung ihrer Figur hervorragend.

Zudem behandelt der Film mit der Entstehung der Psychoanalyse als Therapieform ein Thema, dass ich sehr spannend finde. Da rennt der Film bei mir also offene Türen ein.

Am Ende will der Regisseur David Cronenberg einfach zu viel, damit der Film als wirklich herausragend gelten kann. In gerade einmal einhundert Minuten die Geschichte der Psychoanalyse, der Beziehung zwischen Jung und Freud und vor allem der unterschätzten Rolle von Sabina Spielrein für die Entwicklung dieser neuen Wissenschaft darzustellen, ist zu ambitioniert.

Für mich hat es aber genügt, um mich noch ein wenig mit dem Thema zu beschäftigen und ich fand hoch spannend, was ich noch alles gefunden habe. Vor allem über die mir bis dato unbekannte Sabina Spielrein. Ihre Rolle bei der Entwicklung der Psychoanalyse wurde lange unterschätzt oder war gar unbekannt. Laut Wikipedia gilt sie heute als „Pionierin der Psychoanalyse des Kindes und der Analyse der kindlichen Entwicklung der Psyche“.

Sie muss auch eine eher lakonische Frau gewesen sein, denn anlässlich ihrer Hochzeit mit dem Arzt Paul Scheftel 1912 notierte sie in ihrem Tagebuch „Dr. Paul Scheftel geheiratet. Fortsetzung folgt.„. Auf den Punkt.

Im Jahr 1942 wurde Sabina Spielrein zusammen mit ihren beiden Töchtern von einem SS-Kommando in Rostow ermordet.

Während Freud 1939 in London starb, lebte C.G. Jung noch bis 1961 und wurde zu einem der bedeutendsten Psychiater und Begründer einer eigenen Denkschule innerhalb der Psychologie.

Daran, wie viel ich hier über die psychologischen und geschichtlichen Hintergründe schreibe, merkt man vielleicht auch, dass es zu BDSM nicht so wahnsinnig viel zu sagen gibt.

Ja, Spielrein wird von Jung als Masochistin diagnostiziert. Es werden in den Sitzungen Erlebnisse aus ihrer frühen Kindheit erzählt, bei denen sie vom Vater geschlagen wurde und wo sie große Angst hatte. Es wird angedeutet, dass sie womöglich diese Angst in Lust umwandelte, um so besser mit der Situation klarzukommen. Aber das alles bleibt relativ vage, denn es ist schlicht nur ein kleiner Nebenaspekt in der ganzen Thematik des Films.

Die Tatsache, dass eine masochistische Frau in einem Film, in dem es über die Psychoanalyse geht, traumatische Kindheitserlebnisse hatte, nehme ich dem Film nicht übel. Damit sagt er nicht aus, dass alle Menschen traumatische Erlebnisse haben müssen, um so zu werden. Er erzählt eben nur die wahre Geschichte einer einzelnen Frau.

Außerdem wird diese Frau in der Folge des Films absolut positiv dargestellt und das Ausleben ihrer Neigung zu Bestrafung als etwas, dass ihr guttut und hilft. Dieser Aspekt gefiel mir dann doch sehr gut. Sabina ist krank, schreit und leidet. Als sie herausfindet, was mit ihr nicht stimmt und zu ihren Bedürfnissen steht, wird sie gesund und aus ihr wird am Ende eine gesunde und sogar beruflich erfolgreiche Frau.

Viel mehr BDSM findet in dem Film aber auch nicht statt. Wie ich sagte: ein Nebenaspekt. Als solcher für mich aber nicht ärgerlich und klischeehaft dargestellt. Ich konnte damit gut leben und kann mir eine Menge Regisseure vorstellen, die das alles viel platter und dümmer dargestellt hätten.

Insgesamt kann ich den Film empfehlen. Wenn er auch mehr will, als er dann schafft, ist er doch unterhaltsam und vor allem lehrreich.

Das richtige Timing für das erste Treffen

Nicht selten hören wir auf die Frage „Wo habt ihr euch kennengelernt?“ die Antwort „Ganz klassisch im Internet.“. So lustig der Begriff „klassisch“ in dem Zusammenhang ist, es ist wahr. Sehr viele Leute daten heute über das Netz. Sei es über Dating-Apps oder Singlebörsen, über Erotikportale oder Social Media. Je nachdem welcher Statistik Glauben geschenkt wird, ist Online-Dating auf Platz 1 oder auf Platz 2 bei der Frage „Wo lernen sich die meisten Paare heute kennen?“.

Online-Dating hat zweifelsohne viele Vorteile, bietet aber auch manchen Fallstrick und stellt uns vor ganz andere Fragen als es die damals gab, als sich potenzielle Partner auf Partys, durch Freunde oder im Club kennengelernt haben.

Eine davon ist: wann ist der richtige Moment für das erste reale Treffen?

Dabei gibt es, wie so oft, verschiedene Vorgehensweisen. Die Einen schwören darauf, sich nach zwei oder drei kurzen Nachrichten direkt „auf einen Kaffee“ zu treffen. Andere bevorzugen es monatelang zu schreiben und zu telefonieren, ehe man sich trifft. Zwischen diesen beiden Extremen gibt es wiederum endlos viele Schattierungen.

Hier gibt es kein „richtig“ oder „falsch“. Verschiedene Vorgehen, passen zu verschiedenen Typen von Menschen und zu verschiedenen „Zielen“, die mit dem Dating verfolgt werden und selbstverständlich sollten beide einem Date erst dann zustimmen, wenn sie auch beide bereit dazu sind.

Menschen, denen es vorrangig auf Körpersprache, Aussehen, Geruch etc. ankommt, können schlicht am Telefon keine Schlüsse ziehen, ob das Gegenüber ihnen zusagt.

Menschen, denen es wiederum auf Übereinstimmungen in Fantasien, Vorlieben und Interessen ankommt, fahren womöglich besser mit entspannten Gesprächen aus dem sicheren Wohnzimmer oder Schlafzimmer heraus, als mit einer Unterhaltung in der meist etwas nervösen Atmosphäre eines ersten Dates an einem womöglich öffentlichen Ort.

Menschen, die einfach schnell etwas erleben wollen, werden anders vorgehen, als Menschen, die etwas Langfristiges suchen.

Da muss jede und jeder selber wissen, was für sie oder ihn passend und zielführend ist.

Warum ein „zu schnelles“ Treffen ein Problem sein kann, wurde schon oft beschrieben. Wie oft hört man Geschichten, in denen Leute sich zu einem Date getroffen und nach fünf Minuten herausgefunden haben, dass sie sich die Mühe hätten sparen können. Ein kurzes Telefonat hätte genügt, um zu merken, dass es nicht passt.

Bei einem sehr schnellen ersten Treffen wissen beide schlicht sehr wenig über das Gegenüber. Wichtige Fragen wurden vielleicht noch gar nicht angesprochen. Es war keine Zeit für Gespräche über Punkte, die dann aber schnell zentral werden.

So offensichtlich die Probleme mit einem „zu schnellen“ Treffen sind, sind die naturgemäß im besten Fall auch schnell erledigt und abgehakt. Es gab ein schnelles Treffen, eine schnelle Enttäuschung und beide ziehen weiter.

Problematischer, weil langwieriger ist es ist, wenn das erste reale Treffen sich lange verzögert oder beide bewusste lange abwarten wollen.

Eine der Gefahren dabei, die ich nicht unerwähnt lassen möchte, ist natürlich die von Fakes. Wenn sich ein Gesprächspartner partout nie treffen will, womöglich immer wieder sexuelle Gespräche und/oder Bilder einfordert, dann kann es sein, dass dahinter nur der Wunsch nach genau dem steht und gar kein Treffen gewollt ist. Darauf müssen wir alle online immer wieder gefasst sein.

Hier gilt es, sich zu schützen. Es gibt von Videotelefonie über Bildbeweise genügend Möglichkeiten Fakes zu entlarven und wer den Verdacht hat, sollte nicht zögern, sein Gegenüber damit zu konfrontieren.

Aber nicht selten verzögert sich ein Date eben auch, obwohl beide durchaus gewillt sind sich zu treffen. Manchmal liegt der nächstmögliche Termin Wochen in der Zukunft. Was dann?

Mir ist das schon hin und wieder passiert. Ein Kennenlernen ließ sich super an. Es hat direkt gefunkt. Die Gespräche waren toll, wir kamen von einem Thema zum anderen, wir flirteten, es wurde heißer. Aber in dem Moment, als es konkret werden sollte und wir uns treffen wollten, traten Probleme auf. Es ging einfach nicht zeitnah. Bereits vereinbarte Termine mussten verschoben oder abgesagt werden.

Wir gerieten in einen Strudel aus Sehnsucht, Bedauern, Frust und aufgestauter Lust. Die Themen, was wir gerne beim Treffen gemacht hätten, wie heiß es hätte sein können und wann wir uns nun stattdessen treffen könnten, wurden ausgiebig besprochen.

Im besten Fall folgte dann ein schnelles erstes Treffen. Im schlechten Fall eben nicht. Der Frust stieg und irgendwann war die Luft raus. Einfach so und ungewollt. Alles, was telefonisch und schriftlich besprochen und gemacht werden konnte, war gemacht. Ob zu dem Zeitpunkt ein Treffen noch sinnvoll gewesen wäre? Wer weiß. Der Moment war verpasst, der Zauber verflogen. Es war vorbei.

Jetzt können sich einige auf den Standpunkt stellen: wenn es das Richtige gewesen wäre, dann hätte es geklappt und auf diese Zeit überdauert. Ich glaube das nicht. Ich glaube, dass auch im Dating und Beziehungen viel auf den richtigen Moment, das Timing ankommt.

Menschen können noch so gut zusammenpassen, sich noch so sehr lieben, es kommt auch auf den Zeitpunkt an, an dem sie sich begegnen. Ist eine oder einer nicht frei im Kopf, frisch getrennt, im Job zu sehr gefordert etc., dann klappt es oft einfach nicht.

So ist es auch beim Dating. Es gibt ein Zeitfenster, dass sich beim Kennenlernen öffnet und irgendwann schließt es sich wieder. Ohne dass die Beteiligten das wollen. Beeinflussen kann man es sicher und es hilft, wenn die Betroffenen über die Tatsache dieses Zeitfensters Bescheid wissen. Dann kann da einiges dosiert werden. Aber es lässt sich auch nicht beliebig lange offen halten und wenn es zu ist, dann geht es selten wieder auf.

Achtet also darauf, wann ihr auch zum ersten Date trefft. Sucht euer eigenes Tempo und gleicht es mit dem Gegenüber ab. Seid euch aber auch bewusst, dass das Zeitfenster da ist und nicht ewig offen bleibt.

Von DummDoms und echten Gefahren

Wer sich im Internet über BDSM informiert, stößt eher früher oder später in Berichten oder womöglich persönlich auf ihn: den DummDom. Aber was sind DummDoms? Wen bezeichnet man so und wer benutzt diesen Begriff und warum ist das Thema gar nicht so lustig wie man meinen könnte?

Was ein sogenannter DummDom sein soll, ist gar nicht so leicht zu sagen. Denn der Begriff wird oft sehr schnell und auch gar nicht so selten unberechtigt verwandt. Meistens außerdem, um andere abzuqualifizieren, weil man sauer ist. Naturgemäß geht das dann mit einem ordentlichen Maß an Unsachlichkeit einher.

Wie so oft gibt es keine allgemeingültige Definition des Begriffs. Mit ein paar Beispielen möchte ich in diesem Artikel versuchen einzugrenzen, in welchen Situationen der Begriff verwendet wird und bewerten, ob ich ihn dann für zutreffend halte.

Für mich zeichnet einen DummDom beispielsweise aus, dass er (und meistens sind es nun mal Männer) zum Beispiel vom ersten Tag oder gar dem ersten Anschreiben unrealistische Forderungen stellt.

„Knie Dich bei Deiner nächsten Antwort nackt vor den Rechner.“
„Sende mir eine Bewerbung mit drei Nacktbildern von Dir.“
„Unterwirf Dich mir sofort und für immer.“
„Komm jetzt sofort nach XY und lass Dich von mir benutzen.“

Ich frage mich oft, wie hoch wohl die Erfolgsquote bei diesem Vorgehen ist. Unzweifelhaft gibt es Frauen, die sich darauf einlassen. Meiner Erfahrung nach gibt es nichts, was es nicht gibt und wer darauf Lust hat, nur zu. Es kann aber getrost angenommen werden, dass hinter solchen Forderungen zu diesem Zeitpunkt eher kein sehr verantwortungsvoller und umsichtiger Mensch, geschweige denn Dom steckt.

Fazit: Eher also jemand, der aus Unerfahrenheit unrealistische Dinge fordert. Da der Mensch sich eindeutig zu wenig mit der Idee und dem Gedanken von BDSM beschäftigt und einfach uninformiert losgelegt hat, kann man ihn als DummDom bezeichnen.

Ein weiteres Indiz für einen Dom, der als DummDom bezeichnet werden könnte, sind Männer, die ungefiltert und unreflektiert Klischees aus Pornos oder einschlägigen Geschichten reproduzieren wollen, ohne auch nur den geringsten Abgleich mit der Realität anzustellen.

„Ab jetzt trägst Du nie wieder Unterhosen oder Hosen. Für immer.“

Für mich ein Klassiker, der mir zeigen würde, dass der Mensch auf der anderen Seite maximal ein begrenztes Wissen über die weibliche Biologie hat.

„In Zukunft fragst Du mich immer, ob Du auf die Toilette gehen darfst und wartest auf meine Erlaubnis.“

Versucht das mal, wenn beide berufstätig sind oder der Handy-Akku leer ist. Was dann? In die Hose machen, weil Dom nicht erreichbar ist?

Hier werden gerne Fantasien aus dem Kopfkino genommen und versucht diese 1:1 umzusetzen, ohne zu reflektieren. Es geht nur darum, die eigenen Fantasien umzusetzen, ohne auf Realitätsnähe oder Lebensumstände zu schauen.

Fazit: Wer solche Dinge verlangt, ist vermutlich über Kopfkino bisher nie hinaus gekommen. Daran ist nichts Schlimmes. Aber versucht doch bitte mal, Euch Eure Forderungen in einer realen Umsetzung vorzustellen. DummDom? Ein bisschen schon, weil es so einfach wäre, einen oder zwei Schritte weiterzudenken. Wenn zum Beispiel alle Beteiligten Spaß daran haben, dann lässt sich eine Fantasie an einem Wochenende oder in einem Urlaub durchaus umsetzen, ohne dass es nach zwei Stunden nur noch anstrengende und nervig ist.

Vielleicht habt ihr den Begriff DummDom aber auch schon einmal gehört, wenn etwas im Spiel schiefgegangen ist oder es hinterher zu einem Drop kam. Hier wird es schwierig. Sicher übernimmt Dom viel Verantwortung und muss dieser gerecht werden. Aber Fehler können vorkommen. Hier ist die entscheidende Frage: hat Dom sich fahrlässig verhalten?

Niemand ist davor gefeit, dass etwas schiefgeht. Bei aller Planung und Umsicht kann das passieren.

Weiterhin ist in solchen Fällen einzubeziehen, wie erfahren beide sind, wie weit beide einschätzen können, welche Risiken bestehen. Wurden Spielarten und Praktiken angewandt, bei denen beiden bewusst war, dass ein Risiko besteht (Stichwort RACK)? Oder hat Dom Praktiken angewandt, von denen er oder sie gar keine Ahnung hatte?

Fazit: Natürlich kann das Vertrauen nach so einem Zwischenfall unwiederbringlich dahin sein. Aber den anderen daher pauschal als DummDom abstempeln? Das hängt doch sehr von den Umständen ab.

Nicht selten wird aber auch dort von sogenannten DummDoms gesprochen, wo Männer vereinbarte Grenzen nicht achten.

Erst kürzlich erzählte mir eine Frau von ihren Erfahrungen mit einem Dom, der nach ihren Worten anfangs „absolut vernünftig“ wirkte. Als er sie dann aber nach längerer Anbahnung und zwei oder drei Treffen fixiert vor sich hatte, missachtete er klare Absprachen. Auf ihren Protest hin sagte er sinngemäß „Du wolltest es doch hart.“ und machte weiter.

Hier gibt es für mich keine Diskussion. Wer den Boden der getroffenen Vereinbarung mutwillig verlässt, der disqualifiziert sich. Im Einzelfall sprechen wir hier vielleicht sogar über eine Straftat. Das muss und darf niemand hinnehmen oder als „Hatte ich halt Pech und bin an einen DummDom geraten.“ abtun. Hier werden die Grundlagen des BDSM, nicht nur nicht beachtet, sondern mit Füßen getreten.

Consent (Zustimmung) ist das A und O und ohne Consent kein BDSM. Punkt.

Fazit: Wer sich bewusste nicht an klar vereinbarte Absprachen hält, ist kein guter Dom. Er ist aber kein DummDom, sondern jemand, der den Boden des BDSM komplett verlassen hat.

Ihr seht, DEN DummDom gibt es nicht. Es gibt sie an sich aber durchaus. Manche sind leicht zu erkennen und vielleicht müssen sie einfach noch dazu lernen. Oder sie sind einfach in unrealistischen Fantasien verfangen, dann wäre es vielleicht besser ihnen auszuweichen. Andere machen einfach nur Fehler und müssen dazulernen.

Bei wiederum anderen ist DummDom eine Verharmlosung, härtere Begriffe sind angebracht und es sollte aktiv gegen diese Leute vorgegangen werden.

Nicht jeder DummDom muss dumm sein und nicht jeder, der Grenzen überschreitet ist ein DummDom. Wie so oft gibt es eben kein Schwarz und Weiß, sondern eher Grautöne.

Abschließend möchte ich sagen, dass der Begriff DummDom oft als Keule gegen Menschen verwendet wird, mit denen es nicht geklappt hat. Wunschzettelsub ist so ein Begriff auf der anderen Seite des Spektrums, der aus denselben Gründen verwendet wird. Meistens steckt Enttäuschung dahinter. Mal berechtigt, mal unberechtigt. Geschimpft ist eben schnell, wenn etwas nicht geklappt hat. Gründe finden, warum es nicht geklappt hat, ist schwieriger.

Womit aber bitte keinesfalls die Situationen gemeint sind, in denen sich nicht an Absprachen mit Euch gehalten wurde. Da liegt die Schuld beim Täter, nicht beim Opfer.

„How To Build a Sex Room“

Diese neue Netflix-Serie hat in der letzten Zeit einiges Aufsehen erregt. Sogar die große „New York Times“ hat über die Sendung geschrieben. Ich habe sie fast in einem Rutsch durchgesehen und muss sagen, ich hatte meinen Spaß. Aber erst einmal: worum geht es eigentlich?

Es handelt sich bei „How To Build a Sex Room“ um eine Reality-TV-Sendung. Melanie Rose, die offenbar früher Schauspielerin war und nun seit vielen Jahren Häuser und Wohnungen einrichtet, kam irgendwann durch einen Kunden auf die Idee, sogenannte Sex-Räume einzurichten. Wie es scheint, tut sie das mit so viel Leidenschaft und Erfolg, dass sie nach eignen Angaben seit 20 Jahren nichts anderes tut.

Rose tut allerdings noch viel mehr. Denn in den einzelnen Folgen gibt sie ihren Kunden Tipps und Anregungen für deren Sexleben. Sie führt sie in Dominastudios und Sexshops, um sie auf neue Ideen zu bringen oder manchmal auch um herauszufinden, was sexuell gesehen gar nicht ihr Fall ist. Denn der Sex-Raum soll ganz individuell auf die Menschen angepasst sein, die ihn später nutzen sollen. Nichts kommt hier von der Stange. Alles ist individuell überlegt und gestaltet.

Was mir zuallererst auffiel, egal wie ich mir eine Frau vorgestellt hatte, die für Leute Sex-Räume einrichtet: so eher nicht. Melanie Rose wirkt eher wie eine freundliche Großmutter und dadurch auch eher, als würde sie eine Backsendung moderieren. Natürlich ist das ein Klischee. Aber wir alle haben ja Klischees im Kopf und gerade, dass sie wirkt, wie sie wirkt, macht meiner Meinung nach einen großen Teil des Charmes der Sendung aus.

Wäre sie eine 1,80 m große und vollbusige Blondine oder ein muskulöser und braungebrannter Mann, dann wäre es eine ganz andere und sicher nicht so herzerwärmende Sendung. Denn Melanie Rose ist ohne Zweifel das Herz und die Seele der ganzen Show.

Das hier ist aber immer noch ein Blog über BDSM. Was hat die Sendung also mit BDSM zu tun, fragt ihr?

Natürlich geht es nicht vorrangig um BDSM. Aber und das ist ein großes Aber: hier werden sämtliche Sexpraktiken, an denen erwachsene Menschen freiwillig teilnehmen, positiv und vorurteilsfrei dargestellt bzw. beschrieben.

Er lässt sich gerne von ihr anal penetrieren? Melanie ist absolut fein damit.

Sie mag „Watersport„, womit Spiele mit Urin gemeint sind? Melanie hat kein Problem damit.

Hier ist eine Poly-Familie mit sieben Erwachsenen, die wechselweise Sex haben? Melanie freut sich und macht auch diese Gruppe glücklich.

Er schaut gerne zu? Kein Problem.

Ein schwules Paar, ein lesbisches Paar, non-binär, verschiedene Ethnien und Hautfarben? Alles cool. Es sind alles Menschen und Melanie findet deren Kinks und erschafft für sie die perfekten Sexräume.

Ich kann gar nicht genug betonen, wie gut es mir gefällt, dass hier sämtliche Bedürfnisse, Kinks, Wünsche und Neigungen als gerechtfertigt und als nichts, wofür man sich schämen muss, dargestellt werden. Ich habe die ganze Zeit selig gelächelt und gedacht „Es könnte so einfach sein“.

Verstärkt wird diese Wirkung noch dadurch, dass die Paare völlig unterschiedlich sind. Hier leben auch Menschen Kinks aus, die nach außen eben NICHT danach aussehen. Die Kinder haben und deren Schmutzwäsche überall herumliegt. Hier haben Menschen kinky Neigungen, die auf einer Farm leben oder aussehen wie Buchhalterinnen oder Banker. Leute, die eben nicht wie Fetisch-Liebhaber aussehen, haben kinky Sex. Aber auch die, die eben doch so aussehen. Das fand ich alles ganz wunderbar.

Wollt ihr mit einem Partner ins Gespräch über kinky Sex kommen? Schaut euch ein paar Folgen von „How To Build a Sex Room“ an. Sucht ihr Anregungen für eure eigenen „Spielzimmer“? Schaut euch „How To Build a Sex Room“ an. Seid ihr wie ich und es verschafft euch ein gutes Gefühl, wenn Menschen offen, mit Freude und ohne Vorurteile über Sex reden: schaut euch unbedingt „How To Build a Sex Room“ an.

Ja, natürlich gibt es auch etwas zu kritisieren. Bei aller Offenheit und Diversität scheint es in dieser Welt keine Menschen zu geben, die sich keinen eigenen Raum nur für ihren Sex leisten können. Armut oder zumindest Geldknappheit scheint nicht zu existieren. Aber hey, niemand hat gesagt, dass es sich hier um eine Sozialstudie handelt und am Ende können wir alle etwas Positives aus dieser Sendung ziehen.

Kann man BDSM lernen?

Kurse in denen Menschen BDSM lernen können sollen, gibt es in allen möglichen Schattierungen, Geschmacksrichtungen und – sagen wir – Graden der Seriosität. Was ist davon zu halten? Ist es möglich einen Partner der oder die die eigene Vorliebe für BDSM nicht teilt in ein Wochenendseminar zu schicken und den oder die perfekt Sub oder Dom zurück zu bekommen?

Wir ahnen es: so einfach ist es nicht.

Damit wir uns nicht falsch verstehen. Es gibt dort draußen ganz wunderbare Kurse von engagierten Menschen, in denen beispielsweise unterrichtet wird, wie Fesselungen funktionieren oder wie man zuschlägt ohne das Gegenüber zu verletzen. Es gibt auch Kurse die Menschen mehr Vielfalt, neue Ideen oder neuen Input für ihre Neigung vermitteln wollen.

Bei der Recherche zu diesem Artikel habe ich auch ein Event gefunden in dem in einer Art Schulevent den Anwesenden Aufgaben gestellt werden. In dem bei Nichterfüllung Strafen drohen und am Ende ein Zeugnis ausgestellt wird. Ich sage mal so: viel Spaß bei so etwas. Aber hier hat sicher niemand den Anspruch Menschen BDSM beizubringen, die damit gar nichts anfangen können, für das persönliche Kopfkino kann so ein Szenario aber durchaus spannend sein.

Aber werden wir etwas ernsthafter. BDSM ist eine sexuelle Neigung. Wer darauf steht, steht darauf und wer nicht, nicht. Sicher gibt es unterschiedliche Vorlieben. Es gibt unterschiedliche Intensitäten. Manche Menschen richten ihr ganzes Leben danach aus, dass sie ihre BDSM-Neigung nach eigenen Vorstellung leben können. Andere finden Nischen, Lücken im Alltag, in die sie es integrieren können. Aber alle haben ein Bedürfnis nach BDSM und genießen das Ausleben dieser Spielart aus sich heraus.

Ich vergleiche zur Verdeutlichung BDSM gerne mit der sexuellen Neigung zum eigenen Geschlecht. Sei es Bi- oder Homosexualität. Und wenn wir in Diskussionen BDSM mit Homosexualität ersetzen, dann wird die Absurdität des Arguments oft wunderbar klar.

Würde man einem Menschen, der erkannt hat sich zum eigenen Geschlecht sexuell hingezogen zu fühlen, sagen „Das bildest Du dir nur ein!“ oder „Wegen dem bisschen Sex stellst Du unsere Ehe in Frage?“ oder „Das ist ja total krank!“?

Ok, fairerweise muss ich zugeben: viele würden das vermutlich. Aber es lässt sich doch relativ leicht erkennen, wie absurd die Argumente sind. Wenn ich als Mann merke, ich will lieber Sex mit Männern, dann sage ich mir doch nicht „Ich gewöhne mir das ab“. Wenn Frauen mich einfach viel weniger oder gar nicht erregen, Männer aber schon, dann will ich die Sexualität leben die mich erfüllt und sie mir nicht abgewöhnen.

BDSM ist also eine sexuelle Neigung und sie geht nicht weg. Es ist nicht möglich sie auszuschwitzen oder zu ignorieren. Ok, ist es schon. Aber dann ist das mit Leid und mit großem Verzicht verbunden. Wie lange der individuelle Mensch sich diese Unterdrückung der eigenen Bedürfnisse antun möchte, bleibt jedem oder jeder selber überlassen.

Kann man nun aber eine sexuelle Neigung lernen?

Benutzen wir den selben Trick. Du Leser, ja Du in dem T-Shirt. Stell dir doch mal vor deine Frau würde sagen: ich habe da einen Kurs, da lernst Du wie Du gerne Sex mit Männern hast. Klingt das a) verlockend und/oder b) nach etwas wo Du denkst „Klar, nach dem Seminar liebe ich Sex mit Männern, obwohl ich bisher nie den Wunsch danach hatte“?

Eher nicht. BDSM ist nichts, was man lernen kann. BDSM ist auch nichts, dass man sich angewöhnen oder abgewöhnen kann. BDSM ist in einem angelegt, wie andere sexuelle Vorlieben und Neigungen auch.

Was die Sache noch etwas komplizierter macht ist, dass es für ein Gegenüber einen großen Unterschied macht, ob der Mensch mit dem man BDSM auslebt dass aus eigenen Antrieb macht und es genießt oder es macht um dem Partner einen Gefallen zu tun. Dazwischen liegen Welten.

Um es ganz platt zu sagen: ein Schlag auf den Arsch, weil der oder die Schlagende selber unbändige Lust dazu hat und es ihn oder sie unglaublich erregt auf diesen Arsch zu schlagen ist eine Sache. Ein Schlag auf den Arsch, weil er oder sie darum gebeten wurde und dem Partner einen Gefallen tun möchte, ist eine völlig andere Sache. Beide Schläge haben in etwa so viel miteinander zu tun wie eine Portion Dosenravioli mit einem Menü im Sternerestaurant. Beides ist Nahrung. Da hören die Gemeinsamkeiten aber schon auf.

Kann man also BDSM lernen? Techniken sind erlernbar, ja. Dafür gibt es wunderbare Seminare, auch in eurer Nähe. Man kann lernen wie man eine Session aufbaut, jemanden fesselt oder von mir aus auch dominanter aufzutreten. Nichts davon kann einem aber „beibringen“ BDSM zu mögen und zu wollen. Das ist in einem oder eben nicht. Seltene Ausnahmen bestätigen hier höchstens die Regel.

Miteinander über Fantasien reden

Nicht jeder Mensch hat das Glück gleich mit dem ersten, zweiten oder vielleicht dritten Versuch die Art von Sexualität zu finden, die dieses „Wow“-Gefühl auslöst, von dem immer so viele reden. Manchmal ist das ein langer Weg. Für manche dauert es Jahre, bis sie sich selber darüber klar geworden sind was sie reizt, kickt und anmacht. Das ist nicht schlimm. Manches hat mit Erziehung oder natürlichen Hemmungen zu tun. Anderes ist einfach Glück – oder Pech, je nach Blickwinkel.

Ich werde nie die Geschichte der Frau vergessen, die mir erzählte, dass sie etwa 20 Jahre Sex hatte, der sie nie wirklich befriedigt hat. Ja, sie hat mitgemacht wenn es „erwartet“ oder „eingefordert“ wurde. Richtig geil war es aber nie. Sie dachte von sich, sie sei „frigide“, möge Sex eben einfach nicht. Alternativen zu der von ihre gelebten Sexualität waren ihr nicht bekannt, die Idee nach einer anderen Form von Sexualität zu recherchieren, kam ihr nie wirklich. Sie dachte ja, Sex sei einfach nicht so ihr Ding. Aus der stillen Hoffnung, mit anderen Männern würde es anders oder besser sein, hatte sie gelegentlich kurze Affären und One-Night-Stands. Aber irgendetwas fehlte immer. Jahrelang.

Dann, während eines dieser One-Night-Stands und ohne, dass das vorher unter den beiden Thema gewesen wäre, klatschte ihr der Mann kräftig auf den Arsch. Nach einer Schrecksekunde brachen von jetzt auf gleich alle Dämme. Sie war nicht mehr zu halten und kam bei diesem ONS wie nie zuvor beim Sex mit einem anderen Menschen. Der Typ war kein BDSMler, es war ein Impuls aus der Lust heraus gewesen. Aber bei ihr hatte es etwas ausgelöst, dass alles veränderte. Die Frau fing an sich zu informieren und nach wenigen weiteren „Versuchen“ war klar, sie hatte ihren Weg gefunden.

Sie war nie „frigide“ gewesen, hatte durchaus große Lust und große Spaß an Sex. Sie hatte früher nur eben nie den Sex gefunden und gehabt, der zu ihr passte.

Nach dieser ersten und wichtigsten Erkenntnis folgen dann die Schritte, während dessen es gilt sich klar darüber zu werden, worauf man genau steht und dann muss das passende Gegenüber gefunden werden. Beides braucht für gewöhnlich seine Zeit und den ein oder anderen „Fehlversuch“.

Hat man jemanden gefunden, folgt die nächste spannende Phase und die dauert meiner Erfahrung nach vom Kennenlernen durch die ganze Beziehung hindurch an. Der Austausch darüber, was dem jeweils anderen gefällt, sie oder ihn anmacht, was die Fantasien und Wünsche sind.

Wieso das so lange dauern bzw. anhalten soll? Weil sich Fantasien entwickeln und verändern, Neue entdeckt werden oder Menschen manchmal auch erst mit der Zeit den Mut fassen, bestimmte Wünsche und Fantasien zu offenbaren.

Nicht gleich all die Dinge offenlegen zu können oder zu wollen, die man vielleicht noch nie jemandem erzählt hat, ist dabei übrigens nicht schlimm. Manchmal braucht es Zeit und vor allem viel Vertrauen so etwas zu erzählen.

In dieser Situation gelten zwei wichtige Regeln:

  1. Offen und wertschätzend bleiben. Auch wenn die Fantasie nicht euer Ding ist. Wer mit „Du spinnst ja“, „Igitt“, „Wie kann einem so was gefallen“ oder ähnlichen Antworten reagiert kann sich sicher sein, dass das Gegenüber nie wieder offen über Fantasien und Wünsche reden wird.
  2. Kopfkino ist keine To-do-Liste. Wer Fantasien äußert, will damit in den seltensten Fällen sagen „Mach das jetzt sofort mit mir“ und auch nicht „Ich will, dass Du das in Zukunft unaufgefordert/unabgesprochen mit mir machst.“.

Warum aber ist es so wichtig sich über Fantasien und Wünsche auszutauschen? Nun, weil man zu Anfang so feststellen kann, ob man auf dem weiten Feld des BDSM überhaupt genügend Übereinstimmungen miteinander hat, damit der BDSM für beide erfüllend werden könnte.

Ist man bereits ein Paar, dann vertieft es meiner Erfahrung nach die Bindung zueinander. Vor allem ist es aber natürlich der einzige sinnvolle Weg, wie man der Erfüllung der Fantasien näher kommt. Oder, wenn das gar nicht der Wunsch ist, dann hilft es sehr zusammen mit der Partnerperson neue Ideen zu entwickeln, was beiden gefallen könnte. So kann man gemeinsam neue Wege gehen und auch das wiederum stärkt die Beziehung und die Bindung.

Sagen wir Sub hat seit Jahren Fantasien darüber, nackt in einen Käfig gesperrt zu werden. Nie hatte Sub den Mut das jemandem zu offenbaren. Endlich bringt sie oder er den Mut auf und Dom reagiert wertschätzend, verständnisvoll und findet es sogar selber auch ein bisschen geil. Vor allem findet Dom aber geil, wie heiß Sub darauf zu sein scheint. Beide sind glücklich, denn Sub konnte sich offenbaren und hat Verständnis erfahren. Dom freut sich im besten Fall über das entgegengebrachte Vertrauen. Vor allem aber haben beide eine neue gemeinsame Fantasie gefunden, die sie teilen können.

Jetzt ist es aber oft gar nicht so leicht, aus dem Nichts heraus den anderen mit Fantasien zu konfrontieren. Wie fängt man das an? Wie kommt man auf das Thema? Überhaupt, sich Auge in Auge zu gestehen „Du, also, so ein Käfig…“. Das fällt nicht jedem leicht. Außerdem ist es ja oft so, dass man selber erst durch äußere Einflüsse überhaupt auf Ideen kommt.

Oft hilft da ein kleiner Umweg. Sei es, man schaut einen Porno zusammen, gibt dem anderen eine Geschichte mit dem Hinweis „diese Szene fand ich ziemlich heiß“. Vielleicht genau das, was einen selber inspiriert hatte.

Ich selber folge auf Twitter verschiedenen Accounts die anregende bis sehr eindeutige Bilder und Filmchen posten. Meiner Erfahrung nach kann es da ziemlich hilfreich sein, sich gegenseitig diese Tweets zu schicken. Das kann ein spannendes Spiel sein um sich gegenseitig Fantasien zu zeigen, sich Anregungen zu geben und ins Gespräch zu kommen über Dinge, die man nicht so leicht direkt ausgesprochen hätte.

Eine typische Rückfrage von mir wäre dann oft „was macht dich daran an“ oder „was gefällt dir daran“. Denn ein weiterer typischer Stolperstein ist, wenn man einfach annimmt man wisse, was das Gegenüber an einer Szene reizt. Auf dem Bild könnte zum Beispiel eine Blondine mit großen Brüsten zu sehen sein, die gerade einem Mann den Schwanz bläst, während ein zweiter Mann in einem Sessel sitzt und zusieht.

Klar kann das bedeuten der Absender steht auf nackte Blondinen mit großen Brüsten und die Empfängerin denkt „Toll, ich bin weder blond, noch habe ich solche Titten, was will der Typ überhaupt von mir?“. Es kann aber sehr wohl sein, dass die Idee hinter dem Versand des Bildes nichts mit Haarfarbe oder Körbchengröße zu tun hatte, sondern heißen sollte „Wie heiß das wäre, wenn ich mal so zusehen könnte wie Du einem anderen einen bläst.“.

Tauscht euch also über eure Fantasien aus, bleibt dabei offen und wertschätzend. Zieht keine voreiligen Schlüsse, sondern fragt nach, was eurem Gegenüber daran gefällt und traut euch, gemeinsam Fantasien weiter zu entwickeln. Für mich sind das Grundpfeiler einer guten und erfüllenden BDSM-Beziehung.

Alle sind pervers

Wenn wir in der Kantine oder im Lehrerzimmer sitzen oder uns im Großraumbüro umschauen, wenn wir bei Familienfeiern oder im Sportverein unterwegs sind, können wir den Kollegen, Bekannten oder Freunden immer nur vor den Kopf schauen und nicht hinein. Das ist sicher auch gut so. Schon gar nicht können wir im Normalfall unter die Kleidung schauen. Noch besser ist, die anderen können es bei uns auch nicht.

Sonst hättest Du vielleicht gesehen, dass Klaus aus der Buchhaltung heute unter der Anzughose eine Netzstrumpfhose trägt und nichts drunter.

Oder Du hättest Elif die Gemeinschaftskunde unterrichtet angesehen, dass sie ihrem Freund heute morgen zum Abschied einen Plug in den Hintern geschoben hat, den dieser nun den ganzen Tag tragen wird.

Aber so etwas ist von außen eben nicht erkennbar. Wäre auch blöd, nehme ich an. So aufgeschlossen und tolerant ist unsere Gesellschaft nun auch nicht, dass wir solche Details mit jedem öffentlich teilen können und/oder wollen. Wenn ich ehrlich bin, dann finde ich das auch gut so. Manche Dinge dürfen und sollten privat bleiben können.

Sonst hättest Du der jungen Frau in der Bahn heute morgen angesehen, dass sie am letzten Wochenende in einem Swingerclub Sex mit 8 oder 10 anderen Swingern hatte. So genau wusste sie das selber nicht mehr.

Und Du wüsstest, dass der schüchterne junge Mustafa aus dem Nachbarhaus heimlich in den 5 Jahre älteren Michael verliebt ist.

So etwas sehen wir aber nicht. Wir sehen den Menschen von außen nicht an wie sie sexuell drauf sind. Vielleicht würde es manches leichter machen, wenn es so wäre. Wer weiß? Aber es ist nun mal so, dass der am harmlosesten erscheinende Mensch beim Sex ganz wild ist und der total verrückt und extrovertiert auftretende Mensch ganz zahm. Man sieht es von außen nicht.

Sonst wüsstest Du, dass die nette Arzthelferin bei deinem Hausarzt im Joy gezielt nach Männern mit Schwänzen von mindestens 30 Zentimetern sucht, mit denen sie dann zusammen mit ihrem Mann Sex hat.

Oder dass der Arzt dessen Praxis sie managt nur kommen kann, wenn er und seine Frau dabei beide möglichst hohe Pumps tragen.

Das alles wissen wir aber nicht. Wir sehen es den Leuten nicht an und in vielen Fällen sollten wir dafür dankbar sein.

Sonst wüsstest Du auch, dass die nette Nachbarin aus dem Dritten seit 15 Jahren gar Sex hatte und auch nichts vermisst.

Oder dass sich der unfreundliche Polizist von der Kontrolle gestern von seiner Frau abends gerne anal mit einem Umschnalldildo ficken lässt.

All das wissen wir nicht und ich wette, nach all diesen Beispielen seid ihr Leser auch froh, dass ihr es nicht wisst. Wer will das alles über seine Mitmenschen schon so genau wissen? Das wäre fast wie in dem Film mit Mel Gibson, in dem er die Gedanken aller Frauen um sich herum hören kann. Dort war diese Fähigkeit auch nur für eine sehr kurze Zeit praktisch und angenehm.

Warum aber rede erwähne ich das alles nun in so epischer Breite? Weil die Tatsache, dass wir das alles über unsere Umwelt und unsere Mitmenschen nicht wissen, manchmal dafür sorgt, dass wir denken „Alle anderen sind normal und nur ich habe so abgefahrene Gedanken und Fantasien. Was stimmt mit mir nicht?„.

Alles stimmt mit dir. Du bist eben nicht alleine. Du denkst es nur weil Du eben nicht weißt, dass Katrin von der Arbeit sich gerne mal auf dem Pferdehof, wo sie eine Reitbeteiligung hat, nackt vor eine der Kutschen spannen lassen würde. Oder dass Cousin Denis sich zum masturbieren Videos anschaut, in denen Frauen mit nackten Füßen Lebensmittel zertreten.

Nur, weil wir den anderen nicht ansehen worauf sie stehen und was sie anmacht, heißt das nicht, alle anderen seien „normal“ und nur wir sind die „Perversen“. Abgesehen davon ist man ja laut Matthias Grimme erst pervers, wenn man niemanden mehr findet der mitmacht, sind wir fast alle auf irgendeine Art und Weise „pervers“.

Es gib also keinen Grund sich verrückt zu machen, nur weil da ständig diese Fantasien sind. Sei es geschlagen zu werden oder selber zu schlagen. Gefesselt zu werden oder selber zu fesseln. Erniedrigt zu werden oder selber zu erniedrigen. Da draußen gibt es viele, die das auch wollen. Und viele, die wiederum noch ganz andere Dinge wollen.

Die Gedanken „nur ich habe so verrückte Fantasien“ und „was stimmt mit mir nicht“ sollten also gestrichen und ganz aktiv verdrängt werden. Denn sie sind Quatsch.

„Das erzähle ich dir lieber nicht“

Wenn ich eine Frau kennenlerne und wenn wir beide die Absicht haben, dass es zu einer BDSM-Beziehung irgendeiner Art kommen soll, dann stelle ich immer sehr viele Fragen. Fragen über ihre Erfahrungen, Vorlieben, Fantasien, Wünsche, Abneigungen und Dinge, mit denen sie sich unwohl fühlen würde.

Dabei begegnen mir zuverlässig immer wieder zwei unterschiedliche Reaktionen:

  • „Wow, noch nie wollte ein Mann so viel darüber wissen, was ich will und was mir gefällt.“ und/oder
  • „Das verrate ich dir doch nicht, dann kannst du mich ja genau dort packen.“

Beide Sätze sind spannend und vielsagend, wie ich finde.

Fangen wir einmal mit der ersten Reaktion an. Offenbar gibt es solche Menschen. Menschen die sagen: „Mir scheißegal was dir gefällt, was Du willst oder wie es dir geht. Ich ziehe mein Ding durch. Dafür bin ich doch Dom, damit ich beim Sex keine Rücksicht auf meine Mitmenschen nehmen muss.“.

Wie ihr euch denken könnt: aus meiner Sicht sind solche Menschen nicht dominant im Sinne von BDSM, sondern vor allem Arschlöcher.

Denn wer einfach nur egoistisch die eigene Nummer durchziehen will, soll sich ein passendes Sextoy suchen oder einen der womöglich existierenden Menschen, den genau dieses Verhalten kickt. Dann soll das in Ordnung sein.

Aber ansonsten besteht BDSM wie jeder Sex aus Geben und Nehmen und aus dem Zusammenspiel der Wünsche, Bedürfnisse, Vorlieben und Neigungen aller Beteiligten.

Mein Anspruch beim BDSM ist es also, dass auch meine Partnerin ihren Spaß hat und auf ihre Kosten kommt. Vor allem aber möchte ich im Vorfeld herausfinden, ob wir uns in der nötigen Weise ergänzen. Ob es so passt, dass ein „Mehr“ überhaupt in Frage kommt. Dazu frage ich viel und gebe im Gespräch auch viel preis. Ich erzähle von mir und meinen Erfahrungen. Ich stelle und beantworte viele Fragen. Nur so geht es, finde ich. Sich zu öffnen ist aus meiner Sicht für beide absolut notwendig.

Noch dazu ist es ja in der Folge umso hilfreicher für beide und das angedachte gemeinsame Spiel, wenn ich genau weiß was ihr gefällt und was nicht. Da spielt die zweite oben erwähnte Antwort hinein. Je genauer ich weiß, welche Vorlieben und Abneigungen es gibt, desto gezielter kann ich damit spielen. Desto besser kann ich den Kopf ficken und mit Dingen aufheizen von denen ich weiß, dass sie gut ankommen und wenn nötig auch mal bestrafen mit Dingen, von denen ich weiß, dass die Frau sie nicht mag. Desto besser kann ich ihr geben was sie will oder es ihr auch verweigern. Ganz so, wie es mir gefällt. Und das ist ja im Metakonsens der Kern des gemeinsamen Spiels.

Das wiederum ist also genau in beiderseitigem Interesse. Als Dom steuere und lenke ich die Situation und meine Sub. Dafür muss ich aber möglichst genau wissen, wie sie tickt und worauf sie wie reagiert. Je besser ich darüber Bescheid weiß, desto besser gelingt mir die gewollte Führung. Desto besser gelingt es mir eine Situation herzustellen, in der sie sich fallen lassen und in meine Hände begeben kann. Immer in dem Wissen, dass ich ihre Grenzen und Wünsche kenne, und damit in diesem Rahmen nach meinem Belieben spiele.

Dabei verstehe ich schon, dass es ungewohnt und irgendwie gegen jede Intuition ist, jemandem beispielsweise zu verraten, wie man am besten erniedrigt oder bestraft werden kann. Letztlich ist es aber gewollt, Gemeinsamkeiten bei Wünschen und Neigungen zu finden, um diese im besten Fall miteinander auszuleben.

Darum geht es schließlich. BDSM, für die betreffende Person „richtig“ ausgelebt, geht tiefer als Vanilla-Sex. So habe ich es über die Jahre von sehr vielen gehört, die davor viele Jahre Sex ohne BDSM-Bezug hatten. Das ist nicht verwunderlich, denn diesen Menschen hatte vorher oft etwas in ihrem Sexleben gefehlt.

Was BDSM aber tatsächlich vom Vanilla-Sex abhebt, ist eben genau das worum es hier geht. Im Schnitt mehr Kommunikation. Mehr aktive Beschäftigung mit den eigenen Bedürfnissen und Wünschen. Mehr Offenheit mit dem, was man will und braucht. Im Schnitt, wie gesagt.

Das macht aber eben auch in jeder Hinsicht verletzlicher. Sich offenbaren und Dinge preisgeben, die man vielleicht noch nie laut ausgesprochen hat, macht verletzlich und es braucht Vertrauen. Aber nur so besteht die Chance, diese Dinge auch zu erleben und diese ersehnten Gefühle zu fühlen.

Für mich ist das aber der beste und eigentlich einzige Weg, sich näher zu kommen und zu finden wonach wir suchen. Umso erstaunlicher die oben erwähnte Antwort „Wow, noch nie wollte ein Mann so viel darüber wissen, was ich will und was mir gefällt.“.

Schlimm genug. Ich weigere mich zu glauben, dass da draußen nur dominante Menschen herum laufen, die zur oben erwähnten Arschloch-Kategorie gehören. Das wäre fast schon tragisch. Umso wichtiger dann aber dieser Artikel. Und auch das sei noch gesagt: es ist ok, wenn ihr einen BDSM-Partner wollt, der euch rücksichtlos und ohne Beachtung eurer Klagen behandelt. Aber auch das habt ihr dann vermutlich oder hoffentlich vorher so kommuniziert und abgesprochen.

Am Ende bleibt aber die noch interessantere Frage die wir uns alle stellen sollten: wieso scheint es für viele Frauen da draußen eine so gänzlich neue und seltene Erfahrung zu sein, nach ihren Wünschen und sexuellen Bedürfnissen gefragt zu werden? Fragen so wenige potentielle Sexpartner danach? Woran liegt das? Antworten die, die gefragt werden nicht oder nicht ehrlich, weil sie es nicht gewohnt sind? Ich weiß es nicht, wäre aber neugierig dem nachzugehen.

Ich bleibe bei meinem Mantra: redet miteinander. Kommunikation ist der Schlüssel zu gutem und gesundem BDSM (übrigens auch zu gutem Vanilla-Sex). Versucht offen zu sein, auch beim Kennenlernen. Auch wenn es schwer fällt. Hört zu und seid aufmerksam. Beide Seiten. Dann seid ihr schon auf einem guten Weg.


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Wie überleben führungslose Subs?

Ein dunkles Geheimnis und ein Problem im BDSM über das viel zu wenig gesprochen wird, ist die hohe Zahl an Todesfällen von vornehmlich weiblichen Subs, die sterben, weil kein Dom ihnen Vorschriften macht.

Wie viele Subs mussten schon sinnlos von uns gehen, weil sie schlicht vergessen haben zu atmen, weil kein Dom neben ihnen stand und nützliche Vorgaben machte wie „einatmen, ausatmen“?

Speziell devote Frauen sind bekanntermaßen ohne Anleitung und Führung nicht überlebensfähig. Es droht mindestens Verwahrlosung, wenn nicht Schlimmeres.

Daher sind männliche Angebote wie „Unterwirf dich mir jetzt sofort. Zieh dich aus, knie dich vor deinen Rechner und danke mir, dass Du mir dienen darfst!“ oder „Du darfst meine willenlose Sub sein. Komm am Wochenende zu mir und ich bilde dich zu meiner perfekten Sexsklavin aus“ genaugenommen uneigennützige Versuche, um die ansonsten dem Untergang geweihte Subs zu retten.

So sollten diese Angebote auch gewürdigt werden.

Keinesfalls stecken dahinter eigennützige Interessen der Doms. Der wohltätige Dom spendet seine Aufmerksamkeit, opfert seine Zeit und kann dafür wohl wenigstens Dankbarkeit und bedingungslose Unterwerfung verlangen. Einer muss den Job mit der Führung ja machen. Da soll das Weibsvolk doch dankbar sein. Oder wollen sie etwa eigenständig ein- und ausatmen? Und wo kämen wir da hin?

Na eben.