Wie gestaltet man eine Session?

Gehen wir mal davon aus ihr habt euch gefunden. Ihr habt die Checkliste abgehakt, die Sub hat einen guten Dom gefunden oder umgekehrt. Ihr habt auch schon euren gemeinsamen Rahmen abgesteckt von dem was ok und gewollt und von dem was nicht gewollt ist. Aber was dann?

Irgendwann kommt der Moment eine ersten Session oder BDSM-Handlung oder wie ihr es nennen wollte. Manchmal ganz spontan, oft aber nicht. Oft ist es verabredet und geplant. Beide haben lange Zeit vorher darüber nachzudenken.

Aber während der devote Part da naturgemäß eher abwarten kann oder muss, obliegt es dem dominanten Part das Ganze in irgendeiner Form zu planen. Das ist der Punkt an dem alle Dominanten irgendwann stehen. Da beschäftigen einen Fragen wie: „Wie gestalte ich das Ganze nun?“ und „Was ist, wenn mir mal nichts einfällt?“.

Was man in diesem Moment braucht sind Fantasie, Spieltrieb, den vereinbarten Rahmen und sein Handwerkszeug. Darunter würde ich in dem Moment alles verstehen, was man an Seilen, Ketten, Schlagwerkzeugen etc. verwenden will und kann.

Ich persönlich visualisiere dann in einem ersten Schritt das Treffen. Sprich, ich stelle mir vor was passiert. Wo treffen wir uns? Kenne ich die Location? Was weiß ich darüber? Komme ich zuerst an oder ist sie zuerst dort? Welche Gegebenheiten finde ich dort vor?

Einmal hatte ich ein Hotelzimmer gebucht, wusste aber nicht, dass das Hotel verspiegelte Fenster haben würde, durch die man von außen ungesehen über die ganze Stadt schauen konnte. Sobald ich das gesehen hatte war klar, dass ich meine Sub nackt am Fenster würde platzieren müssen. Solche Situationen muss man natürlich spontan mit nehmen.

Dann überlege ich, was von meinem Handwerkszeug ich vermutlich benutzen werde. Was davon ist am Anfang sinnvoll, was erst später, weil es vielleicht etwas Vorlauf braucht. Beispielsweise Schlagwerkzeuge die erst zum Einsatz kommen, wenn beide schon etwas aufgewärmt sind.

Dabei habe ich natürlich auch immer Blick was vereinbart war. Was kickt sie besonders? Welchen Schwerpunkt möchte ich setzen? Oder haben wir etwas vereinbart, dass vorkommen soll? Und ganz wichtig, welche Stimmung will ich insgesamt erzeugen? Als Dom setzt ihr in dieser Situation den Ton. Wollt ihr besonders streng sein, eher nachgiebig? Was ist in der aktuellen Stimmung zwischen euch der richtige Ton?

Aus all diesen Informationen entsteht im Kopf ein ungefährer Plan. „Situation Eins, Ort X, ich fange an mit… Situation Zwei, Ort Y, weiter mit…“.

Wenn ihr nicht ein ganz konkretes Szenario plant, vielleicht ein Rollenspiel oder so, dann macht das Ganze nicht zu konkret. Lasst euch selber Freiheiten und Spielräume. Das fällt natürlich umso leichter, je öfter man das schon gemacht hat. Am Anfang hält man sich vielleicht einfach zu sehr an dem fest, was man sich vorher überlegt hat.

So reift ein grober Ablauf im Kopf: „Erst hier diese Aktion, dann rüber nach da, dann die Gerte…“. Mehr hat man eigentlich nicht. Mit dem oben erwähnten Spieltrieb und der Lust am Ganzen fällt euch der Rest dann schon ein wenn es so weit ist.

Nun aber zum vermutlich wichtigsten Tipp von allen. Seid immer bereit all dass oder einzelne Punkte davon über Bord zu werfen. Ohne zögern. Zack, gestorben.

Wenn ihr merkt, es passt gerade etwas nicht, dann nicht krampfhaft daran hängen und denken „aber jetzt solle es doch so weiter gehen“. Nein. Weg damit und etwas anderes machen. Oder auch wenn ihr spontan auf etwas Lust habt dass gar nicht geplant war, warum nicht? Auch wenn das alles andere was ihr euch überlegt hattet über den Haufen wirft. So what?

Bei niemandem auf der Welt verläuft jede Session so, wie sie vorher überlegt oder geplant war. Das ist normal und ist sogar Teil des Spaßes. Vor allem: macht nicht den Fehler in der Situation irgendetwas nachzuhängen, dass vermeintlich „nicht geklappt hat“. So lange ihr im Flow seid ist alles gut. Euer Gegenüber weiß ja im Zweifelsfall gar nicht was „eigentlich geplant“ war. Also locker bleiben und weiter genießen, sonst macht ihr es euch nur selber kaputt.

Klammert euch also nicht an euren Plan. Tut euch selber den Gefallen und seid bereit ihn spontan zu ändern und fallen zu lassen. Das ermöglicht euch und eurem Gegenüber unendlich mehr Freiheit und Lockerheit. lasst euch außerdem gesagt sein, dass sich aus diesen spontanen Planänderungen oder Umwegen oft die besten und aufregendsten Situationen entwickeln.

Kurz gesagt, plant so viel wie nötig, aber auch nicht zu viel. Lasst euch innerhalb dessen was ihr gemeinsam vereinbart habt von eurer Fantasie und eurem Spieltrieb leiten. Überlegt vorher, was ihr an Gegebenheiten vorfindet. Seid aber auch bereit alles über den Haufen zu werfen, wenn die Situation es verlangt oder sinnvoll erscheinen lässt. Ansonsten: genießt es so gut ihr könnt.

BDSM in den Zeiten von Corona

Social Distancing ist eines DER Schlagworte im Moment. Wir bemühen uns aktuell alle, uns nicht zu nahe zu kommen und wenn überhaupt, dann mit Masken. Damit meine ich nicht die aus der Fetisch-Ecke. Obwohl, wer weiß welche neuen Fetische sich nun daraus wieder entwickeln.

Aber ihr wisst natürlich was ich meine. Raus gehen, daten, Freunde treffen, tanzen gehen und auch BDSM ausleben ist aktuell schwer bis gar nicht möglich. Zumindest nicht auf die herkömmliche Weise.

Was also tun, wenn man BDSM ausleben möchte, der Partner oder die Partnerin aber aktuell weit weg und außer Reichweite ist? Wie man BDSM auch aus der Entfernung ausleben kann, habe ich in meinem Artikel über BDSM 2.0 beschrieben.

Wer daran Spaß und Lust hat, der kann solche Dinge natürlich nutzen. Manche sind aber aktuell eher sinnlos. So sind viele Leute derzeit viel zu Hause. Da ist die Kontrolle des Aufenthaltsortes eher weniger spannend.

Eine andere Idee ist zum Beispiel, virtuell oder vor einer Cam eine Art Session abhalten. Da ist viel Fantasie gefragt und dies kann den realen Kontakt natürlich auch nicht ersetzen.

Aber ein ureigener Bestandteil von D/s sind ja Aufgaben. Die sind weiterhin machbar und viele von ihnen sind dafür gedacht sie alleine umzusetzen. Genauso wenig sind sie ein Ersatz für den persönlichen Kontakt, aber wenn wir ehrlich sind, den gibt es auch nicht.

Ein Klassiker sind natürlich Fotoaufgaben. Sub bekommt genaue Vorgaben, welche Art Foto bis wann erstellt werden soll. Hierbei kommt es nicht darauf an, dass irgendwelche überzogenen Qualitätsmerkmale erfüllt werden. Der Reiz liegt in der gegenseitigen Aufmerksamkeit und Mühe, die man sich gibt.

Weitere Möglichkeiten sind Klammern, Plugs oder Liebeskugeln, die Sub zuhause oder für Mutige auch beispielsweise beim Einkaufen tragen kann. Natürlich immer an die persönlichen Grenzen und Erfahrungen angepasst. So ein Plug bei REWE an der Kasse oder eine zwickende Klammer in der Gemüseabteilung stehend, kann den Einkauf schon würzen.

Für die Kreativen unter den Subs gibt es die schöne Möglichkeit als Aufgabe eine Geschichte oder eine besondere Fantasie aufschreiben zu müssen. Beides kann später wunderbar als Vorlage für spannende Gespräche und vielleicht sogar neue gemeinsame Ideen dienen. Wer weiß, ob nicht sogar etwas dabei herauskommt, dass man veröffentliche kann.

Was auch in der aktuellen Lage wunderbar funktioniert sind Kleidungsvorschriften. Seien es einzelne Teile oder ganze Outfits. Eurer Sub die zu tragende Kleidung vorzuschreiben ist problemlos machbar und sogar dann umsetzbar, wenn sich einer oder beide in Quarantäne befinden.

Ebenfalls ein immer wieder gern genommenes Mittel zur Disziplinierung und als nicht zu unterschätzenden Aufgabe ist das Edging. Was ist das? Edging bedeutet, sich selbst befriedigen zu müssen in dem Wissen nicht kommen zu dürfen. Dabei gilt es so weit zu gehen, wie es möglich ist und dann aufzuhören. Wohlgemerkt natürlich, ohne zu kommen. Es gilt hier den sogenannten „Point of no Return“ zu finden und so nahe wie möglich ran zu kommen und ohne, naja, zu kommen.

Edging ist dabei variabel einsetzbar. Beispielsweise kann es abwechselnd mit Keuschhaltung eingesetzt werden. Also zeitweise sich überhaupt nicht anfassen dürfen und dann wiederum eine Zeit lang drei-, vier- oder fünfmal am Tag „edgen“.

Ein letzter Tipp sollen Toiletten-Vorgaben sein. Etwas, das im Alltag furchtbar schnell sehr anstrengend wird, kann aber in der erzwungenen Zeit zuhause ganz gut funktionieren. Sollten Dom und Sub also beide die meiste Zeit zuhause sein, dann ist die Variante, um Erlaubnis fragen zu müssen ob und wann man auf die Toilette gehen darf plötzlich umsetzbar. Genauso auch die Vorgabe in welchem Zeitraum wie viel getrunken werden muss, lässt sich plötzlich machen. Wer mag kann daraus ein spannendes Spiel machen, dass im Berufsalltag nie funktionieren würde.

Dies sollen nur ein paar Beispiele sein, um eure Fantasie anzuregen. Selbstverständlich erheben sie keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit oder auch nur besondere Originalität. Macht das Beste daraus, um durch diese schwierige Zeit zu kommen und euch dennoch die Freude und die Lust an BDSM zu erhalten.

Faszination Kennzeichnungen

Freundschaftsarmbänder, Eheringe, Band-Shirts, Partnerlook, Fußballtrikots. Zusammengehörigkeit zu zeigen ist etwas, dass in der Natur des Menschen tief verankert ist. Wir fühlen uns gut aufgehoben, wenn wir zu einer Gruppe gehören und demonstrieren das dann auch gerne. Wobei „Gruppe“ in einer Ehe mit dem dazugehörigen Ehering ein großes Wort ist. Aber ihr versteht schon was ich meine.

Diese Zusammengehörigkeit hat zwei Auswirkungen: Nach außen gerichtet sagt sie „Wir gehören zusammen. Wir teilen etwas miteinander“. Aber auch nach innen gerichtet sagt sie dem Mitmenschen oder Partner „Wir gehören zusammen. Ich gehöre zu dir. Du gehörst zu mir.„.

Und natürlich findet diese menschliche Neigung zu Zeichen und Zusammengehörigkeit auch ihre Entsprechung im BDSM.

Zum einen gibt es Erkennungszeichen mit denen man sich nach außen als jemand zu erkennen geben kann, der BDSM zugeneigt ist. Beispielsweise ist der „Ring der O“ so ein Zeichen oder auch die Triskele. Sieht man jemanden eines von beidem oder beides tragen, dann ist das ein guter Hinweis darauf, es mit einem oder einer Gleichgesinnten zu tun zu haben. Wobei die Triskele als Schmuck natürlich auch sonst gerne Verwendung findet.

Diese Zeichen dienen oft dazu, sich anderen versteckt zu erkennen zu geben. Weniger häufig hat das Tragen einen sexuellen Aspekt.

Im Gegensatz dazu gibt es andere Arten der Kennzeichnung, die weniger subtil sind.

Grob gesagt gibt es drei verschiedene Spielarten: Kurzfristige, leicht zu entfernende und dauerhafte Kennzeichnungen.

Kurzfristige Kennzeichnungen können mit Lippenstift, Edding, Klebetattoos oder anderen abwaschbaren Mitteln angebrachte Beschriftungen sein. Sie besagen für den Moment „Du gehörst mir„, sind aber leicht zu entfernen.

Weiterhin fallen mir als leicht zu entfernende Kennzeichnungen, der oben erwähnte „Ring der O“ ein. Aber auch andere Ringe, Halsbänder oder Piercings. Hier besonders beliebt natürlich das Intimpiercing, da sie dort angebracht natürlich die deutliche Botschaft „MEINS“ senden können.

Ein ebenfalls nicht zu unterschätzendes Kennzeichen ist bei männlichen Subs der Keuschheitsgürtel. Er erfüllt den ganz praktischen, aber eben auch den übertragenen Zweck Besitz anzuzeigen.

Dauerhafte und nicht mehr (so einfach) zu entfernende Kennzeichnungen sind Tätowierungen und Brandings. Bei einigen sind auch Halsbänder beliebt, die man nur mit bestimmten Schlüsseln entfernen kann. Diesen hat dann natürlich der dominante Part in Besitz.

Unter den genannten Kennzeichnungen kann man zwei weitere Unterteilungen machen: Die nach außen sichtbaren und die nach außen unsichtbaren Kennzeichnungen.

Eine Tätowierung kann so angebracht sein, dass sie zumindest im Sommer viele sehen können oder so, dass sie gerade mal der Arzt zu sehen bekommt. Auch Halsbänder können zwar sichtbar, aber subtil oder auch sehr eindeutig sein. Es kommt immer darauf an, was man wem damit vermitteln will.

Genau das ist der Punkt: Die Art der Kennzeichnung macht den Unterschied. Wie oben erwähnt ist es nämlich auch im BDSM so, dass sie nach außen und nach innen wirken und unterschiedliches Aussagen haben. Ein Halsband oder ein Ring können nach außen sagen „Wir gehören zusammen. Wir sind ein Paar.“. Im Innenverhältnis sagen sie aber oft „Du gehörst mir.“, was im BDSM-Kontext etwas ganz anderes besagt, als im Vanilla-Kontext.

Wer ein Halsband annimmt und trägt und es vielleicht sogar nach außen zeigt, der geht damit eine Verpflichtung ein. Genauso wie die Person, die das Halsband gibt. Es bedeutet Zusammengehörigkeit und im Metakonsens des BDSM auch ein „Ich gehöre dir“ oder „Du gehörst mir“.

Ebenso verhält es sich natürlich mit den anderen Zeichen. Ich persönlich mache da keinen Unterschied, ob es sich um leicht zu entfernende oder dauerhafte Kennzeichen handelt. Es zählt der Gedanke dahinter und die Beteiligten sollten sich dieses Gedankens vorher bewusst sein.

Genauso wie Spuren von Schlägen können aber auch kurzfristige Kennzeichnungen einen großen Reiz haben. Eine Beschriftung mit Edding oder ein Klebetattoo kann ein großer sexueller Kick sein. Etwas, dass man mitnimmt und noch stunden- oder tagelang genießt, ohne aber damit gleich eine tiefe Verpflichtung eingegangen zu sein. Außerdem kann so etwas als Vorstufe dienen, um zu sehen, wie es sich anfühlt so ein Zeichen zu tragen.

Wie ihr seht gibt es viele Abstufungen und Varianten was Kennzeichnungen angeht. Für viele sind sie ein großer Reiz und manche von ihnen sind im BDSM vergleichbar mit Ehe- oder Verlobungsringen unter Vanillas.

Bevor ihr aber zu dauerhaften Kennzeichnungen greift, seid euch verdammt sicher. Tattoos beispielsweise wieder los zu werden kann teuer und schmerzhaft sein und ständig an intimer Stelle den Namen eines oder einer Verflossenen zu haben, will ja auch niemand.

Mit Kennzeichnungen zu spielen ist extrem reizvoll. Es vermittelt beiden Seiten ein Gefühl von Zusammengehörigkeit und eben auch dieses Gefühl von „Dein Arsch gehört mir„. Greift nicht gleich zum Extrem, sondern tastet euch heran. Vor allem aber, seid auch sicher, dass ihr beide das gleichermaßen ernst nehmt. So vermeidet ihr Enttäuschungen.

Je mehr Regeln, desto besser?

Eine der spannendsten Fragen bei Neulingen im BDSM ist immer die nach den Regeln. Welche Regeln stelle ich auf? Wie setze ich sie durch? Was mache ich, wenn sie gebrochen werden?

Gerade wer neu auf dem Gebiet ist und sich bisher vielleicht nur in der Fantasie mit BDSM beschäftigt hat, kann da oft nicht genug bekommen. Doms tendieren dann dazu den Alltag von Sub mit Regeln bis ins Detail zu bestimmen. Ebenso wie Subs gerne noch die ein oder andere Regel einfordern. Einfach um endlich zu spüren wie es ist, wenn man diese äußere Macht und den Kontrollverlust erlebt, die bisher nur in der Fantasie existierten.

Aber ist es sinnvoll so viele Regeln wie nur möglich aufzustellen? Am Anfang klingt das sehr verlockend:

  • nach dem Aufstehen direkt per Messenger melden
  • nie Hosen tragen
  • nie Unterhosen tragen
  • keine Röcke die übers Knie gehen
  • jedes Mal um Erlaubnis fragen, ob man auf die Toilette gehen darf
  • fragen, ob man sich befriedigen darf
  • fragen, was man essen darf
  • tagsüber verschiedene Aufgaben erledigen
  • jedes Outfit per Bild absegnen lassen
  • fragen, ob man nach der Arbeit mit Kollegen etwas trinken gehen darf
  • jedes Getränk genehmigen lassen
  • sich vor dem Schlafengehen abmelden usw.

Es ist schnell ersichtlich: So etwas wird schnell zur Hauptbeschäftigung. Beruf, Kinder, Freunde oder Hobbys kann man da gleich ganz vergessen. Und das gilt sowohl für Dom als auch Sub. Denn aufgestellt sind Regeln schnell. Wer aber nicht fast ebenso schnell für Frust bei Sub sorgen will, muss diese Regeln auch durchsetzen und verfolgen.

Da genügt es also nicht zu sagen „Du machst ab jetzt immer das und das“. Denn wenn Sub sich wochenlang an eine Regel hält und dann merkt, dass Dom sie vergessen hat oder sich nicht dafür interessiert, dann ist der Frust groß. Mit Recht.

Machen mehr Regeln also wirklich auch mehr Spaß? Meiner Erfahrung nach nicht. Wie gesagt, artet es schnell in Stress aus, wenn man in wirklich jeder Lebenssituation überlegen muss „Wie war das? Was darf ich?“. Oder eben von Dom-Seite „Was hatte ich noch verboten?“.

Da gehen die Leichtigkeit und der Spaß an der Sache schnell verloren und gerade am Anfang ist der ja das A und O. Denn wer neu einsteigt und merkt, dass das alles keinen Spaß macht und nur anstrengend ist, der hört auch schnell wieder auf. Da ist es im BDSM wie mit dem Fitnessstudio oder dem Joggen. Genau wie dort gilt, auch beim BDSM langsam anfangen und dann steigern.

Überhaupt spricht für mich bei sehr vielen Regeln viel für Flexibilität.

Mein liebstes Beispiel sind da immer die Kleidungsvorschriften: Wer einer Frau vorgibt, dass sie ab sofort nie wieder Hosen tragen darf, sondern nur noch Röcke oder Kleider. Und in Verbindung damit aber auch nie wieder Unterhosen… Wie soll ich sagen? Der übersieht da einfach die Realität zu Gunsten des Kopfkinos. Mindestens einmal im Monat wird das sehr unschön. So ein Tampon oder eine Binde muss ja irgendwie halten.

Davon abgesehen gibt es Gelegenheiten, wo „unten ohne“ unpassend ist. Es gibt Wetterverhältnisse bei dem diese Regel die Gesundheit gefährdet und es gibt einfach auch Momente in denen Frau sich einfach so mal weniger Luftigkeit wünscht.

Jetzt soll es im D/s nicht immer nur um Wünsche gehen und Dinge sollen auch mal schwer fallen, aber ihr versteht was ich meine.

Solche Regeln kann man spannend finden. Man kann sie sich aber auch betrachten und überlegen „Für welche Fälle wird so eine Regel wirklich relevant?“. Klar, als Dom greift man dann gerne mal unter den Rock. Aber muss Sub sich deswegen sieben Tage der Woche danach richte und das sogar, wenn man sich gar nicht so häufig sieht?

Ich halte es immer so, dass ich im Bedarfsfall sage was sie tragen oder nicht tragen soll. Dafür braucht es keine Regel, die im Zweifelsfall eben sehr viel mehr Mühe macht, als sie am Ende an Freude wert ist.

Natürlich kann das jeder handhaben wie er und sie will. Was ich sagen will ist, dass der Umstand und der Aufwand den eine solche Regel bedeutet auch immer dem Ertrag an Freude und Lustgewinn der Beteiligten irgendwie entsprechen muss. Blöd gesagt, bei Wind und Wetter, auch während der Periode und das ganze Jahr kein Höschen tragen, damit Dom drei oder auch zehnmal unter den Rock greifen kann und dort keines vorfindet… Das finde ich überzogen.

Da bin ich wie gesagt lieber flexibel. Andere mögen das aber anders sehen. Das ist jedem selbst überlassen.

Meine Meinung zum Thema Regeln ist aber „Weniger ist mehr“ und ich war erfreut bei einer Umfrage neulich bei Twitter zu sehen, dass es in dieser Filterblase viele ähnlich sehen:

Bedenkt bei Regeln einfach, dass sie auch eingehalten und durchgesetzt werden müssen. Und da vermutlich keiner von uns Vollzeit Dom oder Sub ist, darf das nicht ausarten. So heiß ihr auch darauf seid all diese tollen Dinge endlich auszuprobieren: Lasst euch Zeit und steigert euch langsam. Probiert euch aus, was funktioniert für euch, was klang in der Fantasie besser? Seid auch nicht zu stolz eine Regel wieder zu kassieren, wenn sie nicht funktioniert.

Es ist übrigens oft keine dumme Idee Regeln aufzuschreiben, damit man sie nachlesen kann. Sowohl für Dom, als auch für Sub. Das hilft den Überblick zu bewahren.

Lust am Tabubruch

„Man darf doch andere nicht hauen!“. Das lernen wir schon in frühester Kindheit. Und wenn wir dann als Erwachsene aus sexueller Lust doch andere hauen und quälen? Dann ist das natürlich ein Tabubruch. Denn wir verstoßen gegen Dinge, die uns durch unsere Umgebung als „nicht ok“ vermittelt wurden. Und genau das macht einen nicht unerheblichen Teil des Reizes aus.

Was sind überhaupt Tabus oder „Meidungsgebote“ wie sie der Psychoanalytiker Hartmut Kraft nennt? Tabus sind Dinge, von denen uns unsere Prägung, unsere Umwelt, die Gesellschaft sagt, dass man sie nicht tut. Sie sind eine kulturelle Übereinkunft und nichts, was man irgendwo nachlesen kann.

Und Tabus sind immer im Wandel. Ganz hervorragend kann man das an Filmen sehe, die Skandale ausgelöst haben: Im Jahr 1951 war es ein riesiger Aufreger, dass die Schauspielerin Hildegard Knef im Film „Die Sünderin“ für ein paar Sekunden ihre nackte Brust zeigte. Einige Jahre später, im Jahr 1963 löste der Film „Das Schweigen“ einen Skandal aus, weil in ihm Sexszenen zu sehen waren.

Sowohl die nackt Brust von Frau Knef, als auch die Sexszenen wirken heute furchtbar altbacken. Jeder Schüler hat auf seinem Handy härteren Stoff. Damals aber waren es absolute Tabubrüche.

Was ein Tabu ist, ist also immer eine Frage der Zeit und der Gesellschaft in der man lebt.

Nach dieser Vorrede nun die Frage: Was haben Tabubrüche mit BDSM zu tun? Zuerst sei gesagt, wir reden hier natürlich von den oben erwähnten gesellschaftlichen Tabus. Nicht von den Tabus, die man in einer BDSM-Beziehung aufstellt um Praktiken zu benennen, die man nicht ausleben möchte.

Aus meiner Sicht besteht ein erheblicher Teil von BDSM und dem Reiz den er auf uns ausübt, aus Tabubrüchen. Angefangen bei dem oben erwähnten „Man darf doch andere nicht hauen!“. Im Alltag darf man andere nicht hauen. Im BDSM darf man es. Sogar noch „schlimmer“, man darf gehauen werden wollen. Beides ist ein Tabu.

Mir sagte neulich eine Frau, sie habe ihren Partner früher provoziert, weil sie wusste, dass er irgendwann ausrasten und sie schlagen würde. Und zwar nicht auf die gute Art. Sie hat sich lange gefragt, was mit ihr nicht stimmte, denn ein Teil von ihr genoss diese Schläge. Sie hielt sich für „gestört“. Irgendwann entdeckte sie BDSM und konnte das kanalisieren. Nun ist sie glücklich, weiß was immer fehlte und muss sich nicht mehr verprügeln lassen um zu bekommen was sie braucht.

Aber wo in der Gesellschaft kann man sagen „Ich mag es, wenn er mich schlägt und ich provoziere es sogar.“ So verzweifelt die Situation und so falsch alles daran war. Es zeigt uns, dass „geschlagen werden wollen“ ein Tabu ist. Und BDSM bricht damit.

Für viele kommt die Lust bei den Schlägen aus dem Wunsch Schmerzen zu spüren. Aber ein Teil des Kicks ist eben auch der Tabubruch. Das macht uns an.

Zu wissen man tut etwas Verbotenes kann dazu führen, dass man sich lebendig fühlt. Es ist aufregend, ein Kick, der Reiz des Verbotenen.

Ein weiteres und sehr starke Tabu sind Vergewaltigungsfantasien. Viele Frauen und Männer haben sie. Niemand will das im Normalfall wirklich erleben. Das ist klar. Aber dafür sind es ja Fantasien und da ist eigentlich alles erlaubt. Vor allem aber ist es eben ein Tabu. Keine Frau kann sich öffentlich bekennen und sagen „ach ja, mir vorzustellen vergewaltigt zu werden ist schon ganz geil“. Sie würde von ihren Mitmenschen mindestens schräg angesehen. Und so schämen sich auch viele für diese Fantasie.

Auch hier ist einer der Reize das Spiel mit dem Verbotenen und dem Tabubruch. Immer wieder schwingt die Frage hier mit: Darf man das wollen? Natürlich darf man. So lange alle freiwillig mitmachen und keinem geschadet wird, warum nicht?

Ähnliche Tabus sind Themen wie Anspucken, Natursekt, Ohrfeigen, Erniedrigung oder Prostitutionsfantasien etc.

Alles Praktiken, die man zu BDSM rechnet und die mit Sicherheit Tabus brechen. Dinge bei denen man bei Vanillas teils auf Fassungslosigkeit stößt und die Frage „Und das gefällt dir?“. Ja, tut es. Und ein Teil der Faszination kommt daher, weil wir um die fassungslosen Reaktionen wissen, die es auslösen würde, würden andere davon erfahren.

Mich persönlich kickt es immer wieder mit solchen Tabus zu brechen. Es erhöht den Reiz. Aber für viele Anfänger bedeutet es auch eine extrem hohe Hürde.

Da sind Selbtszweifel nicht selten. Das Gefühl etwas zu wollen, das nicht in Ordnung ist, womöglich sogar irgendwie krank.

Aber das ist Unsinn. Es gibt keinen Grund sich für Fantasien, Wünsche und Bedürfnisse zu schämen die einem gefallen und keinem schaden. Niemand schämt sich für seine Vorliebe für Erdbeereis. Warum auch? Warum sich also für sexuelle Vorlieben schämen?

Außerdem ist es wichtig zu erkennen, dass eben oft genau der Tabubruch den Reiz ausmacht. Nicht nur einmal habe ich von Menschen aus der Altenpflege gehört, dass Natursektspiele für sie so gar keinen Reiz haben. Klar. Wo es Alltag ist und zum Job gehört, ist der Reiz des Verbotenen weg. Mir erscheint das völlig logisch.

Wie so oft zum Schluss ein kleiner Aufruf und Versuch Mut zu machen. Macht euch wegen eurer Wünsche und Fantasien nicht verrückt. Mit ziemlicher Sicherheit seid ihr nicht die Einzigen. Und gerade die Dinge, die euch erschrecken üben einen besonderen Reiz aus. Akzeptiert eure Bedürfnisse und denkt darüber nach, was ihr davon ausleben wollt und was nicht. Sich dafür zu schämen ist jedenfalls weder eine Lösung noch notwendig.

Braucht man für Tunnelspiele einen Tunnel?

Ja was sind denn Tunnelspiele nun wieder? Um es gleich zu sagen, sie haben nichts mit einem Eisenbahn-Fetisch zu tun. Es sind auch keine BDSM-Spiele die in einem Tunnel stattfinden. Nein, es ist ein klein wenig komplizierter. Aber so kompliziert dann auch wieder nicht.

Was macht einen Tunnel aus? Wenn man erst einmal drin ist, dann kann man weder nach rechts noch nach links, sondern muss einfach durch. Es gibt sozusagen keinen Ausweg, bis man das andere Ende erreicht hat.

Und genauso funktionieren Tunnelspiele. Damit sind BDSM-Praktiken gemeint, die man nicht mehr abbrechen kann, wenn man sie begonnen hat.

Ein Klassiker der Tunnelspiele sind zum Beispiel Brennnesseln. Denn diese „Tunnel-Erfahrung“ hat jeder schon einmal gemacht. Wenn man in Brennnesseln gelaufen ist oder sie angefasst hat, dann muss man einfach abwarten, bis es aufhört zu brennen. Bis dahin gibt es verschiedene Möglichkeiten der Linderung. Aber man kann es nicht sagen „So, es genügt. Hör auch weh zu tun.“

Ganz anders eben, als bei Schlägen. Wenn man da nicht mehr aushalten will und kann, dann können die Beteiligten es sofort beenden. Man benutzt sein Safeword oder signalisiert sonst auf eine vereinbarte Weise, dass man genug hat. Und dann hört es auf. Auch Fesseln kann man lösen und die Situation damit beenden. Das geht so bei Tunnelspielen nicht.

Der Tunnel wird in dieser Spielart gebildet durch das Mittel oder Werkzeug dass benutzt wird. Dafür gibt es verschiedenste Beispiele. Brennnesseln sind eines. Wenn man ein Büschel Brennnesseln als Schlagwerkzeug nimmt und damit auf den Arsch oder zwischen die Beine schlägt, dann ist die Wirkung oft spektakulär. Und diese Wirkung kann eben nicht so schnell abgebrochen werden.

Weitere Möglichkeiten für Tunnelspiele sind Ingwer (Stichwort Figging), Minzöl, Tigerbalm, Rheumasalbe (geradezu berüchtigt ist hier Finalgon), Chili, Tabasco usw.
Je nach Vorliebe können diese Mittel an oder in empfindliche Körperregionen eingeführt oder geschmiert werden. Manche tragen das Mittel der Wahl auf einen Dildo oder Plug auf und führen diesen dann ein. In den meisten Fällen entsteht ein Hitzegefühl oder Brennen, dass sehr unterschiedlich als geil, schmerzhaft oder beides empfunden wird.

Übrigens listet die Wikipedia Tunnelspiele als Teil der Metakonsensspiele. Das halte ich für falsch. Denn es ist ja nicht der dominante Part der hier entscheidet „nicht aufzuhören“ und damit die Einvernehmlichkeit gewollt verlässt. Wenn Sub im obigen Bild die Schläge mit den Brennnesseln beenden möchte, dann ist das sofort möglich. Aber man hat sich gemeinsam geeinigt ein Mittel zu verwenden dessen Wirkung noch anhalten wird.

Was ist aber nun der Reiz an solchen Spielen? Zum einen scheint die Einstiegshürde relativ gering. Denn jeder hat irgendeines der oben erwähnten Mittel im Haus. Aber Vorsicht: Tunnelspiele sind nichts für Anfänger. Denn die Erfahrung dem Schmerz nicht entkommen zu können ist eine sehr intensive.

Genau das macht für andere wieder den Reiz aus. Denn man muss sich seinen Grenzen stellen und den Schmerz aushalten. Ob man will oder nicht. Diese Erfahrung kann sehr faszinierend sein, wenn man sich und seine Grenzen aber nicht gut genug kennt, kann sie einem BDSM auch für immer verleiden.

Daher sollte man Tunnelspiele sehr vorsichtig und nur mit Bedacht beginnen. Angefangen damit, dass man mögliche Allergien prüft!
Ein weiterer Ratschlag ist, bei der Dosierung lieber sehr zurückhaltend zu sein und nicht gleich in die Vollen zu gehen. Lieber nur ein kleiner Klecks mit sehr wenig Wirkung auf die äußeren Schamlippen als gleich die ganze Tube vaginal einführen. Ihr versteht schon was ich meine.

Außerdem ist es extrem wichtig, sich über möglich Gegenmittel zu informieren. Also die Dinge, die zur Linderung des Schmerzes beitragen können. Bei den einen hilft Wasser oder Eis, bei den anderen helfen fetthaltige Lebensmittel wie Öl, Joghurt, Quark oder Milch. Aber das variiert von Mittel zu Mittel. Und mit dem falschen Gegenmittel kann man es auch schlimmer machen.

Informiert euch also und habt alles parat ehe ihr anfangt. Wenn es erst einmal brennt, dann wird euch Sub dankbar sein, dass ihr nicht erst noch zum Supermarkt fahren müsst.

Mit Tunnelspielen kann man also sehr schnell in Grenzbereiche von BDSM kommen. Informiert auch vorher genauestens über die Wirkungsweise, mögliche Allergien oder Unverträglichkeiten und die „Gegenmittel“. Und dann fangt langsam an. Denkt daran, es zu fester Schlag tut kurz weh und kann dennoch schon viel kaputt machen. Stellt euch das einmal bei einer Wirkung vor, die ihr nicht beenden könnt und die noch stundenlang unangenehme Nachwirkungen hat. Da kann das Vertrauen zwischen Dom und Sub sehr schnell irreparablen Schaden nehmen.

Und um das auch gesagt zu haben: mit Tunnelspiele verlässt man eindeutig den Bereich von SSC und begibt sich in den Bereich RACK.

Nichtsdestotrotz sind Tunnelspiele natürlich spannend und ich wäre sehr neugierig, welche Mittel ihr dafür schon eingesetzt habt. Oben erwähnte oder ganz andere? Lasst uns gerne teilhaben.

DaddyDom und LittleGirl

Vieles am BDSM ist heute im Mainstream angekommen. Leute auf der Straße tragen heute Klamotten, die früher nur als Fetisch-Kleidung denkbar waren. Dass man sich gegenseitig ans Bett fesselt oder beim Sex mal den Arsch voll bekommt, wird zumindest als Scherz schon unter Kollegen geäußert. Die ganz große Scham über BDSM scheint spätestens seit „Fifty Shades Of Grey“ dahin.

Aber es gibt sie noch, die Bereiche im BDSM, über die man nicht so gerne öffentlich redet. Spielarten, die man sich auch anderen BDSM-Interessierten gegenüber nur zögerlich zu äußern traut.

Um eines dieser Themen soll es in diesem Beitrag gehen: um DDLG, also DaddyDom und LittleGirl. Bei dieser Spielart gibt es viele falsche Vorstellungen und Vorurteile. Damit möchte ich ein wenig aufräumen.

In dieser Spielart ist der dominante Mann der Daddy oder DaddyDom und die devote Frau ist die Little oder das LittleGirl oder auf deutsch das Mädchen. Wichtig: es ist eine Spielart, in der eine erwachsene Frau gerne die Rolle einer Little oder eines Mädchens einnimmt. Die Bezeichnungen sind, wie alles andere, ganz individuell wählbar und stehen hier nur für die Rollenverteilung. Da die Variante männlicher Dom und weibliche Sub hier die wesentlich verbreitetere ist, belasse ich es dabei. Aber es gibt auch die Variante der Mommy und des männlichen Little.

Eine des häufigsten Fragen zu dieser Spielart ist sicher: geht das nicht in die Richtung von Pädophilie oder wird diese verniedlicht? Absolut nein. Denn diese Spielart wird von Erwachsenen ausgelebt. In der Pädophilie geht es den Betroffenen um den kindlichen Körper und der fällt hier nun einmal weg. Es handelt sich um eine Spielart zwischen Erwachsenen, die sich dafür entscheiden und es beide wollen. Daher gib es für mich daran rein gar nichts anrüchiges.

Was tun also nun DaddyDom und sein LittleGirl? Es handelt sich um eine Art D/s-Beziehung mit einem klaren Machtgefälle. Mit der Abwandlung, dass sich die Sub hier eben als Mädchen fühlt und so behandelt werden möchte. Und die Rolle des Doms ist meistens umsorgender und fürsorglicher als in anderen D/s-Beziehungen.

So kann es sein, dass der Daddy über Dinge bestimmt wie Schlafenszeiten, die Handy-Nutzung oder welche Filme sein Mädchen sehen darf. Aber es kann auch dazu gehören, dass er sich kümmert, dass sein Mädchen genug trinkt oder Medikamente rechtzeitig einnimmt.

Wie immer sind die Bestandteile eures BDSM frei wählbar. Ich habe dazu in einem Artikel das Beispiel des Setzkastens gewählt. Wie weit ihr in die Rolle des Daddys und der Little geht, wie viele Anteile an Strafen und reinem SM ihr dabei lebt oder ob ihr andere Fetische verwendet, ist völlig individuell.

Manche Littles wollen sehr jung sein, mit Stofftieren spielen und Windeln tragen. Andere sehen sich hauptsächlich beim Sex in ihrer Mädchen-Rolle und genießen im Alltag nur die Dinge, die eben an Kontrolle machbar sind. Da gibt es endlos viele Abstufungen und womit ihr euch gut fühlt, das solltet ihr machen. Wenn es euer Kick ist, dass Daddy seine Little mit Kartoffelbrei füttert, dann nur zu. Wenn ihr es reizvoll findet, dass die Little ihren Daddy bekocht und verwöhnt, dann ist auch das ok.

Eine Little muss keine bestimmten Requisiten verwenden oder ein bestimmtes Alter haben. Da ist erlaubt, was gefällt. Und das ist wichtig zu wissen. Denn schon oft ist mir die Aussage begegnet „ich bin aber keine die gerne Windeln trägt“ oder „aber ich mache mir keine Zöpfe und trage nur noch rosa“. Das ist nicht der Punkt. Wie das meiste was mit D/s zu tun hat, fängt auch DDLG im Kopf an. Und was man dann daraus macht, welches Alter man will, was die Little gerne tut etc., das ist ganz individuell.

Mit die wichtigste Erfahrung für die Little, für das Mädchen, ist die Geborgenheit und die Fürsorge, die es vom Daddy bekommt. Das steht aber in keinerlei Widerspruch zu BDSM-Praktiken, wie manche meinen. Auch LittleGirls können Aufgaben und Regeln haben, wie in anderen D/s-Beziehungen. Und sie können bestraft werden, wenn sie die Regeln nicht befolgen. Strafen kann gerade in dieser Konstellation zwischen Daddy und Mädchen besonders intensiv sein.

Und selbstverständlich gehört auch Sex zu dieser Spielart. Wenn beide es wollen, sollte ich einschränken. Manche Littles wollen vielleicht keinen Sex. Auch das ist ok, wenn beide damit einverstanden sind. Aber die meisten Littles sind Frauen, die auch Sex wollen. Und das dann auch als LittleGirl.

Wenn ihr also solche Neigungen habt, dann steht dazu. Sie sind genauso in Ordnung wie alle anderen aus dem BDSM-Spektrum. Und wie erwähnt, was DDLG alles beinhaltet und was nicht, das bestimmt ihr. Wie bei allem, was mit BDSM zu tun hat: lasst euch nicht davon abschrecken es auszuleben, nur weil ihr gehört habt, dass etwas dazu gehört, was ihr persönlich NICHT wollt. Dann lasst diesen Teil einfach weg.

An Fantasien in denen ihr einen Daddy habt und Mädchen sein wollt, ist nicht verwerfliches. Traut euch und sprecht es an, wenn ihr potentiellen Partnern begegnet. Und vielleicht lebt ihr es dann auch mal aus. Es kann auch befreien.

Erniedrigung: Ein weites Feld

Erniedrigung ist für mich im Kontext von BDSM ein besonders spannendes Thema. Daher habe ich mich auch bereits in einem meiner ersten Beiträge damit befasst. Da es aber ein so umfangreiches und komplexes Thema ist, möchte ich noch einmal darauf zurückkommen. Vermutlich ist es aber für ein besseres Verständnis der Thematik sinnvoll auch den ersten Artikel zu lesen.

Erniedrigung im Kontext von BDSM ist das Spiel mit Dingen, die man nicht wirklich mag. Die jenseits des Wohlfühlbereichs liegen. Bei denen man es aber genießt und erregend findet, wenn man dazu gebracht wird sie zu tun. Oder wenn andere sie mit einem tun.

Und um auch das noch einmal klar zu sagen: es ist völlig ok, ich wiederhole VÖLLIG OK auf Erniedrigung zu stehen. Ihr tut damit niemandem weh, es macht den beteiligten Spaß und erregt sie. Also was soll falsch daran sein?

Was ist nun Erniedrigung genau? Das können für die Einen vergleichsweise klein wirkende Dinge sein, wie sich selber dem Dom gegenüber als „Hure“ oder „Fotze“ bezeichnen zu müssen. Das können aber auch ganz andere Handlungen sein, wie beispielsweise „Forced Bi„, also „erzwungene“ sexuelle Handlungen mit dem eigenen Geschlecht. Und die eben nicht aus der eigenen Neigung heraus, sondern in dem Fall als Erniedrigung, weil man eben selber eigentlich nicht darauf steht. Der Reiz ist in dem Fall eben, zu etwas „gezwungen“ zu werden, auf das man nicht steht, das als erniedrigend zu empfinden und DARAUS den sexuellen Kick zu ziehen.

Klingt kompliziert? Ist es manchmal auch. Aber wenn man den Dreh verstanden hat und gut darüber kommuniziert, dann wird es auch wieder ganz einfach.

Erniedrigung ist also wie erwähnt ein weites Feld. Aber eines zeigen uns die beiden oben erwähnten Beispiele. Erniedrigung kann sowohl in den ganz kleinen, als auch in den spektakuläreren Dingen liegen.

Zwei absolute Klassiker der Erniedrigung sind Ohrfeigen und Anspucken. Beides ist geschichtlich gesehen schon immer als Erniedrigung eingesetzt worden und diente dann nicht selten als Anlass für Duelle. Man kann also getrost von Klassikern sprechen. Und beides sind totale Tabubrüche.

Ohrfeigen greifen per Definition in unseren persönlichen Bereich ein, gehen ins Gesicht, was wir nur sehr ausgewählten Personen in unserem Leben erlauben.
Und jemanden anzuspucken ist sowieso ein Tabubruch. Wie alle Körperflüssigkeiten ist auch der Speichel mit Tabus behaftet und wird beim Küssen intim geteilt, ansonsten aber schön für sich behalten. Mit der Intention zu erniedrigen ins Gesicht oder auf andere Körperteile gespuckt, trifft es die meisten Menschen an sehr empfindlichen Stellen. Es drückt ohne den BDSM-Kontext Missachtung aus und rührt daher wie die Ohrfeige auch, ganz tief in uns.

Wo wir bei Körperflüssigkeiten sind: auch Natursekt wird von manchen als Erniedrigung gerne eingesetzt. Und auch Leute, die sonst nicht darauf stehen, können über den Weg der Erniedrigung einen Kick daraus ziehen.

Für nicht wenige Frauen ist es meiner Erfahrung nach auch schon eine Überwindung und eine kleine Erniedrigung die Beine zu öffnen und sich so zu zeigen. Sich dann anzufassen und vor den Augen des Dom zu befriedigen ist dann natürlich die logische Steigerung. Auch das oft eine sehr wirkungsvolle Mischung aus Erniedrigung und Erregung.

Ein weiteres Beispiel für eine eher subtile Erniedrigung kann Kleidung in der Öffentlichkeit sein. Sub ein Kleidungsstück in aller Öffentlichkeit und sei es nur beim Einkaufen tragen zu lassen. Kein provokantes oder auffallendes. Aber eines, dass Unwohlsein auslöst. Eine Farbe die als zu knallig oder einen Rock, der als zu kurz empfunden wird. Das muss ja objektiv gar nicht stimmen. Es kommt nur auf das persönliche Empfinden an. Das wird dafür sorgen, dass sich der Einkauf so anfühlt, als würden alle Sub anstarren. Als wäre Sub bloßgestellt. Das kann wieder eine sehr spannende Art der Erniedrigung sein.

Erniedrigung kann also in sehr vielem liegen. Auf allen Vieren gehen zu müssen oder aus dem Napf essen. Dinge, die den meisten bei dem Thema schnell einfallen. Wie erwähnt natürlich die verbale Erniedrigung. Aber auch in den ganz kleinen Dingen, die kaum jemandem auffallen. Dieser wiederum sind vielleicht erst ersichtlich, wenn man sich schon etwas kennt und so die Empfindlichkeiten besser einschätzen kann.

Scheut euch also nicht zu experimentieren und herauszufinden was funktioniert. Die Klassiker können sehr wirksam sein. Aber nicht alles was ein Klassiker ist muss auch gemacht werden. Manchmal sind die ganz individuellen Dinge besonders spannend. Die auf die nur ihr kommt, weil sie ganz persönlich sind.

Übrigens gibt es für manche noch eine spannende Metaebene. Manche finden es erniedrigend einzugestehen, dass Erniedrigung sie anmacht. Sie dann dazu zu bringen es zu sagen oder schlicht anhand der sexuellen Erregung vorzuführen „das macht dich an und ich weiß es“, kann auch wieder als Erniedrigung dienen. Ein Teufelskreis aus Erniedrigung und Erregung sozusagen.

Erniedrigung kann also extrem vielfältig sein. Sie kann im Bruch der Konventionen und in Tabubrüchen liegen. Genauso aber in den Dingen, die ganz persönlich und individuell als unangenehm empfunden werden. natürlich ist aber auch nicht jede Erniedrigung auch mit einem sexuellen Reiz verbunden. Auch nicht, wenn man sonst auf Erniedrigung steht.

Natürlich ist es ein heikles Thema. Es ist nicht leicht dem Gegenüber einzugestehen, dass man es erregend findet erniedrigt zu werden. Ich als Dom frage daher meist danach, um eine Brücke zu bauen. Redet darüber, probiert euch aus und steht dazu.

Und wenn ihr Beispiele kennt, die ihr ungewöhnlich findet, dann bin ich sehr neugierig. Schreibt sie gerne in die Kommentare.

Public Disgrace – Spannend und gefährlich

Kürzlich haben zwei Bilder mein Kopfkino angekurbelt. Auf dem einen liegt eine Frau nackt und auf dem Rücken zwischen zwei Bäumen. Sie hat die Augen verbunden. Ihre beiden Knöchel sind mit Gurten an den beiden Bäumen befestigt, so dass ihre Beine weit gespreizt sind. So liegt sie im Freien auf einer Wiese.

Auf dem anderen Bild sieht man eine Autobahnbrücke, unter der eine Bahntrasse verläuft. An einem der Stützpfeiler steht eine Frau. Sie hat eine Maske auf dem Kopf, die ihr die Sicht nimmt und sie unkenntlich macht. Ihr T-Shirt ist hochgezogen und Hose und Slip sind herunter gezogen. Sie trägt ein Halsband und ihre Hände sind hinter dem Rücken fixiert.

Was fasziniert uns so am Spiel mit der Öffentlichkeit? An öffentlicher Zurschaustellung? Für einige ist der Reiz natürlich schlicht der eigene Exhibitionismus. Nicht umsonst gibt es „Promis“, die nur dafür bekannt sind, sich ständig und ungefragt nackt zu zeigen.

Es hat da oft den Kitzel des Verbotenen, des Verruchten. Das ist in Ordnung und macht es vielleicht auch für viele spannend.

Das hat aber für mich erst einmal nichts mit BDSM zu tun. Für mich beginnt der Reiz dort, wo es nicht ganz freiwillig ist. Wo es befohlen oder als Strafe angewendet wird. Natürlich ist Sub damit im Metakonsens einverstanden. Aber es geschieht nicht aus eigenem Antrieb. Und da sind wir dann schnell beim Thema Erniedrigung.

Nehmen wir das erste Bild, das ich beschrieben habe. Die Frau liegt auf dem Waldboden, die Beine gespreizt. Natürlich hat ein umsichtiger Dom den Platz so gewählt, dass keine unbeteiligten Spaziergänger vorbei kommen. Aber weiß man das als Sub in dem Moment sicher?

Hier ist der Reiz natürlich der, dass Sub völlig entblößt und hilflos ist. Nicht nur das, auch die Pose ist völlig eindeutig. Was, wenn jetzt doch jemand käme? Und was hat Dom überhaupt vor?

Das ist der Reiz. Die Erniedrigung findet, wie meistens, im Kopf statt. Es kommt nicht darauf an, dass jemand vorbei kommt und sie so sieht. Tatsächlich will man gar nicht wirklich, dass jemand vorbei kommt. Denn verantwortungsvolles Handeln beinhaltet auch, dass man Unbeteiligte nicht mit hinein zieht. Aber der Reiz ist eben, es könnte jemand vorbei kommen.

Wenig anders ist es beim zweiten Bild. Vielleicht würde hier sogar ein vorbei fahrender Zug den Reiz noch erhöhen. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand aus einem in hoher Geschwindigkeit vorbeirasenden Zug viel bemerkt ist relativ gering. Die Wirkung auf Dom und Sub ist aber sicher enorm.

Das Spiel mit der öffentlichen Erniedrigung, der öffentlichen Bloßstellung ist hier das, was den enormen Reiz ausmacht. Nicht umsonst gibt es unter dem Label „Public Disgrace“ (etwa „Öffentliche Schande“) ganze Webseiten, die sich nur diesem Thema widmen. In der Öffentlichkeit nackt bloßgestellt zu werden, war schon immer eine mächtige Fantasie und findet so ihren Platz auch im BDSM.

Auch mich persönlich reizt das sehr. Eine heimliche Ohrfeige im Gang des Supermarktes oder die Sub mitten in der Innenstadt auf einer Bank den Rock hochschieben lassen. Das alles hat seinen festen Platz im BDSM.

Und das alles ist auch völlig in Ordnung, so lange man gewisse Vorsichtsmaßnahmen ergreift und verantwortungsbewusst handelt.

Sub nackt an einen Hochsitz gefesselt auspeitschen ist halt nicht in Ordnung, wenn weniger Meter weiter Familien mit Kindern spazieren gehen. Es muss immer eine Abwägung der Gefahren und Auswirkungen stattfinden. Wie eigentlich immer im BDSM. Und im Zweifel muss die Sicherheit im Vordergrund stehen. Und das Wohl der Anderen.

Andere Menschen gegen deren Wunsch mit zu viel der eigenen Sexualität zu konfrontieren, ist nicht in Ordnung. Ab einer gewissen Schwelle überschreitet es sogar juristische Grenzen und kann zu Erregung öffentlichen Ärgernisses werden (§ 183a StGB: „Wer öffentlich sexuelle Handlungen vornimmt und dadurch absichtlich oder wissentlich ein Ärgernis erregt…“)

Es ist also auf einiges zu achten. Dennoch bleibt der Reiz und es ist auch ok, dem nachzugeben. Im Rahmen und mit Vorsicht.

Und wer ganz sicher gehen möchte, der lebt diese Form der öffentlichen Spiele auf entsprechenden Parties aus. Auch das ist möglich und viele dieser Parties leben genau davon. Allerdings ist der Reiz für manche dort geringer. Schlicht weil alle Anwesenden ja genau dafür da sind. Der Tabubruch, und sei er sonst auch nur theoretisch, ist hier wesentlich geringer. Dafür ist man aber auf der sicheren Seite. Denn hier ist man unter Gleichgesinnten. Man schockiert mutmaßlich niemanden und juristische Konsequenzen sollten auch ausgeschlossen sein.

Das Spiel der öffentlichen Erniedrigung und Zurschaustellung ist sehr spannend. Für mich persönlich und für viele andere. Das Adrenalin schießt nach oben und die Erregung gleich mit. Und wenn man umsichtig ist, dann kann auch nichts passieren. Aber man sollte sich der Verantwortung und der Gefahren eben immer bewusst sein.

SSC oder RACK? WTF?

Was sind das für merkwürdige Abkürzungen, mag sich der geneigte Leser jetzt fragen. Das ist schnell beantwortet. WTF steht für „What the Fuck“ und heißt so viel wie „Was zur Hölle soll das bedeuten?“.

Bei den anderen beiden Abkürzungen ist es schon etwas komplexer und darum soll es um die beiden hier nun auch gehen.

Im Kern sind beides Philosophien oder moralische Konzepte, wie man BDSM auslebt. SSC steht dabei für „Safe, Sane, Consensual“ (übersetzt „sicherheitsbewusst, mit gesundem Menschenverstand und einvernehmlich“). RACK dagegen steht für „Risk-aware consensual kink“ (übersetzt etwa „Risikobewusster gemeinsamer Kick“).

SSC ist dabei die ältere der beiden Philosophien. Sie besagt im Grunde, dass man BDSM gemeinsam so auslebt, dass alle beteiligten Personen der Überzeugung sind, das was man tut sei sicher. Außerdem, dass man den gesunden Menschenverstand benutzt und natürlich alles einvernehmlich ist.

Da kommen wir aber schon zu den ersten Problemen, die manche mit SSC haben. Einvernehmlich ist noch klar. Natürlich muss alles, was beim BDSM passiert, einvernehmlich sein. Zumindest in einem Metakonsens. Was so viel bedeuten soll, wie „vielleicht habe ich dazu gerade keine richtige Lust, aber ich bin einverstanden, dass Du mich dennoch dazu ‚zwingst'“. Dieser Metakonsens muss immer herrschen. In der Sekunde, wo der Schmerz groß ist, macht er vielleicht keinen großen Spaß. Aber es muss Einvernehmlichkeit herrschen, dass der Schmerz dennoch „OK ist“.

Einvernehmlichkeit ist nicht verhandelbar und immer Grundlage von BDSM.

Was ist aber „sicher“? Was ist mit dem gesunden Menschenverstand noch vereinbar und was nicht? Ist den Partner anderen vorzuführen sicher? Das kann psychologisch zu Problemen und Konflikten führen, die man nicht immer gleich absehen kann.

Ist die Aufnahme von Urin mit dem gesunden Menschenverstand vereinbar? Was ist denn mit Keimen? Ist Natursekt dann überhaupt sicher? Wann ist ungeschützter Verkehr sicher? Wenn alle Beteiligten einen aktuellen Gesundheitstest dabei haben? Sollte man unter Einfluss von Drogen oder Alkohol BDSM praktizieren? Wie sicher ist das dann?

Da können die Meinungen schnell auseinander gehen. Und es genügt dann schlicht nicht, wenn einer der Meinung ist, eine Praktik sei sicher. Wenn einer der Beteiligten etwas für nicht sicher hält oder für nicht mit dem gesunden Menschenverstand vereinbar, dann fällt die Praktik unter SSC für diese Konstellation aus.

SSC ist also eine durchaus sehr sinnvolle Art und Weise, seine BDSM-Vorlieben einzustufen und mit anderen abzustimmen. Aber es ist auch eine Philosophie, die von manchen als sehr einschränkend empfunden wird. Denn wenn man nur tut, was alle als absolut sicher einstufen, dann fällt eben manches weg.

Und da kamen irgendwann Leute auf die Idee, man müsse andere Definitionen finden. So entstand RACK.

Auch in RACK kommt „consensual“, also einvernehmlich vor. Das können wir also als gegeben abhaken. Wo aber liegen die Unterschiede?

Im Grunde setzt RACK mehr auf Eigenverantwortung. Es besagt in etwa: „Ja, wir sind uns bewusst, dass das was wir tun nicht ungefährlich oder schlicht unvernünftig ist. Aber so lange wir das wissen und es dennoch wollen, ist es ok.“.

Nehmen wir ein Beispiel. Ich mag praktische Beispiele. Autofahren ist nur bedingt sicher und in einer Blechkiste mit 200 km/h durch die Gegend zu rasen, würden manche als gegen den gesunden Menschenverstand bezeichnen. Dennoch tun wir es. Wir wissen alle um das Risiko eines Unfalls, nehmen aber dennoch am Straßenverkehr teil.

So gesehen ist Autofahren nicht SSC, aber durchaus RACK. Ok, abgesehen von der Sache mit dem Kick. Aber hey, sogar den haben ja manche beim Autofahren.

Oder um es noch deutlicher zu sagen: wer als Dom seine Sub anderen zur Benutzung überlässt und den anderen Männern dabei erlaubt, die Kondome weg zu lassen, hat den Boden von SSC weit hinter sich gelassen. Weder ist das nach allgemeinem Verständnis sicher, noch mit dem gesunden Menschenverstand vereinbar. Aber unter RACK kann das durchaus dennoch Ok für die Beteiligten sein. Wenn sich alle der Risiken bewusst sind und es einvernehmlich beschlossen haben, dann sollen sie. RACK besagt: ihr müsst wissen was ihr tut.

Und RACK besagt auch, dass alle Praktiken erlaubt sind. Es müssen sich die Beteiligten nur bewusst sein, dass sie ein Risiko damit eingehen. Wichtig ist dabei aber, dass man sich der offensichtlichen Risiken, die durch bestimmte Praktiken entstehen, ebenso bewusst ist, wie der unabwägbaren Risiken.

Noch ein Wort zum Thema Safeword. Ein Safeword ist keine Garantie, aber es ist eine Vorsichtsmaßnahme. Wer ein Safeword weg lässt, der geht damit ein Risiko ein. Auch dieser Tatsache sollte man sich bewusst sein. Und bewusst ein Risiko einzugehen entspricht dann wieder der Definition von RACK. Wer also ohne Safword BDSM praktiziert, der hat SSC verlassen und befindet sich im Bereich von RACK.

Kurz gesagt: SSC ist vielleicht das etwas defensivere und vorsichtigere Konzept. RACK geht mehr Risiken ein und ist offensiver. Beide sollen helfen, sich dessen bewusst zu machen, was man tut oder besser lässt. Und selbstverständlich setzen beide Einvernehmlichkeit voraus.

Es ist wie so oft im Leben. Welche Philosophie oder welches Konzept man verfolgt, muss man selber entscheiden. Die eine Variante bietet vermeintlich mehr Sicherheit, die andere vermeintlich mehr Freiheit. Was für euch der richtige Weg ist, das könnt am Ende nur ihr entscheiden.

Aber eines ist für beide Varianten unabdingbare Voraussetzung: sich vorher Gedanken über das machen, was man will und was man bereit ist mitzumachen. Und egal welche der beiden Philosophien man dann verfolgt, kann DAS zumindest nicht schaden.