Rituale im BDSM

Es ist nicht zu leugnen. Rituale sind wichtig im BDSM. Ganz sicher wichtiger, als Außenstehende denken. Rituale bilden oft sogar eine Klammer, die eine ganze BDSM-Beziehung zusammenhält. Also werfen wir einmal einen Blick darauf.

Von welcher Art Ritualen sprechen wir hier eigentlich?

Da gibt es viele. Beispielsweise das berühmte Halsband. Für manche BDSM-Konstellationen ein zentraler Punkt: Sub bekommt von Dom ein Halsband umgelegt. Schon das Aussuchen des Halsbandes ist da sehr wichtig. Es zu überreichen und anzulegen ist dann oft ein Ritual, das beiden sehr wichtig ist. Für manche sogar vergleichbar mit der Eheschließung unter „Vanillas“.

Wiederum andere kennzeichnen mit dem Anlegen des Halsbandes den Beginn einer Session. Bei ihnen wird das Halsband im Alltag nicht getragen. Und wenn es dann angelegt wird, ob von Sub selber oder von Dom, dann kennzeichnet das den Start der Session.

Auch Strafen können ein Ritual sein. Manche sammeln Vergehen und dann gibt es zu festgelegten Zeitpunkten ritualisierte Strafen. Beispielsweise ist ein fester Zeitpunkt vereinbart, an dem Sub weiß, dass die Strafe ansteht. Sub entkleidet sich und bringt beispielsweise den Rohrstock oder was auch immer als Strafe eingesetzt wird. Auch die Vergehen dann noch einmal vorzulesen kann ein Ritual sein, um sich in die Stimmung zu versetzen.

Etwas, das ebenfalls sehr ritualisiert ist, sind Postionen, die einzunehmen sind. Hier nimmt Sub immer wieder die selben Postionen ein, um beispielsweise zu warten, Strafe zu empfangen, oder auch sexuell benutzt zu werden.
Ein gutes Beispiel dafür sind die sogenannten GOR-Positionen, die dem GOR-Universum der Bücher des Autors John Norman entstammen.

In Femdom Beziehungen kann das anlegen und abnehmen eines Keuschheitsgürtels ein Ritual sein, das gemeinsam zelebriert wird.

Warum aber sind Rituale wichtig?

Rituale sind immer wichtig. Vor allem stiften sie Gemeinschaft. Fragt bei jeder beliebigen Religion nach. Die Leute da wissen das sehr genau. Aber auch für Paare stiften gemeinsame Rituale Gemeinschaft. Man tut Dinge gemeinsam. Im besten Fall vielleicht sogar Dinge, die man nur mit diesem einen Menschen tut. Und vielleicht sogar Dinge, die man so noch nie mit jemand anderem getan hat.

Das bindet zwei Menschen aneinander. Und das wollen wir ja im BDSM-Bereich. Zumindest, wenn man auf irgendeine Form von Beziehung hinaus möchte.

Zusätzlich wirken Rituale, die beispielsweise ein Halsband beinhalten, noch auf mehreren Ebenen. Wie gesagt stiften sie ein Zusammengehörigkeitsgefühl und eine Gemeinschaft. Da haben wir also eine psychologische und emotionale Ebene. Weiterhin gibt das Halsband dem Paar aber auch eine physische Ebene. Sub spürt das Halsband und seine Wirkung. Dom kann Sub am Halsband packen etc. So werden also auch die Sinne angesprochen.

Ebenso ist es natürlich mit dem Keuschheitsgürtel oder auch der körperlichen Strafe. Sie wirken auf ganz ähnliche Weise.

Rituale geben auch Struktur. Sie sind etwas, an dem man sich festhalten kann. Zu dem man zurückkehren kann, wenn es in der Beziehung oder im Alltag mal stürmisch ist. Dann können sie Halt geben und helfen, in die Rolle innerhalb der BDSM-Konstellation zurückzukehren.

Ein ganz simples Beispiel dafür sind gemeinsame Essen. Das Frühstück, Mittagessen und Abendessen strukturieren für viele den Tag. Es ist ein tägliches Ritual. Und wenn man die Mahlzeiten gemeinsam einnimmt, dann haben sie eine ähnliche Wirkung, was die Gemeinschaft der Familie oder des Paares angeht.

Sind alle Rituale gut?

Nein, natürlich nicht. Kritiklos die Rituale anderer zu übernehmen ist Unsinn. Sich jetzt eine Liste aus dem Netz zu laden, oder den befreundeten Dom oder die befreundete Sub nach Vorschlägen zu fragen, wäre Quatsch. Jeder sollte sich anschauen, was zu ihm/ihr passt und was in die konkrete Konstellation passt. Eine Spielbeziehung hat andere Rituale als eine BDSM-Konstellation in einer Ehe.

Das Mehrfach erwähnte Halsband passt nicht in jede Konstellation. Aber wenn andere sagen, es passt nicht in eure Beziehung, ihr habt aber Lust dazu: dann macht es.

Man sollte sich anschauen, was einen interessiert und dann ausprobieren, worauf man Lust hat. Und wenn es für euch funktioniert, dann macht es. Siehe dazu auch mein Beitrag zum Thema BDSM als Setzkasten.

Alles, was ich oben über Rituale und ihre positive Wirkung gesagt habe, trifft nämlich nicht zu, wenn man sie sich überstülpt. Wenn man Rituale übernimmt, hinter denen man nicht steht, dann werden sie schnell lästig. Und dann verlieren sie alles, was sie sonst positives bewirken können.

Habt also keine Angst vor Ritualen. Im Gegenteil, nutzt ihre Kraft. Aber nur so, wie es für euch gut ist. Und niemals unreflektiert das übernehmen, was andere euch vorschreiben wollen.

4 Gedanken zu “Rituale im BDSM

  1. Ein sehr guter, hilfreicher Beitrag. Viele meinen, Rituale zerstören die Spontaneität. Ich sehe das anders: sie machen Spontaneität innerhalb eines bekannten Rahmens möglich und vor allem sicher.

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