„Fifty Shades of Grey“

fiftySeit kurzem befasse ich mich hier in meinem Blog auch mit Filmen die BDSM behandeln. Den Anfang bildete da vor einiger Zeit „Secretary“, der  quasi schon ein Klassiker im BDSM-Bereich ist.

Wenn es aber um BDSM-Filme geht, dann kommt man natürlich an einem Thema nicht vorbei: „Fifty Shades of Grey„. Also habe ich mir die Filme erstmals angeschaut um mir darüber eine Meinung zu bilden.

Und Achtung, ab hier kann es SPOILER geben.

Ich weiß darum, dass diese Filme Menschen viel bedeuten. Sie haben (zusammen mit den zugrunde liegenden Büchern) vielen Menschen den Weg zu BDSM geebnet und das ist mit Sicherheit ein Verdienst. Positiv ist ebenfalls, dass sie das Thema aus der Schmuddelecke geholt haben. Ich bin überzeugt, dass es vielen Leuten heute leichter fällt  sich selber, Freunden oder Familie gegenüber einzugestehen worauf sie stehen. Schließlich kann es ja nicht ganz so „krank“ sein, wenn es darüber Hollywood-Filme gibt, oder?

Diese Verdienste sind unbestritten und ich will sie nicht schmälern. Dennoch habe ich meine Probleme mit den Filmen. Und ich erkläre auch gerne welche.

In Filmen muss es nicht realistisch zugehen. Da sind Mafiabosse die Helden oder Trickbetrüger. Da werden Rachegelüste gelebt und Tiere können sprechen. Warum also darf es kein Erwachsenenmärchen geben, in dem sich ein Milliardär eine Studentin sucht um sie zu seinem Vergnügen „auszubilden“?

Natürlich darf es das geben. Wem es gefällt, der soll es sich anschauen und es genießen. Über Geschmack lässt sich nicht streiten.

Meine Kritik richtet sich aber gegen die Darstellung von BDSM. Denn wäre „Fifty Shades of Grey“ die kleine Fan-Fiction in der Nische, die es zu Beginn war, dann wären die Maßstäbe andere. So aber öffnet es BDSM einem Millionenpublikum. Einem Publikum, dass sich ein Bild zu diesem Thema macht anhand der Filme.

Schließlich ist BDSM völlig in Ordnung und etwas, dass viele Menschen mit viel Freude und Genuss betreiben, ohne dabei einem einzelnen Individuum zu schaden.

Und von diesem Genuss und diesem Vergnügen sehe ich in diesem Film leider so gut wie nichts. Es gibt ein paar wenige Szenen der Ekstase. Aber das sind größtenteils die Sexszenen. Und in denen geht es in vielen Filmen leidenschaftlich zu.

Stattdessen sehen wir, wie Christian Grey zu Beginn ständig versucht Anastasia Steele dazu zu bringen einen dubiosen Vertrag zu unterzeichnen. Nicht, weil sie das will. Nicht, weil es ihr einen Kick gibt, sich irgendwie vertraglich an ihn zu binden um ihre Lust zu steigern. Sie selber hat darauf zu Beginn überhaupt keine Lust. Aber er drängt ihr unverlangt seine Neigung auf. Das fand ich persönlich zumindest etwas unangenehm.

Natürlich darf auch das Klischee der verrückten Ex-Sub nicht fehlen, die aber auch Monate nach der Trennung sofort gehorsam auf die Knie geht und die Waffe fallen lässt, als Grey es ihr befiehlt.

Dass Grey zeitweilig versucht Anastasia von Freunden und Familie zu isolieren und wirklich ständig versucht sie von sich finanziell abhängig zu machen ist ein weiterer Kritikpunkt in dem BDSM in den Filmen einfach sehr ungesund dargestellt wird.

Der Punkt, der mich aber wirklich wütend gemacht hat ist die Figur des Christian Grey und seine Geschichte, die seine Neigung erklären soll.

Denn natürlich hat er nicht einfach Spaß an BDSM. Natürlich genießt er nicht einfach eine sexuelle Neigung die er Anastasia gegenüber etwas unbeholfen und mindestens auch etwas fragwürdig rüber bringt.

Nein. Christian Grey wurde als Kind von seiner Mutter verlassen und sucht nun Frauen, die äußerlich seiner Mutter ähneln, um diese zu bestrafen. Über die Psychologie dahinter will ich jetzt gar nicht reden. Aber das ist eben die Moral der 50er Jahre. Wer eine abweichende Sexualität hat, der muss krank sein oder hatte eine schwere Kindheit. Vor allem aber muss er davon geheilt werden. Und so wirken die Reaktionen von Anastasia im Laufe der Filme auch immer mehr wie der Versuch einer Therapie.

Dass er als Teenager auch noch von einer älteren Frau verführt wurde die ihn in BDSM einweihte und ihn zu ihrem Sklaven machte ist dann nur noch das I-Tüpfelchen. Denn dadurch wird BDSM nur noch weiter als eigentlich ablehnenswert gebrandmarkt.

In einer Szene fragt Anastasia Grey unter Tränen „Why do you want to punish me? Why do you want to hurt me?“. Also „Warum willst Du mich bestrafen? Warum willst Du mir weh tun?“.

Worauf Grey kurze Zeit später sagt „Because I’m fifty shades of fucked up, Anastasia.“. Also sehr frei „Weil ich total verkorkst bin“.

Mir sagt dieser Dialog, dass weder sie noch er BDSM genießen. Das mag an anderen Stellen der Handlung anders sein. Aber am Ende empfinden es beide nicht als Lust und Freude. Das wird die ganze Zeit mindestens als Subtext transportiert.

Der Protagonist der Bücher und Filme ist ein Opfer von Misshandlung und Vernachlässigung, dass Probleme mit emotionaler und körperlicher Nähe hat und für den BDSM ein Ventil ist, sich an seinen früheren Peinigern zu rächen. Und nun kommt Anastasia und wir können Hoffnung haben, dass sie ihn von seinen Dämonen und BDSM befreit.

Mit lustvollem BDSM hat das leider kaum etwas zu tun. Es ist Therapie. Es ist in Teilen sogar Gewalt. Nämlich in den Szenen, in denen er sie aus Rache schlägt und bewusst dazu bringt, dass sie das Spiel abbricht. Das hat dann aus meiner Sicht gar nichts mehr mit BDSM zu tun.

Wie gesagt darf man solche Geschichten erzählen. Niemand ist gezwungen in seinen erfundenen Geschichten Beziehungsformen so darzustellen, dass sie realistisch sind. Aber wenn man eine Subkultur mit einem Werk ins Licht der Öffentlichkeit bringt, dann sind solche üblen Verzerrungen schlicht schade und enttäuschend.

Natürlich gibt es auch in den drei Filmen ein paar schöne Darstellungen von BDSM. Die Innigkeit von Anastasia und Grey, nachdem er sie aufgefangen hat ist schön dargestellt. Auch ein paar wenige Anklänge an  D/s sind enthalten, die mir gut gefallen haben. Aber im Großen und Ganzen leisten die Filme denen einen Bärendienst, die BDSM als eine Neigung unter anderen dargestellt sehen möchten.

In diesem Sinn: danke für gar nichts liebe E.L. James.

10 Gedanken zu “„Fifty Shades of Grey“

  1. Erstmal lieben Dank für diesen Beitrag, ich finde es positiv, wenn sich mit dem Film in Ruhe auseinander gesetzt wird und vernünftig argumentiert wird, dass er mit dem lustvollen BDSM nichts / wenig zu tun. Ich habe leider den Eindruck, dass viele inzwischen schon „aus Prinzip“ sagen, dass er scheisse ist, weil das so viele in der BDSM Szene so sehen.

    Ich muss sagen, dass mir persönlich am meisten die Rache Szene negativ aufgestoßen ist. Ich mag es beispielsweise, wenn nach einem Streit die Anspannung in Sex oder auch teilweise BDSM-Elemten abgebaut wird, allerdings einvernehmlich, weil es für beide eine angenehme Art ist wieder emotional abzukühlen. In der Szene ist das allerdings etwas ganz anderes und vermittelt ein absolut falsches Bild. Das hat mich echt rasend gemacht.

    Den psychologischen Ansatz finde ich an sich gar nicht so schlecht, nur dass ich ihn in dieser Form absolut überzogen und zu „klischeehaft“ dargestellt finde. Nichtsdestotrotz denke ich schon, dass viele Menschen schon aufgrund solcher Vorgeschichten in den BDSM Bereich gefunden haben, allerdings weniger um etwas zu verarbeiten oder das Gefühl haben anders keine Nähe zulassen zu können, sondern eher um einen Bereich auszuleben, den sie früher als gewalttätig erlebt haben und nun kontrolliert für ihre Lust nutzen können. (Ich hoffe du verstehst, was ich meine? – gilt natürlich nicht für alle).

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    • Danke für deine ausführliche Meinung. Ich fand die Szene auch unangenehm. Da stimme ich dir völlig zu.

      Auch darin, dass es sicher Leute gibt die solche Dinge mit sich tragen. Vielleicht auch solche bei denen diese Erfahrungen eine Art Auslöser sind. Aber durch die Darstellung in so einem großen Film erscheint es eben so, als wären wir alle nur irgendwie krank. Das finde ich nicht nur ärgerlich sondern auch schlicht falsch.

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  2. Absolut entschlossene Zustimmung, lieber Eisbaer! Es ist das, was ich seit Jahren stets selber zu „50 Shades“ sage. Ich hasse es, dass dort alles laienhaft-küchenpsychologisch auf Missbrauch in der Kindheit zurückgeführt wird. 😡

    Virenfreie Grüße! VVN

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  3. Ich finde es sehr schön, wie Du entschlossen der Neigung entgegen trittst, „andere“ Sexualität zwar als Cliffhanger einzusetzen, sie aber dennoch zu moralisieren. Menschen brauchen scheinbar immer eine Begründung, warum sie andersartig sind (ich wollte erst abartig schreiben), um sich selber einzuordnen. Ich stelle es an mir selber fest: Sogar meine eigene Herrin muss mich immer mal wieder auf den Boden stellen und mir deutlich machen, dass ich das, was ich bin, aus eigenem reinen Antrieb und im Wesenskern bin, und niemand mich hierfür konditioniert oder von einem normalen Weg herunter geschubst hat. Ich habe auch viel Grund, für meine Kindheit dankbar zu sein und bin so normal wie ich sein möchte und so besonders, wie jeder Mensch es ist. Und die ganz Glücklichen haben Partner, die einem diesen Blick auftun und damit Liebe leben – in jeder Form von Sexualität, die so wunderbar Ausdruck dafür sein kann.

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  4. ach naja, ich hab die Filme als nettes Popcornkino gesehen, nicht viel mehr und auch nicht viel weniger. Diese Szenen, in denen klar wird, naja eigentlich hat sie es nicht in sich, lebt es nicht wirklich, finde ich auch recht daneben, denn das hat nichts lustvolles. Und es soll sich ja denke ich auf die Lust beschränken und weniger in eine TPE Beziehung o.ä. angestrebt werden.
    Ich konnte das aber dann eigentlich gut ausblenden, weil Hollywood halt.
    Secretary kann man ja auch recht zwiespaltig sehen, wobei ich ihn ja liebe 🙂 Da gab es letztens eine Diskussion irgendwo im Radio, das sei furchtbar schrecklich und Misshandlung etc. Als Hier muss ich sagen, hab ich ihr das abgenommen in dem Film. Hier habe ich das Gefühl gehabt, sie lebt das, fühlt das. Das Problem ist ja oft das Zulassen, Akzeptieren, weil ist ja nicht „normal“. Aber was ist schon normal.

    Also es sind halt Filme. Ich messe denen nicht all zuviel Bedeutung bei, rege mich auch nicht darüber auf. Grade 50shades ist halt mMn. gemacht worden, um langweiligen Hausfrauensex etwas aufzumotzen (sry for that, buts true!). Und für die Zielgruppe hats ja gepasst. (Wenn ich mich so im Vanilla-umfeld umhöre 😉 )

    LG 🙂

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    • Selbstverständlich ist es „nur“ Unterhaltung und als solche ok. Dagegen sage ich ja nichts. Mich stören eben nur ein paar ganz bestimmte Punkte. Die aber so, dass ich mich tatsächlich ärgere. Nicht, weil die Darstellung so ist. Eher, weil so viele Leute diese Filme gesehen haben und der Eindruck den sie vermitteln so eine so große Verbreitung bekommen hat.

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  5. „Im Prinzip“ sind auch die Bücher Mist. Nach dem ich mich durch das letzte gekämpft habe, verstand ich bis zum Schluss nicht wieso die beiden überhaupt zusammen sind? Beide wollen sich von Grund auf ändern … Er soll „gesund“ werden und aufhören mit SM und sie soll zu jeder Regel lächelnd ja sagen und sich seinen Neigungen und seinem Kontrollzwang hin geben ob sie nun einverstanden ist oder nicht. Was ist den dass bitte für eine Grundlage für überhaupt irgendeine Beziehung? Auch ohne BDSM.
    Ich muss zugeben, dass ich den ersten Film nach einer halben Stunde ausgemacht habe und seit dem auch nicht mehr angerührt habe. Die Stimmung die darin verbreiten wird hat mir persönlich überhaupt nicht gefallen und schon fast wütend gemacht. Wie Naiv und Klischeehaft da heran gegangen wurde war wirklich schlimm. Und natürlich darf der einzig wahre Grund warum man auf BDSM steht (wie in jedem Film der sich darum dreht) nicht fehlen: Man ist einfach Krank und muss ein tief sitzendes Trauma verarbeiten -.-
    Sehr gut! So wollen wir alle gesehen werden…
    Es macht mir ehrlich gesagt Angst warum dieser Film so viel positive Kritik bekommt. Das lässt einen wirklich ein wenig an den Leuten zweifeln … aber es ist gut zu wissen dass die Menschen die auch nur ein wenig Ahnung von BDSM haben ( also du und ich 😉 alle die selbe Meinung vertreten.
    Dankeschön 🙂

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    • Ich höre sehr oft, dass die Filme als Einstieg ins Thema aufgenommen und verstanden werden und die negativen Aspekte gar nicht wahrgenommen werden. Also als positiv, weil das Thema überhaupt behandelt wird. Als aufregend, weil es so etwas außerhalb Pornos eben selten zu sehen gibt. Erst nach späterer und tieferer Beschäftigung wird diesen Leuten dann klar, dass die Filme zwiespältig sind. Wenn es so verstanden wird, dann ist es für mich auch ok.

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      • Hmm, da muss ich dir sogar Recht geben. Es kann ja gut sein das wir mehr in den Filmen sehen als Menschen die mit der Thematik nichts zu tun haben. Die finden ihn Oberflächlich gut und wie sollte man etwas von Grund auf beurteilen können wenn man es kaum kennt?! Die Denkweiße gefällt mir.
        Es spricht ja nichts dagegen sich über Filme erste Eindrücke zu holen …. es ärgert mich nur wenn es so ein schlechter Film sein muss 🙂
        Und Shades of Grey wird leider oft als erstes gewählt wenn man sich für BDSM interessiert, einfach nur weil es zu wenige gute Filme darüber gibt! Ich möchte mir persönlich auch nicht jedes Mal einen Porno ansehen wenn ich etwas in diese Richtung sehen will! Nur Leider fehlen (gute) Alternativen….

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  6. Ich habe tatsächlich schon beim ersten Buch ein flaues Gefühl gehabt und es wurde mir immer mehr bestätigt. Neulich ergab es sich dann in der Raucherpause mit einem Kollegen, dass man über das Thema sprach und es zu großer Verwunderung kam, dass ich das Thema BDSM positiv, den Film jedoch sehr negativ wahrnehme.

    Bin dann in der Thematik Kommunikation auf Augenhöhe VOR installiertem Machtgefälle ziemlich aufgegangen. Was auch mit Erstaunen registriert wurde. Zum Einen: „Oh, die geht auf das Thema ein und redet, als hätte sie Ahnung.“ (Dabei habe ich nur wenig persönliche Erfahrung bisher.) Zum Anderen: „Oh. Das ist nicht so gesund, was da dargestellt wird?“ Argh.

    Es ist meiner Meinung und Erfahrung nach dringend nötig, dass mehr über das Thema aufgeklärt wird. Die meisten kennen doch nur Pornhub und 50SOG – dabei gibt es so viel in dem Bereich zu lernen und auch für Beziehungen abseits von BDSM mitzunehmen!

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