Selbsterforschung und Vokabeln lernen

Stellt euch vor, ihr seid von Geburt an taub und sollt sagen welches eure Lieblingsmusik ist. Oder von Geburt blind und sollt eure Lieblingsfarbe nennen. Schwierig.  Woher soll man wissen was „grün“ oder „blau“ ist, wenn man es nie gesehen hat? Ähnlich geht es Menschen, die am Anfang von BDSM stehen und erst einmal erfassen und herausfinden müssen, worauf sie stehen.

Denn das ist es, was am Anfang stehen sollte, nachdem man sich den Wunsch und die Neigung eingestanden hat. Nicht die Suche nach einem passenden Partner. Sondern die Recherche nach und Erforschung dessen, was man will. Herauszufinden was einen anmacht.

Das erste Problem dabei ist oft, dass einem buchstäblich die Worte fehlen. Man kennt die passenden Vokabeln gar nicht.

„Wie heißt das, wenn einer das oder das macht?“. Keine Ahnung? Das ist das Problem. Es ist wie wenn man eine neue Sprache lernt. Man braucht erst einmal die Vokabeln. Und Vokabeln lernen ist nicht immer das spannendste. Man würde lieber direkt loslegen. Aber es ist eben besser mit den Grundlagen anzufangen.

Denn wie will man denn einem potentiellen Partner erklären was man will und manchmal wichtiger, was man nicht will, wenn man nicht weiß wie es heißt? Je mehr man am Anfang schon weiß, desto leichter die Kommunikation über das, was man sich wünscht.

Und bei BDSM ist es eben haargenau so wie beim sonstigen Sex: je besser ihr wisst was ihr mögt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es gut wird.

Einen ganz guten Überblick über Begriffe und was sie bedeuten bietet hier tatsächlich die Community der Sklavenzentrale mit ihrem Lexikon. Da findet man viele Erklärungen und kann auch einfach mal so schmökern.

Dabei kommt es nicht darauf an einen ellenlangen Wunschzettel zu erstellen. Vieles muss und kann sich ergeben. Aber sich einfach nur treiben lassen ist auch keine Lösung. Ich als Dom habe dann doch gerne eine Ahnung in welche Richtung es gehen soll. Was dann tatsächlich passiert ist ein anderes Thema. Aber ungefähr über das Bescheid zu wissen was gewollt und was nicht gewollt ist, kann nur helfen. Beiden Seiten.

Vor dem Finden eines passenden Partners sollte also immer die Beschäftigung damit stehen, was man überhaupt will. Und dabei gilt es, sich keine Denkverbote auferlegen zu lassen. Denn es darf einem gefallen, was einem gefällt. Egal ob andere denken dass das zusammen passt oder nicht. Dazu empfehle ich meinen Artikel über BDSM als Setzkasten.

Weiterhin ist es aber auch wichtig, sich immer wieder bewusst zu machen, dass manche Dinge in der Fantasie einfach geiler klingen, als sie real sind. Auch das darf kein Problem sein. Steht vor euch selber zu euren Fantasien, macht euch aber darauf gefasst, dass sie auch enttäuschend oder abtörnend sein können wenn ihr sie umsetzt. Das ist ok. Da ist aus meiner Sicht „trial an error“ angesagt. Also Versuch und Fehlschlag.

Also lest Geschichten. Schaut Pornos. Lest Erfahrungsberichte und Fantasien. Redet mit Leuten, die eure Neigungen teilen. Das was auch dabei anmacht merkt ihr euch.

Findet heraus, was ich euch kickt.
Findet heraus, was euch im Kopf bleibt.
Findet heraus, was eure Fantasie und eure Lust auf Touren bringt.

Und dann findet jemanden, mit dem ihr das ausprobieren wollt. Erst dann.

Und übrigens, wenn dieser Mensch nicht nach dem fragt was ihr mögt, was auch kickt und was eure Fantasie auf Touren bringt, dann ist es der Falsche.

6 Gedanken zu “Selbsterforschung und Vokabeln lernen

  1. Kann ich so nur unterschreiben.
    Generell was Sex betrifft, kann ich nur sagen: guckt mehr Pornos, auch als Frau! So findet man leichter raus auf was man steht und was einem anmacht.
    Ich habe viele Frauen in meinem Umfeld die total entsetzt sind wenn sie mit bekommen das ich Pornos schaue, das sind aber auch die, die in einer Tour jammern das es im Bett nicht stimmt. Sie wissen selbst nicht was sie anmacht und darüber mit dem Partner reden, undenkbar..
    Selbst Schuld sag ich da nur.
    Kommunikation ist das A und O in einer festen Beziehung oder Partnerschaft. Schamhaftes Schweigen und/oder Langeweile im Bett sind langfristig gesehen, der Tod jeder Beziehung. Das gilt für beide Partner, man sucht sich nach einer Zeit woanders was einem fehlt.

    Gefällt 1 Person

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