Haltung statt vieler Regeln

Einer der häufigsten Fehler den Anfänger im BDSM, speziell im D/s machen ist, von Anfang an mit sehr vielen Regeln einzusteigen. Natürlich ist das sehr verlockend. Man hat endlich das passende Gegenstück gefunden und möchte nun alles umsetzen. Am besten alles auf einmal. Vor dieser Falle sind dabei beide Seiten nicht gefeit. Egal ob Sub oder Dom, man möchte am liebsten alles und das sofort.

Aber Regeln sind ein zweischneidiges Schwert. Sie aufzustellen geht schnell. Sie einzuhalten oder von der dominanten Seite aus durchzusetzen bzw. zu kontrollieren, ist wesentlich schwieriger und vor allem zeitaufwändiger. Und diese Kontrolle oder Nachverfolgung ist zentral.

„Du darfst draußen nur diese Art Kleidung tragen und in der Wohnung nur diese“
„Du musst bevor Du jenes tust immer vorher um Erlaubnis frage.“
„Du darfst online nie dieses tun.“
Das kann man alles so regulieren und noch ein Dutzend weiterer detaillierter Regeln aufstellen, wenn beide das mögen. Aber es schränkt ganz extrem ein und ist kleinteilig.

Außerdem muss Dom die Regeln wie gesagt nachverfolgen und kontrollieren. Denn buchstäblich nichts ist für Sub frustrierender als festzustellen, dass sie oder er sich seit Wochen an eine aufgestellte Regel hält, die Dom schon lange vergessen hat. Aber auch für Dom ist es frustrierend, wenn aufgestellte und idealerweise gemeinsam vereinbarte Regeln immer und immer wieder nicht eingehalten werden. Da kommt dann eben nach Tagen oder Wochen schnell Frust auf. Dann lieber gar keine Regeln.

Kurz gesagt: Regeln sind eine Verpflichtung für beide Seiten. Dessen sollte man sich immer bewusst sein und sie daher gezielt und überlegt einsetzen.

Daher konnte ich noch nie nachvollziehen wieso manche Leute denken, dass ihr D/s besonders erfüllend sei, je mehr Regeln es gibt. Wem es gefällt, gerne. Aber mein Weg ist das nicht. Sicher kann man, wie oben am Beispiel gezeigt, fünfzehn Regeln aufstellen um zu klären was Sub alles zu befolgen hat. Am Ende steht man aber womöglich mit einem bis ins Detail verfassten Buch in der Form des BGB da. Dieses Gesetzbuch geht bis Paragraph 2385 und alles ist bis ins letzte Detail rechtsicher definiert. Meine Vorstellung von BDSM ist das nicht.

Einfacher wird es aus meiner Sicht, wenn man eine grundlegende Haltung vermittelt. Eine Erwartung an das Verhalten und die Stellung zueinander in der Beziehung (egal ob feste oder Spielebeziehung). Ein Grundtenor oder eben eine Haltung klärt vieles, dass dann nicht durch die fünfzehn sehr konkreten Regeln geklärt werden muss.

Einfache Sätze können hier viel transportieren. Beispielsweise, „Sub hat Dom gegenüber Demut zu zeigen und Gehorsam zu sein“. Demut definiert der Duden als „Einsicht in die Notwendigkeit und im Willen zum Hinnehmen der Gegebenheiten begründete Ergebenheit“. Ja, so habe ich auch geschaut. Jedenfalls lese ich daraus „Einsicht in die begründete Ergebenheit„. Und das definiert doch schon sehr viel.

Gehorsam müssen wir an dieser Stelle nicht noch extra definieren. Das sollte sich von selber erklären.

Ergänzt man das noch mit dem Satz „Sub hat stets für das Wohlergehen und Wohlbefinden von Dom zu sorgen“, ist schon sehr viel abgedeckt finde ich und haben noch keine einzige konkrete Regel aufgestellt.

Ich plädiere hier ganz sicher nicht dafür, dass es keine Regeln im D/s geben sollte. Die muss es geben, sonst wäre es am Ende wohl kein D/s. Aber man soll sich nicht verzetteln und sich der Verpflichtungen die Regeln bedeuten auch bewusst sein.

Wer sich dessen bewusst ist und sagt „Für uns ist es aber toll, wenn wir den Tagesablauf mit vielen Regeln strukturieren“, dann nur zu. Aber damit eine Regel einfach nur aufzustellen ist es eben nicht getan. Da steckt wesentlich mehr dahinter.

Am Ende ist es eine Frage der konkreten Vorlieben und des Geschmacks. Aber für mich gilt: wenn Sub oder Dom den ganzen Tag nur damit beschäftigt sind zu überlegen welche Regel nun wieder einzuhalten sind oder welche Regeln kontrolliert werden müssen, dann bleibt irgendwann der Spaß und die Lust auf der Strecke. Und das wäre ja schlecht.

Also Vorsicht bei der Begeisterung für viele Regeln. Überlegt euch vorher, was euch wichtig ist und was ihr umsetzen bzw. bewältigen könnt. Fangt langsam an und steigert euch wenn ihr mögt. Und denkt daran, dass ihr die einmal aufgestellten Regeln auch noch nach Wochen und Monaten handhaben müsst.

2 Gedanken zu “Haltung statt vieler Regeln

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s