„Bin ich als Sub gut genug?“

Immer wieder lese ich Sätze wie „Die ist als Sub viel weiter als ich.“ oder „Bin ich ihm als Sub überhaupt gut genug?“. Gerade neulich habe ich erst wieder die Frage gehört „Klappt das bei anderen Frauen nicht schneller?“.

Dass unsere Gesellschaft Frauen oft untereinander vergleicht und bewertet ist nicht neu. Ganze TV-Formate wie „Germanys Next Topmodel“ oder „Der Bachelor“ basieren darauf, dass bewertet wird wer schlanker, hübscher, netter und sexier ist. Interessanterweise geht es selten darum, wer gebildeter, intelligenter oder schlagfertiger ist.

Aber auch Frauen untereinander bewerten und vergleichen sich. Und selten führt das zu etwas Gutem und Gesunden.

Wer über eine Bekannte herzieht wegen ihrer Kleidergröße, ihre Frisur oder sonstigen Äußerlichkeiten, der betreibt „Bodyshaming„. Das nur dazu beiträgt, dass zu verfestigen worunter viele leiden.

Wer eine Kollegin Schlampe nennt und über ihr Sexleben herzieht, der betreibt „Slutshaming„. Und das führt nur dazu, dass weibliche Sexualität weiter schlecht geredet wird. Da ist mehr Toleranz angeraten.

Die Ursache für dieses Verhalten liegt vermutlich in dem, was wir von Kindheit erfahren. Jungs sind immer toll, egal was sie tun. Sie werden gelobt und halten sich dann manchmal auch irgendwann für die Größten.

Mädchen dagegen sollen immer nett sein, hübsch aussehen und brav sein. Das führt natürlich dazu, dass man irgendwann nur noch auf die anderen schaut und sich argwöhnisch im Blick hat. Dazu kommen dann noch Vorbilder wie aus oben genannten TV-Sendungen und wir müssen uns nicht wundern.

Nun bin ich kein Soziologe und komme endlich zum Punk, um den es mir eigentlich gehen soll. Denn im BDSM sollten diese Vergleiche überhaupt keinen Platz haben.

Im BDSM sollte es niemals darauf ankommen mehr auszuhalten als jemand anderes. Es sollte nie darauf ankommen etwas schneller oder besser zu machen als jemand anderes. Es sollte nie darauf ankommen überhaupt mit anderen verglichen zu werden. Wie ich schon in einem früheren Beitrag versucht habe darzulegen ist BDSM kein Leistungssport!

Hier sollte nicht die Zahl der Schläge ermittelt werden um zu sehen wer gewonnen hat. Das ist aus meiner Sicht völliger Unsinn.

Und wenn eine Sub sich nicht vor den Dom kniet, dann sollte sie sich nicht fragen, ob eine andere Sub das sicher zu dem Zeitpunkt der Beziehung schon schaffen würde. Sie sollte sich eher fragen, ob sie sich denn überhaupt hinknien WILL. Und wenn nein, dann sollte sie das sagen. Und wenn sie es will, aber nicht schafft, dann sollte sie das Gespräch mit dem Dom suchen und nicht an sich zweifeln.

Dieser Druck den man sich selber und anderen macht ist vollkommen ungesund. Er führt zu Unzufriedenheit, Verkrampfung und allerlei weiterer Dinge, die man in seiner Sexualität nicht haben möchte.

Und a propos ungesund. Richtig ungesund wird es, wenn ein Dom diesen Hebel benutzt um seine Sub unter Druck zu setzen. Nach dem Motto „Die XY kann das aber besser.“ oder „Die XY hatte damit nie Probleme.“ Wer das macht liebe Subs, der ist dann eben ein Arschloch und sollte mit der Antwort „Dann geh doch zur XY.“ stehengelassen werden.

Ganz ehrlich, diese Form von emotionaler Erpressung braucht im BDSM niemand. Die braucht kein Mensch in keiner Form der zwischenmenschlichen Beziehung.

Der devote Part ist im BDSM häufig in einer emotionalen Lage, in der er verwundbar ist. Wie übrigens der dominante Part auch gelegentlich. Und in dieser verwundbaren Lage der absoluten Offenheit, braucht es Empathie. Niemand will und soll wie ein rohes Ei behandelt werden. Aber emotionale Erpressung ist dadurch in dieser Konstellation noch grenzwertiger als in anderen Situationen.

Im BDSM geht es nur darum, was euch und eurem Gegenüber Spaß macht. Was eure Bedürfnisse befriedigt. Was andere davon halten, ob andere das vermeintlich anders oder besser machen, ist völlig egal. Der Begriff „besser“ ist im BDSM sowieso unangebracht. Wie soll man messen was „besser“ ist? Ob es euch gut tut, ist alles was zählt.

Und um es noch einmal klar zu sagen, wer euch zu etwas bringen oder überreden will, in dem er aufführt, dass andere das auch/besser/schneller machen, der hat eure Aufmerksamkeit nicht verdient und eure Unterwerfung schon gar nicht. Der missbraucht seine Macht und streichelt höchstens sein Ego. Aber der Verantwortung die man als Dom trägt, kommt er ganz sicher nicht nach.

Toleranz statt Kinkshaming

In einem sehr guten Artikel über die Akzeptanz von BDSM habe ich neulich den Satz gelesen „Politische Karrieren sind ruiniert, wenn Politiker mit BDSM in Zusammenhang gebracht werden.“

Und das stimmt vermutlich. Heute kann man als Politiker sagen man sei homosexuell. Das schadet einer Karriere nicht (mehr). Man kann damit Oberbürgermeister und Außenminister werden. Stellen wir uns vor, ein Politiker oder eine Politikerin würde sich als BDSMer outen. Da wäre etwas los und die Karriere vermutlich vorbei. Interessant wie ich finde.

Tatsächlich war das aber nur der Aufhänger für das, womit ich mich in diesem Beitrag beschäftigen möchte. Denn alle die BDSM leben begegnen Menschen, von denen sie sich Toleranz wünschen. Bei vielen ist es aber mit der Toleranz schnell vorbei, wenn sie sie selber anderen gegenüber haben müssten. Nämlich denen gegenüber, die andere Spielarten leben als die, die sie selber gut finden.

Oft wird im BDSM nach dem Motto gehandelt „Ich bin vielleicht pervers, aber das ist ok. Nur dass was Du da machst, das geht ja gar nicht.“ Es ist eben wie immer. Die eigenen Vorlieben sind voll ok. Aber was andere machen wird genauesten begutachtet und vor allem bewertet. Mit welchem Recht fragt man sich.

Egal wie sehr eine Neigung von Vanillas als pervers beurteilt wird. Die, die das mögen finden sie in den meisten Fällen ok und leben sie gerne aus. Die selben Leute schauen aber mit Vergnügen auf andere herab deren Neigung „so gar nicht geht“.

Sich den Arsch blutig schlagen zu lassen ist ok? Sich gerne erniedrigen lassen aber nicht Sich wie ein Päckchen verschnüren und unter die Decke hängen lassen, völlig harmlos? Aber sich Windeln anziehen ist abartig? Petplay ok? Vergewaltigungfantasien aber krank? DDLG pervers? Latexfetisch aber easy? Die einen leben ihre Neigung SSC aus und finden die abartig, die sie nach RACK ausleben?

Ich finde diese Bewerterei und Herabsetzung anderer ist reine Heuchelei und ich kann damit gar nichts anfangen. Das ist Kinkshaming. Dieser Begriff bedeutet, dass man die Neigung anderer bewertet und die Menschen für das herabwürdigt worauf sie stehen. Das steht aus meiner Sicht keinem zu.

Für viele Leute ist genau das völlig ok worauf ganz konkret sie selber stehen. Und alles drum herum ist abartig. Damit haben sie viel gemeinsam mit den Bigotten die schon immer in der Geschichte alles abgelehnt haben, dass nicht in ihr Weltbild passte.

Zur Toleranz gehört eben gerade auch, dass man die Leute ihr Leben leben und auch Dinge ausleben lässt, deren Reiz man selber nicht nachvollziehen kann. Ohne dass man sie bewertet. Toleranz ist nichts wert, wenn man sie nur denen gegenüber hat, die sowieso dasselbe machen wie man selber.

Aber um das auch klar zu sagen: jede Toleranz hört für mich natürlich dort auf, wo anderen geschadet wird. Und Toleranz hört bei mir auf wo andere intolerant sind.

Natürlich heißt Toleranz anderen Neigungen gegenüber auch nicht, dass man alles kritiklos hinnehmen muss. Kritische Fragen darf man immer stellen. Und kritische Fragen sollten nicht immer gleich als Angriff verstanden werden.

Manche Aktivitäten sind grenzwertig. Auf Risiken hinzuweisen ist dann geradezu Pflicht. Wenn sich jemand in Gefahr bringt, dann kann die Antwort natürlich nicht sein „Ach, lass mal. Muss er/sie selber wissen.“. Das wäre Gleichgültigkeit. Das ist selbstverständlich nicht, wofür ich eintrete. Wo man Probleme und Gefahren sieht, sollte man auch einschreiten.

Aber was ich mir wünschen würde, ist mehr Offenheit gegenüber den Dingen, die andere genießen, die wir selber aber nicht mögen oder für reizvoll halten.

Wenn sich jemand gerne wie ein Pferd vor eine Kutsche spannen lässt, dann lasst sie. Nicht einmal dass dadurch arbeitslos gewordene Pferd dürfte sich beschweren. Wenn jemand gerne als Furry herum läuft, dann lasst sie. Wem schaden sie denn?

Wenn ihr selber einen Kink habt, den ihr aus Angst vor der Reaktion der anderen verheimlicht, dann solltet ihr doch gerade wissen wie es ist von anderen für etwas bewertet und verurteilt zu werden, dass ihr gerne mögt und dass euch vielleicht sogar mit ausmacht.

Also geht offen und tolerant mit anderen um. Wir brauchen gerade in dieser Zeit mehr Offenheit, mehr Toleranz gegenüber Andersdenkenden und Andersliebenden und nicht weniger.

Widerspruch BDSM und Feminismus?

BDSM und Feminismus. Feminismus und BDSM. Für viele sind das Gegensätze. Für andere nicht. In jedem Fall ist es ein heikles Thema.

Ich will hier gar nicht den radikalfeministischen Ansatz besprechen, nach dem BDSM per Definition frauenfeindlich ist. Nach diesem Ansatz ist auch Sex zwischen Mann und Frau an sich frauenfeindlich. Zumindest wenn ich das richtig verstanden habe.

Was mich aber umtreibt ist der Zwiespalt in dem eine Frau heutzutage steht, wenn sie in aufgeklärten Zeiten aufgewachsen ist. Wenn sie immer gelernt hat, dass Frauen selbstbestimmt und und gleichberechtigt sein sollen. Und das sollte selbstverständlich so sein.

Aber dann stellt sie in sich fest, dass Sie sich sexuell gerne unterwirft. Schon oft haben mir Frauen in Unterhaltungen erzählt, dass sie damit ein großes Problem hatten oder noch haben. Vor allem in der Phase, in der sie sich ihrer Neigung erst bewusst werden mussten. Wie kann man immer dafür eintreten gleichberechtigt behandelt zu werden und dann darauf stehen geschlagen und dominiert zu werden fragen sie sich dann. Über diese Hürde der Akzeptanz der eigenen Neigung auch schon früher geschrieben und es ist für viele ein echtes Problem.

Um das klar zu sagen: ich bin absolut für Gleichberechtigung. Frauen sollten die selben beruflichen Chancen haben, sollten für gleiche Arbeit das gleiche Geld bekommen und sollten in Gremien, auf Podien etc. gleichberechtigt vertreten sein. Das ist meine politische Ansicht.

In meiner Sexualität aber sehe ich das anders. Da liebe ich es zu dominieren und zu bestimmen. Zu erniedrigen und zu führen.

Für mich ist das in keiner Weise ein Widerspruch. Und auch für Frauen sollte es das nicht sein.

BDSM ist eine Neigung. Meiner Erfahrung nach entscheidet man sich nicht auf BDSM zu stehen. Ebenso wenig wie man sich entscheidet homosexuell zu sein. Das ist für mich schon einmal ein Punkt, weshalb es Unsinn ist jemandem BDSM ausreden oder verbieten zu wollen. Früher wurden auch Homosexuelle als krank bezeichnet. Das ist heute zum Glück nicht mehr so. Und auch die BDSM-Neigung ist nicht krank.

Natürlich ist es erst einmal paradox. Frauen kämpfen noch immer um Gleichberechtigung. Wir sind da als Gesellschaft in der westlichen Welt schon weiter als wir es je waren. Aber echte Gleichberechtigung gibt es noch nicht. Wer das nicht glaubt, der soll sich zum Beispiel mal anschauen was los ist, wenn eine Frau ein Fußballspiel von Männern kommentiert.

Gleichberechtigung ist ein wichtiges Anliegen des Feminismus. Und sie ist gesellschaftlich noch nicht erreicht. Dennoch kann man ohne schlechtes Gewissen eine sexuelle Beziehung haben, in der man ganz bewusst auf Gleichberechtigung verzichtet.

Wie soll das möglich sein? Vor allem ist Selbstbestimmung ein wichtiges Anliegen des Feminismus. Was soll die ganze Gleichberechtigung helfen, wenn man nicht selbstbestimmt leben darf wonach einem ist? So lang man keinem anderen damit schadet natürlich. Und das ist für mich der Punkt. Die ganze Gleichberechtigung und Selbstbestimmung ist nichts wert, wenn sie dort aufhört, wo es den anderen zu weit geht.

Zu sagen „Ja ok, wir haben zwar dafür gekämpft, dass Du selbstbestimmt leben darfst, aber wenn das beinhaltet, dass Du dich sexuell erniedrigen und dominieren lassen willst, dann geht das zu weit. SO selbstbestimmt darfst Du nun auch nicht sein.“ Das ist schlicht Heuchelei.

BDSM ist eine Neigung und eine sexuelle Spielart, in der sich erwachsene Menschen freiwillig und völlig selbstbestimmt in Situationen begeben, in denen andere über sie bestimmen. In 99 Prozent der Fälle findet diese Abgabe von Kontrolle nur in einem klar definierten Rahmen statt.

Man muss kein Psychologe sein um zu erahnen, dass genau darin ein Teil des Reizes liegt. Im Alltag stark sein müssen und führen. Im geschützten Rahmen der BDSM-Beziehung dann los- und sich fallen lassen. Im Alltag für bewusste Sprache eintreten und sich im geschützten Rahmen verbal erniedrigen lassen. Und dann eben auch wieder in diesen Alltag zurück kehren und weiter die Rolle einnehmen, die einem nun einmal aktuell zugeteilt ist.

Für mich gibt es da zwischen Feminismus und BDSM keinen Widerspruch. Wenn eine selbstbestimmte Frau sich dafür entscheidet, sich einem anderen Menschen in einem geschützten Rahmen zu unterwerfen und damit keinem anderen schadet, dann ist das ihre Entscheidung. Im Gegenteil kann BDSM da auch als Ventil dienen.

Was andere denken, sollte dabei sowieso keine Rolle spielen. Wichtig ist, dass ihr euch darüber klar werdet, dass es ok ist. Niemand wird durch BDSM zum Verräter an der Gleichberechtigung. Niemand ist ein schlechter Mensch, weil er auf solche Praktiken steht. Niemand sollte sich selber verurteilen oder sich die Erfüllung dieser Wünsche verweigern, aus Sorge vor solchen Gedanken.

Feminismus ist auch, die eigene Sexualität selbstbewusst und nach den eigenen Vorstellungen auszuleben. Und niemand hat das Recht über diese Sexualität zu urteilen.

P.S. Ja, ich habe die Seite der Femdoms hier nicht explizit erwähnt. Diese Auslassung soll aber nicht unterstellen, dass die Femdoms nicht ähnlichen Vorwürfen ausgesetzt sind. Die Grundaussage trifft aber auf alle Seiten zu die Frauen im BDSM einnehmen.

Braucht man für Tunnelspiele einen Tunnel?

Ja was sind denn Tunnelspiele nun wieder? Um es gleich zu sagen, sie haben nichts mit einem Eisenbahn-Fetisch zu tun. Es sind auch keine BDSM-Spiele die in einem Tunnel stattfinden. Nein, es ist ein klein wenig komplizierter. Aber so kompliziert dann auch wieder nicht.

Was macht einen Tunnel aus? Wenn man erst einmal drin ist, dann kann man weder nach rechts noch nach links, sondern muss einfach durch. Es gibt sozusagen keinen Ausweg, bis man das andere Ende erreicht hat.

Und genauso funktionieren Tunnelspiele. Damit sind BDSM-Praktiken gemeint, die man nicht mehr abbrechen kann, wenn man sie begonnen hat.

Ein Klassiker der Tunnelspiele sind zum Beispiel Brennnesseln. Denn diese „Tunnel-Erfahrung“ hat jeder schon einmal gemacht. Wenn man in Brennnesseln gelaufen ist oder sie angefasst hat, dann muss man einfach abwarten, bis es aufhört zu brennen. Bis dahin gibt es verschiedene Möglichkeiten der Linderung. Aber man kann es nicht sagen „So, es genügt. Hör auch weh zu tun.“

Ganz anders eben, als bei Schlägen. Wenn man da nicht mehr aushalten will und kann, dann können die Beteiligten es sofort beenden. Man benutzt sein Safeword oder signalisiert sonst auf eine vereinbarte Weise, dass man genug hat. Und dann hört es auf. Auch Fesseln kann man lösen und die Situation damit beenden. Das geht so bei Tunnelspielen nicht.

Der Tunnel wird in dieser Spielart gebildet durch das Mittel oder Werkzeug dass benutzt wird. Dafür gibt es verschiedenste Beispiele. Brennnesseln sind eines. Wenn man ein Büschel Brennnesseln als Schlagwerkzeug nimmt und damit auf den Arsch oder zwischen die Beine schlägt, dann ist die Wirkung oft spektakulär. Und diese Wirkung kann eben nicht so schnell abgebrochen werden.

Weitere Möglichkeiten für Tunnelspiele sind Ingwer (Stichwort Figging), Minzöl, Tigerbalm, Rheumasalbe (geradezu berüchtigt ist hier Finalgon), Chili, Tabasco usw.
Je nach Vorliebe können diese Mittel an oder in empfindliche Körperregionen eingeführt oder geschmiert werden. Manche tragen das Mittel der Wahl auf einen Dildo oder Plug auf und führen diesen dann ein. In den meisten Fällen entsteht ein Hitzegefühl oder Brennen, dass sehr unterschiedlich als geil, schmerzhaft oder beides empfunden wird.

Übrigens listet die Wikipedia Tunnelspiele als Teil der Metakonsensspiele. Das halte ich für falsch. Denn es ist ja nicht der dominante Part der hier entscheidet „nicht aufzuhören“ und damit die Einvernehmlichkeit gewollt verlässt. Wenn Sub im obigen Bild die Schläge mit den Brennnesseln beenden möchte, dann ist das sofort möglich. Aber man hat sich gemeinsam geeinigt ein Mittel zu verwenden dessen Wirkung noch anhalten wird.

Was ist aber nun der Reiz an solchen Spielen? Zum einen scheint die Einstiegshürde relativ gering. Denn jeder hat irgendeines der oben erwähnten Mittel im Haus. Aber Vorsicht: Tunnelspiele sind nichts für Anfänger. Denn die Erfahrung dem Schmerz nicht entkommen zu können ist eine sehr intensive.

Genau das macht für andere wieder den Reiz aus. Denn man muss sich seinen Grenzen stellen und den Schmerz aushalten. Ob man will oder nicht. Diese Erfahrung kann sehr faszinierend sein, wenn man sich und seine Grenzen aber nicht gut genug kennt, kann sie einem BDSM auch für immer verleiden.

Daher sollte man Tunnelspiele sehr vorsichtig und nur mit Bedacht beginnen. Angefangen damit, dass man mögliche Allergien prüft!
Ein weiterer Ratschlag ist, bei der Dosierung lieber sehr zurückhaltend zu sein und nicht gleich in die Vollen zu gehen. Lieber nur ein kleiner Klecks mit sehr wenig Wirkung auf die äußeren Schamlippen als gleich die ganze Tube vaginal einführen. Ihr versteht schon was ich meine.

Außerdem ist es extrem wichtig, sich über möglich Gegenmittel zu informieren. Also die Dinge, die zur Linderung des Schmerzes beitragen können. Bei den einen hilft Wasser oder Eis, bei den anderen helfen fetthaltige Lebensmittel wie Öl, Joghurt, Quark oder Milch. Aber das variiert von Mittel zu Mittel. Und mit dem falschen Gegenmittel kann man es auch schlimmer machen.

Informiert euch also und habt alles parat ehe ihr anfangt. Wenn es erst einmal brennt, dann wird euch Sub dankbar sein, dass ihr nicht erst noch zum Supermarkt fahren müsst.

Mit Tunnelspielen kann man also sehr schnell in Grenzbereiche von BDSM kommen. Informiert auch vorher genauestens über die Wirkungsweise, mögliche Allergien oder Unverträglichkeiten und die „Gegenmittel“. Und dann fangt langsam an. Denkt daran, es zu fester Schlag tut kurz weh und kann dennoch schon viel kaputt machen. Stellt euch das einmal bei einer Wirkung vor, die ihr nicht beenden könnt und die noch stundenlang unangenehme Nachwirkungen hat. Da kann das Vertrauen zwischen Dom und Sub sehr schnell irreparablen Schaden nehmen.

Und um das auch gesagt zu haben: mit Tunnelspiele verlässt man eindeutig den Bereich von SSC und begibt sich in den Bereich RACK.

Nichtsdestotrotz sind Tunnelspiele natürlich spannend und ich wäre sehr neugierig, welche Mittel ihr dafür schon eingesetzt habt. Oben erwähnte oder ganz andere? Lasst uns gerne teilhaben.

„Secretary – Womit kann ich dienen?“

41R85rZdEyLIst „Secretary“ ein Meisterwerk? Eher nein. Aber man kann ihn gut schauen und für jeden, der BDSM zugeneigt ist und sich nicht leicht erschrecken lässt, ist er absolut empfehlenswert. Denn er gibt sehr viele Einblicke in Dinge und Verhalten, die ich aus meinen Jahren in dem Bereich gut kenne.

Und Achtung, ab hier kann es SPOILER geben.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Die junge Lee Holloway (Maggie Gyllenhaal) nimmt einen neuen Job bei einem Anwalt (James Spader) an und durch die Anleitung ihres neuen und strengen Chefs entdeckt sie das, was ihr schon immer gefehlt zu haben scheint: Erniedrigung, Dominanz und Schmerz.

Wie und auf welche Weise diese Entwicklung verläuft ist dabei das eigentlich spannende. Und da zeigt der Film eine große Bandbreite an hoch interessanten Themen.

Am wichtigsten vielleicht, wie Lee durch die Entdeckung ihrer wahren Neigung zu sich findet. Sie entdeckt das, was sie erfüllt und erregt. Und damit etwas, dass ihr immer gefehlt hat. Ihr anfängliches selbstverletzendes Verhalten kann man sowohl als eine Form von Lust auf Schmerz, als auch den Versuch sich selber zu spüren verstehen. Sicher ist es eine vereinfachte Darstellung, dass BDSM all ihre Probleme löst. Aber hey, es ist ja auch nur ein Film.

Wenn man den Film anschaut, dann entdeckt man wahnsinnig viele Elemente die typisch für BDSM sind. Mary Gaitskill, die Autorin weiß offenbar sehr genau, worüber die da schreibt. Sie hat übrigens den Film auch als „Pretty Woman-Version ihrer Geschichte“ bezeichnet. Und der Bezug zu „Pretty Woman“ ist gar nicht so weit hergeholt. Außerdem deutet es darauf hin, dass die Geschichte wohl etwas härter ist, leider kenne ich die aber nicht.

Wie erwähnt reißt der Film sehr viele Themen an, die man als BDSM-erfahrener Mensch kennen kann. Angefangen mit der Lust an Erniedrigung mit der Lee schon früh im Film in einen Müllcontainer steigt, gibt es viel zu entdecken, dass dem BDSMer bekannt vorkommt.

Die Art, wie Lee versucht Strafen zu provozieren kommt sicher vielen bekannt vor. Die Anweisungen, was sie essen darf und auf welche Weise geben Einblicke in D/s, die ich so noch nicht oft in Filmen gesehen habe. Besonders spannend und berührend für mich dabei die Szene, als sie heimlich telefonisch den Speiseplan an ihn durch gibt.

Auch die Rituale die beide etablieren sind schön dargestellt. Aber auch seine Zweifel und Distanz dürften bei vielen Erinnerungen an sich selber oder Partner wecken.

Die Art wie sie die blauen Flecken auf ihrem Arsch bewundert und wie sie versucht, sich selber zu schlagen und daran natürlich scheitert sind ebenfalls toll beobachtet und realistisch.

Die nicht zuletzt die Szene in der sie ihren Freund versucht dazu zu animieren sie zu schlagen und wie er rein gar nichts versteht. Auch der folgende frustrierende und unbefriedigende Sex mit dem Freund. Alles Versatzstücke in denen sich viele wieder erkennen, die BDSM leben.

Ich habe den Film vor Jahren schon einmal gesehen und mochte ihn. Offenbar sogar sehr, denn ich habe mir damals die DVD gekauft. Über die Jahre habe ich aber viel vergessen und ich glaube auch, ich verstehe ihn heute besser als damals. Auch das was mich damals störte, fand ich heute schlüssig.

Denn damals hatte ich mich daran gestört, dass Lee anfangs aus einer Klinik kommt. Das hatte ich damals interpretiert, als müsse man sich absichern und klären, dass jemand der so etwas mag ja krank sein müsse.

Das verstehe ich heute anders. Ihr Leben hat sie krank gemacht und sie hatte keine Lösungen. Als sie BDSM für sich entdeckt, kann sie ihr selbst verletzendes Verhalten ablegen. Sie hat zu sich gefunden und zu dem, was sie erfüllt. Das DAVOR waren Lösungen, weil ihr genau diese Erfüllung im Leben gefehlt hatte. So interpretiere ich es heute.

Auch war ich überrascht wie explizit der Film doch wird. Man sieht zum Beispiel die auf allen Ebenen wunderbare Maggie Gyllenhaal völlig nackt. Das hat mich für eine Hollywood-Produktion schon gewundert.

Außerdem gibt es die Spuren auf ihrem Arsch zu sehen, Man sieht in einer Szene, wie sie sich einpinkelt, weil sie gehorsam seiner Anweisung folgt sich nicht aus einer bestimmten Position zu bewegen. Auch Szenen in denen sie auf allen Vieren durch das Büro kriecht oder ihm ein Kaugummi in die Hand spuckt sind intimer, als ich sie in so einem Film erwartet habe.

Insgesamt kann ich den Film jedem empfehlen. Hier wird BDSM insgesamt sehr positiv dargestellt, ohne dabei die Handlungen als Missbrauch darzustellen. BDSM ist hier einfach etwas, dass beide wollen und beiden gut tut. Das fand ich sehr wohltuend.

Übrigens, dass der Anwalt und Dom in diesem Film „Grey“ heißt, hat nichts mit „Fifty Shades of Grey“ zu tun. Der Film entstand Jahre vor dem ersten Buch dieser Reihe. Ob der Charakter der Autorin der Bücher als Inspiration diente ist mir nicht bekannt.

Vanillaschübe im BDSM

Im Leben gibt es viele Phasen in denen BDSM in den Hintergrund rücken kann. Seien es Beziehungen in denen der Partner nicht auf BDSM steht oder gesundheitliche Probleme. Seien es persönliche Krisen, berufliche Probleme oder andere Gründe.

Dann kann es eben passieren, dass man für längere Zeit keine Lust auf BDSM hat. Oft einfach deswegen, weil der Kopf nicht frei dafür ist. Und BDSM geht eben sehr viel (wenn nicht alles) über den Kopf.

In Beziehungen verzichten manche freiwillig und andere unfreiwillig auf BDSM. Manche haben Partner, die die Neigung schlicht nicht teilen. Bei anderen war BDSM Teil des Beziehung und ist dann „eingeschlafen“.

So etwas bezeichne ich für mich als „Vanillaschub“ oder „Vanillaphasen“ (wobei ich nicht beanspruche den Begriff erfunden zu haben). Zur Erklärung für die, die den Begriff nicht kennen: Vanilla bezeichnet in der BDSM-Szene alle, die „normalen“ Sex haben und nicht BDSM leben.

Während dieser „Vanillaschübe“ oder „Vanillaphasen“ lebt man also BDSM nicht aus. Aber, man verliert ja die Neigung nicht. Daher ist es ja nur eine Phase oder ein Schub. Es ist etwas zeitweiliges. Andere Dinge sind in dieser Zeit wichtiger, fordern mehr Energie oder Aufmerksamkeit und man kann sich seiner Neigung nicht widmen. Aber nie Neigung bleibt.

Sicher kennt jeder in einer langen „Karriere“ als BDSMer diese Phasen im Leben. Mal steht die Neigung sehr im Vordergrund der Interessen und dann wieder, rückt sie in den Hintergrund.

Das ist völlig OK. Prioritäten sind in verschiedenen Lebensphasen unterschiedlich. Das ist eben so. Manchmal braucht man seine Energie für andere Dinge.

Allerdings ist es meiner Erfahrung nach extrem wichtig auch bei sich zu bleiben. Verleugnet man die Neigung völlig, denkt womöglich, man „brauche das“ nicht mehr, dann tut man sich selber nicht gut.

Meiner Erfahrung nach ist das bei den wenigsten Leuten der Fall. Eine sexuelle Neigung verändert sich nicht so leicht und dass sie sich völlig verflüchtigt, ist noch unwahrscheinlicher.

Ich selber war in einer Beziehung, die mit BDSM anfing und wo sich dieser Aspekt dann schnell und für immer verflüchtigt hat. Dass es für immer war wusste in dem Moment natürlich keiner von uns. Und eine Zeit lang habe ich mir BDSM dann ganz verboten. Ich habe bewusst nicht daran gedacht, sofern so etwas überhaupt möglich ist.

BDSM rückte sehr weit weg von mir oder ich sehr weit weg von BDSM. Irgendwie schien das ok. Es gab andere Dinge. Aber die Beziehung lief mit der Zeit immer schlechter, wurde immer unbefriedigender für beide und wir beendeten sie nach mehreren Jahren.

Als ich dann wieder anfing mich umso intensiver mit BDSM zu beschäftigen, merkte ich, wie sehr ich mich quasi selbst verleugnet hatte. Ich realisierte erst da richtig, wie sehr es mir vorher gefehlt hatte und wie sehr ich einen integralen Teil von mir selbst unterdrückt hatte. Dass sich das negativ auf mein direktes Umfeld und auch auf meine Beziehung ausgewirkt hat ist mir heute völlig klar. Damals habe ich es nicht bemerkt.

Was ich mit diesem persönlichen Einblick sagen möchte ist folgendes: Ja, es gibt Phasen in denen BDSM zur Nebensache wird. Das ist ok. Das kommt vor. Aber das darf nicht dazu führen, dass man sich selber verleugnet und seine Gefühle und Bedürfnisse unterdrückt.

Eine Weile mag das gut gehen, aber am Ende schadet man damit sich und denen, die man liebt. So ist es mir gegangen und ich weiß von anderen geliebten Menschen, wie ihre Ausgeglichenheit und Erfüllung in BDSM auch dem Familienleben geholfen haben. Denn wer in sich ruht und glücklich ist, der kann auch besser für andere da sein und seine Pflichten erfüllen.

In diesem Sinne, verleugnet euch nicht und vergesst auch in Phasen von Krisen und Stress nicht auf eure eigenen Bedürfnisse zu achten.

DaddyDom und LittleGirl

Vieles am BDSM ist heute im Mainstream angekommen. Leute auf der Straße tragen heute Klamotten, die früher nur als Fetisch-Kleidung denkbar waren. Dass man sich gegenseitig ans Bett fesselt oder beim Sex mal den Arsch voll bekommt, wird zumindest als Scherz schon unter Kollegen geäußert. Die ganz große Scham über BDSM scheint spätestens seit „Fifty Shades Of Grey“ dahin.

Aber es gibt sie noch, die Bereiche im BDSM, über die man nicht so gerne öffentlich redet. Spielarten, die man sich auch anderen BDSM-Interessierten gegenüber nur zögerlich zu äußern traut.

Um eines dieser Themen soll es in diesem Beitrag gehen: um DDLG, also DaddyDom und LittleGirl. Bei dieser Spielart gibt es viele falsche Vorstellungen und Vorurteile. Damit möchte ich ein wenig aufräumen.

In dieser Spielart ist der dominante Mann der Daddy oder DaddyDom und die devote Frau ist die Little oder das LittleGirl oder auf deutsch das Mädchen. Wichtig: es ist eine Spielart, in der eine erwachsene Frau gerne die Rolle einer Little oder eines Mädchens einnimmt. Die Bezeichnungen sind, wie alles andere, ganz individuell wählbar und stehen hier nur für die Rollenverteilung. Da die Variante männlicher Dom und weibliche Sub hier die wesentlich verbreitetere ist, belasse ich es dabei. Aber es gibt auch die Variante der Mommy und des männlichen Little.

Eine des häufigsten Fragen zu dieser Spielart ist sicher: geht das nicht in die Richtung von Pädophilie oder wird diese verniedlicht? Absolut nein. Denn diese Spielart wird von Erwachsenen ausgelebt. In der Pädophilie geht es den Betroffenen um den kindlichen Körper und der fällt hier nun einmal weg. Es handelt sich um eine Spielart zwischen Erwachsenen, die sich dafür entscheiden und es beide wollen. Daher gib es für mich daran rein gar nichts anrüchiges.

Was tun also nun DaddyDom und sein LittleGirl? Es handelt sich um eine Art D/s-Beziehung mit einem klaren Machtgefälle. Mit der Abwandlung, dass sich die Sub hier eben als Mädchen fühlt und so behandelt werden möchte. Und die Rolle des Doms ist meistens umsorgender und fürsorglicher als in anderen D/s-Beziehungen.

So kann es sein, dass der Daddy über Dinge bestimmt wie Schlafenszeiten, die Handy-Nutzung oder welche Filme sein Mädchen sehen darf. Aber es kann auch dazu gehören, dass er sich kümmert, dass sein Mädchen genug trinkt oder Medikamente rechtzeitig einnimmt.

Wie immer sind die Bestandteile eures BDSM frei wählbar. Ich habe dazu in einem Artikel das Beispiel des Setzkastens gewählt. Wie weit ihr in die Rolle des Daddys und der Little geht, wie viele Anteile an Strafen und reinem SM ihr dabei lebt oder ob ihr andere Fetische verwendet, ist völlig individuell.

Manche Littles wollen sehr jung sein, mit Stofftieren spielen und Windeln tragen. Andere sehen sich hauptsächlich beim Sex in ihrer Mädchen-Rolle und genießen im Alltag nur die Dinge, die eben an Kontrolle machbar sind. Da gibt es endlos viele Abstufungen und womit ihr euch gut fühlt, das solltet ihr machen. Wenn es euer Kick ist, dass Daddy seine Little mit Kartoffelbrei füttert, dann nur zu. Wenn ihr es reizvoll findet, dass die Little ihren Daddy bekocht und verwöhnt, dann ist auch das ok.

Eine Little muss keine bestimmten Requisiten verwenden oder ein bestimmtes Alter haben. Da ist erlaubt, was gefällt. Und das ist wichtig zu wissen. Denn schon oft ist mir die Aussage begegnet „ich bin aber keine die gerne Windeln trägt“ oder „aber ich mache mir keine Zöpfe und trage nur noch rosa“. Das ist nicht der Punkt. Wie das meiste was mit D/s zu tun hat, fängt auch DDLG im Kopf an. Und was man dann daraus macht, welches Alter man will, was die Little gerne tut etc., das ist ganz individuell.

Mit die wichtigste Erfahrung für die Little, für das Mädchen, ist die Geborgenheit und die Fürsorge, die es vom Daddy bekommt. Das steht aber in keinerlei Widerspruch zu BDSM-Praktiken, wie manche meinen. Auch LittleGirls können Aufgaben und Regeln haben, wie in anderen D/s-Beziehungen. Und sie können bestraft werden, wenn sie die Regeln nicht befolgen. Strafen kann gerade in dieser Konstellation zwischen Daddy und Mädchen besonders intensiv sein.

Und selbstverständlich gehört auch Sex zu dieser Spielart. Wenn beide es wollen, sollte ich einschränken. Manche Littles wollen vielleicht keinen Sex. Auch das ist ok, wenn beide damit einverstanden sind. Aber die meisten Littles sind Frauen, die auch Sex wollen. Und das dann auch als LittleGirl.

Wenn ihr also solche Neigungen habt, dann steht dazu. Sie sind genauso in Ordnung wie alle anderen aus dem BDSM-Spektrum. Und wie erwähnt, was DDLG alles beinhaltet und was nicht, das bestimmt ihr. Wie bei allem, was mit BDSM zu tun hat: lasst euch nicht davon abschrecken es auszuleben, nur weil ihr gehört habt, dass etwas dazu gehört, was ihr persönlich NICHT wollt. Dann lasst diesen Teil einfach weg.

An Fantasien in denen ihr einen Daddy habt und Mädchen sein wollt, ist nicht verwerfliches. Traut euch und sprecht es an, wenn ihr potentiellen Partnern begegnet. Und vielleicht lebt ihr es dann auch mal aus. Es kann auch befreien.

In der Fantasie ist alles erlaubt

Schämt ihr euch für eure Fantasien? Ja? Lasst es sein. Denn es gibt wirklich keinen Grund dafür. Ihr steht euch selber im Weg und schadet euch womöglich sogar. Glaubt mir.

Sexfantasien sind etwas ganz normales. Und gerade um Bezug auf BDSM sind sie allgegenwärtig. Während die Mehrzahl der Menschen mit Sex „irgendwie anfangen“ beschäftigen sie sich mit BDSM meistens sehr lange, ehe sie dann zur Tat schreiten. Viele fantasieren also vorher von BDSM. Und nicht wenige schämen sich zu Beginn für ihre Fantasien.

Gerade emanzipierte Frauen hadern damit, dass sie Fantasien haben in denen sie von Männern dominiert, geschlagen oder erniedrigt werden. Da kommen dann Fragen auf wie „Darf mich das anmachen?“. Und ich sage: eindeutig Ja!

Auch später gibt es immer wieder Fantasien, die heikel erscheinen und bei denen manche ein schlechtes Gewissen bekommen oder sich schämen. Fantasien von Vergewaltigung. Fantasien von erzwungenem Sex mit dem eigenen Geschlecht. Und das ist nur die Spitze des Eisberges. Auch da kommen Fragen auf wie „Darf mich das anmachen?“. Und auch hier sage ich: natürlich!

In der Fantasie ist ALLES erlaubt. Und damit meine ich wirklich alles. Denn niemand kann etwas für seine Fantasien. Und mit Fantasien schadet man auch niemandem. Das ist die Hauptsache. Für Fantasien muss man sich auch nicht schämen.

Potentiell problematisch wird es erst, wenn man anfängt Fantasien auszuleben. Wenn es so weit kommt, dann stehen mehrere Dinge im Vordergrund: dass man niemandem schadet, die Sicherheit aller Beteiligten und dass alle Beteiligten freiwillig mitmachen und Spaß daran haben.

Zum Thema Sicherheit in BDSM habe ich ja in meinem Artikel SSC oder RACK? WTF? einiges geschrieben und die Freiwilligkeit sowie der Spaß sollten selbsterklärend sein.

Aber auch, wenn man die Fantasien nicht ausleben will, kann es gut und hilfreich sein, sie mit dem Partner zu teilen. Denn so lernt man sich besser kennen. Und man kann gemeinsam überlegen, ob man die Fantasien abgeschwächt und somit „sicher“ in das gemeinsame BDSM-Szenario einbaut.

Oder man nutzt sie als gemeinsames Kopfkino während der Sessions.

Eine der mit Sicherheit beliebtesten BDSM-Fantasien von Frauen ist, dass der Dom sie unter seiner Aufsicht von einem Fremden sexuell benutzen lässt. Wenn man will, dann kann man sich dafür jemanden suchen. Aber manche genießen das eben nur als Fantasie. Dann kann man als BDSM-Paar einbauen, dass der Dom beispielsweise damit droht oder es ihr ankündigt, wenn sie „nicht brav“ ist etc.

So kann man jegliche, auch die verrückteren Fantasien einbauen und sie als Kick nutzen, ohne große Risiken einzugehen oder Abstürze zu riskieren.

Denn auch das kann passieren. Oftmals ist das, was man in der Fantasie extrem geil findet dann in der realen Umsetzung überhaupt nicht geil. Jahrelang hat man gedacht, dass einen eine bestimmte Spielart richtig heiß machen würde und dann kommt der Absturz, wenn es an die reale Umsetzung geht.

Damit muss man immer rechnen und auch dem kann man vorbauen, in dem man es als gemeinsames Kopfkino integriert und somit antestet. Allerdings ist völlig klar, dass man das reale Erlebnis nie wird testen können. Garantien gibt es da einfach keine.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist: oft sind die Fantasien die man so hat und die einen anmachen ja auch viel wilder und extremer als das, was man real gut findet. Auch das ist völlig normal. Dessen muss man sich nur bewusst sein, wenn man sich darüber austauscht.

Eine Frau die vielleicht davon fantasiert einen Gangbang mit 20 Kerlen zu haben, die sie stundenlang abwechselnd ficken, kann in der Realität schon von einem zweiten Mann beim Sex überfordert sein. Oder gar keinen anderen dabei haben wollen. Fantasien sind oft extrem und sollen es auch sein. Unter anderem dafür sind sie da.

Also egal was in euren Fantasien so vorgeht. Seien es brutale Vergewaltigungen, extreme Erniedrigungen, Ausbildung zur Hure, einem fürsorgliche aber dominanten Daddy gehören, Vorführung vor Männerrunden, Gangbangs, extreme Schmerzen usw.: macht euch nicht verrückt, dass etwas mit euch nicht stimmt.

Sehr sehr viele da draußen haben solche Fantasien ist und das ist völlig ok. Bei allen BDSM-Fantasien gilt sowieso „es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird“. Meistens lebt man sie also nicht so extrem aus, wie sie im Kopf sind. Manche Fantasien sollen auch nie ausgelebt werden. Auch das ist völlig ok.

Und wenn ihr einen verständnisvollen BDSM-Partner gefunden habt, dann teilt eure Fantasien und sehr gemeinsam, was ihr daraus machen wollte und könnt. Meiner Erfahrung nach ist das der beste Umgang mit Fantasien für alle Beteiligten.

 

Erniedrigung: Ein weites Feld

Erniedrigung ist für mich im Kontext von BDSM ein besonders spannendes Thema. Daher habe ich mich auch bereits in einem meiner ersten Beiträge damit befasst. Da es aber ein so umfangreiches und komplexes Thema ist, möchte ich noch einmal darauf zurückkommen. Vermutlich ist es aber für ein besseres Verständnis der Thematik sinnvoll auch den ersten Artikel zu lesen.

Erniedrigung im Kontext von BDSM ist das Spiel mit Dingen, die man nicht wirklich mag. Die jenseits des Wohlfühlbereichs liegen. Bei denen man es aber genießt und erregend findet, wenn man dazu gebracht wird sie zu tun. Oder wenn andere sie mit einem tun.

Und um auch das noch einmal klar zu sagen: es ist völlig ok, ich wiederhole VÖLLIG OK auf Erniedrigung zu stehen. Ihr tut damit niemandem weh, es macht den beteiligten Spaß und erregt sie. Also was soll falsch daran sein?

Was ist nun Erniedrigung genau? Das können für die Einen vergleichsweise klein wirkende Dinge sein, wie sich selber dem Dom gegenüber als „Hure“ oder „Fotze“ bezeichnen zu müssen. Das können aber auch ganz andere Handlungen sein, wie beispielsweise „Forced Bi„, also „erzwungene“ sexuelle Handlungen mit dem eigenen Geschlecht. Und die eben nicht aus der eigenen Neigung heraus, sondern in dem Fall als Erniedrigung, weil man eben selber eigentlich nicht darauf steht. Der Reiz ist in dem Fall eben, zu etwas „gezwungen“ zu werden, auf das man nicht steht, das als erniedrigend zu empfinden und DARAUS den sexuellen Kick zu ziehen.

Klingt kompliziert? Ist es manchmal auch. Aber wenn man den Dreh verstanden hat und gut darüber kommuniziert, dann wird es auch wieder ganz einfach.

Erniedrigung ist also wie erwähnt ein weites Feld. Aber eines zeigen uns die beiden oben erwähnten Beispiele. Erniedrigung kann sowohl in den ganz kleinen, als auch in den spektakuläreren Dingen liegen.

Zwei absolute Klassiker der Erniedrigung sind Ohrfeigen und Anspucken. Beides ist geschichtlich gesehen schon immer als Erniedrigung eingesetzt worden und diente dann nicht selten als Anlass für Duelle. Man kann also getrost von Klassikern sprechen. Und beides sind totale Tabubrüche.

Ohrfeigen greifen per Definition in unseren persönlichen Bereich ein, gehen ins Gesicht, was wir nur sehr ausgewählten Personen in unserem Leben erlauben.
Und jemanden anzuspucken ist sowieso ein Tabubruch. Wie alle Körperflüssigkeiten ist auch der Speichel mit Tabus behaftet und wird beim Küssen intim geteilt, ansonsten aber schön für sich behalten. Mit der Intention zu erniedrigen ins Gesicht oder auf andere Körperteile gespuckt, trifft es die meisten Menschen an sehr empfindlichen Stellen. Es drückt ohne den BDSM-Kontext Missachtung aus und rührt daher wie die Ohrfeige auch, ganz tief in uns.

Wo wir bei Körperflüssigkeiten sind: auch Natursekt wird von manchen als Erniedrigung gerne eingesetzt. Und auch Leute, die sonst nicht darauf stehen, können über den Weg der Erniedrigung einen Kick daraus ziehen.

Für nicht wenige Frauen ist es meiner Erfahrung nach auch schon eine Überwindung und eine kleine Erniedrigung die Beine zu öffnen und sich so zu zeigen. Sich dann anzufassen und vor den Augen des Dom zu befriedigen ist dann natürlich die logische Steigerung. Auch das oft eine sehr wirkungsvolle Mischung aus Erniedrigung und Erregung.

Ein weiteres Beispiel für eine eher subtile Erniedrigung kann Kleidung in der Öffentlichkeit sein. Sub ein Kleidungsstück in aller Öffentlichkeit und sei es nur beim Einkaufen tragen zu lassen. Kein provokantes oder auffallendes. Aber eines, dass Unwohlsein auslöst. Eine Farbe die als zu knallig oder einen Rock, der als zu kurz empfunden wird. Das muss ja objektiv gar nicht stimmen. Es kommt nur auf das persönliche Empfinden an. Das wird dafür sorgen, dass sich der Einkauf so anfühlt, als würden alle Sub anstarren. Als wäre Sub bloßgestellt. Das kann wieder eine sehr spannende Art der Erniedrigung sein.

Erniedrigung kann also in sehr vielem liegen. Auf allen Vieren gehen zu müssen oder aus dem Napf essen. Dinge, die den meisten bei dem Thema schnell einfallen. Wie erwähnt natürlich die verbale Erniedrigung. Aber auch in den ganz kleinen Dingen, die kaum jemandem auffallen. Dieser wiederum sind vielleicht erst ersichtlich, wenn man sich schon etwas kennt und so die Empfindlichkeiten besser einschätzen kann.

Scheut euch also nicht zu experimentieren und herauszufinden was funktioniert. Die Klassiker können sehr wirksam sein. Aber nicht alles was ein Klassiker ist muss auch gemacht werden. Manchmal sind die ganz individuellen Dinge besonders spannend. Die auf die nur ihr kommt, weil sie ganz persönlich sind.

Übrigens gibt es für manche noch eine spannende Metaebene. Manche finden es erniedrigend einzugestehen, dass Erniedrigung sie anmacht. Sie dann dazu zu bringen es zu sagen oder schlicht anhand der sexuellen Erregung vorzuführen „das macht dich an und ich weiß es“, kann auch wieder als Erniedrigung dienen. Ein Teufelskreis aus Erniedrigung und Erregung sozusagen.

Erniedrigung kann also extrem vielfältig sein. Sie kann im Bruch der Konventionen und in Tabubrüchen liegen. Genauso aber in den Dingen, die ganz persönlich und individuell als unangenehm empfunden werden. natürlich ist aber auch nicht jede Erniedrigung auch mit einem sexuellen Reiz verbunden. Auch nicht, wenn man sonst auf Erniedrigung steht.

Natürlich ist es ein heikles Thema. Es ist nicht leicht dem Gegenüber einzugestehen, dass man es erregend findet erniedrigt zu werden. Ich als Dom frage daher meist danach, um eine Brücke zu bauen. Redet darüber, probiert euch aus und steht dazu.

Und wenn ihr Beispiele kennt, die ihr ungewöhnlich findet, dann bin ich sehr neugierig. Schreibt sie gerne in die Kommentare.

Mit Checkliste zum BDSM-Partner

Natürlich kann man Glück haben. Man kann einfach gefunden werden. Plötzlich steht der Dom vor einem. Plötzlich findet man seine Sub online. Oder unerwartet und ohne zu wissen was man sucht, findet man auf magische Weise seinen Daddy.

Aber dieses Glück haben die wenigsten. Wie also findet man seinen passenden BDSM-Partner? Was kann man tun und worauf sollte man achten?

Patentrezepte gibt es nicht. Wenn, dann würde ich mit einer Partnervermittlung reich werden. Aber, es gibt ein paar Dinge die man beachten kann und die dann die Chance erhöhen.

  1. Wissen was man selber mag
    Die Voraussetzung dafür, dass man jemanden findet der zu einem passt ist natürlich, dass man selber über sich weiß, was man mag. Wer seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche kennt, der hat größere Chancen ein Gegenüber zu finden, dass diese Bedürfnisse erfüllt. Es gilt also herauszufinden, welche Form von BDSM man selber mag. Schläge? Bondage? Erniedrigung? Alles ist möglich und es muss auch nicht zwingend zueinander passen. Wie sich die Neigung eines Einzelnen zusammensetzt ist völlig individuell. Wer sich für dieses Thema interessiert mann dazu mehr nachlesen in meinem Artikel zu BDSM als Setzkasten.
    Also informiert euch, lernt die Begriffe unter denen eure Vorlieben bekannt sind. Probiert euch aus. Testet, ob euer Kopfkino auch in der Realität so geil ist wie erhofft.
  2. Die Suche beginnt
    Sobald ihr mehr über euch wisst und wisst, wie die Dinge heißen die ihr mögt, sind die Chance schon gestiegen, jemanden zu finden, mit dem es auch passen könnte. Wenn ihr also die Dinge auch real erleben wollt, dann macht euch auf die Suche. Dafür gibt es ebenfalls kein Patentrezept. Manche schwören auf Partys oder Stammtische. Andere suchen auf Kontaktseiten im Netz. Und bevor ihr fragt: ich kann da keine gute Seite empfehlen. Da ist viel Geschmackssache dabei.
    Auch ob man erst diskret im Netz sucht oder direkt live auf eine Veranstaltung geht, ist reine Geschmackssache. Beides kann klappen, beides kann schief gehen. Den einzig richtigen Weg gibt es auch hier nicht.
  3. Kommunikation ist alles
    Habt ihr jemanden gefunden, dann denkt daran: am Anfang ist Kommunikation alles. lasst euch vom Gegenüber nichts aufschwatzen. Sagt, was ihr mögt und was nicht. Seid offen und ehrlich. Wenn ihr auf Dinge steht, dann sprecht es an. Wenn ihr auf Dinge die das Gegenüber will keine Lust habt, dann sagt auch das ganz offen. Wenn es dann nicht passt, dann passt es eben nicht.
    Wenn ihr die Chance auf guten und erfüllenden BDSM haben wollt, dann muss die Schnittmenge der gemeinsamen Vorlieben und Wünsche groß genug sein. Da helfen anderweitige Sympathie oder Anziehung nichts. Wenn der eine Partner einen Windelfetisch hat, der andere mag Petplay und man kann wechselseitig mit der Vorliebe des Gegenübers nichts anfangen, dann retten die tollen blauen Augen oder der Traumbody auch nichts mehr.
    Und natürlich solltet ihr ehrlich bei dem sein was ihr sucht. Wenn ihr etwas Festes sucht, dann sagt es genauso, wie wenn ihr nur eine Affäre sucht. Das beugt Enttäuschungen vor.
  4. Bauchgefühl und Sicherheit
    Habt ihr festgestellt, dass es passen könnte und nun wollt ihr euch treffen? Jetzt ist das Bauchgefühl ganz wichtig. Treibt euch nur die Lust, endlich die Fantasien auszuleben oder habt ihr auch bei dem Menschen ein gutes Gefühl? Auch im BDSM-Bereich laufen Spinner beiderlei Geschlechts herum. Nur weil ihr geil seid, solltet ihr nicht den Verstand ausschalten.
    Und wenn ihr auf Nummer sicher gehen wollt, dann lasst euch covern. Wenn das Gegenüber etwas dagegen hat, dann Finger weg. Niemand der vernünftig ist, hat etwas gegen solche Sicherheitsmaßnahmen. Auch ist es völlig ok, sich erst einmal auf neutralem Boden zu treffen. Und kommt es zum Treffen, habt ihr immer noch die Möglichkeit einen Rückzieher zu machen. Auch eine weite Anreise verpflichtet euch zu nichts. Niemand muss sofort loslegen um womöglich zu beweisen „eine richtige Sub“ zu sein. Seid als mutig, aber nicht übermütig.

Wenn ihr diesen Regeln folgt, dann ist ein tolles BDSM-Erlebnis oder gar eine Beziehung natürlich nicht garantiert. Wie gesagt, sobald ich das bombensichere Rezept habe, mache ich meine Partnervermittlung auf und werde reich. Aber diese Checkliste sollte euch helfen, einige der gröbsten Fehler bei der Suche gar nicht erst zu machen. Vollständig ist die Liste dabei sicher nicht. Sicher kann man sie ergänzen. Vielleicht schreibe ich ja mal eine Ergänzung. Aber bis dahin hilft euch diese Version hoffentlich schon etwas weiter.

Also los, traut euch, informiert euch, werdet dabei aber nicht übermütig.