BDSM und Liebe

Für viele Leute scheint es die Gretchenfrage zu sein: muss man sich erst verlieben, um BDSM mit jemandem ausleben zu können?

Jetzt könnte ich es kurz machen und sagen, dass es die einen eben so und die anderen so sehen. Aber hey, wenn ich es mir immer so einfach machen wollen würde, dann würde ich ja keinen Blog schreiben. Also mache ich es mir etwas schwerer.

Auch beim Vanillasex gibt es Leute, die sagen: „Ich kann nur Sex haben, wenn ich mich verliebt habe.“ Und es gibt die, die auch One Night Stands mit Fremden toll finden. Ähnlich verhält es sich beim BDSM. Manche haben Spaß daran, sich auf Fremde einzulassen und andere brauchen viel Vertrauen und Intimität, um sich fallen lassen zu können. So weit sind die Unterschiede zum Vanillasex bei vielen noch nicht sehr groß.

Aber es gibt auch Unterschiede, die die Situation besonders machen. Praktiken, die manchen Leuten im BDSM leichter fallen, wenn sie es mit Fremden zu tun haben oder mit Leuten, zu denen sie keine starke emotionale Bindung haben.

Ich gehe einmal davon aus, dass wir uns über die Graustufen einig sind. Man kann Sex mit der Liebe seines Lebens haben, auch mit völlig fremden und mit Menschen die man mag, aber nicht liebt. Ich definiere das jetzt nicht alles immer einzeln, sondern formuliere da pauschaler.

Beispielsweise ist es für manche einfacher, jemanden zu ohrfeigen, den sie noch nicht lange kennen. Jemanden, mit dem sie vereinbart haben, dass die Praktik gewollt ist, zu dem sie aber keine emotionale Bindung haben. Jemanden zu ohrfeigen, den man liebt, ist für solche Menschen dann deutlich schwieriger.

Auch das Thema Erniedrigung im allgemeinen ist eines, das solche Probleme mit sich bringt. Manche Erniedrigung ist schlicht einfacher durchzuziehen, wenn man keine emotionale Bindung hat. Dass Sub diese Behandlung genießt und will ist dabei dann egal. Wer wirklich liebt, dem wird es nicht gleichgültig sein den geliebten Menschen zu erniedrigen. Und das dann zu abstrahieren und zu sagen „Er oder sie will das“, kann einiges an mentaler Arbeit bedürfen. Manchmal gelingt es auch dann nicht. Je nachdem, wie extrem die gewollte und gewünschte Erniedrigung ist.

Beispielsweise mag es einem Dom leicht fallen, eine Sub als „Schlampe„, „Hure“ oder „Nutte“ zu bezeichnen. Je nachdem, was das gewünschte Wort der Wahl und was der Trigger ist. Wenn sie dann aber die Mutter seiner Kinder ist, fällt es schon schwerer. Das ist menschlich und man sollte als Paar darüber reden warum das so ist und wie man damit umgeht.

Ein weiterer Punkt ist eine Praktik wie Verleih oder Vorführung. In einer Spielbeziehung, in der das Vertrauen groß genug ist und man sich auf so etwas einigt, ist das vielleicht kein Problem. Wenn aber die Gefühle groß sind und man den Menschen liebt, dann ist der Vorgang, diesen Menschen anderen zur „Benutzung“ zu überlassen, plötzlich unerträglich.

In den meisten dieser Fälle liegt das Problem im Kopf dessen, der aktiv ist. Also der Dom hat das Problem und muss sich dem stellen. Entweder er lernt diese Blockade zu überwinden oder er verzichtet auf gewisse Praktiken, oder er lebt sie anderweitig aus.

Ich persönlich finde das nicht problematisch. Denn es gibt ja auch noch die Kehrseite der Medaille. Die Praktiken, die erst dann spannend werden, wenn Gefühle im Spiel sind. Oder die, die besser und vielleicht erst richtig gut werden, wenn die nötige Nähe und Intimität da ist, die sich mit Gefühlen und in einer intensiven Beziehung entwickeln.

Viele D/s-Praktiken sind in einer Spielbeziehung, in der man sich nur alle paar Wochen sieht, einfach nicht machbar. Dinge, die uns an D/s kicken und bereichern, entfalten ihre Wirkung erst, wenn es eine gewisse Routine unter den Partnern gibt.

So verliert man vielleicht etwas, man gewinnt aber auch viel, wenn sich eine Beziehung entwickelt. Was jeder persönlich mag und bevorzugt, ist dann ganz individuell. Die einen wollen den Kick aus dem, was durch emotionale Distanz leichter fällt. Die anderen ziehen ihre Befriedigung aus dem, was durch Nähe und Intimität besser oder erst möglich wird.

Wie immer ist es wichtig, sich darüber klar zu werden, was man selber möchte und was einen reizt. Und dann ist es wichtig, das auch klar zu kommunizieren. Zumindest dann, wenn es Fragen und Differenzen dazu gibt. Denn wahr ist auch: man muss nicht zerreden, was funktioniert.

3 Gedanken zu “BDSM und Liebe

  1. Ein schöner Beitrag, den ich so unterschreiben würde. Um Jemanden wirklich tief zu berühren (zu unterwerfen), ist eine gewisse Vertrauensbasis unerläßlich, im Idealfall sogar Liebe.

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  2. Der Beitrsg ist gut. Etniedrigung ist ein breites Feld. Die Defination ist so unterschiedlich wie es Menschen gibt. Wichtig ist für alle jedoch das Vertrauensverhältnis zwischen beiden. Das muss stimmen. Die Sub muss sich darauf verlassen können, dass sich aufgefangen wird. Der Dom muss wissen, dass er ihr keine bleibenden Schäden zufügt. Es muss Einigung bestehen, dass die Erniedrigung Bestandteil des Spieles ist, das einvernehmlich abläuft. Im realen Leben herrscht Gleichberechtigung auf Atugenhöhe.

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  3. Schöner Beitrag – auch wenn ich den Part der Sub hier etwas klein gehalten finde. Ich denke es ist ein breites Feld, wo jeder anders mit umgeht. Ich denk mir allerdings, vor allem beim Thema Erniedrigung, dass man seinen (Spiel-)Partner schon gut kennen muss, um die richtigen Bereiche zu treffen.

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