„The Duke of Burgundy“

„The Duke of Burgundy“ ist ein schwieriger Film. Ich kann nicht behaupten, dass er mir besonders gefallen hätte. Aber er enthält einige interessante Aspekte zum Thema BDSM und daher bespreche ich hier dennoch.

Wie immer warne ich vor, dass es ab hier massive SPOILER geben wird.

Cynthia und Evelyn sind ein paar. Sie leben eine Form von BDSM miteinander aus, die sehr stark auf D/s, also Dominanz und Unterwerfung basiert. Cynthia gibt dabei die Befehle und Evelyn befolgt sie brav. Ist etwas nicht zu Zufriedenheit von Cynthia, dann bestraft sie Evelyn. Nicht selten, in dem Sie sie als Toilette benutzt.

In den ersten Minuten des Films scheint es also, als würde Cynthia hier alles bestimmen. Aber sehr schnell erfahren wir, dass es eigentlich Evelyn ist, die vorgibt was passiert. Sie gibt ihrer Partnerin auf kleinen Kärtchen Wort für Wort vor, was diese tun und was sie dabei sagen soll. Und sie reagiert sehr enttäuscht bis wütend, wenn Cynthia davon abweicht. Außerdem fordert sie immer weiter führende Praktiken von ihrer „Herrin“.

Besonders absurde Formen nimmt das an, wenn sie verlangt, dass Cynthia sie mit einer Handlung in den nächsten 24 Stunden „überraschen“ solle: „Aber nicht in der ersten Stunde, das wäre zu offensichtlich. Und nicht in der letzten Stunden. Bis dahin bin ich zu frustriert.“ sagt sie. „Also in den nächsten 22 Stunden?“ fragt darauf hin die befehlsempfangende Domina.

Das ganze Problem der Beziehung wird hier deutlich. Denn Cynthia macht das alles nur aus Liebe zu Evelyn. Sie selber hat daran so gut wie keinen Spaß. Sie genießt den Sex den sie danach haben sehr. Aber die aufwändigen Inszenierungen, die sich auch noch ständig wiederholen, sind ihr nur Last und keine Lust.

Das war es eigentlich auch schon. Mehr Handlung hat der Film nicht. Der Konflikt zwischen den Bedürfnissen der beiden Frauen und wie ihre Beziehung darunter leidet. Angereichert durch eine Symbolik die gänzlich an mir vorbei gegangen ist.

Um zuerst das Positive zu sagen. Ich fand Sidse Babett Knudsen, die die Cynthia spielt großartig. Ich mag sie schon seit der Serie „Borgen“ sehr und hier brilliert sie erneut. Desweiteren spielt alles in einer offenbar sehr spannenden Welt, in der Fetische und BDSM völlig normal und keinerlei Grund für Scham sind. Scheinbar lebt hier jeder offen seine Neigungen. Über diese Welt hätte ich gern mehr erfahren.

Außerdem ist es sehr wohltuend, dass die BDSM-Neigung hier zu keiner Zeit problematisiert wird. Kein „Was stimmt mit dir nicht?“, kein Leidensdruck seitens Evelyn, warum sie ist wie sie ist und keine Opfergeschichte. Sie steht einfach darauf und gut. Das hat mir gut gefallen. Ihr Neigung ist nicht das Problem. Nur, dass ihr Gegenüber sie eben nicht teilt.

Und da kommen wir zur Lehre des Films. Zumindest zu der, die ich daraus (erneut) ziehe. BDSM kann eben nicht funktionieren, wenn nur ein Part daran Spaß hat. Wie Evelyn in dieser Konstellation überhaupt Lust haben kann ist mir sowieso schleierhaft. Sie gibt haarklein vor was ihre „Herrin“ tun soll. Dass ihr das dennoch solche Lust bereitet, halte ich für unrealistisch. Vor allem aber leidet Cynthia extrem unter der ihr fremden Sexualität. Sie kann ihr nichts abgewinnen und so funktioniert es auch alles eher schlecht als recht.

Ständig bekommt sie Kritik wie „kannst du das nicht nicht etwas bestimmter sagen“ oder „nächstes Mal improvisiere ein bisschen besser“. Es ist ein Graus und ein Paradebeispiel dafür, wie BDSM nicht sein sollte. Cynthia hat keinen Spaß und warum Evelyn Spaß hat erschließt sich zumindest mir nicht. 90% aller devoten Frauen hätten an dieser Art „Dominanz“ mit Sicherheit keinen Spaß.

Aber selbst wenn sie Spaß hat: BDSM soll beiden ein Bedürfnis sein und Freude machen. Wenn einer es ausschließlich nur macht um dem anderen eine Freude zu machen, dann mag das bei Fußmassagen oder einigen Sexpraktiken noch ok sein. Seinen gesamten Lebensstil und seine Beziehungsform aber auf etwas aufzubauen, dass einer eigentlich gar nicht mag und empfindet? Bitte nicht. Wirklich: BITTE NICHT.

Wer sich also einen Kunstfilm anschauen mag, in dem man sieht, wie man BDSM möglichst NICHT ausleben sollte, der ist hier gut beraten. Ansonsten würde ich lieber noch einmal „Secretary“ empfehlen. Da haben wenigstens beide ihre Freude daran.

2 Gedanken zu “„The Duke of Burgundy“

  1. Achtung Spoiler!
    Wir haben den Film auch gesehen, allerdings ist es nun schon fast ein Jahr her. Trotz allem ist er mir immer noch im Gedächtnis, schon allein weil mein Partner es lustig fand, dass die Sub wollte das man sich stundenlang auf ihr Gesicht setzt 🙂 für ihn ist das immer noch ein Running Gag. Die Symbolik mit den Insekten hat sich mir auch nicht ganz erschlossen, aber mir hat die Beziehung der beiden gefallen und das zur Abwechslung einmal gezeigt wird, dass auch ein Dom nicht immer Herr der Lage ist. Der Film zeigt auch (sehr speziell) aber deutlich was es bedeutet, dass eigentlich der Sub die Macht hat und bestimmt was geschieht und was nicht. Schade finde ich am Ende nur, dass die beiden es trotz einer Aussprache nicht geschafft haben ihre Bedürfnisse auf einander ab zu stimmen und sie wieder im selben einseitigen Trott enden. So was wünscht man sich für keine BDSM Beziehung und ist auf Dauer auch alles andere als Gesund. Sobald einer Zweifel hat, lässt man die Sache ruhen, egal wie wichtig es dem anderen Partner ist.

    Gefällt mir

    • Danke für dein Feedback. Mich hat an dem Film viel gestört und so habe ich es ja auch geschrieben. Für mich läuft in diesem Film in Sachen BDSM so ziemlich alles verkehrt. Vielleicht kann man aus ein paar Details etwas ziehen. Aber empfehlen kann ich den Film in diese Richtung sicher nicht.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s