Im Verhör, Teil 2

Fortsetzung von Teil 1

Wie lange fuhren Sie inzwischen? Angie hatte jedes Zeitgefühl verloren. Von Zuhause aus war sie drei Stunden zum vereinbarten Treffpunkt gefahren. Sie hatte angenommen, dass sie so lange gefahren war, bedeutete, dass Sie in der Nähe des „Gefängnisses“ sein würden. Aber nun lag sie mindestens schon eine Stunde mit diesem Sack über dem Kopf, nackt und gefesselt auf der Ladefläche dieses SUVs. Oder waren es schon zwei Stunden? Sie wusste es nicht und die lange Fahrt bedeutete auch, Sie konnte mittlerweile überall sein.

Was es noch schlimmer machte war, dass sie seit etwa einer halben Stunde pinkeln musste und der Drang wurde immer stärker. Was sollte Sie nur tun, wenn sie es nicht mehr würde halten können? Einfach ins Auto der Obersten Instanz pinkeln? Das wäre unglaublich peinlich. Außerdem würde das gleich einen hervorragenden Eindruck bei den Leuten machen, von deren Wohlwollen Sie die nächsten Tage vollkommen abhängig sein würde.

Da spürte sie, dass der Wagen langsamer wurde und schließlich stoppte. „Endlich!“, dachte Angie und wartete darauf endlich aus dem Auto gelassen zu werden.

Sie hörte, wie die Wagentüren sich öffneten, aber niemand öffnete die Heckklappe. Schritte entfernten sich. Dann war Stille. Aber nicht lange und sie konnte hören, wie die Schritte wieder näher kamen.

Die Heckklappe wurde nun doch geöffnet. Aber anstatt, dass Angie herraus geholt wurde, spürte sie, wie ein zweiter Körper auf die Ladefläche gelegt wurde.

Noch ehe Angie sich von der Überraschung erholen konnte, fuhr der Wagen wieder an. Sie spürte einen Fuß in ihrem Gesicht. Aber sie hatte den Knebel im Mund und war regungslos gefesselt. Sie konnte sich nicht rühren und nichts sagen. Auch von der anderen Person kam kein Ton.

Die Fahrt ging weiter und Angies Herz klopfte immer stärker.

Sie konzentrierte sich mit aller Kraft darauf dem Drang pinkeln zu müssen nicht nachzugeben. So verstrich noch mehr Zeit. Langsam fing Angie an sich zu fragen, ob sie womöglich ins Ausland geschafft würde. Ob sie sich auf irgendeine verrückte Sache eingelassen hatte, die sie unterschätzt hatte.

Da verlangsamte sich die Fahrt erneut und endlich wurde die Heckklappe geöffnet und ohne ein Wort wurde Angie aus dem Auto gezerrt.

„Ich gehe sie anmelden.“, hörte Angie die Stimme des Mannes. Nicht zum ersten Mal fragte sie sich, wie viele Leute an dieser Sache beteiligt waren.

Sie spürte, wie die Fesseln um ihre Knöchel entfernt wurde und wie sich etwas um ihren Hals legte. Ein Ruck brachte sie fast aus dem Gleichgewicht. „Mitkommen!“, hörte sie die weibliche Stimme und sie wurde am Hals nach vorne gezogen.

Stolpernd machte sie ein paar Schritte. Sie war barfuß und stieß sich mehrfach die Zehen oder trat auf einen Kiesel oder ähnliches, aber sie wurde immer wieder nach vorne gezogen.

Einige Minuten später, in denen sie offenbar über Steine, Schutt und Kies gelaufen war wurde ihr befohlen stehen zu bleiben.

Der Sack wurde ihr vom Kopf gezogen. Sie befand sich in einem geräumigen Innenhof, der umgeben war von völlig verfallenen Gebäuden. Überall kaputte Fensterscheiben, sogar einige eingefallene Mauern. Der Gebäudekomplex musste schon vor langer Zeit verlassen worden sein und seitdem leer stehen.

Es war noch hell, aber es schien später Nachmittag zu sein. Vor ihr standen vier Personen. Alle in der gleichen dunklen Kleidung sowie den gleichen Brillen und Mützen. Die Frau war dabei, die Angie schon gesehen hatte und drei Männer.

Ein kurzer Blick zur Seite und sie sah eine zweite nackte Frau. Vermutlich die Frau, die mit ihr im SUV gelegen hatte. Vom ersten Blick schien sie deutlich älter als Angie selbst zu sein. Aber der Blick der Frau war starr geradeaus gerichtet. Daher konnte sie nicht viel erkennen.

„ACHTUNG!“ erscholl eine laute Stimme aus der Gruppe vor ihr und Angie richtete ihren Blick wieder nach vorne auf den Mann, der einen Stock in der Hand hielt, aus dessen einem Ende zwei Metallstifte zu ragen schienen. Er hielt den Stock in der rechten und klopfte sich damit immer wieder in die linke Handfläche.

„Ihr seid Gefangene der Obersten Instanz. Ihr wisst, warum ihr hier seid. Das kann für euch alles einfach oder auch sehr, sehr schwer werden. Das liegt ganz an euch. Wenn ihr uns verratet was wir wissen müssen, dann kann das hier ganz glimpflich ablaufen und ihr müsst nur eure Zeit absitzen. Aber wenn nicht…“

Da fiel Angie wieder ein, dass sie sich einige Angaben wie Orte, Zeiten und Namen hatte merken sollen. Informationen, die man aus ihr herausholen wollen würde. Dinge, die sie im Verhör würde verraten können oder müssen. Sie waren sozusagen die Währung dieses Spiels. Wenn sie sie verriet, dann wusste die Oberste Instanz, dass sie genug hatte. Dann würden die Behandlungen enden und das Spiel war vorbei.

Sie konnte sie auf einmal oder nach und nach preisgeben. Oder gar nicht. Aber diese Informationen waren das Ziel, auf dass es die Oberste Instanz abgesehen hatte. Was sie sich hatte merken sollen war folgendes: „Brian, Jean, Thomas und Isabelle. 16. Oktober. Gendarmenmarkt, Marienplatz und Römerberg“.

„VERSTANDEN?“

Angie bemerkte erst jetzt, dass der Wortführer direkt vor ihr stand. Sie hatte wohl nicht aufgepasst und nicht mitbekommen, dass er etwas gefragt hatte. Ratlos schaute sie ihn an.

„Ob Du mich verstanden hast, Du Fotze?“, sagte er und stieß ihr seinen Stock in die Seite. Im Selben Moment explodierte ihre linke Köperhälfte vor Schmerzen. Sie brüllte auf, aber durch den Knebel im Mund kam nur ein Röcheln heraus. Im selben Moment gaben ihre Beine nach und sie sank auf die Knie.

Angie bekam kaum Luft und schaute panisch um sich. Im selben Moment spürte sie die Nässe zwischen ihren Beinen. Warm lief es an ihren Schenkeln herab.

„Die hat sich angepisst. Das geht ja gut los. Schafft sie weg. Mit der fangen wir an.“

Angie wurde hochgerissen und weg geschleift. Sie konnte nicht mehr klar denken.

Ende Teil 2. Hier geht es zu Teil 3.

6 Gedanken zu “Im Verhör, Teil 2

  1. Das Setting erinnert mich an einen Artikel, den ich vor sehr lange Zeit als Jugendlicher mal in der Illustrierten „Stern“ gelesen habe, als ich noch kein Wort für dieses BDSM und dieses Gefühl hatte. Da wurden Leute beschrieben, die sich gefangennehmen und foltern ließen, bis sie vorher festgelegte Informationen verraten hatten. Dann war das Spiel vorbei. Nach ein paar Stunden oder auch erst nach einem Wochenende.

    Diese Geschichte und diese Fantasie hat mich sehr lange begleitet…

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