Im Verhör, Teil 1

Als Angie durch laute Musik erwachte, wusste Sie im ersten Moment nicht wo Sie war. Dann sah Sie den dunkel verhangenen Lichtschacht, die Glühbirne unter der Decke und den Fliesenboden und es fiel ihr wieder ein.

Sie hatte auf die Anzeige in einem BDSM-Forum geantwortet. Der Text klang einfach zu verlockend: „Willst Du echte Gefangenschaft, scharfe Verhöre und realistische Qualen erleben? Dann melde dich unter folgender E-Mail-Adresse: obersteinstanz@fantasymail.de“. Zuerst hatte Sie es für einen Scherz gehalten. Aber es rührte so sehr an Fantasien, die sie seit Jahren hatte, dass Sie nach einigen Tagen doch eine E-Mail gesandt hatte.

Am nächsten Tag kam eine Antwort und aus dieser entspann sich ein Dialog in dessen Verlauf Sie zu der Überzeugung kam, dass die Sache wohl doch ernst gemeint war.

Es folgten Nachrichten über einen anonymen Messenger und schließlich auch ein Gespräch über dessen Telefonfunktion. Sie hatten eine Gefangenschaft vereinbart die mindestens 3 Tage, maximal aber eine Woche dauern sollte. Die Tatsächliche Dauer würden die Oberste Instanz festlegen. So nannten sich ihre Gesprächspartner und so sollte auch Sie sie nennen.

So hatte sie sich eine Woche Urlaub genommen, hatte einer guten Freundin erzählt, wo sie in etwa sein würde und ab wann Sie zurück sein wollte und hatte sich in ihr Auto gesetzt. Nach einer etwa dreistündigen Fahrt war sie in der Dämmerung eines Freitag abends auf dem Parkplatz angekommen, den die Oberste Instanz ihr genannt hatte. Hätte sie nicht die GPS-Koordinaten in ihr Handy eingegeben, sie hätte den abgelegenen Parkplatz nie im Leben gefunden.

Wenige Minuten nachdem sie den Motor abgestellt hatte, rollte ein großer Geländewagen auf den Parkplatz und ein Mann und eine Frau stiegen aus. Beide hatten Sonnenbrillen auf, waren dunkel gekleidet und trugen Mützen bis tief ins Gesicht gezogen. Sie steuerten ruhig und zielstrebig auf ihr Auto zu. In diesem Moment wäre sie am liebsten sofort weggefahren. Als Alternative stand auch im Raum, sich vor Angst in die Hose zu machen. Aber ehe Sie reagieren konnte, stand der Mann an der Beifahrerseite und die Frau neben ihr an der Fahrerseite ihres Wagens.

Die Frau machte ein Zeichen, dass Sie die Scheibe senken sollte. Sie folgte der Aufforderung gehorsam.

„Sind Sie Angie L.?“ fragte die Frau.

„Ja“ brachte Angie mit zitternder Stimme hervor.

„Gut“, antwortete die Frau. „Wir sind hier, um Sie zu verhaften.“

In dieser Sekunde lief es ihr heiß und kalt den Rücken herunter und sie klammerte sich am Lenkrad ihres Autos fest.

„Aussteigen. Sofort.“ sagte die Frau.

Angie konnte sich nicht rühren.

„So-fort!“ klang die Stimme der Frau.

Angie riss sich los, betätigte den Türgriff und begann die Tür auf zu drücken. Die Frau wich zurück und der Mann von der Beifahrerseite kam herüber.

Als Angie neben ihrem Auto stand, klang die Stimme des Mannes: „Ausziehen!“

Angie erstarrte. „Jetzt? Hier?“ brachte sie hervor.

Da spürte sie einen Schmerz auf ihrer linken Wange und die begriff, dass der Mann sie geohrfeigt hatte.

„Ausziehen.“ sagte er mit ebenso ruhiger Stimme wie zuvor.

Sie sah seine Augen. Sie erinnerte sich mühsam an die Absprachen, die in den ganzen Nachrichten getroffen wurden und zitternd begann sie sich auszuziehen. Natürlich hatte sie damit gerechnet, dass es eher früher als später dazu kommen würde. Aber hier? Auf einem Parkplatz und in aller Öffentlichkeit?

Sie zog ihr Top über den Kopf, öffnete die Hose und zog sie runter. Darunter hatte sie schöne Dessous angezogen. Nicht um jemandem von der Obersten Instanz zu gefallen, sondern weil Sie sich einfach gut darin fühlte. Nun stand sie da in ihrer schönen Wäsche und vier Augen schauten sie an.

„Weiter.“ sagte der Mann.

Also zog die auch Slip, BH und Strümpfe aus und stand völlig nackt vor den beiden Fremden. Beide reagierten sofort. Der Mann beugte sich herab und sammelte ihre Kleidung ein. Die Frau trat hinter sie, zog ihre Arme nach hinten und Angie hörte nur ein Ratschen. Plötzlich waren ihre Handgelenke so aneinandergebunden, dass sie sich nicht rühren konnte. Ein weiteres Ratschen und ihre Ellenbogen waren gefesselt.

Dann traf sie ein Stoß in den Rücken und sie hörte die Aufforderung: „Zum Wagen!“.

Unterbewusst hörte sie das typische Klicken ihres Autos, wenn jemand den Schließmechanismus an ihrem Autoschlüssel bediente. Offenbar würde ihr Auto hier bleiben dachte sie noch und stolperte zu dem SUV.

An der offenen Heckklappe des großen Autos angekommen, wurde sie hineingestoßen. Sie lag nun auf einer Art Ladefläche und spürte, wie auch ihre Knöchel mit den gleichen Fesseln fixiert wurden, wie auch schon Hände und Ellenbogen. Die Frau trat vor sie und stopfte ihr ein Stück Stoff in den überrascht offenstehenden Mund. Nun bekam sie noch einen dunklen Beutel oder Sack über den Kopf gestülpt.

Das Ganze hatte keine fünf Minuten gedauert. Nun lag sie hier. Hilflos. Bewegungsunfähig. Stumm. Da hörte sie, wie der Motor des Autos ansprang.

Ende Teil 1. Hier geht es zu Teil 2.

11 Gedanken zu “Im Verhör, Teil 1

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