Der Dom als Gedankenleser

Das Tolle an so einem Dom ist ja, dass er intuitiv und ohne Fragen zu stellen genau weiß, was eine Sub will. Er geht nie zu weit, aber immer weit genug und dass nur, weil er eben Gedanken lesen kann. Ende des Artikels.

Ja, ich weiß. Viele Subs da draußen würden sich wünschen, dass es genau so läuft. Wir wissen aber alle: Das ist Quatsch und kann nicht funktionieren.

Es ist eine Binsenweisheit, aber um zu bekommen was man will, hilft es ungemein zu sagen was man will.

So leicht ist das aber nicht. Zuerst einmal fällt es ja vielen Menschen und leider vor allem vielen Frauen nicht leicht zu sagen was sie sexuell mögen oder nicht mögen. Manche wissen es sogar gar nicht so genau. Leider spielen oft anerzogene Hemmungen eine große Rolle, was es natürlich schwer macht, mit Leuten darüber zu reden, die man gerade erst kennen lernt.

Außerdem sind da diese ganzen Begriffe. Was bedeutet was? Wie definiert das Gegenüber diese dann wieder? BDSM bedeutet auch auf eine Art eine neue Sprache zu lernen. Woher soll man wissen, ob man Spanking oder Figging mag, wenn man davon noch nie gehört hat und nicht weiß, was dahintersteckt?

Auch wenn man sich die Begriffe angeeignet hat, ist es oft noch nicht leicht so etwas auszusprechen. Man mag sich zwar damit beschäftigt haben und sich vorgestellt haben, wie es wäre. Dann aber klar zu sagen „Also ich mag X und Y. Aber Z ist nicht mein Ding.“, ist nicht immer leicht. Denn häufig war es ein weiter Weg sich überhaupt einzugestehen, dass man beispielsweise geschlagen werden möchte. Diesen Wunsch dann einem anderen Menschen gegenüber klar zu formulieren, ist oft noch einmal eine ganz neue Herausforderung.

Das „Problem“ jedoch ist, dass es gerade im BDSM extrem wichtig ist, zu sagen oder miteinander zu klären was man mag und was man nicht mag.

Denn viel schneller als bei Vanilla-Sex kann man im BDSM durch bloßes „einfach mal ausprobieren“, das Tabu eines anderen brechen und denjenigen damit verletzen. Solche Verletzungen sollten tunlichst vermieden werden. Sie zerstören das Vertrauen und oft auch den Mut sich überhaupt näher an BDSM heran zu wagen. Wer früh eine schlechte Erfahrung macht, der lässt es dann vielleicht lieber ganz.

Was hilft aber nun gegen dieses Problem? Gedankenlesen ist es nicht. Soweit waren wir schon.

Als Dom sollte man der Sub helfen und mit konkreten Fragen Brücken bauen. Einfach entsprechende Stichworte in die Unterhaltung werfen, die Reaktion abwarten und darüber reden. Dabei sollte möglichst auch immer klar sein, dass ein Interesse nicht mit einem Versprechen gleichzusetzen ist oder dass diese oder jene Praktik demnächst ausgeübt werden muss.

Es braucht eine Ebene der Kommunikation, bei der Interessen und Wünsche offen geäußert werden können, ohne dass sie als Verpflichtung verstanden werden. Von beiden Seiten.

Konkrete Beispiele in Geschichten, Büchern, Videos, Gifs, usw. können auch eine gute Anregung sein. Manchmal bringen sie ein Gespräch in Gang und führen zu Themen, an die man in einer Unterhaltung bisher nicht gedacht hatte.

Außerdem ist es oft leichter einen Link zu schicken und die Reaktion abzuwarten, als etwas direkt anzusprechen.

Wichtig ist nur, dass der erfahrenere Part eine Atmosphäre schafft, in der auch der unerfahrene Part sich unbefangen äußern kann. Sich, vielleicht zum ersten Mal, einem anderen Menschen mit solchen Wünschen und Bedürfnissen zu öffnen fällt nicht jedem leicht. Jeder hat dabei sein eigenes Tempo, was respektiert werden will.

Sollte es einem der beiden zu langsam oder zu schnell gehen, dann passt ihr vielleicht einfach nicht so gut zueinander wie es zuerst aussah. Das ist kein Drama und kommt vor. Lasst euch davon nicht entmutigen.

Wie so oft ist Kommunikation hier der Schlüssel. In diesem speziellen Fall aber vor allem auch die Art der Kommunikation. Auf der einen Seite heißt es Raum zu geben, um sich zu öffnen. Auf der anderen Seite mutig sein und auch einfach mal über den eigenen Schatten springen. Schließlich hat man es grundsätzlich mit einem Gleichgesinnten zu tun.

4 Gedanken zu “Der Dom als Gedankenleser

  1. Gerade anfangs bietet sich an, das Gespräch im Halbdunkel zu führen, auch ohne sich direkt anzusehen. Ein kleiner Trick, um ein Thema eher beiläufig aufzugreifen.
    Und wie du schon geschrieben hast: Szenen in Büchern, Filmen oder Fotos als Aufhänger verwenden, finde ich für ganz neue Sachen eine super Idee.

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