„Das gehört sich nicht!“

„Das gehört sich nicht!“ oder „So was macht man nicht!“ Das hören wir von Kindheit an. Wir bekommen eingeimpft, was „man“ tun darf und was nicht. Und das nicht nur in der Öffentlichkeit, wo uns jeder sieht. Auch im ganz Privaten gibt es Dinge, die „gehören sich nicht“.

Auch und gerade beim Sex.

Was ist, wenn man sich sexuelle Dinge wünscht, die „sich nicht gehören“? Was ist, wenn man selber moralisch oder aus der Prägung durch die Erziehung im Elternhaus Probleme damit hat, gewisse sexuelle Wünsche auszuleben?

Und da kommt bei manchen BDSM ins Spiel. Denn wenn man in der submissiven Rolle ist und bekommt einen Befehl, dann kann man ja nicht widersprechen. Man muss widerspruchslos tun, was einem befohlen wird. Das ist der Konsens im BDSM. Dann kann man aber auch nichts dafür, wenn man Dinge tut, die „sich nicht gehören“. Und schon hat man eine perfekte Ausrede vor anderen und vor sich selber.

Ich habe dazu kürzlich eine meiner kleinen Umfragen gestartet. Und zwei Drittel der Teilnehmer sagen von sich, sie hätten solche Fantasien.

Was meine ich, wenn ich von Fantasien spreche, die „sich nicht gehören“ oder die man „nicht will“ und zu denen man dann „gezwungen“ wird?

Ein Klassiker wäre beispielsweise Sex mit einem Fremden. Viele Frauen fantasieren davon. Aber abgesehen davon, dass es in der praktischen Umsetzung nicht ganz einfach und auch nicht ungefährlich ist, „tut man es nicht“.

Wenn man als devote Frau diese Fantasie aber mit dem Herrn teilt, dann eröffnen sich Möglichkeiten. Der Herr kann jemanden suchen. Er kann es organisieren und auch aufpassen. Und plötzlich ist die Fantasie unter dem Stichwort „Vorführung“ oder „Fremdbenutzung“ auf einmal zumindest denkbar.

Durch die psychologische Hilfestellung des Machtgefälles fällt es dann plötzlich leichter, sich vor sich selber zu rechtfertigen. Zuzulassen, was sonst vielleicht mit Schuldgefühlen behaftet wäre.

Denn es ist ja nicht die Entscheidung der Sub. Der Herr hat es befohlen. Da muss Sub jetzt durch.

Für manche ist auch die Lust am Schmerz ein Problem. Sich das einzugestehen fällt nicht jedem leicht. Wer gerne so geschlagen werden mag, dass blutige Striemen entstehen, der kann sich und anderen das nicht immer auf Anhieb erklären.

Wie praktisch ist es dann, wenn der dominante Part die Schläge anordnet. Dann nimmt man sie natürlich demütig hin. Und wenn der Partner nicht von alleine darauf kommt, dann bricht man vielleicht mit voller Absicht ein paar Regeln und wird dann „bestraft„. Mein Weg wäre in so einem Fall lieber miteinander zu reden. Aber als Hilfsmittel für die, die das nicht können oder noch nicht so weit sind, ist auch dieser Weg eine Möglichkeit.

Ein weiteres Beispiel ist ForcedBi. Das mag es auch für weibliche Subs geben, ist aber mit Sicherheit für männliche Subs gängiger.

Als Mann tut man sich mit solchen Bi-Fantasien landläufig schwer. So etwas „tut man eben nicht“. Diese Vorstellung herrscht ja immer noch vor. Wenn aber die Herrin nun partout befiehlt mit einem anwesenden Mann aktiv zu werden, dann hat man als Sub ja keine Wahl.

So fallen Dinge oft leichter, weil einem auf der Metaebene die Entscheidung abgenommen wird. Man trickst sich selber ein wenig aus und kann so freier ausleben, was man sich auf sich alleine gestellt vielleicht nicht trauen oder zugestehen würde.

Natürlich ist das nicht der einzige Grund für solche Fantasien. Ein weiterer kann sein, dass man den Kick darin erlebt gezwungen zu werden. Vielleicht sind es Praktiken die man alleine gar nicht erst ausleben würde. Die aber durch den Zwang interessant werden. Auch das ist möglich.

Aber ist das ok?

Natürlich ist das ok. Wem schadet man denn?

In allem, was mit Sex zu tun hat, sollten wir uns von gesellschaftlichen Konventionen von nichts abhalten lassen. Einzig die Fragen „Tut es mir gut?“, „Macht es allen Beteiligten Spaß?“ und „Schade ich jemandem damit?“ sollten der Maßstab sein, an dem wir unsere Entscheidungen messen.

Wer aber für sich selber und aus welchen Gründen auch immer ein Hilfsmittel braucht, um zu erleben und spüren wonach ihm ist, der kann das so tun. Wer gerade daraus seine Befriedigung zieht, der soll damit glücklich werden. Aus meiner Sicht gilt hier immer das Prinzip „Erlaubt ist, was funktioniert“. Und was für wen funktioniert ist eben extrem individuell.

Man sieht also, BDSM bietet hier viele Möglichkeiten, um umzusetzen, was einem sonst schwer fiele oder gar so gut wie unmöglich wäre. Und da kann auch ein scheinbarer Umweg zum Ziel führen.

Ein Gedanke zu “„Das gehört sich nicht!“

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