Neugierig auf BDSM aber vergeben

Manche Leute entdecken früh, dass sie auf BDSM stehen. Bei manchen dauert es länger. Bei anderen wiederum sehr lange. Vielleicht war da immer ein diffuses Gefühl, dass etwas nicht so ist wie es sein sollte. Oder der Sex war nie so aufregend wie andere immer gesagt haben. Und plötzlich stolpert man über ein Bild, ein Filmchen im Netz oder ein Buch und es knallt. Plötzlich ist klar: das ist es was immer gefehlt hat.

Wer Glück hat ist in dem Moment dieser Entdeckung Single oder in einer Beziehung in der der Partner für das Thema offen ist. Im Idealfall teilt der Partner die Neigung oder das Interesse am BDSM. Was aber, wenn es anders kommt? Was, wenn man verheiratet ist und der Partner mit BDSM nichts am Hut hat? Wenn der Partner gar schon geäußert hat wie „krank“ und „abartig“ er solche Praktiken findet?

Spätestens dann steckt man in einer unangenehmen Situation. Eine Situation die schon mehr Menschen erlebt haben als man denken meint.

Auf Twitter habe ich eine kleine Umfrage gemacht laut der 65% der Teilnehmer schon in einer Beziehung gesteckt haben, in der der Partner nichts von ihren Neigungen wusste.

Was also tun, wenn man in einer Beziehung steckt und BDSM für sich entdeckt?

Wichtig ist natürlich erst einmal, wie intensiv ist der Wunsch? Ist es etwas auf dass man verzichten kann? Dann haben wir vermutlich kein so großes Problem. Das Thema ignorieren und wenn das klappt, na gut.

Ist das Thema aber sehr intensiv präsent, brennt auf den Nägeln und Verzicht kommt nicht in Frage, was dann?

Natürlich ist Möglichkeit eins, mit dem Partner zu reden. Wenn man sich sicher ist, dass die Neigung da ist und nicht mehr weg geht. Wenn man sich sicher, dass es genau das Richtige ist, was womöglich bisher immer gefehlt hat, dann darüber reden. Aber Vorsicht, denn schon hier liegt Sprengkraft.

Findet der Partner diese Form der Sexualität nicht gut, dann kann es zu Konflikten führen. Nicht wenigen Leuten passiert es leider, dass sie auf völliges Unverständnis und Ablehnung stoßen. Und genauso enttäuscht wie man selber dann ist, so enttäuscht ist auch der Partner und das kann zum Bruch führen.

Aber wer seinen Partner gut kennt, der sollte das einschätzen können. Vielleicht hilft ja ein Testballon. Beispielsweise BDSM mal in ein Gespräch einfließen lassen, vorschlagen einen Film wie „Fifty Shades of Grey“ gemeinsam zu schauen etc. Aus der Reaktion kann man ja schon ersehen, wie die Stimmungslage zum Thema ist.

Sollte der Partner ablehnend reagieren und sich dem Thema BDSM gegenüber verschließen, dann bleibt immer noch die Möglichkeit sich außerhalb der Beziehung das zu suchen, was fehlt. Dabei gibt es viele Varianten von Beziehungen in denen der Partner einverstanden ist, dass man sich das, was man in der Beziehung nicht bekommt, anderweitig sucht.

Solche Arrangements können gerade in langen Beziehungen neue Würze bringen, da der Part, der BDSM entdeckt hat, sich nun ausleben kann. In 99% der Fälle macht das diesen Part zufriedener und somit hilft es der Beziehung. Es kann aber natürlich auch das Ende der Beziehung beschleunigen, wenn dieser Part dann beispielsweise nur noch BDSM leben möchte.

Ob ein solches Arrangement einer Beziehung hilft oder sie eher beendet hängt völlig von den Persönlichkeiten und der einzelnen Beziehung ab. Prognosen sind da schwer zu treffen. Ich persönlich halte das Unterdrücken der Neigung auf Dauer für ebenso schädlich wie das Ausleben es sein kann. Denn wer unterdrückt ist nicht glücklich und wird dieses Unglück, sei es unbewusst, dem Partner irgendwann zum Vorwurf machen.

Natürlich gibt es auch noch die Variante es heimlich auszuleben. Auch das geht. Auch das kann helfen oder das Ende der Beziehung beschleunigen.

Es gibt hier kein Richtig und kein Falsch. Ich selber bin gegen die Variante es zu unterdrücken. Die eigene Sexualität zu unterdrücken kann nie gut und gesund sein. So sehe ich es.

Aber wie man das Dilemma löst ist ganz individuell. Was für den einen funktioniert, ist für den anderen undenkbar.

Es gibt alle denkbaren Lebenssituationen. Beispielsweise kann man in einer Beziehung finanziell abhängig sein und es mit einem Partner zu tun haben, der BDSM für eine Krankheit hält, die ein Psychiater behandeln sollte. Oder aber die Liebe und Bindung zueinander sind sehr groß, aber sexuell funktioniert es nicht mehr.

Jeder muss da seinen Weg finden. Sicher ist aber, sexuell eigentlich mit dem Partner nicht kompatibel zu sein ist eine Bürde, die schwer auf einer Beziehung lastet. Lebt man sich dann nicht aus, wird die Last kaum weniger. Lebt man sich aber aus, dann kann auch das zum Bruch führen. Eine Zwickmühle für die niemand etwas kann.

Ein erster Schritt zur Lösung kann sein, darüber zu sprechen und sich Rat zu holen. Und sei es anonym im Internet. Denn reden hilft eigentlich immer.

6 Gedanken zu “Neugierig auf BDSM aber vergeben

  1. ja, das ist schon ein Problem mit den zwei unterschiedlichen Memschen. Sie sagt nein, er sagt ja. Ich stand schon immer zu meiner BDSM SEIN.mit 20 fand ich die Worte und auch den Sinn dazu. Die nächsten 20 Jahre lebte erlebte ich meine Neigung als Dom. Da kann, was kommen mußte die Liebe ist unergründlich und ich heirate. Altersunterschied fast 16 Jahre. Umstellung auf Vanille und BDSM ade. Doch im Laufe der Jahre kam der Dom immer wieder zum Vorschein und nahm immer mehr Platz ein. Irgend wann blieb nichts anderes übrig, als das Gespräch suchen. ..und es kam nach langen, fast einem Jahr, der Entschluß: Sie steht nicht drauf und ich gehe außer Haus dem nach, das in mir ist. Voraussetzung nicht zuhause und schon gar nicht in den Ehebetten. Spielbeziehung ja. …und meine Frau ist immer noch meine Granddame. Die Sub muß sich als Frau mit der 2. Stelle begnügen. Als Sub nimmt sie natürlich die Poleposition ein. Hält die Verbindung länger, also halbes Jahr und mehr, nimmt meine Frau nun schon die Zweite aus der Ferne in Augenschein, Aber auch der persönliche Kontakt war schon da. Na ja, bin nicht so ganz glücklich damit, denn was können die beiden alles aushecken. so AIDS Teest und jährliche Checks bezüglich Geschlechtskrankheiten sind obligatorisch. ..und bei Fremden . wenn, dann nur mit Kondom. So sieht die Wirklichkeit aus. 30 Jahre glücklich verheiratet und doch gehen wir im Sexleben unterschiedliche Wege.Bei mir mit 70 heißt es Doppelbelastung. Bei beiden heißt es seinen Mann stehen, Bisher hat sich noch keine beklagt. so nseit einigen Monaten bin wieder auf der Suche nach einer D/s Beziehung. wird aber auch nichgt einfacher. Die Konstellation ist nicht jeder Frau Sache..

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  2. So ist es…. jeder muss für sich wissen was er macht. Wie er damit klar kommt und ob er so damit leben kann.
    Unterdrücken bringt nix, irgendwann will es raus….

    Lg

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  3. Ich bin sehr unsicher, ob es wirklich möglich ist, BDSM außerhalb einer bestehenden Partnerschaft zu leben. Klar, wenn es nur ein spannenden Add-on ist. Aber für eine überzeugte O gibt es nur einen Herren, alles andere daneben wird unwichtig. Ich persönlich empfinde meinem Herren gegenüber auf einer emotionalen Ebene, die für „Stinos“ unerreichbar bleibt. Ich habe solche Konstrukte im Bekanntenkreis erlebt und irgendwie sind sie alle irgendwann gescheitert. Es muss sich doch auch als Mann komisch anfühlen, wenn man sein“Freundin“ nach einer Session mit Striemen und verträumtem Blick wieder bekommt.

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